Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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warf, m.

warf m
niederdeutsches wort in verschiedenen bedeutungen, deren entwicklung nicht völlig klar ist, zu asächs. hwerƀan 'sich wenden' gehörend, doch steht der etymologische zusammenhang nicht durchweg fest.
1)
im Sachsenspiegel und in darauf zurückgehenden rechtsquellen ist warf oder werf für 'gerichtsversammlung, gericht' üblich Schiller-Lübben 5, 691, entsprechend im afries. warf, werf Richthofen 1126ᵇ. an der Mosel kommt das wort in der hd. form warb, warp vor: do hait in (den missethäter) der scharprichter in den warbp gefort weisth. 4, 749 (Berncastel 1490); dan so gaet usz dem warp der hoegerichts amptman 4, 750. es ist auch der kreis, der sich um die kämpfenden vor gericht bildet: eques in circulo quod warf dicitur, incedere debet ad custodiendum circulum, et ad resistendum pressure populi, ne pugnantes impediantur Lacomblet urkundenbuch f. d. gesch. des Niederrheins 1, 302 (1169); vride sal man denne deme warfe biten bie deme halse, daʒ sie nieman in irre an irem kamphe Sachsenspiegel 63, 4 Weiske. dann auch örtlich 'kampfplatz': bis dat die kempere zusamen koment in den warf quellen zur rechts- u. wirtschaftsgesch. von Deutz 145, 5 (1386) Hirschfeld. 'turnierplatz': dat ouch mallich syne verken in syme huse behalde ind nyet up den Aldenmart noch in den warff en laisse gain akten z. gesch. d. stadt Köln 2, 210 anm. (1410) Stein. die wörter können nicht getrennt werden von asächs. hwarf 'versammlung, menschenmenge', ags. hwearf Bosworth-Toller 373, doch macht das afries. schwierigkeiten, da die wörter hier auch in den texten, die anlaut. hw bewahrt haben, mit w beginnen; vielleicht liegt vermischung mit einem andern worte vor. Siebs bei Heck die afries. gerichtsverfassung 423 nimmt verwandtschaft mit aslav. vrŭpą 'menge' an, vgl. unten 4. — auf asächs. hwarf führt auch die wendung: en'n in den warf komen, zufällig mit jemand zusammenkommen Schambach 286.
2)
befestigtes ufer, damm, kai, mnd. warf, werf Schiller - Lübben 5, 690. Lübben handwb. 574ᵃ, mndl. warf, werf (auch Teuthonista 494ᵃ Verdam), bei Ludwig 2456 werff, n. 'kai, damm, bucht', entsprechend ags. hwearf, hwerf Bosworth - Toller 573 (merehwearf 680), engl. wharf (auch 'schiffslände'). jetzt in Niederdeutschland üblich brem. wb. 5, 194 und am Nieder- und Mittelrhein Wegeler 759 (Coblenz). Pfister 330 (Katzenelnbogen). Kehrein 438. in Köln ist das wort im 15. jahrh. häufig: und leiszen up dem warf zu Rin wart bolwerk machen und lachten grosze bussen up dat warf entgan Dutz aver städtechron. 13, 117, 1; dat eyn nuwe upstant geschuyt an dem Rijne up dem warve, an den graven buyszen den portzen, upme doymhoyve akten z. gesch. d. stadt Köln 2, 283, 7 (1435) Stein; die ... yr guedt ... uys eyme schijffe in dat andere ind up den warff by ander guedt verstechen 2, 656, 30 (1497). es kommt auch hd. als werbe 'dammstrasze' vor zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 1, 303. 3, 174, vgl.warbe sp. 1985. der grundbegriff ist wol 'erhöhung', der von 'sich wenden, drehen' aus zu gewinnen ist, vgl. lat. vertex 'anhöhe' zu vertere.
3)
erhöhter platz am wasser, wo die schiffe ausgebessert werden, mnd. warf, werf, entsprechend engl. wharf, schwed. hvarf; als warf brem. wb. 5, 194. ten Doornkaat Koolman 3, 513. die gewöhnliche form der schriftsprache werft beruht auf ndl. werf, werft, f.; bei Stieler 2549 noch werf, m. Kluge 490 erklärt das wort als 'werkarbeitsplatz' (also zu werben 'thätig sein'), es kann aber vom vorausgehenden nicht getrennt werden und zeigt nur eine specialisirung der bedeutung 'erhöhte stelle am wasser'. bei ten Doornkaat Koolman finden sich neben schäpswarf auch die zusammensetzungen timmerwarf, holtwarf, kalkwarf, mölenwarf.
4)
erdhügel in der marsch oder der nähe des meeres, worauf häuser zur sicherung gegen sturmfluten und überschwemmungen gebaut werden, dann das auf der anhöhe liegende haus oder gehöft selbst und besonders der erhöhte (meist gepflasterte) hofraum, die hofstätte, auch die hausflur, afries. warf, werf Richthofen 1126, mnd. warf, werf, mndl. warf, werf, worf, auch mit angetretenem -t Franck² 788, grumulus, werf vel hofstede Diefenbach gl. 270ᵇ, jetzt warf brem. wb. 5, 194. ten Doornkaat Koolman 3, 513. Molema 465, warf, werft, worf, warve Schütze 4, 338, werff, werve, warffe Frisch 2, 441ᶜ; glebarum acervi, seu colliculi ex terra aggesti, nostrate lingua werve, wärffe, worth, wohrtstette, hauszworth Hackmann von teichen und dämmen (1690) 22; anhöhen befinden sich auf den marschen in groszer anzahl. die meisten dörfer stehen darauf ..., man nennt sie warfen, wehrden, würden, wurth, in Friesland terpen, auch wohl vliebergen Arends phys. gesch. der Nordsee-küste 1, 129; wahrscheinlich hatte, als Tacitus schrieb, der marschbewohner an der Nordsee schon die ersten einfachen dämme gegen die schwellende see gezogen, schon stand sein wohnsitz auf den warfen, kleinen erdhügeln, welche ihn bei hoher fluth über dem wasser erhielten Freytag 17, 67 (bilder 1, 1). das wort geht auch ins hd. hinüber: quod quinque lapides angulares situati, quorum tres in medio super fossatum et vallum, quod vulgariter dicitur 'warf', sunt positi et statuti Breslauer urkundenbuch 1, 93 Korn (anf. 14. jahrh.); bei Joh. Rothe kommt öfter sandwerf vor (Germania 9, 178) 'sandhügel'; schon ahd. santwerf 'sandbank' neben santwurf Graff 1, 1040. 1042. dasz diese wörter von werfen ausgehen, ist nicht wahrscheinlich; sie könnten mit nd. warf zu ahd. hwerfan, hwerban 'sich drehen' zu stellen sein und ursprünglich durch das wirbeln des sandes entstandene kreisförmige anhöhen bezeichnet haben; warf 'erdhügel und hof darauf' würde dann zu warf 2. 3. 'anhöhe am wasser' gehören. doch steht dieser auffassung entgegen, dasz afries. warf auch in den quellen, die anlaut. hw bewahren, mit w beginnt; Siebs a. a. o. (der indes auf -huervia in den ortsnamen der Werdener heberegister aufmerksam macht) möchte deshalb die wörter trennen und stellt warf 'erdhügel' zu aslov. vrŭpą 'menge', poln. warpa 'der aufgeschüttete erdhügel'.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1915), Bd. XIII (1922), Sp. 2012, Z. 34.

