Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wegbreite, f.

wegbreite f.
bei einer wegbreite unter 6 m.
Mothes baulex. 1, 307.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 18 (1922), Bd. XIII (1922), Sp. 3077, Z. 73.

wegbreite, wegebreite, wegbreit, wegebreit, f.m.

wegbreite wegebreite, wegbreit wegebreit fm

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der wegerich, plantago.
1)
die bildung ist westgermanisch: ahd. wegabreita (in den Basler recepten, um 800 Müllenhoff u. Scherer denkm. ² LXII 1), in späteren glossaren wegebreita -breida -breite -breide -breit usw. (zeitschr. f. d. wortf. 2, 230. 5, 21), mhd. wegebreite (im md. arzneibuch des meisters Bartholomaeus, Wiener sitzungsberichte 71, 531 dat. wegebreitin, 493 acc. wegebreitin), wegebreit cod. dipl. Silesiae 20, 86 (1457), in frühnhd. glossaren (s. 4) wegebreite -breide -breid -breit, wegbreite -breit usw.; dazu asächs. wegabreda, wegebreda, -brede Gallée 371, mnd. wegebrede Schiller-Lübben 5, 648 (s. auch Diefenbach gl. 440ᵇ nov. gl. 294ᵇ plantago, gl. 331ᵇ lingua agni), mndl. wegebrede, weechbrede Verdam 686ᵃ, bei Kilian 659ᵇ weghbree, jetzt ndl. weegbree f., ags. wegbrâde - bræ̂de 'plantago' Bosworth - Toller 1184ᵃ, mengl. weibrede Stratmann-Bradley 674, engl. waybread, dän. (entlehnt) veibred. — breita bedeutet 'breiter gegenstand' wie in ahd. wintbreita 'ventilabrum', breite 'breiter kuchen' th. 2, 359, flachsbreite, kornbreite udgl., also 'am wege wachsende pflanze, die eine breite fläche bildet'. ähnlich: plantago, wegospreiti Steinmeyer-Sievers gl. 3, 573, 27.
2)
in Deutschland musz der ausdruck früher auch im süden bekannt gewesen sein, in hd. glossaren des 15. jahrh. tritt er noch häufig auf (auch mit obd. lauten als wegbrait, wegpreyt udgl., wegpreyte bei Steinhöwel Fischer 6, 538), später verschwindet er aber im obd., die alten kräuterbücher kennen ihn nicht, ebensowenig die gröszeren wörterbücher, erst Stieler führt wegebreit neben weggras, wegtritt an, dann Steinbach, Frisch und Adelung als 'wegerich'. jetzt hat er seine heimat vor allem in Mitteldeutschland, angegeben (meist als wegebreit) aus Coblenz Wegeler 759, der Eifel Pritzel-Jessen 292ᵇ, Thüringen Hertel 255, dem Oberharz (zeitschr. f. d. mda. 1910, 145), Sachsen Müller-Fraureuth 2, 646ᵇ, Schlesien Gusinde 209, Siebenbürgen Pritzel-Jessen 293ᵃ, auch aus dem westlichen nd. gebiet Bauer-Collitz 113ᵇ. Woeste 319. seit dem 18. jahrh. erscheint er in den encyclopädien (Chomel 8, 2278. Zedler 53, 1869) und botanischen werken, so bei Nemnich 4, 1001. Leunis bot.³ 2, 620 (wegbreit), und ist jetzt der schriftsprache neben wegerich geläufig: ich glaube den wegbreit ... darin (in den pflanzenabdrücken in sandstein) zu erkennen Göthe briefe 4, 37 Weim. ausg.; er (der hänfling) friszt die samen von wegebreit Brehm thierleben³ 4, 295; samen von ... wegbreit Naumann vögel 4, 465.
3)
da das wort hauptsächlich dem md. angehört, erklärt es sich, dasz das mittlere e meist bewahrt wird. das genus ist jetzt überwiegend das masc., das sich unter einflusz von wegerich entwickelt hat. schon im spätmhd. kommt wegebreit vor, was aber fem. mit abgefallenem e sein kann; für das 16. jahrh. ist das m. gesichert: plantago major, breiter wegbreit vocabula rei nummariae (1552) J 4ᵃ; nim der heidwegbreitenwurzel (die sich so hart auff die erden legt und ist witziger und dicker dann der ander wegbreit) Gäbelkhover artzneybuch 2, 64. doch erhält sich daneben das f.: breitblätteriche, mittlere, kleinblätteriche weegebreite Steinbach 1, 190; weisze wegebreit Döbel jägerpractica 1, 139; grosze wegebreite Mattuschka 1, 98; spitzige wegebreit neuer schauplatz d. natur 9 (1780) 595ᵇ. im ndl. und nd. (wo wegerich fehlt) bleibt auch das f., doch ist westfäl. wegebrêd nach Woeste neutr. auch Adelung setzt wegebreit als n. an, während Campe der (daneben das) wegebreit hat.
4)
