wahlen n
Fundstelle: Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 549, Z. 74
wälschland, Italien, Frankreich. eigentlich der dat. plur. des volksnamens Wahle (s. d.), der in verbindung mit präpositionen zum landesnamen wurde (vgl.Franken, Schwaben). der zusammenhang mit dem volksnamen ist noch deutlicher, wenn der artikel vorhergeht:
man meynt ettwann, es wer keyn ler
dann zuͦ Athenas über mer,
dar noch man sy byn Walhen fandt,
jetz sicht mans ouch in tütschem land.
Brant narrensch. 92, 29.
doch kann er schon im mhd. fehlen, so dasz das wort als ntr. erscheint:
eʒ wuohs in Lamparten   ein gewalteger künic rîch,
dem was bî den zîten   dehein künic gelîch
über elliu lant ze Walhen.
Ortnit 3, 3;
ich füere von Kerlingen   daʒ aller beste gewant.
daʒ ich ze Walhen inder   in den steten vant.
253, 2;
von dem Riuzischen mer,
von Priuʒen unz an Walhen.
S. Helbling 15, 655;
er muoʒ dulden mînen vluoch,
der ir ie gedâhte,
der die siden und daʒ tuoch
her von Walhen brâhte.
Neidhart 86, 14;
ein obentewr ward mir gesait,
ain herre der aus Wallen rait,
der sagt mirs.
Schmeller² 2, 905 aus einer Münchner hs.;
Beringer der dirte richsete 8 jor in Walhen. Lotharius II. richsete 2 jor in welschen landen. Closener, städtechron. 8, 34; als dann waren Cicilianer, Pisaner, Genoveser, Lombardi und Venediger und vil andre manche kaufleüte von Walhen. decameron 149, 30 Keller; Italia, Walchen. Diefenbach nov. gl. 223ᵃ; Parmesaner aus Walen (1582 Italien). Garg. 79 Alvensleben. häufiger heiszt es im 15. 16. jahrh. Wahlenland oder Wälschland; Dasypodius 105ᶜ hat schon Italien.
wählen verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 560, Z. 25
guter dinge sein, abgeleitet von wähl 'wohlbehagen, übermut'. mnd. welen Schiller-Lübben 5, 662.
wählen verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 560, Z. 27
trocknen, s.wälen.
wahlen verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 550, Z. 34
wählen. eine nebenform, die sich nicht weiter zurück verfolgen läszt (sie beruht wol auf engerem anschlusz an das subst.), die aber in obd. und md. mundarten lebt, wobei mehrfach eine bedeutungsdifferenzierung gegen wählen versucht wird.
1)
auswählen, aussuchen. bair. Schmeller² 2, 883 und nordthür. Liesenberg 218. beim kaufen musz man walen künnen; auswalen beim essen 'wählerisch sein'. Schmeller a. a. o. namentlich 'unschlüssig sein, wofür man sich entscheiden soll', z. b. beim kauf. schweiz. Stalder 2, 428 und henneberg. Spiesz 273. du wahlst mir viel zu lange! Spiesz a. a. o.
2)
an der wahlversammlung theilnehmen, jemand in ein amt wählen. bair. Schmeller² 2, 883, schweiz. Stalder 2, 428. Hunziker 285. Seiler 308 und elsäss. Henry 234.
wählen verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 550, Z. 47
durch freien willensentschlusz bestimmen, aussuchen, prüfen u. s. w.
I.
formelles.
1)
wählen ist ein gemeingermanisches wort, das nur dem friesischen und englischen ganz fehlt: got. waljan, ahd. wellan, wellen Graff 1, 835, andfränk. wellan (nur das praet. welida in den gl. Lips.), im späteren ndl. und nd. nicht vorhanden (erst im 16. jahrh. ist es wieder aus dem hd. ins nd. eingedrungen), anord. velja, schwed. välja, norw. velja, dän. vælge. das wort reicht aber bis ins indogermanische zurück und gehört aufs engste mit wille, wollen, wohl, wähl u. s. w. zusammen: skr. var (praes. vṛṇā͏́mi) erwählen, wünschen, vára wahl, wunsch, avest. var wählen, wollen, lit. vêlyti wünschen, gönnen, aslav. voliti wollen, lieber wollen, velěti befehlen, lat. velle (volo). man wird in wählen eine alte idg. bildung sehen dürfen, die dem skr. causativ varáyāmi, aslav. voliti entspricht; das subst. wahl wird erst von dem verbum aus gebildet sein. die wurzel bezeichnet im idg. theils das wollen schlechtweg, theils das lieberwollen, die entscheidung nach einer bestimmten richtung. letztere bedeutung kommt im germ. durch wählen zum ausdruck; doch ist zu beachten, dasz im got. und ahd. weit häufiger als das simplex präfigierte formen erscheinen: got. gawaljan, ahd. giwellen, irwellen.
2)
im ahd. hat wellen unter dem einflusz des j ein doppeltes l entwickelt, das aber mit einfachem l wechselt: sing. ind. wellu, welis, welit, praet. welita, part. giwelit. neben welita kommt auch vereinzelt kiwalta vor; nach zalta, salta (neben zelita, selita) zu zellen, sellen wird darin die ursprüngliche, ohne mittleres i gebildete, form zu sehen sein. im mhd. ist entweder l oder ll durchgeführt: die gewöhnliche form ist welen, weln, doch kommt auch wellen nicht selten vor, besonders im 12. jahrh. und noch später bei Oberdeutschen. für die dichter können natürlich nur die reime beweisen, z. b. wellen (: twellen) kaiserchr. 11761 Schröder; gewellet (: gesellet) jüng. Tit. 1228; wellen (: gesellen) Wittenweiler ring 7ᵇ, 37; vgl. auch u. 3 wöllen. das praet. walte kommt vereinzelt bis ins 15. jahrh. vor:
die dich ze kenpfen walten.
Eckenlied 150, 8;
die walten ein newen baubst. städtechr. 4, 234, 10 (Augsb. 1462); das man kain bapst waulti oun des kaysers gunst. 4, 288, 27 (nach 1469). die gewöhnliche form ist welte. vereinzelt begegnet starke bildung: irwiel Brun v. Schonebeck 6885.
