wahren verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 778, Z. 78
die gewähr für etwas übernehmen. nd. nebenform zu währen II, mnd. waren (neben weren) Schiller-Lübben 5, 603, auch afries. wara (neben wera) Richthofen 1136. die a - form ist aus dem nd. ins mittellateinische und romanische übergegangen, durch vermittlung des part. präs. warent (s. unten 3); mlat. warens, warentus, warandus Du Cange- Henschel 6, 905 f., davon die verba warentare, warentizare (auch warendare, warandare u. s. w.) und das fem. warandia (seltener warantia); ital. guarento, prov. guirens, guarans, franz. garant, span. port. garante mit dem verb. ital. guarentire, franz. garantir; aus dem roman. engl. warrant gewähr. auch ins slavische ist das wort gedrungen: poln. warować gewähr leisten. — wahren erscheint auszer dem nd. auch im älteren ndl.: waren, warscap doin ten rechten, warandiare. Teuthonista 305; waeren, probam esse mercem spondere. Kilian 647; waaren, gewähren, versichern. Kramer holl.-d. wb. 498ᶜ. im hd. zeigt es sich nur in der (aus Niederdeutschland stammenden) redensart hand musz hand wahren. Hayme jurist. lex. (1738) 1294. Zedler univ. lex. 52, 870 d. h. der, aus dessen händen ich etwas empfangen habe, musz mir dafür gewähr leisten. bei Graf u. Dietherr 110 steht dafür: hand musz hand wehren nach dem afries. hond skel hond wera bei Richthofen afries. rechtsquellen 240, 12. 241, 36, nebst der variante hand wehre hand, wo in beiden fällen richtiger währen zu schreiben ist. warandizare, waren bei Diefenbach gl. 632 ist aus einem ursprünglich nd. glossar entnommen. Schrader 1580ᵃ führt noch wahren für gewähren ('bey den juristen und kaufleuten') an.
1)
wahren von der sicherung, die der verkäufer dem käufev gegen etwaige ansprüche dritter auf das verkaufte gut geben musz: so welic borghere enen cop vorkoft, des he nicht waren ne mach, de scal theme genen, theme het verkoft hevet, sin ghelt wether gheven. Bremer stat. 72 bei Schiller-Lübben 5, 603; so war jemen en erve verkoft, unde borgen dar umme settet, to warende jar unde dach, de borge schal waren alles des dar horet to warende. codex juris Lubecensis (1240), art. 86 bei Westphalen monumenta inedita 3, 649; we ... scolen se des guͦdes waren jar unde dach, also ein recht ist, unde scolen dat guͦd untwerren van allerleye unrechter ansprake. Meklenburg. urkundenbuch 7, 287 (nr. 4636 v. j. 1325); desses kopes scholen unde willen wy en waren ... unde untweren vor alle, de darup spreken. 10, 90 (nr. 6728 v. j. 1347); (wir) willen en dessen vorschrieven hoff mit alle seiner tobehorunge ock vryg und gwyd vorlaten, ... und waren en den vor und na der verlatinghe, alls dit zu deme lande ein recht ist. urkunden u. copiar des klosters Neuenkamp 64 (1506) Fabricius.
2)
von der gewährleistung für die güte der verkauften ware und das richtige masz. beim pferdehandel: koft ok eyn man eyn perd, dar en darf he nicht ane waren den men dar ane sut, sunder hovetseek; ere vorwort ne syn anders. Hamburger stadtrecht v. j. 1270, 6, 27 (Hamburger rechtsalterthümer, hrsg. v. Lappenberg 1, 36); so we deme anderen vorkofft ein perdt binnen unsem wickbelde, de schall idt ene waren vor hovetseek unde starrblind dre dage. Bremer stat. 55, brem. wb. 5, 184; swelich man copht en perth, de andere scal ene waren vor stareblindt, vor stedeghen (l. -het), vor unrechten anevanghe. statut der stadt Zelle bei Münster, rosztauscher - recht³ 55; welck man koeft ein perdt, de ander schall ome wahren vor unrechter anspracke, dad idt nicht stedig, starblynt, hoveseyck oder hartschlegich sy, veer wecken na dem kope. statut der stadt Braunschweig von 1532, ebenda. beim tuchhandel: up eyn komen, dat sik eyn juwelk kopman schal waren laten an langhen lakenen twe unde vyftich elen, an ekeschen vyf unde vertich ... we sik also nicht waren lete, de schol dat beteren den kopluden juwelk laken vor ses schillinge. quelle bei Schiller-Lübben 5, 604. vgl. oben die angabe aus Kilian.
3)
das part. präs. wahrend, mnd. warent scheint nur (wie das masc. wahre, s. oben sp. 753) vom verkäufer, insofern er den käufer in seinem besitze schützt, gebraucht zu werden: si quis equum suum vel cetera animalia sive rem suam super aliquem repererit, et ipse warentem dare se dixerit, statim juret ut ad certum warentem eum conducat, et super tertium warentem et tertium comitatum non procedat. et si hoc facere noluerit, rem perdat et secundum legem componat. mon. Germ., legum sectio IV, 1, 29, 23 (capitular Ottos I. v. j. 967); süt en man en perd in unser stat, unde sprect he, dat it eme stolen si ... unde de andere spreke, dat hes guden warent hebbe van deme het cofte, unde bringe oc den warent vore unde de warent spreke, dat he guden warent hebbe und also kome den de andere warent unde spreke, dat he guden warent hebbe unde den to lesten de dridde warent come unde spreke, dat he des vul orkunt hedde, dat ... Lübisches recht 283; so wor ein man up enen waren tuth, den warent schall he benomen unde sinen thonamen. Bremer stat. 82, brem. wb. 5, 186; des moᵉghe wi voᵉlkomen ... mit levendeghen tughe unde mit levendeghen warent. Meklenburg. urkundenbuch 7, 166 (nr. 4500 v. j. 1324); wij unnd unnse erven scholet und wyllet dem borgermestern ... des vorg. landes to Wurden myt syner rechticheyt unnd tobehorynge, de wij hebn to Lee, rechte warende wesen, wann, wor unnd wo dijcke en des behoeff is. bremisches urkundenbuch 4, 486 (1408); gleichmäszige dilation wird demjenigen gegönnet, der sich auf einen wahrend oder bürgen, der für die eviction gelobet hat, ziehen thut: und da der beklagte den wahrend in bestimmter zeit nicht producirt, wird er niederfällig erkannt. der stadt Hamburg gerichtsordnung und statuta 1, 28, 15.
währen verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 780, Z. 75
umfaszt vier worte, die mit den bei dem fem. währe besprochenen vier worten in zusammenhang stehen. von den theil 4, 1, 4818 ff. behandelten sechs worten in der form gewähren kommt beim simplex das 6. (in gewähren lassen) in wegfall, das 2. (ableitung von wahr, 'beweisen', ahd. wârit 'probat' Graff 1, 923) erscheint später uncomponiert nur im nd. zuweilen als wêren (namentlich in der redensart sik wêren in den hilligen. Schiller-Lübben 5, 681, häufiger wâren, s. oben das erste wahren, vgl. auch weren oder geweren, verificare, certificare, ratificare. voc. theut. [Nürnb. 1482] mm 8ᵇ). bei den übrigen ist das verhältnis des einfachen verbums zu der zusammensetzung verschieden. währen 'bekleiden', dann 'in einen besitz einweisen', bei dem allein das ä durch umlaut aus a entstanden ist, läszt sich ebenso wie das entsprechende gewähren nur selten belegen und stirbt dann ganz ab. bei den übrigen worten setzt das nhd. ä ein altes german. ë fort. währen 'permanere' ist weit häufiger als gewähren, das im nhd. kaum noch gebraucht wird. währen 'sicherheit leisten' und 'erfüllen, befriedigen, leisten, zahlen' kommen beide in der älteren sprache neben gewähren häufig vor (das simplex hat hier keinen dialektischen charakter, wie es bei dem entsprechenden fem. währe der fall ist, s. oben sp. 760), bleiben aber im unterschied gegen das compositum nicht über das 16. jahrh. hinaus im gebrauch, abgesehen von gewissen resten in der volkssprache.
wahren verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 769, Z. 64
in acht nehmen, wahrnehmen, hüten, schützen. ein in allen germanischen sprachen verbreitetes wort, das aber im hochd. erst um 1770 wieder in aufnahme gekommen ist.
I.
verwandtschaft und verbreitung. das verbum lautet mhd. warn, ahd. einmal warên (warêie 'considerarem' in der Einsiedler handschr. des hohen liedes 107, 15), sonst ist nur das compositum bewarôn (bei Notker und Williram) belegt, servare, providere Graff 1, 912; dagegen asächs. warôn beachten, wahrnehmen, behüten, befolgen, mnd. waren, mndl. waren behüten, bewahren, warnen Oudemans 7, 866 (auch im Teuthonista 302 wachten, waren und bei Kilian 647 waeren — als altes wortcustodire, servare, observare), in der jetzigen ndl. schriftsprache erloschen (doch könnte waren 'spuken' hierhergehören, wenn der begriff sich aus 'warnen' entwickelt hat), afries. waria bewachen, schützen, ags. warian bewahren, hüten, warnen, mengl. warien Stratmann-Bradley 670, nengl. war, ware sich vorsehen (namentlich als zuruf erhalten), anord. vara erinnern, warnen, refl. sich hüten, aschwed. vara Rietz 792 (jetzt ausgestorben), norw. vara erinnern, warnen, behüten, refl. sich hüten Aasen 899, dän. vare hüten, bewahren, auf etwas aufpassen, im got. nicht belegt. aus dem germ. (nd.) entlehnt sind prov. garar bewahren, behüten, franz. garer nebst égarer auszer acht lassen; auch aslav. varovati 'hüten' ist ein germ. lehnwort. warôn kann denominativ sein zu dem fem. wahr ahd. wara, vgl. auch das adj. wahr, gewahr (wahr 'verus' ist kaum verwandt). von worten der verwandten sprachen stimmt auch in der ableitung genau überein das gr. ὁράω (aus Ϝοραω) ich sehe, schaue, das mit worten zusammengehört, bei denen der begriff des wachens, hütens hervortritt: ὤρα hut, sorge, φρουρά (aus προ-ορα) wache, οὖρος wächter, τιμάορος, τιμωρός ehre wahrend, schützend, hom. ἐπὶ ὄρονται sie beaufsichtigen. als die ursprüngliche bedeutung der wurzel wird wahrscheinlich die von 'acht geben auf etwas' anzusehen sein, aus der sich sowol die von 'betrachten, sehen' als die von 'behüten, bewachen' entwickeln konnte. dagegen müszte die letztere bedeutung als grundbedeutung betrachtet werden, wenn man mit Schade altd. wb. 1094 (wo auch wahr undsicher unrichtig — wahl angeschlossen ist) und Fick vgl. wb. 1⁴, 130 anknüpfung versucht an wehren, skr. var, vṛṇóti umschlieszen, hemmen, várûtha schutz, schirm, gr. ἔρυσθαι (aus Ϝερυσθαι) schützen, hemmen, aslav. vĭra̜, vrěti schlieszen, lit. at-verti öffnen. der zusammenhang ist aber sehr fraglich; nur das mitangeführte lat. verēri sich hüten, scheuen könnte verwandt sein. im german. ist aus der wurzel noch durch ableitung hervorgegangen die sippe von warten (wo auch die bedeutung 'sehen' entwickelt ist) und warnen. während die composita bewahren und das seit dem späteren mhd. vorkommende verwahren allgemein üblich sind, ist die verwendung von wahren im deutschen eine beschränkte. am festesten haftet es im nd., wo es nicht allein in den älteren sprachstufen häufig vorkommt, sondern auch in den jetzigen mundarten mit reicher bedeutungsentwicklung (z. th. ist vermischung von wâren mit wârden 'warten' eingetreten) lebt: brem. wb. 5, 183. Richey 332. Schambach 286. Strodtmann 277. Woeste 316. Bauer-Collitz 111. ten Doornkaat Koolman 3, 513. Schütze 4, 328. Danneil 244. Mi 108. Dähnert 538. auch in ndl. mundarten: Molema 477. Boekenoogen 1186. Gallée 51 (zik waren), sowie in friesischen, saterl. waria, neufr. wearjen, werjen, nordfr. ware Richthofen 1127. dagegen fehlt es im hd. anfangs ganz und auch im mhd. kommt es nicht allgemein vor; md. und alem. dichter verwenden es, im bair. ist es selten (hauptsächlich in der bedeutung 'warnen' II, 6). im 16. jahrh. ist der gebrauch des wortes nur noch spärlich und verliert sich später fast ganz. auch die jetzigen hd. mundarten haben es nur in geringen resten, Schmeller 2², 969 kennt es nur aus der älteren sprache, dagegen kommt in der Schweiz wāre wahrnehmen, hüten, sich wāre sich in acht nehmen vereinzelt vor (Hunziker 286 verzeichnet auch die redensart sini rechti ware), die andern alem.-schwäbischen mundarten kennen es nicht, doch führt Schmid 517 ich hab mich nicht gewahrt 'es nicht in acht genommen', an. im md. hat das thüringische wârn als 'beobachten' Hertel 252. Liesenberg 218, aus andern mundarten wird es nicht angegeben. so fehlt das wort auch in den älteren südd. wörterbüchern, bei Dasypodius, Maaler, Krämer u. a., dagegen verzeichnet es Stieler 2410 wahren, observare, custodire, defendere, cavere, curare. die späteren, Rädlein, Ludwig, Kramer, Kirsch, Hederich, Nieremberger, Rondeau übergehen es wieder, Steinbach und Frisch führen es nur als grundwort zu bewahren an. für Adelung ist es 'im hochdeutschen längst veraltet' und wird von ihm nur aus den obd. mundarten und dem niedersächsischen in bestimmten bedeutungen angeführt (ähnlich Schrader 1580ᵃ). dagegen nimmt sich Campe warm des nach ihm keineswegs veralteten wortes an, wobei er nicht nur von seinem sprachgefühl als Niederdeutscher geleitet war, sondern sich auch auf den gebrauch des wortes bei den besten dichtern stützen konnte. seit den siebziger jahren des 18. jahrh. tritt das wort nämlich wieder häufiger auf: Göthe (bei dem wahren schon zweimal im Urfaust steht, während es in den Götz erst durch ein misverständnis hineingekommen ist, s. II, 3, a), Herder, Klinger, Bürger, Möser, Göckingk, Gotter, Klamer Schmidt, Musäus, Schiller, Kosegarten gehören zu den ersten, die von ihm gebrauch machen, während sich Klopstock, Lessing und, wie es scheint, auch Wieland noch seiner enthalten. bei den Niederdeutschen und auch bei den Thüringern, wie Gotter und Musäus, kann an aufnahme aus der mundart gedacht werden; daneben wirkte (was das frühzeitige auftreten des wortes auch bei Süddeutschen erklärt) die durch Klopstock der dichtersprache eigen gewordene tendenz ein, für ein verbales compositum das simplex zu setzen, so dasz also wahren an stelle von bewahren, verwahren trat; es hat aber dann bedeutungen entwickelt, die den zusammensetzungen nicht zugänglich sind. von dem ebenfalls neu auflebenden gewahren ist wahren im ganzen gesondert geblieben. während wahren in der dichtersprache eine ausgedehnte verwendung gefunden hat, ist es in der allgemeinen sprache hauptsächlich in der bedeutung von 'durch aufmerksamkeit sicher stellen, behaupten' mit beziehung auf abstracta und als reflexivum üblich geworden.
II.
bedeutung und gebrauch. als die ursprüngliche bedeutung darf die von 'worauf acht haben, seine blicke worauf richten', zunächst in rein sinnlicher auffassung, betrachtet werden; daraus entwickelt sich die von 'sich worum kümmern, wofür sorgen' und 'etwas behüten, bewahren'. im mhd. tritt die grundbedeutung noch deutlich hervor, während sie im nhd. nur vereinzelt zu finden ist. mhd. warn hat meist einen genetiv bei sich, daneben kommt auch anschlusz eines nebensatzes und ein absoluter gebrauch vor. das ältere nhd. (Murner, Aventin) kennt waren mit dem genetiv noch. dagegen wird im asächs. und mnd. das wort schon meist transitiv gebraucht, daneben findet sich hier anreihung eines genetivs oder einer bestimmung mit up. beim neuauftreten des wortes im nhd. kommt es zunächst nur mit einem acc. verbunden vor, die dichtersprache liebt dann (wie bei hüten, warten und ähnlichen verben) einen gen. anzuschlieszen, was sich aus Göthe, Schiller, W. v. Humboldt, Rückert, Grillparzer, Wagner belegen läszt. in der prosasprache kommt das nur in gewissen alterthümlichen wendungen vor. daneben steht der reflexive gebrauch, der früher fast nur bei Niederdeutschen erscheint.
1)
wahren als 'acht worauf geben, beobachten'.
a)
mit dem genetiv:
swenne ir liehten ougen sô verkêrent sich
daʒ si mich aldurch mîn herze sên,
swer da enzwischen danne stêt und irret mich,
dem müeʒ al sîn wünne gar zergên,
ich muoʒ vor ir stên
und waren der freuden mîn (warte der vrowen mîn BC)
rehte alsô des tages diu kleinen vogellîn.
H. v. Morungen, minnesangs frühling 126, 37;
Erec niht beiten wolde,
wan er grôʒer liste wielt.
den zoum er zuo ime hielt
und lie sîn ros ensprungen varn.
des begunde der grüene ritter warn
und was im ernst unde gâch.
U. v. Zatzikhoven Lanzelet 2990;
so S. Pauls sagt, das alles, so in der bibel geschriben stêt, sei am maisten uns christen ... zue underweisung und gewarnus geschriben, damit uns nit auch also geschäch ... aber es wart (als man spricht) ein ietlicher ochs seiner heut, schaut ieder auf sein schanz gar eben. Aventin bair. chronik 1, 103, 4 Lexer;
du magst zu fusze gehn, du magst auch reiten, fahren,
dein ziel nur muszt du sehn und deines weges wahren.
Rückert werke 8, 217 (weish. des brahm. 4, 216).
der schanze wahren s. unten 4, a.
b)
mit dem accusativ:
stôd imu thô fora themu wîhe   waldandeo Krist,
liof landes ward,   endi imu thero liudio hugi,
iro willeon aftarwaroda.   gisah werod mikil
an that mâria hûs   mêđmos fôrian,
geƀon mid goldu   endi mid goduwebbiu,
diuriun fratahun;   that al drohtin Krist
waroda wîslîko.
Heliand 3765;
des sprach si sus offenbare:
ower dekein sol mich waren (cant. 1, 5 nolite me considerare),
durch daʒ ich swarz bin worden.
Brun v. Schonebeck 499 Fischer.
dies wahren ist als 'auf etwas hinsehen, beobachten' noch jetzt in den nd. mundarten verbreitet, z. b. he waret di de ogen im koppe. Richey 332; enen mit den ogen waren. brem. wb. 5, 183; dei wârt einen jümmer de henne 'sieht einem immer auf die hände'. Schambach 286; hir könne wi alls waorn 'beobachten'. Danneil 244. vereinzelt kommt es litterarisch vor: ich werde in der gesellschaft sitzen müssen, ohne dasz mir ein heimlicher feind die augen wahret, und ohne dasz derjenige, der sich eine ehre daraus machet, wenn man ihn einen allgemeinen tadler nennet, sich bemühet in meinem gesichte und geberden allerhand leidenschaften zu lesen, oder ... zu erdichten. J. D. Michaelis verpflichtung der menschen die wahrheit zu reden (Göttingen 1750) 22;
laszt uns die lauernden feinde wahren.
Kosegarten bei Campe.
ebenso kennt das thüringische dies wahren.
c)
im mnd. finden sich auch waren up als 'aufpassen', auch in schlechtem sinn 'auflauern'. Schiller-Lübben 603: alse A. Fr. ginck ut S. Martens stoven, do wahrede H. Fr. up ohne vorsatlichen unde schlog ehme dese wunden. Renner z. j. 1429 ebenda. auf nd. vorlage geht wol der vereinzelte gebrauch der redensart im hd. zurück: der meister sprach zuͦ im: trüwen stundest uff dem dach, so werst noch höher, da du also woltest die wol (wolle) schlagen, so hestu sie wol uff dem dach sitzen geschlagen, als du hie uff der leitren steiest, und get damit usz dem husz in die kirchen und Ulenspiegel wart uff die red, und nimpt den bogen, und steigt uff das dach, und schlecht die wol uff dem dach. Eulenspiegel 81 neudr.
d)
anschlusz eines abhängigen satzes:
dô kom von einer brünste,
daʒ se ûf der burc begunden warn,
wâ si ritter sæhen varn,
die Mâbûzen branden.
die burgær si bekanden.
U. v. Zatzikhoven Lanzelet 3699;
ich hân die sinne
vil stæte breit
an dich gelân:
war, wie wê mir diu liebe tuot!
wende, vrouwe, mîne not.
H. v. Sax, minnesinger 1, 92ᵇ Hagen;
wan der maister Adryanus sprichet, war was duͦ tust und war waʒ dar nach ge. Ruprecht v. Freising rechtsbuch 1, 46 Westenrieder.
e)
absoluter gebrauch:
der viande samenuͦnge
leyt sine vergaderuͦnge
unmayssen ritterliche
mit eyner huͦrte riche.
ware, here, war a war!
van der andern siden vuͦr de schar,
eyn ritter ouch mit sporin sloich.
Adolf v. Nassau 438 (zeitschr. f. d. alt. 3, 20);
von feldwaren. selb dritt ... ritte ich ... nach dem land zu Braunschweig. und sintemal mehr denn eins etliche rechtfertigung und fährlichkeit mir vorgestoszen, befahl ich ietzt meinem diener ..., der vorreit, die augen auffzuthun und zu sehen, was im feld vorhanden were. Kirchhof wendunmuth 2, 377 (3, 107) Österley. in der alten jägersprache wird wahr zu! als zuruf an die schützen (bei anlaufendem wild, zustreichenden feldhühnern oder schnepfen) und den hühnerhund gebraucht. H. Fürst forst- u. jagdlex.² 351ᵃ: habt acht! (wahr zu!) mit diesem zuruf macht ein jäger den andern auf anlaufendes wild aufmerksam; auch wird er oft gebraucht, um den hühnerhund an fleisz und achtsamkeit zu ermahnen, seine hitze zu dämpfen. v. Train waidmanns neue practica 1, 198.
2)
indem das gewicht auf das ergebnis der thätigkeit gelegt wird, erscheint die bedeutung 'beobachten' zuweilen auch zu 'wahrnehmen, bemerken' entwickelt:
fluhtik scult thu (Kain) thoh   endi frêđig fordwardas nu
libbean an thesum landa,   sô lango so thu thit liaht waros.
genesis 76;
ê daʒ man des beginne warn,
daʒ wir ûʒ dem holze draben,
ê sîn wir komen über den graben.
