Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wurzel, f.

wurzel, f.,

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auf das westgerm. beschränkte bildung, deren ausgangsform *wurt-walu 'krautstock' eine zusammensetzung mit wurz, f. 'kraut' als bestimmungswort ist. das grundwort liegt vor in afries. walu- (im komp. walubera 'stabträger, pilger'); an. vǫlr 'rundes holzstück, stab', norw. vol 'runder stock, walze', got. walus 'stab'. die zusammensetzung erscheint als ahd. wurzala, mhd. nhd. wurzel; mnd. nd. wortel; mnl. wortele, wertele, nl. wortel; wfries. woartel; ags. wyrt-wala, -walu. im ahd. ist das anlautende w- des ursprünglichen grundwortes verklungen, dessen in der folge sich weiter abschwächender lautstand den anschein einer bloszen ableitungssilbe -el erweckt. auszerhalb des germ. steht in der bedeutung am nächsten lat. vallus 'pfahl, schanzpfahl', gr. ἦλος 'nagel' und aind. vala(ka) 'balken, stange'; die wurzel ist die u. a. an. valr 'rund', velta 'wälzen', dt. wälzen und welle zugrundeliegende wz. u̯el- 'drehen' Walde-Pokorny 1, 302; Pokorny 1, 1142. lautliche besonderheit: im md. oft, mit vokalsenkung, worzel. formen mit doppel-l bei Notker 1, 202, 13 P.; 2, 200, 24; 330, 13, s. dazu Schatz ahd. gr. § 257. — flexion als schwaches fem., vereinzelt stark in uuurzella (a. pl.) Notker 2, 330, 13 P., seit frühnhd. zeit nach der fem. mischklasse. vereinzelte besonderheiten: ein wurtzeln (n. sg.) erste dt. bibel 2, 221, 59 Kurr.; -n-abfall im a. sg. schon Konrad v. Megenberg buch d. natur 391, 20 Pf. als mask. vereinzelt: den wurtzel (a. sg.) Wickram w. 5, 90, 669 lit. ver. — wurzel ist im dt. hochsprachlich und mundartl. allgemein verbreitet, z. t. neben wurz, f.
A.
eigentlicher gebrauch.
1)
die wurzel von gewächsen aller art, von bäumen, sträuchern, pflanzen. der singular bezeichnet im hinblick auf ein einzelnes gewächs mehr das wurzelwerk als ganzes, er kennzeichnet die wurzel gegebenenfalls als pfahlwurzel ohne weitere verästelung. der plural dagegen wird mehr mit dem blick auf das system des ganzen wurzelwerks verwendet.
a)
in allgemeiner verwendung von dem untersten, in der erde befindlichen teil eines gewächses. bis ins 18. jh. hinein begegnet der singular in dieser anwendung häufiger als der plural, dann überwiegt der plural weitaus: inti mit thiu sie (Jesus und seine jünger) thô in morgan fuorun, gisahun then fîgboum thurran uuesan fon then vvurzolun (aridam factam a radicibus, Markus 11, 20) Tatian 121, 2 Sievers; (eine rettichart heiszt) radix, daz spricht wurz, und haizt dar umb wurz, das sein wurzel grôz ist und lanch Konrad von Megenberg buch d. natur 418, 22 Pf.; (die heuschrecken) thunt der frucht im feldt grossen schaden durch abbiss die wurzeln der frucht (1521) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 384; recipe ein handvoll wurtzeln von sibengezeitenkraut Fischart binenkorb (1588) 268ᵃ; er moͤge keinen gaͤrtner haben, der fruchtbare kraͤuter mit der wurtzel auszrupfft Lehman floril. polit. (1662) 2, 697; die alte, halberstorbene eiche, an deren wurzel die kluft sich öffnete Musäus volksmärchen 1, 40 Hempel; es waren die röthlichen mäuslein, ..., die unter den wurzeln die trockenen gänge bohren Stifter s. w. 5, 1 (1908) 272; der junge mann ... zerrisz den wisch in kleine stücke und stopfte sie in das loch einer maus zwischen den wurzeln des nächsten baumes A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 432.
b)
im hinblick darauf, dasz sich die wurzeln in der erde ausbreiten und befestigen, dasz sie aus der erde nahrung aufnehmen und sie weiterleiten. gewöhnlich im plural, im singular selten und nur bis ins 18. jh. hinein.
α)
unter dem aspekt, dasz die wurzeln nahrung aufnehmen und somit dem gewächs lebenskraft geben. so im ahd. und mhd. recht häufig, im nhd. gegenüber β entschieden zurücktretend: andaru (samenkörner) fielun in steinahti lant, thar ni habeta mihhala erda ... ufganganteru sunnun furbrantu vvurdun: bithiu sie ni habetun vvurzalun, furthorretun (Matth. 13, 6) Tatian 71, 3 Sievers; taz sie (die gewächse) samoso den snabel stôzent in dia erda unde sûgent taz sou (saft) mit tien uuurzellôn, unde sie dannân sô ûf iro starchi after demo marge unde after dero rindûn zeteilônt (trahunt alimenta radicibus) Notker 1, 202, 13 Piper;
niden drumbe (um die burg) gienc ein hac
mit boumen starc verworren.
die lie man nider in rehter zît.
der wurzeln saf in grüene gît:
man sach ir lützel dorren
Virginal 187, 5 in: dt. heldenb. 5;
der sunnen kraft diu nimet in der wurzel des boumes daz lûterste und daz kleineste und ziuhet ez alles ûf biz in den zwîc, dâ ist ez ein bluome meister Eckhart d. dt. w. 1, 344, 12 Quint; wann sy (die samenkörner, die auf das steinige fielen) hetten nit die wurtzeln vnd dorten (Matth. 13, 6) erste dt. bibel 1, 38 Kurr.; dieweil ... gleichs von gleichem erboren musz werden, musz der same zunemmen, wachsen, vnd seine krafft, art vnd natur, an sich ziehen, vnd natuͤrlich an sich nemmen, ausz dem feuchten safft der erden, durch alle wurtzeln, samen vnd aͤstlin, in form vnd gestalt, wie er geformiert ist Ruoff hebammenbuch (1580) 6;
es schwand des wassers mänge;
die wurzeln zogen es durch ihre kleinen gänge
Drollinger ged. (1743) 67;
die gewaltige wurzel (des apfelbaums)
sendet lebendigen safts, ach! nur die hälfte hinauf
Göthe I 1, 289 W.;
eine religion ohne dogmenbildende kraft ... ist wie ein gekappter stumpf, der wohl in den wurzeln noch einiges leben hat, dem aber das gefäszsystem fruchttreibender entwicklung zerschnitten ist F. J. Schmidt niedergang d. protestant. (1904) 17.
β)
unter dem aspekt, dasz die wurzeln in die erde hineinwachsen und so dem gewächs halt geben. ahd. und mhd. nur vereinzelt, erst nhd. ausgeprägt und häufiger bezeugt: vueg in sînero (des weinstockes) gesihte tâte dû unde flanzotost sîne uuurzella unde irfultost sin diê erda (ps. 79, 10) Notker 2, 330, 13 Piper; (gott) satzt in (den weinstock) auff daz antlútz der erde: das er vestente die wurtzel vber manige wasser ... vnd sein esst die schauten zuͦ im: vnd sein wurtzeln warn vnter im (Hes. 17, 5; 6) erste dt. bibel 9, 305, 23; 26 Kurr.; denn die wortzell an den bawmen unnd allem gewechsz sticken ynn der erden und die tzweyge gehn gegen hymell (1522) Luther 10, 1, 1, 567 W.; der baum, der gute vnnd tieffe wurtzlen hat, förchtet sich vor den vngestümmen vnnd starcken winden wenig Albertinus Lucifers königr. 4, 30 L.;
darum grabt ihr diesen baum
mit den wurzeln in die erde,
Schiller 15, 1, 7 G.;
aber der kühne bau ihrer äste strebte noch in den himmel und die mächtigen wurzeln griffen noch weit über die erde hinaus Storm s. w. (1900) 2, 234;
so kam ich zum ende der welt ...
und vom gewölbe herab
hingen die wurzeln der weltenesche
Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1920) 106.
γ)
seit dem späten 17. jh. wurzel(n) fassen, schlagen, treiben (diese wendungen ungleich häufiger im übertragenen gebrauch, s.B 1 b): wurzel faszen radicescere, radices agere, solum apprehendere Stieler stammb. (1691) 2585;
die eichen wachsen sehr hoch.
sie fassen tieffe wurtzeln
Neukirch anfangsgründe (1724) 228;
das erdreich ist so beschaffen, dasz alle bäume ... darinnen wurzel schlagen Schwabe belust. (1741) 3, 216; abgeschnittene zweige treiben wurzel und werden eine ganze pflanze Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 4.
c)
die wurzel als grundlage und tragender teil eines gewächses. im mhd. nur vereinzelt und unausgeprägt, im nhd. dagegen die tragende bedeutung des wortes. fast nur im singular gebräuchlich:
die (mäuse) kêrten allen ir vlîz
an der stûden wurzel gar.
sie nuogen alsô vaste dar.
biz diu wurz vil nâch sich lie
Rudolf von Ems Barlaam u. Josaphat 117, 15 Pf.;
die (gottes macht) tet ir macht dâ schîn
und richtete ûf die gertelîn;
gewurzelt in des brunnen grunt
wâren an der selben stunt
die drîe in ein wurzel gar
Heinrich von Freiberg leg. vom hl. kreuz 613 Bernt;
rhuͤmestu dich aber wider sie (die zweige des ölbaums), so soltu wissen, das du die wurtzel nicht tregest, sondern die wurtzel treget dich Römer 11, 18; aus einem kern zeuget er (gott) ein wurzel und baum auf (1542) bei Luther tischr. 5, 182 W.;
verletzet bey der wurtzel vnden,
er (der baum) entlich faͤllt zu boden nider
Spreng Äneis (1610) 37ᵃ;
da die liebreichen blumen aus ihren wurtzeln wieder hervor gruͤnen Prätorius winterfl. d. sommervögel (1678) vorr. A 4ᵃ; höhnend faszt er (der strom) bäume an ihrer wurzel und wirft auf einander gestade maler Müller w. (1811) 1, 4; eine alte buche, die teilte sich halbmannshoch über der wurzel und wuchs in zwei stämmen nach rechts und links Fontane ges. w. (1905) I 1, 21; die (flüchtlings-)frauen ... sitzen still und gebeugt da, ... als ob es die schicksalsfrauen aus der sage wären, die nun auf der wanderung sind, nachdem die wurzeln der weltesche abgesägt worden sind E. Wiechert missa sine nomine (1950) 109. bezeichnend für diese bedeutung ist die verbindung aus der wurzel oder aus den wurzeln heben o. ä.;
wenn er die wälder selbst aus ihren wurtzeln drenget
Pietsch geb. schr. (1740) 39;
wie wühlt die wilde sau!
sie gräbt, und will den baum ganz aus der wurzel heben
Hagedorn poet. w. (1769) 2, 78;
ihm (Apollon) zu ehren springen heilige männer von steilen abhängen und felsen, und reiszen übergrosze baumstämme aus den wurzeln K. O. Müller d. Dorier (1824) 1, 260. auf der wurzel stehen, vom noch nicht gemähten getreide: doch sol man das vich nit auff die äcker treiben, bisz der zehent eingebracht ist, er seye gleich an garben oder stehe noch auff der wurtzel landr. d. fürstenth. Bayern (1616) 324.
d)
von freiliegenden oder abgetrennten wurzeln, besonders solchen von bäumen und sträuchern, vor allem im hinblick auf den einzelnen wurzelast. anscheinend erst im nhd. bezeugt:
und (der vom pferd geworfene pfaffe) loff dem faulen schelmen (pferd) nach,
den er weit vor ihm lauffen sach,
im wald hinnümb und wider rümb
on weg und strass, manch seltzam krümle,
darob der pfaff offt ging zu hauffen
uber die wurtzel im nachlauffen
Hans Sachs 17, 427 lit. ver.;
der conte de Rouey, wolte zu Meudon vor etlichen tagen ... eine kleine calesch führen, fürte aber so übel, dasz er mitt dem fordersten raht ahn eine grosze wurtzel vom baum so gewaltig ahnstiesz, dasz er ... zwischen die pferde fiel Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 161 Holland; hornissen, denen von ungefähr ein junges rind zwischen moosigen wurzeln das nest zertritt maler Müller w. (1811) 1, 137;
nun als silberbächlein rieseln
durch das blumenreiche bette,
mit den fischlein um die wette
über wurzeln, über kieseln
O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 17;
nach langer zeit ... beugte Erasmus sich vor, legte eine dunkle, gekrümmte wurzel in das ersterbende feuer E. Wiechert missa sine nomine (1950) 41.
