Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gewurzt

gewurzt,
participialform zu wurzen (s. d.), im gegensatze zu gewurzelt (s. o.) nur innerhalb der umschriebenen verbalflexion beobachtet:
daʒ was ein kleiner erdewase
gewurzet ane kraft mit grase.
Rudolf v. Ems Barlaam und Josaphat 117, 2 Grimm;
gewurtzet, das wurtzen gewunnen hat, radicatus; das zwi hat gewurtzet Maaler 181ᵃ; vgl. wurzen Lexer 3, 1013; vgl.ungewurzet 2, 1891.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1913), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 6869, Z. 21.

gewürzt, participiales adjectiv

gewürzt, participiales adjectiv
zu würzen (s. d.), vgl. gewürzen sp. 6858.
1)
von der reichen entwicklung, die das particip gerade in adjectivischen verwendungen erfährt,
a)
ist die ältere sprache wenig berührt, vgl. Graff 1, 1052; Lexer 3, 1014.
α)
nur die attributive verbindung mit dem wein, die später eine so grosze rolle spielen sollte, ist bei Williram unter dem einflusz der vorlage wirksam, wobei bemerkenswerth ist, dasz die späteren übersetzer auch statt des fremdworts ersatzbildungen bieten: ich scenkon dir gepîmenteten wîn unte môst ûʒʒen roten epfelen gedûhtan ... daʒ der amor nîene sî otiosus, sunter mit guoten werchon condîtus, alse der gewurzeto wîn (132, 8) 60 Seemüller (von dem vermischten wein Koberger; mit gemachtem wein Luther hohes lied 8, 2; desgl. Eck, Dietenberger u. a.); vgl. gepigmentet clâret Wolfram Willehalm 177, 4 u. a.; sinôpel mit pigmente 276, 6 u. a.; vgl. aber gewyrtod win, factitium vinum Bosworth-Toller 473ᵃ; der gewurzde wîn der us dirre reben wuͦchs, das waʒ ir vil liebes kint, Jhesus Christus sog. St. Georgener prediger (64 von unser vrowen) 295 Rieder; wan si sint trunken worden von dem gewurzeten wine (71) 309. vgl. auch sp. 6870.
β)
auf die fremde sitte der balsamierung von leichen weisen vereinzelte mittelhochd. verwendungen des part.:
gewurzet mit groʒen werden
wart er geleit zur erden.
pass. 385, 81 Köpke;
vgl. auch Renner 24232.
b)
fremdsprachliche bildungen haben auch in den ältern wörterbüchern das particip zuerst herangezogen: conditus, gewürtzt, geziert, höfflich Dasypodius lat.-deutsch. th. G 2ᶜ; inconditus, ungeschmackt, ungewürtzt ebenda; gewürtzt, aromatites, conditus, conditaneus Henisch 1610 (verbindungen s. u.); conditus, gewürtzt, eingemacht G. H. König gazoph. lat. 247; gewürtzt oder gewürzet, espié, poivré aromatibus conditus Duez (1664) 200ᵃ (verbind. s. u.). vgl. auch Rondeau, Schwan u. a.
c)
für den gebrauch des particips kennzeichnend sind die attributiven verbindungen (s. 2), doch sind auch einige syntaktische besonderheiten auszerhalb dieses rahmens anzumerken.
α)
die küchensprache bevorzugt für ihre vorschriften elliptische formen: die suppen mit den ruebn daran gossen und gewurzt Tegernseer kochbüchlein s. Germania 9, 206; gewürzt und gilbt 206; gar wohl gewürzt 207.
β)
eine andere ellipse begegnet in buchungen: er mag weder gesalzt noch gewürzt essen, il n'aime ni salé ni epicé Rondeau 2 U u 4ᵃ; er liebt weder gesalzen noch gewürzt Schwan 1, 750ᵇ.
γ)
substantivierung liegt vielleicht vor in: über dis alles sigen gewesen mangerlai costlicher salben, gewürzt, confect, mit vil anderlai gauben, mit disem allem der kaiser begaubet worden ist Gallus Oheim chronik von Reichenau 78 Barack; wolgeschmackte gewürzt, aromata Maaler 201ᵈ;
da waren die gerichte manigfalt:
gewürtzt, gallrad, warm und kalt,
von allerlei speisz und getranck.
Waldis Esopus 1, 9, 32;
d)
für die adjectivische entwicklung zeugen steigerungsformen: das lachen, was uns die letzteren abdringen, ist gewürzter; wir können in ihren schwachheiten mehr unterscheiden Gerstenberg (resensionen 1768) s. dtsch. litt. denkm. 128, 68;
mir gewürzter wächst der Mainwein
zwischen Mainberg und der stadt.
Fr. Rückert 2, 44;
vgl. auch G. Keller 1, 65.
2)
die hauptformen des attributiven gebrauches.
a)
in der sinnlichen grundbedeutung des -particips
α)
stehen die verbindungen der küchensprache voran.
1))
der gewürzte wein (s. o.) ist in den wörterbüchern vom ende des 16. jahrh. ab fast lückenlos überliefert; in den litterar. belegen steht er im wettbewerb mit andern formen entsprechenden getränkes:
a))
gewürzter wein, hippocrasz, aromatites, vin aromatisé Emmel 324; ähnl. Hadrianus Junius 52; König 108; Henisch 1610; gewürtzter wein, vin hypocras, vin aromatisé Hulsius (1614) 165ᵃ; Duez (1664) 200ᵃ; (hipocrasso, vino aromatizato) Rädlein 385ᵇ; gewürtzter tranck, wein Aler 1, 944ᵇ; gewürtzter wein, aromatites Kirsch 2, 152ᵇ. G. Mathias 182ᵇ; gewürzter wein s. klaret Chomel 4, 1069; (hypocras) Rondeau 2 Uu 4ᵃ; gewürzter wein, mit zucker und gewürzen angemachter wein, hippocras, vin aromatisé Schwan 1, 750ᵇ. vgl. auch gewürzwein.
b))
gewürtzte wein, und alle dergleichen schleckerhafftige getränck Ryff traumbuch Artemidori 60ᵃ; Einbeckisch hopfenbier, Torgisch gewürtzt bier Fischart Gargantua 85 neudr.; solcher suͤszer, gewürtzter und hitziger moͤste und gedrenck Joh. Mathesius Sarepta (1571) 10ᵃ;
vergassen wir der noth bei selbst gewürztem moste.
Günther nachlese 54 (herrn M. v. R.);
gewürzter maderawein nebst gefrornem ... rheinweine begleiteten die süssigkeiten H. König clubisten in Mainz 2, 64; vgl. auch Grillparzer 7⁵, 177;
und böte sie mir statt gewürzten weins
auch im krystall unschuld'ges wasser dar,
ich liesze selbst dies wasser unberührt.
Hebbel Herodes u. Mariamne 1, 2.
