Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

wüstlich, adj.

wüstlich, adj.,
auch wüstiglich, frühnhd. erweiterte bildung zu ²wüst; wie viele ableitungen auf -lich in der älteren sprache gewöhnlich adverbiell und zu verschiedenen bedeutungen des simplex gebraucht (daneben auch an wüsten, vb., 'vergeudend wirtschaften' orientiert, s. u. 3).
1)
'gewalttätig, rüde, heftig' (zu wüst C 4); vgl. impetuose woestelick gemma voc. (Köln 1495) L 3ᵃ: das ir einer dann sin pfert, das etwann noch ... nit ganz abgerichtet ist, so wuͤstlich boldert vnd bruchet, das solich pfert in einer kurzen zit ganz kein nütze me ist (15. jh.) bei Eheberg verfassungsgesch. d. st. Straszburg (1899) 1, 506; besser ... ist, das dich der schuͦlmeister selber stroff, denn das er dich dem hencker entpfel zu stroffen, der gieng denn gar wuͤstlich mit dir vmb Keisersberg bilgersch. (1512) 108ᵃ; (sie haben) auch unsere wappen, klainet und gebildnus ... nidergerissen, wüstenklich zerschlagen und verderbt (1531) G. Blarer br. u. akten 1, 167 Günter; die wurden von den Francken, so sich darein (in d. wald) verstecket hatten, wüstlich empfangen B. Hertzog edelsassische chron. (1592) 1, 103.
2)
intensivierend (s.wüst C 6):
vyl gutter wort wurt man vns geben,
vff das man vns nem lyb vnd leben:
ich hoff, es soll jhn wüstlich felen
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 2, 152 Bächtold;
das er vor lauter freuden ... hat uber die bein abhofiert, und sich sehr wustlich betreckelt Messerschmid v. d. esels adel, bei Dornavius amphitheatrum (1619) 1, 572ᵃ.
3)
an wüsten 4 angelehnt steht wüstlich als adverb bei ausdrücken der vergeudung und raubwirtschaft; vgl. prodigus eyn gudender, der da boszlich vnd wunstlich, varr. wustlichen, verzeret (ende d. 15. jhs.) Diefenbach gl. 462ᶜ: (wer zinsgüter) als wuͦstlich handlote oder die als gevarlich zergan liess (1407) d. rote buch d. stadt Ulm 124, 26 Mollwo; wan von jungen torochten ... lüten ... fürgenomen werden sollich sachen, damit si ... umb das ir koment wuͤstiklich (1431) ebda 147, 5. sonst gewöhnlich von raubnutzung der wälder (hierzu schon 1263 unwüstiglich: daz si disen vorst sol han ... in allen dien eron, als er vnz her ist komin vnwͦstikliche corpus d. altdt. originalurk. 1, 102): damit die wäld an der Etsch nit also wuestlich verhackt vnnd dasselb vnnser lanndt an holcz nit entplösst werde (1511) urk. z. gesch. Maximilians I. 334 lit. ver.; so soll ain ieder das beste ausklauben, was nützlich ist zu zimmern, damit der wald nit wuestlich hingehe (1564) österr. weist. 4, 202; (zimmerholz ist) ausz den pannwäldern wuestlichen verhackt und verfiert worden (17. jh.) ebda 314.
4)
'abscheulich, häszlich' (zu wüst B 2 u. 3), vgl. (mit dopp. erweiterung): subturpiculus ein weniglein vngeschaffen oder wuͤstlechtig Calepinus XI ling. (1598) 1408ᵃ: vnd vindet sein hertz ... vol boͤser gewonhait vnd arger wuͤstlicher pild Keisersberg granatapfel (1510) K 1ᶜ; zu dem andern (darf man) sich zieren reinglichen, das man dein nit spotte vnd nit wuͤstlich daher kummest ders., brösamlin (1517) 97ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2468, Z. 66.

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Zitationshilfe
„wüstlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCstlich>, abgerufen am 15.08.2020.

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