2)
wurzel bezeichnet als pars pro toto solche pflanzen, die eine kräftige und genieszbare pfahl- oder knollenwurzel haben.
a)
allgemein: der arme einsidel ... von kraute und wurczeln und wasser trincken lebet Arigo decameron 237 Keller; vnd ich nit allein gewillig was die vsslendische wurtzel rabarbarum genant ynzuͦnemen Murner bei Hutten opera 5, 430 Böcking; moͤhren, roht- und weisze ruͤben, merretig, petersilien, gurken, salat, zwiebeln, graszlauch, und dergleichen nuͤtzliche kuͤchkraͤuter und wurtzeln mehr Neumark d. neuspross. teutsche palmb. (1668) 17ᵃ; costi, eine wurzel, deren saft den alten anstatt des zuckers diente M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 293; er brachte ... für den knaben butter und honig, ... für sich aber wurzeln und kräuter, eine grosze, goldgelbe melone und etwas rothen wein Chr. v. Schmidt ges. schr. (1856) 1, 40.
b)
oft und vor allem in jüngerer sprache in dem sinne, dasz wurzeln ein minderwertiges, nur in der not verwendetes nahrungsmittel sind: anno Christi 545 kamen die Gothen widerumb mit jrem künig Totila, vnd belaͤgerten die statt Rom so lang, biss der hunger sie do hin trib, das sie auch die hund frassen und wurtzeln Seb. Münster cosmogr. (1550) 263;
der wald, der musz mich (die vertriebene frau Germania) itzt mit rohen wurzeln nähren,
mir ist der nasse moos anstatt citronensaft
Fleming dt. ged. 1, 102 lit. ver.;
deren schon viel unterwegens verschmachtet waren: vnd hatten sie daselbst auch nicht ein stucke brots, sondern musten wurtzeln aus der erde essen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 965;
die gräfin selbst musz sich dem elend beugen
und gras und wurzeln sind die einz'ge kost
Tieck schr. (1828) 2, 210.
so und zur unterscheidung von kultivierten wurzeln (s.d) in attributiver verbindung:
drei tage schon seid ihr
herumgeirrt, der menschen auge fliehend,
und wilde wurzeln waren eure speise
Schiller 13, 311 G.;
ich sah die armen knaben drauf in die wälder gehn,
nach wilden wurzeln graben, das war hart anzusehn
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 192.
c)
gern von heil- und zauberpflanzen:
stab und taschen nam ich da ze hande,
und einen bart, daz man mich niht erkande,
ein wurzel legt ich in den munt,
da von ich schein gar ungesunt
minnesinger 3, 238ᵇ v. d. Hagen;
hut dich deszgleichen auch vor den artzten die durch die land ziehen vnd tiriack vnd wurtzlen feil tragen liber vagat. bei Avé-Lallemant gaunertum 1, 181;
gab jhm widder des gifftes krafft,
ein schwartze wurtzel voller safft
Rollenhagen froschmeuseler (1595) E 1ᵃ;
nach diesem gab er ihm eine wurtzel in den mund, von welcher der printz gantz unempfindlich ward, und in einen tieffen schlaff fiel Ziegler asiat. Banise (1689) 180;
ist euch die brust beschwert, fragt jene kräuterfrau,
sie kennt der wurzeln kraft, und jedes gift genau
anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 511 Gottsched;
wurzeln und kräuter
machen im frühjahr manchen narren gescheidter
Meisl theatr. quodlibet (1820) 6, 9.
d)
als bezeichnung bestimmter pflanzen.
α)
wurzel bezeichnet mundartlich prägnant die möhre, daucus carota L., so im elsäss., s. Martin-Lienhart 2, 861ᵃ, und vor allem im mittleren und westlichen teil Norddeutschlands, hier in nd. formen wie wörtel, wurtel, wuttel und meist im plural, vgl. die ndd. wbb.; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 2, 58. manchmal in der verbindung gelbe wurzel, vgl. M. Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1409ᵇ; Dähnert plattdt. wb. (1781) 555ᵇ. literarischer gebrauch steht unter mundartlichem einflusz: er trägt ... die käse und die wurzeln, die er selbst eingekauft hat, um sich die woche hindurch nothdürftig ... zu nähren Rabener s. schr. (1777) 4, 139;
(ich) holt ... schoten mir vom beet
und gelbe wurzeln. und dies taubenpaar
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 149;
auch ein garten vor dem tor, ... wo er salat zog und erdbeeren, von kohl und wurzeln ganz zu schweigen Ina Seidel d. labyrinth (1922) 276.
β)
wurzel für die runkelrübe, beta vulgaris L. bei Fischer schwäb. 6, 1004.
γ)
in attributiven verbindungen für verschiedene pflanzen: rote wurzel (alkanna tinctoria Tausch) Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 193; (petasites hybridus Fl. Wett.) ebda 5, 634; (polygonum persicaria L.) ebda; (rubia tinctorum L.) Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 343; schwarze wurzel (scorzonera hispanica L.) Holl wb. dt. pflanzenn. 145ᵃ; weisze wurtzeln (pastinaca sativa L.) Orsäus nomencl. method. (1623) 44; weisze wurzel (petasites albus Gaertner) Marzell a. a. o. 5, 634; rünsche wurzel (helleborus viridis L.) ebda 2, 809; ruͤnsche wortel Woeste westf. 221ᵃ.
B.
übertragener gebrauch im anschlusz an A 1. bildhafte elemente treten oft sehr stark hervor, da die beziehung auf die eigentliche bedeutung jederzeit hergestellt werden kann.
1)
von A 1 b her, zur bezeichnung der tatsache, dasz ein gegenstand, eine erscheinung o. dgl. sich auf etwas anderes stützt, sich dort festsetzt oder ausbreitet, von dort her seine kraft nimmt und dauer und beständigkeit erhält.
a)
allgemein und auszerhalb fester fügungsweisen: thie thar ubar steinahi gisauuit ist, thaz ist ther thie uuort gihorit inti sliumo mit giuehen inphahit iz; ni habet in imo selbemo vvurzalun (Matth. 13, 21) Tatian 75, 2 Sievers; et radicem tuam de terra uiuentum. vnde dîna uuurzellun uuirfet er ûzzer dero lebendon erdo. sament diên sâligen nelâzet er dih puen (ps. 51, 7) Notker 2, 200, 24 Piper; die tugend, die da haisset demuͤtikait, dú ist ain wurtzel in dem grund der gothait, dar in si gepflantzet ist, das sie allain ir wesen in dem ewigen ain hát vnd niena anderswa meister Eckhart d. dt. w. 1, 247, 3 Quint;
nû ist dem starken holtz (dem besiegten gegner)
die wurtzele undene ûz gegraben
livländ. reimchron. 7023 Meyer;
die andern sind, die es (das wort gottes) mit freuden annemen, aber sie beharren nicht ... denn sie haben nicht wurtzel gnug, stehen auch nicht tieff gnug. darumb sind sie gleich der saat auff eym fels (1525) Luther 17, 2, 155 W.; bey den bösen müsse das böse selbst zuletzt aufhören, weil es keine ewige wurzel habe Leibniz dt. schr. (1838) 2, 342; da er (der grosze, der sich gegen den kaiser auflehnen könnte) einzeln ist, keine wurzeln in einem verwandten und mächtigen adel hat, so reiszt ihn der erste sturm der monarchischen ungnade ohne widerstand aus Haller Alfred (1773) 114; alle wurzeln seines lebens haben sich tief in den glauben seines volkes gesenkt G. Freytag ges. w. 17 (1887) 210; weil ich sie liebte, weil ich nie wieder lieben konnte, weil ich in sie meine wurzeln gesenkt hatte wie in eine mütterliche erde und aus ihr die kraft gesogen hatte Gmelin sommer mit Cordelia (1933) 21.
b)
in verbalen wendungen wie wurzel oder wurzeln setzen, fassen, schlagen, meist in dem sinne von 'sich festsetzen, sich ausbreiten und entwickeln'. dabei häufig in attributiver verbindung, tiefe, seltener feste, starke wurzel(n). nur im nhd.
α)
wurzel(n) setzen, im 16./17. jh.: was aber langsam kompt, das setzet ein tieffe wurtzel vnd besteht lang Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 14ᵇ; dem heranwachsenden vnheil, ehe es tieffere wurtzel setzte, vnd weiter vmb sich griffe, zubegegnen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 105; wenn es (das christentum) mit eyferigen lehren ... fortgesetzet wuͤrde, solte es ohne zweiffel tieffere wurtzeln setzen bei Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) vorr. 5 Olearius.
β)
wurzel(n) fassen, seit dem 17. jh. bekannt und vor allem im 18. und frühen 19. jh. dicht bezeugt: doch die liebe konnte in den knabenjahren noch keine wurzel fassen Lessing 4, 310 L.-M.; ich läugne nicht, dasz der gedanke, dieses wesen (eine statue) zu besitzen, bei mir tiefe wurzel gefaszt hatte Göthe I 32, 331 W.; wird man (in politischer hinsicht) bald sehen und merken, was wurzel fassen will und was nicht (1846) G. Keller br. u. tageb. 2, 131 Ermat.; es ist herrlich, dasz sie in den schönen aufgaben ... so starke und weit verteilte wurzeln gefaszt haben (1912) Rilke br. (1933) 165 inselverl.; auch dort hatten deutsche siedlung, deutscher handel und die mission unter der leitung des bischofs Christian noch vor seiner (des deutschen ritterordens) ankunft wurzel gefaszt E. Keyser bevölkerungsgesch. Deutschlands (1938) 193.
γ)
wurzel(n) schlagen, häufiger als die wendungen unter α und β mit adverbialer ortsbestimmung. seit dem 18. jh. in ständig zunehmendem gebrauch: Vologeses liesz ... den koͤnig Rhymetalces als einen abgoͤtter, welcher lebende und sterbliche menschen anbetete, allenthalben unter dem scheine eines mitleidens verlaͤumbden. als dieser verdacht nicht wenig wurtzel gefaszt hatte, zohe er ein ziemliches heer ... zusammen Lohenstein Arminius (1689) 2, 75ᵇ; wo wird er endlich hingerathen, wenn die hällische freyheit die unter den studirenden herrschet, auch bey unsern mitschwestern wurtzeln schlagen wird? vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 264 Gottsched; ich, dessen herz in die entferntesten jahrtausende der vergangenheit und der zukunft immer tiefer und tiefer wurzel schlägt, ... ich sollte nicht an unsterblichkeit glauben? H. Heine s. w. 3, 405 Elster; und, potz blitz, nun lasz uns hier auf der stiege nicht wurzel schlagen W. Raabe s. w. II 2, 256; doch allmählich begann in den gemüthern die Miltonsche lehre wurzel zu schlagen Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 25; um so fester schlug der wille in ihr wurzel, den freund eines tages zu suchen Emil Strausz Hans u. Grete (1919) 150; ich habe eingesehen, dasz es anmaszung, ja frevelhaft wäre, ein leben, das dort, wo es wurzel geschlagen hat, ... in ein viel härteres erdreich zu verpflanzen Ina Seidel d. unverwesl. erbe (1954) 21.
