Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wal, wall, n.

wal, wall, n.
achtzig stück, ein nd. wort.
1)
wahl wird von Adelung aus Danzig, von Rothschild taschenb. f. kaufleute⁴⁴ 2, 408ᶜ aus Hamburg, Kiel u. s. w. angegeben. wall verzeichnet Jablonski (1748) 1325ᵃ. Jacobsson 8, 134 und auch Adelung unter wall, m. mit der bemerkung, dasz das wort im plur. unverändert bleibt. Dähnert 536 bemerkt für Pommern wal und wall. die quantität scheint also zu schwanken.
2)
das wort bezeichnet gewöhnlich die zahl von 80 stück, obgleich auch andere bestimmungen vorkommen: 1 schock ys 60, 1 wall ys 80. Hamburger rekensb. v. 1630 bei Schiller-Lübben 5, 577. es dient als zählmasz für fische: 8 pund lardi, 8 pund butiri, 6 wal alecis, pro piscibus 6 or. Meklenburg. urkundenbuch 15, 358 (1366); 1 wol alacis pro 8 sol. 15, 578; rochen, ein wall. Rockocker accisrolle von 1748 bei Schiller - Lübben a. a. o.; een wall heerinck. Dähnert 536.
3)
das wort hat weder mit wahl, noch wie Adelung will, mit wall in der bedeutung von 'haufe' etwas zu thun, sondern beruht auf dem schwedischen gleichbedeutenden val (norw. voll Aasen 942, dän. ol). dies entspricht dem anord. völr, got. walus, afries. walu (in walubera stabträger) stock und bezeichnet eigentlich so viel fische, als an einem stab aufgereiht werden können.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1907), Bd. XIII (1922), Sp. 1069, Z. 48.

wall, m.

wall, m.
erdaufschüttung, besonders zum zwecke der befestigung; erderhöhung gegen das meer, küste. entlehnt aus lat. vallum, n., der mit pallisaden versehene damm, der um das lager aufgeschüttet wird; an urverwandtschaft mit diesem wort zu denken, liegt kein genügender grund vor. der wechsel des geschlechts hat seine analogie an wein, lat. vinum und vielen andern wörtern, doch kommt früher auch das neutr. vor, namentlich in der bedeutung 'burgwall' (unten 1), auch Stieler 2412 kennt noch das wahl (in den verbindungen nur der wall), plur. wahle und wähler, noch jetzt thüringisch Hertel 252. im 16. 17. jahrh. erscheint häufig mit gedehntem vokal wāl (ebenso auch sonst im älteren nhd. vor vereinfachtem consonanten im auslaut, z. b. fahl für fall). wahl steht Agricola sprichw. 2, 150ᵇ. Micyllus Tacitus 906ᵇ. Fronsperger 3, 274ᵃ. Zimmerische chron. 4, 280, 31. Ringwald laut. warh. 52. Spangenberg Ajax 4381. Philander 2, 841. Rompler v. Löwenhalt 72. Weckherlin 1, 193. 2, 47 Fischer. Opel u. Cohn 32, 8. Gryphius 1, 378. Simpl. 3, 117, 33; walh Rivius von befestigung der stedt 11ᵇ u. ö.; waal Zimmerische chron. 2, 81, 3. Ernstinger raisbuch 86; waͦle Melissus ps. 35. dagegen hat Luther wall, wal (nur in den tischreden 147ᵇ steht wahl). die wörterbücher haben alle wall, nur Stieler gibt wahl, bezeichnet aber wall als häufiger. die aussprache wāl besteht noch mundartlich, z. b. im Elsasz. Martin-Lienhart 2, 811. der plur. wird mit umlaut gebildet (wälle, daneben früher wäle, wähle), zuweilen auch ohne umlaut (wahl Micyllus Tacitus 906ᵇ, walle Dägens kriegsbaukunst 60 u. ö.). Luther hat in der bibel einmal wallen (Jer. 29, 3), was auf schwache flexion deutet, die auch im sing. vereinzelt bei ihm vorkommt (1, 500ᵃ), vgl.waͦle bei Melissus. bedeutung und gebrauch. lat. vallum ist der mit pallisaden versehene wall um das lager oder auch die pallisadenverschanzung selbst. davon weicht das asächs. wal 'wand, mauer' ab, das mit fries. wal Richthofen 1122 und ags. weall Bosworth-Toller 1074 übereinstimmt:
thô gesah waldand Krist
the gôdo te Hierusalêm,   gumono betsta,
blîkan thena burges wal   endi bû Judeono.
Heliand 3685.
dasz es speciell 'steinmauer' ist, ergibt sich daraus, dasz es sowohl im asächs. als im ags. auch übertragen für 'felswand, fels' steht:
sie bigunnun sprekan undar im,
hwô sie ina sô craftagne   fan ênumu cliƀe wurpin,
oƀar ênna berges wal.