3)
im älteren nhd. kommt (mit demselben lautübergang wie in wölben, zwölf u. s. w.) häufig wölen, wöhlen vor, das sich bei Süd- und Westdeutschen bis ins 17. jahrh. findet: wölten Franks Augsburger annalen, städtechr. 25, 316, 14 (nach 1462); wöhl Schwarzenberg 118, 2; wölen 155, 1; erwölen Murner luth. narr 1452; wöleten Linck bapsts gepreng (Straszb. 1539) A 2ᵇ; wöln Schmeltzl Saul 21; wöhlet Fischart dicht. 3, 315, 272 Kurz; erwöhlt Albertinus der welt thurnierplatz 115; gwöhlet Hock blumenfeld 38, 1 neudr.; erwöhlet Zincgref apophth. 8; wöhlen Angelus Silesius cher. wandersm. 5, 16; erwöhlen Spee trutzn. 133. Balde Agathyrsus 12. Abr. a S. Clara Judas 1, 299. auf wellen geht zurück: wöllen stadtrecht v. Arau 198, 27 Merz. Wackernagel kirchenl. 5, 896, 26; wölleten Dreytwein eszlingische chr. 41, 4 Diehl. die gewöhnliche form ist damals wehlen; die schreibung mit ä (z. b. bei Schönsleder Kk 4) tritt im 17. jahrh. noch zurück, Gueintz rechtschreibung 157 erklärt ausdrücklich wehlen für besser, wie auch Stieler und noch Frisch so schreiben; Ludwig, Kramer, Rondeau verweisen von wählen auf wehlen, dagegen haben Krämer, Rädlein, Steinbach, Gottsched sprachk.⁵ 146 wählen. doch schreibt noch Lessing 6, 154 (in den litteraturbriefen) ich wehle, Uz werke 305 (lesart von 1753 im neudr.) wehlen.
II.
bedeutung und gebrauch. ähnlich wie bei wahl, hebt sich bei wählen von der allgemeinen bedeutung 'unter mehreren aussuchen' nur die von 'jemand für ein amt bestimmen durch die geordnete willenserklärung mehrerer' deutlich ab. sonst erscheint das wort wol in mehreren bedeutungsschattierungen, doch haben dieselben nicht zu scharf von einander abzugrenzenden bedeutungen geführt. zwar auf die blosze möglichkeit, sich nach der einen oder andern seite zu entscheiden (s.wahl I, 1), geht wählen nur ausnahmsweise, das vielmehr regelmäszig eine nach einer bestimmten richtung fallende entscheidung bezeichnet; dagegen kann (wie bei wahl I, 2) das bedeutungsmoment des prüfenden abwägens und aussuchens im vordergrund stehen. diese besondere bedeutung tritt seit beginn der nhd. zeit hervor und hat auch zur festsetzung des adj. part. gewählt in der bedeutung von 'ausgesucht, erlesen' geführt. wählen ist im lauf seiner entwicklung an die stelle des bedeutungsverwandten kiesen getreten, mit dem es sich im mhd. vielfach berührt. kiesen ist zunächst wahrnehmen, dann prüfen, gutfinden, sich dafür entscheiden; das bedeutungsmoment der freien auswahl unter mehreren, das bei wahl und wählen hervortritt, fehlt dem wort ursprünglich ganz. die verschiedene grundlage, auf der wählen und kiesen erwachsen sind, zeigt sich noch darin, dasz das erstere weit häufiger auch ohne object gebraucht wird. das bedeutungsmoment des prüfenden abwägens ist dann von kiesen auf wählen übergegangen.
1)
wählen als 'unter mehreren frei bestimmen'.
a)
ohne object.
α)
owê der mich dâ welen hieʒe
deich daʒ eine dur daʒ ander lieʒe,
wie rehte schiere ich danne kür!
Walther 46, 27;
gedenket an des himmels wunne
diu dâ iemer wert ân ende ...
entsitzet der wîʒe nôt,
fürhtet den êwigen tôt:
diu sint uns geleget vür.
nû weln, die wîle uns got die kür
in disem lîbe welle geben!
Lamprecht v. Regensburg Franzisken leben 139;
wenn andre, eh' sie freunde wählen,
was sich dabey gewinnt erst emsig überzählen,
vermählet jene schon ein wort, ein stiller blick ...
sie wählen nicht, sie fühlen sich getrieben.
Wieland 17, 115 (Idris 2);
blind eilt zum ziel, ein abgeschnellter pfeil,
des thieres trieb; es irrt nur wer da wählet.
A. W. v. Schlegel 1, 57;
wäre nur,
für augenblicke, meiner phantasie
ein zweifelhafter, leichter flug vergönnt!
ein übel um das andre biete mir!
ich bin gerettet, wenn ich wählen kann.
Göthe 9, 344 (nat. tochter 4, 2);
zuerst ging ich langsam durch die säle, sah wo die Italiener hingen, und merkte mir in jedem saale die stücke, die ich näher betrachten wollte. die lüsternheit wird übermüthig, wenn sie im überflusse wählen kann. Forster ansichten vom Niederrhein 1, 214; ich will euch wehlen lassen. Ludwig 2414; es ist hier nicht zu wehlen, non datur hic optio. Stieler 2466.
β)
mit adverbien: gut, schlecht wählen; glücklich, unglücklich wählen;
wir fallen in gefahr und stricke,
so offt wir vor uns selber gehn;
wir wehlen falsch und wandeln blind,
so offt wir ohne creutze sind.
Günther 89;
du bleibest stäts ein kind, das meistens unrecht wählet.
Haller ged. (1753) 53;
er wählt unüberlegt, bleibt keiner wahl ergeben.
Hagedorn 1, 120;
im unglück wählt der betäubte mensch oft ganz verkehrt. Grabbe 3, 281 Grisebach (Hannibal 5).
γ)
besonders wird dies wählen von der wahl des geliebten und gatten gebraucht:
wol den ougen diu sô welen kunden
und dem herzen daʒ mir riet
an ein wîp diu hât sich underwunden
guoter dinge und anders niet.
Reinmar, minnesangs frühling 169, 27;
alrêst liebet ir der man ...
dô hete si daʒ rehte ersehn
daʒ ir wol was geschehn
und hete ouch den brunnen
mit manheit gewunnen
und wert ouch den als ein helt.
si gedâhte 'ich hân wol gewelt'.
Hartm. v. Aue Iwein 2682;
ein junger mensch, der sich vermählen wollte,
und dem man manchen vorschlag that,
bat einen greis um einen guten rath,
was für ein weib er nehmen sollte?
freund, sprach der greis, das weis ich nicht.
so gut man wählt, kann man sich doch betrügen.
Gellert 1, 118;
ja mutter!   segne deinen sohn! — diesz herz
es hat gewählt, gefunden hab ich sie,
die mir durchs leben soll gefährtinn seyn.
