wallfahren verb
Fundstelle: Lfg. 7 (1908), Bd. XIII (1922), Sp. 1299, Z. 35
auf die wallfahrt gehen. das wort tritt bei Luther auf, ist aber wahrscheinlich schon älter (vgl.wallfahrt), aus der verbindung wallen varn hervorgegangen. die stelle bei Luther (wallferet) deutet auf ursprünglich starke flexion, später kommt nur schwache vor. neben wallen und (seit dem 16. jahrh.) dem abgeleiteten wallfahrten hat es keine besondere ausdehnung gewonnen: wallen, wallfahren, auf die wallfahrt gehen, aller en pélerinage. Rädlein 1028ᵃ; der vil fastet, bettet, kirchen stifft, wallferet und hie und da sich mit groszen thaten bemühet. Luther von den guten werken 24 neudr.;
es war die zeit des groszen kirchenfests,
von pilgerschaaren wimmelten die wege,
bekränzt war jedes gottesbild, es war,
als ob die menschheit auf der wandrung wäre,
wallfahrend nach dem himmelreich.
Schiller 12, 418 (Maria Stuart 1, 6);
von kirche zu kirche wallfahrt der lange menschenstrom.
A. Grün 3, 92 (der letzte ritter).
übertragen:
man sah von einem volck sie zu dem andernwandern;
verändern ihren sitz; durch manches königreich
walfahren hin und her.
Weckherlin 2, 156 (ps. 105, 13) Fischer.
besonders wie wallfahrten 5: man wallfahrte zu ihnen (den schönen Griechinnen). Meiners philos. schriften 1 (1775), 71; ich wallfahrte nach dem grabe der Laura — stärkte meine empfindung in den reinen dünsten, die aus ihrer asche emporsteigen. Thümmel reise 5, 237 (1794). Campe führt wallfahren an; dasz es auch in gesprochener sprache noch vorkommt, zeigt Hunziker 286, der aus dem Aargau wallfahre neben wallfahrte verzeichnet.
Zitationshilfe
„wallfahren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wallfahren>, abgerufen am 15.11.2019.

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