Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

weg, adv.

weg, adv.

eingebettete Stichwörter in diesem Artikel

wegackern · wegandächteln · wegangeln · wegängstigen · wegarbeiten · wegärgern · wegatmen · wegätzen · wegbaden · wegbalbieren · wegbannen · wegbäumen · wegbeben · wegbegeben · wegbegebung · wegbegleiten · wegbehalten · wegbeiszen · wegbeizen · wegbekommen · wegbellen · wegbeordern · wegberufen · wegbetrügen · wegbeugen · wegbewegen · wegbeweisen · wegbiegen · wegbilden · wegbinden · wegbirschen · wegbitten · wegbixen · wegblasen · wegblassen · wegbleichen · wegblenden · wegblicken · wegblinzen · wegblitzen · wegblühen · wegbluten · wegborgen · wegbrauchen · wegbrausen · wegbrennen · wegbrennung · wegbringen · wegbringung · wegbrühen · wegbrüllen · wegbüchsen · wegbücken · wegbugsiren · wegbürschen · wegbürsten · wegdämmen · wegdämmern · wegdampfen · wegdecken · wegdemonstriren · wegdenken · wegdenkung · wegdeuten · wegdeutung · wegdieben · wegdonnern · wegdrängung · wegdürfen · wegebben · wegeile · wegeilen · wegekeln · wegempfinden · wegentfernen · wegerklärung · wegerläutern · wegernten · wegescamotiren · wegessen · wegfächeln · wegfahren · wegfahrt · wegfall · wegfallen · wegfang · wegfangen · wegfetzen · wegfeuern · wegfiedeln · wegfieren · wegfinden · wegflattern · wegflieszung · wegflöszen · wegfluchen · wegflüchtig · wegflüchtigen · wegflüchtigkeit · wegfluten · wegfördern · wegfreien · wegfretzen · wegfüchseln · wegfühlen · wegführe · wegführen · wegführung · weggabe · weggabeln · weggang · weggaukeln · weggaunern · weggeben · weggebung · weggedenken · weggeheien · weggehen · weggeiszeln · weggenieszen · weggeraten · weggestalten · weggestatten · weggewältigen · weggewöhnen · weggleiten · wegglimmen · wegglühen · weggrapsen · weggrapschen · weggraulen · weggrübeln · weggucken · weggusz · weghaben · weghacken · weghalten · weghängen · weghaschen · weghaspeln · weghauchen · weghauen · wegheben · weghebung · wegheiraten · wegheiszen · weghetzen · wegheulen · weghexen · weghinken · weghobeln · weghöhnen · wegholen · weghudeln · weghüpfen · weghuschen · weghusten · weghüten · wegjagung · wegjucken · wegkämmen · wegkatzen · wegkaufen · wegkehren · wegkessern · wegklauben · wegklimpern · wegklügeln · wegknallen · wegknappen · wegknappern · wegknipsen · wegkommen · wegkommung · wegkönnen · wegkosen · wegkramen · wegkratzen · wegkriechen · wegkriegen · wegkrümmen · wegkunft · wegkünsteln · wegkuriren · wegküssen · wegkutschen · weglächeln · weglangen · weglassen · weglassung · weglästern · weglasz · weglaufen · wegläufer · weglaufung · wegläutern · wegleben · weglecken · weglegen · weglegerin · weglegung · wegleihen · weglenken · weglesen · wegleuchten · wegleugnen · wegleugnung · wegliegen · weglocken · weglöschen · weglösen · weglösung · wegluchsen · weglugen · weglügen · wegmachen · wegmähen · wegmarschiren · wegmeiszeln · wegmessen · wegnahme · wegnaschen · wegnehmen · wegnehmung · wegpacken · wegpaschen · wegpeitschen · wegpfeifen · wegphilosophiren · wegpicken · wegpinseln · wegplappern · wegplatzen · wegplaudern · wegpracticiren · wegprallen · wegpredigen · wegprellen · wegpreschen · wegprügeln · wegpusten · wegputzen · wegquälen · wegradiren · wegraffeln · wegräsonniren · wegraspeln · wegrauchen · wegräuchern · wegraufen · wegräumen · wegrauschen · wegrechnen · wegreden · wegreiben · wegreisen · wegreiszen · wegreiten · wegrichten · wegringen · wegrosten · wegrücken · wegrudern · wegrufen · wegrüsten · wegrutschen · wegsäbeln · wegsacken · wegsagen · wegsägen · wegsaufen · wegsaugen · wegschaben · wegschaffen · wegschaffung · wegschätzen · wegschauen · wegschauern · wegscheiden · wegscheidung · wegschenken · wegscheren · wegschergen · wegscherzen · wegscheuern · wegschicken · wegschieben · wegschieszen · wegschiffen · wegschinden · wegschlafen · wegschlägeln · wegschlagen · wegschleichen · wegschleifen · wegschlenkern · wegschleppen · wegschleppung · wegschleudern · wegschliefen · wegschlieszen · wegschlingen · wegschlürfen · wegschmachten · wegschmeicheln · wegschmeiszen · wegschmelzen · wegschnappen · wegschnarchen · wegschneiden · wegschneidung · wegschnitt · wegschrappen · wegschraufen · wegschrecken · wegschreiben · wegschreien · wegschreiten · wegschüchtern · wegschummeln · wegschuppen · wegschüppen · wegschürgen · wegschütteln · wegschütten · wegschwärmen · wegschwatzen · wegschwätzen · wegschweben · wegschwelgen · wegschwenken · wegschwiemen · wegschwinden · wegschwitzen · wegschwören · wegsegeln · wegsehen · wegsehnen · wegsein · wegsendung · wegsengen · wegsetzen · wegsicheln · wegsingen · wegsinken · wegspazieren · wegspeien · wegspicken · wegspielen · wegspinnen · wegspötteln · wegspotten · wegsprechen · wegsprengen · wegspringen · wegsprudeln · wegsprühen · wegsprung · wegspülen · wegstarren · wegstäuben · wegstäubern · wegstauen · wegstäupen · wegstechen · wegstecken · wegstehen · wegstehlen · wegstellen · wegstemmen · wegstöbern · wegstolpern · wegstören · wegstoszen · wegstreben · wegstrecken · wegstreicheln · wegstreichen · wegstreifen · wegstreiten · wegströmen · wegstudiren · wegstufen · wegstürmen · wegstürzen · wegstutzen · wegsündigen · wegtändeln · wegtanzen · wegtauchen · wegtaumeln · wegtäuschen · wegthauen · wegthun · wegthuung · wegtilgen · wegtöten · wegtraben · wegtragen · wegträumen · wegtreiben · wegtreibung · wegtreten · wegtrinken · wegtrippeln · wegtrocknen · wegtrollen · wegtröpfeln · wegtropfen · wegtrösten · wegverachten · wegverehren · wegverehrung · wegverjagen · wegverkaufen · wegverlangen · wegverschaffen · wegverstehlen · wegwallen · wegwälzen · wegwandeln · wegwandern · wegwaschen · wegwedeln · wegwehen · wegwehren · wegweichen · wegweihen · wegweinen · wegweisen · wegwelken · wegwenden · wegwendung · wegwerfen · wegwerferisch · wegwerfung · wegwerfungszeichen · wegwiegen · wegwinken · wegwirbeln · wegwischen · wegwitzeln · wegwollen · wegwurf · wegwürgen · wegwuschen · wegzaubern · wegzehren · wegzerren · wegziehen · wegziehung · wegzittern · wegzucken · wegzug · wegzünden · wegzupfen · wegzürnen · wegzwacken · wegzweifeln · wegzwingen · wegzwitschern
von einem ort entfernt oder sich entfernend. eine abzweigung von dem vorhergehenden subst.
I.
herkunft und form.
1)
weg geht auf das mhd., seit der mitte des 12. jahrh. vorkommende enwec (vom rechte 344 Waag enwech) zurück, d. i. in wec 'auf den weg' (mit abschwächung des in zu en wie in enlant, enzwei, enzîte usw.), das zunächst in verbindung mit verben der bewegung steht; ähnlich ags. onweg faran usw. Bosworth - Toller 761, engl. away, Muspilli 2: sô sich diu sêla in den sind arhevit 'auf den weg macht', an den sint varn, rîten, sich heven in dichtungen des 12. jahrh. mhd. wb. 3, 294ᵇ; in weg hat sich daneben erhalten:
sie woldin alle in wech gân.
könig Rother 3274;
später besonders in md. und nd. quellen: M. v. Beheim, Matth. 9, 7 ginc in wec in sîn hûs (vgl. 8, 32), 11, 7 dô jene in wec quâmen, Diefenbach gl. 3ᵃ abigere, in weg leyden, 178ᵃ devehere, in weg furen; noch im 16. jahrh.: das ims hirn in weg spritzte Boltz Terenz deutsch 92ᵇ, in weg lauffen Mathesius Sarepta 107ᵇ, stürtzen 223ᵇ. enweg (neben dem seit dem 14. jahrh. weg steht) kommt bis zum beginn der nhd. zeit vor: städtechr. 5, 377, 29 (1438). 12, 367, 27 (1442). Huge Scheppel 6ᵃ. Stolle thür. chr. 441 Thiele (enwegk). U. Füeterer Lanzelot 5. Keisersberg bilg. 32ᵃ. Luther hat 2. Thessal. 2, 7 mus enweg gethan werden in den ausgaben des N. T. bis 1525 (eine ausg. von 1524 eynweg, später hinweg). in den frühnhd. glossaren steht noch enweg in verbindung mit verben, so häufig im voc. theut. von 1482. einweck-, einwech- bei Diefenbach gl. 456ᵇ recedere, 523ᵃ secedere (auch im voc. theut. nn 4ᵇ) soll wahrscheinlich auch gesprochenes enweg wiedergeben (vgl. mnd. eyn wege Schiller-Lübben 1, 710). die einsilbige form könnte sich durch einmischung des adverbialen acc. von weg (s. d. subst. B 2 a und A 2 f) nach verben der bewegung (z. b. sînen wec gân) erklären, doch wird eher an lautliche entstehung zu denken sein. da n von enweg konnte zunächst in der unbetonten silbe vor w (wie in der 1. pl., lebe wir aus leben wir) verloren gehen, diese mittelform eweg ist im 15. jahrh. mehrfach belegt: eweich städtechr. 12, 363, 16 (Köln 1415), ewech Kölner zunfturkunden 2, 574, 13 (1487), eweg d. volksbücher 340, 35 Bachmann - Singer, eweck furen Diefenbach gl. 178ᵃ defluere, ewech gan 523ᵃ secedere, ewech legen 528ᵃ seponere; auch aweg 178ᵃ und 486ᵇ in einem glossar aus der Moselgegend, was wol auf anweg führt, das auch im mnd. vorkommt (we an wegh vloghe quelle von 1362 bei Schiller-Lübben 1, 710). noch jetzt steht im obd., sowie im rhein- und mittelfränk., eweg neben weg Martin - Lienhart 2, 801ᵇ. Stalder 1, 347. Seiler 307. Hunziker 290. Fischer 2, 745. Schmeller 2, 875. Frommann 5, 509, iii, 5 (Niederösterreich). 6, 108, ii, 11 (Siebenbürgen). Meisinger 21. Autenrieth 42. Crecelius 898. Follmann 533. Hönig² 45. Leihener 31ᵇ; auch im Vogtland und im Erzgebirge Müller-Fraureuth 1, 307. das e im unbetonten anlaut konnte dann wegfallen, wie in neben aus eneben. auch im nd. entstand wech (daneben wege, s. 3) aus älterem enwech Schiller-Lübben 5, 620. dies wech ist als lehnwort auch ins nfries. gedrungen Möller 294ᵃ. Schmidt-Petersen 158. wfries. wei (auch häufig in comp.) Dijkstra 3, 418ᵇ scheint unter einflusz des ndl. zu stehen, das wie das deutsche weg (mndl. enwech, ewech) entwickelt hat.
2)
von dem subst. unterscheidet sich das adv. weg durch die erhaltung der kürze und (nach der vorherrschenden aussprache) das bleiben der mhd. auslautverhärtung, was sich aus der begrifflichen trennung der worte erklärt. dehnung tritt mundartlich nur selten ein, z. b. in Glarus ewǣg neben ewæk Streiff 93, in Österreich und Siebenbürgen ewēg, s. o. Frommann, im Egerland wēg Schiepek 457. vereinzelte reime (bis ins 18. jahrh.) wie weg: steg Waldis Esopus i, 267. Harsdörffer sonntagsandachten 1, 151. P. Gerhardt bei Fischer - Tümpel 3, 400ᵃ. Haller ged.⁸ 32. Brockes 7, 204 sind kaum für die dehnung beweisend; die meisten dichter, die weg im reime haben (viele vermeiden es hier), binden es mit kürze. der auslaut. consonant ist im obd. meist die fortis (z. th. mit aspiration Bohnenberger mda. der deutschen Walliser 184), seltener ist die lenis eingeführt; im md. kommt wĕk und wĕch vor. letztere form ist mehr der städtischen aussprache eigen, doch ist bemerkenswert, dasz vielfach da, wo sonst ausl. g (mit angleichung an den inlaut) als spirant gesprochen wird, gerade im adv. weg sich der verschluszlaut erhält, z. b. in Nürnberg Gebhardt § 121, 4, im Egerland Schiepek 458, in Zwickau Philipp 24. der ältere schreib- und reimgebrauch weist ganz überwiegend auf wĕk. im 15. jahrh. wird oft wegk und weck geschrieben, in den glossaren auch nicht selten wech, doch meist in nd. quellen. Luther hat in seinen älteren schriften häufig wegk und weck, führt aber in der bibel weg durch, was dann die gewöhnliche form wird. doch kommen die älteren schreibungen bis ins 17. jahrh. vor, wegk z. b. H. Sachs 4, 65, 37. sprichw. (1548) 114ᵃ. Lindener Katzipori 79. Mathesius Sarepta 192ᵃ. Fischart flöhhaz 176 u. ö. Hayneccius Hans Pfriem 2357. Froschmeuseler N 1ᵇ u. ö. Ayrer 2001 u. ö. Eyering 3, 154. Opitz poem. 116 neudr. Spee trutznacht. 65. Micraelius Pommern 1, 53. P. Gerhardt bei Fischer - Tümpel 3, 299; weck H. Sachs 14, 270, 4 u. ö. Franck chron. Germ. 177ᵃ. Aventin 4, 183, 31. Rebhun Susanna 5, 149. Krüger Clawerts werckl. hist. 67. Balde Agathyrsus 105, 1. Abr. a. S. Clara Judas 2, 11 u. ö. österr. weisth. 5, 123, 43 u. ö. cod. austr. 1, 672 (1656). wegg ist selten: Angelus Silesius cher. wandersmann 2, 43 neudr. Beier handlungslex. (1722) 471ᵇ. die reime weisen im 16. und 17. jahrh. bei Ober- und Mitteldeutschen sehr häufig auf wĕk (auf wĕch nur ganz vereinzelt: bäch': weg Harsdörffer sonntagsandachten 1, 275). so steht weck : speck H. Sachs 14, 223, 14. keck : hinweg Waldis Esopus 1, 96. wegk: geck Fischart Eulenspiegel 7789. schleck : wegck flöhhaz 276. wegk : dreck Froschmeuseler Bb 2ᵇ. schneck: wegk Eyering 3, 154. wegk : keck Ayrer 1536. Spee trutznacht. 65. zweck : hinweg Fleming 52 Lappenberg. zweck : wek Harsdörffer gesprechsp. 3, 466. weg : fleck Lohenstein Sophonisbe 67. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 33 neudr. geck : weg Morhof ged. 374. im 18. und 19. jahrh. werden die reime seltener: geck : hinweg Gleim lieder (1749) 37. weg : dreck Blumauer Aeneis 79. weg : keck Schiller 11, 221. 12, 58. säck : weg J. Paul leben Fibels 244. geck : weg Heine 1, 307. geneck : weg Kopisch 1, 131. weg : speck Strachwitz neue ged. 158. diese reime stehen im einklang mit Adelung, nach dem in weg 'ein gelindes k' gesprochen wird. viele, z. b. Wieland, Göthe. Uhland, Rückert vermeiden aber weg im reim, da sie wol wěk nicht als der schriftsprache gemäsz ansehen. Brentano 2, 24 läszt einen Tiroler singen:
französische nägel
sind weich wie a dreck.
kaum trifft sie der schlegel,
so ist der kopf wegk.
hier ist schon durch die schreibung angedeutet, dasz die aussprache mit verschluszlaut dem dichter nicht eigen war. doch ist wĕk nicht nur im süden, sondern auch im norden (vgl. z. b. bei W. Busch Max u. Moritz 19 den reim meck : weg), die gewöhnliche form und auch die bühnensprache hat sich dafür entschieden Siebs bühnenaussprache 77. Vietor aussprache des schriftd. 109ᵇ.