warf, m.

warf m
wölbung, thorbogen, zu werben 'sich wenden, drehen': vor ein eichinne warff zu eyme torhause vor das tor vor Richenbach cod. dipl. Lusatiae super. 3, 779, 13 (Görlitz 1419); das corpus an der kirch zu Brombach, den warff sowol als das dachfenster müssen die Lautereckischen in bau halten quelle bei Schmeller 2, 994.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1915), Bd. XIII (1922), Sp. 2013, Z. 65.

warf, n., (auch m. f.).

warf n. (auch m. f.).
der aufzug, die kette eines gewebes, dann auch das für den aufzug bestimmte (meist stärkere) garn. ein gemeingerm. wort, mhd. warf (auch werfe Lexer 3, 777), ahd. waraf, warf, warph 'stamen' Graff 1, 1039, and. warp Wadstein 244, mnd. warp, warpe, auch worp, werpe, werpede Schiller - Lübben 5, 607. 687. 770. Lübben handwb. 557. 576, ags. wearp Bosworth-Toller 1178, engl. warp, anord. schwed. norw. varp; zu werfen (vom werfen des weberschiffchens, anord. verpa 'den aufzug eines gewebes machen'). warf kommt im mhd. häufig vor, meist in verbindung mit wefel 'einschlag, eintrag': das wullin gewande oder das leinin. das do hat die misel in dem warff (spätere ausg. wepff) und in dem wefel (in stamine atque subtegmine) Mentels bibel, 3. Mos. 13, 47; swer auch warf machet und daʒ verkoufen wil, er welle denne selber tuͦch daraus machen, der sol es in haspgarnes weise verkaufen auf dem tuͦchhause und anders nindert Nürnberger polizeiordnungen 162 Baader; wollen und allis daʒ da komit von wollen alse warff, daʒ sal man zcu der wagen, die die burger gesazt habin, wegen rathsgesetzgebung der st. Mühlhausen (1351) 87 Lambert; auch wer eyn duch mechte, daʒ an beyden enden graber were dan mitten von wefel, und damitten graber were von warfe dan uf den enden, der (büszt) 1 m. urkunden zur städt. verfassungsgesch. 380 Keutgen (Frankfurt 1377); auch sal nimant garn, es si warff oder weffel, feile haben oberrhein. stadtrechte 1, 325 (Miltenberg 1434); dorumbe wir ... den gesworn hantwergkmeistern desselben hantwergkes bie yren eyden enpfolen unde sie geheiszen haben uf yrem hantwergke wol zcuzcusehne, daʒ gut gewand an lenge breyte warffe unde webil gemacht werde urkundenbuch der stadt Freiberg 1, 151, 10 (1434) Ermisch; wer denn zu dunne tucher hat, die gebrechlich sint an wiefte, wefel ader an warf, welcherlei das si, der sal di busze gebin 1 phunt wachs urkunden d. st. Kahla 103 (1455) Bergner; auch (tuch) das do mehr danne zcweyerley weffel hat addir das do streiffig, zcu donne uff warff adir weffil geworcht, gellicht gekart addir nicht eynen guten grund hat urkundenbuch der stadt Chemnitz 170, 27 (1470) Ermisch;
man ne bedarf da wevel noh warf spinnen noch weben,
ire gewæte die da sint ist daʒ ewige licht.
daʒ himilrîche 256 Schmeller (zeitschr. f. d. alt. 8, 152);
der em bereitit daʒ warf,
daʒ he zcu sinen kleidin darf,
daʒ ist der wullenweber.
mitteld. schachbuch, zeitschr. f. d. alt. 17, 367, 20 Sievers;
wir nit vergessen suͤllen
bonwoll und wuͤllen,
die man do von den schaffen schirt,
von der das best gewand wuͤrt,