Schiller 14, 67 (braut v. Mess. 2, 5);
wünschtest du nicht noch vorhin, er möchte heiter und lebhaft
für ein mädchen empfinden? nun ist die stunde gekommen!
ja, er hat gefühlt und gewählt, und ist männlich entschieden.
Göthe 40, 279 (Herm. u. Dor. 5);
'nun das freut mich!' antwortete der prediger, 'dasz sie schon gewählt haben'. Arnim 1, 280.
δ)
zwischen, unter etwas wählen: wankt ihr noch? ist es so schwer zwischen himmel und hölle zu wählen? Schiller 2, 106 (räuber 2, 3); Hermanns gegner liesz ihn unter den beiden mitgebrachten degen wählen. Immermann epigonen² 1, 74.
ε)
vereinzelt im älteren nhd. zu etwas wählen (vgl.zu etwas kiesen theil 5, 694): wens nu solt wündschens und wehlens gelten, entweder, das ich ... der apostel verstand in der schrifft solt haben, ... oder solt der jüden gewisse buchstaben und wort ... haben, ist gut zu rechen, wo zu ich wehlen würde, ich liesse die jüden mit irem verstand und buchstaben zum teufel faren und füre mit S. Augustin verstand on ire buchstaben zum himel. Luther 8, 138ᵃ. andre auffallende verbindungen erklären sich durch den eintritt von wählen in die construction von wollen:
(die lerche zur eule):
wer stets vergnügte tage zählet,
und fliegen kann, wohin er wählet,
wie kann der trauren?
Lichtwer fabeln 1, 25.
ζ)
anschlusz eines abhängigen satzes: bey einem menschen ... musz eine erwegung der umstände vorausgesetzet werden, ehe er sich determiniret oder wählet, welche lebensart, welch handwerk er ergreifen ... wolle. Reimarus die triebe der thiere³ 425; er mag wehlen, ob ers haben will oder nicht. Ludwig 2414. eines infinitivs mit zu: und ist ... zu Lantzigk begraben worden, da er auch, und sunst nirgentz anders, zu legen (liegen) gewelet hette. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 366 Gäbel;
so er mit augen selbst gesehen
und sichs nicht mehr zu sehen wehlet.
Simpl. 1, 51 Keller;
so wählt' ich, ungern zwar, für Zeus zu streiten.
A. W. v. Schlegel 1, 51;
verbannt von deinem angesicht sollt' er
in meinen arm sich werfen — eitle hoffnung!
zu innig liebt' er dich und wählte lieber,
durch dich zu sterben, als für mich zu leben.
Schiller 13, 486 (Turandot 5, 2).
b)
mit accusativischem object.
α)
das beste wehlen, potiora excerpere. Stieler 2466; ihr habt das ärgste gewehlet. Ludwig 2414; das schlimmste wählen. Adelung; das gute wählen und das böse verwerffen. Steinbach 2, 917; das kleinste übel wählen, ex malis minimum eligere. Nieremberger;
tauschen will ich und kaufen; du sollst das schönste von allem
wählen.
Göthe 1, 301 (Alexis u. Dora);
chor. doch konnte die entdeckung, die du fürchtest,
auch deiner liebe günstge zeichen bringen.
don Manuel. auch stürzen konnte sie mein glück, drum wählt ich
das sicherste, ihr schnell zuvor zu kommen.
Schiller 14, 44 (braut v. Mess. 1, 7);
sind drei wünsche erlaubt, ihr held wird das albernste wählen.
Möricke ged.⁸ 141;
doch der mann, der scharfbewehrte,
rüstig mäht' er gras und kräuter;
kundig wie ein pharmaceute
wählt' er nur, was fein und würzig.
G. Keller 10, 184;
er weisz nicht was für eine lebensart er wehlen soll. Ludwig 2414; aus einem stürmischen elemente gerettet, auf dem ich durch eigene und fremde schuld, durch zufällige und gewählte lebensweise, durch vorsatz und übereilung ... auf die gewaltsamste art hin und wieder getrieben worden. Göthe 26, 227 (a. meinem leben 13); der selbst seinen eigensten wunsch, eine liebe aus früherer zeit, aufgegeben und dafür eine freudenlose ehe mit einem der vornehmsten mädchen gewählt hatte. Eichendorff 2, 176 Dietze; sie wählt das kloster — ein schreckliches unglück, wen es trifft! — nicht aus neigung, sondern aus noth. v. Thümmel reise 7, 380 (1800);
doch wählt mir eine facultät!
Göthe 12, 97 (Faust).
nicht unter fürsten bogen wir das knie,
freiwillig wählten wir den schirm der kaiser.
Schiller 14, 326 (Tell 2, 2);
Sappho die liebende stirbt, wählend den tod in der flut.
Platen 50 (verm. ged.).
einen aufenthalt wählen: am liebsten wählte ich dazu (zum lesen) meinen sitz in dem wipfel eines hohen baumes. Eichendorff 2, 56 Dietze. ein kleid wählen:
ouch was dâ gereit
wol drîer hande cleit,
grâ, härmîn unde bunt ...
dô welte si ime die besten wât
unde leite in die an.
Hartm. v. Aue Iwein 2198;
das narrenkleid kostete zwar nicht viel und ich hatte es auch hauptsächlich aus diesem grunde gewählt. G. Keller 2, 206 (gr. Heinrich). einen ort wählen: soltu dir drey stedte aussondern im lande, das dir der herr dein gott geben wird einzunemen. und solt gelegene ort welen, und die grentze deins lands ... in drey kreis scheiden, das da hin fliehe, wer einen todschlag gethan hat. 5 Mos. 19, 3; Blücher beschlosz, zwischen Soissons und Craonne, auf der hochfläche ... die schlacht Napoleons anzunehmen. die örtlichkeit war hiezu sehr günstig gewählt. Varnhagen Blücher² 345;
aus meiner heimat, wo mein grab
ich schon gewählt, bin ich vertrieben.
D. v. Liliencron adjutantenritte 77;
wir wählen gerne den kürzesten weg. Kant 10, 417 (üb. pädag.); zudem hat hr. Schlegel kaum die beste methode gewählt, die aufmerksamkeit seiner leser fest zu halten. Herder 5, 283 Suphan; er (Suwarow) wählte überall die zweckmäszigsten mittel. Seume 428;
doch wollt ihr künste bessern,
so wählt die rechte zeit, die künstler zu vergrössern.
