wüterich adj.
Fundstelle: Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2522, Z. 60
s. wüterig.
wüterich m.
Fundstelle: Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2522, Z. 61
tyrannus. eine auf das dt. beschränkte bildung: ahd. frühmhd. wuoter'-ich, mhd. wüeter'-ich (mnd. woderic Eike v. Repgow sächs. weltchron. 113 W.). in der frühzeit der bezeugung überwiegend zur wiedergabe des grch.-lat. tyrannus dienend (neben tirannus uuotanherz ahd. gl. 1, 258, 21 St.-S.; tyrannus richisonter, uuôtcrimmer 2, 97, 46; vgl. auch gen. sg. tyrannidis vuotrihtuomes [9. jh.] 1, 503, 6). das wort ist mit ahd. wuot(i) als grundbestandteil nach dem muster der persönlichen eigennamen auf -rich gebildet, s. W. Wackernagel kl. schr. 3, 117; Kluge nom. stammbildungslehre § 32; Schatz in: PBB 49, 128 ff.; Henzen dt. wortbildung (²1957) § 106; 108. vergleichbare fälle, in denen dieses zum suffix erstarrte zweite kompositionsglied appellative personenbezeichnungen (mit pejorativem nebensinn) entstehen läszt, sind sudrich 'garkoch' (15./16. jh.) teil 10, 4, sp. 958; dauberich, tauberich 'tauber, narr, tobsüchtiger' (nur bei Keisersberg) teil 2, sp. 830; 11, 1, 1, sp. 178; ferner nach Kluge etym. wb. (¹⁷1957) 873 frühnhd. mietrich 'mietling' (jüngere parallelen bei Kluge abrisz d. dt. wortbildungslehre [²1925] § 44; Henzen a. a. o. § 106; A. F. Müller pejoration v. personenbezeichnungen durch suffixe [1953] 225 ff.). das wort, dem seit den anfängen der bezeugung stark pejorativer nebensinn zukommt, zieht sich seit dem beginn des 19. jhs. aus dem ernsthaften sprachstil mehr und mehr zurück, und zwar nicht nur als bezeichnung für den gewaltherrscher, despoten (1), wofür jetzt unter anderem das seit jeher konkurrierende tyrann eingetreten ist, sondern auch als bezeichnung eines gewalttätigen, rohen menschen schlechthin (2). die letzten zeugnisse für verwendung in ernsthafter stillage gehören der gehobenen literatursprache an; heute ist wüterich wohl nur noch in scherzhaft-spöttischer rede möglich. es schlieszt sich damit der gebrauchsweise der zahlreich hervortretenden jüngeren, nur in geringem umfange rein pejorativen ableitungen auf -erich an (vgl. dazu noch Müller a. a. o. 223 ff.; ferner die junge scherzbildung rewüterich 'herausgeber von revuen' Henzen a. a. o. § 171). — auf übertragung wird die erst seit dem 13./14. jh. bezeugte verwendung des wortes als bezeichnung des giftigen, tobsucht erregenden schierlings (4) beruhen; es konnte dabei eine stütze finden an den älteren pflanzennamen auf -rich wie ahd. wegarīh (teil 13, sp. 3106ff.) und hederīh (zs. f. dt. wortf. 6, 182), s. Kluge nom. stammbildungslehre § 32; Henzen a. a. o. § 106 (das verhältnis zu ahd. wotich [nur in glossenbelegen, s. u. 4] ist noch ungeklärt); jünger sind knöterich teil 5, sp. 1510, weiderich teil 14, 1, 1, sp. 594 f., würgerich sp. 2219 (s. v. würgerling) und felberich. form: im bair./österr. der spätmhd. zeit wurde das ī der endsilbe zu ei diphthongiert, zufrühest nachweisbar in der noch dem 13. jh. angehörenden hs. A von priester Wernher s Maria (wütereich 4263; 4719; einmal wuetrich 4361 W.), häufiger in hss. des 14./15. jhs.: Heinrich der Teichner (hs. A, 1360—1370) 216, 112; 434, 73 N.; Heinrich v. Burgus der seele rat (hs. südbair., mitte 15. jhs.) 2291 R.; Konrad v. Megenberg buch d. natur 47; 48; 166 Pf.; Vintler pluemen d. tugent (tirol. 