2))
bei den anderen verbindungen gehen buchungen und literarische belege mehr auseinander:
a))
ouch mach ain galrai von win, essich und von visch brüge gewürzt, gefärbt mit honig und pfefferbrott alemann. büchlein v. guter speise 183 Birlinger; auch bekand er, wie er in seiner krangheit, fleisch und gewurtzte bruͤe und speck gessen hette Er. Alberus Eulenspiegel (1542) D 2 a (CVIII); gewürtzt wohlschmeckendt brühe, jus bene conditum Henisch 1610; ubel gewürtzte brühe, jus male conditum Aler 1, 944ᵇ.
b))
gewürtzte speise, viande espicée Hulsius (1614) 165ᵃ; desgl. Duez 200ᵃ; Rädlein; Aler; (cibus speciebus adspersus) Kirsch; Matthias; starkgewürzte speisen, viande de haut gout Schwan 1, 750ᵇ; beizte ihm die grossäugige Jucunde, die er hier geschaut hatte, wie gewürzter speisebrodem in die vorstellung C. Spitteler Conrad der leutenant s. 74 (1898).
c))
nim geribnen wolgewürzten lepkuochen alemann. büchlein v. guter speisz 200; gewürzter kuchen, un gasteau espicé, placenta aromatibus aspersa Duez 200ᵃ; gewürzte kuchen, levatelli ò fritelli con speziaria, gâteaux, épicez Rädlein 385ᵇ; arten von gewürtztem brod, kuchen und backwerck ... pfefferkuchen ... aus mehl, honig und pfeffer oder anderem gewürz ... Thornischer dicker pfefferkuche, starck von gewürtz ... torten ... ihre rinde oder der kant gehöret mit zu den arten des gewürtzten brodes J. S. Elsholtz neuwes tischbuch 272; vgl. gewürzkuchen.
d))
noch auch den brickenpfeffer theuer
noch gewürtzten butter, gplagt vom feuer.
Fischart lob der meyerei bei Sebiz;
darnach mach ein gelbe füll mit gewürzten eiern Straszburger auszug des Platina (1530) C 3ᵇ; semelin mel, aijer wasser, gewürzte füll, salz, öl, fur und ein pfan, darin der krapff gebachen wirt recept zu einem gaistlichen vasnachtkrapfen s. anzeiger f. kunde d. dtsch. vorzeit 5, 212.
β)
neuere gehen weit über die buchungen hinaus in der richtung auf gewürzhaft, gewürzig, würzig:
1))
'wiltu anderst werden gesunt,
so nim do diser wurtz ein pfunt
und thu haim hinter die zeun laufn!
und wo du finst die grosten haufn,
die unten prait sint und oben spitzich,
die wolgewurtzten, die sint hitzich,
von den möchstu am pesten gnesn,
die fint man, wo sint kirchwei gwesn.'
Peter Probst (vom kranken bauern 276) 101 neudr.;
die auf des Libanons gewürzte kräuter treten
und wer in Phrygiens hoch-aufgethürmten städten,
wer zu Abydos wohnt, der nachbarin von Sest,
die kommen insgesammt zu ihrer göttinn fest.
J. J. Bodmer character der teutschen gedichte (literaturdenkmale 12, 35);
s. oben gewürzkraut.
2))
würtze wegen der süsse, und gleichsam gewürtzten geschmackes Frisch 2, 461ᶜ;
die nelke, die vorher den garten so geziehret,
und unsre brust erquickt durch ein gewürtztes riechen.
Neukirchs gedichtsamml. 4, 65;
den bunter nelken glanz   in lachenden gefilden,
und ihr gewürzter hauch   ... empfindlich reizen mag.
Uz (kunst fröhlich zu sein 1, 215) 230 Sauer;
sie war von meinem orden, und hat oft
des nachts in Indiens süsz-gewürzter luft
durch ihre spiele mir die nacht verkürzt.
Wieland Shakespeare (st. Johannisnachtstraum 2, 2) 1, 152
(gewürzter luft auch bei Eschenburg; A. W. v. Schlegel; würzhafter luft Voss 1, 128);
gewürzte lüfte
tragen die liebesgrüss'
herüber.
Fr. Rückert 1, 580.
b)
der am verbum so reich entwickelte übertragene gebrauch (vgl. auch gewürzt, gepfeffert Schwan 1, 750ᵇ) greift auch in die verwendungen des particips lebhaft ein: ewer rede sei allezeit lieblich und mit saltz gewürtzet Luther Col. 4, 6 (ältere bibel: besprenget);
ein testament ... das ... mängelfrei,
mag keines richters auge scheuen;
gewürzt mit sinnes trefflichkeiten,
ein laut'rer mischtrunk ächter treuen.
Rückert (makamen 42) 11, 553;
um so mehr als der text von der art ist, dasz die anmerkungen auch wohl gewürzt sein dürfen Göthe (zum Rameau) br. 17, 263.
α)
gern wird das particip so in attributive verbindungen gezogen, die auch mit dem träger des attributs oder mit anderen bestimmungen den kreis der nahrungsmittel streifen: ein einfaches, von sicilischem wein gewürztes mahl auf den tempeltrümmern von Girgenti A. T. graf v. Schack ein halbes jahrh. (17. cap.) 185; an diese durch süssigkeiten aller art gewürzte stunde (in der conditorei) schlosz sich der dämmerungskorso Sudermann d. hohe lied (9) 96; vgl.(s. u.) Lessing 4³, 228; besonders in betreff des religiösen und wunderbaren eine gewürztere nahrung zu suchen Gottfried Keller (grüner Heinrich 1, 6) 1, 65 (s. o.).
β)
die ausschlieszliche richtung auf geisteserzeugnisse regte schon antikes vorbild an: die Indier haben also auch das gekannt, was Aristoteles den gewürzten ausdruck (λογον ηδυσμενον) des drama nennt, wozu bei den Griechen rhythmus, harmonie, gesang gehörte; denn wie sehr dies drama im ausdruck gewürzt sei, werden sie in der vorrede zu ihm bemerkt haben Herder (zerstr. bl. 4) 16, 104; zarte empfindungen, gewürzte einfälle und neue wendungen des geistes Thümmel (reise 4) 4, 91; diese etwas von eifersucht gewürzte anspielung verstand Wendelgard nicht, da sie gutmütigen herzens war Gottfried Keller (Züricher novellen: landvogt v. Greifensee) 6, 204; von madame Murray hat mir Christelchen schon einmal eine sehr gewürzte beschreibung gemacht G. Chr. Lichtenberg briefe 1, 65 (Leitzmann-Schüddekopf);
dies waren jene tröstlichen, mit weisheit
gewürzten worte, die der genius
auf ihrem weg durch lichte pfade sprach.
Alxinger (nach dem ital. des Casti di saviezza aspersi accenti) 8, 207;
hieraus entspann sich ein munterer, mit allerlei persönlichen anspielungen ... gewürzter dialog P. Heyse (trag. novellen 1: die rächerin) II, 14, 128; unterbrach man sich in diesem mit medisance reichlich gewürzten gespräch Fontane (frau Jenny Treibel 4. cap.) I, 8, 46.
γ)
seltener bezieht sich solches attribut auf eigenschaften: bei allerlei arten von beschreibungen finden wir in diesen briefen ... eine besondere mit etwas scharfem salz gewürzte anmuth Lessing (über Gellerts briefe 1751) 4³, 228; die pittoreske, farbenschillernde und stechend gewürzte beweglichkeit des Gutzkow'schen geistes H. Heine Deutschland I romantische schule 3; man musz gestehen, dasz flöte ganz wie klassik, violoncell ganz wie gewürzte modernität klingt Laube neue reisenovellen 1, 269.
δ)
auffällig ist die beziehung auf personen: sie sei ein dreimal gewürztes frauenzimmer, versicherte er stets nach solcher probe; nicht einmal die Lisei hab es so schnell capirt Th. Storm (Pole Poppenspäler) 4, 90.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1913), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 6869, Z. 30.

würze, f.