δ)
wurzel(n) treiben, vor allem in sinne von 'sich ausbreiten'. in jüngerer sprache:
einstens, hört ich, ging ein engel
durch der herren länder fragen,
ob ihr boden nicht den samen
auch der freiheit möchte tragen? ...
und der engel nahm den samen ...
senkt ihn statt in lockrer erde,
in den schoosz der felsen ein.
also muszt er seine wurzeln
wie die junge tanne treiben:
mög er euch wie eure tannen
immer grün, o Schweizer, bleiben!
Herwegh ged. e. lebendigen 2 (1843) 46;
man musz solches unkraut (die politische agitation) ausrotten, ehe es wurzel treibt Polenz Grabenhäger (1898) 2, 177. mit adverbialer ortsbestimmung, 'sich festsetzen': mit beiden händen auf ihren krückstock gestützt stand sie (die alte dame) da, als hätte sie wurzeln in das pflaster getrieben und zöge alle ihre kräfte zusammen, um sich in einen baum zu verwandeln Ina Seidel Lennacker (1948) 10.
ε)
anderes bleibt vereinzelt: ich erzehle diese kleine händel darum, dass man daraus urteilen könne, wie die liebe in uns beiden wurzel geleget A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 409; die gröszten unverschämtheiten des herrn v. Schele haben da wurzel gegriffen Gervinus in: briefw. zw. Jac. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 2, 160; sie fand in land und volk zu wenig wurzel W. Riehl d. dt. arbeit (1861) 72.
2)
von A 1 c her bezeichnet wurzel die grundlage, auf der etwas aufruht, aus der etwas hervorgeht, die etwas bedingt oder verursacht. vornhd. nur in begrenztem gebrauch, nhd. weiterentwickelt und häufig verwendet.
a)
als grundlage einer gegebenheit in dem sinne, dasz ihr eine treibende, hervorbringende, fördernde kraft innewohnt. in neuerer sprache tritt dieser gebrauch vielfach in den unter c und d über.
α)
sehr oft von der grundlage oder voraussetzung von werten oder unwerten, von tugenden oder lastern:
ein wîse man nimmer lât,
ern denke an sîne kristenheit;
dar umbe ouch Vivîanz sô streit,
unz im der tôt nam sîne jugent.
sîn verch was wurzel sîner tugent
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 48, 24;
also is de oitmodicheit eyne wortzele alles goiden inde dar na volgende is meister Eckhart d. dt. w. 1, 235, 2 Quint; wenne der mensche kumet uf den tolden aller volkomenheit, so enwart im nie so not nider ze sinkende in den aller tiefsten grunt und an die wurzele der demuͤtkeit. wan also als des bǒms hoͤhi kumet von der tiefsten der wurzelen, also kumet alle hoͤhin dis lebens von dem grunde der demuͤtkeit Tauler pred. 274, 11 Vetter; die wurtzel der weysheit ist zefurchten den herrn (Sir. 1, 25) erste dt. bibel 8, 196 Kurr.; denn gute erbeit gibt herrlichen lohn, vnd die wurtzel des verstands verfaulet nicht weish. 3, 15; denn mancherlei deutung und keinen rechten gewissen verstand eines dinges ... haben ist eine mutter, ursprung und wurzel aller irrthume Luther tischr. 1, 723 W.; der glaube ist die wurtzel aller andern tugenden (zu Matth. 15, 28) biblia (Nürnberg 1662, bei Chr. u. P. Endter); ehre vnd geburt sind die wurzeln alles gutes Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 488; die preszfreiheit ... diese wurzel und blüthe aller freiheit Börne ges. schr. (1829) 10, 54. häufig im anschlusz an 1. Tim. 6, 10: radix enim omnium malorum est cupiditas:
wurzel und muoter ist gîtikeit
aller der sünden hie genant
Hugo von Trimberg d. renner 7808 Ehrismann;
denn geitz ist eine wurtzel alles vbels, welches hat etliche geluͤstet, vnd sind vom glauben jrre gegangen, vnd machen jnen selbs viel schmertzen 1. Tim. 6, 10; ich (der geiz) bin ja die wurtzel alles argen Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 26; denn der geitz ist eine wurzel alles übels und aller schande E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 276. von da her auch sonst wurzel alles übels: dasz niemand sollte die neue lehre Lutheri annehmen, die eine mutter und wurzel wäre alles übels (1539) bei Luther tischr. 4, 420 W.; der frasz ist ein wurtzel alles vbels Albertinus hirnschleifer (1664) 2. so oder spezieller wurzel des übels noch jünger, aber eher mit kausaler bedeutung (s. unter d).
β)
in andern beziehungen: nun was tewer, lieb vnd seltzam, hat die natur verborgen, als gold, die wurtzel aller ding, das marck im beyn Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 113ᵃ; grosse herren ... sich wol huͤten, dass sie nicht etwas vornehmen, welches eine wurtzel sey eines langwuͤrigen allgemeinen ungemachs Birken verm. Donaustrand (1684) 71;
ans vaterland, ans theure, schliesz dich an,
das halte fest mit deinem ganzen herzen.
hier sind die starken wurzeln deiner kraft
Schiller 14, 313 G.;
ach, der baum der freude ist verdorret,
seine wurzeln frasz der schmerz
Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 3, 226;
(er) fragt langsam, wie aus einem abgrund von zeit in sich herauf sprechend, als spräche alles alte aus ihm, das ist alles wissen um die wurzeln der dinge W. v. Scholz erz. (1924) 299.
γ)
in der sprache der mystiker vom grund gottes, der seele, der natur: (die seele) wil etwas edelrs, etwaz bezzers denne got als er namen hât ... si wil in als er ein marc ist, von dem urspringet güeti; si wil in als er ein kerne ist, von dem ûz fliuzet güeti; si wil in als er ein wurzel ist, ein âder, in der urspringet güeti, unde dâ ist er alleine vater meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 59 Pfeiffer; daz alle die krefte der sêle, die dâ würkent in dem lîbe, daz die sterbent mit dem lîbe âne bekantnisse und willen: daz blîbet der sêle aleine. sterbent die krefte, die dâ würkent in dem lîbe, sô blîbent sie doch in der wurzel ders., d. dt. w. 1, 163, 5 Quint; wirt nâch zweierhande natûre gotlîche und menschlîche in diseme geslechte, sô nennet man zum êrsten gnâde, dar ume daz si ist ein wurzele und ein begin alles dises geslechtis Hermann von Fritslar in: dt. mystiker 1, 180 Pfeiffer; weils in der wurzel der natur stehet, dasz es nicht veraͤndert oder verderbet wird, so bleibet sie (die tinktur) Jac. Böhme s. w. 3, 123 Schiebler; der dritte geist in gott ist der bittere geist, welcher im blitze des lebens entstehet ... derselbe blitz ... wird in der herben qualitaͤt gefangen, und im klaren lichte in dem herben geiste glorifiziret, und hoch freudenreich. das ist nun die beweglichkeit oder die wurzel des lebens, die in der herben qualitaͤt das wort bildet oder scheidet, dasz im koͤrper ein gedanke oder wille entstehet ebda 2, 167.
δ)
in dem typus aus einer wurzel hervorgehen ist die bildvorstellung voll erhalten. im ersten beleg im vergleich: das boͤse unkrut, daz uz der boͤser wurtzeln heruf get uss dem grunde, und verderbet und vertrucket das edel guͦte krut Tauler pred. 398, 22 Vetter; es seind zwuͦ wurtzelen, ausz denen entspringen alle werck, aines yeglichen menschen, sy seyen boͤsz oder guͦtt. die erst wurtzel vnser werck, das ist die natur, die ander ist die genad gottes Keisersberg pred. (1508) 52ᵃ;
die wurtzel aber wil ich dich erst lassen wissen,
daraus mein schweres leid erst hat entspringen muͤssen
Dietrich von dem Werder ras. Roland (1636) 50;
dass wollust, ehr und geiz aus einer wurzel steigen
Neukirch ged. (1744) 126;
aus gräszlich blut'ger wurzel schosz empor
uns dieser krieg
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 1, 73;
(Rodin) schuf ... ketten von leibern, gewinde und ranken, und schwere trauben von gestalten, in welche der sünde süsze stieg aus den wurzeln des schmerzes Rilke ges. w. (1927) 4, 336.
b)
anfang, ursprung, ansatz-, ausgangspunkt. seit dem 16. jh. eng neben dem gebrauch von a, diesem gegenüber aber mit einem zeitlichen und zuweilen räumlich-gegenständlichen aspekt versehen: (die krankheit eines ehemannes) war ein stuͤck vnd wurtzel von der grawsamen vnnd gifftigen indianischen kranckheit, so ich wol die spanische vnnd frantzosen moͤcht nennen, die ein mensch leicht von dem andern fenget J. Barth weiberspiegel (1565) E 3ᵇ; darumb Aristoteles recht geredt hat, dasz der freyen kunst wurtzel fast bitter sey, aber die frucht luͤstig und suͤsz Lorichius pädag. principum (1595) 42; aber das ärgste ist, dasz Frankreich weit mehr vortheile als Spanien hat, sich in possession des arbitrii rerum zu setzen. denn obgleich die spanischen schätze in America wurzel haben, welches der spanische ambassadeur zu Venedig dem schatz zu St. Marx zu mangeln angemerket, so sind doch diese radices gar zu exoticae und peregrinae, und unterwegens der corruption, das ist, den auflaurnden feinden unterworfen gewesen Leibniz dt. schr. (1838) 1, 220; bei mancher gedankenreihe ... können wir uns kaum selbst vom ersten moment oder der wurzel ihres daseyns rechenschaft geben Herder 23, 176 S.; durchweg übte er (Jacob Grimm) historische methode, indem er die wurzeln des heutigen in der vorzeit aufzeigte Scherer kl. schr. (1893) 1, 11; dadurch wurde ... die mechanik ... zur wurzel der übrigen physikalischen disziplinen, welche allmählich immer mehr sich in spezielle kapitel der mechanik zu verwandeln schienen Boltzmann popul. schr. (1905) 334; wir werden gut tun, diese denk- und empfindungsweise (des Aberkios aus Kleinasien) stets im auge zu behalten: ihre wurzeln treten im glauben der paulinischen und der johanneischen gemeinden bereits klar zu tage und senken sich an manchen stellen in naturreligiöse tiefen hinab Lietzmann gesch. d. alten kirche (²1953) 2, 194.
c)
in jüngerer sprache, vor allem seit dem 18. jh., oft von dem eigentlichen, inneren, tieferen grund einer sache, ohne ausgesprochen zeitlichen (s.b) oder kausalen aspekt (s.d), wohl aber in naher berührung mit dem gebrauch unter a: wobey die ersten principia vnd gleichsam die wurtzel des krieges, von den naͤhern vrsachen ... vnterschieden ... werden Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 1; seiner wurzel nach steht ... das griechische epos unter demselben gesetz, unter dem alle επη als volksgesänge stehen; es ist national, ein kind der umstände, des locals und der zeiten; eine volkssage Herder 24, 229 S.; beides sind die transcendentalen wurzeln alles denkens und also auch alles wissens Schleiermacher s. w. (1834) III 4, 2, 92; über die vierfache wurzel des satzes vom zureichenden grunde Schopenhauer w. 1, 11 Gr.; (das kind gottes) hört die stimme der wahrheit im leiden, an der wurzel aller menschlichen fragen und antworten Karl Barth Römerbr. (⁵1926) 289; ich sah (und sehe) in der ehe ... die wurzel persönlichkeitsunterbindenden zwanges E. Mühsam namen u. menschen (1949) 235.
d)
mehr im sinne des bedingenden und bewirkenden, grund, ursache. in jüngerer sprache mehr und mehr den gebrauch unter a ablösend: ich habe den ehebeflissenen die kürzeste linie zur laufbahn ihres ziels vorzeichnen ... wollen ... das schöne geschlecht kann aus eben dieser wurzel von ursache über mich keine gerechte klage anstellen. denn in wahrheit selbiges (die 'wechselseitige neigung beyder geschlechter') aus dem rechten gesichtspuncte betrachten, heiszt das richtmaasz des urtheils angeben, wodurch die meisten irrthümer bey der ehe vermieden werden können Hippel über d. ehe (1774) 220; die allgemeine wurzel der moralischen verschlimmerung ist eine einseitige und schwankende philosophie Schiller 4, 31 G.; er erkannte, dasz die unbildung die wurzel des übels ist (1849) Stifter briefw. 2 (1918) 7; er machte keine ansprüche, deshalb kannte er den neid, die wurzel unseres gröszten elends nicht Holtei erz. schr. (1861) 24, 221; wenn diese (kinder) wissen, dasz jede anordnung ausnahmslos gültig bleibt, ... so finden sie sich bald darein; die wurzel alles übels ist der mangel an folgerichtigkeit Chamberlain lebenswege (1919) 40; nachdem die leute in Edessa einmal von ihrem Nero überzeugt sind, müszte man versuchen, die wurzel dieser überzeugung sanft und behutsam auszugraben Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 81.
e)
in personaler beziehung.
