Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wüsten, vb.

wüsten, vb.,
faktitivum zu ²wüst A 'öde, verheert' ahd. wuosten, as. wôstian (vuarđ giuuostid ahd. gl. 4, 287, 17 St.-S.), mnd. wôsten, wusten, mnl. woesten. auszer den unten angegebenen bedeutungen begegnet landschaftl. wüsten 'beschmutzen' (zu ²wüst B 1, wie gleichbed. verwüsten A 4 a, teil 12, 1, sp. 2400), z. b. bei Frisius dictionariolum germ.-lat. (1556) 292ᵇ; Fischer schwäb. 6, 1013. ferner 'häszlich werden' (zu ²wüst B 2) in Schweizer maa.
1)
'wüst legen, verheeren, zunichte machen oder beschädigen', wie verwüsten A 1 (teil 12, 1, sp. 2394) und meistens gerichtet auf landgebiete, feldfrüchte, gebäude, zweckeinrichtungen, das eigentum jmds usw.; bis ins 16. jh. gebräuchlich, danach selten und in jüngerer sprache nur ganz vereinzelt als poet. ausdruck. öfters in den ahd. glossen (für vastare 1, 294, 32; 2, 21, 31; 618, 16; 733, 31; 4, 23, 7 St.-S.; vgl. u. Murb. hymnen; für devastare 1, 383, 15) und in frühnhd. glossaren (s. Diefenbach s. v. vastare gl. 607ᶜ; devastare nov. gl. 132ᵇ; demoliri gl. 173ᵃ; desolare gl. 176ᵇ; populare gl. 447ᵇ). in humanistischen wbb. fehlt das wort bereits, so bei Dasypodius dict. (1537) 461ᵇ; Frisius dictionariolum germ.-lat. (1556) 292ᵇ; Hulsius t.-frz.-it. (1616) 423ᵇ (Stieler, Kramer, Steinbach, Adelung u. Campe führen es als ungebräuchliches grundwort von verwüsten an):
fona uuuastantemu engile
(a deuastante angelo)
Murbacher hymnen 21, 3, 2 Sievers;
mit roube und ouch mit brande   wuosten si daz lant
Nibelungenlied 176, 3 Bartsch;
(sie) wusten uf dem velde gar
ir korn unde fuͦrtens dan
mit in do es riffen began
Rudolf v. Ems weltchron. 18 165 Ehrism.;
wüesten und zebrechen
sîn burc er im hiez
Ottokar österr. reimchron. 74 212 Seem.;
wurde ok orlich, dar man ere ghud mede wüsten mochte (1357) in: brem.-ndsächs. wb. 5, 308;
Münstertal hat er verbrant,
Münster hat er gewuͤstet.
er vand vil schier uf der wal
die toten ane zal
(1368) hist. volkslieder 1, 67 Liliencron;
haben die seynen meinem closter sandt Ruprechtsberg ... sein mäle (grenzzeichen) zuslagen vnnd gewust (1494) urk. z. gesch. Maximilians I. 31 lit. ver.; wäre ouch dasz die von Zürich jeman wellten anritten an ir statt, an ir räben, ald an ir bömen und die wellte wüsten, dasz sün wir von Uri und von Schwitz weren Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 148;
grosze herren lieben jagen; besser, wann sie liebten hegen;
wüsten länder, jagen leute, blosz von ihrer lüste wegen
Logau sinnged. 372 lit. ver.;
dasz er (d. strom) mit schwellendem grimm ausbricht in die fluren und wüstet
thäler und hügel umher
Pyrker s. w. (1855) 1, 17.
übertragen 'zunichte machen' schlechthin:
biz manic künc do sich
unminnenclichen grust,
der stich mit slage wust
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 8124 Regel;
übermâsz wüstet alle spil Düringsfeld sprichwörter (1875) 1, 17ᵇ.
2)
bei objektlosem gebrauch ist die bedeutung an sich dieselbe ('verheerung anrichten'), aber es wird durch die konzentration auf das subjekt häufig eine sinnverschiebung zu 'wüten' nahegelegt (s. namentlich b und c).
a)
absolut:
dat di kint dar in waren komen
ende hadden der winberen vele genomen,