Hagedorn 1, 130.
dinge zum gebrauch oder zum genusz wählen: wer ein arme hebe vermag, der welet ein holtz das nicht faulet, und suchet einen klugen meister dazu, der ein bilde fertige. Jes. 40, 20;
doch nach erd- und heidelbeeren,
wenn sie diese lieber wählen,
ziehn sie aus mit bubenheeren.
Rückert ges. ged. 4, 313.
einen gegenstand, einen stoff wählen: der (vom künstler der Laokoongruppe) gewählte gegenstand ist einer der glücklichsten, die sich denken lassen. Göthe 38, 45 (über Laokoon); diese (die Griechen) gingen immer auf das ideal, verwarfen jeden gemeinen zug, und wählten auch keinen gemeinen stoff. Schiller 10, 208; im anfange beachtete er wohl, solche gesänge zu wählen, deren grundstimmung ein heroischer ernst war. C. F. Meyer Angela Borgia 102; Dankmar, der nicht ohne grund das beispiel vom taschentuche gewählt hatte. Gutzkow ritter vom geist² 1, 274;
sehr schief wählst du dein gleichnisz.
H. v. Kleist 1, 47 (fam. Schroffenstein 2, 1);
da gilt es erstlich, grosz zu schreiben
und deutlich für das mutterauge,
dasz für das alternd' thränenblöde
des söhnleins schrift zum lesen tauge.
und dann — o welche schmerzenvolle
und schwere kunst! — das wort zu wählen,
das schlichte wort, das hoffnung spendet
und wahr ist mitten im verhelen!
G. Keller bei Bächtold Kellers leben 2, 192;
es ist doch seltsam, wenn man das geringste wort dafür wählen soll, dasz ihr mich anfangs auf dieser insel gefangen hieltet. Stifter studien (1850) 5, 186 (hagestolz). von personen ist wählen z. b. krieger zum kampfe aussuchen:
hundert man dô welte,   die dâ solten sîn
verborgen in dem scheffe,   dâ man daʒ magedîn
mit strîte solte erwerben.
Kudrun 281, 1;
und hatte hundert und zwenzig tausent zu fusz, und zwelff tausent zu rosz, on den hauffen den er gewelet hatte, an jedem ort, wo er ein land eingenomen hatte. Judith 7, 2; und Judas wehlet einen hauffen, den feinden in der burg zu wehren, das sie nicht er aus fielen. 1 Macc. 4, 41; Jonathas ... welet zehen tausent man, und zog aus von Jerusalem. 10, 74; er lies im lande wehlen zwenzig tausent man, und etliche reisigen, mit diesem hauffen zogen Johannes und Judas wider Cendebeum. 16, 4; die statt die gab sovill fenlein, die ander gab gelt ... und die vonn Esslingenn wölleten ein fennlein von burgerschafft, gar woll gerist volck. Dreytwein eszlingische chronik 41, 4 Diehl. in liebe oder zur ehe wählen:
ich sihe ir eine   in jenem venster stân
in snêwîʒer wæte:   diu ist so wol getân,
die wellent mîniu ougen   durch ir schœnen lîp:
ob ich gewalt des hête,   si müese werden mîn wîp.
Nibel. 380, 3;
wählt eines groszen mannes kind,
und untersucht die wahl nicht lange.
Gellert 1, 118;
er brennet, den mann von antlitz zu kennen, den seine einzige erbin gewählt hat. Lessing 1, 574 (Minna v. Barnh. 4, 6); nun hofft' ich endlich dich zu sehen, und ich sah dich und mein herz flog dir entgegen. dich hatt' ich mir bestimmt, und wählte dich auf's neue, da ich dich sah. Göthe 8, 290 (Egmont 5); Louise. — und Ferdinand? Wurm. wählt lady Milford oder fluch und enterbung. Schiller 3, 440 (Fiesko 3, 6); das mädchen, das er wählte, mishandelte ihn. 4, 65;
und auch ich hab' ihn gesehen,
den das herz verlangend wählt,
seine schönen blicke flehen,
von der liebe glut beseelt.
11, 371 (Kassandra);
ich sage frei, ich kann den grafen Günther nicht zum mann erwählen, denn sieh, ich habe einen andern schon gewählt, und nicht gewählt, nein, wie ich in die welt geboren unbewuszt, so ist die liebe mir entstanden. Arnim 5, 85. jemand zu einer aufgabe wählen: verkündiget uns was hernach komen wird, so wollen wir mercken, das ir götter seid ... sihe, ir seid aus nichts, und ewer thun ist auch aus nichts, und euch wehlen, ist ein grewel. Jes. 41, 24; Judas welet Eupolemum ... und Jason ... und sendet sie gen Rom, mit den Römern freundschafft und einen bund zu machen. 1 Macc. 8, 17; welet er etliche, die er gen Rom sendet. 12, 1; das ... Barnabas zu sich nam Marcum, und schiffte in Cypern, Paulus aber welet Silan, und zoch hin. apostelgesch. 15, 40;
Orest. ich hör' Ulyssen reden.
Pylades. spotte nicht.
ein jeglicher musz seinen helden wählen,
dem er die wege zum Olymp hinauf
sich nacharbeitet.
Göthe 9, 35 (Iphigenie 2, 1);
willst du (Maria) deine macht verkünden,
wähle sie, die frei von sünden
stehn in deinem ew'gen haus,
deine geister sende aus.
Schiller 13, 286 (jungfr. v. Orl. 4, 1).
einen herrn, einen freund wählen: jerlich welet man einen heubtman, der in allen iren landen zugebieten hatte. 1 Macc. 8, 16;
weit übertrifft in disem fahl
die freundschafft, so würd gwöhlet,
die ander sipschafft allzumal,
als vetterschafft und schwagerschafft,
so nach dem blut her fellet.
Hock blumenfeld 38, 1 neudr.;
so lange wir von jedermann aufgesucht wurden und unsre freunde wählen konnten. Knigge umgang mit menschen⁴ 2, 133.
β)
mit reflexivem dativ, sich jemand oder etwas wählen: sich einen richter in einem streite wählen. Nieremberger;
nû île, dû helt mêre,
wel dir tûsent manne
unt sûme dich niht ze lange
vâh uns die perge
ê sin die haiden innen werden.