Heliand 2675.
wegen dieser abweichenden bedeutung das asächs. ags. wort von vallum ganz zu trennen oder nur urverwandtschaft mit diesem anzunehmen, ist nicht genügend gerechtfertigt. wahrscheinlich diente schon im vulgärlat. vallum auch zur bezeichnung einer aus stein und mörtel hergestellten befestigungsmauer, so dasz die Sachsen sich dann das wort in der bedeutung 'mauer' aneignen konnten. im hochd. scheint diese verwendung nicht bekannt gewesen zu sein, wie überhaupt wall in den ältesten quellen fehlt. Notker im Boetius 1, 29 (1, 46, 20 ff. Piper) bedient sich bei der beschreibung der römischen lagerbefestigung des ausdrucks grabohûfo für 'wall'. dagegen erscheint in einem glossar des 11. jahrh. bei den sich auf eine burg beziehenden ausdrücken auch hiatus, erdewal. Steinmeyer - Sievers gl. 3, 381, 8. wall bezeichnet also zunächst die zur befestigung dienende erdaufschüttung, ohne dasz wie bei vallum ein darauf angebrachter zaun mitverstanden zu werden pflegt. später werden auch andre dämme und erdaufwürfe und selbst natürliche erhebungen wall genannt; so entwickelt sich auch das nd. wall 'küste'. doch steht wall als theil einer befestigung immer im vordergrund. auch der bildliche gebrauch knüpft fast ausschlieszlich daran an.
1)
erdwälle zum zwecke der befestigung und zum schutze von burgen finden sich im früheren mittelalter, s. Piper burgenkunde 98 ff. später ging man aber allgemein dazu über, die burgen mit mauern zu umgeben, doch erhielten sich daneben die wallburgen, namentlich in bestimmten gegenden; so in Preuszen, wo die Deutschen vielfach die befestigungen der urbewohner benutzten. dafür findet sich dann der ausdruck daʒ wal, worunter auch das innerhalb der wälle liegende burggebiet mitverstanden wird. (an 'ringmauer' darf nicht mit Lexer 3, 649 gedacht werden; die daselbst angeführte stelle aus dem Wolfdietrich gehört zu wal 6 oben sp. 1067.)
dô er vor Terweten quam
mit dem here, er vernam (unternahm es)
und trat selbe an daʒ wal.
daʒ her im volgete âne zal.
Terweten man dô gewan.
livländ. reimchronik 8019 Meyer;
Baboten was ein burc genant ...
bî dem wale was der strît.
9095;
die burc sie mûsten lâʒen stên ...
von deme wal sie kârten dô.
11601;
daʒ sî zu den zîtin
nicht lengir widirstrîtin
mochten den vîandin;
sunder si vorbrandin
dî vestin und zugin dan.
sint ist wûste ouch bestân
daʒ wal unz an dise zît,
daʒ iʒ nîmant bûwin pflît.
N. v. Jeroschin 14331 Strehlke;
zu jungist doch daʒ ganze her
alumme gînc mit vûere an
und alsô dî burc gewan,
vorbrinnende sî in den grunt.
und al daʒ burcgesinde
sî mit nôtin swinde
slûgin tôt durch irin nît.
alsus daʒ wal noch wûste lît.
14662;
daʒ nider haus auf dem wal ze Obernhochstet und die garten halb, die umb daʒ wal ze Obernhochstet sint gelegen. Weech 60 urkunden kais. Ludwig d. Bayern nr. 45, s. 59; domini Hartmannus et Albertus burcgravii de Kirchperg habent a domino daʒ wal in Kirperg. lehnbuch Friedrich des strengen 1349/50 8 Lippert u. Beschorner.
2)
häufiger wird das wort erst, nachdem es seit dem 15. jahrh. üblich geworden war, die städte und befestigungen vor der ringmauer mit erdwällen zu umgeben, um so der belagerung mit geschützen besser widerstand leisten zu können. vor dem wall wurde ein graben gezogen und dem erdaufwurf vielfach durch mauerung ein besserer halt gegeben. die aufführung des walls erfolgte mit groszer sorgfalt und lag in der hand besonderer wallmeister. theile des walls sind: die brustwehr, der wallgang, der auftritt, die abdachung (böschung) u. s. w. oft lag auszerhalb des hauptwalls oder hohen walls noch der niedrigere unterwall; Stieler 2413 führt noch den auszenwall, blendwall, katzenwall, pfalwall, streichwall, vorwall, zwerchwall an.
a)
es sollen auch die vesten mit guten beschütten wällen, so ausz erden gebauwt, wol versehen seyn, allwegen ein wall höher dann der ander und zwischen einem jeglichen wall ein guter tieffer wassergraben. Fronsperger kriegsb. 1, 166ᵃ (1573); ausserhalb des weyten grabens werd gemacht ein plate ebne, hundert und fünfftzig schuch preyt .., ausserhalb diser ebnen werff man einen tieffen und fast weyten ungemauerten graben auff, und schütte das erdtrich gegen dem schlosz, doch das man disen wal nicht zu fast hoch mach. ... darauff werd ein liecht zaun gesteckt, oder man mach ein meurlein quaders dick darauff, als ein prustwör. Dürer underricht zu befestigung der stett (1527) D 2ᵃ; die gemeine art (der lagerverschanzung) geschihet mit gantzen lagerwercken, da ein gantzer wall rond umbs lager gelegt wirdt, 6 schuh hoch, und 6 dick, oben 4 dick, mit einem graben: oder so der wall stercker, mit einer guten brustwehr, darauff gute stück zugebrauchen. Wallhausen corpus militare 103. in den wörterbüchern erscheint wall meist in dieser bedeutung: wall, vallum, rempart. Schottel 1440; wahl, munitio, munimentum, agger, septum, moles et propugnaculum. Stieler 2412; wall, brustwehr, rempart. Rädlein 1027ᵇ; der wall von aufgeworffener erde mit starcken basteyen oder bollwercken, a rampire, a fortress-wall with strong bullwarks. Ludwig 2374; ein gemauerter wall, a wall; a stone-wall. ebenda; moenia, vallum, agger, munimentum. Kirsch 2, 379ᵇ. Adelung.
b)
verbindungen mit verben.