K. v. Würzburg troj. krieg 11788 Keller;
als nun der fuͦrman des thet waren.
Murner gäuchm. 3834 Uhl;
so libt nun treu und reine,   wie ihr von andern wahrt;
niemand sey euch zu kleine,   beschwert niemand zu hart.
Joh. Doman lied von der teutschen Hanse v. 22;
das rannte, dasz wir kaum die füsze wahreten, an uns vorbei und über die bethaueten wiesen nach dem flusz hinab; und weisz ich nimmer, wo es in der nacht verschwunden blieb. Storm werke 5, 46 (Renate). Adelung kennt die bedeutung 'sehen, gewahr werden' (die bei gewahren in die nhd. schriftsprache eingedrungen ist, s. theil 4, 1, 4814) aus 'einigen obd. mundarten' (sie ist schweizerisch, s. oben). bei obd. schriftstellern kommt sie selten vor: er habe weder grüne farbe noch unbekannte materi daran gewahret. Bluntschli bei Adelung, läszt auch an gewahren denken, ebenso:
dem guten kellergeist sey dank,
den ich am bett gewahrt.
Schwab ged. 1, 286.
die bedeutung ist auch im nd. lebendig (s. oben die belege aus Doman und Storm): alles kan men wâren 'man kann alles übersehen', dat wart se nich? 'das sehen sie nicht'? Schambach 286.
3)
dagegen sind aus 'beobachten' durch hinzutritt andrer bedeutungsmomente die übertragenen bedeutungen 'sich worum kümmern, wofür sorgen, sich einer person oder sache annehmen' hervorgegangen, die in der älteren und neueren sprache häufig sind.
a)
mit dem genetiv:
also tuont alle die da varent   die des rehtes niweht warent,
die vehtent ane guote   mit ubirmuote.
Karajan sprachdenkm. 21, 22 (vom rechte);
ouch hât diu liebe einen site ...:
swâ ir dinc nâch ir willen stât,
dane wil si keiner stæte warn,
dâ lât si harte lîhte varn.
G. v. Straszburg Tristan 13837;
daʒ sint diu reinen werc vil guot,
diu man durch got alhie tuot:
gebet, almuosen, güete ..,
der man also kleine wart
und doch ir helfe ist ungespart
und ir vil trôstlîcher rât
dort, dâ eʒ an den ernest gât.
R. v. Ems Barlaam 127, 1;
sît si wolte trahten
und in ir herzen ahten
wer hôher êren künde warn,
dô dorfte si niht verre varn
ûʒ ir vater hûse.
si vant der êren klûse
an zwein gesellen drinne.
K. v. Würzburg Engelhard 925 Haupt;
dô Vênus, diu vil clâre,
verjach von im der wünne,
daʒ er von adels künne
wære und eines künges barn,
dô wolte er ahten unde warn
des jungelinges deste baʒ.
sîn herze sîn dô nie vergaʒ.
noch kam von im sîn ouge niht.
troj. krieg 3235 Keller;
he scholde des strites warende wesen vif weken lang. quelle bei Schiller-Lübben 5, 603;
ich versprach ihm, dein   als meines eigensten (kindes) zu wahren.
Göthe 10, 24 (Elpenor 1, 4);
und so dachte die frau sich selber recht zu verschaffen,
ihrer ehre zu wahren und doppelt war sie verloren.
40, 42 (Reineke fuchs 3. ges.);
an ihrer (der richter) spitze steht ...
der weise Talbot, der des siegels wahret.
Schiller 12, 431 (M. Stuart 1, 7);
die, zaudernd träg nicht, unbehutsam nicht besiegt
vom schlummer, wahrten ihres heroldsamtes treu.
W. v. Humboldt werke 3, 43;
so war der fackelsender reihe dort bestellt;
in steter folge wahrte jeder seines amts.
44;
Jason. nahm mich der könig dieses landes auf,
ein gastfreund noch von meinen vätern her,
und wahrte mein, wie eines theuern sohnes.
Grillparzer 5, 164 (Medea 1);
Rudolf. allmächt'ger gott, der du mich eingesetzt,
zu wahren deiner ehre und der meinen,
die doppellast, sie spottet meiner kraft.
7, 83 (bruderzwist 3);
Julius. es ist geschehn! nun wahre gott der folgen!
7, 96 (ebenda);
des ritters will ich wahren,
er soll mein streiter sein!
R. Wagner 2, 93.
hier reiht sich an wahren in verbindung mit einem adv. in Göthes Götz: Erhard Truchses durchstach mir einen knecht ... hätten sie sich alle gehalten wie er und ein knecht, es wäre mein und meines kleinen häufchens übel gewahrt gewesen 'ihm übel mitgespielt worden'. 8, 90 (Götz v. Berl. 3, doch steht in der handschr. von 1773 gewart, in der fassung von 1771 — undeutlich — gewarnt). ähnlich in der bühnenbearbeitung vom sept. 1804, 2. aufz. 13. auftr. (Weim. ausg. 13, 2, 296): da zogen sie mich hervor und schleppten mich ins burgverliesz, und es hätte meiner sollen übel gewahrt seyn, wenn nicht der stockmeister an mir barmherzigkeit geübt ... hätte. an der ersten stelle, die Göthe später nachgebitdet hat, ist aber sicher auf übel gewart 'übel aufgewartet, schlecht gedient' zurückzugehen (die wendung ist der lebensbeschreibung des ritters, der Göthe hier fast wörttich folgt, entnommen), das dann misverstanden wurde.
b)
mit dem accusativ. kaum im mhd., wol aber im mnd.: ein monik de den garden plach to warene. quelle bei Schiller-Lübben 5, 603; dat hey en recht richtere si deme greven unde der stat ... unde dat gerichte rechte ware na sir macht, dat eme god so helpe unde alle hilgen. Dortmunder statuten 101 Frensdorff. dann bei Stieler: eine sache wol wahren, vehementer de aliqua re laborare, negotium studiose diligenterque curare. 2410. im jetzigen nd.: ware dine näse 'bekümmere dich um deine eigenen sachen', de rath schall dat waren 'der rath soll darauf halten'. brem. wb. 5, 184; ware du dine böker 'bekümmere dich um deine bücher', he wart sine arbeit 'er nimmt seine arbeit in acht' 6, 392;
gleichwohl find' ich es besser mit euch nach hofe zu wandeln,
meine sache zu wahren.
Göthe 40, 47 (Reineke fuchs 3. ges.);
gott mag die seele (des vaters) wahren!
A. v. Droste-Hülshoff werke 2, 431;
du frommer greis im schlichten kleid,
getreuer freund seit zwanzig jahren,
dem keine wege schlimm und weit,
galt es den heil'gen dienst (des pfarrers) zu wahren.
3, 179.
4)
sehr gewöhnlich ist auch wahren als behüten, bewahren, bewachen (von der 3. bedeutung nicht immer scharf zu trennen).
a)
mit dem genetiv:
der bote in (den gefangenen) slâfende vant.
von im wâren die sîn solden warn.
Servatius 1329 (zeitschr. f. d. alt. 5, 117);
don Manuel (zum zweiten chor)
weiche zurück! hier sind geheimnisse,
die deine kühne gegenwart nicht dulden ...
(zum ersten chor)
du bleibst und wahrst des eingangs.
Schiller 14, 83 (braut v. Mess. 3, 1).
der schanze wahren (eigentlich 'die gelegenheit ergreifen', vgl. theil 8, 2164, aber umgedeutet): die minderkundigen hingegen, die mit dämischem zutrauen in vollem ernste den angriff wagten, wurden mit verlust ihrer ruhe und zufriedenheit, weil das fräulein ihrer schanze wohl wahrte, abgeschlagen. Musäus volksmärchen 4 (1805), 205. reflexiv: Reinald ... versprach seiner wohl zu wahren. 1 (1804), 57;
Simon. indesz du hier den pförtner spielst des festes ...
umschwärmt der prinz dein weib. ...
Bancbanus. doch unwill glüht in ihrem angesicht!
das sagst du selbst, und willst, ich soll sie hüten?
tanz zu! tanz, Erny, zu! du wahrst dein selbst.
Grillparzer 4, 207 (treuer diener 2).
b)
mit dem accusativ: alle de gene, de er licham unbevlecket waren willen. quelle bei Schiller-Lübben 5, 603; hat ein ersamer rat ... gesetzt 2 gildemeisters .., dieselbe in beedunge genommen, dasz sie die gilde sollten halten und waren bei ihrer gerechtig- und gewohnheit nach ihrem vermogen und gute ufsicht haben, dasz ... Krumbholtz die gewerbe der stadt Münster 472 (nach 1569); er wuchs lustig heran, war die freude des vaters und der mutter trost, die ihn wie ihren augapfel wahrte. Musäus volksmärchen 1 (1804), 32;
die wenigen, die was davon erkannt,
die thöricht g'nug ihr volles herz nicht wahrten,
dem pöbel ihr gefühl, ihr schauen offenbarten,
hat man von je gekreuzigt und verbrannt.
Göthe 12, 39 (Faust I);
o edle Schotten, sie wuszten lang
zu wahr'n ihr korkholzschu;
doch lang überall das spiel gespielt,
schwammen ihre hüte dazu.
Herder 25, 176 Suphan (volkslieder);
du vater wirst die heiligthümer wahren.
wie dürfte sie, noch nicht genetzt von frischer flut,
berühren diese hand voll blut!
Schiller 6, 380 (zerstörung Trojas);
wenn auch der alte, hohe baum verdorben,
der eine welt im schatten konnte wahren,
wenn auch der glanz von ehedem erstorben,
zerstückt das reich (das deutsche), das trotzte tausend jahren,
so ward dafür ein geistiges erworben.
Platen 60 (verm. ged.);
wo ist das kind hin, fragt das weib erschrocken,
das ich so sehr dich flehte, wohl zu wahren?
287 (Oedip. 2);
der herr hat viele schaaren
zu unserm schutz bestellt,
die heil'gen engel wahren
des frommen kriegers zelt.
Schenkendorf 41;
und der türmer wie vor jahren
singet ein uraltes lied:
wolle gott den schiffer wahren,
der bei nacht vorüberzieht!
Eichendorff 1, 161 Dietze;
o ihr verblendeten, verirrten söhne
der heil'gen kirche! wahret eure seelen,
eh' noch die schlange gänzlich sie umstrickt!
Uhland Ludwig d. B. 2, 2;
der neue herzog mustert mit weisem blick die schaaren,
er giebt der hälfte sorglich des berges schlosz zu wahren.
Schwab ged. 2, 183;
wahrt die heerden fern und nah!
Donald Caird ist wieder da!
Freiligrath ged. (1840) 453;
wahre dein schwert!
R. Wagner 7, 34 (Tristan u. Isolde).
die zunge wahren: wol dem, der seine zunge wahrt und nicht von wiederaufnahme alter anschläge spricht! Gutzkow ritter vom geist² 4, 119;
erster soldat.
des kaisers sohn, don Cäsar, ist im lager.
er wirbt gehülfen zu geheimem anschlag ...
wir kommen noch zurecht.   doch wahrt die zunge!
Grillparzer 7, 44 (bruderzwist 2).
wahr's gott wie behüte, verhüte gott!
will's gott, so lang ich gesund, erspäht
bei diesem fahnen ihr mich!
wahr's gott, wenn ihr je mich drüben säht,
dann krank oder todt wär' ich.
A. Grün 1, 203.
ein ding wahrt 'schützt':
den faden weih der höllischen macht.
draus web ein gewande, lang und weit!
das wahret mich im blut'gen streit.
Uhland ged.² 361.
jetzt im nd.: kinner wâren, fê wâren, dat hûs wâren 'das haus hüten' u. dgl.
c)
einem etwas wahren: es mach dann der anclager war mit zwain zu im, die weder tail noch gemain daran habent, das er (der hirte) im daz viech nicht gewart hab. bair. landrecht tit. 9 bei Heumann opusc. 77;
doch wall' ich jetzt nach fernem land;
drum wahrt mir, bis ich wiederkehre,
diesz köstlich-theure gnadenpfand!
Kind ged. (1808) 64;
meinen ring, sollst mir ihn wahren,
gute mutter, liebevoll;
ach! sie sagen,
dasz ich einen andern tragen,
weg den meinen werfen soll.
Chamisso ged.⁸ 21.
d)
einen vor, gegen etwas wahren: Wartislaff hat zun pawren gesagt, sie mochten ire vieh vor wulffe hutten, ehr wolte sie vor die diebe wol waren. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 330 Gäbel; ich will ihre freundin seyn, ihnen rathen, sie vor verführung wahren, die von jetzt an von allen seiten auf sie lauern wird. Klinger 1, 412;
huhu! despotenhudelei!
gott wahre mich vor sklaverei!
Bürger ged. (1778) 126;
war uns der himmel feind? wollt' er vor stolz uns wahren?
(verhüten, dasz wir stolz wurden).
Gotter 2, 374;
gott wahre mich und dich dafür.
Kl. Schmidt bei Campe;
vor ziegenbock und käferzahn
soll man ein bäumchen wahren!
Göthe 2, 208 (parabolisch);
was? die gesetze, die so schwer auf dir
und deinem haus gelastet, die
geboten deine tochter unter henkers hand,
vor allem volk, entwürdigt, hinzustoszen,
die sollen jetzt verbieten dasz ich, dich
in's ehrenfeld begleitend, mich entsühne?
sie sollten mein geschlecht vor feindes pfeilen,
nicht vor der schmach des schandgerüstes wahren?
7, 312 (Tancred 4, 6);
muse, hexe, müsz'ge dirne,
komm, vor schaden mich zu wahren!
Rückert ges. ged. 4, 56;
Rudolf (zu den ständen).
vor irrthum kann ich länger euch nicht wahren,
aufruhr ersparen aber kann ich euch.
Grillparzer 7, 87 (bruderzwist 3);
o so lasz ihn nur umfahren
seines paradieses rand,
und es seine obhuth wahren
gegen fremde räuberhand.
Bürger 45ᵃ (elegie).
e)
das zu verhütende kann auch in einem nebensatz mit dasz gegeben sein:
(ghilosophie ist) der Pharus, dessen sanfter schein
mein schiffchen wahrt, dasz es nicht strande.
Gotter 1, 424;
aber aueh wer nüchtern und verständig dem zusammenhang der ereignisse nachgeht, hat in diesem zeitabschnitt grosze ursache seine geschichtschreibung zu wahren, dasz sie nicht über dem häszlichen der erscheinung die berechtigung des wesens vergesse. Freytag 20, 213 (bilder 3, 7).
5)
die bedeutung erscheint auch abgeschwächt zu 'behalten, bei sich haben':
Mephist. hier ist ein kästchen leidlich schwer, ...
ich that euch sächelchen hinein,
um eine andre zu gewinnen ...
Faust. ich weisz nicht soll ich?
Mephist. fragt ihr viel?
meint ihr vielleicht den schatz zu wahren?
Göthe 12, 141 (Faust I);
mein schiff, das in der bucht vor anker liegt,
es hegt der seltnen waaren mancherlei, ...
auch wahrt es waffen, nord'scher schmiede werk.
Uhland ged.² 188;
die schlüssel wahrt er zu des burghofs thor.
436;
war mein herz gebrochen,
blieb mir fest der muth,
und des alters asche
wahrt die heil'ge gluth.
Chamisso ged.⁸ 17;
an des dörfchens stillem saume
ist ein hüttlein hingestellt,
das in seinem schmalen raume
wahret (einschlieszt) meine herzenswelt.
Lenau ged. 1, 12 (1857).
'im geiste bewahren':
für solche gnade weisz ich nicht zu danken;
denn jedes wort erklänge matt und arm.
ehrfürchtig wahr' ich, herr, in stummer brust
so groszes heil, als du mir da gewährst.
Immermann 17, 309 Hempel (Ghismonda 1, 3);
denn eines wisse
und wahr's immer:
den hehrsten helden der welt
heg'st du, o weib,
im schirmenden schoosz.
R. Wagner 6, 97 (Walk. 3);
müsz'ges wîssen
wahren manche:
ich weisz mir grade genug.
6, 143 (Siegfr. 1);
mit reflexivem dativ:
Primislaus. des gürtels goldnen ketten eingefügt
seh' ich ein kleinod ...
das lös' ich los und wahre mir's als pfand.
Grillparzer 6, 130 (Libussa 1).
6)
an 'bewahren' wird die bedeutung 'warnen' anzuschlieszen sein, die nur im älteren bair.-österreichischen vorkommt. man könnte daran denken, dies wahren aus einem gekürzten warn (mit dehnung des vokals) abzuleiten; da die bedeutung 'warnen' aber auch im nord., engl. und ndl. bei wahren vorkommt, kann sie auch hier ursprünglich sein:
ich wil ewch haimlich waren:
ier solt recht mit den sachen varen.
Tiroler passionsspiele 3, 863 Wackernell;
nun sag ich euch zu diser zeitt,
das ir meiner redt indechtig seidt:
so euch das widerfardt,
so gedenkcht daran, das ich euch hab gewaret.
Brixener passion 986 Wackernell;
wo (einer) ain solches ainprechendes schwein oder anders vich auf ain schaden ertapt, der soll es anfenklich zum hausz treiben und den hauszvater die ungebühr clagen und wahren; alszdan da es ferners betretten und die wahrung nit helfen wil ... österr. weisth. 6, 441, 37 (Steiermark 18. jh.).
7)
sich wahren, 'sich hüten, vorsehen' ist hauptsächlich im nd. verbreitet, wie es auch noch von Adelung als niedersächsisch bezeichnet wird, hat sich aber auch in der neueren litteratur festgesetzt.
a)
wahre dich wol, cave tibi, cautionem adhibe! Stieler 2410; schreib' ihm, er möge unbesorgt seyn; ich handle wie ich soll, ich werde mich schon wahren. Göthe 8, 213 (Egmont 2); laszt jeden seines pfades gehen; er mag sich wahren. 8, 214 (ebenda); ich gehe wieder gerade, bin fast ohne schmerzen, brauche die electricität mit hoffnung; nur musz ich mich äuszerst schon und wahren. Herder an Gleim (von und an Herder 1, 51, v. j. 1792);
Erny. was kann der prinz auch thun? ich war wohl thöricht! ...
sie glauben, weil ich selten sprech' und wenig,
ich könne mich nicht wahren, nicht vertheid'gen.
Grillparzer 4, 211 (treuer diener 2);
dasz meine seel' der teufel hole,
wenn sie hinausfährt? — wahre dich!
Freiligrath ged. (1840) 222;
ware di 'nimm dich in acht'. brem. wb. 5, 184; ik schal mi wol waren u. dgl. ten Doornkaat Koolman 3, 513. schwäb.: ich hab mich nicht gewahrt 'es nicht in acht genommen'. Schmid 517. sprichwörtlich: früh gewahrt ist halb gewehrt. wer sich immer wahrt, der wahrt sich nicht gut. Wander 4, 1745.
b)
sich vor, gegen etwas wahren: dit ghebot esschet, dat wy ons up den hilligen dach waren sullen vor sunde. quelle bei Schiller-Lübben 5, 603;
der vögler fieng die vögel all,
wo einer in dem wald erschall,
mit leimruhten und mit dem garn:
davor sich wusten nit zu warn.
Waldis Esopus 2, 27, 98;
ihr sindicus, ohn ein handt geboren, —
(vor solchen leuten man sol sich wahren,
die gott und natur so hat notirt) —
und den new burgemeister Cordt Dorringe waret,
der recht pebstlich keuscheit helt.
geschichtl. volksdichtung Braunschweigs (1600), zeitschr. des Harzvereins 34, 66;
wahre dich vor dem bösen, discaveas malo. Stieler 2410; ich wahrte mich für hochverrath. Klinger theater 3, 171; davör heff ik mi nig wart. Schütze 4, 328, dar hedde ik mi nig vör waret. Dähnert 538 'das kam mir unvermutet'; sprichwörtlich: wahr di vör olle apen un junge papen u. ähnl. Wander 4, 1745. bruder, wahre dich nur gegen eheweiber. J. Paul Titan 2, 130; nicht alle städte waren in der traurigen lage Roms .., wo die wenigen einwohner säulenhallen und riesige thermen niederreiszen muszten, um sich gegen den ruinensturz zu wahren. Freytag 17, 271 (bilder 1, 5); ich habe ihnen schon zu viel zu sagen erlaubt, als dasz mich worte von ihnen noch kränken oder auch nur treffen könnten. gegen ihre handlungen werde ich mich zu wahren wissen. Heyse nov. 1, 198 (bild der mutter). mit angeschlossenem inf. mit zu: wenn die zeit kam, dasz sich die nonne blicken liesz, wahrte sich das hofgesinde zur abendzeit den kreuzgang zu betreten oder aus der kammer zu gehen. Musäus volksmärchen 5 (1805), 294. mit angeschlossenem dasz-satz: wenn ich prinzipiell gar nicht auf einer anderen seite stände, wie die verbündeten regierungen und der herr reichskanzler, so würde ich mich doch gerade so entschieden wahren, dasz unsere tarifreform in verbindung mit den fünf- und sechsfach schwierigen aufgaben, die unser warten, jetzt in der weise überstürzt werde. Bamberger bei Flathe deutsche reden 2, 489.
8)
abgesehen von dieser verwendung findet sich jetzt wahren namentlich als 'in seinem ursprünglichen zustand erhalten, aufrecht erhalten, ungeschädigt behaupten', mit beziehung auf abstracta. die bedeutung wird aus 'behüten, bewahren' (4) abzuleiten sein, mit der sich theilweise die von 'sich einer sache annehmen' (3) mischte. die prosasprache hat neuerdings viele hierher gehörige wendungen entwickelt, von denen einige bis ins 18. jahrh. zurückreichen. schon im 17. jahrh. auf nd. boden die riege wahren 'die reihe einhalten': im umbtrinken solle ein jeder die riege wahren, damit sich niemant zu beklagen, dasz einer von dem andern mit dem trunk überfallen. Krumbholtz die gewerbe der stadt Münster 421 (1635). die namentlich in betracht kommende wendung sein recht u. dgl. wahren scheint auf ein älteres, der kanzleisprache angehöriges sein recht verwahren zurückzugehen, vgl. 'in den rechten, sich verwahren, oder sein recht verwahren, sich oder seine rechte durch eine protestation in sicherheit zu setzen suchen'. Adelung 4, 1168: ob die freyheiten der deutschen landstände und unterthanen in dem westphälischen frieden gewahret oder vernachlässiget worden? F. C. v. Moser patriotische briefe (1767) 122; jeder stand wollte in diesem document seine gerechtsame gewahrt und sein ansehen vermehrt wissen. Göthe 24, 293 (a. meinem leben 5); bei der königlichen societät bringt Newton eigentlich nur sein neuerfundenes katoptrisches teleskop zur sprache. er legt es ihr vor und bittet, seine rechte darauf zu wahren. 54, 45 (gesch. der farbenlehre, 5. abth.); sie verlassen das zimmer auf der stelle ... und wenn sie sich je herausnehmen, wiederzukommen und den zutritt auf diese weise zu erzwingen — mein hausrecht werde ich doch wol noch zu wahren wissen. Heyse kinder der welt 1, 160; er war gleichsam das revoltirende element, das den bürger als vornehmste stütze des staates direkt hinter den thron stellte und die privilegien des handwerks gewahrt wissen wollte. Kretzer meister Timpe 23;
nein! wie ein fähnrich, wund und blutig,
sein banner rettet im gefecht,
so blickt ihr, tief gekränkt, doch muthig
und stolz, auf das gewahrte recht.