α)
vorfahren, stammvater, stammgeschlecht:
thie hohun altfatera entont anan kuninga,
thiu thritta zuahta thanana thaz warun edilthegana.
thie warun wurzelun   thera saligun bluomun,
muater thera marun,   thera gotes drutthiarnun
Otfrid I 3, 27;
o Maria ...
du bist das froͤdriche paradys,
die wurtzel Ysse und rys,
das lust und trost mit froͤden git
allen menschen hie im zyt
Konrad von Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 4432 L.;
vnser herre Jhesus Cristus der was ein reine bluͦme, vnd was gewachsen von der edelen wuͦrceln des herrn Dauides dt. pred. d. 13. u. 14. jhs. 90, 21 Leyser; vnd es wird eine rute auffgehen von dem stam Isai, vnd ein zweig aus seiner wurtzel frucht bringen ... vnd wird geschehen zu der zeit, das die wurtzel Isai, die da stehet zum panir den voͤlckern, nach der werden die heiden fragen Jes. 11, 10; alszo hie Christus was ausz der wurtzel und geschlechtt Davids enttsprungen (1522) Egranus ungedr. pred. 151 Buchwald;
es ist ein ros entsprungen
ausz einer wurtzel zart
bei Bäumker kathol. kirchenlied (1886) 1, 339;
ich selbst sollte die wurzel und der stammvater von einer groszen reihe von koͤnigen werden H. L. Wagner theaterstücke (1779) 68; Franzosen! Deutsche! — und wo läge denn der grund, dasz sie sich ewig hassen sollten! ist der stamm der Franken, der freien, nicht ihre gemeinsame wurzel? Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 187. auch von der mutter:
jezt, da die wurzel stirbt, lern ich warhaftig glauben,
die schickung habe nur das erste mahl gespielt
(1717) J. Chr. Günther s. w. 5, 110 Krämer;
bedenke doch die not der vier gekränkten sprossen,
die keine nahrung mehr aus todter wurzel ziehn
bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 212.
β)
in einem speziellen biblischen gebrauch von demjenigen teil eines volkes, der, etwa bei einer weitgehenden vernichtung, geeignet ist, ein neues geschlecht hervorzubringen. der gebrauch fuszt auf Jes. 6, 13, und er steht in beziehung mit der wendung etwas mit der wurzel vernichten unter h β: frewe dich nicht du gantz Philisterland, das die rute, die dich schlug, zubrochen ist. denn ... deine wurtzel wil ich mit hunger toͤdten, vnd deine vbrigen wird er erwuͤrgen Jes. 14, 30; gott hat der stoltzen heiden wurtzel ausgerot vnd demuͤtige an jre stet gepflantzet Sir. 10, 18; herr bist du erzürnt über vns? wilt du vnns gar auszreüten? das vnser wurtzel vnd namm nit mer bleybe? o herr gott Israels du bist warhafft: dann vnser wurtzel ist noch bisz auf den heüttigen tag bliben (3. Esdr. 8) Zürcher bibel (1531) 248ᶜ; und wiewol diese Assessinij rechte Sarracenen sind und leben nach dem gesetz und weise der Sarracenen, doch heissen sie bey jnen nicht Sarracenen, sondern Ismaeliten, als der stam und wurtzel der Sarracen und die furnemesten verteidiger und erhalter des mametischen gesetzes (1542) Luther 53, 346 W.
γ)
anderes:
sus fuor die lônes bernden vart
ein wurzel der güete
und ein stam der diemüete
(vom tod Herzeloides)
Wolfram von Eschenbach Parzival 128, 27;
Christe, du anfencklichen bist
ain wurtzl unser seligkait
Hans Sachs 22, 100 lit. ver.;
mancherlei schicksale zerstreuten die gesellschaft, die sonst zusammen das kleine theater belebt hatte. doch Wilhelm blieb die wurzel davon, die manchmal wieder ausschlug Göthe I 51, 44 W.; sollten sie wirklich auf ein erstes wort warten, die jungen? ... sie sehen nur ihren reifenden zukunftsteil, dem ein schaffendes alter (die vorige generation) wurzel sein kann, aber nicht mehr trieb Kolbenheyer die brücke (1929) 77.
f)
seine wurzel(n) in etwas, an einem ort haben. im sinne von 'grundlage': Persien ist arm, ... aber es hat die wurzeln zum reichtum in sich selber Haller Usong (1771) 109; die homerischen götter ... haben ihre wurzel in dem geiste und glauben des griechischen volkes Hegel w. (1832) 10, 2, 69; Strausz war eigentlich kein Hegelianer, Feuerbach auch nicht; sie hatten sich an seinem geist nur erwärmt, hatten aber ihre wurzel in der allgemeinen aufklärung der zeit Ruge briefw. u. tageb. 2, 444 Nerrlich; ich glaube trotz allem und allem: unserer kräfte wurzeln ruhen hier Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 295. im sinne von 'ursprung, ausgangspunkt': sei es nun, dasz diese meinungen ... daselbst eine tiefere ältere wurzel hatten, eben von dort her aus dem Erzgebirge ... erhob sich jetzt eine verwandte tendenz Ranke s. w. (1867) 2, 15; die ... rassenlehre ... hat ihre wurzel in der deutschen romantik Klemperer l. t. i. (1949) 148.
g)
in verbindung mit charakteristischem attribut. tiefe wurzel in eigentlicher bedeutung schon: also als des bǒms hoͤhi kumet von der tiefsten der wurzelen Tauler pred. 274, 12 Vetter. sonst: die tugent hat ein tieffe wurtzel Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 59ᵇ; weil seine schaffende seele deutlich die tiefsten wurzeln eines menschlichen daseins empfand G. Freytag ges. w. 14 (1887) 146; die teufel sind ohne das ins vaters innerste wurzel in seinem zorne Jac. Böhme s. w. 3, 318 Schiebler; der herr sprach, alle zyt in mich gedencken ist die hoͤchste wurtzel aller dugenten d. ew. wiszh. betbüchlin (1518) 114ᵇ; alle praktischen kräfte des menschlichen geistes haben eine höhere wurzel Solger vorles. über ästhetik (1829) 4; dar umbe solten sich junge lúte also flisseklichen huͤten das der gebreste ir boͤsen wurzellen nút in si enkeme Tauler pred. 236, 19 Vetter; von dieser fuͤrsten einem ist geborn, eine schedliche boͤse wurtzel, Antiochus genant der edel, der zu Rom ein geisel gewesen ist 1. Makk. 1, 11; da sich ... finden wird, dasz aus einer argen wurtzel keine gute frucht wachsen kan Butschky Pathmos (1677) 1.
h)
in einer anzahl fester wendungen vertritt wurzel, meist in verbindung mit präposition, die bedeutung 'gründlich, ganz und gar', je nach der fügungsweise variiert 'im grunde, im innersten, bis ins innerste, von grund auf, von anfang an' usw. die wendungen stehen zunächst im sinnzusammenhang des vernichtens, verderbens und verderbtseins, greifen dann aber auf andere bereiche über. ahd. und mhd. in nur sehr begrenztem umfang, nhd. dagegen sehr häufig.
α)
am ältesten und am gebräuchlichsten ist der typus eine sache oder eine person in, an, bei der wurzel fassen, vernichten; in, an der wurzel verderbt sein u. ä.: giu ist accus gisezzit zi vvurzulun thero boumo; iogiuuelih boum, thie dar ni tuot guotan uuahsmon, uuirdit furhouuan inti in fuir gisentit (Luk. 3, 9) Tatian 13, 15 Sievers; Otfrid I 23, 51; es ist schon die axt den bewmen an die wurtzel gelegt, darumb welcher bawm nit gute frucht bringet, wird abgehawen, vnd ins fewr geworffen Matth. 3, 10; Luk. 3, 9; was legst du die axt mir an die wurzel, grausamer geist? Hölderlin ges. dicht. 2, 102 Litzmann; wolle man aber dem zauberunwesen die axt an die wurzel setzen, so könne das nur durch geistliche beeinflussung ... geschehen Ina Seidel Lennacker (1938) 315; wer vor dem ausbruch der lüste frey bleiben wil, der musz sie bey der wurzel angreifen, und wenn sie mit ihren lockungen aufsteigen, seinen willen nicht drein geben, und sie nicht zur empfängnisz, noch vielweniger zur geburt kommen lassen, sondern bald im anfange ersticken Chr. Starke synopsis 3 (1737) 1083; es ist gerade jetzt die rechte zeit ein zwanzigjähriges unwesen anzugreifen, mit kraft anzufallen und in seinen wurzeln zu erschüttern Göthe IV 28, 24 W.; um damit dieses (treiben der priester) an der wurzel zu fassen Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 96; theoretisch wird das christentum in seinen hebräischen und — fachausdruck der lti (lingua tertii imperii) — 'syrischen' wurzeln vernichtet Klemperer l. t. i. (1949) 119; also menschlich geschlecht was in Adam vnd Eua in der wurtzeln verdorben Keisersberg brösamlin (1517) 2, 44ᵇ; disz ding taugt in der wurzel nichts Stieler stammb. (1691) 2586; (die zeit) hat durch das grosze gottesurtheil des krieges klar gemacht, dasz diese scheidung (zwischen dem deutschen volk und seinen fürsten) in der wurzel verderblich ist Görres ges. schr. (1854) 2, 9; war ihm dabei zumute wie dem selbstherrscher, der ... seine vollste macht und ein unheimliches wühlen an ihrer wurzel fühlt H. Mann ausgew. w. (1951) 1, 411 Kantorowicz. in anderem sinnzusammenhang: damit diesem übel bey uns an der wurzel vorgegriffen werde Lenz vertheid. d. herrn W. (1776) 7; eine erzählung, welche offenbar in ihrer wurzel von der verschieden ist, der unsre geschichtsschreiber folgen Niebuhr röm. gesch. 2 (1812) 80; und dann packte eine jähe gewiszheit ihn bei den wurzeln seiner seele Watzlik d. alp (1923) 205.