würze, f.,

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gewürz, aroma. im mhd., wohl kaum weit vor 1300, von dem plural des starken fem. wurz (s. d.) abgeleitet in der weise, dasz der plural als kollektiver singular mit spezieller bedeutung gebraucht wird. einen gelegentlich gebrauchten eigenen plural scheint würze erst in frühnhd. zeit zu entwickeln (s. unter 1 a β). würze wird stark flektiert. schwache formen begegnen nur vereinzelt: würtzen (dat. sing.) Braunschweig chir. (1539) 42ᵇ; würzen (nom. pl.) Freiligrath ges. dicht. (1871) 1, 135. würze ist ein wort der hd. schriftsprache, die mundarten kennen es kaum (aber vgl. unter 3).
1)
spezerei, gewürz, aromatischer duft, aroma; vgl. condimentum wortze, wúrcz (obd. 14. jh.) Diefenbach gl. 140ᵇ; sal wircz alder salcz (obd. 14. jh.) ebda 324ᵇ; species worcz (md. 15. jh.), wort (nd. 15. jh.) ebda 545ᵇ; worte species, aroma (1445) bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 773ᵃ; aromata, species, condimentum würz (und gewürz) Stieler stammb. (1691) 2587.
a)
überwiegend als kollektive bezeichnung von gewürzstoffen. im mhd. ist eine beziehung auf aromatische stoffe hier und da möglicherweise mitgegeben, aber eine differenzierung des wortgebrauchs, wie sie sich im nhd. abzeichnet (s.b), besteht nicht. der gebrauch des wortes in dieser bedeutung geht seit dem ende des 18. jhs. spürbar zurück und stirbt schlieszlich aus:
α)
sing. gebrauch ist die regel:
si (die königin von Saba) quam mit knechten genuc.
manic soumer vor ir truc
richeite vil, als ir gezam.
genuc si ires goldes nam
und darzu edele wurze
passional 267, 97 Köpke;
daz ein snider ... oder waz antwerkmannes er waz, eime herren hiesche ... daz er ime schuldig waz von koufende würtze oder duch (Straszburg 14. jh.) städtechron. 8, 123; wiltu wuͤrste ausz vischen machen, so schuͤppe sy vnd hack sy klein. stosz sy in einem moͤrsser, thuͦ wuͤrtz vnd saltz dar zuͦ, fül die dermer kuchenmaistrey (1493) a 5ᵇ; du (der gerechte) zeuchst mit oͤle zum koͤnige, vnd hast mancherley wuͤrtze, vnd sendest deine botschafft in die ferne, vnd bist genidriget bis zur hellen Jes. 57, 9; saltz, die edelste vnnd beste wuͤrtz Kirchhof militaris discipl. (1602) 31;
sein bestes essen ist milch, eyer, honig, schmaltz,
für spargen jszt er kraut, an statt der würtze saltz
Opitz teutsche poemata 30 ndr.;
ich esse die einfältigsten speisen, ohne alle würze Gellert s. schr. 10 (1839) 56; (der bauer) kaufte in der stadt die nesteln für seine kleider ..., würze für seinen sauern wein G. Freytag ges. w. (1886) 20, 106. vereinzelt noch: die tunke wird ... mit noch etwas salz, paprika und 18 bis 20 tropfen würze abgeschmeckt, über das zurechtgeschnittene fleisch gegeben daheim 71 (1935/36) nr. 6, 70ᵃ.
β)
der plural begegnet, der kollektiven bedeutung des wortes gemäsz, sehr selten; wo er im mhd. zu begegnen scheint, ist wohl meist anzunehmen, dasz es sich um den alten plural von wurz, f. in dessen bedeutung 1 b handelt: so du wilt einen vasten krapfen machen, so nim nüzze, und stoz sie in einem mörser ... und snide sie drin würfeleht und menge sie mit würtzen, wellerley sie sin (14. jh.) buch v. guter speise 20 lit. ver.; vor der vnterhandlung (Fuggers mit dem könig) waren alle wurtze bessers kauffs, hernach aber haben sie die selbigen gesteygert nach yhrem wolgefallen Agricola 750 teut. sprichw. (1534) R 1ᵃ; darumb einem jungen knaben dienlicher und bequemer ist, ein einfaͤltig, gut, gesundt, verdaͤwlich essen oder zwey, dann zwentzig mit allerley wuͤrtzen und specerey gepfeffert Lorichius pädag. principum (1595) 9;
... so macht man gifft mit scheinbarn wuͤrtzen suͤsse
Lohenstein Agrippina (1701) 75;
sieh, der schiffer kehrt mit gold
aus des südens heiszen zonen;
edle würzen sind der sold,
die den kühnen zug belohnen
Freiligrath ges. dicht. (1871) 1, 135.
γ)
zur würze, als würze. selten in der beziehung auf das gewürz selbst: (zwiebeln) werden mehr als würzen denn als nahrungsmittel benutzt Muspratt chemie (1888) 6, 180. sonst in mehr verbaler auffassung. 'zum zweck des würzens, zum gebrauch als gewürz': am allermeisten aber bedienet er (der bär) sich (hinsichtlich seiner nahrung) gleichsam zu seiner würtze der ameissen Göchhausen notabilia venatoris (1741) 41; gott habe einem jeden land das nothwendige verliehen, es sei nun zur nahrung, zur würze, zur arzenei, man brauche sich deszhalb nicht an fremde länder zu wenden Göthe I 25, 1, 51 W.; salz bereiten die Polynesier nicht, benutzen aber seewasser zur würze ihrer fisch- und fleischspeisen Ratzel völkerkunde (1885) 2, 165; nicht zum selbständigen genusz sondern als würze von speisen fehlt bekanntlich in unseren gärten niemals der schnittlauch Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 288.
δ)
in attributiver verbindung von bestimmten gewürzen. neue würze myrtus pimenta L. Holl pflanzennamen 258ᵇ: denn da beide schüsseln fleisch täglich einerlei sose hatten ... und die sose jedesmal aus wasser, gebrantem mehl, und etwas neuer würze bestand, ... so asz fast nie ein schüler seine portion auf Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 85; neue deutsche würze nigella sativa L. Holl pflanzennamen 336ᵃ; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 631ᵃ.
b)
aus pflanzenprodukten gewonnener aromatischer stoff, der als räucherwerk, einbalsamierungsmittel u. dgl. verwendet wird. häufiger im plural. von a (sieh dort für die mhd. zeit) deutlich geschieden erst im nhd., aber nur bis ins 18. jh. hinein bezeugt: liebe braut, deine bruͤste sind lieblicher denn wein, vnd der geruch deiner salben vbertrifft alle würtze hohelied 4, 10; nun ist ein gewonhayt in Behem, das sie der verstorbnen künig leybe mit koͤstlichen wurtzen balsamiert acht tag, ehe sie jn begraben Seb. Franck Germ. chron. (1538) 227ᵃ; (die kranke) hat auch geklaget, der mund thete ihr wehe, welchen die weiber also mit wuͤrtz und essig gerieben hatten Prätorius anthrop. Pluton. (1666) 2, 130; wozu dienet es doch, ... den körper (die leiche) mit myrrhen und aromatischen würzen zu erfüllen, wenn er eingesalzen werden soll anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 841 Gottsched. die ungebräuchlich gewordene bedeutung miszverstehend und in die nähe von ebenfalls schon ungebräuchlichem wurz 1 b gerückt, in der entsprechung zu gr. φάρμακον:
denn auch dorthin steurt im hurtigen schif Odysseus,
würze des männermords zu erkundigen, dasz er mit solcher
sich die ehernen pfeile vergiftete
(Odyssee 1, 262) Voss Homers w. (1793) 3, 15 (die fassung von 1781 hat: säfte);
schneid aus dem schenkel den pfeil, und rein mit laulichem wasser
spüle das schwärzliche blut; auch lege mir lindernde würz auf,
heilsame, welche du selbst von Achilleus, sagt man, gelernt
(Ilias 11, 829) Voss Homers w. (²1802) 1, 300 (die erste fassung von 1793 hat: salb).