α)
einen wall machen, vallum struere. Steinbach 2, 920; einen wall schlagen, circonvallare. Krämer 1206ᵇ; faire un rempart. Rädlein 1027ᵇ; einen wall auffüren, locum munimentis instruere. Stieler 2413; to raise a wall. Ludwig 2374; einen wall aufwerfen, to cast up a rampart. ebenda; vallum jacere. Steinbach 2, 920; einen wall aufmauren, to mure up a wall. Ludwig 2374; einen wall untergraben, ima propugnaculi suffodere. Stieler 2412; miner le rempart. Rädlein 1027ᵇ; den wall übern haufen werfen, quatere munitiones. Stieler 2413; die wälle einer stadt schleifen oder rasiren, to dismantle a city. Ludwig 2374; sich auf den wall stellen, vallum ascendere. Steinbach 2, 920; das geschütz auf die wälle führen, to beset the rampires with ordnance. Ludwig 2374; mit einem wall befestigen, umringen, circonvallare. Krämer 1208ᵇ; mit einem walle umgeben, vallare. Steinbach 2, 920; eine mit wall und mauren umgebene stadt, a walled town. Ludwig 2374.
β)
er sol nicht in diese stad komen, und keinen pfeil drein schiessen und kein schild da für komen, und sol keinen wal drumb schütten. 2 kön. 19, 32; das er böcke füren solle wider die thore, und da wall schütte und bolwerck bawe. Hesek. 21, 22; ich wil dich belagern rings umbher, und wil dich engsten mit bolwerg, und wil wallen umb dich auffüren lassen. Jes. 29, 3; die wahl und gräben, so man für dem läger pflegt auffzuͦwerfen. Micyllus Tacitus (1535) 206ᵇ; die schütten oder walh, so in mitte nach der lenge der mauren angelegt werden, von den Welschen cavallere, und piataforme genant. Rivius von befestigung der stedt (1547) 28ᵇ; schnell wurden die gräben gezogen, der wall geschlagen, palisaden und blockhäuser errichtet. Freytag 18, 206 (bilder 2, 1, 6);
ja, als die gantz armada brand,
und Hector auch mit starcker hand
die schiff angreiff, zerrisz den wahl.
Spangenberg Ajax 4381 Dähnhardt;
die den wahl zuschossen mit groszem geschütz und die marmolsteine mit groszen karthaunen. Opel u. Cohn 30jähr. krieg 32, 8;
erstiegen ist der wall, wir sind im lager!
Schiller 13, 236 (jungfr. v. Orl. 2, 4);
die reizendsten neigungen der natur dämpfen; o das ist mehr, als wälle ersteigen und heere erlegen! Gellert moral. vorlesungen (1770) 1, 173;
und du hast gleichsam mir den weeg durch deine sterck
über den höchsten wahl zu springen, leicht geschlichtet.
Weckherlin 2, 47 (ps. 18, 50) Fischer;
um Ebersteins veste da wimmelt's von streitern ...
er wirft sie vom wall in die gräben hinein.
Uhland ged.² 333.
c)
wall erscheint gern in verbindung mit bedeutungsverwandten worten: wall und graben, wall und mauer, wall und schanze, wall und thurm u. dgl.:
ja wie ein jeder schlosz und stadt,
so keinen wahl noch mawren hat.
Ringwald laut. warheit (1598) 52;
mit solchem grosen knall,
als wär' ein grobes stuck an maur und wahl geschossen.
Rompler v. Löwenhalt reimgetichte 72;
dasz Deutz in schantzen und wählen lag
und wollt pravirn alleine.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 314 (1633);
dasz ich ...
dort schantzen hingesetzt, hier mauren auffgebaut,
hier thamm und wahl gesänckt.
A. Gryphius 1, 378;
Raab die gewaltige und berüembte haubtvestung in Ungern zwischen der Tonau und Rabnitz gelegen auf ainer eben mit 7 starckhen pasteyen, gueten wälen und gmeur umbgeben. Ernstinger raisbuch 62; ist das schlosz mit 5 pastey oder bollwerckhen, gueten waalen und gräben umbgeben. 86; festung nennet man die stätte und schlösser ... welche mit thürmen, mauren, wällen, brust- und streychweren ... erbauwet werden. Kirchhof discipl. milit. 10; so hebt man an mit aller macht die wehren und wähl nider zu reissen und zu untergraben. Schwendi kriegsdiscurs 61; die wähl und herrliche bollwerck. Heberer Aegyptiaca servitus (1610) 35; thürn und wähle fallen ein. Philander 2, 841; dasz weder die grosse und gewaltige städte, noch ihre wähl, thürn, mauren und gräben mich und das meinige ... beschützen könte. Simpl. 3, 117, 33 Kurz (courage 23. cap.);
sich lassen die reuter, wohin sie begehren,
vor wällen und mauern nicht grauen.
Rückert ges. ged. 3, 447 (1837);
sie wollten halten gut turnei,
des königs kind zu ehren.
und als sie sahen thurm und wall,
ein glöcklein hörten sie drüben.
Uhland ged.² 269.
d)
der wall ist der stärkste schutz einer stadt gegen feindliche eroberung und um die wälle findet der kampf statt:
ist ferner Hamburg nicht mit wällen so verwahret,
dasz auch ein starcker feind, geht ihm der krieg schon fohrt,
nicht leicht bestürmen wird solch einen festen ohrt?
Rist Parnass 65;
die rege Zürich waffnet ihre zünfte
zum kriegerischen heer — es bricht die macht
der könige sich an ihren ewgen wällen.