β)
etwas mit der wurzel ausrotten u. ä.; vgl. stirpitus tzo gronde mit den wortzelen (Köln 1507) Diefenbach gl. 554ᵃ; gruntlichen mit den wurtzelen (Augsburg 1512) ebda: und dar umbe sprichet Kristus 'daz mîn himelischer vater niht gepflanzet hât, daz wirt ûz geworfen, joch mit der wurzeln' (zu Matth. 15, 13) meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 582, 10 Pfeiffer; (Pharao) wolt gerne das volck Israel mit wurtzel und allem ausrotten (1524) Luther 16, 16 W.;
der sturm riss deinen ast mit stamm und wurtzel aus
Gryphius trauersp. 609 lit. ver.;
er wollte nun einmal, es koste auch was es wolle, das übel mit der wurzel ausreiszen Klinger w. 6 (1815) 59; der aberglauben ... musz ausgetilgt werden mit stumpf und wurzel Rosegger schr. (1895) I 4, 71; der mann, der nichts mehr zu verlieren hat, bittet als einleitung (seiner rechtfertigung), ohne rückhalt reden und das schnurrige gewächs mit der wurzel herausziehen zu dürfen A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 39. von da her: wann mein herr oder die frau zu mir (dem kranken und halb verhungerten Jucundus) hinauf kamen, so fragten sie mich, ob ich nicht balt wolte gesund werden, und dieses war der ganze trost mit wurzeln und stengel Jucundi Jucundissimi wunderl. lebensbeschr. (1680) 114; konzertmeister Kröner ... war ein angenehmer solospieler, nur zu tändelnd; sein bogen zog die noten nicht mit der wurzel heraus, sondern berührte blos ihre spizen Schubart leben 1 (1791) 259.
γ)
etwas von oder aus der wurzel (her, heraus, an) vertilgen, tun u. ä.; vgl. radicitus van wortelen (nd. 15. jh.); von (der) wurtzel vff, auff u. ä. (15./16. jh.) Diefenbach gl. 482ᶜ; stirpeus van der wortzel (Köln 1507); von der wurtzel vff ł gruntlich (Augsburg 1512) ebda 553ᶜ; radicitus, funditus, stirpitus, usque ab radicibus ausz der wurtzel, ... aus dem grund Er. Alberus dict. (1540) Bb 4ᵃ.
αα)
etwas gründlich, von grund auf, ganz und gar tun: diese lose gewonheit des schwoͤrens von der wurtzel heraus ... ausgereutet werde G. L. Hartmann fluchspiegel (1672) 202; ich dachte damal, das mensch, deme Plautus diesen pfeffer zu seinem gerichte geschencket hatte, würde darüber erröthen; allein ich sahe, dasz diese tugend-farbe bey ihr auf ewig verblichen ware, und sie das schamroth werden aus der wurzel abgelernet hatte: denn sie hielte ihr voriges gesicht Lindenborn Diogenes (1742) 2, 109; wenn das übel nicht von der wurzel gehoben werde, könne auch die gefahr, in die vorige umstände zurücke zu fallen, nicht aufhören M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 103; mein vater las nie ohne wörterbuch eine sprache, in der er nicht meister war. er muszte alles aus dem grund haben und jedes wort aus der wurzel ziehen Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 134; diesem erklärte er, dasz er entschlossen sey, ... das haus Österreich in allen grenzen seiner herrschaft zu bekriegen, bis es von der wurzel vertilgt sey Schiller 8, 335 G.; ich schaue sie an, fasse und küsse sie. und wie hat sie's erwidert! küsse aus der wurzel gesogen Vischer auch einer (1879) 2, 151; hier gibt es keinen andern weg der rettung als eine erneuerung von innen heraus, aus den tiefsten wurzeln unseres wesens K. A. v. Müller aufs. u. vorträge (1926) 28.
ββ)
speziell etwas von oder aus wilder oder rauher wurzel tun, der älteren rechtssprache zugehörig. bes. im hinblick auf das siedeln und bauen auf neuem, noch nicht urbar gemachtem boden: swar gebure en nye dorp besettet van wilder wortelen, den mach des dorpes herre wol geuen eruetynsrecht an dem gude Sachsenspiegel, landrecht 3, 79, 1 Homeyer; bawͮrecht aber, ist ain verbindtnusz freier wilküre, umb ain guͦt, des man ainem bawͮman leihet, dz er dasselbig guͦt, oder erb, von roher wurtzel arbaiten soll, das vor nit gearbait ist Pegius de jure emphyteutico (1559) 6ᵃ; wenn das grundstück aus rauher wurzel, d. h. unkultiviert zum anbau als erbzinszgut ... dem besitzer mittelst eines lehnbriefes verliehen ist d. provinzialrecht d. kgl. preusz. landstheile (1836) 1, 139 § 788 Pinder. aber auch sonst zur umschreibung eines beginnens aus dem nichts heraus: von rauher wurzel a rudibus initiis. guͤter von rauher wurzel erworben bona constante matrimonio acqvisita Stieler stammb. (1691) 2586; wenn ein mann vnd weib von rauher wurtzel zusammen kommen, vnd einander wenig oder gar nichts zubringen, da sie nun in stehender ehe durch gottes seegen güther erlangen ... quod alibi dicitur: sind beyde mit ledigen händen ehelich zusammen kommen bei Haltaus gloss. germ. (1758) 2140. von da her:
wande er (Paulus) an diesen sachen (um gottes wort zu verbreiten)
guten acker wolde machen
vf ruher wurzeln vnart
vil dicke er da geslagen wart
in manigerhande grozer not
passional 184, 18 Halm.
δ)
etwas bis auf, an, in seine wurzel(n) verderben u. ä.: kurtz hierauff ward das durch zwietracht gleichsam bisz auf den kern und wurtzel zerspaltete Deutschland wieder vereinbart Lohenstein Arminius (1689) 1, 1186ᵇ; durch die trägheit und gleichgültigkeit eines bis in die wurzel verderbten regierungssystems J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 46; indem man die neue lehre bis auf die wurzeln ausrottete, zerrisz man zugleich die feinen fäden der sprache, bildung und erziehung, durch die das Lutherthum die engere berührung mit Deutschland vermittelt hatte Häusser dt. gesch. (1854) 1, 22; es genügte aber, um Mackensens glauben an das deutsche volk bis an die wurzeln zu erschüttern bei Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 382. in anderm sinnzusammenhang: damit nämlich sind wir beide einverstanden, dasz eine geschichte der poesie nicht anders möglich ist, als bis man die sagen ... aus ihren unendlichen verzweigungen zurückgeleitet zu ihrer wurzel (1809) W. Grimm an Savigny 67 Schoof; dieser grosze mann ist der stifter einer neuen violinschule ... nicht das herausziehen der note bis auf die wurzel, ist der charakter dieses mannes Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 60; da ich in seiner (Deutschlands) sprache bis an die wurzeln ausgebreitet bin (1915) Rilke br. 2 (1950) 45;
wenn er jemals ein glück bis zur wurzel gefühlt
J. Weinheber späte krone (1936) 35.
älter zu der wurzel graben 'einer sache auf den grund gehen': so hat ir mt. disz für den austreglichisten und ainigen wege bedacht, dasz zuͤ verhuetung ubels vor allen dingen die ursach desselben hinweck zuͤ nemen und also, wie man sagt, zuͤ der wurtzel zuͤ graben sein mueszt (Augsburg, mitte d. 16. jhs.) städtechron. 32, 79.
ε)
die wurzeln einer sache vernichten u. ä.: er (gott) würt dich vsz ruͤten von deinem tabernackel vnd dein wurtzel von dem ertreich der lebendigen Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 42ᵇ; seine eigene ehre in wind schlagen, heist zugleich die wurtzeln der tugend in sich ausrotten Lohenstein Arminius (1689) 1, 20ᵃ; die hyder der revolution ist ... vernichtet: laszt uns auch ihre wurzel vernichten Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 3; so lange die erziehung ... die wurzel der selbstthätigkeit in der frühesten jugend ausreutet Fichte s. w. (1845) 1, 507; eine derartige lotterhaftigkeit risz die wurzeln der väterlichen erziehung zweifellos aus dem erdreich Werfel geschw. v. Neapel (1931) 127.
ζ)
einer sache die wurzeln abschneiden u. ä. 'ihr die existenzmöglichkeit nehmen': da nun solchergestalt alle wurtzeln der eifersucht von mir gantz frühzeitig abgehauen wurden, und sich unsere hertzen aufs neue vollkommen vereinigt hatten Schnabel insel Felsenburg 1 (1731) 519; (die leute erkannten,) dasz er (Amadeus) der ärmste unter ihnen war ... dasz man seine wurzeln durchschnitten hatte E. Wiechert missa sine nomine (1950) 226.
3)
in wissenschaftlichem spezialgebrauch, der bedeutung 2 entsprechend.
a)
als terminus in der arithmetik.
α)
wurzel bezeichnet diejenige zahl, die man erhält, wenn man eine gegebene zahl, den radikanden, in mehrere gleich grosze faktoren zerlegt. wurzel ist in dieser bedeutung glied in einer reihe von lehnübersetzungen, die an den botanischen bereich gebunden sind. ind. mula 'pflanzenwurzel' bezeichnet seit etwa 500 n. Chr. die arithmetische wurzel, wörtliche übersetzung daraus ist arab. ǵiḏr 'quadratwurzel', das seit dem 12. jh. mit lat. radix übersetzt wird (unabhängig davon wurde lat. radix schon seit Boetius, wie griech. ρίζα seit Nikomachos, im sinne von 'ausgangszahl' gebraucht). dt. wurzel, das in seinen andern bedeutungen lat. radix entspricht, übernimmt seit dem spätmittelalter auch die arithmetische bedeutung (vgl. Tropfke gesch. d. elementar-mathematik [1930] 2, 179), und zwar oft prägnant für die quadratwurzel: von desir czal sal man suchen dy worczil adir viereckecht czal (um 1400) geometria Culmensis 43 Mendthal; die zweyerley geschlecht (d. linien) macht man durch zal, die ersten durch ein gerade zal der wurtzel ist 2, die ander durch ein vngerade zal der wurtzel ist 3 Dürer underweysung d. messung (1525) D 4ᵈ;
selbst Leibniz ...
verliesz die algebra mit wurzeln und potenzen
Schwabe belust. (1741) 2, 337;
die berechnung der wurzel heiszt radizieren W. Lietzmann (u. a.) aufgabensamml. u. leitfaden f. arithmetik (1955) leitf. 57. mit angabe des wurzelexponenten, so bei höheren wurzeln immer, zweite, dritte usw. wurzel (dafür häufiger quadratwurzel [s. d.], kubikwurzel [s. d.]): eyne vireckechte czal yst andirs nicht wen eyne czal, dy do kumpt vs der merunge eynir czal mit sych selben, als czu czeen molen czene synt 100. hundert ist dy vireckechte czal, 10ᵇ yst dy wurczyl vnd heysset darvmme vireckecht, wen eyn yclyche czal yn sych selben gemeret brengit eyn quadrat adir eyn viereckecht geuilde. nu sal man vs yclycher czal vinden eyne worczyl, dy quadrat, vnde dy kan man glych gerade selden vinden (um 1400) geometria Culmensis 43 Mendthal; auch das bedürfnis nach kurzen rechenverfahren, um zweite und dritte wurzeln numerisch annähernd auszuziehen, ... kann nicht lange ausgeblieben sein Tropfke gesch. d. elementarmath. (1930) 2, 169. die wurzel ziehen, für den rechenvorgang, in dem die wurzel eines radikanden festgestellt wird (nach lat. radicem extrahere, das seit dem 13. jh. bezeugt ist, vgl. Tropfke a. a. o. 2, 180): eynir yclychen vorgelegten czal eyn quadraten wurczel dorusczyhen (um 1400) geometria Culmensis 44 Mendthal; die wurtzel, den quadraten, vnnd cubic ausszuziehen, wil ich hie beruhen lassen Riese rechenb. auff linien u. ziphren (1581) 16ᵃ; die zahl, aus der die wurzel gezogen werden soll, heiszt der radikand W. Mönnig repetitorium u. leitf. d. mathem. (1949) 25. der mathematische sprachgebrauch wird gelegentlich auf andere bereiche übertragen: auch ziehen sie (die kinder) die moralischen wurzeln leichter aus solchen gedichteten vorfällen als aus eignen erlebten Jean Paul s. w. I 16, 376 akad.; (wir) müssen auch für die niederen potenzen (die niederen religionen) doch dieselbe wurzel (wie für das christentum) anerkennen Schleiermacher s. w. (1834) I 3, 49.