1411) 3019; 3027; 3038; 3378; 6800 Z.; Heinrich Wittenweiler ring 762 W.; bütreich Hartlieb übers. d. dial. miracul. (bair., mitte 15. jhs.) 74 Dr.; wutreich (15. jh., Münchener hs.) Diefenbach gl. 585ᵇ. dieser landschaftlich begrenzte lautwandel hat sich jedoch in der schriftsprache nicht durchgesetzt (bereits Ottokars österr. reimchron. kennt die diphthongform nicht); vielmehr ist wie bei den eigennamen auf -rich und den adjektiven auf -lich die in tonschwacher stellung verkürzte form der länge zur geltung gelangt, s. Paul mhd. gramm. § 57; Michels mhd. elementarbuch § 90; 92 anm. 1. — entrundung des stammvokals zeigt sich in schwäb. und elsäss. denkmälern des 15./16. jhs.: wiet(e)rich, wiett(e)rich obd. vok. d. 15./16. jhs. Diefenbach gl. 177ᶜ; 118ᵃ; (1477) Steinhöwel Esopus 360 lit. ver.; Terenz deutsch (Straszburg 1499) 99ᵃ (gl.); gemma gemm. (Straszburg 1508) C 3ᵃ (ebenso die ausgaben Hagenau 1510, Augsburg 1512 und Lohr 1514, s. Diefenbach gl. 585ᵇ); (1512) Murner narrenbeschwörung 220, 27 Spanier; Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 140ᵇ; wyterich Hedio chron. (Straszburg 1530) C 6ᵇ; Schaidenreiszer Odyssea (Augsburg 1537) 77ᵃ; (Augsburg 16. jh.) städtechron. 34, 90. jünger ist die form wiederich, s. teil 14, 1, 2, sp. 1056. — eine formvariante wütericht, die auf störung durch das adj.-suffix -icht beruht (wüterich, m., und die wechselnden formen des adj. wüterig sp. 2530 fallen lautlich zusammen), begegnet in frühnhd. zeit namentlich bei autoren des ostmd. gebietes: witrecht Trochus voc. rer. prompt. (Leipzig 1517) L 1ᵃ; (1519—21) Luther 9, 522 W.; 26, 134 (neben -rich); Neander menschenspiegel (1560) 80; Rebhun hausfried (Wittenberg 1563) P 5ᵇ; Dreyfelder hist. d. hauses Est (Mainz 1580) 13ᵃ (gegen -rich als pflanzenname 151ᵇ); Rivander fest chronica (Erfurt 1591) 1, 66ᵇ; Eyering proverb. copia (Eisleben 1601) 3, 186; (1631) Ziegenspeck (Thüringer) in: ev. kirchenlied 2, 10 F.-T.; Gryphius trauersp. 443 lit. ver. (gegen -rich 241; 381); Opitz opera ⁷2, 63 (an der gleichen stelle -rich dt. poemata 1 [1629] 196) und noch in der ausgabe der werke des Königsbergers Pietsch schr. (1740) 301. übergriffe der schwachen flexion, auch sie vielleicht veranlaszt durch berührungen mit dem adj. wüterig, vereinzelt in frühnhd. zeit: gen. sg. des wütrichen Luther Jes. 51, 13; gl. zu 2. Macc. 1, 13; (1544) w. 52, 603 (nachschr.) W.; gen. pl. der wütrichen Paracelsus opera (1616) 2, 589; dat. sg. gedachtem wüterichen Fronsperger kriegsbuch (1573) 2, A 1ᵇ. ein teil der hier zu nennenden fälle dürfte allerdings unter der einwirkung des schwach flektierenden tyrann stehen: under einem tyranen und wütrichen bebstliche recht (1521) C 4ᵃ; für die tyrannen und wuetrichen Luther 23, 428 W. (umgekehrt: aines tyrannes und wütrichs Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten [1511] O 2ᵇ).
1)
gewaltherrscher, despot. seit den anfängen der bezeugung ist wüterich entsprechung des grch.-lat. tyrannus, das noch in der vulgata und im mlat. ('rex quivis' du Cange 8, 220) den (unumschränkten) herrscher, gebieter schlechthin bezeichnen kann, bereits in klass. zeit jedoch überwiegend auf den gewaltherrscher, despoten bezogen wurde und vor allem in dieser verwendungz. t. durch frz. vermittlungals lehnausdruck in die germ. und slav. sprachen gelangte (im dt. seit dem 14. jh., s. teil 11, 1, 2, sp. 1967). wüterich schlieszt sich gänzlich an diese gebrauchsweise des lat. wortes an und steht somit seit dem späten mittelalter gleichbedeutend neben tyrann (vielfach promiscue-gebrauch, gern auch in paarformel tyrann und wüterich, wüterich und tyrann); vgl. dazu die mittelalterl. u. frühneuzeitlichen tyrannusglossierungen: tyrannus wuͦtrich, wͦtrich (12. jh.) ahd. gl. 3, 261, 34 St.