3)
im mhd. kommt in wege sîn 'auf der fahrt sein' vor, s. o. sp. 2883. später steht auch in verbindung mit sein, bleiben und andern verben der ruhe enwec, wec; vereinzeltes wege in hd. quellen (Decamerone 46 u. ö.) zeigt eine willkürliche erweiterung. dagegen bewahrt das mnd. den unterschied, wo es enwege (auch enwegen) oder wege wesen, bliven usw. heiszt Schiller-Lübben 1, 710. 5, 648, dagegen enwech oder wech gan usw. im mndl. steht wey (aus wege, enwege) neben wech Verdam 686ᵇ. noch in späteren mundarten wird zwischen wege bei verben der ruhe und weg bei verben der bewegung unterschieden brem. wb. 6, 401; sprichwörtlich heiszt es: warumme sluͤst du den stal, als de page (pferd) is enwege? Tunnicius sprichw. 1328 Hoffmann; wer nich komen wil, der blift wege Schambach 291. doch kommt auch wege bei verben der bewegung vor (wege-, wegengân Schambach a. a. o.). bei Mathesius erscheint in wege in verbindung mit laufen: was hierinn gut ist (in der fabel), das halt aus, das böse laufft in wege, und hütet euch darfür Sarepta 26ᵇ; solche taube schlacken pfleget man in wege zu lauffen, wie die taube halle 107ᵇ. da bei weg sein kaum an lautlichen abfall des e, z. b. im dialekt Luthers, zu denken ist, hat es sich wol unter einflusz von weg gegangen, gekommen usw. sein entwickelt (vgl. auch mnd. do was Reynke al wech syne strate Reynke Vos 1162).
II.
bedeutung und gebrauch. es müssen auch die zusammensetzungen von weg mit verben und nominibus mitherangezogen werden, in denen sich die bedeutung besonders reich entwickelt hat. die nomina schlieszen sich dabei durchweg an die verba an und treten später als diese auf. bei den verben geht nur im eingeleiteten abhängigen satz und überall beim inf. und part. weg voraus und es ist dann zusammenschreibung mit dem folg. wort üblich, doch schwankt der gebrauch bis in die neueste zeit sehr und wird weg auch oft getrennt geschrieben. es können sogar andre wörter zwischen dem adv. und verbum stehen, was aber (abgesehen von dem zu beim inf.) nur in der poetischen sprache vorkommt:
wenn du mich vom plan weg wolst heiszen.
Ayrer 1397;
da man ihn nit bald weg wird streichen.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs 109, 77;
nicht die, die kummen sollen, nur die, die weg sich funden.
Logau 3, 7, 13;
lasz nicht ...
dich verführen, weg vom ufer zu gehn.
Klopstock oden 1, 174, 54;
und die troischen weiber ...
weg in schiffen zu führen zum lieben lande der väter.
Voss Ilias 16, 830;
und durften sie nicht knicken,
und weg sie jucken nicht.
Göthe 14, i, 111;
dasz uns keine gewalt noch list
von dem Friedländer weg soll treiben.
Schiller 12, 56;
der die ochsen mir ...
weg wollte treiben auf des vogts geheisz.
14, 294.
enwec, weg ist eigentlich 'auf den weg, auf die fahrt'. es bezeichnet so die entfernung von einem ort durch die thätigkeit, zugleich aber auch die erstreckung der thätigkeit in einer bestimmten richtung. es ist dann in seiner anwendung nach verschiedenen seiten hin weiter ausgebildet worden. es berührt sich dabei mit andern adverbien, die auch mit verben der bewegung verbunden werden. ganz wie weg wird früher dannen gebraucht, das bis zur mitte des 12. jahrh. weg vertritt, im mhd. neben diesem steht und in fester verbindung mit verben im 16. jahrh. erlischt (s. th. 2, 746), doch erhält sich von dannen. vielfach steht ab. neben weg, das aber zunächst nicht die entfernung von etwas, sondern die trennung oder loslösung von etwas bezeichnet (vgl. abfahren, ablegen, im verhältnis zu wegfahren, weglegen), daher sich in seiner anwendung zwar mit weg berührt, aber gewisse gebrauchsweisen nicht entwickelt und nicht für die erstreckung der thätigkeit in einer bestimmten richtung steht. diese drückt hin aus, das aber auch die erreichung eines zieles bezeichnen kann und jetzt vorwiegend bezeichnet. seit dem 14. jahrh. (s. th. 4, ii, 1535) verbindet sichzunächst im md. — hin mit weg und zusammensetzungen mit hinweg stehen dann neben solchen mit weg, doch tritt bei hinweg die örtliche grundvorstellung noch deutlicher hervor. am meisten macht das aus dem nd. und md. vordringende fort (für älteres fürbasz) dem weg concurrenz, es bezeichnet zwar zunächst das fortschreiten der thätigkeit, schon bei Luther aber auch das ausgehen von einem orte, so dasz jetzt vielfach zusammensetzungen mit fort gleichbedeutend neben solchen mit weg stehen; doch drückt fort nicht in dem grade wie weg die beseitigung aus, sowie nicht das zuendebringen.
1)
in verbindung mit verben haben sich bei weg folgende bedeutungen entwickelt.
a)
bei transitiven verben bezeichnet es vor allem die entfernung von einem orte durch die thätigkeit (darum pflegen sich bestimmungen mit von, aus anzuschlieszen), so in wegblasen, wegdrängen, wegdrücken, wegführen, wegheben, wegräumen, wegreiszen, wegrücken, wegscharren, wegschleppen, wegschleudern, wegschnellen, wegstoszen, wegtragen, wegtreiben, wegwälzen, wegzucken. die zusammensetzung kann zugleich die bewegung nach einem andern orte hin durch die thätigkeit bezeichnen. bisweilen handelt es sich nicht um eine entfernung, sondern nur um eine wendung zur seite, so in wegbiegen, wegdrehen, wegkrümmen, wegstrecken. liegt kein verbum der bewegung zu grunde, so drückt die zusammensetzung aus, dasz der durch die thätigkeit betroffene sich entfernt oder vertrieben wird, so in wegbannen, wegbeiszen, weglocken, wegprügeln, wegrufen, wegschelten, wegschmeicheln, wegschrecken, wegstechen, wegwinken, wegzaubern. hie und da findet die entfernung vom subjecte statt, so in wegbrechen 'vomere', weglegen 'von sich legen', wegwerfen 'von sich werfen', wegschwitzen, namentlich bei mittheilung an andere, wie in weggeben, wegleihen, wegschenken. zuweilen wird ausgedrückt, dasz ein gegenstand nicht durch die thätigkeit selbst entfernt, sondern anders wohin gethan und dann durch die thätigkeit betroffen wird, so in wegbinden 'anderswo anbinden', wegpacken, wegschlieszen, wegstecken, auch 'ins gefängnis stecken'. intransitive verba drücken aus, dasz man sich durch die thätigkeit von einem orte entfernt (dann auch einem andern zuwendet), so in wegeilen, wegfahren, wegfallen, wegfliegen, weglaufen, wegreisen, wegschleichen, wegschwimmen, wegspringen, wegstürzen, wegtreten, wegwandern, wegziehen. die neuere sprache hat das auch bei verben, die an sich keine bewegung nach vorwärts ausdrücken, so wegbrausen 'sich brausend entfernen', weghinken, wegrauschen, wegstolpern, wegtropfen, wegzittern. eine wendung zur seite bezeichnen wegblicken, wegsehen, wegstarren. eine besondere gruppe bilden wegbleiben 'fern bleiben', wegliegen, wegstehen, weghaben 'entfernt haben'; ferner weggedenken 'an den weggang denken', wegfinden 'sich zum weggang anschicken', weghelfen 'zum weggang verhelfen', wegverlangen 'verlangen wegzugehen', wegsehnen, wegwünschen; wegmüssen 'weggehen müssen', wegdürfen, wegkönnen, wegsollen.
b)
mit dem begriff der entfernung berührt sich der der entziehung. weg bei transitiven verben kann ausdrücken, dasz von einem gegenstand etwas abgelöst oder weggenommen wird, so bei wegbrechen, wegbrühen, weghauen, wegnehmen, wegscheren, wegschlagen, wegschneiden. besonders zeigt sich der begriff der entziehung bei verben mit einem persönlichen dativ: einem etwas wegangeln, wegessen, wegfangen, wegkapern, wegkaufen, wegreiszen, wegschnappen, wegstehlen, wegtragen, wegzwacken. wer einem andern etwas entzieht, pflegt aber selbst den gewinn davon zu haben, weg kann daher auch einen erwerb oder vortheil für den, der die thätigkeit ausübt, bezeichnen. so steht neben einem etwas wegangeln auch blosz wegangeln 'listig für sich gewinnen', neben einem etwas wegkaufen auch blosz wegkaufen 'für sich ankaufen'; so drückt noch aus, dasz die thätigkeit dem subject zu gut kommt wegbekommen, wegbringen 'davon bringen', wegholen, wegkriegen, wegpflücken, wegtragen 'davon tragen', wegtreiben, auch weghaben 'erlangt, verstanden haben', wegbehalten.
c)
weiter kann der begriff der entfernung in den der beseitigung übergehen. weg bei transitiven verben bringt vielfach zum ausdruck, dasz der durch die thätigkeit betroffene gegenstand nicht nur von seiner stelle gerückt, sondern ganz vernichtet wird, verschwindet (was neben der ursprünglichen bedeutung hervortreten kann). so bei wegbrennen, wegbringen (einen flecken), wegfeilen, weghängen 'an den galgen hängen', wegputzen 'aufessen', wegraffen, wegräumen (einen menschen), wegreiszen (ein haus), wegrichten 'hinrichten', wegschaffen, wegschieszen, wegschmelzen, wegstreichen, wegwischen, wegzehren. auch beseitigung durch rein geistige thätigkeit kann ausgedrückt werden, wie bei wegdeuten, wegerklären, wegstudiren. die neuere sprache verbindet in dieser weise auch verba mit weg, die sonst kein äuszeres object bei sich haben, so wegarbeiten (die not), wegfluchen (die schmerzen), weglachen, wegplaudern, wegspotten, wegstreiten, wegtändeln, wegvernünfteln, wegwitzeln. bei zeitbegriffen als object ist es 'mit der thätigkeit hinbringen', so weggaukeln, wegscherzen, wegträumen, wegweinen. mit persönlichem object kann es sein 'einen in der thätigkeit übertreffen, zu schanden machen', so einen wegarbeiten, wegsaufen, wegstechen, wegwiegen. bei intransitiven verben kann sich die bedeutung 'vernichtet, beseitigt werden' (z. th. in allmählicher entwicklung wie bei hin-) einstellen, so in wegdorren, wegdunsten, wegfallen, wegfaulen, wegschmelzen, wegschrumpfen, wegtrocknen, wegwelken, z. th. erst in neueren bildungen. nur verstärkend ist dies weg in wegscheiden, wegschwinden, wegsterben.
d)
endlich finden sich bildungen mit weg bei verben, die ein inneres object bei sich haben, wo wol auch von dem begriff der beseitigung auszugehen ist. sie treten erst in der neueren zeit auf und gehören mehr der umgangssprache an (Campe hat sie zuerst eingehender behandelt). die verba drücken zunächst aus, dasz die thätigkeit in beziehung auf das object ganz zu ende gebracht wird, so dasz dieses erledigt oder aufgearbeitet ist, z. b. eine aufgabe wegarbeiten, getreide wegbinden, ein buch weglesen, den flachs wegspinnen. häufiger wird aber nur bezeichnet, dasz die thätigkeit ihren anfang nimmt und ungehindert oder ununterbrochen weitergeht, so ein stück wegblasen 'darauf los' oder 'herunterblasen', ein lied wegpfeifen, ein gemälde wegpinseln; die verba werden dann auch oft absolut gebraucht. so noch wegessen, weggenieszen, weghauen, weghudeln, wegleben, wegliegen, wegmachen, wegmalen, wegplappern, wegpredigen, wegschaffen, wegschlafen, wegschnarchen, wegschreiben, wegsingen, wegsprechen, wegthun, wegtrinken, wegwaschen.
e)
in wendungen wie er springt über den stuhl weg, drückt das verbum meist nicht die entfernung aus (er entfernt sich, indem er über den stuhl springt), sondern die richtung, die die thätigkeit nimmt (er macht einen sprung über den stuhl hin), s. d. folg. abschnitt.
2)
weg kann sich auch als adv. in näherem anschlusz an nominale wendungen zeigen; die nähere abgrenzung dieses adv. von dem verbalpräfix ist nicht immer leicht.
a)
wenn auszer weg noch eine andere locale bestimmung neben dem verbum steht, so kann sich auch hier weg näher an das verbum anschlieszen (was namentlich bei bestimmungen mit von oder aus das gewöhnliche ist), es trägt dann, wenn ein subst. mit präp. vorhergeht, den ton:
schreck ihn durch list aus diesen mauern wég.
Schiller 13, 404;
mit jedem schlag in seine üpp'gen wellen
wäscht sich ein makel mir vom busen wég.
H. v. Kleist 2, 100;
wenn du dein labsal mir zeuchst für dem munde wég.
v. Lohenstein Agrippina 44;
wenn ich kopf fand, sah ich über die sitten wég Schubart leben 1, 98; zieht ihm doch inmittelst die leiter unter den füszen wég Winckler 2000 gutte gedancken D 8ᵇ. es kann aber auch weg mit der vorausgehenden präpositionellen wendung enger verbunden werden, es ordnet sich dann im ton dem vorausgehenden subst. unter: als wir noch eine meile von der stadt waren, fuhren wir ganz sachte an den úfer weg Ch. Reuter Schelmuffsky 37; nach dem heutigen weltlauf drückt sich das nützliche immer an den wä́nden weg Musäus moral. kinderklapper 13; nun ging es an den féldern weg Göthe 24, 145 Weim. ausg.; die wasserleitung geht nahe am theáter weg Seume 129; es (das kind) stieg auf den geländern der gä́nge weg Göthe 21, 171; das mädchen flog mit leichten füszen über die blúmen weg S. Geszner 1, 126; sie ... risz den dolch blitzgeschwind heraus, und fuhr mit spitze und schneide ihm rasch über die hánd weg Göthe 22, 132; (das genie) läuft glücklich wie ein nachtwandler über die scharfen gípfelrücken weg, von denen die wache mittelmäszigkeit ... herunterplumpst 45, 188; der ausflusz der Pegnitz lauft unter einem schwibbogen der stádt weg Nicolai Seb. Nothanker 1, 204. (geht ein pron. mit präp. voraus, so erhält weg auch in diesem fall den ton: Fink sprach über ihn wég, als wenn ein stück luft auf dem stuhle des hausherrn sitze Freytag 4, 286). tritt weg im anschlusz an eine vorausgehende präpositionelle wendung aber vor das verbum, so pflegt es mit diesem zusammengeschrieben zu werden und auch einen hauptton zu erhalten:
(den jagdzug) sah ich noch
vor wenig stunden übern markt wégführen.
