würzig adj.
Fundstelle: Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2392, Z. 27
zu würze, f., seit dem späten 18. jh. 1) gewürzt, delikat, aromatisch oder kräftig schmeckend, von speisen und getränken:
Bella ... reichte dem schmeichelnden bruder
freundlich ein kleines brot mit butter und würziger raute
Stolberg ges. w. (1820) 3, 295;
halb ohnmächtig wurde der gefangene in Peter Märtens haus geführt; daselbst seine wunden notdürftig verbunden und ihm würziger wein zur stärkung gegeben (1861) W. Raabe s. w. I 4, 241; (ich) muszte immer daran denken, wie gut mir die würzige wurst ... schmecken würde Winnig frührot (1926) 124; es duftete nach würziger suppe und braten O. M. Graf unruhe (1948) 411. auch:
wer schuf der holden purpurmund
so würzig süsz, so lieb und rund?
Bürger s. w. 37ᵇ Bohtz.
2) aromatisch duftend:
allein die prinzessinn war perlen und gold,
war ringen mit blankem gestein nicht so hold,
als oft sie ein würziges blümlein entzückt
Bürger s. w. 32ᵇ Bohtz;
wie würzig die speisen dufteten Fouqué zauberring (1812) 1, 76; ein würziger duft wehte nach dem regen vom walde herüber Eichendorff s. w. (1864) 3, 251; die immer feuchte und würzige waldweide Ernst Wiechert hirtennovelle (1935) 25; noch monate später schwärmte er (Goethe) von den milden, würzigen abenden, wenn sich der breite Mainstrom im abendschein rötete Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 275. von da aus bildlich:
in den tagen der vorzeit,
hast du der lyrischen kunst würzige blüte gepflegt
Platen w. 1, 231 Hempel;
ja, lasz uns gehen und unsere unschuld wiederfinden, dieses kleine, würzig riechende kraut, das am fusz der tollkirsche wächst E. Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 31. 3) übertragen in der anwendung auf vorgänge, zustände, geistige erzeugnisse u. dgl., interessant, delikat, pikant, kräftig, derb: dem süden gehören die würzigen, erquickenden erzeugnisse der schönen kunst an, die nur durch wärme ... hervorgelockt werden können Europa (1803) 2, 37 Schlegel; er (der konrektor) hatte sich in der wissenschaft nach allen seiten hin umgesehen, war ein tüchtiger philolog und literator und folgte seinen studien mit dem rastlosesten fleisze, ein mann von geschmack, würziger laune und feinstem bienenwitz, der anmutigste und heiterste gesellschafter E. M. Arndt w. (1892) 1, 52 R.-M.; die lieblingsgegenstände aller novellen, kitzliche rechtsfälle, gute verantwortungen und sophistische ausreden, belistungen, schalkstreiche, würzige ehegeschichten und dergleichen nehmen auch hier (in den 'gesta Romanorum') eine breite stelle ein Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 139; so sehr den herzog das würzige abenteuer (ein geheimes politisches gespräch zu belauschen) lockte, stand er doch einen augenblick unschlüssig C. F. Meyer d. versuchg. d. Pescara (1901) 95; (die landschaft) eine würzige mischung aus südland und hochgebirge H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 177. —
wurzig adj.
Fundstelle: Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2392, Z. 23
nur frühnhd. 1) mit wurzeln versehen, zu wurz, f. 2: radicosus wurtzig (15. jh.) Diefenbach gl. 482ᶜ. 2) krautig, zu wurz, f. 1: herbosus wurczig (obd. 1502) ders., nov. gl. 202ᵃ.
Zitationshilfe
„würzig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrzig>, abgerufen am 12.11.2019.

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