-S. (Heinrici summarium XI); tyrannus wòterich (12. jh.) 4, 217, 61; tyrannus wetrich (˂ uuetrich = wuetrich), tyrannus wͦtrich (13. jh.) 4, 164, 4—5 (glossae Salomonis); (14. jh.) voc. optimus 34, 8 Wackernagel; Diefenbach gl. 585ᵇ; nov. gl. 365ᵇ aus vokabularen des 15./16. jhs. (tyrannus est qui facit suam propriam voluntatem ... wutterich Melber voc. predic. [1482] Dd 5ᵇ; tyrannus ein tyrann, wieterich, qui per violentiam dominatur ... gemma gemm. [Straszburg 1508] C 3ᵃ); tyrannus olim idem quod rex ein kunig, postea uiolenter et per insolentiam imperans ein wüterich, tyrann Dasypodius dict. (1535) Ii 1ᵇ; Frisius dict. (1556) 1340ᵇ. entsprechend den antiken gegensatzpaaren grch. τύραννος—ἄρχων, βασιλεύς, lat. tyrannusrex, princeps treten wüterich (tyrann) und könig (prägnant 'der rechte, pflichtbewuszte könig') namentlich in humanistischer zeit als antithetische ausdrücke formelartig zusammen. vgl. dazu mlat. zeugnisse: hanc regis ac tiranni esse distantiam, quod hic vi ... obedientiam extorqueat ab invitis, ille legibus ... moderetur subiectis (1077/80) Lampert v. Hersfeld annal. (MGH script. rer. Germ. 270 Holder-Egger); est differentia inter principem et tyrannum, nam princeps est bonus, tyrannus est malus (1275/6) Konrad v. Mure summa (qu. u. erört. z. bayer. gesch. 9, 1, 425): Saul der richt drú jǎr demütigklich und gerecht ... die andren jǎr sins richs was er ain wüttrich und nit als ain kúng (14./15. jh.) dt. historienbibeln d. mittelalters 1, 316 Merzdorf;
... alles, das der wüetreich lieb hat,
das versmächt der chünig an aller stat
(1411) Vintler pluemen d. tugent 3038 Zingerle;
wer da sucht nun sein nutz und nit den gemainen, der hayszt von recht nit ein küng, aber ein tyrann und ain wuͦthrich (1432) meister Ingold gold. spiel 6 E. Schröder; er (ein könig) soll sich huͤten vor dem namen aines tyrannes und wütrichs Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) O 2ᵇ; des wuͤterichs belonung ist reichtumb, des koͤnigs belonung ist ehr Erasmus, herrenzucht (1566) 30ᵃ. ähnlich: dasz ausz einem vatter des vatterlands ... ein tyrann und wuͤterich ... geworden Moscherosch gesichte 1 (1650) 610.
a)
ein altertümlicher sondergebrauch, der sich auf die geistlichen denkmäler der frühmhd. zeit beschränkt, liegt vor in der verwendung des wortes als bezeichnung für den teufel (als höllenfürsten und antichristen). auch hier entspricht wüterich dem lat. tyrannus, das in den hymnen (s. u.) und im kirchlichen mittellatein in gleichem sinne gebraucht werden kann; so etwa: tyrannum autem vel diabolum typice potest figurare, vel Antichristum, qui contraria semper Christi imperio agere moliuntur Hrabanus Maurus de universo (PL 111, 447ᴮ Migne); Walahfrid Strabo vita et miracula (MGH script. rer. Mer. 4, 300); s. auch Souter a glossary of later latin (1949) 434 und für den wortgebrauch der Ava noch zs. f. dt. phil. 19, 138; zs. f. dt. alt. 74, 286:
duo wuoste der unser wîgant (Christus am kreuze)
des alten wuotrîches lant:
den tievel unt al sîn here,
den versualh daz rôte toufmere (das blut Christi)
(1060) Ezzos gesang 24, 10 (MSD ³1, 90);
ez (das tier, apok. 13, 1) was eim lebarte gelih,
wan der selbe wuterih (der Antichrist)
hat mislihe lere
Entecrist in: fundgruben 2, 117 Hoffmann;
daz wir unter deme, der uf deme stuole sizcit,
uone des uorhten der wuotrih angestliche suizcet,
alles unfrides mere suln guisliche sicher sin
(1180) vom himmelreich in: kl. geistl. ged. d. 12. jhs. 22 Leitzmann;
so vfstêt christ von dem grabe, sigenvnfter widerchvmt von der helle, wutrich stozende (mit) dem gebende vnd entsliezende den paradŷs (uictor redit de baratro tyrannum trudens uinculo) (12. jh. ende) cod. pal. Vind. 2682 II (interlinearversion der hymnen 63, 6) 41 Törnqvist. fälle späterer übertragung s. unter d. — über ahd. warc in gleicher verwendung vgl. I. Reiffenstein d. ahd. u. d. ir. mission (1958) 31; 67.
b)
entsprechend tyrann B 1 a als bezeichnung für höchste politische würdenträger (kaiser, könige), die ihr herrscheramt in despotischer weise ausüben.