c)
würziger geruch, geschmack, aroma. seit dem ende des 18. jhs., die ungebräuchlich werdenden bedeutungen a und b fortsetzend:
saugt aus wein der klee sein leben,
wohlgeruch und honigsaft? —
kraut und blumen, selbst die reben
danken dir, o Nais, leben,
würze, süszigkeit und kraft
Bürger s. w. 27ᵇ Bohtz;
diese eigentümliche würze, meint er, habe das veilchen von jeher an keinem orte der welt ausgehaucht als hier, wo sich sein duft mit den frühen gefühlen einer reinen liebe vermischte Mörike w. 2, 275 Maync; (der wein) ist kühlend und nicht ohne würze, erwiderte der kantor G. Keller ges. w. (1889) 6, 32; in dem unmittelbar vom gletscherwasser genährten see gedeihen sie (die forellen) zu einer würze und schmackhaftigkeit, die unerreicht bleibt Scheffel ges. w. (1907) 3, 100; der müller ... reckte sich und atmete erleichtert die würze des morgens P. Dörfler d. lampe d. tör. jungfrau (1930) 64.
2)
in übertragener bedeutung bezeichnet würze dasjenige, was eine sache belebt, sie interessant, ansprechend oder überhaupt erst vertretbar macht. im 16. jh. zögernd einsetzend, nach der mitte des 18. jhs. überaus häufig.
a)
bis zur mitte des 18. jhs. nur und noch bis ins 19. jh. hinein oft unter bewahrung der bildvorstellung der würzenden speisezutat: man eine meinung ..., wan die sol erklert vnd dem volck fürgetragen werden, erst mit viel würtze bestrawe Barth weiberspiegel (1565) C 1ᵃ; o! ihr meine gedancken! ihr seyd die jenige wuͤrtze, welche mein fleisch vor der zeit verzehren Zendoriis teutsche winternächte (1682) 199; eine würze von unzucht und religionsspötterey ist reichlich über das ganze (Voltaires 'Candide') ausgeschüttet Haller tageb. (1787) 1, 186; schwermuth, kummer, sorgen, leiden sehe ich als würze an, die den geschmack an wahrer lebensfreude erhöhen sollen J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 233; die schwester Margaretha gab eine andere würze, das spiel der phantasie und des witzigen geistes Laube ges. schr. (1875) 4, 76. sprichwörtlich: der hunger ist die best würz Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 75ᵃ u. ö., bis ins 19. jh. hinein:
zufriedenheit ist unser koch!
und hunger unsre würze!
Kotzebue s. dram. w. (1827) 4, 12.
b)
nach der mitte des 18. jhs. ist die übertragene bedeutung häufiger aus der bildvorstellung gelöst, sie ist seitdem die herrschende bedeutung des wortes: die drolligste laune, der schnurrigste witz, die schalkischste satire, lassen uns vor lachen kaum zu uns selbst kommen; und die naive bauernsprache giebt allem eine ganz eigene würze Lessing 9, 299 L.-M.; laszt uns nachdenken, auf welche art und weise wir dieser unterhaltung ... etwas mehr würze geben können Tieck schr. (1828) 4, 104; persönlich war Engels ein reizender, liebenswürdiger mensch, der es mit Martin Luthers parole hielt, dasz wein, weib und gesang des lebens würze seien Bebel aus m. leben (1946) 3, 143;
soll ich dir sagen, was die schönheit ist?
die würze dieses lebens, weiter nichts!
Weigand d. renaissance (1903) 3, 68;
wenn man die komik ein klein biszchen unanständig gestalten kann, dann wirkt sie durch solche würze doppelt Klemperer l. t. i. (1949) 97. auch hier in präpositionaler verbindung wie unter 1 a γ: in ihren kreis wollten die unsterblichen den sohn des staubes nicht ziehen; sie gaben ihm nur dieses wunderbare ahnen und träumen als würze zum leben Klinger w. (1809) 12, 107; so nehm ich an, dasz es mit der (kriegsgefahr) nicht so ernst aussieht, wie die gewöhnlichen leute hier sich zur würze vorstellen (1913) Rilke br. (1933) 287 inselverlag. vereinzelt auch im plural: der religiöse norden von Tibet musz solcher freuden und würzen des lebens entbehren Gutzkow ges. w. (1872) 6, 255.
3)
im brauverfahren die flüssige lösung des malzextraktes, die zu bier vergoren wird.
a)
in diesem sachbereich wird zunächst das von würze zu unterscheidende wirz, f. verwendet; vgl. Heyne dt. hausaltert. 2 (1901) 340 ff.das im dt. der i-deklination angeschlossene wort ist ursprünglich s-stamm. ahd. mhd. wirz; mnd. wert, nd. wert, wört, wērt; nordfries. (Wiedingharde) wyrt, n.; ags. wyrt, ne. wort; dän. urt; an. virtr, norw. vyrter, n. Torp nynorsk. et. ordb. 874. gelegentlich gebuchtes as. wirtia, wirtea (Holthausen ae. etym. wb. [1934] 412; Walde-Pokorny 1, 288) ist nicht nachzuweisen. schwed. vört 'malzextrakt zur bierbereitung' (seit 1539) ist wahrscheinlich entlehnt aus gleichbedeutendem mnd. wert (s. unter α). das zugrunde liegende germ. *wirtiz (daraus entlehnt finn. vierre 'würze', s. zuletzt Fromm zs. f. dt. altert. 88, 303) ist etymologisch unklar (E. Schröder in: Hoops reallex. 1, 280), es wird meist als ablautsform zu *wurt- in dt. wurz, wurzel, würze gestellt. vgl. die literatur oben unter wurz.
α)
wirz bezeichnet speziell den im zusammenhang mit der bierbereitung hergestellten malzaufgusz in glossen und vokabularien seit dem 11. jh., z. b.: brasicia i. wirz (11. jh.) ahd. gl. 3, 295, 41 St.-S.; (11./13. jh.) ebda 3, 267, 36; (12. jh.) ebda 3, 616, 59; briseca wirz (11./12. jh.) ebda 3, 495, 8; braxiuium wirtz, wyrtze, wúrtz u. ä. (obd. 15. jh.); wercz, werthsz (md. 15. jh.); wert, werte (nd. 15. jh.) Diefenbach gl. 81ᵇ; ders., nov. gl. 59ᵃ; risia gruut ł weert (nd. 1420); risum wircz (hd. 15. jh.) ders., gloss. 499ᵃ; mnd. wert Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 689 f. literarisch: by der wegen stont eyn kettel myt heter wert dar dat kynt rokelose in voll myt synen ganssen lyue legende d. stiftung v. Freckenhorst bei Dorow denkm. alter spr. u. kunst 1, 1, 37; denn wenn man bier brewet, so geusset man erstlich wasser ynn die pfannen, wenn das heysz worden ist, so geusset manns auff das maltz, darnach leszt man es durchlauffen, vnd geuszt dye wertz wider ynn die pfannen, und leszt es kochenn mitt dem hopffen Agricola sprüchw. (1529) 2, 151. im hinblick auf die im einzelnen brauprozesz verarbeitete menge malzaufgusz: (ein bürger wird vom rat) gefragt, wer ietzundt brewen thate, respondit, bmr Becker habe 5 mlt. maltz vnd mache in zweyen wirtzen 18 thonnen biers (1661) urkundl. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel (1894) 1, 269.