Uhland ged.² 121 (nachruf);
so wahrt diesz edele geschlecht
den 'alten ruhm', das 'alte recht'.
Dingelstedt nacht und morgen 197.
ähnliche wendungen:
die hälfte deines anspruchs wahrst du doch.
Grillparzer 6, 222 (Libussa 4);
was wird das für eine mühe kosten, alle diese plätze (realfreie grundstücke), die kein redendes abzeichen von der natur erhalten haben, zu wahren, sie beständig unter allerhand formen und gestalten von andern gründen zu unterscheiden. Möser patriot. phant. 2, 209; er weisz weder wie er seine neigung, noch wie er seinen vortheil wahren und erhalten soll. Göthe 24, 112 (a. meinem leben 2); (ein gesandter) ist auch dazu in diesen posten gestellt um das interesse seines herrn an dem ort seiner bestimmung zu wahren. F. C. Moser abhandlung von ahndung fehlerhafter und unanständiger schreiben (1750) 57; so bleibt, um Deutschlands wichtigste interessen zu wahren, nur übrig ein im guten sinne revolutionärer entschlusz. Treitschke deutsche kämpfe² 10. die macht, die autorität, zustände wahren: dieses staates macht zu wahren und zu wehren halte ich für die erste pflicht des deutschen patrioten. 29; mir kam es nur darauf an, als vorgesetzter die amtliche autorität (gegenüber Arnim) zu wahren. v. Bismarck ged. u. erinn. 2, 166; der wiedergewonnene frieden, die öffentliche ruhe und ordnung sei nur dann gewahrt, wenn sich das volk der theilnahme an öffentlichen angelegenheiten möglichst enthalte. Klüpfel gesch. d. deutschen einheitsbestrebungen 1, 8. sein ansehen, seine würde, ehre, formen, den schein u. dgl. wahren:
jetzt wahret, männer, eure würde,
steht auf zu männlichem entscheid!
Uhland ged.² 117 (den landständen);
auch war der alte feldwebel, welcher die plänkler beaufsichtigte, genötigt, mit seinem stocke dazwischenzuschlagen und reichlich zu fluchen, um die disciplin einigermaszen zu wahren. G. Keller 1, 156; dasz Nettchen ihrerseits alle formen des bürgerlichen guten tones wahre bis zum austrag der sache. 5, 60; ich muszte alle meine klugheit aufbieten, um nur den schein der artigkeit zu wahren und wirklich auf das zu hören, was sie sagte. Heyse nov. 5, 190 (Beatrice). seine gesundheit, seine art, seinen standpunkt wahren: werd' mir nicht krank mädchen .., wahr deine gesundheit. Bettine briefe 1, 47; das göttliche gesetz des einzelnen ist, seine eigenart zu wahren und zu wehren. Chamberlain grundlagen d. 19. jahrh. 1, 17; eine gründliche stetige erschütterung des alten, von Metternich so kunstvoll und fein durch alle nöthe hindurch gewahrten systems. Marcks Wilhelm I.³ 41. äuszerlicher (vgl. oben 5 wahren als 'bei sich behalten'), ein geheimnis wahren:
wahrest selbst nicht dein geheimnisz,
und ein andrer soll es wahren?
Herder 25, 160 Suphan (volkslieder);
schwerer wird es nun mir, ein schönes geheimnisz zu wahren;
ach, den lippen entquillt fülle des herzens so leicht!
Göthe 1, 291 (elegien I);
das geheimnisz, das den mysten und epopten auferlegt wurde, ist gut gewahrt worden. Rohde Psyche² 1, 288. das schweigen wahren:
sprachlos ist er, sie auch, so wahret
das paar, in hasz und furcht gepaaret,
sein schweigen eine kurze zeit.
Immermann Tristan 245.
einem etwas wahren: wollen sie dem reichstage dieses recht verkümmern, welches wir ihm wahren, dann sind wir konstitutionell und sie nicht. v. Bismarck reden 5, 91 Böhm; mit vollem recht war er (Perikles) entschlossen, ihm (dem athenischen volke) innerhalb seines machtgebietes, d. h. zur see die herrschaft zu wahren. O. Ribbeck reden u. vorträge 29;
ich wahrte dir die treue am hof und vor dem feind,
lasz ab drum vor dem frevel und sei mein alter freund!
Scheffel Ekkeh. 420.
sich etwas wahren: er wuszte sich diesen vortheil zu wahren; dem entsprechend müssen wir ... uns in dem europäischen kartenspiele die hinterhand wahren und uns durch keine ungeduld, keine gefälligkeit auf kosten des landes ... vor der zeit aus dem abwartenden stadium in das handelnde drängen lassen. v. Bismarck ged. u. erinn. 2, 266;
ein Staufen hat es hingesetzt,
sich einen alpenweg zu wahren,
dasz er nach Welschland unverletzt
zur kaiserkrone möge fahren.
C. F. Meyer Engelberg 45.
9)
der substantivierte inf. wird in den bedeutungen des verbums gebraucht. er kann auch zu dem refl. sich wahren gehören: kinder, die des wassers nicht gewohnt sind, die den instinkt des wahrens nicht haben, die fallen am ehsten ins wasser. Gotthelf schriften 19, 41; nd. ane warens 'unvorsichtiger weise'. brem. wb. 5, 183.
währen verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 791, Z. 30
IV, bestand haben, dauern, sich zeitlich oder räumlich ausdehnen. das wort ist in dieser form auf das hochdeutsche beschränkt (doch führt Lübben handw. 574 ein mnd. weren an, vgl. auch duyren, weren, waren. Teuthonista 85; weeren, weren, durare. Kilian 658), mhd. wern, ahd. werên, permanere, manere, durare, subsistere. Graff 1, 938. daneben steht das verwandte mnd. waren, as. warôn, ags. warian, s. das vierte wahren. das wort ist jedenfalls etymologisch zu wesan 'sein' zu stellen, da das r sich aus einem s-laut entwickelt haben kann, vgl. got. wizôn 'schwelgen', das aber in der bedeutung abweicht (vgl. wohlsein). währen ist seiner bedeutung nach als ein gesteigertes 'sein' zu bezeichnen. im laufe der zeit ist es in seiner verwendung eingeschränkt worden, was hauptsächlich auf das vordringen des auf lat. durare beruhenden bedeutungsverwandten dauern zurückzuführen ist. zwar im mhd. kommt dies wort nur bei einigen vor und auch im 16. jahrh. hat es noch keine verbreitung gewonnen, dagegen macht es vom 17. jahrh. an dem einheimischen wort wirksame concurrenz. während dauern, das vom nd. und ndl. aus vorgedrungen zu sein scheint, bei den Oberdeutschen Dasypodius, Maaler, Schönsleder, Dentzler (der nur im lateinischen theil 224 eduro, auszdauren hat) noch gar nicht angeführt wird, erscheint es bei den späteren, meist neben währen, z. b. dauren, wären Henisch 665, 15; dawren, wehren, durare Hulsius 92 (währen ist nicht besonders angeführt); wehren, lang bleiben, lang auszdauren und starck bleiben. Güntzel 846; wären, durare, dauren. Schottel 1440; währen, wären, durare, s. dauren. Krämer 1205; währen, dauren, durer. Rädlein 1026; wehren, währen oder dauren. Ludwig 2415; dauren, wehren, duuren. Kramer (1719) 51ᶜ. während hier die beiden verba neben einander gestellt sind, tritt doch das jüngere wort hauptsächlich für währen in der bedeutung 'bestand haben, in seinem zustand verbleiben', von personen auch 'stand halten, am leben bleiben', ein. daher umschreibt Stieler 2264 tauren mit 'durare, constare, perseverare, permanere, stabilem et immotum esse', dagegen 2416 wären mit 'durare, tenere, perennare, annos ferre, sustineri, diutius manere'; ähnlich Frisch 1, 187 dauern mit 'lang wären, in eodem statu manere', dagegen 2, 423 wären mit 'durare, diuturnum esse, permanere'. Adelung sagt ausdrücklich 'währen beziehet sich zunächst auf die zeit, dauern aber auf die unveränderte beschaffenheit'; demgemäsz wird in der wendung es hat lange gedauert für 'richtiger' gewährt bezeichnet. diese unterscheidung ist jetzt zurückgetreten, da in beziehung auf die unveränderte beschaffenheit (auf die noch dauerhaft hinweist) dauern jetzt kaum mehr gebraucht wird, während auch von der bloszen zeitlichen erstreckung dies das gewöhnliche wort geworden ist. die umgangssprache wenigstens bevorzugt es entschieden (z. b. der vortrag dauerte zwei stunden) und verwendet währen namentlich nur in bestimmten wendungen wie ehrlich währt am längsten. im absoluten gebrauch als 'zeitliche ausdehnung haben' ist währen fast völlig durch dauern (andauern) verdrängt worden. doch hat währen noch viel boden in den mundarten, so ist es im bairischösterreichischen, schwäbischen, schweizerischen, elsässischen und auch im osten Mitteldeutschlands gebräuchlich, während viele westliche mundarten es ganz durch dauern ersetzt haben (im niederalem., südfränk. und hessischen läszt sich vielfach beobachten, dasz die ältere generation währen, die jüngere dauern gebraucht). — über die schreibung ist noch zu bemerken, dasz Luther weren oder wehren hat; die schreibung mit ä tritt zuerst in alemannischen quellen auf (Maaler 482ᵃ wären). im 17. jahrh. haben die meisten wörterbücher (s. oben) währen oder wären, doch steht bei Schönsleder Ll 7ᵇ weren, Güntzel 846 und Kramer wehren, auch bei Ludwig neben währen. in der litteratur findet sich wehren bei Weckherlin 1, 111 u. ö., Opitz 1, 43, Spee trutzn. 90, Fleming 426, S. Dach 715 Österley. Bödiker grundsätze der deutschen spr. B 3ᵇ verlangt wären, wie noch Frisch, Steinbach und Rondeau schreiben, Gottsched sprachk.⁵ 146 währen.
1)
die grundbedeutung ist die von 'bestand haben, in seinem zustand verharren'. der absolute gebrauch des wortes bildet mithin den ausgangspunkt. aber schon im ahd. werden auch bestimmungen angeschlossen, die auf die ausdehnung des zustandes hinweisen. als solche erscheinen der acc. eines substantivs, eine präpositionelle bestimmung, ein adverb oder ein abhängiger satz. die bedeutung wird dann abgeschwächt zu 'sich eine gewisse zeit in seinem wesen erhalten' oder auch nur 'sich über eine gewisse zeit erstrecken'. die letztere bedeutung ist namentlich bei unpersönlichem gebrauch des verbums deutlich ausgeprägt. daneben findet sich das wort auch in örtlicher beziehung als 'räumliche ausdehnung haben', meist mit angeschlossenen bestimmungen. in der neueren sprache ist nur der relative gebrauch als 'sich über eine gewisse zeit erstrecken' bei vollem leben, während die älteren gebrauchsweisen nur noch in spuren vorkommen.
a)
von dingen, bestand haben, sich in seinem ursprünglichen zustand erhalten. zunächst in örtlicher auffassung, in verbindung mit stehen, auf seiner stelle bleiben: ze êrist kebôt got; pe diû gestuônt unde wéreta der dúnstigo wínt, der daʒ scéf muôhet (stetit spiritus procelle). Notker ps. 106, 25; do warde der angster, darinne das wasser was, lär gefunden, darumb der arczte gar zornig ... czuͦ der frawen sprach, keyn dinge in seinem hausze mit fride steen noch weren möcht (che niuna cosa in casa sua durar poteva in istato). decameron 304, 36 Keller; dasz wir sollend alpä, almeinen und wäld gmein han bis in ewigkeit, wil grund und grat steht und wärt. weisth. 5, 211 (Klosters). häufiger (auch in den letzten beiden belegen kommt es mit in betracht) von der erhaltung des wesens, ganz, unversehrt bleiben, in absolutem gebrauch oder mit angetretenen bestimmungen: durativum, werhafftig, das do weret, das do bliblich ist. voc. praed. H 9ᵃ; nicht wären, imbecillum et caducum esse, diffluere, moveri, deficere, perire, evanescere; es wird nicht lange wären, perpetuum non erit, haut longe tenebit, non stabunt ista sive perdurabunt; es wäret nichts lange in der welt, omnia fluxa, nihil est diuturnum in hoc aevo. Stieler 2416;
wârun steininu thiu faʒ   sie mohtun werên thes thiu baʒ.
Otfrid 2, 8, 34;
diu nuʒ diu an dem boume stât,
swaʒ weters sî ane gât,
daʒ nimt diu schal über sich:
wan daʒ ist wol billich
daʒ sî dem kernen fride ber
die wîle sî dâ ûʒen wer
und daʒ sî im vor sî.
Hartm. v. Aue 1. büchl. 456,
über die schilte gienc diu nôt,
die ir ietweder vür bôt,
die wîle daʒ die werten:
sî wurdn al mit den swerten
zehouwen schiere alsô gar
daʒ si ir bêde wurden bar.
Iwein 1025;
und stâchen alsô vaste dar,
daʒ diu sper niht lenger werten.
Stricker Daniel 4025 Rosenhagen;
got vom himel musz ir pflegen,
der iemer me min hertz begert
die wil die sel dar inne wert.
liedersaal 1, 353, v. 88;
wan al sach die muoss zergân
ân got und die grechten himel,
selen und engel tuond och bstân
unde geist, das wert als imer.
Hugo v. Montfort 29, 72 Kummer;
wir pauen hoch auff ainen tant
an heusern, vesten, zier,
und tät doch gar ain slechte want,
die lenger wert dann wier.
Osw. v. Wolkenstein 96, 124 Schatz;
herr künig, dein volck zeygt dir an,
ir leyb und lebn, ehr und guͤt,
wölln sie drein setzn mit frischem muͤt,
neben dir stehn wie du begert,
die weyl in haut und har wert.
Schmeltzl Samuel u. Saul 835 neudr.;
desselben jars am freitag nach Galli da viel der erst schnee und lag zween tag; und am freitag vor Simon und Judas viel der ander schnee und wert (hielt sich) einen tag. städtechr. 11, 293, 8; das ist ir hertz, das ire heuser weren imerdar, ire wonunge bleiben fur und fur, und haben grosse ehre auff erden. psalm 49, 12; man wird dich fürchten, so lange die sonne und der mond weret, von kind zu kindes kindern. 72, 5; sein name wird ewiglich bleiben, so lange die sonne weret. 72, 17; ich wil ... seinen stuel, so lange der himel wehret, erhalten. 89, 30; als ein schuster gibt er im (gott dem hirsch) schue an die beine, die klawen, die wehren viel lenger denn er selbst. Luther tischr. 26ᵇ; dieweil die kreft aller creatur und element noch neu gepflanzt und geschaffen und die leut so lang lebten und alle andere ding lang werten. Aventin 1, 325, 32 Lexer; dieweil darauf mit dem geschütz, so lang die schanz wehret, gereicht und geschossen mag werden. Fronsperger kriegsb. (1596) 3, 102ᵃ; rade sollen gute eichene naben haben, nicht erlene, denn die erlene lauffen sich balde aus und weren nicht lange. Coler hausbuch 3 (1617) 128;
weg mit der erden lust und allen schnöden dingen ...
die nirgend lauter seyn, nie lange können wehren
und sich im augenblick in tausent leid verkehren.
S. Dach 284 Österley;
sie (des leibes hütte) musz zerbrochen werden,
ist aus sehr schwacher erden,
und wehrt die länge nicht.
300.
von der welt, den dingen im allgemeinen:
so wolte ich hie wesen
one tötliche swere
die wile und die welt were,
und danne nach der welte leben
myt dir, here, zu hymel sweben.
Lutwin Adam u. Eva 771 Hofmann-Meyer;
darumb die welt noch bsteht und wärt.
Fischart dicht. 3, 124, 92 Kurz;
weil er (der rabe) in der flut als diesen
sich bewiesen,
wird ein unglücksbot' er bleiben, weil die schöpfung währet.
Rückert ges. ged. 4, 308;
dasz ein männlich feuer quillet,
welches alle ding' erfüllet,
alles schmückt, erwärmt, ernährt,
wodurch alles wird und währt.
Brockes 1, 375;
was vorüber geht, ist ohne zweifel nicht so gut, als was währt. Claudius 7, 177. länger erhalten hat sich der gebrauch des wortes von kleidungsstücken: hette aber ain frow oder junckfrow vor gemacht rock oder andere claydung, die ir dermassen zu zemachen nit fügsam sein wöllten, die mag dieselben claydung, dieweyl die weren, also unvermacht tragen und geprawchen. Nürnberger polizeiordnungen 97 Baader; lederne hosen wehren lang, lassen sich lang tragen, leathern breeches are durable. Ludwig 2415. sowie von früchten: diese früchte währen nicht lang, queste frutti non durano. Krämer 1205; birne, die den gantzen winter über wehren, winter-birne, pears that will not soon rot. Ludwig 2415; das obst wäret nicht, ce fruit n'est pas de durée. Rondeau. vgl.wahren 'dauern'. verwandt ist die bedeutung 'ausreichen, vorhalten' von dingen, die verbraucht oder zu irgend einem zwecke verwendet werden: bekennet eyn man der erbelinge schulde, dy syn vatir schuldig ist blebin, dy sal her beczalin, also verre als das erbe weret, das her nympt. Magdeburger fragen 2, 2, 6 Behrend; he vant ouch eirst silver ind goulterde in dem lande van Sassen, dat noch wert. städtechr. 13, 434, 4 (Köln 1499); Ulenspiegel ... schlempte redlich die weil der juden gelt werte. Ulenspiegel 51 Lappenberg; wenn ich ihr ein schock (eier) zusammenbracht, so gab mir die frau mutter 6 heller davor; die währten nicht lange, so hatte ich glassen und schnellküllen dafür. Schweinichen 14 Österley; ich blieb anfangs so lang im wald, als mein proviant währete, mit welchem ich sparsam haus hielt. Simpl. 1, 173, 3 Kurz; das geld war in seinem beutel nicht dicke .., so war die rechnung leicht zu machen, wie lange die herrligkeit währen würde. Weise polit. näscher (1678) 43; den gewohnten kaffee, so lange der vorrath währte, wie früher zu trinken. Grillparzer 10, 62 (selbstbiogr.); so lange mein geld währte, bestritt ich die postpferde und die sonstigen auslagen. 10, 167;
heisz sie (die freunde) da seyn ohn verzug,
weil noch wehrt der dritte krug.
Fleming 426 (oden 4, 13).
b)
von personen ist währen 'am leben bleiben', absolut gebraucht oder auch mit bestimmungen: annum ago, ich leb oder wehr ein jar; peranno, ich weehr viel jar. Alberus dict. Rr 2ᵇ; 'so bin ich aber siech und krank und mag nit weren.' starb also den einliften tag. Joach. v. Watt deutsche histor. schriften 1, 400, 34 Götzinger;
daʒ ... uns mîn lieber herre
were und alsô lange lebe
unz daʒ man mich zem manne gebe.
Hartm. v. Aue arm. Heinr. 759;
die ir man des tôdes gunden,
die dienten ir swâ si kunden ...
daʒ der künec sô lange werte
daʒ kom von ir miltikeit.
Ulr. v. Zatzikhofen Lanzelet 84;
Tîbalt hieʒ eʒ (die speise) wol bieten im,
daʒ er deste langer wert.
er sprach: 'der göte zorn, der gert,
daʒ er hie lange gevangen sî.'
Ulr. v. d. Türlin Willehalm 198, 27 Singer;
wann sein (Christi) gröste er in diser zeit
das was, das er ein mal auf einer esslin reit,
wann er zwar gar ein kleine zeit wert.
fastnachtsp. 803, 4;
seht, wie kurtz wir menschen wehren,
wir vergehn, wie jetzt der schnee!
S. Dach 715 Österley;
wie flieht die zeit, in der wir währen,
in der wir fliehn! ihr spiel, ihr raub!
Creuz gedichte 1, 119;
bei Keisersberg steht währen im gegensatz zu leben: denn sprechen die selben menschen, die der welt vol sind, was ist es umb den menschen, er lebt nit, er wert nur, wann sy wissen nit, das er warlicher lebt, dann sye leben, und sein leben ist vil anderst und edler dann das ir. predigen (1510) 29ᵃ. von geschlechtern 'fortbestehen': aber dasselb geschlecht hat nit lenger dann zwayhundert jar ungeferlich gewert, sind all gestorben, und zuo Straubing ligt der letst begraben. volksbuch vom k. Friedrich, zeitschr. f. d. alt. 5, 258; dasz unser geschlecht der Witzenbürger, welches nun so viel jahr lang gewäret, dardurch in abgang kommet. Agyrta grillenvertreiber (1670) 12. in der mhd. dichtung, auch noch im 16. jahrh., ist es ferner 'im kampfe stand halten, sich behaupten':
der trôst was den zwein benomen:
wand er lac lange âne sin.
nû riten wider ûf in
die zwêne die noch werten,
und pflâgens mitten swerten.
Hartm. v. Aue Iwein 5343;
swer giht, daʒ si (die Ungarn) niht wernt
noch tûren under helme
in hitze und in melme,
hiet si des tages der gesehen,
der müest in des fürwâr jehen,
si kunden swæbischen vehten.
Ottokar österr. reimchr. 16266 Seemüller;
dann so lang Antiochus in leben bliben, da wäret sein hauff, wiewol die Araber dapffer dareyn schluͤgen. so bald er aber lag ... da seind sie all darvon geflohen. C. Hedio Josephus vom krieg der juden (1556) 5ᵃ. vor einem währen:
dem edeln rîter unervorht
vriste sîn manheit und sîn sin
daʒ er sô lange vor in
unerslagen werte.
Hartm. v. Aue Iwein 6732;
daʒ er wol pungierte
und alsô justierte,
daʒ niht dervor mohte wern.
Ulr. v. Zatzikhofen Lanzelet 6417;
vor des soldanes haʒ
mohten si unlange wern,
swen si solden enpern
der helfe der Spitalære,
der Tiutschen hern und der Templære.
Ottokar österr. reimchr. 46053 Seemüller.
vereinzelt ist es auch 'sich im andenken der menschen erhalten, nicht vergessen werden':
wie aber solche reimerey
und solche lösterer nicht wehren.
Weckherlin 1, 111 (od. 1, 2) Fischer;
der wird währen am längsten von allen germanischen dichtern,
der des germanischen worts weisen am besten verstand.