β)
wurzel kann den wert der unbekannten in einer gleichung bezeichnen: wenn in einer gleichung die unbekannte grösze mehr als einen werth haben kann, so pfleget man auch die verschiedenen werthe die wurzeln der gleichung (radices aequationis) zu nennen Bürja gröszenlehre 1 (1799) 37; eine gleichung mit einer unbekannten x läszt sich immer auf die form f(x) = 0 bringen, wo die linke seite eine funktion von x bezeichnet. jeder ihr genügende wert von x heiszt eine wurzel der gleichung Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 702; diese wurzel, unser x, wird rechnerisch aus der aufgestellten gleichung zuerst gesucht, dann die unbekannte geldsumme, unser x², durch quadrieren gefunden. aus dieser indisch-arabischen gewohnheit ist das wort wurzel allmählich zum begriff gleichungswurzel ausgewachsen Tropfke gesch. d. elementarmathematik (1930) 2, 135.
b)
als terminus in der sprachwissenschaft bezeichnet wurzel ein ursprüngliches, der bildung anderer wörter zugrunde liegendes wort.
α)
in älterer sprache soviel wie stammwort, wurzelwort (s. d.), ein ursprüngliches, selbst nicht zusammengesetztes und nicht abgeleitetes wort, von dem andere wörter abgeleitet oder mit dem andere wörter zusammengesetzt werden können: das hebreische lot oder seckel wird in zweintzig gera oder gren getheilet ... (die wörter) gera vnd gren haben eine wurtzel, on das nach der sprachen art der buchstaben e im gren verschlickt, vnnd nach juͤdischem brauch das n, wie im drachmon hinzu gesetzt wird Mathesius Sarepta (1571) 166ᵇ; also solte man nach den wuͤrzeln oder stamwörtern schreiben: aͤssen von asz edebam, baͤllen von bal latrabam Bellin hochdt. rechtschr. (1657) 32; also sind die ersten wurtzelen oder die stammwoͤrter der teutschen sprache ... einsilbig Schottel haubtspr. (1663) 61; wenn es an dem ist, dasz ich in der wortforschung, die bey der rechtschreibung überall zur regel dienen musz, auf die wurzel des wortes gehen musz, die nicht anders den einsylbig zu seyn pfleget: so folget, dasz ich nicht befugt bin, die wurzel zu trennen, will ich anders nicht zu einem zweifelhaften verstande anlasz geben; sondern ich musz sie ganz lassen anmuth. gelehrsamk. 1, 145 Gottsched.
β)
seit dem späten 18. jh. eine ursprüngliche, bedeutungstragende, selbst nicht mehr ableitbare, unflektierte gruppe von lauten, die verschiedenen wörtern der gleichen oder verschiedener sprachen zugrunde liegt, von der die bildung dieser wörter ausgeht und die in ihnen enthalten ist: aber sehet! in den genannten sprachen, in ihren interjektionen, in den wurzeln ihrer nominum und verborum wie viel aufgefangene reste dieser töne (1770/72) Herder 5, 10 S.; nur wollen wir uns vor dem irrthume hüten, dasz der zweyte hauptlaut nicht so bestimmt zur wurzel gehöre, als der erste ... wenn der begriff klar ... seyn soll, so ist er allerdings eben so nothwendig und unentbehrlich, als der erste Adelung lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 1, 194; die sprache macht sich immer aufsteigend zusammengesetzter und vielfältiger, wogegen sich die einfachheit und reine bedeutung der wurzeln verliert, in welchen die poesie leibt und lebt (1811) Jac. Grimm an Savigny 105 Schoof; wenn man sämtliche die gleiche wurzel enthaltenden wörter und formen nach den ursprünglichen bildungsgesetzen ... zusammenordnet, so erhält man ein mannigfach gegliedertes system H. Paul prinzipien d. sprachgesch. (³1898) 220; ursprünglich — die wurzel liegt in fanum, dem heiligtum, dem tempel — ist ein fanatiker ein in religiöser verzückung, in ekstatischen krampfzuständen befindlicher mensch Klemperer l. t. i. (1949) 63.
4)
in der übertragung auf gegenständliches. meist im anschlusz an A 1 c, das unterste stück, der tragende teil oder ansatz bestimmter dinge.
a)
vom fusz eines berges oder gebirges. bis ins späte 19. jh. gern gebraucht: sy stunden zuͦ den wurtzeln des berges (2. Mos. 19, 17) erste dt. bibel 3, 285 Kurr.; als nun der Fusius zween tag fuͤr sich hatte, fuͤhrte er von dem see bisz an desz gar gaͤhen und hohen bergs undertheil oder wurtzel eine staͤtige schantze Forberger warh. beschr. (1570) 144; bey den wurtzlen der Alpen Stumpf Schweizerchron. (1606) 619ᵇ; endlich, da diese betäubten streiter wieder zu sich selbst kommen, reiszen sie ganze gebirge ... aus ihren wurzeln Gottsched crit. dichtkunst (1751) 182; erhebt sich ein neuer begrünter bergkamm, von der wurzel der Groszen Speckkar-kuppe sich ablösend Barth Kalkalpen (1874) 317. später nicht mehr sprachläufig, aber noch in spontanem bildgebrauch: solche dinge stecken in dem kopf auch des freiesten Engländers ebenso fest, wie das Matterhorn auf seinen granitnen wurzeln unerschütterlich fest steht Chamberlain lebenswege (1919) 35.
b)
im hinblick auf örtlichkeiten, quellen, flüsse, die erde als ganzes: vnd sy ward begraben vnder ein eichen zuͦ den wurczeln Bethel (sepulta est ad radices Bethel subter quercum) (1. Mos. 35, 8) erste dt. bibel 3, 162 Kurr.; (man) soll darnach (nach einer quelle) so tieff graben, das man die wurtzel der quellen fassen moͤge, damit der flusz wuͤrig vnd bestaͤndig bleibe M. Herr feldbau (1551) 30ᵃ; wo der grosze bach Böhmens, die Wulda, ihre wurzel hat Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 6; Xenofanes giebt ihr (der erde) wurzeln ins unendliche hinab J. H. Voss krit. blätter (1828) 2, 135; die wurzeln der erde würden wieder getränkt werden, der gereinigten erde, die nun ausgezürnt hatte E. Wiechert missa sine nomine (1950) 417.
c)
im bereich des menschlichen und tierischen körpers. vor allem im hinblick auf körperteile, glieder, haare u. dgl.: die vrenckung des diches od hufft ist zuͦ wissen ... vnd ist das der siech vast gehaltenn werde mit den achseln. oder werde gebunden mit einem strick vber die achseln an die wurtzelenn des diches an ein wind Braunschweig chirurgia (1497) 116ᵃ; na, heute lauf ich mir noch die füsze aus der wurzel! verdammter dienst! Raimund w. (1881) 1, 121; über den wurzeln der langen zehen an beiden füszen Werfel Bernadette (1948) 54; soll man jhnen (den rindern) die hoͤrner schmieren, von der spitzen an bisz an die wuͤrtzlen M. Herr feldbau (1551) 200ᵇ; büffel ... sind plump gebaute rinder mit ... an den hintersten ecken des schädels eingesetzten, an der wurzel meist unverhältnismäszig verdickten, unregelmäszig geringelten, gewulsteten ... hörnern Brehm tierl. 3, 311 P.-L.; das noch auf den heutigen tag alle die knaben, die in dem dorf geboren werden, schwenzlein ... ob dem hindern an der wurzln an die welt bringen (1507) gesch. u. taten Wilwolts v. Schaumburg 98 Keller;
mit der rechten erfaszt er den schweif und reiszet ihn schnellend
bei der wurzel heraus
Mörike w. 1, 86 Göschen;
die zaͤn ... haben ire wurtzel in den kinbacken, ettlich ein ettlich zwo, ettlich drey Gersdorff feldtb. d. wundtartzney (1528) b 2ᵇ; man hatte ihm unter qualen eine umfangreiche brücke auf verbleibende schmerzende (zahn-) wurzeln gepreszt, die binnen kurzem unter der last zu wanken begannen Th. Mann dr. Faustus (1948) 717; wenn du dir ihn auch lieszest näher kommen, so wärs um deine nase gewisz geschehen. er würde dir sie mit wurzel und stiel wegbeiszen Lessing 4, 110 L.-M.; sie hatte die völlig grade nase mit breiter wurzel H. Mann mutter Maria (1927) 47; seine sorgfalt für die äuszerste körperliche reinlichkeit ... nägelabschneiden, bis auf die wurzel sie reinigen Cramer Neseggab (1791) 4, 266; die kleinen halbmonde an den wurzeln der nägel waren nicht wie bei uns andern heller, sondern bläulich Storm s. w. 3, 7 Köster;
gleich an den wurzeln von der zungen,
sieht man ein paar canäle gehn
Triller poet. betracht. (1750) 1, 171;
eine welle überschwang sich mit langer scharfer spitze nach vorn und berührte wie eine zunge ihre eigene wurzel, ehe sie zerfiel Carossa tag in Terracina (1947) 44; er rupfft die wurtzelen von dem bart usz Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 27ᵇ;
aber so oft zu den schiffen er sah und dem volk der Achaier;
viel alsdann aus dem haupt mit den wurzeln rauft er sich haare
J. H. Voss Homers w. (1793) 1, 243;
grad aufs haupt traf ihn der pfeilschaft,
an den wurzeln seiner locken
Freiligrath ges. dicht. (1871) 6, 77;
die hinteren armschwingen (der blaurake sind) zimtbraun, die handschwingen schwarz, an der wurzel himmelblau Brehm tierl. 5, 250 P.-L. im hinblick auf adern, nerven u. ä.: ietwedriu der runstâdern ist ain wurzel vil anderr runstâdern Konrad v. Megenberg buch d. natur 36, 15 Pfeiffer; ein stück gehirn, um die tieferen wurzeln des riechnerven zu sehen Sömmerring bau d. menschl. körpers (1839) 2, xxxvi; die wurzeln des oberen brust-speiseröhrengeflechtes ... sind rechts 5—7, links 4—6 gröszere zweige ebda 4, 495. in berührung mit 1: dise hertzadern vnd bluͦt adern seind gleich als wurtzlen der neuwen frucht, dann sy spreyten sich weitter ... vnd machen den nabel Ryff anatomi (1541) B 2ᵇ.
d)
anderes:
(die keule) schmettert nieder; da brach das gebein des (am kreuz hängenden) verbrechers,
da erscholl von der wurzel das kreuz bis hinauf zu dem wipfel
Klopstock Messias (1780) 355;
wurzel 'an strebepfeilern der an die mauer anstoszende theil derselben' Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 282; das bild der bläulichen wurzel der flamme Muspratt chemie (1888) 5, 710; ein starker wind zerrt an den blauen wurzeln der flammen Carossa rumän. tageb. (1926) 88. von da her uneigentlich: den magen nannt er die wurzel des thieres; das gehirn die wurzel der seele Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 631;
dasz ich ihn an meines thrones wurzel
schmiede mit ewigen ketten
Schubart s. ged. (1825) 1, 68.
e)
gelegentlich mehr vom bild der sich verzweigenden wurzeln oder wurzelfasern oder der pfahlwurzel her: wurzeln an den brandstücken. wenn in den testen gebrannt wird, so bekommen sie in der asche gewöhnlich zarte risse, wo sich das flieszende silber hineinsetzt, dasz an dem erstarrten silber kleine zacken bleiben, welche wurzeln heiszen Lichtenstein entdeckte geheimn. (1778) 211; wurzel 'runde oder spitze zacke am sägenzahn' Hardenberg fachspr. d. berg. eisen- u. stahlwarenind. (1840) 167; Toscana heiszen die wohlfeilsten zigarren Italiens, schwarze knorrige wurzeln, die man in der mitte entzwei schneidet Werfel geschw. v. Neapel (1931) 213. obszön, von A 2 c her:
ein maͤgdlein, dem ein traum hat etwas warm gemacht, ...
ging morgens fruͤh hinausz spatziren in das gras,
da spritzt jhr dessen thaw hinauff auff disz vnd das;
sie sprach: es mag wol seyn dasz kraͤuter wuͤrcken sehr,
je dennoch wie mich duͤnckt, so koͤnnen wurtzeln mehr
Logau sinnged. 169 lit. ver.
