Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

würzelchen, n.

würzelchen, n.,
dim. zu wurzel.
1)
eigentlicher gebrauch.
a)
kleine baum- oder pflanzenwurzel:
jeder vogel sucht ein ästchen,
wählt sich einen platz zum nestchen,
flattert her, und flattert hin,
sammelt würzelchen und reischen,
baut sich draus ein kleines häuschen
Miller ged. (1783) 412;
einmal im stürzen, greift er nach einem ginsterstrauch, der vorragt. aber die wurzelchen sind zu schwach Liliencron s. w. (1896) 4, 227; jeder (wasser-)tropfen traf einen jungen halm, den er beugte, wenn er den stengel hinablief, und wiederum aufhob, erquickte und stärkte, indem er das würzelchen speiste, mit welchem die pflanze dem boden und ihrem eigenen dasein in dem garten verhaftet war E. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 19.
b)
eszbare, auch heilkräftige pflanzenwurzel: do herhub ich mich met der frowen und met dem kynde und wanderte dürch dy wyltenyss vyrczyg tage unde assen wörczelchyn und löbechyn von den boumen und manicherley gekrüde (15. jh.) altdt. blätter 1 (1836) 127 Haupt-Hoffmann; fuerunt in deserto multi edentes wurczelchen Luther 34, 2, 440 W.; schneid mit einem wolschneidenden messer ein wuͤndlin in die haut vnder dem aug (des pferdes) ..., vnd steck gemelt wuͤrtzlin zwischen der haut vndersich hinab Seutter hippiatria (1599) 171; da kenne ich so viel gute wuͤrtzelgen (als heilmittel) Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 139.
c)
in der botanik speziell derjenige teil des keimlings am pflanzensamen, der sich nach der keimung zur hauptwurzel verlängert: gegen dem untern theil der bohne findet man ein klein gewächse, davon der untere theil das würtzelchen heisset Breszler merkwürdigk. d. natur (1708) 26; um diese zeit nimmt die keimung (des malzes) ihren anfang; zuerst entwickeln sich die kleinen wurzelfäserchen an den spitzen enden der körner, eine weisze hervorragung bildet sich aus und zertheilt sich bald in drei oder mehr würzelchen, die rasch fortwachsen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 467.
2)
übertragener gebrauch: die liebe (Luise Rieter) klammert sich an alle würzelchen, welche helfen können (1847) G. Keller br. u. tageb. 2, 155 Ermatinger. bis ins einzelne, bis auf den grund: ei, schwägerin, du weiszt doch alles bis ins würzelchen hinein P. Dörfler d. lampe d. tör. jungfrau (1930) 356.
3)
auf gegenständliches übertragen, in der sprache der medizin; vgl.wurzel B 4 c: als accessorische inconstantere wurzelgebilde kommen dann noch hinzu: fädchen der aus ... den beiden anderen augenmuskelnerven stammenden reiser und das obere äuszere würzelchen (radicula superior externa), welche von dem äuszeren keilbeingeflechte des karotischen nerven stammt Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 4, 320.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2365, Z. 3.

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Zitationshilfe
„würzelchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrzelchen>, abgerufen am 11.08.2020.

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