Konrad Rolandslied 120, 7;
Judas befalh seinem bruder Simon, das er im einen besondern hauffen welen solt, und in Galileam ziehen, die brüder da zuretten. 1 Macc. 5, 17; wele dir wenig leute, die bey dir bleiben, und zeug mit mir gen Ptolemais. 12, 45; kurz, das ist der bräutigam, den mir mein vater wählt. C. F. Weisze lustsp. 1, 8; schaum auf dem munde renn ich nach haus, wähle mir einen dreispitzigen degen. Schiller 2, 126 (räuber 3, 2); ein mensch wählt sich ein thema, beleuchtet es mit seinem lichtchen, so gut ers hat, und schreibt alsdann ... seine alltagsbemerkungen. Lichtenberg 1 (1800), 278; wählte ich mir meinen umgang unter den ausgesuchtesten, aufgeklärtesten männern. Knigge umgang mit menschen⁴ 1, 30; ich war jetzt ein von allen guten und schlechten fesseln befreiter; ich konnte mir allenfalls meinen aufenthalt wählen. Arndt erinnerungen³ 249; wähle dir einen beruf, zu dem du einmal lust hast. Kerner bilderbuch 261; zudem war es zeit, dasz er seiner bestimmung folgte und in der groszen welt sich eine laufbahn wählte. Varnhagen denkwürdigk. 1, 9;
der edlen und der pauren han ich (die dirne) wol die wal,
ja der will ich mir einen welen,
der da mir mein muͦt ernuiert.
Neidhart Fuchs 1872 Bobertag;
sie möchte wohl dadurch ihr einen Daphnis wählen.
Rachel bei Steinbach 2, 918;
wie unter der menge
einen die muse sich wählt, freundlich die lippen ihm küszt.
Göthe 2, 131 (ant. form sich nähernd);
der kaufmann nimmt, was seine speicher fassen,
der abt wählt sich den edeln firnewein,
der könig sperrt die brücken und die straszen,
und sprach, der zehente ist mein.
Schiller 11, 64 (die theilung der erde);
der himmel wählt. in grau gehüllt lange,
sich eine goldgestickte tracht endlich.
Platen 76 (ghas. 53);
wie ein dichter den helden sich wählt.
Möricke ged.⁸ 98;
ach, schwer drückt mich der sünden last,
kann länger sie nicht mehr ertragen,
drum will ich auch nicht ruh' noch rast,
und wähle gern mir müh' und plagen.
R. Wagner 2, 1, 8 (Tannhäuser 1, 3).
γ)
aus, von, unter etwas wählen: einen eintzigen aus allen wählen, aus vielem bösen das geringste wählen, von vielen dingen das beszte wählen. Steinbach 2, 917;
so besendet iwer man,
die besten die ir vindet   oder indert muget hân.
sô wel ich ûʒ in allen   tûsent rîter guot.
Nibel. 1412, 3;
er solte aus den kindern Israel, von königlichem stam und herrnkindern welen, knaben ..., die da geschickt weren zu dienen in des königs hofe. Dan. 1, 3; man sol dreissig tausent man in Judea welen ... und sie sollen in die feste stedte des königs verordnet werden. und aus inen sollen gewelet werden etliche, die der könig ... als vertrawete rete gebrauchen wird. die jüden sollen auch nicht frembde, sondern eigene heubtleute haben, aus inen gewelet, das sie ire gesetze halten mögen. 1 Macc. 37;
er wiegt und wählt aus einem haufen speere
sich den, der ihm die meiste schwere
zu haben scheint.
Wieland 23, 303 (Oberon 12, 86);
wähl' einen aus den edeln deines heers
und stelle mir den besten gegenüber.
Göthe 9, 93 (Iphig. 5, 6);
wähle dir aus diesen speisen
und von den weinen dort, wie sie mein keller gibt ...
ohn' allen zwang, was dir beliebt.
Wieland 18, 79 (wasserkufe);
wähle eine von diesen drei hülsen oder nimm eine ohne wahl. Musäus volksmährchen 3 (1805), 17; da soll es sich, von all den schönen sachen, die ihr vor euch sehet, drey geschenke nach gefallen wählen und mit nach hause nehmen. moral. kinderklapper 6; schon wollte sie sich allen heiligen empfehlen und, unter zwei übeln das kleinere wählend, in die fluten hinabspringen. H. v. Kleist 3, 232 (der findling); wie ... die wonnige frau vom kaiser und seinen herren unablässig bestürmt werde, unter diesen sich einen gemahl zu wählen. G. Keller 7, 367.
δ)
etwas vor (früher auch für) etwas wählen, etwas einer andern sache vorziehen:
seine gansz er für ein trappgansz wöhlet,
sein obs für pomerantzen zehlet.
Fischart dicht. 3, 315, 272 Kurz;
wehlstu den tod fürs leben dein.
Spangenberg Saul 2179 Martin;
dasz gleich eine anzahl von den königschen zu Mortimer überlieff, und die stärckste vor der schwächsten parthey wählte. Francisci der hohe trawr-saal 80; man vergleiche diese (gesellschaft) mit einer von den Hogartschen oder Rembrandschen; wer wird einen augenblick anstehen, die Raphaelische vor diesen zu wählen? Lavater physiogn. fragmente 1, 116; würde ich doch den freyen jambus blosz aus diesem grunde vor dem hexameter gewählt haben, weil ... Wieland übers. von Horazens satyren (1794) vorr.
ε)
etwas oder jemand zu etwas wählen: die seestädte zu seiner wohnung wählen. Nieremberger; die gräfin wählte ein nonnenkloster zum wittwenaufenthalt. Musäus volksmährchen 1 (1804), 107;
mit meinem meister ging ich pilgern über land,
wir wählten einen baum zur rast im mittagsbrand.
Rückert werke 8, 104 (weish. des brahm. 3, 25);
er (der adler) hat zum horst gewählt den allerfreisten raum,
auf allerhöchstem berg den allerhöchsten baum.
8, 151 (3, 127);
und der tag, gewählt zum hochzeitfeste,
ward herbei gescherzet und gelacht.
Langbein 2, 37;
denn nach dem bazar sollt ihr mich anjezt
begleiten, wo die mohren zum verkauf
ausstellen, was das morgenland erzeugt ...
dann zum gewande wählt das kunstgewebe
des Indiers ...
Schiller 14, 46 (braut v. Mess. 1, 7);
am schattengrünen berg ihr bunten auen!
die längst zum bilde sich der künstler wählte.
Göthe 13, 245;
nichts übergehendes also wählte die kunst zum augenblicke ihres gegenstandes. Herder 3, 75 Suphan; daraus wurde gefolgert, dasz dieser schriftsteller sich Shakespear zum muster gewählt, und aller kritik den tödlichsten hasz geschworen habe. Schiller 6, 240. von personen:
ich sage leidiu mære
von dir den küneginnen fîn,
die dich ze kenpfen walten
ûfen daʒ ungelinge mîn.