Schiller 12, 306;
als der sohn, der sich unter dem fenster wéggeduckt und an die ... thür nicht angeklopft hatte, plötzlich eingetreten war J. Paul Q. Fixlein 69 (andere fälle der art sind unter den verben angeführt). nimmt man die verba als zusammengesetzt (was meistens geschieht), so musz man ihnen eine von der gewöhnlichen abweichende bedeutung anerkennen; sie bezeichnen die richtung, die etwas in seiner thätigkeit nimmt (ähnlich: über den markt hin, unter dem fenster hin).
b)
in folgenden festen verbindungen schlieszt sich weg enger an die präpositionelle wendung an, der es sich im ton unterordnet, und wird für gewöhnlich nicht mit einem folgenden verbum zusammengeschrieben (die zusammenschreibung der texte ist im folg. beibehalten worden; als zusammensetzung würde die bildung mit weg zu 1 d gehören; etwas vom herzen wegsagen u. dgl. kann auch als 'sich durch rede vom herzen schaffen' genommen werden).
α)
von der hand, von (auch vor) der faust, von der zunge, von der brust, vom herzen, von der leber weg: die currentsachen ..., die sich von der hand wegarbeiten und wobey es nur auf eine deutliche vorlegung der umstände ankommt F. C. v. Moser der herr u. der diener 179 (s. auch wegschaffen 2); wenigstens ist die gelehrsamkeit, als ein gewerbe, unter uns in noch ganz leidlichem gange ... und unsere übersetzer arbeiten noch frisch von der faust weg Lessing 6, 3; meine freunde ... heiratheten vor der faust weg, brockten sich eine suppe ein, und haben nun was auszuessen Hermes Sophiens reise 2, 14; aber thorheit ist es, von der faust weg über sachen abzusprechen, welche so vielerley seiten haben Bode Montaigne 4, 420; indem der arzt die sehr kranken, die nicht selbst kommen können, nie sieht und vor der faust weg verordnet Niebuhr nachgel. schriften 133; seyd so gut und haltet die rede, wie ich sie euch vorsagte, leicht von der zunge weg Shakespeare 3, 239 (Hamlet 3, 2); der Teutsche hat die üble gewohnheit seine meinung von der brust wegzusagen Schiller 2, 383 (nur: von der brust weg 'frei heraus' 3, 364 kab. u. liebe 1, 2); so schwatzt man doch wenigstens seinen unsinn und aberwitz frei vom herzen weg Herder 5, 373 Suphan; ein gewaltiger jäger, ders so frey vom herzen weg gesteht, dasz er keine viertelstunde sitzen könne Lavater physiogn. fragmente 1, 232; wir bemerkten einige greise, welche ... lustig und guter dinge zu sein schienen, bis wir sie offenherzig genug machten, ihr elend vom herzen wegzusagen G. Forster 2, 428; gerade vor der wichtigsten entscheidung meines lebens musz ich ihnen wieder begegnen, der einzigen, die mich wirklich kennt und der ich ... recht vom herzen weg beichten durfte Heyse nov. 1, 39; rede nur jovial vom herzen weg O. Ludwig 1, 215; o! ich mus mit dir von der leber wegreden Hermes Sophiens reise 2, 346; ich achte es für ein wahres glück, mit ihnen frei und, wie man zu sagen pflegt, von der leber weg, über alles sprechen zu können Solger nachgel. schr. 1, 292; schreiben sie also nur frisch von der leber weg v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 292; und komme ich einmal in Berlin mit ihm zusammen, so sag' ich's ihm frei von der leber weg v. Gaudy 2, 157; wie that es ihm wohl, dasz der frische zug der wahrhaftigkeit wieder durch das deutsche leben ging und jeder tapfer von der leber weg sprach Treitschke d. gesch.³ 1, 453; vgl. auch th. 6, 461. vom blatt weg: (dasz) er ... alles ohne unterschied vom blatte weg spielen soll Ph. E. Bach art das clavier zu spielen 1, vorr. 2ᵇ; er singt mit unnachahmlicher fertigkeit alles vom blatt weg Schubart ästhetik d. tonkunst 136; aber sagt: könnt ihr alles vom blatt weglesen? Shakespeare 1, 24 (Romeo u. Julia 1, 2); dieses verdienst gehört in eine klasse mit der fertigkeit eines tonkünstlers, die noten frisch und rein vom blatte wegzuspielen G. Forster 3, 57. vom fleck weg: ich sah heut nacht im traum eines, stöszt mir das irgend wo auf, so nehm ichs vom fleck weg Stephanie d. j. singspiele 76. auf dem nägele weg (s. nägelein th. 7, 264): medicis, welche den Hippocrates, Galenus ... und andere, auff den nägele weg und auszwendig her sagen ... könten Philander 1, 197, vgl. 1, 591. in einem atem weg:
ein pferd von solcher art geht hurtig viele meilen
in einem athem weg, und hasset das verweilen.
König ged. 228;
alles das frage ich sie so in einem odem weg, um ihnen stoff genug zu geben, mir bald und recht viel zu antworten Rabener 6, 114.
β)
vor sich weg (vgl. vor sich hin):
sihe an die andern thier,
haben der füsz nicht mehr denn vier
und lauffen dennoch vor sich weg.
Waldis Esopus 1, 133 (1, 88, 5) Kurz;
in dem sich nichten saumpt die schneck,
in einem gang kroch für sich wegk.
Eyering 3, 154;
und lag also für sich weg als ruhet er B. Quinos sterbekunst (1586) 81; welche ... mit den händen vor sich weggriff und ihren allerliebsten suchte junker Harnisch 169; seine hände ... hielt er mehrentheils gerade vor sich weg Nicolai Seb. Nothanker 1, 44; in solchen krummen gängen und pfaden, dasz ein ehrlicher kerl kaum eine spanne vor sich wegsehen kann Sturz 1, 265; er nahm also seine zuflucht zu dem buch, schlug die augen nicht weiter auf, und las andächtig vor sich weg 1, 268.
c)
eine selbständigere stellung dem verbum gegenüber nimmt weg mit der präpositionellen bestimmung namentlich auch dann ein, wenn dies noch mit einer anderen localen bestimmung verbunden ist:
und aus den reihen verlieret
sich Psyche zwischen felsen
und sträuchen weg.
Göthe 4, 188 Weim. ausg.,
wir gingen neulich durch den wald
und an dem berge weg.
11, 299;
der überm abgrund weg das freie gras
abmähet von den schroffen felsenwänden.
Schiller 14, 397 (Tell 4, 3);
er führete uns die treppe wieder hinunter, über den schönen saal weg, und in eine grosze stube Ch. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 17 neudr.; drängt euch durch die schlucht über die hügel weg, so entkommt ihr Göthe 13, i, 342; er (der kutscher) fuhr nun seitwärts durch einen wald und über lange triften weg 23, 36; man führte uns drüber (über den weg) weg und in's graue hinein 33, 67; strichregen gingen an mir vorüber und über mich weg 41, i, 261; um ihr schrecken zu vergröszern und von unserer gewalt eine probe zu geben, ward eine kanonenkugel über sie weg und zwischen die bäume nach dem lande hin gefeuert G. Forster 2, 164; ein kreis von platanen, wo man über das felsige gestade weg ins meer hinaussah Hölderlin 2, 39 Litzmann; oft sah ich mich erschrocken um, wenn der wind über mir weg durch die bäume fuhr Tieck 4, 148; es fuhr ein licht durch die stube an der decke weg, als wenn jemand mit einer laterne nachts über den hof geht Brentano 5, 92.
d)
auch in anderen fällen steht weg im anschlusz an präpositionelle wendungen selbstständiger im satze da: ward er auffgehaben zusehens, und eine wolcke nam in auff fur iren augen weg ap.-gesch. 1, 9;
und hättest du ...
die schwere strasz entdeckt an den chinenser port,
bey Nova-Zembla weg.
S. Dach 129 Österley;
sorglos über die fläche weg,
wo vom kühnsten wager die bahn
dir nicht vorgegraben du siehst,
mache dir selber bahn!
Göthe 1, 67 Weim. ausg.;
wenn die räder rasselten
rad an rad rasch um's ziel weg.
2, 70;
und du hobest mich auf, und trugst mich herüber, durch deinen
hof weg.
50, 203 (Herm. u. Dor. 2, 143);
hier am teich weg und linker hand in den wald, so kommen wir ihnen in rücken 8, 92 (Götz 3); so sende dir ehestens ein paar bogen noch ganz nasz unter der presse weg briefe 33, 63; da schrie die dirne, dasz man's über zehn häuser weg vernahm Goekingk 3, 87; wie er die obersten stufen übersprang und über den kurzen flur weg fast gleichzeitig die klinke der stubenthür ergriff G. Keller 4, 22; der ... alte baron wurde rot über den ganzen kahlen kopf weg Fontane I, 5, 160. namentlich erscheint von — weg häufig als eine selbständige bestimmung 'von etwas entfernt oder sich entfernend':
nun wende dich, und wirf den blick,
von norden weg, zurück gen süden.
Gottsched neueste ged. 23;
ach, der sturm! verschlagen weg vom glücke!
Göthe 2, 73;
wann er (der hund) Tamiro von ferne sahe, alsbald von seinem herrn weg auf diesen zulief polit. maulaffe 5; sie solten ihre stadt abbrechen, und vom meere weg eine andere bauen v. Lohenstein Arminius 1, 885ᵇ; das auge nicht abwendend von der wolke, die vom Geierstein weg höher und höher heraufzog E. Th. A. Hoffmann 10, 27; auf geheisz der Römer siedelten sie von der küste weg im binnenland ... sich an Mommsen röm. gesch. 2, 169; in der sache ändert sich insofern nichts, als nun der vorwurf vom präsidenten weg auf Stüve fällt J. Grimm an Dahlmann briefw. 1, 173. 'direct woher kommend': und was der best rock ist und von der nadel weg O. Ludwig 2, 373; könnt ihr euch denken, wie der thurm dort auf dem Staufenberg einmal neu war, frisch von kelle und hammer weg? Auerbach 17, 183.
3)
weg findet sich auch in näherem anschlusz an ein vorausgehendes adv. (der ton ruht dann überwiegend auf weg, doch kommt auch betonung des adv. vor). es wird dann theils mit diesem adv. zusammengeschrieben, theils auch getrennt gelassen, auch kommt verbindung und zusammenschreibung des weg mit einem folg. verbum vor. (in den belegen ist die schreibung der texte beibehalten.)
a)
weg mit ortsadv.: beyweg, nebenweg, juxta, secundum Stieler 2456; der schusz gehet beyweg, ictus non tangit ebenda (jetzt veraltet); sie haben sehr weit neben weggegriffen Bode gesch. des Thomas Jones 3, 277; durchweg, ursprünglich local: er ... stach den Türken, der so auff ine drengte, durch wegk und sties ine über bort ins wasser Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 352 Gäbel; mitten durch weg auf einem wagen mit vier pferden fahren, per medium aliquid quadrigis vehi Hederich 2568; dann wie durchaus, s. th. 2, 1710; oben weg, unden weg Stieler 2456: für geld und gute worte finden sich überall leute, die das (die übersetzung) schon so grob oben weg zu machen wissen; musz es doch hernach erst poliren Fr. Müller 2, 40; ob er (der trunk) mir gleich die beine ein paar mal unten weg zog Shakespeare, Macbeth 2, 2; hinten weg, vornen weg: das müssen ihm selbst seine feinde ... nachsagen, dasz er das maul immer vorn weg hat Tieck 5, 378; nu sieh ock die lange latte, die da vorne weg geht! G. Hauptmann die weber 107 (akt 5); drunter weg, drüber weg: ich kenne dich doch auch schon an die dreiszig jahre und drüber weg E. Höfer erz. schriften 1, 6; an, nach, hinter, über einander weg: unsere familie ... streicht an einander weg wie gespenster Göthe 12, 52 (Lila 1) Weim. ausg.; acht nächte nach einander weg 18, 17 (die aufgeregten 1, 6); auch wird man sie (die elegien) hinter einander wegdrucken müssen, wie es eben trifft briefe 10, 256; ein büffet, ein sofa und ein piano, die hintereinander weg die ... längswand ... einnahmen Fontane I, 5, 19 (s. auch wegarbeiten 2, wegmachen 1); da die fäden durchaus kreuzweis übereinander wegliefen G. Forster 2, 166. zeitlich ist vorweg, praeveniens, anticipans Stieler 2456; er hat seinen lohn vorweg ebenda; vornewäk, voraus, zuvor Jecht 120. immer weg:
mach nicht viel wort, gib dich gefangen.
nur fort und immer weg gehangen.
Krüger bäur. richter 491;
s. th. 4, ii, 2078 den beleg aus Möser. in einem weg s. sp. 2870; vgl. noch: darauf haben sie über drei jahrhunderte in einem weg losgearbeitet Jahn merke 63; das mundartliche in eins weg kommt auch im Berliner roman vor: einen blonden jüngling mit piepsender stimme, der mich mit seinen blaszblauen augen in eins weg anschmachtet E. Georgy die Berliner range 4, 87.
b)
weg mit adjectiv-adv., zunächst neben einem verbum, dann auch für sich stehend. die bildungen gehören im ganzen mehr der umgangssprache an und erscheinen (abgesehen von schlechtweg) erst seit der mitte des 18. jahrh. auch litterarisch (Schiller liebt sie in seinen jugendwerken): deutschweg, dreistweg, flüchtigweg, freiweg, frischweg (s. auch wegspielen), geradeweg (s. th. 4, i, 3557), glattweg, gleichweg, kurzweg (s. th. 5, 2855), leichtweg (s.weglesen 2, wegspielen), lustigweg, raschweg (s.wegthun 2), reinweg (nach th. 8, 700 bes. nd.), rundweg (th. 8, 1516 aus Schiller), sachteweg, schlechtweg (s. th. 9, 546), schlichtweg, schnellweg, stillweg, trockenweg, voreiligweg (s. wegverachten), warmweg (in den quellen ist überwiegend weg vom adv. getrennt geschrieben; auch anschlusz an das verbum kommt vor, das als zusammensetzung genommen zu 1 d gehört): halten sie mirs zu gnaden, dasz ich so deutsch weg rede Rabener 3 (1752) 415; die meisten von der gesellschaft behaupteten dreist weg, dasz alle diese geheimen künste auf eine taschenspielerei hinausliefen Schiller 4, 208; ja, ja, das sing er nur recht dreist weg, rief darauf sogleich die dame wieder v. Eichendorff 3, 11; wer etwas, das mit fleisze gemacht werden sollte, nur flüchtig weg machet, der machet es obenhin Gottsched beobacht. 216; in Italien sey warm ... in den dreyszig sey er da gewesen, erzählte er so ganz flüchtig weg Göthe briefe 3, 7 Weim. ausg.; eben deswegen müssen wir unsere meinung frey und deutsch wegsagen litteraturbriefe 15, 39; es mag wohl nicht recht gewesen sein, gleich so frei weg zu sprechen Fontane I, 5, 132; frei — weg! (commando, wenn vorwärts marschirt werden soll, nachdem auf der stelle getreten ist); die Gretel liest ihren brief frisch weg Rabener 6 (1777) 18; ich glaube, sie hätte ihren vater so frisch weg geheirathet wie den sohn Göthe 24, 147; wie ich ... immer geneigt war, was die gegenwart heiteres anbot, frisch weg zu genieszen Steffens was ich erlebte 4, 248; indessen waren die herren von Abdera gewohnt, so glattweg und bona fide bey ihrer staatswirthschaft zu werke zu gehen Wieland 19, 277; der kerle ... begehrte gleich weg seinen abschied Ch. Weise erznarren 31 neudr.; aber lustig weg landsmann. lasz uns ausfahren, wie listige erben, die heulend hinter der bahre gehen, und desto lauter ins schnupftuch lachen Schiller 3, 23 (Fiesko 1, 7); so musz man mit mühe das lachen halten über die schrecklichen geberden, mit denen sie (in der vorlesung) alles rein weg zu papier zu bringen suchen, was von seinem (des professors) munde ausgeht Rebmann der Leipziger student 46 neudr.; und was hatte ich gethan? nichts, reinweg gar nichts Stinde familie Buchholz¹⁰ 19; da fragt man erst recht sachte weg, und der gefangene ist stolz auf seine unschuld Göthe 8, 250 (Egmont 4); so schlicht weg (gespielt) alles, so schlank hin, gar nicht einmal wie auswendig gelernt, — was ist denn darin für kunst? Tieck novellen (1854) 12, 251; zehn töne nach einander schnell weg sind leichter zu singen, als ein einziger von gewicht Heinse 5, 45 Schüddekopf; hier seht ihr, ist die königliche vollmacht, eigenhändig unterschrieben, Gottlieb (der name des königs) simpel weg Tieck 10, 102;
laszt euch still weg in lieb' und güte hängen,
und zwingt uns nicht zu harten prozeduren.