Schiller 14, 384 (Tell 4, 2);
zu Wittemberg auf dem hohen wall
hört man die büchsen krachen.
Liliencron hist. volksl. 4, 394, 1;
ihr fürstenräth' und hofmarschälle,
mit trübem stern auf kalter brust,
die ihr vom kampf um Leipzigs wälle
wohl gar bis heute nichts gewuszt.
Uhland ged.² 110;
der grosse Regulus bestätigt mein vertrauen,
den römschen adler bald aufs feindes wall zu schauen.
König ged. (1745) 370.
e)
es war die pflicht des bürgers, auf dem walle dienste zu leisten: die alte verfassung, da der bürger noch zu walle zog. Möser patr. phant. 1, 62; so werden endlich der debitoren harnisch, büchsen, oder andere krieges-wehren, damit sie zu walle erscheinen und stehen sollen, ... gepfändet. der stadt Hamburg gerichts-ordnung und statuta 1, 41, 10;
so schrie und stürmete die schild-wacht vor dem gatter
und rief durch einen schusz die rege stadt zu wall.
v. Besser schriften (1752) 53.
auch verbrecher müssen hier arbeiten: dasz er 2 jahre im karn gehen und auff dem wall zu N. arbeiten müsse. Schupp schriften 467.
f)
durch den wall werden die grenzen einer stadt bezeichnet: wir wohnen nicht innerhalb, sondern ausserhalb des walls. Ludwig 2374; hinter dem walle wohnen, aan de veste woonen. Kramer (1719) 258ᵇ; hofmarschall. auf dem zimmer, baron? Ferdinand. als ob sich mit dir ein gang vor den wall verlohnte? Schiller 3, 451 (kab. u. liebe 4, 3). der wall wird auch von den bewohnern der stadt als spazierweg und zum ausschauen benutzt:
es war so bald nicht morgen,
wier eilten auff den wall. wier freuten uns mit sorgen,
wenn auff verdachter see ein falsches segel kam.
Fleming 81;
niemandes ... ohne enigs urlaub auf dem wahl zu geen gestadten. deutsche hofordnungen 1, 42 (Joh. v. Küstrin 1561) Kern.
3)
im 15. 16. jahrh. findet sich bei Sachsen und Thüringern wall als 'zielstätte', wahrscheinlich weil es üblich war, am wall schieszübungen anzustellen, das wort wurde dann auch auf besonders hergestellte zielvorrichtungen über tragen: do komen dy czwene forsten gebruder wedder kein Erffort und hatten do eynen schutczenhoff biss an den vierden tagk; do hatten dy von Erffort eyn wal lossen machen, das was eyn husschen mit eynem dache und knouffe und driete sich umme, wy man wolde. Stolle chronik 522 Thiele; ein blat stecket man ynn den wahl (beim schieszen mit der armbrust und der büchse), dar ynne ist ein schwartzer zirckel, wer ynn das blat scheust, hat getroffen, aber darumb nicht gewunnen. Agricola 2, 150ᵇ (1529); aber wir sind solcher narrenschüsse (ohne pfeil) gewonet, ja wenn sie gleich pfeil auffs armbrust legeten, wollen wir dennoch wol sicher sein, das sie ehe in die asschen (aschenhaufe hinter der scheibe), oder drey elen über den wall schiessen sollen, ehe sie uns treffen. Luther 3 (1560), 451ᵃ; aber meine lere ist das ziel, von gott gesteckt, zu dem alles mus schiessen, doch wird der zweck von inen allen ungetroffen bleiben, und müssen eitel feilschüsse thun, auch über und neben den wall hin. 6, 315ᵇ; der standt vom wahle sol sein ein hundert und 15 ellen. schützenbrief von Groszengottern (1544) im deutschen museum, hrsg. v. R. Bechstein, n. f. 1, 236; stand und weite vom wahl und blat: 130 Schmalk. ellen. schützenbrief von Schmalkalden (1558), ebenda 1, 229. vgl. auch: zcu den blancken umbe das schiszwal. zeitschr. f. kulturgesch. 8, 162 (Jenaer schützenfest 1490); das letzte sicherwal vollendt zugerammet. 8, 164; da d. Luther den abend zuvor einer fledermausz das hertz im sicherwahl getroffen. Mathesius Luther (1568) 91ᵇ.
4)
von wall, als dem schutz einer durch ihn eingeschlossenen stadt, sind eine reihe von übertragungen ausgegangen.
a)
mit näherem anschlusz an die natürliche form des walls: ein wall von piken starrte jedem angriff entgegen. Hauff Lichtenstein 3, 34 Hempel; an einer straszenecke standen schränke und tonnen, die man aus häusern zusammengeworfen hatte als einen letzten wall gegen die eindringenden truppen. Freytag 4, 428 (soll u. haben 3, 3); auf der andern seite stürmt fuszvolk der vortruppen gegen fuszvolk, die Römer drängen die schilde zu dichtem walle zusammen. 17, 97 (bilder 1, 1); wie ... die brüder und ihre knappen auf einem wall von leichen sterben. 18, 209 (bilder 2, 1, 6);
von todten ohne zahl,
so dort sind aufgeheuft,
hebt sich ein ganzer wall,
woraus ein blutbach lauft.
v. Ditfurth die histor. volkslieder 1763—1812, 326 (1809);
und wo vor ihren treibern
sie ruhten aus bei nacht,
ward warm aus ihren leibern
ein wall um ihn gemacht.