Eckenlied 150, 8;
Lysias wehlet etliche fürsten ... zu heubtleuten. 1 Macc. 3, 38; darumb welen wir dich an seine stat, zum fürsten und heubtman, diesen krieg zufüren. 9, 30; welet in das volck zu irem fürsten und hohenpriester. 14, 35; zu solchem, sagt er (Müntzer), hette in gott gewelet, durch den gantzer welt geholffen würde. Luther 3, 127ᵇ; junge frauen, wenn sie die wahl hätten, ob ihr vergehen vor einem männlichen oder weiblichen gerichtshofe abgeurtheilt werden solle, würden sicher den ersten zu ihrem richter wählen. Kant 10, 344 (anthrop. § 87); diesen jungen schulmeister wählte sich die schöne frau zu ihrem retter. G. Keller 5, 116;
ihn würdest du aus tausenden heraus
zum freunde dir gewählt, ihn an dein herz
geschlossen haben als den einzigen.
Schiller 14, 29 (braut v. Mess. 1, 3);
sie ist es, die ich liebe, die zur braut
ich mir gewählt.
14, 114 (4, 5);
im 'könig Ödipus' kannst du lesen, ... wie ich in der osternacht einen unmündigen christen schlachte und aus malice immer einen unglücklichen schriftsteller dazu wähle. Heine 3, 365 Elster. im älteren nhd. auch für etwas wählen:
drumb wöhl ich für mein vatterland,
da guts und pösz recht würt erkandt
und ich auf erd mein zeitlich tag,
in eer und tugent enden mag.
Schwarzenberg 118, 2.
2)
wählen als 'prüfend aussuchen'.
a)
ohne object. es kann theils mehr das bedeutungsmoment des aussuchens, theils mehr das des prüfens und überlegens (namentlich in lange wählen) hervortreten: ihr wollt auch immer wehlen und aussuchen, you will always pick and chuse. Ludwig 2414; wenn nun ein beruf so kommet, so wehle und kiese er nicht lang. Mathesius hist. Christi (1579) 2, 83ᵃ; nur die Deutschen sind auch hierinn, soll ich sagen billiger, oder gleichgültiger? sie nehmen an, was ihnen der dichter vorsetzt. was wäre es auch, wenn sie itzt schon wählen und ausmustern wollten? Lessing 7, 60 (hamb. dram. 1, 13); in ansehung dessen, was sie genieszen, musz man sie (die kinder) nicht leckerhaft machen und sie nicht wählen lassen. Kant 10, 425 (üb. pädag.); ein schwarm kleiner bienen ists; sie flogen frölich aus ... aufmerksam wählend sammeln sie die gelbe beute, und kehren zurück, ihren staat zu mehren. S. Geszner schriften 3, 145; und so bringt ein natürlich wirksames immer ein und dasselbe hervor, es mag wirken, worauf es will; weil es hier nicht etwa überlegen und wählen kann, sondern was ihm vorkommt macht es zu seinesgleichen. Göthe 53, 98 (gesch. d. farbenlehre);
vermeidet auch sogar den schein und wählt nicht etwa in die länge.
Günther bei Steinbach 2, 917;
mein unverdroszner mund
soll, ohne viel zu wählen,
nur einen kniff erzählen.
Bürger 21ᵃ (prinz. Europa);
ich kann nicht lange prüfen oder wählen,
bedürft ihr meiner zu bestimmter that,
dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.
Schiller 14, 293 (Tell 1, 3);
was die natur tief im verborgnen schafft,
musz mir entschleiert und entsiegelt werden,
denn nichts beschränkt die freie dichterkraft;
doch schönres find' ich nichts, wie lang ich wähle,
als in der schönen form — die schöne seele.
15, 1, 11 (huldigung d. künste 195).
unter etwas wählen: der wahre mann musz nie zwischen untergang und wissentlichem unrecht auch nur augenblicklich wählen. Benzel-Sternau das goldne kalb 1, 10; ihr ganzes wesen schien in dieser unterredung verwandelt; statt der gewohnten sicherheit wählte sie ängstlich unter den worten und belauschte jede seiner äuszerungen. Arnim 1, 200;
ich konnt' ihn (Shakespeare) in dies buch nicht zwängen,
er ist zu grosz, es ist zu klein;
zu wählen unter seinen klängen,
das möchte wohl verwegen sein:
zusammen läszt sich manches drängen,
ihn aber steckt man gern in bausch und bogen ein.
Platen 61 (verm. ged.).
mit etwas wählen:
ich kann zu meiner reisen
nicht wählen mit der zeit (jahreszeit).
W. Müller 1, 123.
vereinzelt nach etwas wählen:
wer gerne kirschen speiszt, der wehlt nur nach den gröszten.
Günther 1101.
wählen allgemein als 'wählerisch sein': wie er wählt! ut elegans est, fastidiosus, delicatus. Serz 172.
b)
mit object: tage, zeit, speisen etc. wehlen, to choose ... or pick out sundry days, times, weat etc. out of superstition. Ludwig 2414; tage wehlen (terme de religion) observer les jours; speisen wehlen, observer la destinction des viandes. Rondeau; ir solt nicht auff vogel geschrey achten, noch tage welen. 3 Mos. 19, 26; er lies seine söne durchs fewr gehen ..., und welet tage und achtet auff vogelgeschrey, und zauberte, und stiftete warsager und zeichendeuter. 2 chron. 33, 6; kommt es auf den geist und verstand des verfassers an, um die worte wohl zu wählen und füglich zu setzen. Leibnitz deutsche schriften 1, 485 Guhrauer; wer die farben wohl zu wählen, und theile, die nicht nothwendig zusammen gehören, so zu stellen weis, dasz eins das andre erhebt, der wird auch seine gedanken in einem briefe gut wählen und geschickt ordnen können. Gellert 4, 62; ein so vorsichtiger künstler, der seine farben nicht genugsam wählen und verfeinern, seine firnisse nicht genug klären konnte. Göthe 39, 103 (abendmahl);
du hast auf meinen wunsch den anzug
heut mehr gewählt, als sonst.
H. v. Kleist 2, 429 (Hermannsschl. 3, 3).
c)
das part. praes. in adjectivischem gebrauch:
beym wählenden genusz so vieler leckerbissen
vergällt dir (Nero) speis' und tranck dein beiszendes gewissen.
Hagedorn neben-stunden 53 neudr.;
schon verstummt die matte: den satten rindern
selten nur enthallt das geglock am halse,
und es pflückt der wählende zahn nur lässig
dunklere gräser.