Platen 144 (epigr.).
von thieren: ich sahe zu, bis das thier getödtet ward, und sein leib umbkam, und ins fewr geworffen ward, und der ander thier gewalt auch aus war, denn es war inen zeit und stunde bestimpt, wie lang ein jglichs wehren solte. Daniel 7, 12; unde iro fého wéreton (et jumenta eorum non sunt deminuta). Notker ps. 106, 38.
c)
von erscheinungen in der natur, die dem menschlichen auge oder ohr wahrnehmbar sind, ist währen auch 'sich in seinem wesen erhalten, anhalten', obgleich daneben auch nur die zeitliche erstreckung zum ausdruck gelangt; die ältere sprache kennt hier auch den absoluten gebrauch:
daʒ waltgevelle wart sô groʒ,
untter sûs untter dôʒ
werte mittem schalle,
daʒ er die liute alle
gar verzwîvelen tete.
Hartm. v. Aue Iwein 7825;
jâ wæne diu naht welle   uns niht wern mêr.
ich kiuseʒ von dem lufte,   eʒ ist vil schiere tac.
Nibel. 1787, 2;
daʒ retet got selber und spricht: operamini dum dies est, wurket die wile daʒ der tak wert. altd. predigten 1, 50, 41 Schönbach; also sach ich ainen comêten ze Pareis ... der werte mêr denne vier wochen. K. v. Megenberg 75, 28; ist des dunstes vil, sô wert diu flamm lang. 75, 12;
jetzt zweiffelt man daran,
wie eine flamme doch so lange wehren kan.
Opitz ged. (1690) 1. 43 (Vesuvius);
wie lange wird uns wohl die dicke wolke wehren?
wie lange wird uns wohl umhüllen diese nacht?
Hofmannswaldau helden-briefe 119;
solches wasser (überschwemmung) wäret etwa mangen tag. Cäsar übers. v. Ringmann 82ᵃ; nach rechnung der alten juden hat die sindfluesz ein jar gewert, ein jar abgenommen. Aventin bair. chronik 1, 51, 17 Lexer; ein wares wort, das man pfleget zu sagen: fürsten gnade ist wie aprillen wetter, das weret nicht lange. Luther 28, 618, 30 Weim. ausg.;
brüder! last uns lustig seyn,
weil der frühling währet.
Günther 923.
d)
von einrichtungen und bestimmungen ist währen 'in kraft sein, geltung haben', auch in absolutem gebrauch vorkommend:
daʒ dû, gar wandels vrîe,
soldest einen sun gebern,
des rîch ân ende müeste wern.
K. v. Würzburg gold. schmiede 1726;
der berc was dâ gar rîch,
des genôʒ er (der abt) tegelîch.
ûf gewin erdâht er manigen list,
der dâ noch wert unde ist,
dâbî man sîn gedenket.
Ottokar österr. reimchr. 24371 Seemüller;
swer uf lehen lipgedinge lihet, da hat jener niht an wan also lange so daʒ leben wert. Schwabenspiegel landrecht 34, 7 Gengler; wir wellen ouch, daʒ dise sazzunge und ordenunge wereie unz sante Johannes mes. urkundenbuch der stadt Basel 2, 294, 36 (v. 1286); der douf wert untz an den jüngesten dag. Königshofen, städtechr. 8, 250, 25; er sol weder frissche noch dürre weinbeer essen, so lange solch sein gelübd weret. 4 Mos. 6, 4; ich hab alles dinges ein ende gesehen, aber dein gebot wehret. ps. 119, 96; uns von alten gewonheiten zuͦ tryben, die nun schier sibenhundert jar löblich und eerlich gewärt hand und gestanden. Joh. Faber bei Zwingli 1, 128; zu unterhaltung auff sein leib, jedes monats besonder, so lang der zug und die bestallung wehrt ... drey hundert gülden rheinisch. Fronsperger von keyserl. kriegsrechten (1571) 37ᵃ; weltlich recht weret auch lange, denn man brauchet es selten, saget ein vernünfftiger mann. Mathesius hochzeitpr. 88, 1 Lösche; so lange tugend und erbarkeit mit einem geschlechte grünete, so lange weerete auch der adel. so bald aber der bawm der tugenden verdorrete ..., so ... gienge also adel und guter name zu boden. Cyr. Spangenberg adelsspiegel 1, 129; item, wann ain frid geboten wird, der soll weren ain jar. österr. weisth. 5, 222, 27 (Tirol 17. jahrh.); dieweil die eeleich täding wert. 4, 178, 46 (Tirol); doch auch der gmain und nachbarschaft an ihren vorhin gehabten und noch wernten privilegierten just, gericht und gerechtigkeiten unpräjudicierlich und ohne nachtl und schaden. 6, 292, 35 (Steiermark 1624); eine herrschaft soll lang wehren oder bestehen. Güntzel 846;
und soll erst der (ehestand) verkleinert werden
von ungeziffer dieser erden,
von einem newen orden gar,
der kaum gewert hat dreissig jar?
Fischart dicht. 1, 61 Kurz (nachtrab 2300);
ja mit dem frommen volck, dessen hertz, ohr und mund
des herren lieb, lob, wort zu fassen, hören, lehren
gewohnet, wirt des herren bund
und hayl für und für wehren.
Weckherlin 2, 75 (ps. 22, 35) Fischer;
doch soll auch diesz dir bald erlaubet seyn;
denn mein geheisz (verbot) soll nur vier wochen wären.
Hagedorn 2, 157.
eigenthümlich die jahreszahl währt 'bleibt giltig, unverändert': verschriben wir ouch von unser stat vier jar ze varenne ... das er dryer milen unser stat nicht nacher, die wil dú jarzal wert. Züricher stadtbücher 1, 104 Zeller-Werdmüller.
e)
auch bei währen in bezug auf zustände, gemütsstimmungen, empfindungen u. dgl. schimmert die ursprüngliche bedeutung 'sich im wesen unverändert erhalten, bestehen bleiben' noch oft durch, wie auch ein absoluter gebrauch vorkommt; überwiegend zeigt sich rein zeitliche auffassung (beispiele s. auch unter 2):
sô lange wert diu stille   daʒ sîn Etzeln verdrôʒ.
Nibel. 2164, 4;
im hât der siechtuom gewert
wol zwei jâr unde mê.
Stricker Amis 2222 Lambel;
so hat die krankheit malafranzosen in diesem lande ob 15 jahren gewährt. baier. landtagshandlungen 18, 47 Krenner (1510); der sterbend hat ob 3 monaten gewert. Franck weltb. (1542) 16ᵃ; seine krankheit wäret schon ein jar, il y a un an que sa maladie dure. Rondeau; stärcke die lang wert, duratrix firmitas. Schönsleder prompt. L l 7ᵃ;
da sluoch der ubil Kain   Abel den bruodir sin.
da huop sich der nit   der hat gewert immir sit.
genesis 25, 8 Diemer (in der Vorauer handschr. der richsinot immer sit. fundgr. 2, 25, 37);
mîn kumber weret mir ze lange;
daʒ ist mir schedelich unde ist mir swære,
sol ich sus bi rîcher kunst verarmen unt verderben.
minnesinger 3, 104ᵃ Hagen;
dieweil nu dise zwitracht, truebsal und not also weret. Knebel chronik v. Kaisheim 165 Hüttner;
eʒ ist hiure und was ouch vert
und ist, die wîle minne wert,
under gelieben allen,
daʒ s' ein ander baʒ gevallen.
G. v. Straszburg Tristan 11864;
doch diese liebe wärete nicht lange. Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 939; ihre freundschaft hat nicht lange gewäret, leur amitié n'a gueres durée. Rondeau; freundschafft .. wehret nur, so lange der wohlstand. Butschky Pathmos (1676) 803; so gefelt mir wol, das alle boszheit und leckerei und muͦtwil bald ein end hat, wan wen sie alwegen wert, so wer den bösen basz uff ertreich, dan den guͤten. Pauli schimpf und ernst 79 Österley; man bete ohne unterlas, und steure denen bösen einfällen so vil immer möglich. wehren sie aber etwas lange, und plagen das gemütte unnachläslich, so habe man geduld. Butschky Pathmos (1676) 162; nur die wahrheit währt und selbst übelgesinnte .. fühlen sich insgeheim von ihr durchzuckt. J. Grimm über seine entlassung 4;
drum wan den abend wärt das laid,
geht morgens widerum auf fräud.
Fischart dicht. 3, 161, 3 Kurz;
die ehr' ist, herr, ein wahn, auf dem kein mensch kan ruhn, ..
des himmels wollust währt, die, die erquickt die hertzen!
A. Gryphius (1698) 1, 496 (Felicitas);
so lang die einfalt daurt, wird auch der wohlstand währen.
Haller ged. (1753) 24;
gesetzt, dein ruhm ist grosz, wie lange wird er währen?
Gellert 2, 22;
mein ruf hat lang gewährt, und soll noch länger währen;
es kennt die ganze welt den wirth zum schwarzen bären.
Göthe 7, 43 (mitsch. 1, 1).
f)
ähnlich bei währen von menschlicher thätigkeit:
dirre hof wert nâch der sage
mê danne drîʒec tage.
Ulr. v. Zatzikhoven Lanzelet 6215;
diu hôchzît diu werte   den vierzehenden tac,
daʒ in al der wile   nie der schal gelac
von aller hande vröuden.
Nibel. 33, 1;
eyn man beclaget den andern noch toder hant, das ym syn vater also vil schuldig were, der ander begerte ynnerunge, dy wart ym geteilet selbsebinde zcu thun, dy wile das ding werte, mit erhaften luten. Magdeburger fragen 2, 3, 2 Behrend;
der strît unlange werte.
Hartm. v. Aue Erec 3397;
und darüber entstundt die vehd,
die dan gewehrt ein lange zeit.
hess. reimchronik 213 Adrian;
so wölten sie eyn gebott auszgehn lassen, dieweil der krieg wert, dasz niemandt keynen burger seinen leib bekümern, oder umb schuldt sein guͦt verpfenden ... möcht. Livius bei Schöfferlin (Mainz 1530) 29ᵃ; der streit wäret noch unter uns, contentio manet mihi cum illo. Steinbach 2, 939; der procesz wehret noch, that suit at law depends still. Ludwig 2415;
weils recht offt wert vil jar und tag,
eh es zu dem end lauffen mag.
H. Sachs 20, 502, 6 Keller-Götze;
solch klapperey wert uber-tag.
20, 528, 10;
und scholt dein (der fastnacht) toben wern über jar,
es behielt mancher weder haut noh har.
fastnachtsp. 625, 7;
indem dieses der bettler murren noch wird gewährt haben, wird etwa seine köchin kommen seyn. Schupp (1663) 170; dieses geschrey und ruffen währete ohne aufhören. Kormart die neubekehrte jüdin (1688) 279; wie lange wird deine reise weren? und wenn wirstu widerkomen? Nehemia 2, 6; es wehrt mir seine abwesenheit gar zu lang, I cannot abide his absence so long a time. Ludwig 2415. auch noch mehr im ursprünglichen sinn (oben a) 'sich erhalten, bedeutung behalten':
was er (Göthe) inzwischen vollbracht, währt bis ans ende der welt.
Greif ged.² 368.
g)
mehr verblaszt ist die grundbedeutung, wenn zeitliche begriffe das subject bilden: an dem irsten sonnobunde als das advent intrit, do beginnen und hebin sich an die gebunden tage und weren czu dem nesten montage noch dem obirsten tage dornoch. schlesisches landrecht 2. buch 13. cap., diplomat. beyträge 4, 65; und die ertzte salbeten Israel, bis das vierzig tage umb waren, denn so lange weren die salbetage. 1. Mos. 50, 3; so lange die zeit solchs seines gelübds weret, sol kein schermesser über sein heubt faren. 4 Mos. 6, 5; so wird dirs und deinen kindern nach dir wolgehen, das dein leben lange were in dem lande, das dir der herr dein gott gibt ewiglich. 5 Mos. 4, 40; das du und deine kinder lange lebest, auff dem lande, das der herr deinen vetern geschworen hat inen zu geben, so lange die tage von himel auff erden weren. 5 Mos. 11, 21; wolte mein volck mir gehorsam sein, und Israel auff meinem wege gehen, so wolt ich ire feinde bald dempffen, und meine hand über ire widerwertige wenden. und die den herrn hassen, müssen an im feilen, ire zeit aber würde ewiglich wehren. ps. 81, 16; unser leben wehret siebenzig jar. 90, 10.
h)
am meisten ist die grundbedeutung, die auf die erhaltung des wesens hinweist, verflüchtigt bei unpersönlichem gebrauch des verbums, der seit der mitte des 12. jahrh. vorkommt:
nû wertiʒ jâr unde dag,
daʒ vil manic man lag
in deme kerkenêre
unde qualitin sich sêre.
könig Rother 430;
ist daʒ man wænet zeiner kurzen vrist
daʒ diu untugent tugent ist,
sô mag eʒ doch niht weren vil:
jâ ist niht verre des rüemens zil.
Thomasin d. wälsche gast 3751;
aber tage währt's,
jahre dauert's, dasz ich rein erschaffe
tausendfältig deiner verschwendungen fülle.
Göthe 4, 159 (westöstl. divan),
weil 'so lange' es währt:
Angnes. meinstu auch, das die leng werd tragn?
Dromo. da wölln wir gar nichts nach fragn.
wir wöllen schlemmen, weil es wehrt.
Ackermann d. ungeratne sohn 1076 Holstein;
bleibt es dennoch fest gestellt
auf der welt
minder wirth als gast zu heîssen,
ey so last uns, weil es währt,
eh man fährt,
unsrer lust befleissen!
Günther 914.
statt des älteren währen von personen 'sich erhalten' findet sich jetzt es währt mit ihm: es wird nicht lange mit ihm währen, er wird nicht lange mehr leben; er wird sich nicht lange mehr in dem gegenwärtigen wohlstande befinden. Adelung 4, 1345; es ward im (dem thier) gegeben ein mund zu reden grosse ding und lesterung, und ward im gegeben, das es mit im weret zween und vierzig monden lang. offenb. Joh. 13, 5; (sie) empfingen uns mit iren pegen und pfeilen .., aber es wert nit lang mit inen, sie muesten den fleckhen palt lassen. Schmidel reise nach Süd-Amerika 89, 22 Langmantel;
o der du mich allein des lebens kanst gewehren,
eyl starcker got! den länger nicht
kan es sunst mit mir wehren.
Weckherlin 2, 71 (ps. 22, 20) Fischer;
ach gott, es wird so lang nicht mit mir währen!
ich war ein lust'ger mann; nun bîn ich krank.
Immermann 16, 297 Hempel (Petrarca 5).
früher auch es währt um ihn:
habt ir nie gehöret nit,
wie all die irer obrigkeit
widerstehn, wies ein kleine zeit
umb sie gewehrt, ein bösz end nam.
Schmeltzl Samuel u. Saul 468 neudr.
i)
nur in der älteren sprache kommt währen in örtlicher beziehung vor als 'sich erstrecken, ausdehnen':
dô hieʒ er algericht
brieve schrîben unde senden
in diu lant allen enden,
dâ diu heidenschaft werte.
Ottokar österr. reimchr. 46667 Seemüller;
sie stigen einen berg hinan;
zum fuchsz der wolff reden began,
fragt in, ob er nit müde wer?
er sprach: 'ich bin erlegen schier!
will disz gebirg noch lenger wern,
wolt ich lieber den todt begern.'
Waldis Esopus 4, 1, 67 Kurz;
die hofmarch des benanten mairhoves langt und wert als verr und als weit, als verr das oblai der kirchen und des dorfs zu Abzan und das oblai der kirchen sand Michael auf dem wald gelanget. österr. weisth. 1, 202, 41 (Tirol 15. jahrh.); der richter soll den kirchtag zuo O. lassen verpieten pei der peen .l. phunt und wert der verpoten kirchtag pisz an den pach und an des nidern Hofer gatter. 5, 202, 3 (Tirol 14. jahrh.); die zolstangen zu Brauneck ... hebt sich an an Pudner pruck ze Welsperg und wert pis in den Weisenpach ob Mulbacher Klausen. 5, 487, 38 (Tirol 15. jahrh.); mer haben die Friwerger di gerechtikait, das man nindert keinen wein schenken sol dan zu Fridwerg allein, zwo taffern auszgenumen, alsz weit das lantgricht wert. 6, 90, 29 (Steiermark 16. jahrh.); erstlichen fächt es (das landgericht) sich an unten am Toplspach bei dem creuz an der strassen unt wert hinauf an die wart zum creuz bei der linden, von der linden an des Plienegkers tratten. 6, 359, 17 (Steiermark 16. jahrh.); nachmittag zogen wür müt einander durch den Böhmer waldt, wölcher bey drithalb meyl wehret. Kiechel reisen 2 Haszler; alle man von Israel ..., da sie höreten, das die philister flohen, strichen hinder inen her im streit. also halff der herr zu der zeit Israel, und der streit weret bis gen Bethauen. 1 Sam. 14, 23. das vonn denn Carios umbkhamen ... unzelig perschonen, die nit zu schreiben, waren ir so vil, das sie ein ganze meil wegs wereten (einnahmen). Schmidel reise nach Süd-Amerika 92, 29 Langmantel.
2)
übersicht über die zu währen tretenden bestimmungen, die die zeitliche ausdehnung eines zustandes oder einer handlung angeben.
a)
anknüpfung einer genetivischen bestimmung kommt nur in der älteren zeit zuweilen vor:
die hôchzît nâch des buoches sage
in vröuden ganzer acht tage
alumbe und umbe werte.
Heinrich v. Freiberg Tristan 977 Bechstein;
zu der zeit werden frissche wasser aus Jerusalem fliessen .., und wird weren, beide, des sommers und winters. Sacharja 14, 8.
b)
dagegen ist der anschlusz einer accusativischen bestimmung jederzeit üblich gewesen: lange zeyt beleyben und wären, in longum durare. Maaler 482ᵃ; es wehrte das tantzen die gantze nacht hindurch, they continued a dancing all night along. Ludwig 2415; die berathschlagung hat etliche tage gewäret, per aliquot dies ea consultatio tenuit, der regen hat die gantze nacht gewäret, imber continens per totam noctem tenuit, es wäret eine kurtze zeit, ad breve exiguumque tempus durat. Steinbach 2, 939; din stuôl got unde din rîche wéret iêmer. der stuôl Judon rîches wéreta eîna vríst. âne ende wéret stuôl dînes rîches. Notker ps. 44, 7;
hiute riwec, morgen vrô,
eʒ ist iu lîhte unbekant:
gar âventiure ist al diʒ lant:
sus wert eʒ naht und ouch den tac.
W. v. Eschenbach Parzival 548, 11;
daʒ urliuc weren muoste
und vîntlichez pochen
zwei jâr und sehs wochen,
daʒ eʒ niemen moht verslihten.
Ottokar österr. reimchr. 13668 Seemüller;
glügk und gwalt wert nit lange jor.
Brant narrensch. 56, 54;
das wert oft kaum ein halbe stund.
H. Sachs fab. u. schw. 5, 619, 18 neudr.;
darumb rait man und waͮret das usz belyben zwen monat, in der zeyt belaib Lucrecia haimant in irem huse. Wyle translat. 44, 21 (nr. 1) Keller; die fische im strom storben, und der strom ward stinckend, ... und das weret sieben tage lang, das der herr den strom schlug. 2 Mos. 7, 25; denn was ist ewer leben? ein dampff ists, der eine kleine zeit weret, darnach aber verschwindet er. Jac. 4, 14; denn sein zorn weret ein augenblick, und er hat lust zum leben, den abend lang weret das weinen, aber des morgens die freude. ps. 30, 6; das der rhum der gottlosen stehet nicht lang und die freude des heuchlers weret ein augenblick. Hiob 20, 5; es währet der sturm tag und nacht. C. Hedio Josephus vom krieg der juden (1556) 57ᵇ; da (im ehestand) hengt der himmel voller geigen, der wäret eine kleine zeit, nemlich so lang die küszwoch wäret. Weidner apophth. 4, 141; wir schmausten gestern beym Klinias. es währte die ganze nacht hindurch. Wieland 13, 25 (Diog. v. Sin. 7); o dasz ein solcher augenblick nicht ewigkeiten währen kann. Göthe 18, 325 (W. Meisters lehrj. 3, 12);
... da mir ein jahr
kaum eines tages länge währte.
Gotter 1, 467;
ein halb stündchen noch währt's bis zum geläute der nacht.
Göthe 1, 280 (Elegien I).
die zeitbestimmung wird gern durch bildliche wendungen gegeben: wie lang leben wir, wenn wir lang hie sind? es währet einen tanz zur hochmesse: darnach wird es anders werden. Luther 49, 23 Erlanger ausg.; dieses gefecht währte nicht länger als eines vater unsers länge. Simpl. 1, 447, 12 Kurz. sprichwörtlich: alle dinge wären nur eine weile. Steinbach 2, 939; es währt alles nur eine weile. Wander 4, 1746;
alles ding währt seine zeit;
gottes lieb in ewigkeit.
P. Gerhardt 236, 9 Gödeke;
das werete nun seine zeit, so lange das gotte beheglich ist. denkwürdigkeiten des Hallischen rathsmeisters Spittendorf 299 Opel; wahre freud wehrt allzeit. Schottel 1133; wan zorn und grimm zusammen stimbt, so wehret es die länge und strenge. 1142.
c)
präpositionelle bestimmungen.
α)
von etwas währen: hie merkent, das bosheit het gewert von dem anevange der welte, wan Adam und Eva worent nuwent sehs stunden alt, do sü gottes gebot übergingent. Königshofen, städtechr. 8, 240, 21; diese hoffart ... wäret nicht lenger denn von der vesper bisz die hüner auff fliegen. Kirchhof wendunmuth 1, 53 Österley; plaget in der herr in seinem eingeweide mit solcher kranckheit, die nicht zu heilen war. und da das weret von tage zu tage, als die zeit zweier jar umb war, gieng sein eingeweide von im. 2 chron. 21, 19; dein stuel weret von ewigkeit zu ewigkeit. Ebräer 1, 8.
β)
auf, in etwas währen: auf eine kleine zeit währen, ad exiguum tempus durare. Hederich (1753) 2564; das nieman gotte wol geviel under mannen, er were denne besnitten. daʒ werte uf zwei tusent jor. Königshofen, städtechr. 8, 250, 25; do koment ertbideme zuͦ Constantinopel ... die wertent uf 40 tage. 9, 861, 15; es kan in die läng nicht weren, non potest esse diuturnum. Schönsleder prompt. L l 7ᵃ;
weil dein gnad wärt in ewigkait.
Fischart dicht. 3, 186, 2 Kurz;
stolz, übermut und pracht währt in die länge nicht.
P. Gerhardt 4, 33 Gödeke;
der leidige krieg, und die noth und plag
in die sechzehn jahr' schon währen mag.
Schiller 12, 53 (Wallenst. lager 11).