3, 152 (Fortunat I, 3, 3);
sie lebten still und finster weg; nur mit dem schulzen ... verkehrten sie zuweilen E. Höfer erzähl. schriften 5, 231; ich habe erfahren, dasz sie still weg leben Freytag verl. handschr. 1, 262; er hat es ernsthaft gesagt ... das wars eben. so trocken weg, und so weinerlich Schiller 3, 23 (Fiesko 1, 7); gearbeitet habe ich noch nichts, aber sobald ihr wieder hier seid, geht das rasch und warm weg briefe 1, 296 Jonas. die wendungen kommen auch adjectivisch vor: der mensch ist schlecht weg, non nimis exquisitus est hic homo, sine dolo, simplicis ingenii Stieler 2456; Leo hätte geantwortet, aber so frei weg er sonst war, er genierte sich doch einigermaszen Fontane die Poggenpuhls 65; es ist dumm, dasz die besten pastoraltheologien über diesen punkt so hurtig weg sind wie schnupftabak J. Paul Hesp. 3, 54 (s. th. 9, 1391).
c)
auch so weg 'ohne weiteres' begegnet (doch kann in den folg. belegen auch weg mit dem verbum verbunden werden): die jenseitigen Deutschen rupfen den teig wieder aus einander und braten ihn in butter auf. der wälsche Tyroler iszt ihn so weg Göthe 30, 55;
kleine diebe hängt man so weg (nd. de kleynen deve
hengetmen wech), es haben die groszen
starken vorsprung, mögen das land und die schlösser verwalten
50, 108 (Rein. Fuchs 8, 134);
auch die bessere seele, die sich im lesen erhohlen will, naht gefahren, wenn sie so weg lieset, was der zufall in die hände spielet Jahn volksthum 261; es geht noch immer so weg (erträglich).
4)
weg als adv. 'entfernt' kann durch weit verstärkt werden; diese verstärkung kommt auch in fällen vor, wo weg näher an das verbum angeschlossen wird (s. auch wegwerfen 6): gott wolle ... kranckheit und ander unglück weit davon weg verbannen Ch. Weise polit. redner 261; nicht nah vor der stadt, sondern gantz weit weg Lichtenberg briefe 1, 305; sie ist weit weg verheirathet Göthe 23, 73; diese (wahrsagerinnen) wollte er (der Gotenkönig) nicht länger dulden, sondern verjagte sie weit weg in die wildnisz Grimm d. sagen 2, 16; beschlosz also, zu reisen, so weitweg, wie möglich Immermann Münchh.² 1, 10; nachdem aber später die Franzosen ... ihre würfe höher richteten, und die kugeln weit von uns weg fielen Grillparzer⁵ 19, 46. sprichwörtlich:
es blitzt und schlägt mit pulver und blei,
weit weg ist besser denn dabei.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 435;
weit weg ist gut vorm schusz Arnim 16, 136. auch fern weg (s. 5 a): wie wir noch offtmals zu thun pflegen dem so uberfeld oder ferne wegwandert, das wir eins teils weges mit im gehen Edelman hochzeitpredigten (1583) F 7ᵃ; Schilrick scheidet von seiner geliebten Vinvela: fern weg, fern weg in Fingals kriege: er verläszt sie Herder 3, 27 Suphan. auch mit maszangaben verbunden: der pfaff ist uber ain myl weg bei dem wyn Eberlin v. Günzburg 1, 187 neudr.
5)
prädicativer gebrauch von weg kommt schon im mhd. vor; bei Luther ist er sehr gewöhnlich (in der älteren bibel wird an den betr. stellen wegsein noch nicht verwendet). weg pflegt mit sein und gewesen zusammengeschrieben zu werden, nicht aber mit den formen des verbum finitum.
a)
weg kann 'entfernt, in der ferne' sein: die wile der bobest enweg was, do zwischen schluͦg Dietrich von Bern Boetio und Simacho ... die houbter abe Closener städtechr. 8, 31, 21;
doch kommen, die Adramelech verehren,
sklavische heuchler, dahin, und beten sein luftiges unding,
wenn er da ist, gebückt, und wenn er weg ist, mit hohn an.
Klopstock Messias 2, 349;
Schnürtzgen. ach! ihr kinder! was soll denn das bedeuten, dasz du schon wieder hier bist. Lorentz. was solls bedeuten, dasz ich nicht mehr weg bin Ch. Reuter Schlampampe 106 neudr.; Theophan, soll ich sagen, dasz sie nicht lange weg seyn werden? Lessing 1, 445 (der freygeist 4, 8); schon fünf tag und nächte, dasz er weg ist Göthe 8, 20 (Götz 1) Weim. ausg.; wer sich nähert, den stoszt nicht zurück und wer sich entfernt, den haltet nicht fest, und wer wiederkommt, den nehmt auf, als wenn er nicht weg gewesen wäre briefe 21, 275; wenn ich bei dir bin, zerschmilzt meine vernunft in einen blick — in einen traum von dir, wenn ich weg bin Schiller 3, 371 (kab. u. l. 1, 4); meine nachbarn wissen allemal, wenn ich weg bin O. Ludwig 2, 59. weg von, aus etwas: von hause weg seyn, domo abesse Steinbach 2, 984; er ... will daran denken, wie lang er schon von den seinigen weg ist Hebel 2, 2 Behaghel;
fern! weg von mir
sei eure treu, und eure herrlichkeit!
Göthe 17, 49;
doch weg sey stets von mir dies mittel zu gefallen.
Z. Werner ged. (1789) 7;
wie es einem so einsam ist, da alles aus dem hause weg ist Ch. Reuter Schlampampe 104 (1, 9) neudr.;
weil das bild der treffligkeiten (die geliebte),
deiner fakkel wehrter zwekk,
nu ist ausz dem leben weg.
geharnschte Venus 107 neudr.
verstärkt weit weg: er ist schon weit weg von uns Stieler 2456;
wan ich vermein,
weit weg zu sein.
Spee trutznacht. 31;
hast du nicht gesehen, wie er alles anstarret ... und wie einer antwortet, dessen seele weit weg ist Leisewitz Julius v. Tarent 29 (1, 6) neudr. fern weg: du darffest im nicht nachlauffen, er ist zu fern weg Sir. 27, 22. mit maszangaben: dann wann die leute uber land reisen wolten, ..., und das pferd sich nur umbwendet, so waren sie vierzehen meilen weck Krüger Clawerts werckl. hist. 67 neudr.; reiszaus! zerrissen die haufen! davon! sechzig schritte weg werf ich die kleider ab, stürze mich in den flusz Schiller 2, 92 (räuber 2, 3 schausp.).
b)
viel häufiger ist die auch schon seit dem mhd. vorkommende bedeutung 'weggegangen'.
α)
die feint hetten sich ein weil enthalten in dem wald und waren nit weck städtechr. 2, 193, 16 (Nürnberg 1450); do man innen ward, das sy eweg was d. volksbücher 341, 32 Bachmann-Singer; das der engel Gabriel wer weg, zuͦ dem fenster ausz geflogen Decamerone 263 Keller; da sie (die verfolger) weg waren, stiegen sie aus dem brunnen 2. Sam. 17, 21; wenn der verleumbder weg ist, so höret der hadder auff spr. Sal. 26, 20; da ich meim freund auffgethan hatte, war er weg und hin gegangen hohel. 5, 6; der Mertin bericht, ich wär weg, wüszten aber nicht wohin v. Schweinichen denkw. 140; bistu dann noch nicht weg? schausp. engl. comöd. 97, 19 Creizenach; wie froh bin ich, dasz ich weg bin! Göthe 19, 5 Weim. ausg.;
gott weisz, wo er ist kommen hin.
weg ist er nicht, das weisz ich wol.
Krüger bäur. richter 304;
sie ist fort, ich bin hier,
ich bin weg, bin bei ihr.
Göthe, 3, 36;
geht, geht mit gott madame. wir fürchten uns
vor keinem teufel mehr, sobald ihr weg seid.
Schiller (jungfr. v. Orl. 2, 2).
wegsein von etwas: ob aber ainer oder mer zuvor, ehe die dorfmaister, wie gemelt, urlaub geben, von der arbait wech waren und des urlaubs nit erwarten österr. weisth. 3, 145, 37 (Oberinnthal 1598); ganz Wien weisz, dasz ich vom erzbischof weg bin, weisz warum Mozart bei Jahn Mozart 3, 28. besonders ist weg 'plötzlich verschwunden', gern mit voranstellung: weg ist er, abiit, excessit, evasit, erupit Nieremberger;
warte doch! —
dasz er mich hörte! — he Al-Hafi! hier! —
weg ist er.
Lessing 2, 212 (Nathan 1, 3);
er war kaum von dir weg, als ich ihm nachging,
ich hatt' ihn noch zu sprechen, — doch — weg war er.
Schiller 12, 245 (Wallenst. tod 2, 3);
während ich die grösze des ankers ausmasz, weg waret ihr, ohne dasz ich wuszte, wo ihr hingekommen Wieland Lucian 1, 294; als ich von einem kleinen spaziergange einst heimkehrte, weg warst du samt deinem geschwister E. Th. A. Hoffmann 10, 45. ohne verbum: alsz disz die bruder horten, sie auf und wegk Grunau preusz. chron. 2, 237. er ist weg kann auch sein 'dahin, gestorben': sie ist dahin, mein frideschilt vur ungemach; enweg ist mein warsagende wunschelrute Ackermann aus Böhmen 10 (5, 3) Bernt u. Burdach; es ist noch umb ein kleines, so ist der gottlose nimer, und wenn du nach seiner stete sehen wirst, wird er weg sein ps. 37, 10; unser zeit ist, wie ein schatte dahin feret, und wenn wir weg sind, ist kein widerkeren weish. Sal. 2, 5; meine hütten ist zerstört ..., meine kinder sind weg, und nicht mehr fürhanden Jer. 10, 20; er ful im (um) un war weg Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ; ich werde mal weg sein wie ne mütze 'plötzlich sterben' ebenda, vgl. Wander 4, 1857.
β)
übertragung auf unbelebtes.
1))
von zeiträumen 'vergangen': wegk, einwegk, transactus oder vergangen voc. theut. (1482) nn 4ᵇ; wenn auch die zway jaur enweg und vergangen sind städtechr. 5, 377, 39 (Augsburg 1438); so der winter noch nit gantz en weg ist Keisersberg bilgersch. 32ᵃ; der winter ist vergangen, der regen ist weg und da hin hohel. 2, 11; der tag ist schon weg, the day wasts Ludwig 2406;
betrachte denn (beim jahreswechsel), mit aufmerksamen sinn,
dasjenige, was weg, vergangen, und dahin.
Brockes 4, 438.
sprichwörtlich: zeit so weg, komt nicht wieder Schottel 1136. in der Oberlausitz sagt man: neune is weg 'ist vorüber' Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ.
2))
auch sonst 'vergangen, vorüber, nicht mehr vorhanden':
wir suln in gote dan ruwen ...
alle leit sint danne weck.
H. v. Hesler apokalypse 22295 Helm;
alʒo der koning in der fursten gheinwertigkeit ist und in irem gerichte, so ist die sache weg, do er andere richtere umb gesazt hatte, und so richtet er denn billich selber weichbildrecht 217 (glosse art. 7) v. Daniels; als der taw weg war, siehe, da lags ... wie der reiffe auff dem lande 2. Mos. 16, 14; freude und wonne ist aus dem felde weg Jer. 48, 33; und wenn der tzorn (gottes) weg ist, szo sind die sund vergeben Luther 8, 519, 13 Weim. ausg.;
weil der winter ist vergangen,
schnee und eysz ist weg.
Voigtländer oden u. lieder 96:
in wenig stunden
ist alles schöne weg, ist alle pracht verschwunden.
Brockes 2, 16;
was ich mir ferner auch erstreben mag,
das schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder.
Schiller 12, 375 (Wallenst. tod 5, 3);
das wort ist weg, und der ton der empfindung tönet Herder 5, 17 Suphan; und wenn mir auch einmal so ein gedanke durch den kopf fuhr, war er gleich wieder weg Göthe 9, 128; der damm ist weg, und der strom seiner lüste kann izt freyer dahin brausen Schiller 2, 21 (räuber 1, 1 schausp.); dann war es (das land) plötzlich unter ihm weg Storm 1, 32.
3))
von eigenschaften und besitz 'verloren': dâ morne sô stirbet er ... dâ ist diu geistlîche kraft enweg mystiker 1, 265, 20 (Nic. v. Straszburg); hab ich doch nirgend kein hülffe, und mein vermügen ist weg Hiob 6, 13; böse, böse, spricht man, wenn mans hat, aber wens weg ist, so rhümet man es denn spr. Sal. 20, 14; alle seine (des reichs) herrlichkeit ist weg. es war eine königin, nu ists eine magd 1. Macc. 2, 11; wenn aber hertz und mut weg ist, so ist die manheit weg, und der man wird feyg und verzagt Luther 19, 411, 11 Weim. ausg.; es ist alles weg, was wir zuvor gehabt M. Neander sylloge locutionum 223ᵃ; das gelt ist weg, devorata pecunia est; sein guht ist weg Stieler 2456; nun ist alle hoffnung weg, now all hopes is gone Ludwig 2406; geschütz erfunden: und siehe! die alte tapferkeit der Theseus, Spartaner, Römer, ritter und riesen weg Herder 5, 533 Suphan;
bauren, wann die messer weg, stecken holtz in scheiden ein.
Logau 2, 9, 32 (s. 383 Eitner);
dasz deine freiheit weg, und dieses land ...
umb allen seinen schmuck und herrlichkeit gekommen.
Rist d. friedewünsch. Teutschland 34;
weg ist mein thun, weg stand und ehr,
weg alle meine gaben.
S. Dach 182 Österley;
allein er kam zu spät.
ihr herz war weg, weg mit dem ersten blicke.
Wieland 21, 206 (Klelia u. Sin. 2, 141);
weg ist alles, was du liebtest,
weg, warum du dich betrübtest,
weg dein fleisz und deine ruh.
Göthe 1, 70;
die furcht ist weg, der respect, die scheu.
Schiller 12, 46 (Wallenst. lager 11).
von körperlichem: meine kräfte sind weg, my strength is gone Ludwig 2406; das fleisch ist ihm alles vom leibe weg, totum corpus ad extremam tabem venit Stieler 2456;
o weh, mein nasen ist schon weg!
Krüger aktion v. d. anfang u. ende der welt F 5ᵃ;
der athem ist mir weg ... o schweres ungelück!
Gottsched ged. 681;
war ein gekos' und ein geschleck';
da ist denn auch das blümchen weg!
Göthe 14, 180 (Faust 1, 3561);
während zwei ... den ganzen feurigen schusz in's antlitz bekommen hatten. das auge müsse wenigstens weg sein, sagte die person Immermann epigonen² 1, 218. auch von krankheiten 'beseitigt': mein husten ist weg Lichtenberg briefe 1, 142.