α)
der ausdruck heftet sich zunächst an bestimmte historische persönlichkeiten, die für das christliche geschichtsbild und zeitbewusztsein des mittelalters und der frühen neuzeit bedeutung gewinnen; so auf grund des biblischen berichts an die gestalt pharaos (als unterdrückers der Juden in Ägypten, s. die exodusgeschichte), des Antiochus und des Herodes:
dô sie (Abrahams kinder) liten grôze nôt
von Pharaônes gebot;
der was ein starker wüeterîch
und tet in leide gelîch
Laubacher Barlaam 2508 Perdisch;
nach dem vntergang ihres verfolgers, des wüterichs Pharaonis Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 96. — der (könig Antiochus) waz ain wuͤterich und hat dem volch von Israel vil ze laide getan dt. pred. d. 13. jhs. 1, 18 Grieshaber; Antiochi des wüterichen tod wird hie anders beschrieben denn 1 Maccab. 6 vnd 2 Maccab. 9 Luther glosse zu 2. Maccabäer 1, 13. —
got selbe wolde rechen,
den vbermvͦt zebrechen
den der wuetrich (D: Herodes) fuͦrt
gegen Christes geburt
(1172) priester Wernher Maria (A) 4361 Wesle;
hœret wuͦtrich (Herodes) sorcsamer chomen sin chvnige vursten (audit tyrrannus anxius adesse regum principem) cod. pal. Vind. 2682 II (interlinearversion der hymnen 41, 3) 26 Törnqvist;
si begunden vaste gâhen,
dâ si daz gebirge sâhen,
durch des wüetrîches (Herodes) drô
Konrad v. Fussesbrunnen kindheit Jesu 179 Feifalik;
den weg, den du demüttigklich geflochen bist von dem wüttrich Herodes usz dem gelobten land Stephan Fridolin dt. pred. 108 Schmidt; das aber uber die unschuldigen kindlin solcher zorn des wütterichen Herodis gehet (1544) bei Luther 52, 603 W.;
ach, wie erbarmt mich die kinder,
die weibsperson nichts dest minder,
welche all so vnschuldig sendt
von dem wütrich worden verbrennt
(um 1600) Ayrer dramen 1, 620 Keller.
von spätröm. kaisern, die christenverfolgungen einleiteten (insbes. Nero, Domitianus, Diocletianus, auch dem lediglich heidenfreundlichen Julianus Apostata); vgl. mnd. woderic in dieser verwendung Eike v. Repgow sächs. weltchron. 113 Weiland:
Dîoclêtîânus
unt sîn geselle Maxîmîânus,
die grimmigen wuoterîche,
die rihten harte gewalticlîche
kaiserchronik 6612 E. Schröder;
do der chaisser sach daz swert
noch chein fewer an ıͤr (der hl. Dorothea) nicht twang,
der wuetreich da mit guten rang
Heinrich der Teichner 216, 112 Niewöhner;
do geruecht got ze horen
der cristen ruef uber in (den christenverfolger kaiser Julian);
gehes zuchte er den hin,
wan der wuetreich wart wunt
Heinrich v. Burgus der seele rat 2291 Rosenfeld;
diser Domitianus, der ander wyterich gwesen ist wider die christen Hedio chron. Germ. (1530) C 6ᵇ; da ligt er (Paulus) zu Rom ... in des greulichsten wütrichs Neronis des keisers henden Luther 22, 276 W.; Nero der wüterich lest so vil christen vmbbringen, dasz er grosse nachtfewer darausz schüren lesset Mathesius Sarepta (1578) 86ᵃ. häufig auch auf Attila und die türkischen sultane bezogen: nach in (den Goten) palt kam die heff und der gesamelt unflat alles menschlichs geschlechts, die Hunen mit irem künig, ja wüetrich Attila (Nürnberg 1488) städtechron. 3, 52; also ward die welt ... des grausamen wütterichs (Attila) schnell losz Rätel Curaei chron. (1607) 24; ein bruder des wütrichs Attile, der Haunen könig Schweigger reyszbeschr. (1619) 26;
der soldan ist mit zorn
ein wutrich ungestöm
meister Altswert 239 Keller;
der selb turkisch kaiser der ist ain wütrich über all wütrich (15. jh.) vierte bair. forts. d. sächs. weltchron. 383 Weiland; der wüterich Solimann behält das feld, schlägt die Vngern all Schweigger reyszbeschr. (1619) 27; Selims, dess türckischen wüterichs waffen, grassirten in Persien ... gar sieghafft Happel akad. roman (1690) 1066; die ... reichthümer des turkumannischen wüterichs Haller Usong (1771) 93.
β)
in allgemeinem gebrauch: alsô (wie die vögel mit krummen klauen) tuont die grimmen wüetreich, die mordent und tailent gotes freunt auf ertreich Konrad v. Megenberg buch d. natur 166 Pfeiffer; wer uns nit beszer, wir lebeten under einem greulichen wüetrich, dann dasz wir müszen so vil steur, ungelt, zol und losung geben? (Nürnberg 1488) städtechron. 3, 132; wenn solchs (mord und raub) thun schlechte leute, so nennet man sie mörder und reuber. thuns grosse herrn, so heisst man sie tyrannen und wütrich (1539) Luther 50, 401 W.; er (Hannibal) was vnbarmhertzig vnnd eyn wüterich, der inn menschlichem blutuergieszen lust vnnd freud hett Carbach Livius (1551) 106ᵃ; dasz man die vornemsten im volck hinrichten lassen müsse, wann der wüterig (gl.: tyrannus) sein reich ... zu versichern gedencke Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, D 1ᵃ; von Henrici VI. gemüthsneigungen, wie ... er bald als ein tugendhaffter regent gelobet, bald als ein blutdürstiger wüterich vorgestellet werde Hahn teut. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 4, 1; der grausame wüterich, k. Carl IX. in Franckreich, schriebe ... eigenhändig an den vicomte von Ortez ..., alle Hugenotten nieder zu machen Moser beherzigungen (³1763) 668;
um wie könige zu pralen, schänden
kleinre wütriche ihr armes land
(1788) Hölderlin s. w. 1, 38 Beiszner;
'was wolltest du (Möros) mit dem dolche, sprich!'
entgegnet ihm finster der wütherich.