wegebreit ist ursprünglich jedenfalls nur der breitblätterige wegerich, plantago major und media (am besten würde die bezeichnung auf plantago media passen, da hier die blätter fast ohne stiel aus der wurzel wachsen und daher flach auf dem boden aufliegen s.wegerich 4, bei Frisch 2, 428ᵇ breit wegerich, wegbreit, latifolia vel media plantago); so erklärt sich auch, dasz in den Basler recepten wegabreita neben wegarih genannt wird, worunter hier der spitzwegerich zu verstehen sein wird. in Heinrici summarium wird septinerdia ϰ centinodia, wegebreita sowohl von plantago, wegerich als von plantago minor ϰ arnoglossa, minner wegerich unterschieden (centinodia kann hier nicht wie sonst der knöterich sein, da sanguinaria folgt). andre glossare setzen das wort für plantago Steinmeyer-Sievers gl. 3, 387, 14. 512, 49. 544, 39. 570, 11. 594, 27. 4, 378, 2. Diefenbach gl. 440ᵇ. nov. gl. 294ᵇ, septenervia u. ä. Steinmeyer-Sievers gl. 3, 51, 41. 484, 11. 491, 19. 509, 14. 521, 20. Diefenbach gl. 528ᵃ. nov. gl. 336ᵃ und arnoglossa Steinmeyer-Sievers gl. 3, 523, 33. 533, 8. 544, 39. 4, 246, 4. Diefenbach gl. 49ᶜ, agniglossa 18ᵇ, lingua agni 331ᵇ (s.schafzunge 2 th. 8, 2084). die bezeichnung wird dann auch auf andere wegericharten übertragen, so dasz wegebreit und wegerich gleichbedeutend werden und man verschiedene arten des wegebreits unterscheidet (s. 3); auf den spitzwegerich, plantago lanceolata: Diefenbach gl. 317ᵃ lanceola, minderwegbreit, vgl. spitzwegebreit Ermisch u. Wuttke haushaltung in vorwerken 122, 19 (Sachsen 16. jahrh.), auch kleiner wegbreit Hagen Preuszens pflanzen 1, 123; darauf geht auch quinquenervia Steinmeyer-Sievers gl. 3, 564, 24. ferner auf den flohsamen-wegerich, plantago psyllium L.: pulicaria, flöchkraut, wegbrait Pinicianus (1516) A 8ᵃ (= Diefenbach gl. 471ᶜ); den wälschen wegerich, wohlverlei, arnica montana L. Nemnich 1, 462 (bergwegebreit); die ährige waldrapunzel, phyteuma spicatum L. deutsche bot. monatschrift 13, 79 (Wörlitz in Anhalt). das wort tritt auch (vgl. wegerich 4) für den wegtritt, vogelknöterich (sanguinaria Steinmeyer-Sievers gl. 3, 52, 43, centinodia Diefenbach gl. 112ᶜ. nov. gl. 84ᵇ, corrigiola gl. 153ᵃ, polygonium gl. 444ᵇ, proserpina gl. 467ᵇ. nov. gl. 307ᵃ) ein; die namens-ähnlichkeit konnte leicht zur übertragung führen, die mundartlichen formen waren sich z. th. sehr nahe gekommen (wegebrede — wegedrede); doch reicht die vermischung der beiden pflanzen weiter zurück (s. auch wegtritt); auch Stieler 2458 hat wegebreit neben weggras, wegtritt für polygonum. vereinzelt steht es auch für die wegwarte (cichorium Diefenbach gl. 118ᵃ).
5)
als heilmittel genosz der wegebreit seit alters groszes ansehen (vgl. wegerich 5): deme die milcze wê tud, der male wegebreitin mit eʒʒîge und trinke daʒ J. Haupt md. arzneibuch des meisters Bartholomaeus, Wiener sitzungsberichte 71, 493; das geel sömlin das in den roszen ist stellt den frauwen iren flusz ... wann es in wasser mit wegbreyt distelliert würt Tollat v. Vachenberg margarita medicinae (1516) 5ᵃ; alsdenn so nimb wegebreit, nachtschatten ... und grüne ölblätter Böhme roszartzney 117; lasz ihm (dem pferd) beyde bugadern schlagen, gib ihm wegebreit zu essen Walther pferde- u. viehzucht 108; wem das zahnfleisch aufgeschwollen, der nehme wurtzeln und blätter von wegebreit, und lege solches an den geschwollenen ort v. Fleming d. vollk. teutsche soldat 329; die weegebreite dient äuszerlich zur reinigung und heilung der wunden Steinbach 1, 190. wegebreit erleichtert das wandern: wegebreit unter die füsze gelegt schützt vor ermüden Grimm myth.⁴ 3, 462.
6)
von zusammensetzungen seien angeführt:
wegbreitblatt n
Orsaeus nomencl. methodicus (1623) 343. —
wegbreitgemswurz f
doronicum scorpioides Willd. v. Schlechtendal flora von Deutschland⁵ 29, 343. —
wegbreitsaft wegebreitsaft m
(gegen das quartanfieber) v. Fleming d. vollk. teutsche soldat 328. —
wegbreitwasser wegebreitwasser n
H. v. Pfolspeundt bündth-ertznei (1460) 11. Gäbelkhover artzneybuch 1, 73.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 18 (1922), Bd. XIII (1922), Sp. 3076, Z. 15.
Zitationshilfe
„wegbreite“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wegbreite>, abgerufen am 19.02.2020.

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