4))
von concreten entwickelt sich weg zur bed. 'verschwunden, nicht mehr zu sehen': mein seckel mit dem golde ist gleichwol weg englische comedien u. tragedien J 6ᵇ;
abends liegt es noch im kasten,
und des morgens ist es weg.
Heine 1, 155 Elster.
5))
um das plötzliche verloren-, verschwundensein zu bezeichnen, pflegt weg vorangestellt zu werden:
weg war der (auf einmal verschwundene) schatz!
Gellert (1769) 1, 214;
ein halstuch öffnet sich, ein ärmel fällt zurücke,
und weg ist euer herz!
Wieland 9, 16 (Musarion 1);
sie kommt. auf einmal weg ist die erlog'ne ruh!
Göthe 9, 97 (mitschuld. 3, 7);
auf einmal musz eine arme Bruneschi, Emilia heiszen: — weg ist meine ruhe, und alles! Lessing 2, 115 (Emilia Galotti 1, 1); als ich erwachte, stand Adolph an meiner seite, und weg war der traum Pfeffel pros. versuche 1, 112; raunte mir mein dämon ins ohr: gestehe nur, dasz du nicht glaubst, was du singst! und weg war alle fromme andacht Heyse nov. 1, 137.
6))
sprichwörtlich: was weg ist, das lasz fahren hin Henisch 976, 62; was weg ist, beiszt (brummt) nicht mehr Wander 4, 1856; weg ist weg, fort ist fort, hin ist hin 1857.
γ)
er ist weg (verstärkt ganz weg) kommt in der umgangssprache (bes. Norddeutschlands) in übertragenen bedeutungen vor Follmann 533. Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ. Bauer-Collitz 113ᵇ. Stürenburg 328ᵃ. Danneil 245. Brendicke 192. zeitschr. f. d. mda. 1910, 39 (Neumark). Frischbier 2, 460. es kann sein: eingeschlafen; besinnungslos, bewusztlos, ohnmächtig; kraftlos nach langen schreien und wüten; betrunken (Lichtenberg 3, 74. 75, neben er ist fertig, ist hin); auszer sich vor aufregung, staunen, aus dem seelischen gleichgewicht. litterarisch nicht häufig:
der zorn
der himmlischen verweigert uns die winde.
gleich bist du (Agamemnon) weg. der streich schlägt dich zu boden.
Schiller 6, 167 (Iphig. in Aulis 376);
ich bin zuweilen so weg, dasz ich mich selbst kaum mehr kenne v. Hippel briefe 14, 91; wir haben gewonnen; sobald er sich in beweisen und vernünfteln einläszt, ist er weg Klinger 1, 97 (falsche spieler 1, 1). hingerissen, entzückt: gott, wie schön (war die landschaft)! ... auf seele — ich war weg, ganz wie der burgermeister von Krähwinkel Spindler n. f. 19, 39. in Sachsen 'ganz ohr, sehr aufmerksam' Müller-Fraureuth. namentlich auch 'verliebt, verschossen': das hexen-mädel! bin ganz weg, ganz caput, alle meine wünsche und gedanken laufen ihr nach Fr. Müller 2, 148; bald floh sie vor dem tänzer, ... wiegte das gesichtchen hin und her — ich war ganz weg v. Gaudy 2, 108; ich bin über ihren anblick ganz weg Nestroy 3, 183; ich kann mich nicht entsinnen, einen menschen gesehen zu haben, der, verzeih' den ausdruck, durch einen ganzen abend hin so 'total weg' gewesen wäre wie dieser Leopold Fontane frau Jenny Treibel 83; in jemand: Emmi war wieder ganz weg in dies lange reff von sänger Stinde familie Buchholz¹⁰ 84.
δ)
über etwas wegsein (s. 3 b J. Paul) 'darüber hinausgekommen sein, etwas überwunden haben': euer gnaden sind zwar noch nicht ganz über die jugend weg, aber sie haben doch schon einen kleinen beyschmack vom alter Shakespeare 9, 206 (Heinrich IV. 2. th. 1, 2); daher dachte der erste schon über alle schwierigkeiten weg zu seyn d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 32; nunmehr bin ich über diese besorgnisz weg Rabener 3 (1777) 151; nun werden sie wohl über ihre geschäfte, die so angewachsen waren, weg seyn Leisewitz briefe 278; von turnspielen sollen alle schwache ... ausgeschlossen bleiben, auch die, so noch nicht über die vorübungen weg sind Jahn turnkunst 244. über etwas erhaben sein, nicht mehr dadurch beeinfluszt werden: über die ehrlichkeit ist man weg Gottsched d. schaubühne 3, 120; wer darf sich rühmen, jetzt den scheitel der wahrheit erreicht zu haben, der über alle dünste weg ist? Herder 9, 499 Suphan; dasz viele nicht mehr gelesen werden, kommt daher, dasz wir über viele der albern vorurtheile selbst weg sind, gegen die er kämpfte 23, 87; du lebst ... wie ein ächter philosoph, der viel entbehren kann und über alles weg ist Wieland Lucian 1, 135; kein kampf mehr zwischen tugend und laster ... über das alles sind die eisernen seelen weit weg! was kümmert sie diesz? Lavater physiogn. fragmente 1, 90; wenn die aufmerksamkeit auf die zeit nicht aufmersamkeit auf einen schmerz, über den wir wegzusein uns bestreben, sondern auf ein vergnügen wäre Kant 10, 253; das ist die gemeine façon, über die der marquis weg ist Klinger 1, 115 (falsche spieler 1, 6); wirklich aufgeklärte menschen sind darüber weg Sintenis Flemmings geschichte (1792) 3, 71;
weg ist er (Max) über wunsch und furcht, gehört
nicht mehr den trüglich wankenden planeten.
Schiller 12, 374 (Wallenst. tod 5, 3).
6)
ein elliptisches weg als ausruf kommt seit dem mhd. vor: weg! via! Krämer 1215; weg! weg! aus dem wege, cede, da locum Stieler 2456; im anheben des regens hat man gesehen feurige kaulen auf dem Hagelisberg laufen und man stimmen horte: weck, immer weck, es kompt unser helle daher Grunau preusz. chron. 2, 358.
a)
dasjenige, das weichen soll, kann angeredet werden (es ist dann gehe zu ergänzen):
du tuost mînen ougen wê;
nû balde enwec, vil tumber man!
R. v. Ems Barlaam 11, 31;
disz ist die rechte freuden-zeit.
weg, trauren, weg, weg, alles leid.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 438;
weg, weg, du dienstbarkeit, bey der nichts ist zu finden
als gut da mangel ist.
Königsberger dichterkreis 90 neudr.;
weg! wie blikst du,
auge, ganz durch mich ein!
Klopstock oden 1, 207, 25 Muncker;
weg, du traum! so gold du bist.
Göthe 1, 48 Weim. ausg.
b)
dasjenige, das weggethan werden soll, wird im acc. angeschlossen (es ist dann thu zu ergänzen): kopf weg, gare la tête Rädlein 1036;
Marcellus. Ihr dürft nicht gehn, mein prinz.
Hamlet. die hände weg!
Shakespeare, Hamlet 1, 4;
was sie befehlen, herr, wie sie belieben — nur die pistolen weg Schiller 3, 452 (kab. u. l. 4, 3);
die alte leyer weg! die pfeiffen weg hiervon!
König ged. 65;
weg tändeley und puppenspiel,
da ich kein kind mehr bin.
Ch. F. Weisze lieder für kinder 25;
weg den thracischen tollen brauch!
Herder 26, 240 Suphan;
von dieser unzahl weg den blick!
zurück, mein geist, in dich zurück.
Bürger 12ᵇ;
weg den versuch, mit schmeicheley zu blenden!
Göthe 2, 14;
weg, weg die traurigkeit,
die euch mit wahn umsponnen!
Arndt ged. (1860) 494;
weg die sorg' um erdennoth!
Rückert ges. ged. 6, 365.
ungewöhnlich ist hier ein nom.:
von dem auge weg der schleyer!
Schiller 1, 217.
c)
üblicher ist es, dasjenige, was weggethan werden soll, durch mit anzureihen (wo wieder gehe zu ergänzen ist).
α)
sie schrien aber, weg, weg mit dem, creutzige in Joh. 19, 15; da wurden sie zornig, und dachten, weg mit solchem Messia, der wird unglück anrichten Luther 8 (1580) 129ᵃ Jen. ausg.;
da euer fürstlich gnad ihn nit abschaffen,
werden wür müeszen entlaufen.
nun weck mit ihm aus disem land!
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs nr. 109, 57 (1608) Mehring;
weg mit dem kerle, apage te cum homuncione Steinbach 2, 955; weg mit dem Teutschen! er ist zu rechtlich Klinger 3, 37.
β)
weg weg mit aller gunst der drey mahl drey göttinnen.
Zinkgref auserlesene ged. 19 neudr.;
von ripp und bain sing ich allain,
weck mit der faisten wamppen!
Balde Agathyrsus 105, 1;
wegk, mein hertz, mit dem gedancken,
als ob du verstoszen wärst!
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 299;
weg mit dem allen,
was unmuth bringt!
S. Dach 712 Österley;
weg mit ehre, weg mit geld!
wenn ich selig werde.
Neukirch ged. 63;
drum weg mit diesem weichlichen mitleiden,
das einer königsbrust nicht ziemt.
Schiller 13, 206 (jungf. v. Orl. 1, 5);
weg mit verstellung! handelt öffentlich!
12, 480 (M. Stuart 2, 8);
weg! weg damit! ich kann es nicht gestatten.
13, 358 (Turandot 1, 3);
weg mit den grillen und sorgen!
färbt doch Aurora den morgen,
blüht uns das leben doch schön!
Mahlmann schriften 1, 46;
wenn mir aber was nicht lieb,
weg damit ist mein princip.
W. Busch Plisch und Plum 1.
d)
weg von jemand oder etwas (sc. gehe), weiche davon, entferne dich davon:
pakke dich feindin! weg von mir Dione!
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 420;
ich weisz nichts. weg von mir! Klinger 1, 79 (zwillinge 4, 4); weg von ihm! wag es keiner ihn anzurühren! Schiller 2, 102 (räuber 2, 3 schausp.); weg von dem widrigen menschen! E. Th. A. Hoffmann 14, 162;
weg von dem schwankenden aste!
Klopstock oden 2, 5, 14 Muncker;
doch hinweg aus dieser gegend mein vater ... weg, weg, weit weg von dem ort, wo mich so viele spuren der verlorenen seligkeit anreden! Schiller 3, 480 (kab. u. l. 5, 1); nur weg von hier! Müllner dram. werke 4, 80 (die Albaneserin 3, 1); am end ists besser für dich und das kind, weg von der welt, wo einen die leut durchaus schlecht wollen haben! O. Ludwig 2, 258; doch — weg von diesen unangenehmen betrachtungen! Wieland suppl. 5, 242; so bald etwas ganz genossen ist, weg davon! diesz ist das allgemeinste gesetz der natur Heinse 4, 235 Schüddekopf;
doch weg von dieser grämlichkeit, und laszt
zurück uns zu den blumen kehren!
Platen 197 (schatz d. Rhamps. 1).
weg aus etwas:
weg aus meinen augen,
um gotteswillen —
Schiller 5, 240 (Don Karlos 2, 8).
III.
zusammensetzungen mit verben und daran sich anschlieszende nominalzusammensetzungen. wenn die verba wie gewöhnlich die entfernung oder (bei transitiven) die beseitigung durch die thätigkeit ausdrücken, konnte die bedeutungsangabe unterlassen werden.
wegackern
durch ackern wegnehmen: wie mein papa (nicht gut zu sprechen ist) auf die Griebens, unsere nachbarn, die ihm immer die grenze wegackern Spielhagen 14, 99. auch wie abackern: ein stück von der wiese wegackern, zu acker machen Campe.
wegandächteln
durch andacht, frömmelei aus der welt schaffen: er warf ihnen (den klerikern) länderfressenden geiz, unwissenheit, faulheit, rachsucht vor, und sammelte fakta, stubborn things, die sich nicht wegandächtlen lassen Sturz 1, 81. —
wegangeln
mit der angel wegfischen. gern übertragen, listig entwenden: die lockspeise, womit ich die freiheit und mit ihr das eigenthum meiner mitbürger wegzuangeln getrachtet hätte Wieland 2, 121 (Agathon 8, 3). meist mit dat.:
wie er sie heut im betstuhl knien sah,
da sie mit einem blick sein herz ihm weggeangelt.
21, 195 (Klelia 1, 443);
der hat mir das mädchen auch schon weggeangelt Sintenis Flemmings geschiehte (1792) 3, 248. —
wegängstigen
durch erregung von angst vertreiben. bei Campe wegängsten.
wegarbeiten
1)
durch arbeit wegschaffen: man hat ein zimlich stücke vom berge abgerissen und weggearbeitet Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 65; man arbeitet, kühn genug, den felsen hinter der quelle weg, damit umher ein raum entstehe Göthe briefe 23, 10 Weim. ausg. übertragen, durch arbeit beseitigen: sie (die jünglinge) ... sind ... von einer wohlgestalt, indem sie alles überflüssige fleisch weggearbeitet ... haben Wieland Lucian 4, 354; und dann lassen sich meinungen, wo nicht offenbare widersprüche sind, und das gewisse tief verborgen steckt, nicht so leicht wegarbeiten Heinse 4, 275 Schüddekopf;
gleich der ämsigen lohnspinnerin kaum die noth
wegarbeitend.
Voss 3, 159.
bei der arbeit aufbrauchen, verarbeiten: wagmeister beim eisenhämmern soll ... fleiszige acht haben, dasz die hammermeister nicht allen vorrath wegarbeiten v. Schönberg berginformation 50.
2)
durch arbeit zu ende bringen: weil sie (die auflader) biszweilen in der früh ein stück weckarbeiten müssen Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 46; da die siebzehn assessoren (am reichskammergericht) nicht einmal im stande waren, das laufende wegzuarbeiten Göthe 28, 133 Weim. ausg.; ich habe ... kleine und gröszere abhandlungen entworfen und es kommt nur darauf an, dasz ich sie in der folge hintereinander wegarbeite briefe 9, 269; ich arbeite alles weg, was mich hindern könnte mich bald in ihrer (Schillers) nähe zu freuen und zu erbauen 10, 246. auch nur 'durch arbeit fördern, darauf los arbeiten': anfänge für die zeichnungskunst ... flüchtig auf handriszmanier, mit kecker schrafierung weggearbeitet S. Geszner 2 (1778), 192; 18 gesellen, die beständig wegarbeiten Lichtenberg briefe 1, 273; von der hand, von der faust wegarbeiten s. sp. 2936.
3)
sich wegarbeiten, mühsam fortzukommen suchen, mit richtungsbestimmungen:
ergriff' ihn gott, ihn loszureiszen; er
entrönne, von ihm sich wegarbeitend, gott.
Klopstock 9, 12 (Salomo 1, 1);
wenn ein buntes weiches wesen über die glatte fläche (der schreibtafel) sich wegarbeitete J. Paul flegelj. 3, 59.
4)
einen wegarbeiten, in der arbeit übertreffen: ich getraue mir ihn wegzuarbeiten Kramer t.-ital. 2, 29ᵃ; oder ists, weil du meinst, du bist stark und kannst ärbeten? so stark du bist, ein pferd ist noch sechsmal so stark und ärbet dich sechsmal weg O. Ludwig 2, 292 (Heiterethei).
wegärgern
durch erregung von ärger vertreiben: ich lasse mich nicht von ihm wegärgern Campe.
wegatmen
1) intrans., den atem aufgeben, sterben:
von dem ersten,
der ein sterblicher ward, bis hinab zu dem letzten von Adam,
dessen jungem leben der auferstehung posaune
wegzuathmen gebeut, sie alle wirst du (tod) versöhnen.