ähnlich wie an der letzten stelle durch in wird eine annähernde zeitbestimmung früher auch durch bei gegeben:
das weret wol bey siben jaren.
H. Sachs 21, 135, 30 Keller-Götze;
die hochzeit weret bey den acht tagen. Wickram werke 2, 60, 22 (knabenspiegel c. 18) Bolte.
γ)
bis (mhd. unz) an, auf, in, zu etwas währen:
nû het gewert dirre strît
unz an die nônezît.
Hartm. v. Aue Erec 4460;
in diser reise die do weret von sant Margreden dag untz an den fritag noch sant Adolfes tak. Closener, städtechr. 8, 53, 8; bosz aus gut ein: die wechslung musz bis an das ende der welte weren. ackermann aus Böhmen 35, 1 Knieschek; die sache hat bis an den mittag gewäret, res perducta est ad meridiem. Steinbach 2, 939; drauf gabs ein fressen, das währt bis an den lichten morgen. Schiller 2, 33 (räuber 1, 2 schausp.); will diese nacht währen bis an den jüngsten tag? 2, 175 (5, 1);
von dem morgen biʒ uf inbiʒ zit
so het gewert dirre strit.
Ludwigs kreuzfahrt 6220 Hagen;
die kälte wärte bis aufs frühjahr, frigus durabile usque ad ver erat. Steinbach 2, 939; bis auf eines zeit währen, perduci ad tempus alicuius. Hederich (1753) 2564; das weret bisz auf den sontag frü. Schumann nachtbüchlein 17 Bolte; es wäret bis in die sinkende nacht, in multam noctem pertinaciter perstat. Stieler 2416; der streit hat bis in die nacht gewähret, controversa usque ad noctem ducta est. Nieremberger;
ir (der barmherzigkeit) vluʒ wert, als ich uch sage,
biʒ zu deme jungesten tage.
passional 4, 43 Köpke;
das wäret von der nona
bisz zu der vesperzeit.
Venusgärtlein (1656) 78 neudr.;
das ist des wilden heeres jagd,
die bis zum jüngsten tage währt.
Bürger 71ᵇ (der wilde jäger).
δ)
durch etwas währen: dieses trauerspiel beginnet den mittag vor dem heiligen christtage, wehret durch die nacht und endet sich vor auffgang der sonnen. A. Gryphius trauerspiele 17 (inhalt des Leo Armenius) Palm;
das selb das wert dann durch das jar.
Brant narrensch. 110, 57.
d)
die zeitbestimmung wird durch einen selbstständigen satz gegeben: der gesang der senger, und das drometen der drometer, weret alles, bis das brandopffer ausgericht war. 2 chron. 29, 28; es wehrete bisz die sonne wolt zu gnaden gehen. Schottel 1140 (sprichw.); das (streiten) weret die weil sie beid lebten. Ulenspiegel 106 Lappenberg;
es mag drum sein; es währe gleich
mein kreuz, so lang ich lebe.
P. Gerhardt 70, 71 Gödeke.
sprichwörtlich: es währt alles so lang als es kann. Wander 4, 1746.
e)
bestimmung durch ein adverb.
α)
immer, stets, für und für, ewig währen: din stuôl got unde din rîche wéret iêmer. Notker ps. 44, 7; unde dîniû jâr wérent iêo mêr (et anni tui non deficient). 76, 6; in dieser welt ist nichts, das immer wäret, il n'y a rien en ce monde de perdurable. Rondeau;
nû nemet in iuwer sinne,
wie lûterlîche minne
wir haben geleitet unze her,
und seht, daʒ diu noch stæte wer.
G. v. Straszburg Tristan 18278;
o freude! die kein ohr gehöret,
kein aug geschaut, kein herz erkannt,
die in des himmels vaterland
stets währt und nimmer wird verzehret.
Fürer v. Heimendorf Pomona (1726) 54 (geistliche reimübung);
du gibst einem könige langes leben, das seine jare wehren fur und fur. ps. 61, 7; deine jare weren fur und fur, du hast vor hin die erde gegründet, und die himel sind deiner hende werck. sie werden vergehen, aber du bleibest. 102, 25; deine warheit wehret fur und fur. 119, 90; seine barmhertzigkeit weret imer fur und fur. Luc. 1, 50; dancket dem herrn, denn er ist freundlich, und seine güte weret ewiglich. ps. 106, 1; denn gut weret nicht ewiglich, und die krone weret nicht fur und fur. spr. Salom. 27, 24; und das weret ymer und ewiglich, das er heisse ewiglich vater und ewiglich mutter und wir ewiglich söne, ewiglich töchtere. Luther 19, 160 Weim. ausg.; kurtzab, disz paradeisz schlug mir so wol zu, als ob es das rechte gewesen wäre; kein ander anligen hatte ich, als dasz ich wuste, dasz es nicht ewig wären würde. Simpl. 1, 225, 10 Kurz; das leben ist kurz ... und die hölle währt ewig. Schiller 4, 75, 8;
sollt' ich euch seltsam scheinen,
es wird nicht ewig währen!
Göthe 3, 31;
es währt nichts ewig in der welt. Wander 4, 1746; das währt ja ewig, d. h. auszerordentlich lange. Campe.
β)
lange währen: er (der stuhl) wéreta únlangor danne er wândi. Notker ps. 88, 46;
ich hân varender vröuden vil
und der rehten eine niht diu lange wer.
Reinmar, minnesangs frühling 174, 4;
es wäret nichts lange in der welt, nihil est diuturnum in hoc aevo. Stieler 2416; ein ding das lang wehren kan, a durable thing. Ludwig 2415; es wird nicht lange wären, perpetuum non erit. Stieler 2416; weh dem, der sein gut mehret mit frembdem gut, wie lange wirds weren? und ladet nur viel schlams auff sich. Habakuk 3, 6; ich will sie abzeichnen, wie sie leben. setzen sie sich nur; es währt nicht lange. J. E. Schlegel 2, 56 (gesch. müsziggänger);
nit lang, nit lang mags wehren
in diesem jamerthal.
Spee trutznacht. 99;
klingelt nicht — das währt zu lange,
schlägt das fenster ihm entzwei.
Immermann 11, 283 Hempel;
nun wie lang solls wehren? wenn wollt ihr fortmachen? well, what do you stay for? Ludwig 2415;
he, frischen wein — wie lange währt es?
Grabbe 2. 280;
es hat einmahl lang genug gewehret, I think it long enough waited upon. Ludwig 2415. sprichwörtlich: was lange währt, wird gut; gähe reichtumb weren nit lang. S. Franck sprichw. 1, 159ᵃ; hauszank wehret nicht lang. Schottel 1122 (sprichw.); armer leute hoffart wehrt nicht lang. 1126; kein zwang wehret lang. 1132;
herren gunst und lerchengsang
klinget wol und wehrt nicht lang.
1149.
am längsten währen: recht wehret am lengsten, sagte Conritz, denn man braucht es selten. Mathesius Syrach 3, 40ᵃ; wahrheit musz wahrheit bleiben, und ehrlich währt am längsten. Immermann Münchh.² 1, 12. es hat am längsten gewährt 'es ist bald zu ende': ihr sollt in dessen gutes muths seyn und euch nicht verlangen lassen, es würde nun zum längsten gewehret haben. Schoch studenten-leben 62, 43 neudr.; mit meinem dienen hat es zum längsten gewährt ... denn diese condition gefällt mir nicht. Immermann Münchh.² 2, 12.
γ)
langsam währen:
ich sah genug der ähren, sie wuchsen schön heran;
doch langsam schien's zu währen, wenn hungernde sie sahn.
Rückert ges. ged. 3, 479 (1837).
δ)
kurz währen: aber meines weibs freud wäret leyder kurtz. Simpl. 4, 58, 4 Kurz (vogelnest 2, 7); das leben währt zu kurz, um (beleidigungen) nachzutragen. Immermann epigonen² 1, 222.
f)
an es währt mit einer accusativischen oder adverbiellen bestimmung kann sich ein abhängiger satz (mit dasz, bis, ehe, selbstständiger mit so, da anschlieszen).
α)
es hat gewert vil hundert jar,
das herrn und schützn seind zamkhumen
auf den schiessn, hab ichs vernumen.
Flexel lobspruch des fürstlichen freischieszens zu Innsbruck (1569) 37 Edelmann.
β)
das weret so lang, das dem guͦten ritter anfieng an seiner narung abgon. Wickram 2, 30, 2 (knabenspiegel) Bolte.
γ)
daʒ sol also lange weren, unz der ostertac für kumet. Schwabensp. 214, 9 Gengler; das weret den ganzen abent bis sie zuͦ bet wolten gon. Ulenspiegel 115 Lappenberg; das bitten währte so lang, bisz sich Eurylas resolvirte, einen doctor zu agiren. Weise ertz-narren (1673) 209;
das hat gewert vyl tausent jor,
bisz das ain iunckfraw rein und clor
unsz gbar Jesum das kindlin guot,
Gengenbach 54 (die X alter v. 17) Gödeke.
δ)
es weret lang, ehe alte weiber jung werden, ehe dis geschicht, müsten eher alle teufel erschlagen werden. Henneberger landtafel 456; es währte den ganzen tag, ehe der zug vorüberwar. es kann noch viele jahre währen, ehe friede wird. Campe.
ε)
es wird nicht lang wehren, so wird er sein gütlein durchgebracht haben, a little and he will have lavished away his estate. Ludwig 2415; die lust währete nicht lange, so kam der edelmann .. in die kammer hinein. Weise ertz-narren (1673) 80.
ζ)
bey ihrer ankunfft fand sie sich mit einer kleinen begleitung nur bedient: doch wehrte es nicht lang, da bekam sie von allen seiten einen grossen zulauff. Francisci der hohe traur-saal (1669) 276.
3)
gebrauch des part. präs. während.
a)
im anschlusz an die ältere bedeutung von währen 'bestand haben' erscheint es im mhd. als 'beständig, bleibend, sich lange erhaltend':
eʒ wurde ein langer wernder hort,
swer got nu dienen kunde.
H. v. Rugge, minnesangs frühling 96, 19;
ich lepte wol und âne nît,
wan durch der lügenære werdekeit.
daʒ wirt ein langer wernder strît:
ir liep muoʒ iemer sîn mîn herzeleit.
Walther 44, 26;
swer sich ze gote gesindet,
der mac der helle engân ...
küngîn ob allen frouwen,
lâ wernde helfe schouwen.
77. 13;
waʒ helfent bluomen rôt,
sît ich nû hinnen sol? ...
friunt, dêst ouch mîn klage
und mir ein wernde nôt,
89, 26;
sist iemer mêr vor allen wîben
ein wernder trôst ze fröiden mir.
121, 22;
... deist diu nôt,
daʒ ist diu wernde herzeklage,
in der ich alle mîne tage
mit lebendem lîbe sterben muoʒ.
G. v. Straszburg Tristan 1503;
ja haben wir hie diheîn werndeʒ wesen.
Ludwigs kreuzfahrt 1892 Hagen;
daʒ er di sel von wernder not
der helle dort pehuͦte.
Suchenwirt 3, 189 Primisser;
got herre dar laʒ uns bekumen
vor den wunneclichen schin,
an deme antlitze din,
daʒ aller vreuden leben treit
in steter werender ewikeit!
passional 25, 43 Köpke;
sid wir nu muossent bekennen,
das got ist ie der wernde.
Hugo v. Montfort 15, 135 Kummer.
auch das ältere nhd. kennt noch diesen gebrauch des part.: darauff sie uns ausz freyem guten willen gegen denselben Venedigern eine tapffere wehrende hülff zugesagt. reichsabschiede hrsg. v. Senckenberg 2, 132 (1510); alda daselb (getreide) inn der grossen wehrenden thewre zuverkauffen. Rauwolf raisz (1582) 183; die noch wehrenden lebenden geschlecht nicht, sondern nur die abgestorbenen. Widmann chronica von Hall 14, 13 Kolb; dahero dasz noch wehrende sprichwort entstanden ... 99, 27; eine etwas währende erlustigung in fleischlichen gedancken, dilettazione morosa. Krämer 1205; wärhaft, wärhaftig, wärend, wäricht, constans, perseverans, durans, diuturnus. Stieler 2147. alterthümelna in der sprache der stürmer und dränger: und da denk ich so an die lieben altväter, wie die einen stein aufrichteten zum währenden denkmal, dabei sagten, hier war mir der herr gnädig. Lenz 1, 127. in mundarten tritt jetzt während als adv. in dem sinn von fortwährend (das jungen ursprungs ist, als adv. noch nicht bei Adelung und Campe) auf, so hessisch sëi eass waͤrend krank, er erwet waͤrend, auch verstärkt als waͤrend. Crecelius 889. preusz. es regnet in einem während 'ununterbrochen'. Frischbier 453 (aus Königsberg).
b)
abgeschwächt ist während 'sich über einen gewissen zeitraum erstreckend': ein zwei tage währender kampf. am häufigsten mit adverbien verbunden, so immerwährend:
lîdet eine wîle willeclîchen nôt
vür den iemermêre wernden tôt.
A. v. Johansdorf, minnesangs frühling 94, 22;
er tzogt zu sant Katreyen,
di muͤʒ sein sele vreyen
vor immer berndem ungemach.
Suchenwirt 7, 95 Primisser;
in eines rechten iemer werenden koufs wise. Zürcher stadtbücher 2, 327 Zeller-Werdmüller (1420); eine satyre, in welcher von anfang bis zu ende eine immerwährende ironie herrschet. Liscow schriften 196; an der sommerseite des fischmarkts, einer schönen langen strasze, wo immerwährende bewegung jedem unbeschäftigten augenblick zu hülfe kam. Göthe 25, 227 (aus meinem leben 2);
wie lang sol in tausentfachen plagen ...
ich mein immerwehrendt weh beklagen?
Gryphius sonette 110 neudr.
s. auch theil 4, 2, 2077 f. stätswährend: stetswährend, sempiternus, perennis. Steinbach 2, 939. Frisch 2, 423; immerwährend, stetswährend, perdurable. Rondeau; die weltlichen reiche seyn anders nichts, als drey stetswehrende seufzer. Butschky Pathmos (1676) 715; denn entweder eine stetswährende reichscontribution angelegt, oder ein gewisser fundus gemacht werden müszte. Leibnitz deutsche schriften 1, 160 Guhrauer. als adv.: wie solten denn so viele menschen, aus welchen das gemeine wesen bestehet, stets während einerley lebens-art behalten? Thomasius kl. schriften 5; das fleiszigste ingenium müste sich stets wehrend befahren von dem nichtswürdigsten liederlichsten kerl coujoniret, geprügelt, oder wohl gar ermordet zu werden. 363. ewigwährend: die ewigwehrende freude der gerechten, the everlasting joy of the blessed souls. Ludwig 2415; wilstu einen ewigwehrenden nahmen haben, so verschweige die tugenden grosser leute nicht. persian. baum-garten 4. fortwährend: ein fortwährendes glück. Adelung 2, 259; ein schönes zeichen der fortwährenden jugendkraft des urhebers der kritischen philosphie wäre es, wenn er selbst ... sich von ihnen (den wirkungen) lossagte. Herder 22, 13 (Kalligone) Suphan. langwährend:
sô sol man stegen
nâch lange wernden êren.
Walther 105, 12;
das langwêrund geschray, so krêfftiger weis wider in allenthalben ... auferstanden ist. urkunden u. regesten z. gesch. des benediktinerstiftes Göttweig 3 (fontes rerum Austr. 2, 55), s. 308 (Passau 1496); das leben der unruhigen ist ein langwehrender tod. Albertinus fürstlicher lustgarten (1619), 1, 185; s. auch theil 6, 184. noch während (s. oben die stellen aus Widmann): ein annoch währender krieg, guerra viva. Krämer 1205; ein noch währender procesz, un procès pendant. Rädlein 1026ᵇ; eine solche darstellung würde wahrscheinlich auch in Deutschland, zumal bei noch währendem culturkampfe, den beifall weiterer kreise verdienen können. Zöckler gesch. d. beziehungen zwischen theologie u. naturwiss. 1, 1.
c)
in gewissen verbindungen hat während an sich schon die bedeutung 'noch andauernd, noch nicht beendet', die wol unmittelbar aus der von 'bestehend' abgeleitet werden kann.
α)
in einem genetiv, der von zeit abhängig ist: ob in der zeit werender vormundschaft gedachter ... hertzog Wolfgang, ainer oder mer aus den sechs zuverordenten mitvormunderen tods abgiengen. die altbaier. landständ. freibriefe 136 (1508) v. Lerchenfeld. der acc. zeit erscheint (zunächst in der kanzleisprache) mit dem abhängigen genetiv in adverbiellem gebrauch (vgl. zeitlebens): ihr hertze wäre zeit seiner währenden entfernung von traurigkeit ... verschlossen gewest. Lohenstein Arminius 2, 417ᵃ; zeitwährenden gegenwärtigen kriegs von allen andern reichs- und craysz-anlagen befreyet. europ. staatscantzley 1, 92 (1691); ew. liebden haben zeit währender dero regierung ... ruhm erworben. teutsche reichs-cantzley 5, 184 (1700); wenn dann zeitwährender dieser kriege von beyderseits partheyen unterschiedene manifeste und deductiones heraus gegeben worden. Thomasius kleine teutsche schriften (1707) 103; welches denn diese zeit wärenden unruhigen zustandes gerne geschehen lassen, und durch die finger gesehen. 104; dasz ein mensch zeit währenden solchen zustandes nicht vollkommen glückseelig sey. einleitung z. sittenlehre (1709) 110.
β)
in präpositionellen wendungen (am häufigsten mit in, ferner mit bei, unter, über, auf, durch, zu). dieselben treten in der prosasprache des 16. und 17. jahrh. sehr häufig auf und werden auch im 18. und 19. jahrh. noch von einigen gebraucht. ihren ursprüng dürften sie in der kanzlei- und urkundensprache haben, aus der sie sich auch schon in älterer zeit vereinzelt belegen lassen: swaʒ dan geldis also vurzugit wirt vor mi richteri, daʒ sal min geldi ubir di werindin nacht. rechtsbuch der stadt Mühlhausen 30 Förstemann. Adelung erklärt in währender predigt, unter währender mahlzeit, in oder bey währendem kriege für fehlerhaft. die wendungen kommen auch bei Lessing, Wieland, Herder, Göthe, Schiller nicht vor. doch begegnen sie noch im 19. jahrh. bei einigen schriftstellern, denen eine alterthümliche und auf landschaftlichem boden stehende sprache eigen ist, so Mörike, Immermann, Scheffel, Storm. es beruht das darauf, dasz sie die volkssprache (die sie im anschlusz an die ältere schriftsprache angenommen hat) noch an vielen orten kennt (s. unten).
1))
in währender predigt, durante la predica. Krämer 1205; in wehrendem kriege, while the war lasted. Ludwig 2415; in währendem krieg, durant la guerre, in währender ehe, durant (pendant) leur mariage. Rondeau; kan er aber in wehrenden drey tagen sich hinwegbringen, so ist er seiner verdienten straff entledigt. Wasserschleben rechtsquellen 232 (weisthum aus d. Pfalz); in werendter vormundtschafft und ehe sich dieselb geendet. die altbaier. landständ. freibriefe mit den landesfreiheitserklärungen 237 (landesfr. 2, 21) v. Lerchenfeld (v. 1553); die graven von Lüpfen haben ... schwarz wachs gepraucht in ainem werenden laid. Zimmerische chron. 1, 503, 28; es war im werenden reichstage ... trefflich teur. Sastrow 1, 241; und was verbotten by lyb und läben in wärender disputatz ütz zuͦ schriben. Th. Platter 46 Boos; dasz der inhaber desz strittigen guets solches in wehrendem stritt möchte verthun und onwerden. bairisches landrecht (1616) 283; weil wir in währender reise vernommen haben. verhandlungen der schles. fürsten u. stände v. j. 1619, s. 201; inmittelst und noch in wehrendem desz alten ordensherrn leben. Albertinus Gusman v. Alfarche 21; kinder in wehrender ehe erzeugen und überkamen. österr. weisth. 3, 77, 15 (Tirol 1625); seiner gemahlin Mechtild hat er (Heinrich) für seinem end ... gedanckt, das sie sich freundlich und diensthafft gegen ihm in wehrender ehe erzeigt. Zincgref apophth. 1, 20; in wehrendem reichstag. 1, 110; als ... man in wehrender gefängnusz allerhand sachen an ihn begerete. 1, 131; in wehrender belägerung ... erforderte der kayser ... Micrälius altes Pommern 2, 261; in wehrender zeit ewers adels. Philander 1, 396; in wehrendem meinem leben. 1, 568; in wehrender predigt. Moscherosch ins. cura par. 106 neudr.; offt geschiehts, dasz man meynt der bund sey unter einer religion und redlichen leuten geknüpft, in wehrenden dingen erscheint, dasz man mit weibischeu eigennützigen trewlosen verrähtern verkuppelt gewesen. Lehmann 126; hier blieben wir in die dritte woche stille liegen. in währender zeit seyn wir von e. e. rath mit guter beschenckung .. geehret worden. pers. reisebeschr. 29 (1, 17); in währender kranckheit bin ich in Brügmans hause wol gehalten. 30 (2, 1); in wehrender actiatischen schlacht. Butschky Pathmos 268; in wehrender mahlzeit. Schupp (1663) 249; sölle in wehrenden kriegswesen viel contribution geben. 281; in wehrendem procesz. 316; dasz mich deuchte, sie wolten die fuszstapffen wieder ausztilgen, die sie in währender raserey (beim tanz) getretten. Simpl. 1, 110, 18 Kurz; der erste scholte mich in wehrender seiner peinigung einen bluthund. Abele k. unordnung 1, 29; sein (Fausts) geist füllete die drey vor das fenster gesezte silbernen schüsseln in währender mahlzeit mit weintrauben, āpffeln und birnen. Faust des christl. meyn. 21 neudr.; in wehrender feyerlicher zeit, so die volziehung des urtheils noch etwas zurücke hielt. Hofmannswaldau sterbende Socrates s. 13; in währendem liede will Storax nach seiner Amaryllis sehen. Weise ertz-narren (1673) 138; wie haben sie sich in währender zeit befunden? freym. redner 402; hier mögen sie in währenden reden nach belieben einander zutrincken. 734; in wehrendem erzählen kamen sie an die burg. Ettner unwürd. doctor 643; item solle der dorfrichter allemahl ainen bestöllen welcher in wehrunter und nach beschechener kürchfarth des herrn beneficiat seinen khorrock und stollen nach hause tragt. österr. weisth. 6, 399, 39 (Steiermark v. j. 1702); in währender zeit da das volck ein angst-geschrey erklingen lassen. Breitinger forts. d. crit. dichtkunst 181; in währenden diesen liebkosungen. mahler der sitten (1746) 2, 88, 448; dasz man das bild und die ähnlichkeit desselben in währender betrachtung dieser nebenschönheiten aus den gedanken verliert. J. E. Schlegel 3, 160; er musz so lange mit der übung fortfahren, bis er sich in währender ausübung seiner regeln nicht mehr bewuszt ist. Mendelssohn phil. schr. (1777) 2, 89; in währendem falle. Kant 8, 48;
wir sahens und standen erstaunt da,
als das furchtbare zeichen in währendem opfer geschahe.