Rückert ges. ged. 3, 434 (1837);
aber ich konnte nicht denken, dasz bald sein (des Rheins) liebliches ufer
sollte werden ein wall, um abzuwehren den Franken,
und sein verbreitetes bett ein allverhindernder graben.
Göthe 40, 243 (Herm. u. Dor. 1, 194).
freier: der bart war allerdings bedeutend und gehörte in die klasse der grimmigen; aber hinter diesem wall von haaren lag ein kleines, freundliches gesichtchen. Hauff 9, 76 (skizzen) Hempel.
b)
überhaupt 'schutz und rückhalt':
uͦnt ès wird der her sein ain schuͦtz
dem uͦntertrukten zuͦ seim nuͦtz:
ain veͦster schuͦtz uͦnt hocher waͦle
zuͦ gelegner zeit der tribsaͦle.
Melissus psalmen 35 (9, 10) neudr.;
den (Oranien) nicht zu vergessen. das ist ein rechter wall: wenn man nur an ihn denkt, meint man gleich, man könne sich hinter ihn verstecken, und der teufel brächte einen nicht hervor. Göthe 8, 177 (Egmont 1); dasz es (das kind) seine eltern für einen wall und rückhalt in jeglicher noth ansieht. Immermann epigonen² 1, 145;
als unsrer (Lübecks) bürger schaar noch stand,
des reiches wall am nordgestade.
Geibel 1, 225;
der zeigte mir die zier
der stadt (Mainz), die alterthümlich
einst Deutschlands schutz und wall.
Rückert ges. ged. 3, 418 (1837);
wer sich denn nicht ... im die furcht gottes zu einem guten schutt und wallen macht, wie mag er bleiben? Luther 1 (1560), 500ᵃ; das ist die mauer, der wall und die wehre, die da helt das regiment. 28, 535, 29 Weim. ausg.; was für ein starcke mauwer und wahl der kirchen das liebe gebet sey und waffen der christen und gottseligen. tischr. 147ᵇ;
der uuschuld und der tugend schild
war dieses volkes wall, der besser konte tauern,
als Thebens starcke mauern.
Lohenstein bei Hoffmannswaldau getr. schäfer (1700) xxxᵇ;
wir werden aber alsdenn bewogen werden, ihn (den fehler) zu suchen ... also wird dieses ein wall gegen die gefährliche bereitwilligkeit des beifalls seyn. Kant 8, 109; doch rettete sich Wicliffe damals ... nur dadurch (vor der wut des volkes), dasz er sich hinter einen wall von beschränkungen, erklärungen und vorbehalten versteckte, und den eigentlichen papismus unberührt zu lassen schien. Schlosser weltgesch. 8, 450; so stellten auch sogleich die ästhetiker diesem wall von gründen und citaten einen anderen von gegengründen und gegenbeweisen entgegen. Prutz kl. schriften 2, 125; die batavische republik ward ausgerufen, der grosze freistaat des westens begann sich mit einem walle von tochterrepubliken zu umgeben. Treitschke d. gesch.³ 1, 135.
c)
wall für etwas, das einen von andern trennt: so sasz die deutsche nation, durch gemeinschaftliche sprache und denkart sattsam unter sich vereinigt, und scharf genug abgeschnitten von den andern völkern, in der mitte von Europa da, als scheidender wall nicht verwandter stämme. Fichte reden an die deutsche nation 409.
5)
durch vergleichung mit den wällen der befestigungen steht wall dann auch von natürlichen erhebungen:
der dünen schwach begraster wall
behindert landwärts meinen blick.
Freiligrath 1, 32;
strömungen und winde führten dem riff immer mehr sand zu, so bildete sich ein wall, der zuletzt nur noch bei den höchsten fluthen befeuchtet wurde. Fr. Arends phys. gesch. der Nordsee-küste 1, 44;
die tannenschlucht ...
in des gebirges wall gerissen.
C. F. Meyer Engelberg 40;
von zackigen, zerborstenen wällen rieselt die asche (des Vesuvs) nieder. Hehn Italien 54; dasz aber dieser den kegel des Vesuvs im halbkreis umgebende wall den stehen gebliebenen rest eines alten kraters darstellt. Neumayr erdgeschichte² 1, 166; andere erscheinungen am monde, wie die sogenannten meere, weite kreisförmige, dunkle flächen, die ebenfalls von wällen umgeben sind. 1, 85. auch von eis-, schneemassen, wolkengebilden u. dgl.: auf dem Brenner, in der nähe des bahnhofes, legte sich eine lawine, die ein wächterhaus weggewischt hatte, als ein breiter wall vor. Pichler Tiroler geschichten 4, 213; aber rund auf die wälder hatten sich stille eisberge aus wolken gelagert. ... dieser wall aus nebelgletschern ... J. Paul Hesp. 3, 216;
als Jupiter durch seinen strahl
den risen ihren stoltz verkürtzet,
und von des himels hohem wahl
sie über und über gestürtzet.
Weckherlin 1, 193 (od. 2, ded.) Fischer.
häufiger steht es so in zusammensetzungen wie bergwall, felswall, eiswall u. dgl.