Klopstock Messias 8, 69.
2) trans., durch den atem wegschaffen: den staub wegatmen Campe. bildlich: ich hör sie atmen. o sie hat einen ruhigen schlaf. eine welt von sorgen, und sie atmet sie einem weg von der brust O. Ludwig 3, 112 (erbförster 5, 6). mit dem atem an sich ziehen: zwei menschengesichter — sich einander in die augen ziehend — einander die seufzer belauschend — von einander die weichen, durchsichtigen worte wegathmend J. Paul Hesp. 1, 208. atmend hinbringen: um so mehr grosz ... war ... die frömmigkeit einzelner mönche, weil sie ihr armes leben wegathmen muszten unter unzählbaren haufen von schurken Zimmermann über die einsamkeit 1, 222. —
wegätzen
es mag nun solche (anwendung von scheidewasser oder höllenstein) geschehen an dem leibe des menschen ein wildes, unnützes fleisch wegzuätzen Blancard med. wb. 169. übertragen, durch schärfe beseitigen: doch hatte alle selbstsucht ... die ... natürliche liebe zu ihrer nachkommenschaft nicht ganz wegätzen können Gotthelf 5, 28; nur viel bildungsvolk oben (auf dem Rigi)! werden die berge vollends wegätzen Vischer auch einer (1879) 1, 8. —
wegbaden
durch baden beseitigen. bildlich: und von meiner stirne die sinnenden runzeln wegzubaden, gibt es ja wohl noch ein freundlich mittel Göthe 8, 230 (Egmont 2); wie ein blutender hirsch in den strom stürzt' ich oft mitten hinein in den wirbel der freude, ... die tobenden herrlichen träume von ruhm und grösze wegzubaden Hölderlin 2, 77 Litzmann.
wegbalbieren
süddeutsch für wegbarbieren: so viel wir uns das jahr über haar unter der nase wegbalbiren lassen Fr. Müller 1, 286; jetzt geh her, bübl, setz dich da auf die butten. jetzt wird dir das schnurrbartel wegbalbiert Rosegger nixnutzig volk 218.
wegbannen
durch den bann von einem ort vertreiben, in die verbannung schicken:
dort (an höfen) wird der glücklichste, nach kurzen gnadenzeichen,
mit titeln wohl versorgt, oft plötzlich weggebannt.
Hagedorn 2, 65;
der gott der ärzt' und der poeten
und Pallas wurden einst vom himmel weggebannt.
2, 73;
mit schande wird Bellona weggebannt.
Herder 27, 250 Suphan;
ward (der herzog von) Mailand darum weggebannt von Mailand,
dasz sein geschlecht gelangt auf Napels thron?
Shakespeare 3, 125 (sturm 5, 1).
bildlich: einige augenblicke ..., da zweifel und sorge für ewig weggebannt schienen. kehren diese feinde schon zurück? Göthe 13, i, 345 (Götz schausp. 5, 13) Weim. ausg.;
wird auch die freiheit vogelfrei
hier oben wohl genannt,
da unten (im weinkeller) hat die sultanei
sie noch nicht weggebannt.
W. Müller 2, 45.
auch 'durch zauberkunst (vgl. bannen 7, th. 1, 1116) von einem ort entfernen': decantare ... mit zauberey ausz einem ort wegtreiben, wegzaubern, wegbannen Corvinus fons lat. (1646) 143; zu Tripstrille hat er (Veit) müssen ihr (der einwohner) ungezieffer wegbannen Prätorius vom Katzen- Veite H 8ᵇ; dasz kein laub oder ast den teuffel oder sein geschirr wegbannen könne Blockesberges verrichtung 497. gern in bildlicher anwendung, woran sich weiter der übertragene gebrauch anschlieszt: indem ich das einzelne jener tage und stunden in der einbildungskraft wieder hervorrief und dabey die gespenster, die sich dreyszig jahre her dazwischen bewegt, nicht wegbannen konnte Göthe briefe 36, 59 Weim. ausg.;
ich such es wegzubannen, das nachtgesicht.
v. Alexinger theater 6, 10;
musik, der's nicht an zauberkraft gebrach,
durch feierlich erhabnen klang das herz
zu rühren, wegzubannen zweifel, angst ...
Bürde Miltons verl. parad. 1, 37;
worte ja giebts und töne, die sänftigen solcherlei schmerz dir
können, und unfehlbar doch ein theil wegbannen der krankheit.
Voss antisymbolik 221;
verirrungen ..., die durch keine arznei weggebannet werden konnten Herder 12, 180 Suphan; noch immer den bösen husten, und die seit ewigkeiten her nicht wegzubannenden kopfschmerzen Mundt moderne lebenswirren 243. meist ist wegbannen nur 'dauernd entfernen' (von, aus etwas):
bannt alle farben weg, beschwärtzet leib und hausz (aus trauer).
Pietsch geb. schriften 222;
wie weit hat oft vom glühenden verlangen
das schicksal die erfüllung weggebannt!
Gotter 1, 327;
ist denn aus solcher seele
das heilige gedächtnisz
der freundschaft weggebannt?
Kretschmann 1, 299;
denkt ihr, er habe ...
den schlaf von seinem lager weggebannt,
sein edles haupt der sorge hingegeben,
nur um ein glücklich paar aus euch zu machen?
Schiller 12, 150 (Piccolomini 3, 8);
zween, drei ausdrücke wurden aus der sprache des anstandes weggebannet, und dem pöbel überlassen Herder 3, 286 Suphan; kann ein weib ihre erste einzige liebe wegbannen aus dem herzen? E. Th. A. Hoffmann 13, 31 Grisebach; er hatte sich so oft gelobt, dieses bild von seinem innern auge wegzubannen Gutzkow ritter vom geiste² 1, 53.
wegbäumen
den baum verlassen. ein weidmannswort: darzu (zum einfangen der baummarder) kan man die garne auch brauchen, und sie um den baum stellen. jedoch musz man zusehen, wo sie herunter kommen müssen, und nicht oben wegbäumen können öcon. u. phys. lex. 6, 543. vgl. abbaumen th. 1, 11, das nach Heppe wohlred. jäger 1ᵇ von bär, luchs, marder, wildkatze und eichhorn gesagt wird.
wegbeben
(von etwas):
gestalten, die der starke fliehe,
wie vom gespenste der schwache wegbebt.
Klopstock oden 2, 153, 16 Muncker;
izt schwieg die stimme, und Kain bebte schauernd vom altar weg, und gieng durch die nacht zurück S. Geszner (1762) 1, 140; man lasse ein kind ... den offenen rachen eines löwen oder tigers ... und das lächeln eines gutmütigen menschen sehen ... unfehlbar wird seine natur von dem einen wegbeben und dem andern lächelnd begegnen Lavater bei Sturz 2, 302.
wegbegeben refl.
vgl. sich wohin begeben th. 1, 1280 (durch Luther allgemein geworden, mhd. nur 'in ein kloster gehen'). meist mit von, aus: aber meine nachbarn sahen es nicht gern, da sie vernommen, dasz ich mich von ihnen wegbegeben wollte v. Schweinichen denkwürd. 347; hiesze der alte den andern sich wegbegeben Simpl. schr. 3, 435, 1 (vog. 1, 20) Kurz; Pompeius hatte ... den seinigen anbefohlen, sie sollten sich in treffen nicht von ihrem orte wegbegeben v. Fleming vollk. teutsche soldat 283; er muszte einen anstosz von übelkeit vorschüzen, um sich eine zeitlang aus der gesellschaft wegzubegeben Wieland Agathon (1766) 1, 236; es fügte sich ferner, dasz, als ... Rom ... von den Franzosen besetzt wurde, viele künstler ... sich von dort wegbegaben Göthe 49, 34 Weim. ausg.; von dem offizier verlangen, dasz er sich aus den fürstlichen landen wegbegebe briefe 4, 8;
denn Föbus sich weg hat begeben,
das silberlicht, Zynthia, zeiget sich gleich.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 360;
so rief er, und begab sich weg aus der
versammelung.
Bürger 150ᵇ (Il. 3, 114);
wirklich ist es allerliebst
auf der lieben erde:
darum schwör' ich feyerlich
und ohn' alle fährde,
dasz ich mich nicht freventlich
wegbegeben werde.
Göthe 1, 121.
von vögeln: viele kleine vögel, so nicht das geringste von der unmäszigkeit der kälte empfinden, noch daher sich wegzubegeben gedencken Prätorius winterflucht d. sommervögel 378. ungewöhnlich von dingen: die Franzosen haben für ihre zeitwörter einen gewissen angewiesenen platz, aus dem sie ... sich nicht wegbegeben dürfen Lenz 2, 327 Tieck.
wegbegebung f.:
von unnöthiger und übereilter wegbegebung ... abhalten Cranz alte u. neue brüder-historie (1771) 719. —
wegbegleiten
der sieger ... wird nachher von den zuschauern triumphirend wegbegleitet Archenholz England u. Italien 1, 2, 428; ich ... sah ..., dasz der herr pfarrer zwei herren ... vom hause wegbegleitete Gotthelf 1, 193. —
wegbehalten
für sich behalten (vgl.weghaben). märkischer provincialismus: die hosen behielt er weg. es war wohl die rede, als Lippold ... endlich loskam, dasz Dietrich ihm das leder wiedergeben wollte, weil er's nur leihweise besessen ..., aber Lippold wollte es nicht haben Alexis hosen⁸ 97.
wegbeiszen
viele (mäuse) strömten gegen die pulvertonne hin und bissen die dornen und disteln rings weg Brentano 5, 193. mit dat.: der fuchs beiszt sich den schwantz weg Steinbach 1, 116; wenn du dir ihn auch lieszest näher kommen, so wärs um deine nase gewisz geschehen: er würde dir sie mit wurzel und stiel wegbeiszen Lessing 3, 56. bildlich: 'die kompagnie hört auf mein kommando'. am anderen tage, in veränderter lage, vernahm ich die gleichen worte bis auf die silben 'mando', die der tod, einem anderen kameraden, von den lippen wegbisz D. v. Liliencron krieg u. frieden 5. von scharfen mitteln (wo beiszen die nebenform von beizen ist, s. th. 1, 1401):
des rosenessigs schärfe beiszet
den unraht weg und heilt den brand.
v. Zesen helikon. rosenthal 83;
strewe kalck hinein, das beist das böse fleisch weg Walther pferde- u. viehzucht 52; (man streut) seifensiederaschen ... die den mies zimlich wegbeiszet und gut gras wachsen machet v. Hohberg Georgica 2, 258. einen wegbeiszen 'durch beiszen vertreiben' (von, aus), zunächst von thieren: der haushahn hat den welschen han weggebissen Stieler 129; die gänse beiszen die enten weg Steinbach 1, 116; von etlichen jungen störchen, so ihre alten vom neste weggebissen Prätorius winterflucht d. sommervögel 153; so beist der hamster die hamsterin ... aus seiner röhre weg Döbel jägerpract.² 1, 43. übertragen 'gewaltsam vertreiben': wie kan denn sund und gerechtickeit, tod und leben beysamen bleiben? es mus sich eins mit dem andern fressen und eins das ander wegbeiszen Luther 32, 42, 17 Weim. ausg. seit dem 18. jahrh. namentlich 'durch schlechte behandlung, anschwärzen bei andern usw. vertreiben': er schien nicht entschlossenheit genug zu haben, diejenigen, die er vor sträflich hielt, ... gesetzmäszig zu behandeln, sondern ich möchte wohl sagen: er bisz sie lieber weg v. Kaltenborn briefe (1790) 1, 35; den armen trefflichen Widmer haben die bösen buben und herren von dem lehramte und von Luzern weggebissen Görres ges. briefe 3, 420; dann könne er sehen, wie es ihm ergehe, wenn Uli alle die weggebissen hätte, die ihm im wege seien Gotthelf Uli der knecht (1850) 165; offenbar wollte er (Macdonald) York wegbeiszen, um das preuszische corps ganz in die hand zu bekommen Prutz preusz. gesch. 4, 5; sie wollen mich gern wegbeiszen ... die regierung wünscht aber, dasz ich bleibe v. Bismarck briefe an s. braut u. gattin 185. —
wegbeizen
die hühneraugen wegbeitzen Steinbach 1, 114; die unnützen haare beitzte sie mit salamanderspeichel weg v. Lohenstein Arminius 2, 85ᵇ; er (jasmin) ergieszt eine ... milch, womit man warzen wegbeitzt Oken 3, 2, 1038. bildlich: glaubten die fürsten ..., dasz die thränen eines sterbenden vaters, der nach zwanzigjährigem dienst seinen kindern kein vermögen ... verlassen kan, eine den göttlichen seegen wegbeitzende krafft haben F. C. v. Moser der herr u. d. diener 393; möchte doch eine lauge scharf genug seyn, solchen verfassern ... allen unrath aus ihrem gehirn wegzubeitzen! litteraturbriefe 19, 188; nicht das schmutzige eingedorrte krankengesicht, nicht die von fiebern weggebaizte lebensfarbe J. Paul unsichtb. loge 2, 128; ich freue mich aber nicht auszerordentlich darüber, dasz ein halbes loth schlafkörner eine ganze glühende welt im menschen wegbaizen kann Hesp. 1, 178.
wegbekommen
durch trennung von etwas bekommen: denn sie verstand allzu wohl, dasz ... kein fisch mehr an die angel anbiesze, worvon er schon den angehenckten wurm zu seiner speise wegbekommen hätte v. Lohenstein Arminius 2, 822ᵃ. meist 'für sich gewinnen, sich zu eigen machen': so kommen leute und wird also gestöret, sonsten hätt er das geld richtig wegbekommen v. Schweinichen denkwürd. 126; ist unsere armee wider auffgebrochen, und marschiret, hat unter wegs das schlosz Aimery angriffen, beschossen und bald wegbekommen Welsch warh. reise - beschreibung (1658) 384; man kann ... einem jungen menschen keinen bessern rath geben, als sich durch allerley gefälligkeiten in die gunst eines berühmten sachwalters einzuschleichen, um den so genannten schlendrian bey ihm wegzubekommen Heinse 3, 464 Schüddekopf; es war ein harmloser herr, der bis an sein ende kein wort deutsch lernen wollte, so dasz wir alle bald das französische wegbekamen Heyse nov. 1, 259;
ein rabe flog sich matt und lahm,
eh er zween käse wegbekam,
der herren raben leib-gerichte.