β)
unabhängig von der bierbereitung 'süsze, aromatische flüssigkeit, saft', allgemein oder im speziellen zusammenhang mit der metbereitung: ptisane (vulg. ptisanas) sucus prirorum (l. pirorum) ł uuirz (11. jh.) (spr. 27, 22) ahd. gl. 1, 540, 29 St.-S.;
und (Medea) gôz im (Jason) in die wunden
der tiuren arzenîe saf ...
im wart diu snellekeit geboten.
daz er spranc rehte alsam ein hirz.
daz schuof der arzenîe wirz
und daz edele tiure salp
Konrad von Würzburg trojan. krieg 10 798 Keller;
dem honige fliegent mucken nâch,
wefsen ist ze wirze gâch
Hugo von Trimberg d. renner 16 314 Ehrismann;
der guten mete machen wil, der ... neme zwei maz wazzers und eine honiges ... und siede denne die selben wirtz ... und schume die wirtz mit einer vensterechten schüzzeln (schüsselsieb), da der schume inne blibe und niht die wirtz (14. jh.) buch von guter speise 6 lit. ver. übertragen, von Maria:
dû süeze zuckers trâmes wirz
Lohengrin 7654 Rückert.
γ)
das wort ist in einigen md. und vor allem nd. mundarten erhalten geblieben: wirz 'bierwürze, malzextrakt' Waldbrühl Rhingscher klaaf 219. gewöhnlich bezeichnet es hier den malzaufgusz als ungegorenes bier, das selbst schon als getränk verwendung findet: wirz, wîerz Spiesz Henneberg 284; Reinwald Henneberg 2, 143; wört Dähnert plattdt. wb. 555ᵇ; würts Schumann Lübeck 60; wert, wêrt Schambach Göttingen 295ᵃ; wart, wert Schütze Holstein 4, 340; wërt Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 542ᵃ. möglicherweise wirkt hier und da nhd. würze (s.c) auf den mundartgebrauch oder auf die lexikographische buchung ein.
b)
im 13. jh. ist im anwendungsbereich von wirz zweimal die form würze, wurze bezeugt, und zwar augenscheinlich im sachzusammenhang mit der bierbereitung:
swer malzes phligt, die wîle ez lît
dur derren ûf dem slâte,
der lobe mîn bier unz er besehe
wie ime sîn wurz (hss.: wuriz A, wurze C) gerâte
(unechter Spervogel) minnesangs frühling 242, 24 Kraus;
er (ein ritter, dem eine frau für seine verlorene scheide eine
andere gegeben hatte) wolt sîn mezzer in die scheide schieben;
dô begunde sich diu klinge biegen
her wider rehte gegen deme hefte:
doch brâht er sî drin mit sîner krefte.
schiere het er wider gezogen;
ez habe ein swarziu krâ gelogen:
wer solte des getrûwen?
'zieht wider: diu würze (wurze C) ist noch niht gebrûwen'
Neidhart XLIV 24 Haupt-W.
die form wurze scheint die annahme einer bloszen lautvariante zu dem i-stamm wirz auszuschlieszen. aber auch die annahme einer umdeutung von wirz im sinne von würze 'gewürz' schon zu diesem frühen zeitpunkt (anders unter c) macht schwierigkeiten, da würze sonst erst seit etwa 1300 bezeugt ist. auszerdem scheint der gebrauch des 13. jhs. gar nicht von einer bedeutung 'gewürz' auszugehen und sich somit von dem seit dem 16. jh. im sinne von 'bierwürze' bezeugten gebrauch (unter c) zu unterscheiden.
c)
im 16. jh. wird wirz, das literarisch nicht über das 16. jh. hinaus bezeugt ist, mit dem lautähnlichen, im sinne von 'gewürz' geläufigen würze identifiziert. würze bezeichnet nun auch, etwa im sinne von 'bierwürze', prägnant an stelle von wirz diejenige flüssigkeit, die im brauprozesz aus der mischung von geschrotenem malz und wasser, der maische, durch trennung von den maischerückständen gewonnen wird: so das pech im vasz zergangen, so geusz darein ein halb nossel würz und lasz es also umbrühren, so schmecket das bier nicht nach pech (1569) haushaltung in vorwerken (1910) 33 Ermisch-W.; man ziehet aber von der gesottenen lautern wuͤrtz zuvor bey 15 schapffen voll herab, das thut man hinuͤber in den kessel und schuͤttet den hopffen darein, und laͤsset ihn also eine halbe stund oder laͤnger roͤsten Hohberg georg. cur. (1682) 2, 82; davon wird das maltz so milde, dasz man damit schreiben kan, wie mit kreiden; solche maltze geben eine gute wuͤrtze Kellner bierbraukunst (1690) 21; wird der wässerige auszug des gekeimten getreides (des malzes), die sogenannte würze in der bierbereitung, bis zum sieden erhitzt Liebig chem. br. (1844) 175; chemische zusammensetzung der fertigen, zur gärung gelangenden würze ... es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, dasz je nach den rohmaterialien malz, hopfen, brauwasser und den zur herstellung der würze dienenden maisch- und sudverfahren die würzezusammensetzung erheblichen schwankungen unterliegen kann Lueers d. wissensch. grundlagen v. mälzerei u. brauerei (1950) 516. die in einem arbeitsgang gewonnene menge bierwürze: in anderen englischen brennereien begnügt man sich mit zwei würzen nicht, am zieht drei, vier und sogar fünf würzen, wodurch das auswaschen der treber allerdings noch vollständiger erreicht wird Muspratt chemie (1888) 1, 566. auch für den malzaufgusz als ungegorenes bier, das in diesem zustand selbst schon als getränk verwendet wird, für das sonst vor allem nd. formen von wirz stehen (s. unter aγ): die hitzige wuͤrtz vnd wein zuͤnden die hoͤll im leib an, dasz der teuffel moͤcht drinnen verbrennen Lehman floril. polit. (1662) 2, 897; die unter dem namen a(lkoholfreies) b(ier) in den handel gebrachten getränke sind entweder sterilisierte und mit kohlensäure imprägnierte würze oder aber sie sind kunstprodukte, die unter dem zusatz von wenig würze ... aus gefärbter zuckerlösung hergestellt ... werden ill. brauereilex. (1910) 81ᵇ Delbrück. so als verhochdeutschung der dem verfasser offensichtlich ungeläufigen und in seinem genus verkannten form von wirz verstanden: sowohl dieses (sauerkraut) als das frische wort oder würze, diente zum präservativ gegen den schaarbock J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 371.
d)
von c her übertragen auf das blut: roth oder blutfarb (als eine farbe des kartenspiels), ist waͤsseriger art, vnnd zeiget erstlich an, dass offtmals einer bey dem spiel also geschlagen wirt, dass jhm die rothe wuͤrtz vber die backen lauffet theatrum diab. (1569) 511ᵃ; da sich denn endtlich ... ein zanck erwachsen, dermassen, dasz sie einander nach den koͤpffen geschmissen, dasz die rothe wuͤrtze hernach gefolget Rivander festchron. (1591) 1, 59ᵇ; Prätorius blockes-berges verrichtung (1668) 574.
4)
zusammensetzungen mit würze, f. begegnen im mhd. in nur geringer anzahl, sie nehmen mit dem 16. jh. sprunghaft zu. über gelegentliche deutung der würze-zusammensetzungen von wurz 1 'pflanze, kraut' her sieh unter wurz 5. in der kompositionsform überwiegt die fugenvokallose bildung weitaus; anders unter 5.
kompositionstypen.