Bodmer Homer 1, s. 30;
statt der suppe asz er gleich ein tüchtiges stück schnitzbrot in währendem gehen. Mörike erzählungen² 115; die grotesken erfindungen und gestalten wurden von ihm mit solcher ... ernsthaftigkeit hingestellt ..., dasz man in währender erzählung zu keinem dichterischen behagen gelangte. Immermann Münchh.² (1841) 1, 178; der braven Wendelgard hatte sich in währender hitze des zwiegesprächs der schwarze habit gelöst. Scheffel Ekkehard 38; doch war's artig, dasz ihr in währendem streite meiner gedachtet. 225; darum hatte er auch in währeuder schreibarbeit mehr federn zerbissen und schnipfel zerzaust und selbstgespräche geführt, als ein genosse in deutschem kloster in gleicher frist gethan hätte. 261; und wir tranken scharf bis in die nacht hinein, ... in währendem trinken befrug ich den ruszigen gastfreund um gelegenheit und namen seiner schmiede. 324; ein jahr nach dem andern ging dahin; und in währender zeit verblühte allmählich die schöne jugendliche frau an meiner seite. Storm sämtl. werke 1, 48 (späte rosen); auch sechs jahre im zuchthaus vergehen endlich; aber voll hatte er sie absitzen müssen, denn es war in währender zeit im lande weder ein könig gekrönt, noch einer geboren worden. 5, 173 (ein doppelgänger). noch jetzt in hd. und nd. mundarten: österr. in währenden fortgehn. Nagl Roanad 110; in Siebenbürgen än wiärnder predich, äm wiärn(dn) go (gehen). Kisch 173; in Leipzig im währenden regen, im währenden laufen. Albrecht 233; in Mansfeld inn wärenden laufe. Jecht 121; in Waldeck in dᵉr wärᵉntᵉīt 'inzwischen' Bauer-Collitz 112; vgl. in Handschuhsheim inner dem wärendem 'währenddessen' Lenz vgl. wb. 75. aus in währendem kriege entwickelt sich auch, ähnlich wie während aus währendes krieges hervorging, in während dem kriege, indem in während als präposition mit dem dativ genommen wird: in währen dieser galanten bemühung ist Wandala mannbahr worden. discourse der mahlern 1, 41 (Bodmer) Vetter; in während diesem schreien und tumult, unter dem schall der zinken, pauken und trompeten. Mörike erzählungen² 245;
als sie vernimmt in leisen tönen singen,
so heilig wie von einem engelsmund;
das bild streckt seinen arm in während klingen.
Tieck 2, 213 (Genov.).
in Mansfeld innwären dän sprunge. Jecht 38. daselbst wird innwären oder innwären dasz auch als conjunction verwendet. ebenda 121.
2))
bey wehrender predigt, while the sermon was made. Ludwig 2415; bei werender melancholei. Mülmann christl. geiszel 25; bey wehrender mahlzeit bliesen die trompeter dapffer auff. Philander (Leyden 1646) 3, 65; bey währender abendmahlzeit. Schupp (1663) 73; bey währendem ehestande. Francisci der hohe traur-saal (1669 147; nun hatten sich bey währender mahlzeit etliche kerlen in die stube gefunden. Weise ertz-narren (1673) 265; ob bey währender schlacht die sonne ... stille gestanden hätte? Lohenstein Arminius 1, 830ᵃ; bei wehrendem singen. 2, 425ᵇ;
eintrat bei währender rede flusz
erstaunet der vicarius.
Immermann Tristan 275.
3))
unter währendem krieg ist mein bruder gestorben. Castelli 342ᵃ; folgende sinn-getichte sind unter wehrendem druck eingelauffen. Logau 3, 219; da er si dan, unter währendem gespräche, wohl betrachten konte. Zesen Rosemund 128 neudr.; niemant nichts unter währender predigt zeit zu geben. Schott land- u. stadtrechte 1, 205 (Nördlingen 1650); unter wehrender audientz. Olearius pers. reise-beschreibung 66ᵇ; unter währendem gottesdienst nicht das geringste ... kauffen oder verkauffen. Böckler neue kriegs-schule 439; unter währendem diesem gesang. Simpl. 1, 29, 15 Kurz; unter währender arbeit. 1, 131, 29; unter wärender dieser malzeit. Anton Ulrich v. Braunschweig Aramena 3 (1671), 353; was hatte die königin Halcyone nicht für schreckliche träume, unter wehrender reise ihres liebsten? Schoch studenten-leben 22, 23 neudr.; es wird eine traurige sonate gehöret, und kommen unter währender music viel leute hervor getretten. Chr. Reuter Schlampampe 135 neudr.; unter währender dieser zeit ... verstarbe des kaysers anderer printz. Hahn historie 1 (1721), 133; unter währender seiner kayserlichen regierung. 1, 134; verwirrter zustand in Teutschland unter währendem interregno. 2, 222; unter währenden innerlichen kriegen. Schmausz reichshistorie² (1729) 6; unter währender reise. Liscow schriften 183; Lysander, ... welcher ... die grosze mauer ... unter währender musik schleifen liesz. Winckelmann 6, 72; unter währendem vivatrufen. Bettine briefe 2, 180.
4))
über währender tahffel. Zesen Rosemund 130 neudr.
5))
auff währender reise. pers. reise-beschreibung 30 (2, 1).
6))
wie auch sonst durch das gantze wehrende colloquium kein so hart noch unbescheidens wort ... gehört worden. Conr. Andreä gründl. relation von dem postcolloquio (1602) vorr. 64ᵃ; dasz commando in diser statt ... übernohmen und durch die wehrende belägerung ruehmblich gefüehrt. Bürster schwed. krieg 66 v. Weech.
7))
was massen weyl. unser, zu währendem reichstage gevollmächtigt gewester kayserl. commissarius ... todes verblichen. europ. staats-cantzley 1, 42 (1677).
γ)
in der absoluten genetivconstruction (währendes winters), die wie bei ähnlichen wendungen (stehendes fuszes, mittlerweile, lichterlohe u. dgl.) im 15. jahrh. im anschlusz an das französische (pendant l'hiver) aufgekommen sein wird und sich bis gegen ende des 18. jahrh. erhält (Winckelmann, Lessing, Wieland, Möser gebrauchen die genetive noch, während dannbei vielfach schwankender schreibung — währendes winters, währender zeit in während des winters, während der zeit aufgelöst wird, s. während): wehrender zeit meiner anwesenheit, oder so lang ich da war, during my stay there. Ludwig 2415; wärender abendmahlzeit, inter coenam. Frisch 2, 423; währender mahlzeit, inter coenam, wärender gantzer zeit, inter omne tempus. Steinbach 2, 939; wehrender solchen gantzen finsternisz war der himmel heiter, during all that eclipse the sky was very clear. Ludwig 2415 (also auch mit nachfolgendem adj. in schwacher form);
al das ụbel, welches yn niderwuͦrfe
in sein lager waͤrender seiner schwachhait.
Melisius ps. 160 neudr.;
werender welcher zeit. Philander 2, 33; wehrender zeit kam Conradus der ander zum käyserthumb. Micrälius altes Pommern 2, 197; zu dem so flossen demselben währender zeit viel (poetische gedanken) aus der feder. Wernike überschriften, an den leser a 7ᵃ; aus der erfahrung, welche ich währender meiner reise gehabt habe. Fuchsmundi 163, 3 neudr.; währendes zuges. Mascou 1, 9; währender dieser beschäfftigung. 1, 251; währender meiner krankheit. Felsenburg 2, 330; sie können uns nicht bereden, dasz ... es nöthig, mit solcher kaltsinnigkeit an der fortpflantzung des menschlichen geschlechts zu arbeiten, dasz man währender zeit seinen psalter herbeten könne. Liscow schriften 753; das heurats-gut ist der mann währender ehe nicht herauszugeben schuldig. Mainzer landrecht 1755 tit. 1 § 7; wer kan sich jammernden gefühls erwehren, der die blätter lieszt, so währender hinrichtung von seiner parthie ausgestreut worden. Moser beherzigungen (1761) 176; aber so lebten die herren, währendes krieges, als ob ewig krieg bleiben würde. Lessing 1, 533 (Minna v. Barnh. 2, 2); währendes krieges hat manches seinen herrn ... verändert. 1, 534 (ebenda); wir hatten ausgemacht, seiner währender mahlzeit nicht zu erwähnen. 1, 563 (ebenda 4, 1); ich bitte sie währender arbeit mir immer manchmal was zu melden. Göthe briefe 4, 169 (1780) Weim. ausg. in verbindung mit einem masc. oder neutr. zeigt während häufig schwache form: ob ainer von Gumbs zu Bradt were, so mag er auch wehrenten leiten (der glocken) still heben. österr. weisth. 4, 135, 5 (Tirol 17. jh.); den folgenden tag ... sandte mir herr Vrindts durch seinen diener dein schreiben vom 11/22. noch währenden monats. Freytag 20, 367 (bilder 3, 10) aus den briefen des Hamburger bürgermeisters Joh. Schulte 1680 — 1685; wehrenden schmauchen fieng Burghart an. Ettner unwürd. doctor 703; ein stillstand auf drey monath getroffen. währenden solchen, nahm die noth bey den Gothen .. überhand. Mascou 2, 100; währenden stillstandes. 2, 101; ein client, der in angst ist, seinen prozesz zu verlieren, thut in dieser noth eben so grosze und eben so vergebne gelübde, als derjenige that, der währenden sturms dem groszen Christoph die wachskerze versprach. Rabener schriften 3 (1752), 130. da das bei während stehende masc. zuweilen sein genetiv-s verliert (s. oben die belege aus den österr. weisth. und Ettner), kann auch an absolute accusativconstruction gedacht werden: währenden winter, den winter über, pendant ou durant l'hiver. Rädlein 1026ᵇ. auch absolute dativconstruction (währendem winter) kommt vor, die sich wol aus abfall des proklistischen in in der verbindung in währendem winter erklären wird (vgl. auch unten, während 2, die verbindung von während mit dem dativ): währendem stillstand wandte er alle seine sorge dahin an. B. G. Struve reichshistorie, deutsch [von Zschackwitz] (1720) 198; währenden diesem kriege. 213; währenden diesen unruhen verstarb ... pabst Gregorius. 284; währenden reichs-tage zu Augspurg. 943; währendem nachsuchen. Robinson Crusoe (Hamburg 1731) 1, 83; so soll der frau der genusz ihren gantzen ... zubringens währendem concurs ... verbleiben. Mainzer landrecht 1755 tit. 22 § 11; wenn einem etwas währenden zwischenreichen ohne sein verschulden ist abgenommen worden. Mich. Ign. Schmidt gesch. d. Deutschen (1779) 235. über die weitere entwicklung der wendungen währendes krieges, währender zeit s. den folgenden artikel.
δ)
besonders hinzuweisen ist noch auf die verbindung währender zeit, die sich zu einer conjunction entwickeln kann. sie steht zunächst in verbindung mit andern conjunctionen (da, dasz): und wehrender zeit, da die hund untereinander thäten rauffen, thät ich drey gantze viertl meil lauffen. Stranizky reysz-beschreibung 29, 39 neudr.; wehrender zeit, dasz ihr dasselbe thut, will ich dieses thun, while you do that, I shall do this. Ludwig 2415; währender zeit, dasz Gallien ... verwüstet ward. Mascou 1, 372; währender zeit, dasz ich die gallerie be sahe. Winckelmann briefe 1, 176 (1756); währender zeit, dasz ... Wieland Horazens satyren (1794), 1, 231. dann fungiert es (ähnlich wie mittlerweile) für sich als conjunction: da er ... befohlen den ofen ... zu öffnen, währender zeit er zu mittage essen wollte. Winckelmann 5, 129; währender zeit dieses (gut) alle beschwerden trug, flüchtete der abgefundene in Holland. Möser Osnabr. gesch.² 1, 113; so führte sie mich in die küche, wo die frische butter bereit stund, welche sie itzt mit eigner hand wusch; währender zeit ihr junger schlanker körper in jeder bewegung eine neue reitzung zeigte. patr. phant. 1, 4; fünf und achtzig verbundene städte in der unteren hälfte von Deutschland waren es indessen, welche diese wunder verrichteten ... währender zeit in der oberen hälfte von Deutschland eine Südsee-compagnie mit ihrer handlung die Levante beherrschte. 1, 259; dasz, währender zeit er einige ... unter seiner botmäszigkeit hat, er ... denen übrigen ein gleiches schicksal bestimme. Heilman Thucydides 141; währender zeit dein vater in die küche ging ..., wischt' ich zur thür hinaus. Kosegarten Hainings briefe an Emma 1 (1791), 16.
4)
der inf. erscheint substantiviert: die wäre, wärung, das wären, duratio, diuturnitas, perennitas. Stieler 2416; das währen, der zustand, da etwas fortfährt zu sein. Campe;
jetzt reich und sat, bald angst und noth,
jetzt frisch und gsund, bald kranck und tod,
in summa, der viel alte schad
seines heilens gar kein werens hat.
Eyering prov. copia 1, 60;
und zeugt zugleich von deinem (der seele) währen.
Drollinger bei Campe.
wahren verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 780, Z. 27
dauern, nd. nebenform zu währen, schon asächs. warôn (zweimal im Cott. des Heliand und einmal in den Werdener Prudentiusglossen belegt), mnd. waren Schiller-Lübben 5, 603, auch in den jetzigen dialekten fast überall verbreitet. brem. wb. 5, 183. Richey 332. Schambach 286. Bauer-Collitz 111. Schütze 4, 328. Danneil 244 (waorn). Mi 108 (wohren). Dähnert 538, nordfries. waren Bendsen 323. auszerhalb des nd. und fries. findet sich nur in der Stieger mundart am Unterharz wârn neben wêrn Liesenberg 218. dem as. warôn entspricht ags. (nur selten belegt) warian; ferner ist das wort aus dem nd. in die späteren nord. sprachen übergegangen: dän. vare, schwed. norw. vara. dem ndl. fehlt es, doch wird es aus dem früheren ndfränk. angegeben: duyren, weren, waren, durare, perseverare. Teuthonista 85.
1)
die ursprüngliche bedeutung 'sich in seinem wesen erhalten' tritt wenig mehr hervor. von gegenständen, namentlieh solchen, die zum genusz dienen, 'haltbar sein': de wost wârt 'die wurst hält sich', eppele, de sau lange wârt 'die sich so lange halten' (vgl.wahrapfel). Schambach a. a. o.; deine fr. mutter wolte dir ... woll butter gesandt haben, esz ist aber dieselbe jetzundt weich und kan nicht wahren, auffn herbst ... soll sie folgen. briefe des Hamburg. bürgermeisters J. Schulte an seinen sohn 184 (1684).
2)
meist rein zeitlich, sich über einen zeitraum erstrecken. es kann sich ein adv., ein acc. oder eine präpositionelle bestimmung anschlieszen:
kumit im thiu helpa fon gode,
that im gilêstid thie gilôƀo,   sô lango sô im is lîf warod.
Heliand 3482;
nicht lange konde wahren disse bedroch.
Lauremberg 2, 107;
de dornisse (dürre) het tau strenge wârt. Schambach 286; dat clagent warde wol ein half jar. Magdeburger schöppenchronik 309, 8; et sal de længste tîd ewart hem. Schambach a. a. o.; (wir) meteden ein kämerlein mit einem bette; darin behülffen wir uns, bisz wir underkamen, wollichs über 5 wochen warte. Sastrow 1, 210;
na godes bort schach dusent jar
dreihundert unde veftich
und warde went an sestich,
dat god sines tornes hand
streckede hir in dutsche land.
Magdeburger schöppenchronik 2, 13.
et kan wâren bet den mândag ôwer acht dâgen. Schambach a. a. o.
3)
seltener räumlich, eine gewisse ausdehnung haben: sogedhan recht alse we hebbet in unser stad, also gedhan hebbe we also verre alse unse wicbelde reket unde waret. Lübisches recht 346.
wahren verb.
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 769, Z. 54
ableitung von dem adj. wahr, wahr machen, von einer behauptung, beweisen, besonders durch zeugen oder eid. mnd. waren Schiller-Lübben 5, 602. brem. wb. 5, 185: wil men em des nicht beloven, de scal dat waren mid twen bedderven luden an unsem ammete. Meklenb. urkundenb. 15, 198 (nr. 9048, v. j. 1362); de koninc het do dem papen, dat he warede, dat Jesus god were. Eike v. Repgow 522; waren up (an, in) den hilighen, auf den reliquien schwören. auch bei Kilian 647 waeren, vindicare, asserere, und afries. waria, wara, weria, wera bekräftigen, beweisen. Richthofen 1136.
währen verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 786, Z. 15
III, erfüllen, leisten, bezahlen, befriedigen. das simplex ist hier in der älteren sprache ganz gewöhnlich und häufiger als gewern; daher wird auch das part. prät. gewert (s. die beispiele theil 4, 1, 4822 f.) meist von wern abzuleiten sein. auch im ahd. steht werên neben giwerên. das wort ist nur hd. und fehlt dem nd. (ein as. warôn 'leisten' wird von Schade altd. wb. 1127 angenommen, auf grund von Heliand 4649, wo aber die gewöhnliche bedeutung von warôn 'beobachten, bewahren' vorliegt). in der anwendung des wortes zeigt sich im ahd. eine bemerkenswerte verschiedenheit gegenüber dem mhd., indem es nicht nur wie hier in der bedeutung 'befriedigen' mit dem accusativ der person und dem genetiv der sache verbunden wird, sondern auch als 'erfüllen' ein sächliches object bei sich haben kann (das erst im späteren mhd. häufigere wern als 'bezahlen, abliefern' darf damit nicht direct in zusammenhang gebracht werden). das verbum in dieser bedeutung ganz abzutrennen und mit dem von wahr abgeleiteten worte für 'beweisen' in verbindung zu bringen, wie dies theil 4, 1, 4820 f. für das compositum versucht wird, geht der lautverhältnisse wegen nicht an. vielmehr sind die beiden gebrauchsweisen des ahd. aus der grundbedeutung des wortes zu erklären, als die sich uns oben sp. 782 die von 'beständig sein, beharren' (in etwas oder gegenüber jemand) ergab, so dasz also währen II im grunde mit währen IV dauern identisch ist. gewöhnlich werden allerdings die wörter getrennt. Kluge stellt unser währen zu irisch feraim 'ich gebe', Brugmann idg. forsch. 13, 156 zu hom. att. ἑορτή fest (eig. leistung an die gottheit), ἔρανος mahlzeit, hom. ἦρα φέρειν einen gefallen thun, einen dienst erweisen. gegen diese etymologien spricht aber, dasz aus einer grundbedeutung 'leisten' schwerlich die ursprünglichen gebrauchsweisen von währen III und sicher nicht die von währen II abgeleitet werden können. währen 'sicher stellen' und währen 'befriedigen, erfüllen' wird man aber selbst dann nicht zu trennen geneigt sein, wenn man der oben versuchten ableitung beider verba von währen 'beständig sein' nicht zustimmt.
1)
das wort im ahd.
a)
die bedeutung 'erfüllen' (von einem gebot, einem wunsch, einer verheiszung) reicht weit zurück: oh so ir dhuo ubarmuodic endi unchilaubendi noh dhea selbun ewa ni wereda (custodiret). Isidor 29, 18 Hench; assumunt, werant vel wurchant. Steinmeyer-Sievers gl. 2, 174, 60. besonders häufig tritt sie bei Notker auf: dû gebúte humilitatem (diemuôti), mit déro chúm unde wére sélbo dîn gebót. ps. 7, 8; ih necham êa zintwérinne nube zewérinne (non veni legem solvere sed adimplere). ps. 18, 8; intheîzzent gote unde wérent iûwere intheîzze (vovele et reddite domino deo vestro). ps. 75, 12; unde wanton sih fone ímo unde newéreton iro gedingun die sie sáment góte getân hábeton (non servaverunt pactum). ps. 77, 57; díniu wort pehuottendo, daʒ chit wérendo (in custodiendo sermones tuos). ps. 118, 9; wérest taʒ tû zewélif chúmberon gehîeze canticum Abacug 9 (2, 621 Piper); nû ne hân ich filo sundiger mennisco leidir mir neheine wîs rehte christenlîcho in guotemo lebenna die heiligen glouba sô geweret noh pehalten, sô ih scolta. Wessobrunner glaube u. beichte, denkmäler XC, 66.
b)
die anreihung eines persönlichen accusativs kommt erst seit Notker vor. die bedeutung ist dann die von 'befriedigen' mit beziehung auf eine bitte, einen wunsch oder eine zusage. meist neben sächlichem genetiv: lâ sîn fásto truhten mîn gebêt in dînen ôron unde hôre ze dero stimmo mînero flêho. déro zewéio wéret den got kerno, der sîna legem fasto háltet in sînemo herzen. Notker ps. 85, 6; ziu wendest dû dîn anasiûne fone mir, daʒ du mih newéreiest minero beto? ps. 87, 15; wér wéret míh dés, daʒ íh díh, brûoder mîn, séhe sûgan dîe spúnne mîner mûoter? Williram 130, 1. doch steht auch der accusativ für sich: der eîno daʒ kemahta, des sint die promissa (geheîzza), den wére. Notker ps. 88, 49.