Lenau ged. 1, 180 (1857);
und sieht, dasz eine salbenflasche
er (der greis) vorholt aus dem tiefsten schacht,
und birgt sie in die faltentasche
mit sorgsam wählendem bedacht.
Rückert ges. ged. 3, 79 (1837);
als ich ... vor dem fleischkabinet des wirths im hausflur mit wählendem auge stand, überschaute mich dieser mit prüfenden blicken. Arnim 2, 7. das part. praet. ist als 'auserlesen, eigenartig, geschmackvoll' schon theil 4, 1, 4757 besprochen. das wort reicht in seinen anfängen weiter zurück, als a. a. o. angenommen wird, vgl. z. b.:
zu drincken ich dir pringe
ein guetten schotten, der gewelet sey.
H. Sachs fabeln 3, 40, 42 Götze-Drescher.
im 18. jahrh. ist die beziehung auf die geschmackvolle eigenart im auftreten und in der rede zur herrschaft gelangt. die activische bedeutung 'wählerisch' (a. a. o. 4578) tritt schon bei Günther auf:
du bist gewählt, wie kinder pflegen,
und liebst ein aufgeräumt quartier.
238.
3)
besondere verwendung des wortes auf bestimmten gebieten und in der technischen sprache (vgl.wahl I, 4).
a)
in der psychologie von den inneren willensvorgängen, die bei mehreren widerstreitenden motiven zu einer entscheidung führen: wenn der wille frey heiszen soll: so kann die freyheit desselben darinn gesetzt werden, dasz er nicht an einige wenige antriebe gefesselt ist, sondern durch unzählich viele bestimmt werden kann. diesz drückt auch der name der willkühr oder des vermögens zu wählen aus. diesz vermögen zu wählen, obgleich immer nach gründen, kömmt dem willen unleugbar zu. Feder untersuch. üb. d. menschl. willen² 1, 48.
b)
in der ästhetik bei Kant von dem wohlgefallen an etwas in unterscheidung von anderen gegenständen: geschmack ist das vermögen der ästhetischen urtheilskraft allgemeingültig zu wählen. 10, 263 (anthrop. § 63); mancher sagt, ich habe einen eigenen geschmack, allein ein solcher hat gar keinen; denn der dessen wahl keinen beifall bei anderen findet, hat keinen geschmack. er hat seine eigene gute empfindung, aber für andere kann er nicht wählen. philosoph. anthrop. 282 Starke.
c)
in der kunstlehre von dem aussuchen des schönen und bedeutenden bei der nachahmung der natur: der grosze geschmack besteht darinn, die groszen und haupttheile des menschen und der ganzen natur zu wählen, hingegen die kleinern und untergeordneten ... hinwegzulassen oder zu verbergen. Mengs hinterl. werke 2, 36; damals aber wuszte er (Raphael) noch nicht, dasz man wählen könne, bis er endlich die werke des Leonardo da Vinci und Michael Angelo zu Florenz zu sehen bekam. 2, 60.
d)
in der juristischen sprache.
α)
bei rechtlichen ansprüchen und verbindlichkeiten. so bezeichnet im bergwesen kiesen oder wählen 'ein vorrecht des ältern im felde, vermöge dessen er berechtigt ist, in dem fall, wo seine und seines jüngern nachbars gang zusammen sind, und zweifelhaft ist, wem jeder zuständig, einen von beyden zu wählen'. Jacobsson 2, 396.
β)
im erbrecht. im altdeutschen recht war es sehr verbreitet, dasz der ältere theilte, d. h. die ganze erbschaftsmasse in zwei hälften zerlegte und der jüngere wählte, d. h. sich für eine der beiden hälften erklärte. zeitschr. f. d. alt. 2, 542. wählen beim wahlvermächtnis: der legatar (eines wahlvermächtnisses) darf nicht das beste wählen. die einmal getroffene wahl ist unabänderlich, es sei denn, dasz dem wahlberechtigten nicht alle stücke, unter denen er wählen durfte, vorgelegt waren oder dasz er etwas wählte, worauf sein wahlrecht nicht ging. Dernburg pandekten⁶ 3, 214.
γ)
bei der adoption (vgl. wahlkind): das der nit mag noch sol yemants froͤmbden an kindstatt an sich welen und nemen. nüwe stattrechten ... der statt Fryburg im Bryszgow (1520) 78ᵇ; wann derhalben yemandt seynen aiden an kindstat welen wolt: der sol sein tochter ... erstlich freylassen. wil aber ainer seyn schnuͦr ... als ein tochter welen (adoptare): der sol denselben son auch vorhin ausz seinem gwalt freylassen. justinianischer instituten warhaffte dolmetschung durch Ortholph Fuchsperger (Augsb. 1536) buch 1, tit. 10, 7; kinder ... die wir an stat der aignen khinder welen (quos adoptamus). 11, 1; wir wöllen auch das khain junger ainen eltern welen (adoptare) sol. 11, 8; so wähle und nehme ich euch hiermit auff und an vor meinen sohn. Bucholtz Herkules (1676) 1, 546;
lasz uns, mein freund, den gott im stillen lieben,
der uns zuerst geliebt, der uns an kindesstatt
von ewigkeit gewählet hat,
von ewigkeit uns in sein herz geschrieben.
Gotter 1, 412.
e)
in der zuckersiederei ist wählen dasselbe wie die wahl machen (oben sp. 525).
f)
beim kartenspiel ist wählen tournieren, eine karte umlegen und dadurch zum trumpf machen: in der karte wehlen, rejectis chartarium foliis alia substituere, ein gewehltes blat, substituta pagella. Stieler 2466; wehlen im kartenspiel, to turn up the trump-card. Ludwig 2414; er wählt eicheln, glandes indicis loco sunt. Steinbach 2, 917; ein kartenblatt wehlen, umschlagen, retourner, schellen wählen, retourner de careau, ein gewähltes kartenblatt, retourne, herzen ist gewählt, il tourne coeur. Rondeau; denn wo ein fürst sich solt wissentlich so schendlich lassen melcken, da ers wol wehren kündte, das were ein böse spiel, da alle zeit eitel schellen und nimer mehr ein hertz gewelet würde, da verlöre ich gewislich alle mein gut. Luther 6 (1578) 159ᵇ.