1)
im hinblick auf aufbewahrung, vertrieb und gebrauch des gewürzes werden seit dem 15. jh. bezeichnungen für personen, gegenstände, tätigkeiten gebildet. der typ ist besonders im 16./17. jh. produktiv, im 19. jh. begegnen seine bildungen nur noch vereinzelt:
würzbank
Megiser annales Carinthiae (1612) 221,
würzbecher
würzebecher Stieler stammb. (1691) 74,
würzbeutel
würtzpeutel (1525) in: mitteil. d. geschichtsver. zu Eisenberg 18, 54,
würzfeile
'gewürzhändler': wurzefeile (1472) Bücher d. berufe d. st. Frankfurt 139ᵃ,
würzgewerb
Duez nomencl. (1652) 62,
würzgewölbe
Kuhnau d. music. quacksalber 39 dt. lit.-denkm.,
würzhandel
Schottel haubtsprache (1663) 454; Voigtl wb. (1793) 3, 673ᵃ,
würzhändler
nomencl. lat.-germ. (1634) 94; Jean Paul w. 32, 26 Hempel,
würzhaus
wurtzhusz 'taberna' gemma gemm. (1508) B 3ᵇ; wurtz haus (2. kön. 20, 13) (1524) Luther bibel 9, 2, 76 W. (1545: schatzhaus),
würzkasten
wuͤrtzkaste 'myrothecium' Orsäus nomencl. method. (1623) 242,
würzkauf
wurtzkauff Agricola sprichw. (1534) R 1ᵃ,
würzlade
Albinus meiszn. bergchron. 2 (1590) 28; Amaranthes frauenz. lex. (1715) 2148,
würzlöfflein
wuͤrtzloͤffelin Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 407,
würzmann
'gewürzhändler' in: zu dem wurzeman (Straszburg 1375, benennung eines alten hauses) Volckmann alte gewerbe (1921) 207,
würzmenger
'gewürzhändler': wurtzemenger (1495) Bücher d. berufe d. st. Frankfurt 139ᵇ,
würzmörser
Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1410ᵇ,
würzschachtel
Stieler stammb. (1691) 1703; würzeschachtel Rückert ges. poet. w. (1867) 11, 367,
würzsieb
worzce sep probsteirechnung d. jungfrauenclosters in Arnstadt v. 1495; würtz-sieb Rembold d. künstl. u. nützl. papier (o. j. 1740) 12,
würzsiebchen
Beier v. handwerkszeuge (1691) 96,
würzwaage
wurzwag (1514) in: württemberg. geschichtsquellen (1894) 19, 8.
2)
in einem umfangreichen, seit dem 15. jh. bezeugten typ vertritt würz(e)- als erstes kompositionsglied ein attribut in der bedeutung 'würzig' oder 'zum würzen geeignet'.
a)
bezeichnungen für stoffe, gewächse, früchte, speisen, getränke u. dgl., die entweder mit gewürzen zubereitet oder angereichert sind oder die schon von natur aus würzig sind und von denen gewürze gewonnen oder die zum würzen von speisen verwendet werden können:
würzapfel
wuͤrtzoͤpffel (akk. pl.) Bock kreutterb. (1539) 3, 40ᵇ; würzapfel Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 2086,
würzbaum
wurtz baume (1. Mos. 2, 12) erste dt. bibel 3, 49, 32 Kurr.; würzbaum anmuth. gelehrsamk. (1751) 7, 578 Gottsched,
würzbier
Wiedemann hist.-poet. gefangensch. (1690) jan. 23; G. Freytag ges. w. (1886) 11, 126,
würzbirne
Marperger kaufmann-magazin (1708) 911,
würzblume
taraxacum officinale Moench Schkuhr bot. hdb. (1791) 3, 24, -blut (vom wein) V. Weber holzschnitte (1793) 77,
würzbrötlein
wuͤrtzbroͤdlein Scheraeus sprachenschule (1619) 153,
würzbrühe
Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1079ᵇ; (übertragen) allg. dt. bibl. (1765) 5, 2, 252,
würzfrucht
Göthe I 37, 305 W.; Kolbenheyer Paracelsus 3 (1926) 175,
würzgeschleck
Eyering proverb. copia (1601) 2, 12,
würzkälberkropf
chaerophyllum aromaticum L. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 911,
würzkerbel
dass. ebda,
würzkoriander
coriandrum sativum L. ebda 1161,
würzkraut
würzekräuter (n. pl.)
Platen w. 2, 153 Hempel,
würzmittel
Campe 5 (1811) 801ᵃ; Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 291,
würzpflanze
Breszler merkwürdigkeiten d. natur (1708) 98; Duden rechtschreibung (¹⁴1958) 239ᶜ s. v. estragon,
würzreis
Ruysbroeck schr. (1701) stifftshütte 26ᵃ,
würzried
acorus calamus L.: wurtzriedt Megiser pol. (1603) 1, 197ᶜ,
würzrohr
Ruysbroeck schr. (1701) stifftshütte 94ᵇ,
würzstaude
Francisci d. wunderreiche überzug unserer niderwelt (1680) 37,
würzstoff
Moriz Heyne dt. hausaltertümer (1899) 3, 128.
würzsträuchlein
wurtzstreuͤchlin Luther 50, 617 W.,
würzsuppe
Stieler stammb. (1691) 1687,
würztrank
ebda 2332; würzetrank Kinkel ged. (1868) 2, 82,
würzware
(1665) bei Schmeller-Fr. bayer. wb. 2, 1015; (ironisch vom vogelkot) G. Opitz merkwürdige nachrichten 2 (1752) 114,
würzwasser
Wittichius tröstl. unterricht (1591) 40ᵇ.
b)
eine kleine gruppe von zusammensetzungen, die vornehmlich mit dem geruchs- und geschmackssinn wahrnehmbares bezeichnen, folgt dem vorbild von würzgeschmack, -geruch (an alphabetischer stelle):
würzaroma
würzarome (poet.) A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 19,
würzgedüfte
d. Lusiade d. Camoens (1816) 257,
würzhauch
Lenau s. w. 716 Barthel,
würzruch
Göthe IV 2, 288 W.
3)
bezeichnungen für anlagen zum anbau von gewürzen. der typ betrifft im wesentlichen bezeichnungen aus dem bereich des hohenliedes. er berührt einerseits mit seiner bildung würzbeet die wurz-zusammensetzungen, er fuszt andererseits vor allem auf Luthers bildung würzberg:
würzbeet
Göthe I 37, 307 W. (vgl. wurzbeet unter wurz-kompositionstypen 1); würzebeet Storm s. w. (1899) 6, 263,
würzbeetlein
Mendelssohn ges. schr. (1843) 6, 383,
würzberg
(montes aromatum) d. hohelied 8, 14; (im bild) Arnold geheimn. d. göttl. sophia (1700) 1, 152,
würzgebirge
Mendelssohn ges. schr. (1843) 6, 390,
würzhain
Rückert ges. poet. w. (1867) 10, 405,
würzplätzlein
Herberger magnalia dei (1607) 270.
4)
adjektivische zusammensetzungen begegnen in nur geringer anzahl und erst in jüngerer bezeugung:
würzartig
Heger müsziger reisestunden gute gedancken (1735) 15, 14,
würzduftend
würzeduftend Bürger 92ᵇ Bohtz,
würzlos
(1825) Creuzer in: br. an Tieck 1, 158 Holtei,
würzvoll
würzevoll Herwegh Lamartines s. w. (1839 1, 117.