2)
im mhd. steht die anreihung eines persönlichen accusativs durchaus im vordergrund; dasz sich ein sächliches object anschlieszt, kommt fast nur in der speciellen bedeutung von 'bezahlen, abliefern' (von geld, abgaben) vor.
a)
die der rechts- und urkundensprache eigene verwendung des wortes tritt am deutlichsten hervor und mag vorausgestellt werden, obgleich sie nicht die grundlage des gebrauchs überhaupt bildet. der sich an weren anschlieszende accusativ bezeichnet den, gegen den ich eine auf kauf, pacht, borg, abhängigkeitsverhältnis u. dgl. beruhende leistung zu verrichten habe. dasz sich ein zweiter sächlicher accusativ anschlieszt, ist ganz selten: so sol ich zende des selben jares daʒ ander drittail der haller weran den vorgenanten bischof und die tuͦmherre von Constentze. monumenta Zollerana 1, 247 (v. j. 1303). häufig neben sächlichem genetiv: ich enlaugen niht, ich ensolte im zins, des han ich in gewært. stadtbuch von Augsburg 128, 2 Meyer; das wir su danne der vorgenanden VII. lb. pfenninge nuzlich weren und berichten. stadtrecht von Baden 2, 26 (1311) Welti; so süllen aber die egenanten stet den vorgenanten unsern herren den künig der 40,000 gulden von dem ersten gelt, daʒ von in gevellet oder von in bringen mügen on alle geverde tugenlichen wern und bezalen on alle irrung und widerrede. städtechr. 1, 116, 31 (urkunde von 1385); und sol in auch all vergangen pet und vordrung die wir bisher an sy begert haben uber ir recht, freihait und brief, und der sy uns guetlich gewert habent, nu fürbas an allen iren rechten ... unschedlich sein. die altbaier. landständ. freibriefe 51 (1402) v. Lerchenfeld; spricht aber ainer, ich laugen nicht, ich solt im das gelt gelten, ich hab aber in sein gewert und ims vergolten. bairisches landrecht, tit. 23 bei Heumann opusc. 128; so sol im das gericht pietn, das er in ynner viertzehn tagen des geltz wer. ebenda 129. oft passivisch, eines dinges gewert sein, werden: daʒ wir dem erbærn abbte ... unsers rechten aigens an zehen siben schilling guͤlt ouf dem lehen daze Zaizzenperig .. haben verchouffet umb driuzehen pfunt pfennig und sein desselben gutes shon gewert. urkunden von Göttweig 1, 213 (1294) Fuchs; swaʒ man uns umb die vorgenanten muenzze ... hat geheizzen, deʒ sein wir allerding gæntzlichen an allen gebresten gewert und verrihtet. die altbaier. landständ. freibriefe, einleitung (von Rockinger) cxxxi (1307); und ist der kouff beschenhen umb fúnfthalbʒ und zwaintzig pfund guͦter und genemer haller, der ich och gentzlich gewert und bezalt bin. monumenta Zollerana 1, 422 (1397); ez sol ain herr gewert werden von seinen holden vor allen geltêrn. steiermärk. landrecht, art. 91 Bischoff; wenne wir daʒ houptguͦt ... abgeniessen und wir des gewert und bezalt werden. stadtrecht v. Arau 67, 38 Merz (1415); es sol auch der herr oder wen er besunder darzu schaffet ainen schlussel haben zu der ausferigen puchsen, das er wisse, wann er oder sein richter irr zins gewert werden. österreich. weisth. 1, 89, 12 (15. jahrh.). sehr häufig steht auch der persönliche accusativ für sich: git aber er dem zolner sinen zins von dem aigen von dem dritten jare unde von den ersten zwain, so ist er ledik vor dem zolner unde hat in gewært. stadtbuch von Augsburg 14, 12 Meyer; die pfenning sol er ... uns ... antwurten gen Rotenburg ... und uns ... da weren und bezaln ǎn gebresten. monumenta Zollerana 1, 359 (1371); man soll und mag am Crembser gericht einen ieglichen währen, ohne allein geistliche leute und edelleut und juden. weisth. 5, 286 (Wetterau 1416); und wer mit dem andern kauft oder verkauft, der solt in bezalen und weren vor den geschawern. Zinks Augsburger chronik, städtechr. 5, 51, 52; man soll auch dem pfleger ein mahl geben selbdritt, und man soll im setzen zu seiner schüssel ein viertl weins und den knechten ein viertl bier, so hat man in gewehret. weisth. 3, 626 (bisthum Eichstädt); er ... soll den zins legen auf einen stock, so hat er die herschaft und das gut gewehret. 3, 627. meist schlieszt sich dann eine präpositionelle bestimmung an, die die leistung genauer bezeichnet: si schullen auch den zehent gar und gantz fuͤren auf den hof und daʒ gotshaus des ersten davon wern. urkunden von Göttweig 1, 452 (um 1350) Fuchs; wer von ain weingarten perkrecht dient, der sol seinem herrn den vorlas geben und sol in nicht ausz den trestern wern und sol .. den most gen hof antburten also suessen so er schierist mag. er sol auch sein herren wern aus dem weingarten da von er im dient. österreich. weisth. 6, 407, 3 (Steiermark 15. jahrh.). besonders einen mit etwas weren: swo man die selben drye nicht weret mit pfande oder mit pfenningen. Zürcher stadtbücher 1, 56 Zeller-Werdmüller; solte aber ein burger einen gast mit guldinen weren, dem sol er ouch die guldin geben, so er túrost mag. 1, 179 (1351); swer seinen gelter bechlagt umb pfenning die er im geltn sol und mag der gelter bereden, daʒ er niht pfenning noch silber hab, damit er im icht gelten müg, so sol er in wehren nach der vrist die im ertailt wird mit werd ... oder mit pfanten. Münchner polizeiordnungen (1370) § 33; wer aber des goldes nicht hat, der sol den andern wern mit der newen münzz. die altbaier. landständ. freibriefe, einleitung (von Rockinger) ccxli (1406). reflexiv sich weren 'sich bezahlt machen': swer der erst chlager ist, der sol sich wern in vierzehen tagen an geværd, ob er mag. Münchner stadtrecht 27 Auer; ob sich der (kläger) nicht wert in dreyn maneyten nach seiner chlag. 266. im späteren mhd. kommt auch nicht selten weren als 'bezahlen, abliefern' mit sächlichem object vor: czwischen den czweyn frawin dagin, alse man phaht pligt czu werne. Diefenbach-Wülcker 892 aus dem Frankf. archiv (1329); was an wollen in der stad Nordhausen oder darausz gewehret wird, gibt man von eynem idern kluder ein pfennig zu zoll. gesetzsammlungen der stadt Nordhausen 10 Förstemann; zwei pfunt und zehen schilling pfennig guter und genemer Costentzer müntz ewigs jerlichs gelts, je uff sant Martistag in der stat ze Veltkilch ze werend. cod. dipl. Graubünden 3, 227 (1369); die güeter, die des gotzhus eigen sind und des manns erb oder lechen, die sechs pfenning gelten oder me, die sint dem gotzhus fällig .. die väll soll man weren .. inrend sieben nächten. weisth. 5, 78 (Muri 1473); die huobschwîn, die das gotzhus hat, die soll man weren uf sant Cuonrats tag ... man sol ouch die weren und enpfahen bi der tagzit. 5, 84 (Aargau vor 1415); und von des geltkorns wegen, als hie nach stät, daʒ sol im ein jar dinkel und daʒ ander jar habern sin, und sol man daʒ weren an aller heilgen aben vor imbis in des kellers hus. 4, 397 (Aargau 1428); all ihren kosten und schaden ... unzertheylet und ungemindert reichen, wehren, zahlen und antworten sollen und wöllen. notariatbuch und teutsche rhetoric (Frankfurt 1571), 85ᵇ (kaufbrief). oft tritt noch ein persönlicher dativ hinzu: so sullen wir in (plur.) denn die ... guldin weren und beczaln. monumenta Zollerana 1, 412 (1388); doch das sy das guͦt denen in unser statt und in unsern kornhusern weren und antwurten. Zürcher stadtbücher 2, 228 Zeller - Werdmüller; bracht Heinrich Hagnouwer von Lucern 50 ducaten und 7 guldin an werschaft, als die von Eschental heruskomen und uns ze teil worden sind, und hat ouch die unsern seklern gewert. 2, 297 (1418); auch ihnen denselben zinsz hinfüro järlichen auff sanct N. tag, als vorstehet, zu antworten und zu wehren. notariatbuch und teutsche rhetoric (Frankfurt 1571) 82ᵇ. selten findet sich dies weren ohne object: swær aber der drier tage eins wettet, der sol biz an der mitechen naht gewært han. tut er des niht, so sol(n) im der vogt phenden. stadtbuch von Augsburg 70, 3 Meyer; wer ain mül mit getraid dînt, der wert wol mit getraid. steiermärk. landrecht, art. 101 Bischoff; wär auch das ainer den andern clagt umb garntzlon, nach der clag, so sol im franpot fürpietn auf das nächst recht ... dem clagern ze wern in viertzehn tagn. bair. landrecht, tit. 10 bei Heumann opusc. 79. landschaftlich hat sich das wort in dieser bedeutung bis in die neuere zeit erhalten: schweiz. währen 'liefern, bringen', zunächst von zehenden und grundzinsen. Stalder 2, 429; bair. weren, eine schuld oder ein reichnis, bezahlen, abtragen, abliefern (dazu die composita abweren oder abgeweren, vorgeweren). Schmeller² 2, 976. vgl. schles. gewæren, abliefern, abfahren an den käufer oder besitzer. Weinhold 103.
b)
verwendung in der allgemeinen litteratursprache.
α)
zunächst kann wie in der urkundensprache wern auf eine bestimmte leistung oder ablieferung gehen, namentlich in geld. mit acc. der person und gen. der sache:
die boten hîʒ er (Alexander) rîten ...
daʒ sis ir hêren tâten chunt:
alsô lange sô er des zinses neweht wolte enbern,
er solt in sîn dâ haime wern.
Vorauer Alexander 500 Kinzel;
dô nâmen die kamerære ...
ir wâge und ir lôt,
sie werten als er gebôt
den gebûren sehzic marke.
Otto Eraclius 1496 Gräf;
'den schatz weiʒ nu nieman   wan got unde mîn:
der sol dich vâlentinne   immer gar verholn sîn'.
si sprach 'sô habt ir übele   geltes mich gewert'.
Nibel. 2309, 1;
do begunde der meister zehant
ze dem künge urloubes gern,
unt bat sich sînes lônes wern.
Stricker Amis 734 Lambel;
die kunge sprachent: wir gebent úch gern,
wir wöllent úch deʒ geltes wern.
H. v. Bühel Dyocletianus 4162.
ohne sächlichen genetiv:
tuot, als ich geredet hân,
wert den man und lât in gân.
Otto Eraclius 1492 Gräf;
ich wer îuch wie ir selbe gert.
swelch silber ir versprechet dâ,
ich gib iu anderʒ iesâ.
Stricker Amis 2162 Lambel;
doch müssent ir sy begaben,
tusent guldin wil sy hahen,
nit myner wil sy enbern.
der kúng sprach: ich wil sy weren.
H. v. Bühel Dyocletianus 4880.
passivisch:
von golde drîʒic marke
die gap man dâ vil manegem man
der vor nie gewan
eines halben pfundes wert.
sî wurden alle sô gewert
dêʒ wætlich nimmer mêre ergât.
Hartm, v. Aue Erec 2181;
ich hân daʒ wol gezellet,
daʒ ir niht sît vol gewert.
nu nemet ir swie vil ir gert.
sît ich mit mînne gelten sol,
so getriuwe ich iu vergelten wol.
mœre vom sperwœre 199 Lambel.
dann auch mit accusativ der sache:
wie wenn denn wir aber gelt wern,
wolst du dich dann mit uns beschwern
und die Podagra helffn verklagn?
Ayrer 2533 Keller.
absolut:
dem armn ist wê mit der armuot,
dem rîchen wê mit sînem guot,
sol man mir iht, sô ist mir leit
daʒ diu werunge ist niht bereit.
sol aver ich iht, sô ist mir swær
daʒ ich nien hân wâ mit ich wer.
Thomasin v. Zirclaere d. wälsche gast 2685.
β)
häufiger zeigt sich das wort in einer allgemeineren verwendung, die direct an die im ahd. erscheinende anzuknüpfen ist. einen wern ist einem willfahren mit bezug auf eine bitte oder einen wunsch; der begriff des erbetenen, erwünschten, erstrebten tritt allerdings nicht immer gleich stark hervor, so dasz das wort sich zuweilen der abgeschwdchten bedeutung 'beschenken, begaben' nähert. meist mit angeschlossenem genetiv der sache:
er werte si dere bete.
genesis, fundgr. 2, 43, 11;
'frouwe, eʒ ist zît:
gebiut mir, lâ mich varn.
jâ tuon ichʒ dur dîn êre
daʒ ich von hinnen ger' ...
'owê des urloubes,
des ich dich hinnen wer!'
Walther 9, 40;
daʒ mich sper unde swert
volles lobes an ir wert.
Hartm. v. Aue Erec 655;
an swen got hât geleit
triuwe und andern guoten sin,
volle tugent, als an in,
und den eins guoten wîbes wert ..,
den hât er vreuden vil gegebn.
Iwein 2429;
der ob der tavelrunder
den hœhsten prîs solde tragn,
daʒ der von Nantes lit erslagn.
sîns erbeteils er gerte,
dâ man in sterbens werte (ihm den tod gab).
W. v. Eschenbach Parzival 260, 10;
'jâ lâʒe ich dich vil gerne lebn'
sprach Parzivâl, 'ob tu wilt gebn
dirre frouwen dîne hulde' ...
'ich leiste anders swes du gerst,
op du mich des lebens werst!
266, 16;
Keie der ellens rîche
kom gewâpent rîterlîche
ûz, alser strîtes gerte:
ouch wæne in strîtes werte
des künec Gahmuretes kint.
293, 22;
er möht der tavelrunder
doch genieʒen sunder,
wand in geselleschefte wernt
al die drüber pflihte gernt.
684, 9;
dâ werten mich ir minne
zwuo rîche küneginne.
771, 15;
die vanen hieʒ er lâʒen   in dem sturme nider,
frides er dô gerte:   des werte man in sider.
Nibel. 216, 2;
Krist, daʒ reine gotes kint,
wert dich aller dîner gir.
Rudolf v. Ems Barlaam 100, 35.
an stelle des genetivs kann ein abhängiger satz stehen:
la mich dar ane chiesen   ube du mir wellest gehorsamen,
ube du mich wellest wern   daʒ tu ditz ein obeʒ wellest verbern.
genesis, fundgr. 2, 17, 26;
daʒ in sîn güele werte,
swes er mit rehte gerte.
Rudolf v. Ems Barlaam 62, 1.
auch eine präpositionelle oder adverbielle bestimmung:
die sarjande mit solde
man nâch ir willen wertc.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 285, 9;
wer möhte den strît da wenden?   si begunden wern
die stolzen burgære   mit den tiefen wunden.
Kudrun 783, 2;
pfuch, ich schamte mich sere,
solt ich anders von ir gern,
wann sie mich mag mit eren wern.
Altswert 8, 3.
oder es ergibt sich auch nur aus dem zusammenhang, worin willfahrt werden soll:
'bi der (triuwe) man ich iuch daʒ ir
durch mîne liebe samt mir
ûf mîn hûs rîtent
und dâ sô lange bîtent
unz daʒ ir geruowet sît ...'
Êrec sprach: 'ich wil iuch wern.'
Hartm. v. Aue Erec 4570;
ich kiuse bî dem boten wol
wie man die vrouwen weren sol.
ich tuon vil gerne swes sî gert.
Iwein 6068;
gip mir dâ du ûffe rîtes ...
wer mich, ob du bî witzen sîst.
W. v. Eschenbach Parz. 154, 10;
im was ir bete niht ze leit ...
Parzivâl si werte dô.
309, 2;
dô wurden si enein,
daʒ si sich gegen der heiden her
wolden setzen ze wer
als verr si werte daʒ leben.
Ottokar österr. reimchr. 48953 Seemüller.
daneben auch ohne persönlichen accusativ nur mit sächlichem genetiv in der bedeutung 'zugestehen' oder abgeschwächt 'leisten';
hie sint die Wâleise,
daʒ si behabent ir reise
durch den poinder swâ sis gernt:
von der kraft ir landes si des wernt.
W. v. Eschenbach Parz. 67, 4;
si truogen daʒ ze samne dâ,
daʒ diu herzogîn sprach suone jâ,
abe anders niht decheinen wîs,
wan op Gâwân ir âmis
wolte den kampf durch si verbern,
sô wolt ouch si der suone wern:
diu suone wurd von ir getân,
op der künec wolde lân
bîziht ûf ihr sweher Lôt.
728, 4;
und solt ich mâlen einen man ...
ein hant wolt ich im nâch dem arne mâlen;
an der andern wolt ich niht entwâlen,
ich wolt si bilden nâch dem grîfen,
dar zuo die vüeʒe als einem bern:
sus wolt ich ganzes mannes wern.
Reinmar v. Zweter II, 99, 11 Röthe;
âventiure wil er gern
und âventiure wil er wern;
swer âventiure an im gert,
âventiure er den gewert.
H. v. Freiberg Tristan 1454 Bechstein;
swaʒ ir gespil mit ir getreip,
si (Brangœne) leiste unde werte,
swes er hin zir gerte,
mit messing' und mit golde.
G. v. Straszburg Tristan 12603.
dasz statt des gen. ein acc. steht, ist in der dichtersprache der guten zeit ungewöhnlich, wird aber später häufiger:
welher stiure disiu mære gernt
und waʒ si guoter lêre wernt.
W. v. Eschenbach Parz. 2, 8;
sich fuegt eins tags so, daʒ ich
in hohem muet vraͤut mich
gein der wunne wernden tzeit,
so wurtz und chraut sein riechen geit
dem sueʒʒen luft tzu stewre.
Suchenwirt 28, 3 Primisser;
es ist noch ain gottes bott hievor
das spricht: 'du solt niemans guot begeren'.
der tüfel sprach: 'das bott tuot man kum weren,
wan ich bin dawider leren
und tuons alsamen verkeren'.
des teufels netz 2704 Barack.
dazu tritt dann auch ein persönticher dativ, was nur in passivischer wendung belegt ist: waʒ er begert, daʒ ist ime gewert. mystiker 2, 486 (meister Eckhart). ein absoluter gebrauch zeigt sich in dem ausruf were got, der schon bei Notker vereinzelt belegt ist, eigentlich wol 'gott erhöre mich, erfülle meine bitte', dann zur unverstandenen interjection geworden (in fragen, bitten), in den handschriften vielfach entstellt:
er chot 'wer ist da weri got?   du hast mich unsanfte irwechot'.
genesis, fundgr. 2, 39, 22;
wir geben ire scâz unte vihe,   eigines unte liutes vile,
aller erêne gnouch,   nemet daʒ weri got.
2, 50, 6;
dîn opfer bræht dû in ir (der götter) hûs:
wergot (var.: were got; wogote; ergot) wie schiede dû dar ûʒ?
taten si dir iht genâden?
kaiserchronik 3689 Schröder;
wergot, sage mir des ih dih frâge,
weder dir lieber wære ...
4585;
Engelmuot,
wergot, ruof uns Künzen durch diu lander.
Neidhart v. Reuenthal 37, 8.
3)
schon im späteren mhd. wird wern durch das zusammengesetzte gewern zurückgedrängt, so dasz das wort fast nur in der besondern bedeutung 'bezahlen, entrichten' (s. 2, a und unter b, α den beleg aus Ayrer) in die nhd. periode hineinragt. im 15. jahrh. gebraucht es Füeterer noch: er gerte urlaubs, des man in doch chaum werte. Lanzelot 151 Peter; ich pat so lang gnaden, das er mich werte. 195. von wörterbüchern verzeichnet es nur Maaler: was du im verheissest, das wil ich wären, halten, oder dem wil ich statt thuͦn, quancunque ei fidem dederis praestabo. 482ᵃ. zweifelhaft ist, ob die beiden folgenden stellen bei Franck hierher (oder zu währen 'gut machen', oben sp. 785?) gehören: wie der sonnen schein ... alle ding uff erd grün und fruchtbar macht, wert, erleucht, hördt und waich, grün und durr macht. de vanitate 104ᵃ; ain zuͦfall (kann) nicht dann ain gleichen zuͦfal ändern, bessern, wenden, weren, machen. 105ᵇ.
währen verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 782, Z. 14
II. sicher stellen, verbürgen, für etwas einstehen. ein auf das deutsche und friesische beschränktes wort: mhd. wern (ahd. werên ist in entsprechender bedeutung nicht belegt), mnd. weren (häufiger waren) Schiller-Lübben 5, 681, afries. wera (neben wara) Richthofen 1136. das hohe alter des wortes, das in germanischen rechtsgewohnheiten seinen boden hat, bezeugt der von der nebenform wahren (s. d.) aus erfolgte übergang ins vulgärlateinische und romanische. eine etymologische anknüpfung ist schwierig und musz sowol der e-form als der a-form gerecht zu werden versuchen. aus diesem grunde befriedigt Schade's ableitung nicht, der es (altd. wb.² 1127) zu wer 'mann' stellt als 'einem mann sein, mit seiner persönlichkeit einstehn' (mit hinweis auf skr. vīráyāmi sich als held erweisen zu vīrás held, mann). noch weniger kann an die ebenda vorgeschlagene anknüpfung an wählen, wollen (als 'einem zu wunsche sein') gedacht werden. möglich ist zwsammenhang mit wahren, das aus der bedeutung 'behüten, bewahren' wol auch die von 'sicher stellen' entwickeln konnte, ähnlich wie neben lat. cavere 'sich hüten' alicui cavere 'einen sicherstellen' steht. doch bleibt es auffallend, dasz dann die e-form nur bei einer abgeleiteten bedeutung des wortes hervortreten würde, nie bei der ursprünglichen. berücksichtigt man andrerseits, dasz die doppelformen wahren und währen (die erstere nd., die letztere in der hauptsache hd.) auch bei dem worte in der bedeutung von 'dauern' vorliegen, so wird zu fragen sein, ob nicht ein zusammenhang mit unsrem worte besteht. in der that könnte der begriff der sicherstellung, gewährleistung recht wol von dem des standhaltens aus gewonnen werden. ahd. werên verharren, beständig sein müszte in verbindung mit einem persönlichen acc. in transitiven gebrauch übergegangen sein als 'einem verbunden bleiben'. auf dieselbe grundlage müszte dann währen III erfüllen, leisten, befriedigen (das nur hd. ist und die form mit a daher nicht neben sich hat) zurückgeführt werden; auch lat. praestare vereinigt die bedeutungen des verbürgens und gewährens. währen III mit sächlichem object als 'etwas erfüllen' (z. b. ein gebot) ist dann ursprünglich 'in etwas beständig sein, in etwas bleiben, etwas innehalten'; mit persönlichem object als 'einem willfahren, einen befriedigen' müszte es aus der bedeutung 'sich einem nicht entziehen, für einen beständig, zuverlässig sein in einer sache' hervorgegangen sein. es wären dann also währen II und III nur als abzweigungen von währen IV, das weitere verbreitung hat, anzusehen.