4)
wählen als 'jemand für ein amt bestimmen durch die geordnete willenserklärung mehrerer'. regelmäszig mit accusativischem object: den kaiser, den pabst, einen ratsherrn, einen abgeordneten wählen; noch vil rede wart mit des keysers und der herren wille ufgesetzet und donoch von dem bobeste bestetigt, das syben kurfürsten einen römeschen künig welen sullent. Königshofen, städtechr. 8, 425, 2; die chuͦrfürsten aber meynten, man solt ein ausz einem andern gschlecht frey welen. Seb. Franck teutscher nation chronic 203ᵇ; sie .. woͤleten Linum das er nach Petro römischer bischoff were. Wenc. Linck bapsts gepreng (1539) A 2ᵇ;
ain pfarer sol man wöllen (: erzellen),
der sey recht gschickt und glert.
Wackernagel kirchenl. 5, 896, 26;
als ich die kirche besuchte, da wurden die jährigen consuln
eben gewählt durch's loos, wie es die sitte gebeut.
Platen 148 (epigr.).
einen zu etwas wehlen, aliquem in ordinem cooptare. Stieler 2466; zum rahtsherrn wehlen, in senatum legere, er ist zum bürgemeister gewehlet, consul designatus est. ebenda;
nâch des abtes hinevart
wart der selbe gotes helt
zu einem abte gewelt.
passional 326, 81 Köpke;
sie welten einen under in,
der hatte tugenthaften sin,
zu meistere wider in daʒ lant.
livländ. reimchr. 1995;
daʒ ir iegelicher mit lûterem hercen sage, wen er wele zu einen meistere. statuten des deutschen ordens 95, 7 (gewohnheiten 6) Perlbach; das man diser zit keinen vom adel by uns zuͦ iren raͤthen und bürgern wöllen sölle. stadtrecht v. Arau 199, 11 Merz (1539);
der schönen Doris alter mann
läszt sich nunmehr zum schöppen wählen.
Hagedorn 4 (1800), 136.
einen aus der bürgerschafft in den obrigkeitlichen stand wehlen, to chuse a magistrate from among the citizens. Ludwig 2414; die zweite kammer ... ist zusammengesetzt 1) aus dreizehn mitgliedern des ritterschaftlichen adels, welche von diesem aus seiner mitte gewählt werden. württemb. verfassungsurkunde § 133. jemand in den stadtrat, in den reichstag wählen; in die zweite kammer kann keiner gewählt werden, welcher noch nicht das dreiszigste lebensjahr zurückgelegt hat. § 134. in der älteren sprache wird gern wählen und kiesen miteinander verbunden:
wold er nu nâch den êren
trahten, daʒ man in nande
kunic in Ungerlande,
sô wolden in williclich
die herren gemeiniclich
welen und ze herren kiesen.
Ottokar österr. reimchr. 79158 Seemüller;
es süllent meister und rat vier erbere manne, nemlich zwene artzotte und zwene scherer kiesen und welen, und wann einer oder me von tode abeget oder es nit me getuͦn mag, so sol man einen andern an ire stat kiesen und welen. Straszburger zunftordnungen 78 Brucker; das wir ... denselben kunig Wenczel seinen sone zu romischem kunge kyezen und welen sullen. reichstagsacten 1, 11 (1374); daʒ wir dan ... zu roemschen kuͤninge ... kiesen welen und nennen sullen ... hern Wentzeslauw. 1, 21; zu eime romschen konige erwelt erkorn und gemacht. 7, 110 (1411). dann auch ohne object: er darf noch nicht wählen; daʒ under yn nymme dan eyner zü deme riche wellen sal und ouch ander stücke tün, die eynen kürfürsten an gebüren. monumenta Wittelsbacensia 2, 371 Wittmann (1340). ich wähle jetzt; haben sie schon gewählt? das part. praes. substantiviert: die wählenden (die kurfürsten) hatten sich in's allerheiligste zurückgezogen. Göthe 24, 300 (a. meinem leben 5); man müsse die dorfschaften zusammenberufen, eine anzahl wählende oder kührherren von jedem dorf und stadt wählen lassen, und diese dann einsperren, dasz sie ... fünf menschen zu mitgliedern eines ... consuls ernennen solten. G. Forster tagebücher 166 Leitzmann; in der ersten hälfte des sechzehnten jahrhunderts beherrschte (bei der pabstwahl) das übergewicht der kaiserlichen oder der französischen faction in der regel die wählenden. Ranke 38, 145.
5)
der infinitiv erscheint substantiviert in den bedeutungen des verbums.
a)
mit abhängigem genetiv: einem das wählen eines dinges lassen, alicui delectum rei relinquere. Steinbach 2, 918. namentlich von der wahl in ein amt: das wählen des kaisers, eines abgeordneten.
b)
ohne abhängigen genetiv:
unt si (die geliebte) spræche: 'teil,
dar zuo si daʒ wellen dîn,
dir mak schiere sorgen werden buoʒ!'
minnesinger 1, 94ᵇ Hagen;
man traut solchen wesen eine art von wollen und wählen zu, und hält das kunstwort wahlverwandtschaften für vollkommen gerechtfertigt. Göthe 17, 55 (wahlverw. 4). namentlich von der gattenwahl: uns einst glücklich verheiratet zu sehn, das war sein (des vaters) herzlichster wunsch. dies glaubte er bewirken zu können, wenn er gegen eigenmächtiges wählen uns sicherte. Hermes Sophiens reisen 6, 3;
wenn die stunde nicht kommt, die rechte, wenn nicht das rechte
mädchen zur stunde sich zeigt, so bleibt das wählen im weiten.
Göthe 40, 273 (Herm. u. Dor. 4).
entsprechend der 2. bedeutung von wählen: nach langem wählen behielt er doch gerade das schlechteste. Campe;
doch bleibt das sprichwort war: nach wehlen kommen quelen.
Opitz 1, 136;
ihr dichter, wagt doch nichts, als was ihr wohl versteht,
versuchts, wie weit die kraft von euren schultern geht,
und überlegt es wohl: so wird nach klugem wählen
den schriften weder kunst, noch licht noch ordnung fehlen.
Gottsched versuch einer krit. dichtkunst 14;
scherz war doch mein abschied nur,
seht ich komm zur alten spur,
lange dauerte mein wählen,
will dem weiszprinz mich vermählen.
Arnim 16, 127 (Halle und Jerusalem 2, 12).
wahlen verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1903), Bd. XIII (1922), Sp. 550, Z. 31
wälschen, eine unbekannte sprache sprechen, unverständlich reden. in der Schweiz Stalder 2, 431. namentlich auch 'die gaunersprache sprechen'. Avé-Lallemant 4, 620.
Zitationshilfe
„wahlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wahlen>, abgerufen am 19.02.2019.

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