5)
umgangssprachlich und mundartlich hier und da von personen, in unterschiedlicher bedeutung; vgl. in solchen beziehungen häufigeres wurz 4 a. von ungeratenen kindern, bösen menschen: der vornehmsten leute kinder gerathen offt vbel, sind schädliche wurtzeln Corvinus fons lat. (1646) 582; das ist nicht ein mägdchen von der menschlichen gattung, es ist ein extrakt von aller bosheit, von eigensinn und von allen untugenden ... das ist ein wurm, das ist eine wurzel, das ist ein unhold Chr. Weise komödie v. d. bösen Catharine bei Fulda d. gegner d. zweiten schles. schule 2, 133; wurzel 'loser mensch' (oberpf.) Schmeller-Fr. bair. 2, 1016. anderes: wurzel 'mucker' (1841) Kluge studentenspr. 135ᵃ; 'kleiner mensch' Martin-Lienhart elsäss. 2, 861ᵃ; e wordsel 'für einen recht betriebsamen kleinen kerl, der zäh und geschmeidig, fest und stark wie eine wurzel ist' Dang Darmst. wb. 21.
kompositionstypen.
1)
zusammensetzungen mit wurzel in der eigentlichen bedeutung A 1.
a)
bezeichnungen für das wurzelwerk als ganzes, für teile, bildungsformen, triebe und schöszlinge der wurzel:
wurzelableger
Muspratt chemie (1888) 1, 1850,
wurzelabsenker
Ritter erdkunde (1822) 2, 185,
wurzelader
Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1409ᶜ,
wurzelarm
Keller ges. w. (1889) 5, 238,
wurzelauge
Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 1598,
wurzelaustrieb
Thaer grundsätze d. rat. landwirtsch. (1809) 2, 167,
wurzelauswuchs
Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 363, -bart maler Müller w. (1811) 2, 309, -decke Rosegger schr. (1895) III 3, 353,
wurzeldickicht
Jean Paul w. 11—14, 411 Hempel,
wurzelentwicklung
Göthe IV 39, 145 W.,
wurzelfiber
Ritter erdkunde (1822) 5, 23,
wurzelflechte
Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 302,
wurzelgebilde
Stoeckhardt chem. feldpred. (1851) 2, 193,
wurzelgerte
Anzengruber ges. w. (1890) 2, 220,
wurzelgewirr
Auerbach schr. (1892) 8, 203, -haar Bischoff wb. d. beschreib. botanik (1839) 30,
wurzelhals
Röhling Deutschlands flora (1823) 1, 96,
wurzelhaube
Rossmässler d. wald (1863) 146,
wurzelkopf
Röhling Deutschlands flora (1823) 1, 390,
wurzelläufer
Röhling Deutschlands flora (1823) 1, 426,
wurzelloden
Illiger thierreich u. pflanzenreich (1800) 371,
wurzelranke
Illiger thierreich u. pflanzenreich (1800) 330,
wurzelreis
Francisci d. wunderreiche uberzug unserer niderwelt (1680) 1292; Brehm tierleben 4, 477 P.-L.,
wurzelrinde
Ritter erdkunde (1822) 4, 54,
wurzelschaft
Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 1557,
wurzelschälete
'wurzelschale': wurtzelschoͤlet Sebiz feldbau (1579) 261,
wurzelscheide
(anders unter 4 b) Röhling Deutschlands flora (1823) 2, 574,
wurzelschopf
Bischoff wb. d. beschreib. botanik (1839) 40, -schusz Baer reden u. versch. aufsätze (1864) 1, 188,
wurzelstrang
(anders unter 4 b) Ratzeburg standortsgewächse (1859) 17,
wurzelstrunk
Anzengruber ges. w. (1890) 3, 123,
wurzelstumpf
Göthe I 33, 245 W.,
wurzelverzweigung
Rossmässler d. wald (1863) 122,
wurzelwucherung
Ratzeburg waldverderbnis (1866) 2, 90,
wurzelzaser
Kramer teutsch.-ital. 2 (1702) 1409ᶜ; Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 5, 572.
in einigen bezeichnungen für die wurzel als ganze deutet das zweite kompositionsglied bildlich oder vergleichend auf form oder funktion der wurzel:
wurzelanker
Rossmässler d. wald (1863) 573,
wurzelfaust
Renner ged. (1904) 139,
wurzelfusz
Neukirch d. begebenheiten d. printzen v. Ithaca 3 (1739) 104,
wurzelkeil
Ritter erdkunde (1822) 6, 1187,
wurzelklaue
Rosegger schr. (1895) I 5, 131,
wurzelkralle
maler Müller w. (1811) 2, 402,
wurzelwipfel
Scholz d. spiegel (1908) 55.
b)
bezeichnungen für gegenstände, die aus wurzeln bestehen oder aus ihnen geformt sind oder die aus ihnen gewonnen werden:
wurzelasche
Helbach oenographia (1604) 13,
wurzelbalken
Mothes ill. baulex. (1881) 1, 302,
wurzelbast
Schwerz prakt. ackerbau (1882) 579,
wurzelbürste
Fischer schwäb. 6, 1004,
wurzelgruft
Keller ges. w. (1889) 9, 53,
wurzelhöhle
Gaudy s. w. (1844) 16, 59,
wurzelkohle
Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 12, 269,
wurzelmehl
wurtzelmaͤhl Dapper America (1673) 66ᵇ; wurtzelmehl Schnabel insel Felsenburg 442 dt. lit.-denkm.,
wurzelpfad
Felix Dahn ged. (1908) 145,
wurzelöl
Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 361,
wurzelschar
'pflug' Harsdörffer gesprächsp. (1641) 7, 343,
wurzelstufe
Dehmel ges. w. (1906) 4, 102,
wurzeltorf
Voigtel wb. (1793) 3, 673ᵃ,
wurzeltrank
Grundmann geschichtschule (1655) 236,
wurzelweg
Alexis Roland (1840) 1, 23.
c)
bezeichnungen, die das leben, wachsen und treiben der wurzel betreffen. meist im sinne eines vorgangs, gelegentlich versachlicht als das ergebnis eines vorgangs:
wurzelausbildung
Stoeckhardt chem. feldpred. (1851) 2, 193,
wurzelausbreitung
Auerbach schr. (1892) 13, 11,
wurzelausscheidung
Ratzeburg standortgewächse (1859) 219,
wurzelbewegung
Oken allg. naturgesch. (1839) 4, 16,
wurzellben
Göthe IV 39, 142 W.,
wurzelschlagung
C. G. Bock Vergils lehrged. v. landbau (1790) 66,
wurzeltätigkeit
Ratzeburg standortsgewächse (1859) 309,
wurzelteilung
Metzger pflanzenkunde (1841) 272,
wurzelverbreitung
Rossmässler d. wald (1863) 29,
wurzelvermögen
Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 1, 236,
wurzelverwachsung
Ratzeburg waldverderbnis (1866) 1, 82.
d)
zusammensetzungen zur bezeichnung von vorgängen und tätigkeiten, die die wurzeln von bäumen und pflanzen betreffen oder die an ihnen vorgenommen werden, ferner von dazu verwendeten geräten, an wurzeln lebenden tieren u. dgl.:
wurzelbeschädigung
Ratzeburg standortsgewächse (1859) 221,
wurzelfrasz
Ratzeburg waldverderbnis (1866) 1, 67,
wurzelfresser
(insekt) Fischart Garg. 230 ndr.; Ratzeburg waldverderbnis (1866) 2, 151,
wurzelgriffel
samml. v. natur. u. medicin-geschichten 3 (1717) 235,
wurzelheber
Jean Paul w. 45—47, 138 Hempel,
wurzeljäter
Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 287,
wurzelschlag
Hartig forstl. conversationslex. (1836) 959,
wurzelschmarotzer
Ratzeburg standortsgewächse (1859) 120,
wurzelschutz
Ratzeburg waldverderbnis (1866) 1, 243.
e)
abstrakte bezeichnungen für eigenschaft, beschaffenheit, zustand u. ä. der wurzeln:
wurzelbeschaffenheit
Rossmässler d. wald (1863) 122,
wurzelfäule
Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 285,
wurzelform
Pückler-Muskau Semilasso in Europa (1835) 1, 31,
wurzelkrankheit
Ratzeburg standortsgewächse (1859) 221,
wurzellänge
Krünitz öcon. encycl. (1773) 239, 56,
wurzelnähe
Ritter erdkunde (1822) 6, 130,
wurzelrost
(krankheit) Behlen forst- und jagdkunde (1840) 4, 310,
wurzeltiefe
Rossmässler d. wald (1863) 45,
wurzelverlust
Ratzeburg standortsgewächse (1859) 299.
f)
bezeichnungen für den platz oder raum, an dem ein gewächs seine wurzeln hat. die hierher gehörigen bildungen können gelegentlich auch auf wurzeln, vb. bezogen werden:
wurzelboden
Rossmässler d. mensch im spiegel d. natur (1850) 2, 59; (übertragen) Sohnrey im grünen klee (1903) 3,
wurzelland
Zöllner reise durch Pommern (1797) 270; Luise v. François d. letzte Reckenburgerin (1871) 1, 216,
wurzelraum
Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 3, 205,
wurzelregion
Lueger lex. d. ges. technik (1894) 2, 524.
g)
adjektivische und partizipiale zusammensetzungen:
wurzelähnlich
allg. dt. bibl. (1765) 107, 482,
wurzelartig
Göthe II 5, 2, 159 W.,
wurzeldurchwachsen
Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 56,
wurzelfaul
Mothes ill. baulex. (1881) 1, 451,
wurzelkrank
Luise v. François frau Erdmuthens zwillingssöhne (1873) 1, 17,
wurzellicht
Hippel kreuz- und querzüge (1793) 1, 432,
wurzelreich
Schottel ethica (1669) a 4ᵃ; Kürnberger nov. (1861) 2, 211,
wurzelschlagend
Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 884,
wurzelsprossend
Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 232ᵇ,
wurzelstark
Polenz ges. w. (1909) 9, 13; (übertragen) Fouqué gefühle (1819) 2, 33,
wurzeltief
(auch unter 3 b) Pietsch geb. schr. (1740) 313,
wurzeltreibend
Forster s. schr. (1843) 9, 359,
wurzelvoll
dt. museum (1812) 2, 98 Fr. Schlegel.
entsprechende bildungen in bildlicher anwendung, der ein vergleich mit eigenschaften einer wurzel zugrunde liegt:
wurzelbestockt
Kluge Kortüm (1938) 628,
wurzeldünn
Schäfer d. unterbrochene Rheinfahrt (1913) 90,
wurzelfrisch
M. Meyr religion d. geistes (1871) 83.
h)
pflanzennamen:
wurzeläpfler
(zunftbezeichnung) Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 1959,
wurzelfarren
(zunftbezeichnung) Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 323,
wurzelkastanie
(carum bulbocastanum L.) Holl wb. dt. pflanzennamen 214ᵇ,
wurzelsauger
(monotropa hypopitys L.) Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 659,
wurzelsellerie
(apium graveolens L.) Hegi ill. flora Mitteleuropas 5, 2, 1144,
wurzelzopf
Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 74.
i)
in zoologischer terminologie bezeichnungen für meist niedere tiere, vor allem im hinblick auf deren gewöhnlichen aufenthalt an wurzeln:
wurzelauster
Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 283,
wurzelfüszer
Brehm tierleben 10, 683 P.-L.,
wurzelinsekt
allg. dt. bibl. (1765) 83, 160,
wurzelkrebs
Baer reden u. versch. aufsätze (1864) 2, 479,
wurzellaus
Brehm tierleben 9, 626 P.-L.,
wurzelmaus
Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 659; Nehring tundren u. steppen (1890) 185,
wurzelmucke
Oken allg. naturgesch. (1839) 5, 796,
wurzelraupe
Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 659,
wurzelschabe
Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 659,
wurzelspinner
Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 290.
k)
bezeichnungen für wesen der niederen mythologie und von daher auch sonst für personen, meist auf grund eines vergleichs mit bildungsformen der wurzel; vgl. an alphabetischer stelle wurzelmann, -männchen und unter wurzel B 5:
wurzelbauch
wortelbûk 'kraftloser mensch mit schwammig dickem bauch' Woeste westf. 329ᵃ,
wurzelburzius
A. v. Arnim s. w. (1839) 1, 99,
wurzelgespenst
Ina Seidel Lennacker (1938) 12,
wurzelgötze
Brentano ges. schr. (1852) 6, 61,
wurzelmännlein
E. T. A. Hoffmann s. w. 5, 53 Grisebach,
wurzelmensch
Gutzkow ges. w. (1872) 2, 89.