...
si braken ende si aten,
si wusten uter maten
Heinrich v. Veldeke sente Servas 4924 Frings-Schieb;
unde zog in daz Klibsche lant mit funfhondert rittern unde knechten, die branten, wusten unde herscheten gar sere Tilemann v. Wolfhagen Limburger chron. 94, 18 Wyss;
da sach man wuchsten, prennen,
slahen, schiezzen, und rennen
Suchenwirt 4, 363 Primisser.
b)
öfters partizipial als beiwort von wilden tieren und ungeheuern: uwir geslechte ist als eyn wuystindir lewe (quasi leo vastator Jerem. 2, 30; wie ein wütiger lewe Luther) Claus Cranc prophetenübers. 83 Ziesemer; kan er (d. wolf) doch nichts anders, dann wüsten vnd würgen Gretter erkl. d. ep. S. Pauls a. d. Römer (1566) 446; hat der allmächtig ... den ein wüstenden basilisken vnd tracken, nemlich der ketzerey, solliche ritterliche Heymones und Hercules ... fürgesetzt Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) (b) 1ᵃ. vgl. noch:
krieger sind zwölffe zum rauben und wüsten
Logau sinnged. 314 lit. ver.
auch: die so zu schiff reisen, wenn sie ein wüstend vngestüm wetter ergreifft Lehmann floril. polit. (1662) 2, 719.
c)
vor allem mit lokalen bestimmungen (wüsten in einem gebiet, einem gebäude, unter menschen usw.); so bis zur gegenwart gebräuchlich:
ein kunic tugende ler
...
er wustet in der geschicht
me wan man gelouben mac,
hin unde her (supra quam credi potest, universa vastabit Dan. 8, 24)
buch Daniel 6164 Hübner;
da hat er (Pompeius) gwuͦstet im tempel, vnd Aristobulum, der ... ir künig vnd bischoff was, ... gefangen gnuͦmen Hedio chron. Germ. (1530) 4ᶜ; als zu diser zeit die ketzer vberall vast wüsteten vnd ir giftige ler an allen orten ausgossen ebda 31ᶜ; denn im schrack wird der bittere stachel erboren, der wüstet und tobet in der harten, erschrockenen herbigkeit ... des erstickten geblütes J. Böhme s. w. 3, 131 Schiebler; auch er tödtete und wüstete den 2. mai 1808 in der empörten hauptstadt Göthe I 41, 2, 123 W.; das feindliche feuergewehr wüstete sodann fürchterlich unter ihnen Seume s. w. (1835) 408ᵇ; (er) stand bald vor den trümmern der alten ehrwürdigen veste. die zeit hatte arg hier gewüstet und nur wenig aus der vergangenheit übrig gelassen A. v. Tromlitz s. schr. (1849) 36, 8; im jahre 1432 sind die Hussiten in die mark Brandenburg eingefallen und haben daselbst greulich gewüstet Grässe sagenb. d. pr. staates 1, 86; (Frankreich) hat bei der verbrennung der Pfalz in Speyer gewüstet Pinder d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 228.
3)
jemanden wüsten ist in zweierlei sinne üblich.
a)
vorwiegend mhd. 'jmdn schädigen, ruinieren' durch verheerung seines eigentums, besonders des landbesitzes:
die heiden huben selbe den brant,
selbe si sich wuͦsten
...
si herten also witen
unz an die Gerund
Rolandslied 277 Wesle;
mir hât gemachet ein rise
mîne huobe zeiner wise
und hât mich âne getân
alles des ich solde hân
unz an die burc eine;
...
daz ich ime die (tochter) hân versagt,
dar umbe wüestet er mich
Hartmann v. Aue Iwein 4473;
ist, das er an farenden gute unpfandbar ist, so sol man in wuͤsten an allem dem gute, das er us und inne hat richtebrief d. bürger v. Zürich in: helvet. biblioth. 2 (1735) 14 (vgl. hierzu mnl. woesten 2 Verwijs-Verdam 9, 2, 2751);