6)
wall wird auch sonst für 'erdaufschüttung' oder 'künstliche erhöhung' gebraucht, doch bürgert es sich in diesen gebrauchsweisen nicht allgemein ein. die wörterbücher führen es auch für 'damm' an: wall, damm, argine. Hulsius 272; wall, damm, argine, vallo, levata di terra. Krämer 1206ᵇ; wall, damm, levée de terre, chaussée, digue. Rädlein 1027ᵇ; wall, damm, diech. Kramer (1719) 258; vgl. teichwall, crepido, aggeres piscinarum. Stieler 2413. Adelung aber nennt 'eine jede erhöhung von erde, haufen erde' eine längst veraltete bedeutung.
a)
in der norddeutschen tiefebene finden sich wälle (meist mit buschwerk bewachsen) zur abgrenzung der felder und grundstücke:
vom buschigen walle der koppel
oft wir den weg nach dem dorfe hinaufsahn, ob sich nicht endlich
hübe der staub.
Voss 2, 296 (idyll. 17, 15);
so im geröchel des sumpfs und dem einsamen surren des käfers,
längs dem gränzenden walle, mit dorn umwachsen und haseln
gingen sie.
Voss Luise 1, 600;
ich (der hirte) sitze auf dem walle,
meine schäflein schlafen alle.
A. v. Droste-Hülshof 3, 86.
ostfries. dat land is mit 'n wal umslaten, dat 't fē d'r nēt ūtlöpt. ten Doornkaat Koolman 3, 498. in den marschen befinden sich gräben jenseits des grenzenden walls, daher sprichwörtlich: ēn fan de wal in de slōt helpen a. a. o. (einem vom wall in den graben helfen. Wander 4, 1773). vgl. auch wallhecke.
b)
wälle dienen auch vielfach dazu, die grenzen der gemarkungen und länder zu bezeichnen; in einer grenzbeschreibung von 1421 heiszt es: usque ad quendam terre acervum, proprie wael, qui habetur pro granica capituli nostri et ville Grünheide. cod. dipl. Warmiensis 3, 571. ferner als schutz gegen feindlichen einfall: der ... fieng an nicht weit davon an dem wasser, die Eydor genandt, einen tham und wall zu bawen, von einem ort des meers bisz ans ander, sich wider der Sachsen und Franken einfall ... zu befestigen. Cyr. Spangenberg mansfeldische chronica 1, 83ᵇ.
c)
wall steht auch für damm, erdaufwurf, um das wasser zurückzuhalten, deich, s. oben die angabe der wörterbücher; ferner: so hat das meer ... alle dämm und wäl zerrissen. Stumpf chron. (1606) 134ᵃ; wall, teich, damm, digue, ein von guter kleeerde dicht aufgeschlagener, auswendig mit grünen wasen bekleideter aufwurf, das aufschwellende wasser aus dem meere oder strömen abzuhalten, dasz es die baufelder nicht überschwemme. Jablonski (1748) 1325ᵃ. J. Gierke gesch. des deutschen deichrechts 1, 5. 'jede einem graben oder sonstigen wasserlauf parallel folgende erhöhung.' Mothes baulex.³ 4, 331ᵇ. hierher gehört auch vielleicht das oben sp. 1069 besprochene tirolische wal 'wassergraben', falls es ursprünglich die erdaufwerfungen zur seite des kanals bezeichnete
d)
Mothes baulex.³ 4, 331ᵇ kennt wall als aufgeworfene erde zur seite eines eisenbahndurchstichs.
e)
nach Adelung kommt wall für einen in die länge aufgesetzten torfhaufen vor.
f)
wall heiszt eine erhöhung am ausgang des hochofens.
7)
in der nd. schiffersprache ist (wie im ndl.) wall das feste land von der see aus gesehen, die küste, darnach auch dän. val. Jacobsson 4, 581ᵃ. Benzler deich- u. wasserbau 2, 258. Bobrik naut. wb. 716ᵇ. Gödel etym. wb. der deutschen seemannsspr. 503. man unterscheidet den legerwall, die küste, welche an der leeseite des schiffes liegt, so dasz der wind es leicht dagegen treiben kann, und als gegensatz den opperwall. Bobrik 463ᵃ. 516ᵇ. die bedeutung knüpft wol an die unter 5) an, indem wall zunächst auf die natürlichen erhöhungen an der meeresküste geht, die dünen. sie läszt sich seit dem 16. jahrh. nachweisen: Kilian 651 führt für walle auch die bedeutung 'ripa' an; in hd. wörterbüchern erscheint das wort seit Stieler: wall etiam dicitur litus maris, atque ora terrarum. 2413; der wall, das ufer, the shore, the strand. leger-wall, oder lieger-wall; das ufer, gegen welches der wind anwehet, so dasz ein schiff nicht von solchem ufer abkommen kan, the lee-shore. Ludwig 2374; wal, wal, i. e. ufer (land) des meers, des wassers. Kramer (1717) holl.-d. 500ᵃ; wall, heist bey den niderländischen schiffern das land von der meer-seite, littus, welche manchmahl mit kleinen sand-bergen besetzt, als mit einem wall. Frisch 2, 419ᵇ. Adelung. für nd. gegenden wird es seit dem 18. jahrh. bezeugt. so gibt es Richey 333 für Hamburg, Dähnert 536 für Pommern, Schütze 4, 334 für Holstein, ten Doornkaat Koolman 3, 498 für Ostfriesland an. redensarten: dat schip kumt an den wall, ligt unner den wall, geit van de wallen. Schütze a. a. o; dat schip an den wall leggen u. s. w. auch von den seeleuten heiszt es: an wall gān ten Doornkaat Koolman a. a. o. redensart: ik will di to wall haben (zu nest bringen). Schütze 4, 335. eine besondere bedeutung noch bei Kramer (1719) 258ᵇ: wall (abgepfälter haven für schiffe), wal. auch der litteratur ist das wort nicht fremd: denn wir besorgen musten, dasz die wellen oder wasserwogen, die zwischen den insulen gar geschwindt gingen, uns an den wall oder gestad führen mochten. Hulsius 2. schiffahrt³ (1615) 24; wir seynd also fortgefahren langst dem wall, und umb den abend haben wir geanckert unter dem landt Java. 38; so de wind lange up de wall hadde gestahn und sick den wedder na der see kehrt. beschriving van der kunst der seefahrt (1673) 68; wen men dicht under walles segelt. 