'die stadt vom tyrannen befreien!'
(1799) Schiller 11, 284 G.; ebda 14, 360; 2, 184;
als schon ... der poetische tyrannenhasz zum vorschein kam, und man nach dem blute solcher wüthriche lechzend sich erwies Göthe I 29, 90 W.;
wie oft ward solch ein jünglingsopfer willig
nicht einem kriegesfürsten dargebracht,
wenn ihn des todes schatten auch nur streifte,
wie oft nicht einem bloszen wütherich!
(1856) Hebbel w. 3, 274 Werner.
in jüngerer sprache auch: das schlosz aber gehört dem woywoden, der einer der schlimmsten wütheriche gegen die Deutschen ist G. Freytag ges. w. 12 (1887) 246; ich wurde darin (in dem artikel) als ein wüterich geschildert, der 1839 mit kanonen auf seine mitbürger habe schiessen lassen (1872/81) Bluntschli denkw. aus m. leben 3, 64 Seyerlen; (der polizeikommissar) Paul hatte sich namentlich auch bei den verflossenen reichstagswahlen in Dresden wie ein wüterich benommen Bebel aus m. leben (1946) 3, 178.
c)
eroberer, fremde völker unterjochender gewaltherrscher; vgl.tyrann B 1 b: nicht destoweniger hat der gräuliche wüterich Irenechora und sein feldmarschal Rhenina jhr räuberisches kriegsheer in unser land geführet Bucholtz Herkuliskus (1665) 16; Genserich ... fiel ... in Afrika ein, und das nicht als helfer und retter der Römer, sondern als wütherich und barbarischer eroberer Jung-Stilling w. (1835) 3, 174; in der zeit der französischen besetzung und der befreiungskriege insbes. auf Napoleon bezogen: es wäre schrecklich, wenn dieser wütherich sein reich gründete (1806) H. v. Kleist w. 5, 330 E. Schmidt;
Frankreichs stolze adler sahst du zittern,
sahst des wüthrichs eisenkraft zersplittern,
der sich frech die halbe welt bezwang
(1812) Körner w. 1, 109 Hempel;
durch gott und durch die tapferkeit der verbündeten war der wilde wütherich aufs haupt geschlagen (in der völkerschlacht bei Leipzig) (1813) E. M. Arndt schr. (1845) 1, 243; (1814) Görres ges. schr. (1854) 2, 87.
d)
vereinzelt bezogen auf nicht weltliche herrscher, so im protestantischen schrifttum vom papst (vgl. auch tyrann B 2 a): wan er ein tyran vnd wutterich sein wil, sol er yhm einen nerrischern son auszsuchen, dan ich bin Carlstadt von bepstl. heylickeit (1520) B 2ᵃ;
noch wend si reden fri unverschempt,
der bapst der sye, wie er well,
...
ein bluͦthund, tyrann und wüetrich grimm,
so stand die christenlich kilch uf im
(1525) N. Manuel v. papst u. s. priestersch. v. 1300 Bächtold;
(papst Julius ist gewesen) gar ein gottloser mensch, ein grausamer wütherich und anschlägiger kriegsmann (1539) Luther tischr. 4, 340 W. von gott als dem unumschränkten herrscher über die schöpfung: dieselben verfueerisch lerer machen aus ... got ainn grawssamen vngerechten wueetrich vnnd tyrann, der die menschen ... vnschuldiklich verdambt (1528) Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 282 R.; (er) macht seinen gott zum wütrich seiner erschaffnen Giseke poet. w. (1767) 37 Gärtner;
sieh einmal noch zurück, eh du
...
... dir und deinem schöpfer fluchst,
und wütherich ihn nennest
J. M. Miller ged. (1783) 111.
vom teufel (s. oben a und Treuer dt. Dädalus 1 [1675] 459):
wann du der tolle rasende wütrich bist,
der's paradies' auffwiegler vnd zerütter ist
(1582) Hayneccius Hans Pfriem 72 ndr.;
wie vnkeuschheit als der böse geist vnnd wüterich zu fliehen sey buch d. liebe (1587) 159ᵃ; allein was beobachtet denn unser anbetungswürdiger himmelskönig für eine maxime, um jenen wütherich (den höllenfürsten) ... in den schranken zu halten? Jung-Stilling s. schr. (1835) 2, 162.