Lichtwer fabeln 3, 22.
auch nur 'zu etwas kommen, etwas erhalten': man sieht sich an hof, an tafel, beym spiel und die prinzen stellen da recht artige und charmante herrn vor, der minister bekommt manch compliment und schön wörtgen weg F. C. v. Moser der herr u. d. diener 33; ironisch: da er aber einmal im regimente den zunamen Prim wegbekommen hatte, so nannte ihn mein oncle Toby auch beständig dabey Bode Tristr. Schandi 2, 35; was mein grünwerden betrifft, so habe ich das von einem furchtbartragischen schicksale in der liebe wegbekommen Immermann Münchh.² 1, 116.
wegbellen
durch bellen vertreiben, fernhalten Campe: so reizen die wilden ihre hunde, die finsternisz des mondes wegzubellen J. Paul grönländ. prozesse 1, 72; der hund des alten Hans Heinrich hat uns so manchen procesz weggebellt, der wird ihnen auch keinen durchs thor lassen v. Droste-Hülshoff 4, 40 Kreiten.
wegbeordern
jemand befehlen wegzugehen: dasz man heute aber eine schildwache hingepflanzt habe, die mich nicht hinaufgelassen; gerührt ... küszt er mir die hand und verspricht mir, die schildwache wegzubeordern Bettine briefw. 2, 45. —
wegberufen
es sind 27 jahr, dasz ich von diesem orte wegberufen ward, und mein jetziges amt ist ... wenigstens dreymal so einträglich Meiszner skizzen 127. wegbeten, durch gebet entfernen: Senaherib, welcher von Jerusalem weggebetet und von seinen kindern erschlagen wird Mathesius Sarepta 82ᵇ. in manchen gegenden nennt man wegbeten das sprechen der sterbegebete bei einem kranken John sitten ... im deutschen Westböhmen 166. etwas wegbeten, durch gebet abwenden oder beseitigen: und zeiget in einem hellen spiegel, wie man nicht solle beten, und alles jerosolimitanische unglück von leib und seele wegbeten Herberger hertzpostilla (1613) 1, 619; wenn ich sehe, dasz er ... voll eifer um den seegen vor das haus ist und gerne allen fluch und unrecht wegbeten und wegweinen möchte F. C. v. Moser der herr u. d. diener 238; das heldenmädchen gelobt oft im taumel heil'ger andacht, die sünden (ihrer eltern) all wegzubethen Fr. Müller 1, 9; Anton hatte sein fieber weggebetet Moritz Anton Reiser 74 neudr.; bete die sonnenstrahlen weg, dasz ein ewiger unwürksamer winter bleibe Göthe 39, 19 (Gottfr. v. Berl. 17) Weim. ausg.; ihr habt euer sach brav gemacht und von meinen äckern das wetter ordentlich weggebetet Scheffel Ekkeh. 280. durch beten verbrauchen: die übrigen segen im büchelchen, sammt dem einband, hatte der erblasser (ein bettler) abgegriffen und weggebetet J. Paul biogr. belust. 1, 169.
wegbetrügen
ein lockerer geselle
aus Attika, der unter gottes larve
die ehre, schaam und unschuld wegbetrog.
Schiller 1, 323 (auch 1, 298). —
wegbetten, das bett an einer anderen stelle aufschlagen: ich will mir lassen wegbetten Steinbach 1, 99; wie es leider! manchem armen sklaven von manne geht, der sich von seiner gebieterin nicht wegbetten darf v. Thümmel reise 3 (1794) 74. —
wegbeugen
mit localen best.: tritt forne vor das rosz und beuge den fusz hinterwers vom leibe weg Böhme roszartzney (1618) 34; Eva beugt sich nun über ihre jüngste weg Fr. Müller 1, 66. —
wegbewegen
von seiner stelle bewegen: dasz die christliche religion ... see und land einnehmen, fest darauf stehen, und weder durch sturm noch durch erdbeben wegbewegt werden soll Jung-Stilling 3, 200. refl.:
Gurges, dein beweglich gut sah man längst sich wegbewegen.
Logau 3, 1, 77 (s. 457 Eitner).
wegbeweisen
als nicht vorhanden oder falsch beweisen:
jedoch den teufel hat, so viel ich weisz,
kein atheist noch bündig wegbewiesen.
H. v. Kleist 1, 416 (zerbroch. krug 11) E. Schmidt;
dasz diese (verpflichtungen) miszachtet waren, liesz sich nicht wegbeweisen Prutz preusz. gesch. 2, 161.
wegbiegen
1)
trans., zur seite oder zurückbiegen: es giebt leute, die den baum fein höflich wegbiegen, und leute, die ihm gerad entgegen trotzen v. Hippel lebensläufe 3, i, 315; dasz sie eine schwester, wenn sie ihr tändeleien sagen, oder sie liebkosen wollte, mit dem schlanken arme blosz ruhig wegbog Stifter 3, 226; von ihm weggebogen lag ihr erschrockenes angesicht in ihrer rechten hand J. Paul Hesp. 3, 87. refl.: flieh wie die rose flieht, wenn ein zephyr sie küszt, sie biegt sich vor ihm weg S. Geszner 1 (1777) 107; er umschlang sie und küszte den weichen mund des errötenden mädchens. nur sanft bog sie sich von ihm weg Novalis 4, 169 Minor. übertragen: jenes (wort) ward durch einen nebengesichtspunkt von der hauptsache weggebogen; hier veränderte sich mit der zeitfolge der geist des hauptbegrifs selbst Herder 5, 125 Suphan; eine reihe andrer (ausdrücke), die zum theil mit ziemlich weggebogner bedeutung jahrhunderte durch der kirchensprache geläufig worden sind 12, 209.
2)
intrans. 'sich infolge zu groszer belastung nach unten biegen' Mothes baulex.³ 4, 353ᵇ.
wegbilden
durch bildung entfernen: nur gar zu sehr habe ichs gelernt, ... wie weit Morgenländer, Römer, Franzosen, Britten, Italiener und Deutsche, wenn ich den Rousseauschen ausdruck wagen darf, unser gehirn von der griechischen denkart weggebildet haben mögen, wenn wir über die würde der menschlichen natur ... denken! Herder 3, 203 Suphan;
viel weisheit wohnt beim weiblichen geschlechte,
dafern der ahnung stimm' aus seiner brust.
nicht weggebildet ward.
Geibel 2, 238.
wegbinden
von einem orte losmachen und anderswo festbinden: die (frau) lesset den kettenhund wegbinden, gibt gegen dem knecht für, es sei des tyrannen befehl, er kündte nicht für dem hunde schlaffen Zanach erquickstunden (1613) 1, 197. durch binden wegbringen: (ein mädchen hat mannskleider angezogen) aller überflusz an den kleidungsstücken war so weggebunden, weggesteckt und weggenestelt, dasz sie knapp, wie angegossen, saszen Immermann epigonen² 1, 11. wie abbinden (th. 1, 13): ein gewächs, eine warze wegbinden Campe. mit binden zu ende bringen: alles getreide ist schon weggebunden Campe.
wegbirschen
(auch -pirschen, -bürschen, -pürschen).
1)
mit der büchse wegschieszen: die hirsche werden entweder von den jägern erschlichen und weggebürschet, ... oder sie werden gejaget das geöffnete jägerhausz (1713) 8; wo dieselben (die ricken) geheget und geschonet, die böcke aber dabey offte weggepürschet werden Döbel jäger-practica² 1, 27ᵃ; es raschelte etwas im walde, das allgemein bewaffnete jahr (1848) musz doch nicht alles wild weggepirscht haben Auerbach dorfgesch. 4, 71;
herr pathe, was für schöne kirschen!
seht aber auch das sperlingsheer!
all' diese häscher wegzubürschen,
gebricht's an pulver und gewehr.
Langbein schriften² 2, 55.
mit dat.: ich birschte einen fetten hirsch dem abt zu Tegernsee vom munde weg Pichler marksteine 224. bildlich: wenn nun die Spanier dieselbe (kleinode) aufflesen wolten, waren die Indianer hinter ihnen her, pirscheten und schossen sie mit ihren vorgiefften pfeilen wegk wie die vögel Scherdiger novae historiae (1591) 95;
aha! der listige waidmann,
der uns das niedliche reh wegbirscht, die behende Luise!
Voss 1, 96.
2)
refl. sich auf der birsch vom wilde entfernen (gegens. anbirschen): wenn man nun weisz, wo er (der gemsbock) sich niedergethan, hat man sich vom beobachtungsplatz möglichst ungesehen wegzubirschen v. Kobell wildanger 162.
wegbitten
durch bitte von wo entfernen: muszt mir's schon nicht verübeln ..., dasz ich dich von der lustbarkeit hab wegbitten lassen Rosegger 6, 233. einladen (wie ausbitten): der so oft weggebetene herr sekretär muszte nun, da er, nach dem sprachgebrauche, ein eignes haus machte, oft auch wieder bitten Meiszner skizzen 3, 15. wie wegbeten: der fromme bischof Aravatius zu Tongern wollte durch wachen und fasten den einfall der Hunnen in Gallien wegbitten Freytag 17, 235 (bilder 1, 4). —
wegbixen
s. wegbüchsen.
wegblasen
1)
in die luft blasen, durch blasen entfernen. vom atem, hauch, wind: mach das futter ein wenig nasz, das (das rosz) es nicht wegbläset Böhme roszartzney 32; hernach musz die magd den staub noch mit dem munde von den dielen wegblasen Gottsched d. schaubühne 4, 320; den taback in groszen, krausen wolken wegblasend E. Th. A. Hoffmann 15, 63 Grisebach;
herr Roland hat sich kurz bedacht,
er stiesz in's horn mit solcher macht,
dasz er beinahe über den rasen
gezelt und alles weggeblasen.
Uhland ged. (1898) 1, 439;
bläs't auch der frische wind an allen orten
die schleier weg: du hältst den deinen fest.
Hebbel 3, 261 (Gyges 1);
man musz zuweilen platzregen und sturmwinde haben, die den alten schnee wegblasen Petri d. Teutschen weiszheit 2, Oo 2ᵇ. auch ohne object (mit loc. best.): der freie ozean, über den die winde wegblasen A. v. Humboldt ansichten d. natur 1, 14. gern in bildlichen wendungen: welchem (teufel) meyne werck vil zw schwach syndt. er kan si myt eynem adem wegbloszen Luther 34, i, 366, 31 Weim. ausg.; wenn ir soltet mit im kempffen, ... so hat er euch gar bald weggeblasen, als der wind ein bawmblat hinweg wehet 34, ii, 397, 33; Hornbock duplicirte: gehe, packe dich, ehe ich dich, als eine leichte zitterfeder, in die lufft wegblase Kuhnau musikal. quacksalber 214 neudr.; du sollst mich mit allen waffen widerlegen, die du in deiner gewalt hast, aber ich blase sie weg mit dem hauch meines mundes Schiller 2, 182 (räuber 5, 1 schausp.); bevor ich deine jetzige täuschung mit dem kalten hauche der wahrheit wegblase Klinger 7, 134; (der genius der gattung) der solche menschensatzungen und bedenken wie spreu wegbläst Schopenhauer 2, 651 Grisebach. dann auch ohne bild für 'vertreiben, vernichten': pedanten ..., die die verbannung jedes vorurtheils als verlust ansehen, ... werden sich nun freylich ärgern, dasz Mitford (in seiner geschichte der Griechen) auch diese täuschung weggeblasen hat Klinger 12, 208; trompeter, blas'! und ihr (soldaten) blast ihn weg! Göthe 8, 99 (Götz 3) Weim. ausg.; der alte major ... wär ... nicht so bös, dasz er einen menschen mir nichts dir nichts wegblasen liesze, auch keinen feind nicht W. Alexis Isegrim 3, 134. der taschenspieler und wunderthäter pflegt bei seinen kunststücken gegenstände anzublasen (vgl. auch weghauchen):
er bläst die kröpfe weg und weisz den wurm zu tödten.
Triller poet. betracht. 3, 430.
daher kommt wol die wendung wie weggeblasen 'plötzlich verschwunden': ihr meint, der herzog habe 14000 Schweizer? sie sind wie weggeblasen Hauff Lichtenstein 1, 41 Hempel; wo stecktest du? du warst ja wie weggeblasen mit deinem rappen Alexis hosen⁸ 143; von der zeit an war ... alles gefühl von achtung und liebe für den konrektor wie aus seinem herzen weggeblasen Moritz Anton Reiser 138 neudr. so auch nur weggeblasen:
er schwingt sich auf, und wie er aus dem feld
zurücke schaut, verschwunden ist das zelt:
in einem wink erhob sich's aus dem rasen,
in einem wink war alles weggeblasen.
Wieland 22, 153 (Oberon 4, 18, 8);
die bunten bilder eines zertreuten lebens, die mir sonst tag und nacht vor den augen schwebten, waren auf einmal weggeblasen Göthe 22, 278 Weim. ausg. aus dem gauklerwesen erklärt sich wol auch einem etwas wegblasen 'rasch wegnehmen':
das hauptwerk ist doch wohl, dem hasen
von bräutigam das fräulein wegzublasen.
Wieland 22, 179 (Oberon 4, 63, 3).
2)
mit blasen daran geben: unterdessen bläset der postillon denjenigen teil der lunge weg, den ... der brandtwein noch übrig gelassen hat Hermes Sophiens reise 1, 5; er blies seine seele unter flüchen weg Klinger 3, 219.
3)
darauf los, ungehindert weiter, bis zu ende blasen: man hat das mundblättchen in unsern tagen zu einer solchen vollkommenheit getrieben, dasz man die ersten hoboenconcerte damit wegbläst Schubart ästhetik d. tonkunst 332. vgl.(s. ohr, th. 7, 1229 und weglügen, wegschlafen, wegschreiben, wegschwatzen): ein horn nur so vom zapfenbrett zu nehmen und dem teufel ein lustiges ohr wegzublasen Ganghofer der mann im salz 1, 168. —
wegblassen
sterben: ihre freundinnen staunen verwundernd sie an; weggeblaszt in des todes armen wähnten alle sie schon Fr. Müller 1, 61. wegbleiben, von einem orte (namentlich einem solchen, wo man erwartet wird) entfernt bleiben.
1)
von personen.
a)
remanere, wech bliven Diefenbach gl. 491ᵇ (aus gemma, Köln 1507); und wilst auch darzu so lange wegbleiben Ch. Reuter Schlampampe 102 (1, 7) neudr.; der künstler blieb weg und kam nicht wieder mediz. maulaffe 152; bleiben sie so lange weg, als sie wollen Lavater verm. schriften 1, 50; sie mögen kommen oder wegbleiben, für das alles ist gesorgt Heyne an Herder, von und an Herder 2, 192; mutter. ich sehe den Leonhard ja gar nicht mehr. wie kommt das? Klara. mag er weg bleiben! Hebbel 2, 14 (Maria Magdalena 1, 3);
Saladin.   er
blieb weg!
Sittah.   der arme bruder!
Saladin. lasz nur gut
seyn! — einmal bleiben wir doch alle weg!
Lessing 2, 306 (Nathan 4, 3).
mit dat.:
wenn sich des dorfs schulmeister beklagt, dasz die jugend ihm wegbleibt.
Voss 3, 143.
jemand nicht nahe kommen: er sprang auf und wollte auf den immer ruhig auf- und abgehenden losstürzen. der professor aber packte ihn am arm: 'bleiben sie weg, werthester!' schrie er Hauff 7, 21 Hempel; bleib er mir, herr informator, mit den possen weg Lessing 1, 220 (d. junge gelehrte 1, 2). von, aus etwas: der kayser (hat) ein herrliches mahl zubereiten lassen, von welchem er jedoch selbst mit fleisz wegbliebe Ant. Ulr. v. Braunschweig Octavia 5, 15; bleib ja nicht von unserm gastmahl weg! Bürger 298ᵃ (Macbeth 3, 2);
der ist
kein wohlgesinnter, der von diesem fest
wegbleibt und nicht mit ruft: es lebe der könig!
Schiller 13, 294 (jungf. v. Orl. 4, 4);
bleib weg von Altdorf.
14, 340 (Tell 3, 1);
es wäre unartig, wenn wir ihm (Klotz) mitten aus dem collegio wegbleiben wollten Lessing 8, 126; beinahe ein volles jahr vor dem tode ihrer tochter war ich aus ihrem hause weggeblieben Grillparzer² 8, 99. der subst. inf. ist häufig: der baron war über mein wegbleiben böse Tieck 9, 262; ich werde mich meines wegbleibens wegen schon ... zu entschuldigen wissen v. Holtei 35, 151; infolge der sorge und verwirrung, welche durch mein nächtliches wegbleiben entstanden G. Keller 1, 118.
b)
in besonderen bedeutungen: im rechtsgang von parteien, die bei der verhandlung nicht erscheinen Hayme 1318. von bewerbern um ein mädchen: sie müssen nur geschwind einen von allen freyern nehmen: so bleiben die andern von sich selbst weg Gottsched d. schaubühne 6, 180; nun ist er weggeblieben und hat das arme mädchen ins gerede gebracht Kotzebue dram. werke 18, 28 (d. deutschen kleinstädter 1, 13). in nordd. umgangssprache vom aussetzen des atems (bei schreienden kindern, bei hustenden) oder vom bewusztloswerden, selbst vom sterben nach einem anfall Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ. nd. jahrb. 30, 90 (Quedlinburg). zeitschr. f. d. mda. 1910, 39 (Neumark). H. Meyer d. richtige Berliner 150ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 526ᵃ. Danneil 245. Frischbier 2, 460; jetzt brach auch der alte assistenzrath ... in ein so krampfhaftes gelächter aus, dasz uns die ... zurückkehrende schwester bereits in todesängsten vorfand, da der alte herr vom stickhusten ganz weggeblieben war Bog. Goltz ein jugendleben 1, 150.