83; unsere vorfahren sein so vermessen nicht gewesen (im winter zu schiffen), besondern haben ihre schiffe auf Martini an den wall geleget. briefe des Hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 7 (1680); doch halte ich ... dafür, seine (des nordkapers) gewisseste stelle in angezeigtem weitem meer sey, wo die meisten gründe sind, nemlich unter dem wall und längst der küste von Norwegen ... und Island. Zorgdrager grönländische fischerei deutsch (1723) 146; da nun also der fisch von dem wall in die see gewichen. 291; von ihrem walle oder strande. J. Anderson Island, Grönland (1747) 170; sobald es abends dunckel wurde, veränderte ich meinen cours, und segelte recht süd- und ostlich an, und zwar mehr nach dem osten, damit ich unterm wall bliebe. Robinson Crusoe (Hamburg 1731) 1, 33; ich hatte einstens lust ans land zu gehen, allein Xury ... miszriethe mirs. dem ungeachtet steuerte ich näher nach dem wall hin. 21; also hielt ich weiter vom wall ab. ebenda; ob der wall oder ufer nun klipp- oder sandigt. 62; weil die fluth sie ein wenig oostlich von ihrem ersten boot versetzet, ruderten sie unter dem wall nach eben dem platz hin, wo der vorige gelandet. 356; ein schiff kämpfte mit den fluthen, und war das spiel der winde, welche der mühe des arbeitenden piloten spotteten, und es dem wall entgegen führte, wo es auf einer verborgenen klippe scheiterte. Musäus volksmährchen 4 (1805), 275.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1908), Bd. XIII (1922), Sp. 1256, Z. 33.

wall, m. oder n.

wall, m. oder n.
erhöhung, wölbung, zu ahd. wellan, mhd. wellen 'wälzen, rollen', sinewel 'rund' u. s. w. gehörig, vereinzelt im mhd. vorkommend:
gesenket und geneiget
die scheffte wurden hin zetal.
si trâfen ûf des schiltes wal
ein ander beide mit den spern.
K. v. Würzburg schwanritter 970 Roth.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1908), Bd. XIII (1922), Sp. 1263, Z. 33.

wall, m.

wall, m.
wallung des wassers, strudel, aufkochen. abstractbildung zu wallen I, die vor dem 12. jahrh. nicht nachzuweisen ist, daneben steht walle (s. d.). auch mnl. wal, wallung des wassers, strudel (jetzt vläm. wal, wel 'aufwallen' De Bo 1179), ags. weall, m. oder n. gekochter wein. Bosworth-Toller 1174.
1)
von flieszendem wasser, strudel, flut (vgl.walle): fluctus, wal Diefenbach gl. 240ᵇ;
er rehôrte eins dræten waʒʒers wal (text: val):
daʒ het durchbrochen wît ein tal,
tief, ungeverteclîche.
W. v. Eschenbach Parz. 602, 9 var.;
da that das wasser einen wall, wie wenn sich einer mit gewalt darin umdrehte. Grimm sagen² 1, 270; soll sich im möer ein grosszer wahl, eines zimlichen berg grossz, vom möerwasser erhöbt haben, mit einem ungestümen prausen; der soll sich ... ins land geschwöllt haben, hausz, strassen und gärten verdörbt ... (dann) thett sich der wahl wider ernidern. Krafft reisen 296 Haszler.
2)
häufiger von heiszer flüssigkeit, lautes aufkochen, so im mhd.:
sîn (des topases) tugent diu sî alsô starc,
swie sêre ein waʒʒer walle,
eʒ lâʒ den wal mit alle,
werde er geworfen dar in.
Stricker kl. ged. 11, 169 Hahn;
der kalt topazion
der ist nach golde geverwet schon.
von natur ist er so kalt,
das von siner craft gestalt
wirt deʒ heiʒin waʒʒirs wal
und tuot von siner kelti val.
er machit kiusch gemüete
und loschit sunden glüete.
Hugo v. Langenstein Martina 50, 57 Keller;
dem herzen ist als dem wallenden havene, der über sich ûʒ wallet, sô sîn dannoch ein guot teil lære ist; giuʒet man ein wênic öles dar în, sô sitzet der wal nider unde wallet senftlîcher. mystiker 1, 319, 38 (David v. Augsburg); wer den stain (epistutes) in ain wallendeʒ waʒʒer wirft, sô vergêt der wal und dar nâch wirt daʒ waʒʒer kalt. K. v. Megenberg 446, 15. zu wal ûftrîben 'aufwallen':
'du hast gesprochen sieder:
die eyn gent uff, die andern nyeder,
sage an, wie sal ich das verstan?' —
'bonen ich czu dem fuer han,
die eyn uffdribent czu wall,
die andern dribent hin czu dall.'
Salman u. Morolf 2, 645 Hagen.
auch die kochende flüssigkeit selbst:
si tet dem haven alsô heiʒ,
daʒ er vil krefteclîche wiel.
swaʒ tropfen ûʒ dem walle viel,
dâ wurden kriuter ûʒ iesâ.