2)
seit mhd. zeit nachweisbar als bezeichnung eines harten, gewalttätigen menschen schlechthin; vgl. dazu mhd. wüetelgôz, wuotegôz (Wackernagel kl. schr. 3, 116 f.) sowie tyrann B 3; ferner ältere glossierungen wie: (fleuit amissos Ithacus sodales quos ferus ... mersit inmani Polyphemus aluo. sed tamen caeco) furibundus (ore gaudium maestis lacrimis rependit) uuuotrih (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 79, 77 St.-S. (zu Boethius, consol. philos. 4, 7):
mînes (des dichters) ungelingen vreut er sich und Uodelrîch.
der ist mînes schaden zallen zîten vlîzic und gevære,
er und Eberolt, ein ungestüemer wüeterîch
Neidhart lieder 64, 31 H.-W.;
wer huost wenne er lacht oder swærleichen âtemt, der ist unschämich und ain wüetreich Konrad v. Megenberg buch d. natur 47 Pfeiffer;
er sprach: 'sim phü dich, böser man!
wes hast du wüetreich dich gezigen'
Heinrich Wittenweiler ring 762 Wieszner.
Wüterich als sprechender eigenname:
(nachrichter:)
dann ich kan sz' handtwerck seuberlich,
ich waisz den rechten maister strich,
darumb haisz ich Wolff Wuͤterych
(1549) Aal tragoedia Johannis d. täuf. 242 Meyer;
der wilde mann, namens Wuͤhterich, ruffet ihnen zu ...: immer fort, immer fort, ihr hunde Rist d. friedej. Teutschland (1653) 10. namentlich bezogen auf brutale söldner, schächer, raubritter, räuber:
Herodes der tumbe
der hiez do rennen umbe
al die sinen wtrîche;
er hiez sie grimmekliche
die iungen degen uerliesen
(1172) priester Wernher Maria (D) 4859 Wesle;
gotes hiusern tet er wê.
der wüetrich kolte (quälte) niemen mê
denne die senften unt die reinen
Servatius 3398 Haupt (zs. f. dt. altert. 5, 177);
zu hant lief ein wuͦterich (am kreuze Christi)
der nam ein ror (mit dem essigschwamm daran) in die hant
(um 1300) Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2942 S.;
wer do ist ain wüetreich,
und der do verderbet arm und reich
wider got und wider recht,
der ist den herren ain lieber chnecht
(1411) Vintler pluemen d. tugent 3378 Zingerle;
lasst doch sehen, was der teuffel sampt seinen wüterichen und buben könne ausrichten (1529) Luther 30, 2, 48 W.; dasz ... ich dich an denselben wuͤtterichen vnnd strassenraͤubern ... wolte gerochen haben Bastel v. d. Sohle junker Harnisch (1648) 194; man ist es längst gewahr geworden, dasz ein unwissender und übelerzogener mensch wohl ein wilder wüthrich, aber kein vernünftiger kriegsmann werden könne anmuth. gelehrsamk. (1751) 7, 235 Gottsched;
erscholl von jeder haide, jedem hügel
das schrekengelärm gewapneter wütriche her
(1788/9) Hölderlin s. w. 1, 88 Beiszner;
als ... Otto von Gorgas bereits ein fähnlein von fünfzig mann aussandte, um den entsetzlichen wüterich aufzuheben (Kohlhaas) H. v. Kleist w. 3, 173 E. Schmidt. wüterich als beiname des kriegsgottes:
und dennoch stehst du noch, ob Mars, der wüterich,
noch zweimal mehr so arg gesetzet hätt an dich,
du unbezwungner sund!
Fleming dt. ged. 1, 121 lit. ver.;
dem tollen waffengott, dem wüterich
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 88 Weichmann;
Trojas schaaren durcheilt' und ermunterte Ares der wütrich
οὖλος Ἄρης)
J. H. Voss Ilias (1821) 5, 461.
zur kennzeichnung eines tyrannischen hausvaters und ehemannes; vgl.tyrann B 2 c: sey nicht ein lew in deinem hause, und nicht ein wüterich gegen dein gesinde (noli esse sicut leo in domo tua, evertens domesticos tuos, et opprimens subiectos tibi) Jesus Syr. 4, 35; Hans Sachs 19, 19 lit. ver.; wenn (dein mann) ein wüterich wäre und schlüge dir einen arm oder gar das nasenbein entzwey, was würde das vor ein hertzeleid seyn? Chr. Weise comödienprobe (1696) 222; viele wackere verständige weiber ... unvernünfftige flegel und unbescheidene wütteriche zur ehe haben J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 2, 272; er ist ein wahrer wüterich gegen seine frau und hausgenossen, wenn er in zorn geräth Campe 5 (1811) 703; ich wills ihm schon sagen, dem wütherich (dem ehemann) Holtei erz. schr. (1861) 17, 100; und er lachte, als sei sein vater nicht don Domenico, sondern ein harmloser wüterich, dessen rasereien man nicht ernst zu nehmen braucht Werfel geschw. v. Neapel (1931) 150. von einem gewalttätigen kinde:
der Friederich, der Friederich,
das war ein arger wütherich
H. Hoffmann der Struwwelpeter (333. aufl.) 2.
3)
übertragener gebrauch; von heftigen, den menschen in ihre gewalt zwingenden elementaren leidenschaften und bedürfnissen; vgl. dazu tyrann B 4 b—c:
ihr, welche tag und nacht mit hoffnung, furcht und zagen
der strenge wütericht, die liebe, pflegt zu plagen
Opitz opera (⁷1690) 2, 63;
grausamer wüterich, verfluchter ketzereifer!