1)
in der rechtssprache. ganz überwiegend geht das wort auf die dem käufer durch den verkäufer zu gebenden garantien, über die Riedrer folgende übersicht gibt: von der werschafft die in dryen glydern schwebt. zuͦm ersten den verkouffer anhafft zemachen dem köuffer wer zesin des kouffs also, das nieman einich gerechtigkeit mer dan der köuffer ... an solich guͦt haben soll ... zum andern das der verköuffer den köuffer wöll weren der zal des mesz in dem kouff bestimpt ... zum drytten das der verköuffer wöll dem köuffer werschafft thuͦn der eygenschafft des guͦts dafürs er im zekouffen geben hat. spiegel der rhetorik 104ᵇ. am häufigsten erscheint das wort von der sicherung, die dem käufer gegen die ansprüche andrer auf das gekaufte gut (grundbesitz oder fahrende habe) gegeben werden musz, dann auch von der garantie für die güte und fehlerlosigkeit der ware, während die beziehung auf das richtige abmessen der verkauften ware nur vereinzelt vorkommt.
a)
in der ersten bedeutung schlieszt sich im hd. am häufigsten ein acc. der person und ein gen. der sache an: of der herre ieman liet einis andirn sinis mannis guͦt, of er in des werit mit vingere unde mit zunge, dar umme ne wirt du were nicht vorteilit deme, die er mit deme guͦte belent is; der herre ne muge denne nach lenrechte geziugin die sache, darumme dem manne durch recht gebrechin sule die were des lenis. Görlitzer lehnrecht I, 122 Homeyer; swaʒ ein man vircophit uʒirtalp der stad vur ein recht eigin an ackirin, des sal he un zu rechti weri unvirsprochin jar undi tac. rechtsbuch der stadt Mühlhausen 18 Förstemann; vorkouffet eyn man deme andern erbliche gute, der sal her en werin jar und dag, das sint sechs wochin und eyn jar, ane rechte ansprache. Purgoldts rechtsbuch 2, 17 Ortloff (gleich darnach gewerin); man sol och wissen, daʒ der vorgenannte C. hat gelopt für sich und sin erben, den vorgenanten W. und sin erben dis geltes fúr eigen ze werende, und in und sin erben von allem schaden ze wisende, swa und swenne es durft geschit. zeitschrift für die gesch. des Oberrheins 4, 463 (Basel 1348); so solt dem clager söllicher kauff bestetigt werden mit werschaft, als ein yeder den andern erclagter habe weren sol. Nürnberger reformation (1484), tit. 11, § 9; auch ine den obgemeltten weyher mit aller und iglicher seinen zu- und eingehorungen inn ire handt und gewalt zu bringen und sie des als lehens und lands recht und gewonheit ist zu weren und vor aller rechtlichen ansprach in zeit rechter werschafft on allen iren schaden zu vertreten, zu verantwürten und aufrecht zu machen on alles geverde. monumenta boica 25, 457 (1487); darumb so haben wir sonder jede herrschafft, statt und ampt, für uns, die gemeynden daselbs und aller unser und ihrer nachkommen, als recht wissenschafft mitverkauffer diser järlichen gült, zinses und hauptguͦts zu weren und zurichten. notariatbuch und teutsche rhetoric (Frankfurt 1571) 70ᵃ; den vorgenanten N. alle seine erben und nachkomen disz kauffs und dasz sonderlich die gemelten dreissig gulden gelts mit ihrem hauptguͦt vorhin niemandt hafft, versetzt noch verbunden, sonder ledig eygen und von menigklichem unansprüchig und unbekümmert sein, zuwehren und ihnen darumb guͦt erbar wehrschafft zuthuͦn. 86ᵇ. wie der persönliche accusativ, so kann auch der sächliche genetiv unterdrückt sein: swilich man sinin rechtin werin brengit, geit umi daʒ guit abi, daʒ sal umi die man abi legi (ersetzen), die un zu rechti weri soldi. rechtsbuch der stadt Mühlhausen 13 Förstemann; dat wy willen weren en und uthstan up unse koste alle recht unde ansprake, wor und wenne und vor weme dat vorbenuͦmed holt unde syne stede anghesproken wert. Meklenburg. urkundenbuch 13, 664 (nr. 8122, v. j. 1355). auch anreihung eines sächlichen acc. ist nicht selten: (wir) sulnt diz huses wern sin, alse man ze Strazburg eigen und erbi wern sol. Schmidt els. wb. 418 aus dem Straszb. bezirksarchiv (v. j. 1281); wie langhe ein man vorkouft eigen adir varnde habe weren sal. wer eigen adir fremde habe vorkowft hot, der sal des in gewere sin diewile das her lebit. Schlesisches landrecht 1, cap. 32, bei J. E. Böhme diplomat. beyträge 4, 28; man sal weren und losin volgin dem hawse allis das do gewedit und genailt ist. cap. 44, dist. 1 ebenda 4, 40; erbe sall man wehren jare undt tagk fur den, dye inwendig des landes seyn, aber fur den dye ausse dem lande seyn, 30 jare undt jare undt tagk. Purgoldts rechtsbuch 11, 84 Ortloff. dies führt dann zur verbindung mit einem persönlichen dativ, der wie bei dem entsprechenden gewähren (s. theil 4, 1, 4848), später nicht selten ist: das ich und mein erben dem egenanten meim herren ... süllen die vorgeschriben stat mit sein zugehorungen vertigen, vortreten und weren mit dem rechten. monumenta Zollerana 4, 140 (v. j. 1368). neben diesem dativ kann der accusativ auch unterdrückt sein: tuͦt ein man sein lant besetzen ze zins oder ze phlege ze beschaidenen jarn ... ze welcher zeit er in den jarn stirbet, man solʒ den erben widerlaʒen, wan er in niht lenger wern mohte wan die weile daʒ er lebet. spiegel deutscher leute landr. 335 Ficker. oder es kann dafür (durch vermischung mit der älteren construction) der genetiv stehen: weret aver dat he der gewere vorsakede, so muchte jene vragen: her richter, na deme dat he mi dit gut vorkoft heft, als ic des vullenkomen mach mit minen hulpluden unde mit vele bedderver lude, so bidic des ens ordels, oft hes mi tu rechte icht weren scole. richtsteig landrechts cap. 14, 7 Homeyer; alle dusses vorbenanten gudes ... sollen wir und unsere erben hern bischof Friedrichen ... und der kirchen zw Schwerin weren und entfreien. Meklenburg. urkundenbuch 18, 464 (nr. 10605, v. j. 1374); dem vorgenanten herrn kauffer ... vorgemelter zehen gulden gelts und ihres hauptguts ... zu wehren und ihnen dero guͦt sicher redlich und nützlich werschafft für allen abgang und gebresten zuthuͦn. notariatbuch und teutsche rhetoric (Frankfurt 1571) 84ᵃ (kaufbrief). beim part. präs. ist die verbindung werendes pfand 'zur sicherstellung gegebenes pfand' anzuführen, von Lexer mhd. handwb. 3, 788 wol mit recht hierhergestellt, während es Oberlin als 'pignus perdurans, non solvendum' erklärt: umb die vorgescriben drissig und hundert pfund haller, so haben wir im und sinen erben zuͦ ainem rehten redlichen pfand, und in aines werenden pfandeʒ wise ... ze pfand ingeben und gesetzet unsern tail und unsrú reht den zenhenden ze Ringingen. monumenta Zollerana 1, 400 (v. j. 1386); so haben wir dem obgen. J. Er. zu einem rechten werenden pfand nicht abzeniessen gesezt und geslagen, und gesezzen im daruf, mit kraft desz briefs 300 gulden guoter und geber an gold und gewicht. urkunde des grafen Johann v. Habsburg v. j. 1390 bei Scherz-Oberlin 1992. substantiviert werend 'wer sicherheit zu leisten hat' (häufiger im nd. warend, s.wahren): und wille desses sulven hoves hern Henrike rechte werent wesen to allen tiden. urkunden der stadt Hannover nr. 361 (von 1357) bei Schiller-Lübben 5, 681; und also sigen wir ... unser lieben elichen frowen und iren erben aller vorbenempten guͦter mit allen rehten und zuͦgehoͤrden reht werent fur aller mengelicher irrung und ansprach. monumenta Zollerana 1, 361 (v. j. 1372); so hat sich der obgen. verkoufer im namen siner herren ... gesazt werende und haubtschuldener zu sin des verkouffs, und besunder, das sollich obgemelter acker reben vormals nit sige iemans anders haft. Molsheimer urkunde bei Scherz-Oberlin 1989.
b)
von der garantie für die güte und fehlerlosigkeit einer sache wird währen am häufigsten beim vieh- und pferdehandel gebraucht (vgl.währschaft). es verbindet sich auch hier ursprünglich mit einem acc. der person und genetiv der sache: wann ouch ein frömde man vihe alhar zuͦ mercket bringet und es der metziger koufet oder ein burger, so sol er es den metziger oder burger drie tage weren, und ist daʒ in den drie tagen utzig argwenig wurt oder ein rint, zweye oder drie stürbe, oder ander vihe, daʒ got dem koufman ab. Straszburger zunftordnungen 348 Brucker; swer hie von dem andern, er sy burger oder gast, ain ros oder mer kauffet, der sol in deʒ weren dry gantz tag von der zeit und ers gekaufft hat, daʒ es niht rützig noch hertzschlehtig sy. stadtbuch von Augsburg 204, 19 Meyer; wer ein pferd verkaufft, der ist nit mer zuͦ geweren dann spetigk und starnblinde ... der sachen muͦsz er dich weren. weichbildrecht (Augsburg 1482), art. 95; vorkaufft eyn man ein pfert, do er gewerschafft an gelobet hat, do sall er yn an weren, das is nicht stetig sey nach starblint, und gerechtes aneganges. sächs. weichbildrecht, art. 62, v. Thüngen. dann auch mit persönlichem dativ: vorkaufft eyn man ein pfert dem andern, der soll yenem wern das is nicht stetig sey, nach starblint nach unrechtes anvanges. 153. absolut gebraucht: vor houbtsich wert man firczen nacht, vor starblint firczen wochen, vor anefang alle czith. rechtsbuch nach distinctionen 4, 42, 152 Ortloff. weiter findet sich das wort beim verkauf von waren, deren qualität oder herkunft einer besonderen beglaubigung bedarf: so yemant dem andern verkauft pfenwert oder ware, die einer schawe, bestymung oder ander bewerung bedürfen ... als saffran negelein und anders wie das namen hat, so sol der verkauffer söllche pfenwert oder ware ... dem kauffer vertigen und weren für kaufmansgut. Nürnberger reformation (1484), tit. 28, § 2;
sagt mir, ist es Venedig reis? ...
die peurin antwürt:
Venedig reis wil ich sein wern,
wann es ist lauter und weis am kern,
so ist es gesunt und speist wol.
fastnachtsp. 368, 18.
c)
auf die garantie für das richtige masz (zahl, gewicht) ist es zu beziehen, wenn weren von dem anerkannten münzfusz gebraucht wird: vif schilling grote efte ghuͦde sulverpennynghe .., also vele alse men uppe dem lande to Lalande vor de lodeghe mark rekent unde weret. Meklenburg. urkundenbuch 19, 23 (nr. 10847, v. j. 1376).
d)
verwendungen auszerhalb der sphäre des kaufs und verkaufs.
α)
das part. gewert von dem, was gesetzlich sichergestellt ist: wâ ich iu erwette den rehten munt, den gewerten munt, den gewaltigen munt nâh Swâbe ê, nâh Swâbe rehte, sô von rehte ain vrî Swâb ainer vrîen Swâbin sol. Müllenhoff-Scherer denkmäler 99, 4 (schwäb. trauformel).
β)
weren auf etwas, auf etwas borgen, kredit geben (fidejubere in der folgenden stelle beweist, dasz das wort hierher gehört, während man sonst an währen III denken könnte): nullus caupo fidejubebit, quod vulgo dicitur weren, super ebrios concives suos an super vestes filiorum aut servorum civium, quas cingulis suis concludunt. mon. Germ., legum sectio IV, 2, 604, 1 (edict des herzogs Heinrich v. Baiern v. j. 1256); verspilt ein ehalte sin gewant des er umbe sin herschaft niht verdient hat ... daʒ sol man dem herren wider geben. wærot aber iemen anders druf danne der wirt, in swelhe hant eʒ danne kumt ... da sol manʒ dem herren wider geben. stadtbuch von Augsburg 130 Meyer; hat auch ain burger ainen sone, der spilt oder sonst mit zerung ungefur ist, auf den soll kain ander wirt in der selben stat nicht mer wern wan als teur als er ob der gurtel hat. altbayerische stadtrechte 1, 58 Häutle (Neuburg 1332).
2)
in der mhd. literatursprache kommt wern als 'verbürgen, für etwas einstehen, versichern' vor. mit acc. der person und gen. der sache:
gesehent iuch sîn ougen,   er gît iu alsô vil
daʒ irʒ verswendet nimmer;   des ich iuch, vrouwe, weren wil.
Nibel. 1215, 4;
Cuͤnrad sprach: îch han eʒ geseyt
und îst ouch gantz die warheyt.
mit mynem libe wil ich dichs wern.
H. v. Bühel Dyocletianus 8114.
auch nur mit persönlichem oder sächlichem acc.:
dô hieʒ ouch er bereiten sich
(sus wert diu âventiure mich)
mit speren wol gemâlen.
W. v. Eschenbach Parz. 59, 4;
bî mînen triwen ich iuch wer
daʒ diu vil werde vrowe mîn
iuch sô niht lân hie wil mêr sîn.
U. v. Lichtenstein 341, 24;
wolt ir der hende machen blôʒ,
die dâ geruofet hânt,
sô belibe niht diu dritte hant
under allem disem her
fürbaʒ, ich eʒ wer,
ob ich eʒ tuon sol.
Ottokar österr. reimchr. 11487 Seemüller.
daneben mit persönlichem dativ:
swer guot nemen wolde
in den selben kreiʒen,
dem sold er daʒ geheiʒen,
und swer sîn niht wold enpern,
dem sold er bereit wern
mit burgen und mit phande.
61792,
der substantivierte inf. als 'versicherung, wahrer bericht':
man sagt uns, daʒ ze Naribôn
ein grâve was, der hôhen lôn
in minn dienst mit lob erwarp.
sîn tât an wirde nie verdarp,
torst ieman tât an in gern.
er hieʒ Heimerich nâch des mæres wern.
U. v. d. Türlin Willehalm 7, 6 Singer.
3)
im nhd. treten nur noch geringe spuren des wortes hervor.
a)
in den wörterbüchern wird noch am ersten die bedeutung 'garantieren, sicher stellen' angegeben, die aus der urkundensprache bekannt war: weren, warandare. voc. theut. (Nürnb. 1482) mm 8ᵃ; wären, garantir, authoritatem praestare. Schottel 1440 ('solemus scribere währen ad differentiam'); währen etwas, damni infecti (?) promittere, gut darfür seyn. Dentzler 2, 314; wahren, wären, währen, oder gewähren, cavere, garantir, heiszt einem die gewähr leisten, oder eines anđern besorglichen schaden und gefahr über sich nehmen. Zedler 52, 869; währen, die gewähr leisten. Campe. auch bei Müller verteutschwb. der kriegssprache (1814) 129 wird währen für garantieren vorgeschlagen. das brem. wb. 5, 190 und Dähnert 546 erwähnen das wort aus der älteren sprache.
b)
in der Schweiz ist währen (vgl. oben 2, b) 'für die güte einer sache gewähr leisten, bürgen'. Stalder 2, 430. Tobler 445. der ausdruck ist namentlich im viehhandel üblich (man sagt etwas oder für etwas währen). aus dieser früher weiter verbreiteten bedeutung hat sich die von 'gut machen, in der richtigen weise herstellen' entwickelt, vgl.währschaft von einem tüchtigen stück arbeit u. dgl.: wären, gewähren, abbonare, faire bon. Rädlein 1029ᵇ; dazu wol auch das part. gewährt an folgenden stellen: er sol auch einen hauszbaw fleiszig vertinchen, und auszstreichen können, dasz der jahr und tag gewähret sey. Würtemb. revid. bawordnung (1654) 117; darmit eine gute würige maur, deck oder dinckwerck gemacht, gewährt und verfertiget werde. 123; die ... Allgäuwer ..., deren gut gewehrte (dachdecker -)arbeit, so sie also baar hin und wider ... gemacht, gefertigt und gewehrt, man wol kennt. 146; vgl. auch die theil 4, 1, 4899 (gewährt 2, c) für das adjectivische gewährt 'verbürgt, bewährt, erprobt' beigebrachten belege. noch jetzt schweiz. gwäret, gwärt in dieser bedeutung. Tobler a. a. o.
c)
im Aargau bedeutet wäre auch 'den preis einer sache schätzen' (eigentlich für einen gewissen wert garantieren). Hunziker 287. auch dies war früher verbreiteter: währen, oder wären, heiszt auch zuweilen so viel als schätzen oder den wert einer sache bestimmen, aestimare. Zedler 52, 431. daran schlieszt sich:
wen nuhn goldt durchs gewicht wol
geweret, wirdt das leicht funden;
bey swerenn golde man bleiben sol.
geschichll. volksdichtung Braunschweigs (1621), zeitschrift des Harzvereins 35, 142.
d)
in Thüringen ist währen (vgl. oben 1, c von der garantie für das richtige masz und gewähren theil 4, 1, 4849 unten) 'richtig ausmessen'. Hertel 252: es wird keine sechs scheffel währen, ich habe drei metzen gewährt; dazu auswähren 'zu viel übrig behalten', einwähren 'beim messen als fehlend finden'.
währen verb.
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 781, Z. 19
I. bekleiden, in einen besitz setzen.
1)
in der ursprünglichen bedeutung kommt das wort im ahd. zuweilen vor: vestire, werihan. Steinmeyer-Sievers gl. 1, 268, 38 (in den gl. K.); besonders bei Otfrid:
sâlig thiu nan wâtta   int inan fandôta,
joh thiu in bette ligit inne   mit sulichemo kinde;
sâlig thiu nan werita,   than imo frost derita.
1, 11, 45;
oba thiz ist thes sun,   ther liuti fuarta herasun
thuruh thaz einôti   in manageru nôti,
mit wâti si thâr werita,   fona himile sie ouh nerita.
2, 4, 31;
mit wâti er thih io werie   joh emmizigên nerie.
2, 22, 26.
entsprechend asächs. (in der genesis) werian, ags. werian Bosworth - Toller 1208 bekleiden, an sich tragen, mengl. werien Stratmann-Bradley 679, engl. wear tragen, anord. verja Fritzner 3, 915 bekleiden, bedecken, zu etwas verwenden, got. wasjan bekleiden, sich bekleiden. auszerhalb des germ. gehört hierher lat. vestis kleid, vestire bekleiden, gr. ἕννυμι (aus Ϝεσνυμι) kleiden, εἷμα gewand, ἔσθος, ἑανός kleid, alban. veš ankleiden, avest. vas vaste sich kleiden, skr. vas váste sich kleiden, vastra, vasana, vasman kleid, vāsáyati bekleiden.
2)
während die ableitung wester 'taufkleid' (vgl. got. wasti kleid) auch später noch auf diese bedeutung hinweist, tritt sie bei dem verbum nicht mehr hervor. das wort wird vielmehr, dem lat. vestire, investire entsprechend, auf den förmlichen akt der übergabe des besitzes bezogen, vgl. Grimm rechtsalt.⁴ 2, 86 f. belege sind spärlich und lassen es öfter zweifelhaft, ob an unser wort zu denken ist. so wird kaum mit dem herausgeber hierher zu stellen sein (werin ist vielmehr auch an der letzten stelle 'durch leistung befriedigen'): daʒ ich han gigebin ze koufende einlif vierteil korn geltis uffin mime lidigen eigin ... den bruͦderen des Tútschen huses ze Gewilr unb einlif marc silbirs und bin och des gewert von inen ... und sol den selbin cins die einlif vierteil kornes ... gebin alle jar zwischent den zwein messen unserre frouwen und sol sie werin ze Gewilr in irme huse von disem guͦte, daʒ hie nach geschribin stat: in den Bizzin ein juch .., an der Huͦtmatten ... vier ruͦtin matten ... urkundenbuch der stadt Basel 3, 218, 39 (1298) Wackernagel. mehrfach begegnet in etwas währen: unde seczin unde werin sie dar yn unde redin sie deʒ alles alse vor beschribin sted zuͦ werin jar und tag. Diefenbach Wülcker 897 aus dem Weimarer archiv (1365); si hetten om unde sime bruder di lant bi irem hebinden libe ufgelaʒen vor dem riche unde si doryn gewerit. Rothe düring. chronik 507 Liliencron. am häufigsten erscheint das wort im nd.: unde het ome ghelovet, hie wille ome schicken len unde scrift unde wolde on weren, alset eyn recht is. Hallisches schöppenbuch 10ᵃ bei Schiller - Lübben 5, 681; wey vorsetenen erfliken tyns hevet in eme erfliken gude, dey ... zal dan gan vor dat riche unde eschen van deme richtere unde laten sich weren unde weldighen in dat erflike gut umme zine vorzetenen thins. Dortmunder statuten 70 Frensdorff. verstärkt in weren (gegensatz ut weren): ok schole wy de borgere van Bremen wedder in wehren in all ere ghud, dat sy erveghud, lehngud edder weddeschat, dar wy se uthe weret hebbet. Oldenburg. urkunde v. 1366 bei Schiller-Lübben 5, 185; in dat huis mit rechte ingesat, ingeweldiget ind ingewert. Iserlohner urkunde v. 1508 ebenda 2, 386. hier begegnet auch der ausdruck werende hand (vgl.manus investitura bei Grimm a. a. o. 87): so magh der vorbenomede Henneke Rygheman edder zyne erven ... moghen vorkopen den vorbenomeden hoͮf ..., wanne unde weme ze wyllen, unde brynghen dat guͦd in werende hand zunder ienegherleyge weddersprake. Meklenb. urkundenbuch 21, 18 (nr. 11764, v. j. 1386); weret zake, dat Hans Vent .. desse vorbenomede pacht nycht utgheve, .. so mach Jacob Ventzeke edder syn wyff dessen vorbenomeden acker zulven buwen, edder vorhuͦren, edder an werende hant brynghen, dar ze ere pacht mede nemen moghen. das älteste stadtbuch der stadt Graz auf Rügen 25 (1418) v. Rosen. im nhd. ist das wort nicht mehr gebräuchlich (länger erhalten hat sich anwähren, s. theil 1, 516), doch hat sich eine gewisse bekanntschaft damit durch die urkundensprache erhalten: wären, stabilire, mettre en possession. Rädlein 1029; einen eines gutes währen, ihn in besitz eines gutes setzen. Campe. auch im brem. wb. 5, 190. 237 und bei Dähnert 546 wird weren 'in den besitz setzen' aufgeführt.
wahren verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1906), Bd. XIII (1922), Sp. 780, Z. 13
mit einer wahre, vollantheil an der mark (s. oben sp. 754) versehen. das part. gewahrt wird von Möser gebraucht: man hält es für gefährlich, dasz ein haufe solcher unverbürgter menschen sich auf einen fleck versammeln, mauern und graben um sich aufwerfen, und also vereint den gewahrten genossen den kopf sollte bieten können. verm. schriften 1, 308; nicht einmal ein gewahrter römischer bürger stand unter der ruthe. 1, 311; nachdem einmal die geldaktie nicht so anschauend sicher ist als die landaktie, und nachdem konsumtions-vermögen und menschensteuern die gewahrten und ungewahrten zu sehr vermischet haben. 1, 312. vgl.gewährt 3, theil 4, 1, 4900, wo gewart (neben geweret) auch aus älteren quellen belegt wird, und Grimm rechtsalt.⁴ 2, 21 f.
Zitationshilfe
„wahren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wahren>, abgerufen am 23.09.2019.

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