K. v. Würzburg troj. krieg 10708 Keller.
auch später und noch jetzt ist dies wall in der küchensprache üblich, wo es auch im plur. (walle oder wälle) vorkommt: der kohl erfordert nur einen wall, li cavoli non vogliono ch' un bollo. Krämer 1207ᵃ; wall (sud), wal, walling, opkooking. Kramer (1719) 258ᶜ; die spargen brauchen nur einen wall, il ne faut qu'un bouillon aux asperges. Rondeau; laszt sie ein wenig ungefähr auff den andern wall oder sud sieden. Sebiz feldbau (1580) 78. einen wall sieden, einen wall thun, einen wall geben und ähnliche wendungen: lasz das wasser einen oder zwey wall thun, ein oder zwey mahl aufwallen, so sind die eyer schon recht, let the water wallop but once or twice. Ludwig 2374; einen wall thun lassen, im kochen etwas wallen lassen, facere ut paulisper ebulliat. Frisch 2, 419ᵇ; das wasser einen wall thun lassen, eyern einen oder zwey walle geben. Adelung; losz esz yn einer pfannen erwallen einen wal. kuchenmeysterey a 4ᵃ; thu yn (den senf) yn ein pfann und gib ym einen wal ob einem feuer. d 1ᵇ; nym darnach aber frische krebs und ... thue sy ... yn ein pfanne. erwel sy schon ein cleinen wal. a 4ᵇ; wenn daʒ hartz ein guͦten wal getuͦt, so schütt daʒ unschlit dorin und losz es aber ein guͦten wal tuͦn und duͦ es denn ab. zeitschr. f. d. gesch. des Oberrheins 3, 406 (1504); nim solcher schönen weiszen see- oder weiherblumen zwei pfund, die lasz in wasser einen einzigen wall ufthun, dann trucks wol aus durch ein tuch, nim zwei pfund zucker darzu und lasz mit einander sieden zu rechter gebürlicher dicke eines sirups. Ryff teutsch apothek (1548) 132; thu es nachmalen über ein fewer und lasz es sieden einen guten starcken wall odir sott. F. Würtz practica der wundartzney (Basel 1612) 412; wirf die wurtzel darinn (in das siedende wasser), und lasz einen wall thun. Tabernaemontanus (1664) 1049; lasse es mit frischem wasser ein wall oder etliche aufsieden. 613; nimm ein grosz stuck der unter-rinden von einem laib brod, lasz ungefehr drey wall thun in einem wasser. Hohberg 3. th., 1. abth. 249ᵇ; wann er einen wall in dieser brüh gethan, richt ihn (den fisch) an. 3. th., 3. abth. 21ᵃ u. ö.; man bereitet das geflügel oder vögel wie sie seyn sollen, und lässet sie in einem wasser, so gesaltzen, einen wall aufthun. die curieuse köchin (Nürnberg 1706) 439; man lasse sie ein paar wall aufkochen. Wormser kochbuch bei Crecelius 891;
setzt in eim grossen kessel zu
die arbeis zum fewer zumal,
und lies sie thun ein guten wal.
H. Sachs 21, 239, 1 Keller-Götze.
einen wall (schwall kochenden wassers) über etwas gehen lassen: und tuͦn esz in hafen und losz ein guͦten wal dor über gon, und schit denn die brigi úber daʒ gebachen huͦn. zeitschr. f. d. gesch. des Oberrheins 2, 185 (Freiburg i. B. 15. jahrh.); das thuͦn in ein suber häfelin und geüsz genszdistelwasser doruber, und losze also ein wall doruber gon. Gersdorf feldbuch der wundarzney (Straszb. 1528) 73; in einer mosz essichs gesotten 3 untz weinberlyn, bis der wal zwei oder drei mal darüber geht. Seitz wider die frantzosen 26 Moll; wird es wol verdeckt gesotten, doch nicht lenger, dann das drey oder 5 wall darüber gangendt, darnach lasset es stehen und erkalten. Thurneysser erdgewächse 6; muͦsz man das selb ersts sieden ee man es sunst bereitet, doch nit vast, nun etliche wäl darüber gon lassen. Forer thierb. 23ᵇ; nimb ein halbe masz wein oder millich, lasz ein wahl darüber sieden. Seuter roszarzney (Augsb. 1599) 102. das wort findet sich noch vielfach in den mundarten: Hunziker 285 (zwe wäl wasser lo drüber go). Seiler 309. Martin - Lienhart 2, 811 (e wall koch losse, e par wäll). Erbe 41. Crecelius 891. brem. wb. 5, 225 (den wall dār aver gān laten).
3)
Walther gebraucht das wort von den feurigen gluten der hölle:
(gott) bewar uns an dem ende,
sô uns der geist verlât,
vor helleheiʒen wallen,
daʒ wir dar in iht vallen.
78, 8.
4)
früher kommt das wort auch vom gärungsprocesz starken weines vor: Aristotiles spricht, wâ gar starker wein in ainem vaʒ ist, der daʒ vaʒ zeprechen wil, dâ leg ain wênig kæss ein, sô erlischt sein überwal, wan der kæs ist kalt und vol löchel, dâ von zeuht er die hitzigen dünst in sich, der den wal macht, und lescht in mit seiner kelten. K. v. Megenberg 352, 7.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1908), Bd. XIII (1922), Sp. 1263, Z. 41.

wall, n.

wall, n.
eine anzahl von achtzig stück, zunächst bei fischen, s. wal.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1908), Bd. XIII (1922), Sp. 1265, Z. 16.

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„wall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wall>, abgerufen am 06.12.2021.

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