die Pehem tzuͦgen auf sein guͦt,
davon so ward er ungemuͦt:
se wuͤchsten im sein arm lewt
Suchenwirt 18, 441 Pr.
b)
mhd. und frühnhd. 'übel zurichten, verwunden': alse werdent die übelen (in der hölle) mit michelme gruwele gewuͦstet (zuvor: gemartilt von den tivelen) Lucidarius 77, 7 Heidlauf; und wurdent ira in dem sturm wol uf XI gewundet und gewuost; der sturben zwen (mitte d. 15. jhs.) H. Fründ chronik 227 Kind; das menig biderman umbkam und an sinem libe geletzt und gewüst wart (1476) bei Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerwesens 2, 1, 94; (dasz die brücke einbrach) und vil volkes in das wasser viel; der ertrankend 8, und wuͦstend sich ire vil vast übel Brennwald Schweizerchron. 1, 386, 4 Luginbühl; sunst starb der wonden uf der herscheft siten kainer, und warend doch ob 40 man gwüest J. v. Watt 2, 176 Götzinger.hierzu sich mit jmdm wüsten 'raufen': (1511) Reuchlin augenspiegel 123 M.
4)
'mit einem vorrat vergeudung oder raubbau treiben', entsprechend auch trans. oder mit genitivobjekt; die auffassung ist nicht überall gleich, sicherlich ist von der bed. 'zugrunde richten' (1) auszugehen, s. u. die beiden ersten belege; teiche wüsten 'durch raubbau zur verödung bringen' im nd. (s. u.) hängt anscheinend enger mit ²wüst A 'öde, verödet' zusammen (vgl. auch verwüsten A 2, teil 12, 1, sp. 2397), während wüsten mit etw. offenbar durch bed. 2 ('wüten') beeinfluszt ist. vgl. noch wüstlich 3, das zum vorliegenden gebrauch gebildet ist. die bedeutung ist umgangssprachlich bis zur gegenwart geläufig und erscheint lexikalisch u. a. bei Adelung 5 (1786) 316 und Campe 5 (1811) 802ᵃ, mundartl. bei Fischer schwäb. 6, 1012; Lexer Kärnten 261ᵃ; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 686ᵃ; Knothe Nordböhmen 548; Block Eilsdorf 101ᵃ:
ob du niht durch tumben muͦt
wilt ane ere swenden din guͦt,
wuͦestende des guͦtes
Rudolf v. Ems Willehalm v. Orleans 3343 Junk;
der noch wuest leib und guͤt
in hochfart und in uͤber muͤt
und wirt den arm nymmer holt
Heinrich der Teichner 353, 47 Niewöhner;
(die pächter verpflichten sich) de dijke nicht to wostende sunder sodane vissche to vangende, alse vppe deme markede ginge vnde gheue zint (1463) Lübecker urkundenb. 10, 289; soll sich ein jeder meister befleissen, dasz mit dem zeug (kalk), der dann zuvor köstlich genug ist, nicht gewüstet ... werde Würtemb. revid. bawordn. (1654) 123; mit ... ströb machen in denen wäldern (ist) recht unverantwortlich gewistet (1748) österr. weist. 5, 539; das land, auf dem (entwaldend) gewüstet wird bei Sanders erg.-wb. (1885) 661ᶜ (s. d. weitere belege); so wurde mit unsrer zeit gewüstet. es war nicht alles reine arbeitszeit, nein, es war verwüstete zeit, die wir nutzlos vergeuden muszten Traven baumwollpflücker (1956) 153.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2454, Z. 44.

wusten, subst.

wusten, subst.
u. vb., s.husten, m., teil 4, 2, sp. 1976.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2454, Z. 43.

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Zitationshilfe
„wüsten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCsten>, abgerufen am 11.08.2020.

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