Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wagenschmiere, f.

wagenschmiere, f.
mischung aus theer, fett oder öl zum schmieren der wagenachsen. Jacobsson 4, 572. der 2. theil der zusammensetzung mhd. smirwe kommt im älteren nhd. bairisch auch als schmirb vor: wagensalben oder wagenschmirben. voc. inc. theut. C 1ᵇ; wagenschmirb, axungia. Schönsleder prompt. Kk 3ᵇ;
der schwaisz so gar von ihnen
ausfliessendt nit verdirbt ...
kan einer gelt mit gwinnen.
es gibt gut wagenschmirb.
Balde Agathyrsus 17, 3.
die form wagenschmier hält sich bis in die mitte des 18. jahrh.: axungia, wagenschmier. Diefenbach gl. 64ᵇ; karrsalben, wagenschmier. Emmelius nomencl. 288; wagenschmier Frisch 2, 415. Zedler univ. lex. 52, 621; so soll der stat paumeister auch allewegen pei im haben einen zentner oder zwen leinöls, das man zu wagenschmir und küt, auch sünst zu öltrencken ... bedarf. Tucher baumeisterbuch 116, 16; wie man in Dennemarck disen bergkpech dicker seudet und vor ther oder wagenschmier brauchet. Mathesius Sarepta (1571) 57ᵃ; die seiler sollen keine wagen-schmier sieden, ingleichen auch keine pech-fackeln machen in der stadt. corpus constit. Brandenb.-Culmbac. 2, 2, 433. diese form ohne e erscheint unter einflusz von wagenschmer auch als n.: wagenschmier, n. Krämer 1204. Rondeau; auff gleiche weise sollen sie (die seiler) das wagen-schmier und die pechfackeln an keinem andern ... orte ... verfertigen. der stadt Leipzig ordnungen (1701) 499 (am rande: von verfertigung der wagen-schmier). wagenschmiere hat schon Tucher neben wagenschmier: fur ein pfunt wagenschmiere ... funfthalben pfenning. baumeisterb. 292, 9, ferner Stieler 1882. Steinbach 2, 461. Adelung. in den fastnachtsspielen steht das wort als urbild einer widerwärtigen speise (wie jetzt etwa stiefelwichse, schmierseife):
und lieber wein trinken dan saursz pier
und zuckermus eszen für wagenschmier.
316, 25;
sein trinken sei ain verdorbens pier
sein speis sol sein ain wagenschmir.
711, 22;
so trink ich lieber wein, dann sauers bier,
so leck ich lieber honig, dann wagensmir.
857, 15.
als bestechungsmittel (vgl. schmiere 3, a, theil 9, 1080): wer nicht hat zu geben und nicht wol mit der güldenen und silberen wagenschmier, womit man den butter und fette ochsen kaufft, versehen ist, der las procesz prozessen seyn. Weidner apophth. 4, 129.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 468, Z. 72.

wagenschmieren, subst. inf.

wagenschmieren, subst. inf.:
almosen geben armet nit, kirchen gehen säumet nit, wagen schmiren hindert nit, unrecht gut faselt nit. Lehmann 401, 78. die redensart wird auch auf die bestechung der richter angewendet. Graf u. Dietherr rechtssprichw. 411, 90.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 469, Z. 33.

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Zitationshilfe
„wagenschmiere“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wagenschmiere>, abgerufen am 20.09.2020.

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