das man in allen landen treit,
linin, wuͤllin, sydin kleit
und dar zü wefel und warff.
leben der h. Maria Magdalena 798 (Mones anz. 8, 487).
in der dichtung erscheint warf in verbindung mit wefel gern in bildlichen wendungen:
dir wab ein kleid der frône geist
mit götelichen kammen
in der megde lîbe guot,
warf unde wevel was ir muot.
K. v. Würzburg lieder 1, 30 Bartsch;
sus wart der ungetouften her
in drîn enden angeriten
und mit den kristen undersniten,
die ritterlichen vâhten,
wan si dar în sich flâhten,
als under warf sich tuot daʒ wevel.
Partonopier 21687;
als under warf der sîden wevel
sich wirret von den kammen.
turnei von Nantheiʒ 792 (ähnlich troj. krieg 31539, 33862);
biʒ ich (der dichter) daʒ woffel in daʒ warf
(und) aldâ in hân getragen.
erlösung 1719 Bartsch;
eʒ (Jesu leib) wap ein wöberinne zart,
Maria, von ir küsche glantz
eʒ wart geworht an allen schrantz.
daʒ warf span Maria dar,
daʒ wefel brahte der engel clar
von des meisters munde,
der wol weben kunde.
H. v. Neustadt gottes zukunft 2037 Singer;
swer von der stat ein mêr sol sagen
an ein ander stat, der kan în tragen
valsch wefel in slehter triuwen warf,
des triuwe und wârheit niht bedarf.
H. v. Trimberg renner 4427 Ehrismann;
díe zît diu nâhet sicherlich
nu gein dem tage schône.
nu wol ûf, werden recken rîch,
bald ûʒ der sünden hône
und wachet, daʒ ist an der zît.
die ackeʒ bî dem boume lît ...
daʒ wefel fült die werfe.
Kolmarer handschrift 7, 30 Bartsch;
oech ist etlicher wider irm willen gespart das wefel, das mans nit gar intrug in das warff und oech gar lise slug zesamen, das er (der weber) vaste solte han geslagen und das garn alles ingetragen, daʒ daʒ tuch dick worden were schachbuch bei Scherz-Oberlin 1945. in den frühnhd. glossaren erscheint das wort meistens als warf z. b. stamen, warf voc. opt. 13, 24. Schmeller 2, 994 (voc. von 1445); warff, garn oder zettel, stamen voc. theut. (1482) nn 1ᵃ; warffe, substamen, zeddel do man inschüszt oder intrag das garn voc. inc. teut. C 2ᵇ; daneben auch in andern formen: Diefenbach gl. 328ᵇ licium, 423ᵇ pensum, 550ᵇ stamen, 561ᶜ substamen, 575ᵇ tegumen, nov. gl. 234ᵃ licium, 347ᵃ stamen, 369ᵇ trama, warff, warffe, warve, werff, worff, worffe, vereinzelt warfft, werffte, nd. warp, warpe. später dringt das von Luther gebrauchte werft (s. d.) vor. von wörterbüchern hat warf, n. noch B. Faber thesaurus (1587) 450ᵃ, Schottel 1441 und Stieler 2549 haben warf, m. neben werft, Ludwig 2456 werff, f. neben werfft, Kirsch 380 hat wärff, wurff im geweb, Nieremberger das wärft, die späteren (schon Rädlein) haben nur werft. Adr. Beier handwerckslex. (1722) 466ᵇ erwähnt 'nach unterschiedlicher orten gewohnheit auszusprechen' warfft, wärfft, werfft, auch wirfft (zuweilen n., meist f.), dagegen warf nicht mehr. doch ist im hessischen warf, m. nach Vilmar 441 'bis ins 18. jahrh. gebräuchlich', warfe f. nach Pfister 330 'noch jetzt in Balhorn'. auch Eitzen 870ᵃ führt noch warf, f. an.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1915), Bd. XIII (1922), Sp. 2014, Z. 16.