5)
zu würze 3 'malzextrakt zur bierbereitung' werden seit dem 17./18. jh. zusammensetzungen gebildet, deren gebrauch im wesentlichen auf die fachsprache der bierbrauer beschränkt bleibt. bildungen mit fugenvokal, würze-, überwiegen weitaus gegenüber den fugenvokallosen formen; vgl. an alphabetischer stelle würzstein, -trog:
würzeabflusz
Muspratt chemie (1888) 1, 1432,
würzebehälter
ebda 1, 503,
würzebesteuerung
handwb. d. staatswiss. (1898) 2, 819,
würzebrunnen
Beil technol. wb. (1853) 1, 663,
würzebütte
Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 640ᵃ,
würzeessenz
Forster s. schr. (1843) 1, 50,
würzekessel
Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 492,
würzeklärung
ebda 10, 434,
würzeleitung
Lueger lex. d. ges. technik (1894) 2, 394;
würzerinne
Muspratt chemie (1888) 1, 1434,
würzeröhre
ebda 1, 1432,
würzesteuer
handwb. d. staatswiss. (1898) 2, 818,
würzestock
Muspratt chemie (1888) 1, 1385,
würzeziehung
ebda 1, 566.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2335, Z. 40.

wurzen, vb.

wurzen, vb.,
würzen, denominativum von wurz(e), f. in dessen bedeutung 2 'wurzel'. meist in intransitivem gebrauch, absolut oder mit adverbialer bestimmung im akk. oder dat., nur selten transitiv in passivischer verwendung. seit dem 13. jh., aber nur noch vereinzelt über das frühnhd. hinaus bezeugt, dann durch das schon ältere und häufigere wurzeln und durch verbindungen wie wurzel(n) schlagen, fassen verdrängt.
1)
eigentlicher gebrauch.
a)
wurzeln schlagen, fassen:
wan iesa so der sure hagen
in also süezem grunde
gewurzet zeiner stunde,
man wüestet in unsanfter da
dan in der dürre und anderswa (im bild)
Gottfried v. Straszburg Tristan 17 888 R.;
der bovm wurzit vnder sich in div erde (hs. 14. jh.) Weingartner pred. in: altdt. übungsb. 187, 42 Pfeiffer; planta tenet hat gewurtzt oder gehafftet Frisius dict. (1556) 1299ᵇ. jünger nur noch vereinzelt: da findet man mistbetten, worein jetzo töpfe oder scherben gesetzt werden, in welche man in leimichter erde schon im october erdbeere gepflanzt, und wohl wurzen lassen, welche nun durch diese treibbette dahin kommen, dasz man sie schon im april ... auf die tafel bringen kan Ehrhart pflanzenhist. (1753) 1, 233. transitiv:
gotes kraft, die in aller vrist
gewaltic und almechtic ist ...,
... die tet ir macht dâ schîn
und richtete ûf die gertelîn (als zeichen der dreifaltigkeit);
gewurzet in des brunnen grunt
wâren an der selben stunt
die drîe in ein wurzel gar
Heinrich v. Freiberg legende v. hl. kreuz 611 Bernt;
viuiradix ein gewurtztes zweig (Augsburg 1521) Diefenbach gl. 624ᶜ.
b)
vereinzelt 'wurzeln graben': radicare (i. radices euellere, emittere) wurtzen ł w(urzen) gr(aben) (Straszburg 15./16. jh.) Diefenbach gl. 482ᶜ.
2)
übertragener gebrauch.
a)
'sich festsetzen', vor allem im frühnhd. auch mit dem nebensinn 'sich ausbreiten':
von art, von angeborner tugent
wuͦhs an im (l. in, den brüdern) mit bernder fruht
ir vatter saͤlde und ǒch sîn zuht
und wurzete in ir herzen gar
Rudolf von Ems Willehalm 15 417 Junk;
minne in sender herzen grunt
ûf wahset unde würzet
Reinfrid von Braunschweig 2409 Bartsch;
aber der unglaub hett so weit gewurtzet zu Prag und an vil andern enden und stetten, dasz es niemant gewinnen möcht noch understan (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 87, 20;
von dem such allmal dein aussflucht,
dass nicht ins hertz wurtz das anschauen
etwan von deins nechsten ehfrawen
Hans Sachs 15, 317 lit. ver.;
biss derselb (der adel) an sein rechte vnd edelste stell, nemlich in Teutschland kommen, vnd in das teutsche blut seinen sitz ... gesetzt vnd gewurtzet hat Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 991. reflexiv: neid vnd hasz karckhait üppikait vnnd vil ander vntugent, die sich all an ir (hoffärtiger frauen) hertz vnd ir gemuͤtt so fast gewurtzt habenn das kain beychtuatter weder ... predig noch forcht des todes noch des iungsten gerichts ausz irem hertzenn gereütten kan noch mag Keisersberg granatapfel (1510) C 2ᵃ; nuhn ist sein (des zipperleins) schmertzen also: an dem orth da er sich wurtzt, am selbigen meldt er sich Paracelsus opera (1616) 1, 564 Huser.
b)
'seinen anfang nehmen, entstehen', von der vorstellung des wurzeltreibens her:
und von der ersten stunde
das dú menscheit begunde
mit Adame dem erstin man
wurzin und sich hebin an
Rudolf von Ems weltchronik 88 Ehrism.;
die buͦchstaben sprachen: mich sant
diu kuͤnginne Rosela
von Kanadit uf dise sla
irm gefuͤrsten dienstman
Johannes, der ern stan,
von dem ælliu tugent ist
gewurtzet, daz man hiut list
von sinen hohen eren
Johann von Würzburg Wilhelm v. Österreich 14 704 Regel;
ainen gemainen man von pauren geschlacht, den machtn si zu irm herrn und hertzogn inn landt Quarantano. daraus sint all hernach geporn hertzoge von Kernndtn gewurtzt und entsprungn Unrest chron. Carinthiacum bei Fr. Hahn collectio monumentorum (1724) 1, 482.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2385, Z. 31.

würzen, vb.

würzen, vb.,
ursprünglich eine seit dem 11. jh. nachweisbare, aber nur selten bezeugte jan-bildung zu wurz(e), f. in dessen bedeutung 1 'kraut, pflanze, blume'. in frühnhd. zeit wird das wort auf würze, f. 'gewürz' bezogen; es wird seitdem in der schriftsprache häufig gebraucht, dringt aber kaum in die mundarten ein.
1)
etwas mit wohlschmeckenden oder -riechenden kräutern versehen. von wurz(e), f. her, auf das mhd. beschränkt: ich scenkon dir gepîmenteten uuîn unte most ... so mir dîn corporalis praesentia per ascensionem uuirdit ablata, so uuil ih dir skeinan fortissimum feruorum amoris, mit demo ich dich minnon ex toto corde meo et ex omnibus uiribus meis, unte uuil des flîzan, daz der amor nîene sî otiosus, sunter mit guoten uuerchon conditus, alse der geuuurzeto uuîn Williram paraphr. d. hohen liedes 60, 8 Seemüller;
swaz du (der herbst) uns gîst (an nahrungsmitteln), daz würze uns wol
baz dan man ze mâze sol,
daz in uns werde ein hitze
daz gegen dem trunke gange ein dunst,
alse rouch von einer brunst
und daz der man erswitze
Steinmar in: dt. liederdichter d. 12.—14. jhs. 301, 31 Bartsch-Golther.
einen leichnam einbalsamieren:
des (toten) küniges lîp gewürzet was,
daz man vor gesmacke dâ wol genas
Hugo von Trimberg d. renner 24 277 Ehrismann;
also wolte sie (Maria) den begraben (Christus)
in dem grabe gesalbt haben,
gebalsempt und gewortzet
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3763 Singer;
und (Joseph) wart gewuͤrczet mit wurczen und gelegt in einen sarch (14. jh., Prager bibel, Gen. 50, 26) Jelinek mhd. wb. 973.
