Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wüstling1, m.

¹wüstling, m.,
vogelname, der garten- und hausrotschwanz (auch als rot- und schwarzwüstling unterschieden), phoenicurus phoenicurus (L.) und ruticilla tithys (L.):
der mucken wert in aller ding
der wüstling und der flinderling
(1531) Hans Sachs 4, 281 lit. ver.;
paumheckel, haidl, lerch und wüstling,
könglein, zaglmaisz und flinderling
(1555) ebda 286.
der name, der u. a. auch in den varianten wistling (s. ob. sp. 806), wüstlich und wistlich vorkommt, geht sicherlich auf die slawische bezeichnung des vogels zurück (tschech. chvístek, s. Suolahti d. dt. vogelnamen 47 u. vgl. Machek etym. slovník [1957] 166ᵃ), die sich, wie mehrere ähnlich lautende slaw. vogelnamen, zu hvízdati 'pfeifen' stellt und seinem lockruf sehr ähnlich ist (Naumann vögel 2, 2 [1823] 532 gibt den ruf des gartenrötlings mit fuid tick tick, den des hausrötlings mit fid teck teck an; 'das fid klingt oft auch beinahe wie wist'); die mundartl. verbreitung des namens erstreckt sich vorwiegend auf gebiete, die an das slawische grenzen, z. b. schles. wuͤstlig d. dt. maa. 4 (1857) 191 Frommann (ebda wuͤstling Schwenkfeld theriotropheum Siles. [1603] 346); wisslich, wistlich Knothe Nordböhmen 544; böhm. schwarzwüstlich, rotwüstlich 2. jahresber. d. comités f. ornith. beob.-stat. in Öst. u. Ungarn (1885) 417 u. 421; wüstlich (Erzgeb.) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 686ᵃ; wistling Gengler d. vogelwelt Mittelfrankens (1925) 310; Höfer Österr. 3, 45; steir. rothwistlich mittheil. d. ornithol. ver. in Wien 10 (1886) 281. in ältere fachschriften (Heusslin Gesners vogelb. [1557] 112ᵇ) und lexika ist die angabe ficedula schnepfflein, wuͤstling (= rotschwanz, s. Suolahti 143) aus Eber-Peucer voc. rei num. (1552) E 7ᵃ (obersächs.) übernommen worden. Faber thes. (1587) hat hierneben (317ᵇ) erithacus ein rothschwentzlein oder wüstling 289ᵃ. vgl. noch wüstling (ficedula) W. Spangenberg anmuͤt. weiszh. lust-garten (1621) 170.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2469, Z. 61.

wüstling2, m.

²wüstling, m.,
zügellos lebender, lasterhaft ausschweifender mensch, zu ²wüst C 8 und 9 f; älternhd. auch mehr allgemein zu wüst C 9 b ('schändlich, schlecht'), ferner öfters im sinne von prasser, verschwender (z. b.: prodigus ein schlemmer, vnsöt, wüstling Corvinus fons lat. [1623] 32, qui bona sua procul agit, durchlasz, wüstling [1646] 34; wüstling ein schlämmer ['nicht überall gebräuchl.'] Steinbach dt. wb. [1734] 2, 1061); modern besonders frauenjäger, lebemensch u. ä. (vgl. auch: wüstling einer der schändliches per excessum in amore thut Höfler krankheitsnamenb. [1899] 836):
wo ist denn unser sun Cain,
der wüstling und bösz galgen-strick?
Hans Sachs 1, 57, 15 lit. ver.;
so ist ein wüstling darausz (d. sohn) woren,
der nichts kan, denn martern, rumoren,
spilen, bulen, schlemmen und temmen,
dasz sich die eltern müssen schemmen
ebda 201, 17;
welche wüstling sich umb gott und jre seligkeit nichts bekümmern S. Sucon spiegel d. menschl. lebens (1588) 286ᵃ; welches ... wüste wesen (rohe u. ausschweifende lebensweise) ... sich vor keinen edlen weydmann schicket, ... (der) kein solcher unform und wüstling seyn solle Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 247; der sohn eines reichen kaufmanns — ein junger wüstling ... er schien ... nur an die bunten karten, an die feilen dirnen und an die wilden gelage zu denken Thümmel s. w. (1853) 3, 182; ein freches system der vernichtung im tode ist nur für wüstlinge, räuber und mörder ... eine erwünschte predigt (1797) Herder 16, 378 S.;
'nen wüstling, welcher flucht, zecht, tanzt,
die nächte schwärmt, raubt, mordet und verübt
die ältsten sünden auf die neuste art
Shakespeare 6 (1800) 339;
in seinem glücke hatte der unstäte wüstling für das schöne geschlecht keine augen gehabt, ... alle sinnen waren von dem unaufhörlichen rausche des wohllebens gleichsam umnebelt Musäus volksmärchen 2, 50 Hempel; don Jayme T., vornehmer wüstling (person eines romans) Göthe I 41, 2, 129 W.; das gefühl ... der schmach, sich von einem fremden wüstling unterjocht und gelegentlich miszhandelt zu sehen (plan eines Tell-epos) Göthe gespr. (1909) 3, 392 Biederm.; wüstlinge und ausschweiflinge Jahn dt. volksthum (1810) 436; dieses liebenswürdigsten und geistreichsten aller wüstlinge (Alkibiades) Böttiger kl. schr. (1837) 1, 27; junge wüstlinge, spieler von Baden-Baden Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 222; das widerliche bild alter wüstlinge Freytag ges. w. (1886) 7, 281; ein wüstling, ein schlechter mensch, der den ruf der frauen verdirbt Kahlenberg Eva Sehring (1901) 175; dasz ... die mädchen die beute irgendwelcher wüstlinge würden Ina Seidel Lennacker (1938) 510. — das wort bildet öfters okkasionelle komposita, z. b.: das stupide wüstlingsgesicht des Hallenser corpsburschen Spielhagen s. w. (1877) 12, 200; die greuel ... aller wüstlingsthaten Pestalozzi s. schr. (1819) 7, 367. üblicher ist wohl nur wüstlingsleben, n.: als lord Byron ... sich auf längere dauer in Venedig niederliesz, begann er dort ein wüstlingsleben, über das er selber später entsetzt war Gervinus gesch. d. 19. jhs. (1855) 8, 150; das wüstlingsleben ..., dem er sich nach allgemeinem gemunkel überliesz Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 239.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2470, Z. 26.

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Zitationshilfe
„wüstling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCstling>, abgerufen am 07.08.2020.

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