warf, n.

warf n
geschäft, verrichtung, vorhaben. in älterer md. quelle (wegen der form vgl.gewerf, gewerft neben gewerbe Lexer 1, 986):
do unser rede was bezilt
an mitedanken in der brust,
so hohe, daʒ irdische lust,
swie vil man der begrifet,
gegen der vreude entslifet
und wirt so ungeneme ein warf,
daʒ man ouch nicht bedenken darf
sie icht zu kleineme ichte,
entgegen deme gesichte,
daʒ got mit vreuden dort wil geben.
Passional 425, 79 Köpke.
häufig mnd. werf, warf Schiller-Lübben 5, 691, jetzt warf in nd. dialecten brem. wb. 5, 200. Schütze 4, 338 (auch warft). Dähnert 538. Schambach 286 (auch warp). Danneil 246 (werf). nd. jahrb. 24, 127 (Vorsfelde). 34, 100 (Eilsdorf bei Halberstadt). es zeigt besonders die bedeutung 'vorgebliches geschäft, vorwand': en blind (dōf) warf, sik en warf maken. so auch in nördlichen md. mundarten: im Eichsfeld warwichn 'vorwand' Hentrich 57, in Leipzig sich ein bewerbchen machen Albrecht 88.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1915), Bd. XIII (1922), Sp. 2013, Z. 71.

werf, werfe, f.

werf werfe f.
'grosses sieb auf baustellen, mittelst dessen man durch aufwerfen mit der schaufel sand, kies, steine, geröll reinigt und die feineren teile von den groben sondert': die w. isᵗ zᵉ grob, s fallt zᵉ viel kiᵉs durch Martin-Lienhart elsäss. 2, 849.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 275, Z. 67.

warf

warf
'wurfnetz'(?). in Diefenbachs nov. gl. 324ᵃ ist sagena durch warff gegeben (voc. von 1429, aus Hall), wahrscheinlich für worfe stehend.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1915), Bd. XIII (1922), Sp. 2015, Z. 54.

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