dich zeugte nicht die höll aus Cerbers gelbem geifer,
nein, heilge zeugten dich, du gährst in priesterblut
(1730) Haller ged. 64 Hirzel;
denn nichts ist unbändiger, als der zürnende hunger,
... beständig
fodert er speis' und trank, der wüterich!
(1781) Voss Odyssee 123 Bernays.
bezogen auf eine naturerscheinung: seine (Islands) vielen vulcane ... und sein siedender groszer wütherich, der geiser, der oft 100 und 200 fusz hoch seine gewässer hervorstöszt ..., bewähren die kraft der natur Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 2, 106.
4)
als pflanzenname bezeichnung des wasserschierlings cicuta virosa L. und des echten schierlings conium maculatum L., die in der benennung in älterer zeit nicht unterschieden werden, s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 999; 1119. benennungsmotiv ist die giftigkeit der pflanze, deren wirkungen sich in tob- und schreikrämpfen äuszern; daher auch bezeichnungen wie wutschierling, wodendunk (s. die übersicht bei Marzell a. a. o.) und ahd. wotich (˂ uuotich = wuotich), das in der bezeugung wüt(e)rich vorausgeht: cicuta wotich ahd. gl. 3, 314, 35 St.-S.; cicuta wͦtich uł potius herba uenenata 3, 324, 42; cicuta wotih 3, 575, 59; ciconia wotich (˂ cicuta × conium?, s. Steinmeyers anm.) 3, 487, 12 (auf entstellung wird beruhen: cicutae [gen.] wüttisch, würtitschs Österreicher Columella 2, 81 L.). die form wüterich ist seit dem 13./14. jh. nachweisbar, zunächst in glossaren: cicuta est herba uenenosa que wlgariter dicitur [[error?:iabovew]]oͤterich (13./14. jh.) mhd. gl. in: zs. f. dt. wortf. 5, 5 (cicuta woᵉtᵉʳich ebda 21); cicuta scherlin vel wütrich (14. jh.) anz. f. kde d. teutschen vorzeit 8, 97 Mone; cicuta (venenosa) wöterich ebda 8, 395; 8, 401; Bock kreutterb. (1539) 1, 141; cicuta schirling, wüterich Megiser thes. polygl. (1603) 1, 260ᵇ; Pancovius herbar. (1673) 118; conium maculatum L., cicuta virosa L. Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 659; Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 325; 402; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 999; 1, 1121; Fischer schwäb. 6, 1015 f. auszerhalb der wbb. und des botan. fachschrifttums: man sol auch dafür (für nierensteine des habichts) nemen ... das krautt stainprech und wilden haidrich oder wüttrich (15. jh.) Mynsinger von d. falken 40 lit. ver.; die wurtzel von dem krautt, das da wüttrich haisset ebda 81; (kräuter, die schmerzen mildern:) römische kümel, camillen plumen ... vnd ein kraut heiszt wüterich Rösslin rosengarten 49 Klein; von dem kraut, wüterich genennt, sol der schwan sterben Heuszlin vogelb. (1557) 219ᵇ; (er liesz) vil des krauts wütterich, dessen am selben ort vil wuchsse (man nennets sunst wundscherlin, und witzerling, ist ein gifftigs kraut) zerstossen Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 159ᵇ;
wie wann dein einigs kind die mutter von dem leben
und umb den halsz gebracht, dem vater wollen geben
den wütrig in den kohl, den schierling in den wein
(1664) Rachel satyr. ged. 100 ndr.
wüterig adj.