2)
zusammensetzungen mit wurzel A 2, der genieszbaren wurzel oder wurzelpflanze.
a)
bezeichnungen für personen, tätigkeiten, gegenstände u. a., die im zusammenhang mit solchen pflanzen oder auch ganz allgemein gemüsepflanzen stehen:
wurzelart
Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 3, 116,
wurzelbauer
wuttelbauer Kern-Willms Ostfriesland (1869) 4,
wurzelbeet
Storm s. w. (1899) 4, 263,
wurzelbrot
Grundmann geschichtsschule (1655) 235; Matthisson lit. nachlasz (1832) 1, 194,
wurzelbrühe
Stieler stammb. (1691) 249,
wurzelesser
Ritter erdkunde (1822) 2, 1090,
wurzelfressen
würtzelfressen, subst. vb. Luther 34, 2, 313, 15 W.,
wurzelfrucht
Keller ges. w. (1889) 2, 35,
wurzelgarten
Peschel völkerkunde (1874) 357,
wurzelgemüse
Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 307,
wurzelhandel
Ritter erdkunde (1822) 2, 182,
wurzelkeller
Hupel id. d. dt. sprache in Lief- u. Esthland (1795) 268,
wurzelkost
Hebbel w. 1, 292 Werner,
wurzelkraut
Lohenstein Arminius (1689) 1, 1193ᵇ; Schwerz prakt. ackerbau (1882) 486,
wurzelnahrung
Ritter erdkunde (1822) 6, 115,
wurzelsalat
Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 290,
wurzelspiesz
allg. haush.-lex. (1749) 2, 513ᵃ,
wurzelvorrat
Ritter erdkunde (1822) 2, 1090.
b)
speziell im hinblick auf heilpflanzen, hier besonders personenbezeichnungen:
wurzelarzt
(1627) bei Fischer schwäb. 6, 1004,
wurzelbeizer
wurtzelbeytzer Fischart Garg. 298 ndr.,
wurzeldelber
'wurzelgräber' Fischart Garg. 38 ndr.,
wurzelfrau
Stieler stammb. (1691) 546; Blomberg bilder u. romanzen (1860) 213,
wurzelhändler
Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 472,
wurzelkammer
allg. dt. bibl. (1765) 104, 450,
wurzellute
Lohenstein Arminius (1689) 1, 1123ᵇ,
wurzelsammler
mediz. maulaffe (1719) 175,
wurzelstecher
Rosegger schr. (1895) I 12, 28,
wurzelsuchen
Auerbach schr. (1892) 4, 1036,
wurzelsucher
Musäus volksmärchen 2, 117 H.,
wurzelträger
wurtzel drager Bock kreutterb. (1539) 1, 83; wurzelträger Triller poet. betracht. (1750) 1, 733,
wurzeltrank
(1627) bei Fischer schwäb. 6, 1005,
wurzelweib
Lohenstein Arminius (1689) 1, 550ᵇ; Göthe I 15, 1, 126 W.
3)
zusammensetzungen im anschlusz an die übertragene bedeutung von wurzel.
a)
zu wurzel B 1 b gehören einige substantivierte verben:
wurzelfassen
Fontane ges. w. (1920) II 3, 344,
wurzelschlagen
Gaudy s. w. (1844) 22, 78; (1920) Rilke br. (1937) 341 inselverl.
b)
zu wurzel B 2 werden zusammensetzungen gebildet mit der bedeutung 'grund-, anfangs-, ausgangs- u. ä.:
wurzelanfang
Göthe II 3, 350 W.,
wurzelarbeit
Lichtwark d. grundlagen d. künstler. bildung (1905) 232,
wurzelgefühl
Bonus v. neuen mythos (1911) 73,
wurzelgemeinde
Haller restauration d. staatswiss. (1816) 5, 59,
wurzelgut n.
Ph. Nicolai alle teutschen schr. (1617) 1, 2, 86ᵇ,
wurzelich
Fichte s. w. (1845) 2, 605,
wurzelidee
F. H. Jacobi w. (1812) 3, 101,
wurzellüge
Jean Paul w. 55—58, 227 Hempel,
wurzelquell
Schottel sonderbare vorstellung (1675) 15,
wurzelsatz
Bürger s. w. 334ᵃ Bohtz,
wurzelstoff
Westrumb vers. eines beitr. z. d. sprachbereicherungen f. d. dt. chemie (1793) 116,
wurzeltugend
Sallet s. schr. (1845) 5, 39,
wurzelübel
Fouqué gefühle (1819) 2, 158,
wurzelursache
Scherr gröszenwahn (o. j.) 395,
wurzelwahrheit
Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 5, 145,
wurzelwärme
Albertus Magnus v. d. geheimnissen d. weiber (1678) 48,
wurzelwesen
Peganius pseudodoxia epidemica (1680) 156,
wurzelzustand
Schelling w. (1856) I 8, 224.
adjektivische und partizipiale bildungen:
wurzelbewegt
Auerbach br. an s. freund Jakob Auerbach (1884) 1, 90,
wurzelböse
Herder 20, 261 S.,
wurzelgerecht
Kürnberger siegelringe (1874) 189,
wurzelmangelnd
wurtzel manglendt Thurneisser magna alchymia (1583) 135,
wurzeltief
(auch unter 1 g) Klamer Schmidt poet. br. (1782) 58; (im bild) bei Liliencron zehn ausgew. nov. (1904) 14,
wurzelzäh
Liliencron s. w. (1896) 1, 211.
c)
zu wurzel B 3 a gehören zusammensetzungen mit mathematisch-terminologischer bedeutung:
wurzelanzeiger
Heynatz antibarbarus 2 (1797) 656,
wurzelausdruck
Lueger lex. d. ges. technik (1894) 4, 704,
wurzelausziehen n.
allg. dt. bibl., anhang zu bd. 53—86 (1771) 600; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 859,
wurzelausziehung
Bürja gröszenlehre (1799) 1, 28,
wurzelexponent
Töpfer lehrb. d. orgelbaukunst (1855) 2, 25,
wurzelfaktor
Lueger lex. d. ges. technik (1894) 4, 703,
wurzelgleichung
allg. dt. bibl. (1765) 7, 2, 238,
wurzelgrösze
allg. dt. bibl. (1765) 11, 2, 10,
wurzelrechnung
Pestalozzi s. schr. (1819) 11, 169,
wurzeltafel
Voigtel wb. (1793) 3, 673ᵃ,
wurzelzeichen
Lichtenberg verm. schr. (1800) 5, 512; Scheffers lehrb. d. mathematik (1948) 160,
wurzelzeiger
'exponent' Voigt handwb. f. d. geschäftsführung (1807) 1, 280.
d)
bildungen mit sprachwissenschaftlicher bedeutung im anschlusz an wurzel B 3 b:
wurzelanalyse
W. Scherer kl. schr. (1893) 1, 233,
wurzelbedeutung
Fr. Schlegel s. w. (1846) 8, 247,
wurzelbegriff
Adelung lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 2, 6,
wurzelbuchstabe
allg. dt. bibl. (1765) 28, 268; Schelling w. (1856) I 8, 385,
wurzelendung
W. v. Humboldt ges. schr. 4, 269 akad.,
wurzellxikon
Schiller 1, 266 G.,
wurzelschatz
Peschel völkerkunde (1874) 362,
wurzelverwandtschaft
Fouqué gefühle (1819) 1, 245,
wurzelvokal
Jac. Grimm kl. schr. (1864) 3, 103; W. Scherer an K. Müllenhoff in: briefw. 70 Leitzmann,
wurzelwörterbuch
Krünitz öcon. encycl. (1773) 240, 110,
wurzelzusatz
Peschel völkerkunde (1874) 121.
als adjektivische bildung:
wurzelmäszig
Jac. Grimm kl. schr. (1864) 3, 166.
4)
im anschlusz an wurzel B 4 werden zusammensetzungen gegenständlicher bedeutung gebildet.
a)
technische bezeichnungen von ansatzstücken, untersten oder tragenden teilen verschiedener gegenstände:
wurzelbock
(zur kabelverankerung) Lueger lex. d. ges. technik (1894) 5, 350,
wurzelplatte
(bei brückenkonstruktionen) Mothes ill. baulex. (1881) 1, 519,
wurzelring
(im mühlengetriebe) allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 779.
b)
zu wurzel B 4 c gehören zusammensetzungen aus dem umkreis medizinischer, besonders anatomischer gegebenheiten:
wurzelanteil
(bei nerven) Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 4, 327,
wurzelbehandlung
(beim zahn) Th. Mann Faustus (1948) 239,
wurzelbündel
(bei nerven) Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 4, 28,
wurzelecke
(an der zunge) Brehm tierleben 4, 661 P.-L.,
wurzeleinschnitt
(an der nase) Jean Paul w. 7—10, 460 Hempel,
wurzelfeder
(beim huhn) Fleming d. vollk. teutsche jäger (1719) 162,
wurzelgegend
(beim schwanz) Illiger prodromus system. mammalium (1811) 33,
wurzelrand
(am horn) Brehm tierleben 3, 319 P.-L.,
wurzelscheide
(beim haar) (anders unter 1 a) Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 6, 1018,
wurzelstrang
(bei nerven) (anders unter 1 a) Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 4, 28,
wurzelteil
(an der kinnlade von insekten) Illiger thierreich u. pflanzenreich (1800) 225; (bei der vogelfeder) Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 1, 33; (beim elefantenrüssel) Brehm tierleben 3, 35 P.-L.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2342, Z. 20.

würzling, m.

würzling, m.,
sich bewurzelnder pflanzentrieb, steckling. im 19. jh. ungebräuchlich werdend: viuiradix wuͤrtzling (Straszburg 1582) Diefenbach gl. 624ᶜ; in den ersten 12 tagen (des februar) soll man die oͤpffel zweig einlegen wuͤrtzling zumachen M. Herr feldbau (1551) 57ᵇ; (die kastanienbäume) wollen nicht von würtzlingen sondern von der frucht gepflanzet sein schles. wirthschafftsbuch (1712) 233. besonders im weinbau, von dem der fortpflanzung dienenden fächser; vgl. viuiradix würtzling, rebschosz so mit der wurtzel gesetzet würt Golius onomast. (1579) 365; wie ich dann von etlichen kuͤnstlichen und erfahrnen rebleuthen, meinen landsleuthen im Ramsthal gesehen, dasz sie mit sonderer kunst jhre wuͤrtzling ziehen Grassäus der kleine baur (1618) 207; die weinberge nun werden entweder von den reben, oder wuͤrtzlingen, oder bogen gepflantzt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 335; die ... neue methode ... besteht darinn, anstatt einen weinberg von schnittholz oder würzlingen und absenkern anzulegen, solches von alten stöcken zu thun allg. dt. bibl. (1765) 32, 267.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2397, Z. 38.

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Zitationshilfe
„würzling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrzling>, abgerufen am 21.06.2021.

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