Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

wüter, m., nomen agentis

wüter, m., nomen agentis
zu wüten; vgl. wüterich.
1)
grausam wütender unterdrücker (tyrann), auf zerstörung ausgehender gegner (feind, rebell). in variabler verwendung seit dem mhd., doch vorwiegend in poetisierender sprache. zuerst mehrmals beim passionaldichter:
er was gewesen an boser man,
ein rouber und ein struter,
zuͦ manslaht ein wuter
(13. jh.) väterbuch 6954 Reissenberger;
nv waz Saulus ein wuter
als im sin blindicheit geriet,
nach der geloubigen diet
mit vlize er iemer spurte
passional 181, 7 Hahn;
ähnlich dass. 564, 58 Köpke; harbicus en woder (1420, nd.) Diefenbach gl. 273ᵃ;
nach dem einzug er (Caligula) all ir gut,
ward so blutdürstig nach den dingen,
vil herlich männer lisz umbbringen,
durch ghring ursach, der blutig wüter
(1563) Hans Sachs 16, 416 lit. ver.,
sag mir, woher so vil pralende wütter,
so vil sinonische nebel-gemüther?
Laurentius v. Schnüffis waldschallmey (1688) 252;
bürger ergreifen die waffen und tödten. —
hört, wie des aufruhrs trommete erschallt!
unter den fäusten der wüther
beugt sich die königsgewalt
Schubart s. ged. (1825) 3, 11;
(flüchtlinge nach der schlacht:) hier laszt uns sitzen ... die wüther folgen uns nicht; sie sind am raub. dort rauchen unsre häuser Immermann w. 16, 544 Hempel;
doch, ihn hinweg zu treiben, schwingen
die wüter lachend über ihm die klingen
Schack ges. w. (1897) 3, 358.
vom teufel:
(Augustin) was der edelen cristenheit,
die im von gote was bevoln,
in rechter liebe verquoln
und dran ein stete huter.
wand er den valschen wuter,
den tuvel dicke von ir treib
passional 435, 18 Köpke;
als sich nun der greuliche Lucifer als ein wüther, tober und verderber alles guten so ganz erschrecklich zeigte, ... so war nun alles himmelsheer wider ihn J. Böhme s. w. 2, 189 Schiebler;
(gebet:) der du die sonne erschufst und den mond,
welcher als zwilling zur seite ihr thront,
schütze dein volk vor dem wüther
Hebbel w. I 3, 364 Werner.
2)
als anlagetyp nur mundartl., vgl.: wöter 'ein wühler, reisser etc. od. ein wühliger, unruhiger, reisseriger etc., bz. sich wühlig, wild u. unruhig geberdender u. hin u. her werfender mensch' Doornkaat Koolman ostfries. 3, 572.
3)
übertragen auf abstrakta:
der schlaff sein (des gerüchtes) augen senckt nicht zu
und (es) ist gar ein ruhloser wüter
(1534) Hans Sachs 4, 162 lit. ver.
mehrfach bei J. Böhme etwa im sinne 'aufpeitschende triebkraft': so denn das begehren, welches in sich ein sehnen ist, durch sein sehnen einen solchen wüther erwecket, welcher in dem stillen willen also sticht, so wird das sehnen also herbe s. w. 4, 18 Schiebler; nun hat das feuer eine grimme, herbe, strenge, bittere, durstige, begehrende quaal ... und die grosze bitterkeit ist sein rechter geist, ein wüther und aufwecker, der alle essentien des lebens in sich hat ebda 6, 17.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2518, Z. 56.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
wölflein
Zitationshilfe
„wüter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCter>, abgerufen am 06.08.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch (¹DWB)