Fundstelle: Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2530, Z. 63
'ungestüm, grausam, wild'. zu wüter, mit gelegentlichem rückbezug auf wüten und wut. die verbreitetste der konkurrierenden bildungen (s. wüterisch, wüterlich), jedoch gut bezeugt nur fürs 16./17. jh. (vgl. aber noch wüterig Mensing schlesw.-holst. 5, 754). aus der formalen und begrifflichen nähe zum früher belegten und weiter verbreiteten subst. wüterich (vgl. auch das zum subst. gebildete vereinzelte adverb wütrichs J. Jonas bei Luther 6 [1568] 456ᵃ) erklärt sich die in allen kasus des wortes weit überwiegende und nicht mundartgebundene ch-schreibung des auslautenden gutturals (zum verhältnis -ig/-ich im frühnhd. vgl. im übrigen V. Moser frühnhd. gramm. 1, 3, 251 ff.). vielfach bezeugt ist synkope des mittelsilben-e-, wobei kürze des wurzelvokals möglich ist (beispiele s. u.); vereinzelt begegnet schreibung mit -tt-, vgl. wuttrichen hasz Luther 7, 277 W.; 6, 432; 29, 533; wütterich Fronsperger von geschütz u. fewerwerck (1564) 52ᵇ; B. de las Casas newe welt (1597) 38; Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1325. umlautlose formen sind selten: wudrich (13. jh., nd.) ahd. gl. 3, 385, 21 St.-S.; wutriger Luther 29, 407 W.; 533; 6, 432; 7, 277; 15, 73; wuͦthrichen Zwingli geistl. gewalt (1523) D 1ᵃ; wutrich Quad teutscher nation heiligkeit (1609) 227. sekundäre angleichungen an die bildungen auf -cht sind wuttrichten tyrannen Luther 6, 432 W.; wüterichtern hertzog Aymont (1535) g 6ᵇ; wütericht P. Petreius hist. u. bericht v. Muschkow (1620) 253.
1)
von tyrannischen herrschern, wesen und handlungsweise charakterisierend: kaiserr, künig vnd ander krönte diser welt mag man ab setzen ... ob sy in einen vnglauben treten ... item ob sy wüetrich wurden (mitte 15. jh.) Ofner stadtrecht (1959) 60 Mollay; nün vnd dryssig küng, vnder denen nit mer danne nün guͦt gewesen sint vnd die andern all ... hochfertig, zornig, wütrich, vnküsch Niclas v. Wyle translat. 214 Keller; solch bösze jammerlich zeyt ist itzt, das solch wütriche tyrannen sich yhrer sund ... offentlichen rhümen (1520) Luther 6, 70 W.; ein zuͦkünfftiger gotteslesterer ... der alle die, so in nit anbetten, erwürget ... ey das müszt ja ein wüteriger tyrann, und gar ein teufelischer mensch sein (1544) Sleidanus reden 51 lit. ver.; (der held,) der den wüterichen könig ... so ritterlich uberwunden Fabricius auszzug bewerter historien (1599) 21; er verfolgete und verhassete, so grawsam und wütericht er war, keinen menschen der religion oder seines glaubens wegen Petreius hist. u. bericht v. Muschkow (1620) 253; was hat den wütrichen bluthund Neronem dahin gebracht, dass er sich selbst entleibet? Dannhawer catech.-milch (1657) 4, 181. auch: Dionysius, der wüterich in Sicilien, sagte, dasz die gröste freude, so er von seiner wütrichen herrschaft hätte, wäre, dasz sein befehl alsbald vollzogen werden müste Butschky rosenthal (1679) 907.
2)
in variabler (überwiegend von 1 abgeleiteter) verwendung als wesensbestimmung: truculentus wudrich (atrox idem, funestus idem) (13. jh., nd.) ahd. gl. 3, 385, 21 St.-S.; yn dem monde nouembris werden dy schyff durch vngewitter beleydiget durch den nyderganck des wöterichen gesterns virginarum (siebengestirn) Flavius Vegetius Renatus, vonn d. ritterschafft (Erfurt 1511) M 5ᵃ; also sol semliche süesse funden werden yn semlichen menschen die lewen art haben, sie seint grim hert vnd wieterich J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 220ᵃ; jhe frummer sie (die frauen) ewsserlich seyn, yhe wutriger sie seyn Luther 29, 407 W.; was coaguliert ist, das hat ein sommerlichen impetum, dann sommer tempestates seind wüterich Paracelsus opera 2, 88c Huser; derowegen er (aethusa cynap.) nicht unbillich under die stinckende, gifftige, wüteriche kreuter gerechnet wirdt, sintemal er gleich wie der wüterich die menschen doll machet Tabernämontanus kräuterb. (1588) 339 (vgl. wüterich 4); und wircken jhr heil und seligkeit mit furcht und zittern, dasz sie nicht in versuchung fallen, und dem grawsamen und wütrichen löwen, dem leidigen teufel, nicht zutheil werden B. Copius hauszkirchen postill (1591) 1, 99ᵃ; ein volck, welches sich mit raub und beute mehrentheils ernehret, ein unbändiges, halszstarriges volck, und gleichsam von natur wütrich und wild Cramer pommersche chron. (1602) 1, 25; der wüterige tod Harsdörffer poet. trichter 3 (1653) 451; kein fuchs ist so listig, kein wolff so gierig, kein pardel so wütrig, als der teuffel, der höllische fischer und vogelsteller, ist F. Breckling nosce te ipsum (1660) 58. auch: wie du (Emser) leugist und nit ausz lieb der warheyt, sondern ausz lautteren wuttrichen hasz widder mich schreybist (1521) Luther 7, 277 W.
Zitationshilfe
„wüterich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCterich>, abgerufen am 26.08.2019.

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