2)
von würze, f. her, im eigentlichen gebrauch:
a)
eine speise oder ein getränk durch gewürzzutat anreichern, schmackhaft machen; vgl. condire wurtzen (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 107ᵃ; gemma gemm. (1508) f 3ᵇ: der einen fladen machen wölle von fleische, der nem fleisch ... und hackez cleyne ... und mengez mit eyern, daz ez dicke werde und würtzez mit pfeffer (14. jh.) buch von guter speise 26 lit. ver.; die basteten waren ettlich mit hüner und flaisch gemacht und wol gewürzt Ulrich von Richental chron. d. Constanzer conzils 39 lit. ver.; das soll man auch allwegen acht nemmen, dasz man kein wein wuͤrtze, er sej dann vor still worden, vnnd hab verjoren M. Herr feldbau (1551) 104ᵇ; wann ich ... von denen gewuͤrtzten pfeffer-kuchen, er sey welcherley arth er wolle, reden soll Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 33; überall dampften schon die kleinen, thönernen öfchen, auf deren kohlen ein mit knoblauch und zwiebeln gewürzter pilau, oder das brünette getränk des kaffees bereitet ward Schubert reise i. d. Morgenland (1838) 1, 391; das richtige würzen der speisen ist eine grosze kunst. selbst einfache gerichte munden vortrefflich, wenn es gelungen ist, sie gut abzuschmecken P. E. Fuchs unser kochbuch (1955) 9. ähnlich: aber wahrhaftig, ihr habt zu viel kanariensekt getrunken, und das ist ein verzweifelt durchschlagender wein, der würzt euch das blut, ehe man eine hand umdreht Shakespeare 6 (1800) 249; das beste zur vergeistigung des traubensaftes thut zwar die sonne, ihr licht ... würzt und versüszt die beere J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 6.
b)
jünger auch in der beziehung auf aromatischen duft:
die nelcke, die vorher den garten so geziehret,
und unsre brust erquickt durch ein gewuͤrtztes riechen
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 4, 65 Neukirch;
die staude würzt die luft mit nektardüften
Schiller 11, 49 G.;
und am gewürzten meergestade
du palmengarten Indias
Rückert ges. ged. (1834) 4, 249;
die unendliche flut des grün ... die wohlig warme, gewürzte luft P. Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 51.
c)
das attributive part. perf. kann die bedeutung '(von natur aus) würzig' annehmen:
der berge gipfel schmückt gewürzter kräuter mänge
Drollinger ged. (1743) 83.
d)
die eigentliche bedeutung kann eine verschiebung zum uneigentlichen hin erfahren, wenn ein anderer faktor als eine wirkliche gewürzzutat, etwa eine seelische gegebenheit, hunger, mangel, ein gespräch o. dgl., unmittelbar auf die aufnehmende person einwirkt und dieser die betreffende speise so schmackhaft erscheinen läszt, als ob sie besonders gut gewürzt wäre: der hunger der guͦt koch wuͤrtzt jn alles Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 189ᵃ; mangel vnd noth wuͤrtzen vnnd machen schmackhafftig Petri d. Teutschen weiszheit (1605) Nn 2ᵇ; uͤber tische sol man allen sorgenlast abbuͤrden, und die speisen gleichsam mit froͤlichem gespraͤche wuͤrtzen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 45;
die liebe würtze dir (dem ehepaar) die kost
J. Chr. Günther ged. (1735) 225;
die stunde der tafel war seine einzige feierstunde ... hier verklärte sich seine stirne beym wein, den ihm fröhlicher muth und enthaltsamkeit würzten Schiller 7, 83 G.; gewürzt war dies köstliche mahl durch die auszerordentlichen tischreden von Hühnchen H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 72.
3)
übertragener gebrauch zu 2 steht von anfang an neben dem eigentlichen, er begegnet vor allem seit der mitte des 18. jhs. überaus häufig.
a)
eine sache, einen vorgang oder sonstige gegebenheiten wertvoll, interessant, delikat, pikant machen, ihnen eine besondere note geben. die in älterer sprache meist mitgegebene bildvorstellung vom eigentlichen gebrauch her verflüchtigt sich seit dem 18. jh. weitgehend: nâch den tugenden wirt aller lôn in himele gemezzen, wan got lônet deheiner guoten werke niwan alsô vil sie mit tugende gewurzet sint David v. Augsburg in: dt. mystiker 1, 351 Pf.; wen der trost und die sterckung nicht werh, werh allein gebotten: wer wurde hineyn (in die anfechtung) gahen? wann mans uns also wuͤrtzet und suesz macht, szo geth es ein und schmeckt woll Luther 9, 589 W.;
man muss die arbeit kürzen,
und je mit froͤlichkeit die sauren sorgen wuͤrzen
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 121;
ich ... kriegte meinen Euripides hervor und würzte diese unschmackhaffte viertelstunde Göthe IV 4, 288 W.; diese etwas von eifersucht gewürzte anspielung verstand Wendelgard nicht, da sie gutmütigen herzens war G. Keller ges. w. (1889) 6, 204; man freute sich über die bemerkung mit der ganzen bosheit, die unsre unterhaltung würzte Renn adel im untergang (1947) 233. mit intensivierender funktion: sie (eine ehemalige souffleuse) sei ein dreimal gewürztes frauenzimmer, versicherte er (der alte puppenspieler) stets nach solcher probe; nicht einmal die Lisei hab es (das puppenspielen) so schnell capirt Storm s. w. (1899) 4, 90.
b)
von der übertragenen bedeutung her kann die beziehung auf den eigentlichen gebrauch wiederhergestellt werden, so dasz würzen in bildlichen zusammenhang tritt. dabei steht für das eine sache oder einen vorgang interessant oder reizvoll machende die bildlich gemeinte bezeichnung einer gewürzzutat: ewer rede sey allezeit lieblich, vnd mit saltz gewuͤrtzet, das jr wisset, wie jr einem jglichen antworten sollet Kol. 4, 6; darumb hat uns gott auch disen sussen lieblichen schatz (das evangelium) ein wenig gewuͦrtzt und mit essig und myrrhen scharpffschmackich gemacht das wyr seyn nicht uberdrussig werden (1523) Luther 12, 226 W.;
Salambo, streue den verliebten beyden
auf bett und tisch das schaͤrfste saltz der freuden,
das unser leben uns, wie saltz die speisen, wuͤrtzt
Lohenstein Sophonisbe (1680) 42;
du hast mir, es ist nicht zu leugnen, einen stark gewürzten brief geschrieben, muskatennusz, englischgewürz, pfeffer und ingwer war drinn Hippel lebensläufe (1778) 3, 1, 374; mit ausnahme einiger weniger heuchlerischer schmarotzer hatten sonst alle ein aufrichtiges bedürfnis, sich durch gespräche und belehrungen über das, was ihnen nicht alltäglich war, zu erwärmen und besonders in betreff des religiösen und wunderbaren eine gewürztere nahrung zu suchen, als die öffentlichen kulturzustände ihnen darboten G. Keller ges. w. (1889) 1, 64.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2386, Z. 46.

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Zitationshilfe
„würzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrzen>, abgerufen am 25.07.2021.

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