2)
von regelmäszig wiederkehrenden erscheinungen: das röhrwasser blieb weg, daher die redensart wegbleiben wie röhrwasser, ohne jede erklärung auf einmal wegbleiben Borchardt-Wustmann nr. 986; die fieberanfälle blieben weg Campe. dann überhaupt 'nicht in die erscheinung treten, fehlen': ob es nun gleich an ... jagdbüchern nicht fehlet, mithin mein jagdwerklein wol hätte wegbleiben können v. Heppe aufr. lehrprinz 15; (das lob) soll niemals aus meinem munde und meinen nachrichten wegbleiben Abbt 5, 7; Wurm. wenn ... eifersucht hier im spiel seyn solte, so wäre sie es wenigstens nur mit den augen und nicht mit der zunge. präsident. und ich dächte, sie bliebe ganz weg Schiller 3, 375 (kab. u. l. 1, 5); er empfing uns beim aussteigen; alle façons blieben unter uns weg Schiller briefe 1, 396 Jonas. weggelassen werden in einem gröszeren ganzen: so siehet man vor sich, dasz es (die begründung) nach ertheilter confirmation von denen statutis wegbleiben mag Ch. Wolff vern. ged. v. d. gesellschafftl. leben (1725) 423; alle überflüssige buchstaben, die im reden nicht gehört werden, müssen im schreiben wegbleiben Gottschedin briefe 1, 330; mich dünkt, das verführende wort eigen könnte wegbleiben Herder an Jacobi (aus Herders nachlasz 2, 274); wenige (sonette) findet der leser durch gefälligkeit eines kunstfreundes übersetzt, andere sind weggeblieben Göthe 44, 374 Weim. ausg.;
nichts als die stelle von dem eid blieb weg,
wie deine excellenz es mir geheiszen.
Schiller 12, 159 (Piccolomini 4, 2). —
wegbleibung, f. Steinbach 1, 130, neben wegbleiben, n. nicht üblich geworden.
wegbleichen
1) intr., bleich werden und wegschwinden Campe. 2) trans., durch bleichen beseitigen: dasz sonnenstrahlen mittelst der spiegelscheiben die farbe der tapeten wegbleichten Kretschmann 6, 203. bildlich: das ist das sündenroth, das will man gerne wegbleichen und weggewischt haben v. Zinzendorf kinderreden (1750) 48. —
wegblenden
durch blenden beseitigen, bildlich: ohngeachtet einiger unwahrscheinlichkeiten, die er leicht mit dem starken glanze, den er den leidenschaften giebt, wegblendet Heinse 2, 335 Schüddekopf; ich zitterte darnach, ihr noch einmal den spiegel vorzuhalten, aus dem ihr besseres bild zurückstrahlte und alles wertlose um sie her wegblendete G. Keller 4, 65. —
wegblicken
den blick abwenden: sie wurde innen, dasz er sie angesehen, und gleich wieder wegblikkete Bohse der liebe irrgarten (1684) K 6ᵃ; mir wird bange! blick weg! deine lippen beben Schiller 3, 413 (kab. u. liebe 2, 5). von etwas: sie blickte, bald von tiefem rot übergossen, bald erbleichend, nicht vom boden weg G. Keller 6, 128. übertragen: gern blicke ich von diesen greuelauftritten weg Campe; unser priesterlicher filosof blickt nun von Homer weg über fünf jahrhunderte hinab Voss antisymbolik 303. trans. gebraucht: in Nadinens hellem auge hing eine thräne fest, die nicht wegzulächeln und wegzublicken war J. Paul Kamp. 20. —
wegblinzen
durch zudrücken der augen wegschaffen:
wenn eine thräne ja dein auge schwellt,
so blinzest du sie weg.
Pfeffel poet. versuche 5, 159.
wegblitzen
1) intrans., wie ein blitz verschwinden: da kann der gedanke blitzen und wegblitzen! das bild kommen und verschwinden Herder 5, 301 Suphan. — 2) trans. durch den blitz vertreiben: die jungen strahlen der sonne über das gebirge blitzten ihn von seinem fortepiano weg, auf dem er einige lustgriffe that Heinse 5, 5 Schüddekopf; als der befehl des herzogs — oder ... der bannstrahl des pabstes Zilling — ihn aus Ludwigsburg wegblitzte, ergriff er hastig den wanderstab Schubart briefe 1, 200 Strausz; man trift auch leute unter ihnen (den pfälzischen offizieren) an von vestem, deutschen sinne, die es nicht selten wagen, die französischen milchgesichter von sich wegzublizzen leben u. gesinn. 1, 206. —
wegblühen
verblühen und wegschwinden:
blume, du stehst verpflanzet, wo du blühest ...
werth, schnell wegzublühen, der blumen Edens
beszre gespielin!
Klopstock oden 1, 90, 3 Muncker;
reizend noch stets, noch immer liebenswürdig,
lag Clarissa, da sie uns weggeblüht war,
und noch stille röthe die hingesunkne
wange bedeckte.
1, 90, 14;
ihr götter, diese zarte blume soll doch nicht jetzt schon wegblühn? werke 8, 148 (Hermannsschl. 6); ein einzelner jüngling kann wegblühen ohne frucht; aber eine ganze junge welt in blüthe setzt früchte an und kann nicht erfrieren J. Paul 48, 140 Hempel. übertragen: seht, wie sie wegblüht die eitle, die den Fiesko heurathete Schiller 3, 86 (Fiesko 3, 3); ist eine sterbende minute, ein fliehender monat, ein wegblühendes jahr weniger zu beklagen, als der tod eines sohnes? Schubart schriften (1839) 6, 299. —
wegbluten
wie blut ausströmen: so lasz mich im gefängnisz mein leben in thränen wegbluten briefe 2, 93 Strausz;
nicht um frischre lebensfluten,
sie in thränen wegzubluten,
nicht um längres leben fleht
dich mein klagendes gebet.
ged. (1825) 1, 127. —
wegbohren, bohrend wegschaffen: drei mächtige wesen wirkten in diesen groszen zeiträumen (der weltbildung), wasser, luft, feuer; jene die absetzten, wegborten, niederschlugen, dieses das ... allenthalben, wo es nur konnte, organisch wirkte Herder 13, 422 Suphan.
wegborgen
an andere borgen: lasset uns ... den andern so haus und hoff haben, entweder umb einen zinslichen pfennig verkauffen, oder one auffsatz wegborgen Edelmann hochzeitpredigten (1580) F 4ᵃ; wiszt ihr nicht, dasz ein bankier niemals geld wegborgen darf von seinem gewinnst? E. Th. A. Hoffmann 8, 213 Grisebach.
wegbrauchen
aufbrauchen: eine einzige invalide pfeife, deren mundstück bereits bis auf den letzten knopf weggebraucht war Seidel Leb. Hühnchen 8. —
wegbrausen
mit brausen sich entfernen:
der donner verhallt, der sturm braust weg, das säuseln verweht.
Klopstock oden 1, 139, 29 Muncker;
wie sie (die fische) von mir wegbrausten, darum, dasz ihnen der mann (Adam) einen namen gab Fr. Müller 1, 43; und alle sind längst staub und asche, die jahrhunderte sind in raschem flug über die stätten weggebraust, wo ihre geschicke sich abspannen Scheffel Ekkeh. 438. wegbrechen.
1)
trans.
a)
durch brechen abtrennen: sie durfte nur die eine felsenecke ... wegbrechen, so erlangte sie eine schön geschwungene wendung zum aufstieg Göthe 20, 34 Weim. ausg.; das eiserne pfortengitter war längst weggebrochen und zu andern zwecken verwendet worden Immermann Münchh.² 1, 53; sie ... schnallte die halskette ab, sah den schaden: es war das silberblättchen weggebrochen von dem bilde Rosegger III, 4, 78. durch brechen beseitigen: zu palmen brach das eisz auf der Weichsel und gieng so starck, damit es bei Sattkaw den tam wegkbrach Grunau preusz. chron. 2, 295; aber die Venediger habens (die kapelle) wegbrechen ... lassen Megiser paradisus deliciarum (1610) 208; ferner ward ... die mauer nach dem garten zu weggebrochen Göthe briefe 32, 107 Weim. ausg.; wie man mit gebäuden thut, welche den einsturz drohen, welche man aber ... nicht wegbrechen darf Arndt christliches und türkisches (1828) 163. von strahlen: wenn die lichtstrahlen, die mein gesicht abwerfen sollen, auf zehn und hunderterlei art weggebrochen werden Herder 5, 306 Suphan; ist er (der brechende winkel) klein, so wird das sonnenbild wenig von der stelle weggebrochen Göthe naturw. schr. 4, 443. übertragen: seitdem Schultens das vorurtheil wegbrach, dasz die ebräische sprache im himmel gesprochen werde Herder 10, 13; so weggeschnitten, weggebrochen alle aussichten Göthe 9, 139.
b)
durch erbrechen von sich geben: und da sichs zutrüge, dasz der patient den ersten tag das wasser von sich wegbreche, soll der arzt fleiszig nachforschen Sommer kaiser Karls warmbad (1592) H 7ᵇ; wenn wir damit den magen überschütten, müssen wir sie wieder wegbrechen v. Lohenstein Arminius 2, 1020ᵃ;
so, du gemeiner hund, entludest du
die schlemmer-brust vom königlichen Richard;
nun möchtest du dein weggebrochnes fressen,
und heulst darnach.
Shakespeare, Heinrich IV., 2. th. 1, 3.
2)
intrans., durch brechen abgetrennt werden: wie ihr ... die letzte blüte der wange, der letzte zweig der hoffnung wegbrach J. Paul Hesp. 3, 100; wo sie nicht gehen konnten, griffen sie sich durch die mengen des schnee's hindurch, der oft dicht vor ihrem auge wegbrach und den sehr blauen streifen einer eisspalte zeigte Stifter 5, i, 249. von wellen: ryf oder rief ... eine bank ... wohl so seicht ... dasz die see darüber wegbricht G. Forster 1, 209 anm.
wegbrennen
1)
trans., durch feuer vernichten: man hatte sie zuvor underbrochen und auff holtzern trempel gesatzt, die brante man wegk städtechr. 27, 77, 8 (1552); innerhalb zwölff stunden ... ist die gantze stadt und darinnen sechs schöne, grosze pfarrkirchen ... durchaus weggebrandt und in die asche geleget worden v. Chemnitz schwed. krieg 1, 159; kan gott wegbrennen, so können wir wieder bauen (sagen die bauern) Ettner unvorsichtige hebamme 16. mit dat.: mönche wollten in Cäsarea dem kranken Chrysostomus das haus über dem kopfe wegbrennen Zimmermann über die einsamkeit 2, xxxiii; dem kapuziner (Speckbacher am berg Isel) ist der bart weggebrannt Bettine briefw. 2, 72. durch glühendes eisen beseitigen: eine warze wegbrennen Campe; als hätten die Amazonen den namen daher, dasz sie sich die rechte brust weggebrannt Heinse 9, 349 Schüddekopf. bergmännisch wie abbrennen 'durch feuersetzen, brennen gewinnen' Veith 565. bildlich: seht dieses feurige genie, wie es das öl seines lebens in sechs jährchen so rein weggebrannt hat, dasz es bei lebendigem leibe umgeht Schiller 2, 18 (räuber 1, 1 schausp.); aus mir brennt sie (die hitze) den letzten gedanken weg Hebbel tagebücher 2, 411.
2)
intrans., durch feuer verzehrt werden (im 16. jahrh. noch mit starker flexion vorkommend): den 23. juli nach mitternacht kam ein groses feur aus und ist ... umb die columna Constantini alles wegkgebrunnen Liebenau beschreibung der reisen 2, 14; ist auch die ziegelscheune weggebrandt Schütz hist. rerum pruss. 3, x 4ᵃ; meine dörfer sind der erde gleich weggebrand Hermes Sophiens reise 4, 315; steckt er ihnen ihre haide an, und ehe sie nun aus dem schlaf ... kriechen konnten, brannten zehn morgen weg Alexis hosen⁸ 65. bildlich: im grunde also, würde ein Römer und Spartaner vielleicht sagen (nach erfindung der geschütze), tugenden im innersten heerde des herzens weggebrannt, und verwelkt ein kranz militärischer ehre Herder 5, 534 Suphan; das licht der wiederauflebung der wissenschaften wäre nur eine kurze wegbrennende flamme gewesen, wenn nicht monarchien ihre lichter dran angezündet ... hätten 9, 376; man mag auch noch so gesund und starck seyn, in dem verfluchten Leipzig brennt man weg so geschwind wie ein schlechte pechfackel Göthe briefe 1, 217 Weim. ausg.
wegbrennung f.:
wegbrennung der orter, so ihm zu schaden ... gereichen möchten v. Chemnitz schwed. krieg 2, 257.
wegbringen
1)
von der stelle bringen, von einem ort entfernen:
a)
sie fallen und beugen sich alle sampt, und können die last nicht wegbringen Jes. 46, 2; liegen konnen sie yhn (den stein) nicht lassen und konnen yhn doch nicht wegbringen Luther 23, 644, 31 Weim. ausg.; welcher ... zuͦ nacht sein heer heimlich ... weggebracht Xylander Polybius 16;
den karrn bringt man so schlecht nicht weg
ausz der pfützen und tieffen dreck.
Froschmeuseler Z 6ᵃ;
doch im stall Anaximanders ... war ein ochs krepirt indessen:
nach dem fallknecht schickte jener, dasz er weg den ochsen bringe.
Platen 262 (verh. gabel 3);
sie war verschwunden. in der mitternacht sey sie weggebracht worden Schiller 2, 125 (räuber 3, 2 schausp.). von etwas wegbringen: wobei er ... die augen gar nicht von einem groszen schwerte wegbrachte, das ... an der wand hing Fouqué zauberring 1, 30. übertragen: sie wollen von ihrer tatarischen unbärtigkeit auch durch eine reichere natur nicht weggebracht sein Herder 13, 219 Suphan; von dieser schrecklichen gewiszheit bringst du mich mit keiner hoffnung weg Göthe 8, 277 (Egmont 5).
b)
einen wegbringen ist auch 'bestimmen wegzugehen': einer der nicht wol wegzubringen ist wo der tisch gedeckt ist Krämer 1215; wüszt ich nur den alten mann wegzubringen, er bewacht den leichnam immerfort Fr. Müller 3, 374; sie (Bettina) ... lief den leuten in die häuser und war nicht wieder wegzubringen Th. v. Bernhardi jugenderinnerungen 37. von etwas: sie ist nicht leicht von ihrem herde wegzubringen Göthe 12, 96 (fischerin); in dem schuppen ... habe die tochter darauf ... einen warmen winkel für ihr kind zurechtgemacht und sei tag und nacht nicht von ihm wegzubringen Heyse nov. 2, 321. sprichwörtlich: er ist so leicht wegzubringen, wie ein schwein vom obstkorbe Wander 4, 1858.
2)
beseitigen, verschwinden machen: das ist nicht wegzubringen, will nicht abgehen Rondeau; läuse (bei den gänsen) wegzubringen viehbüchlein (1667) 109; es kan auch wohl gar alles beydes fehlen, weil das schlucksen nur einig durch einhaltung des athens weggebracht wird Prätorius philosophia colus 70;
ein krancker versucht alle dieng,
das er nur die kranckheit wegbring
und dardurch sein leben erhalt.
Ayrer 1889 Keller;
es will ihr nicht gelingen,
die schwarzen flecken wegzubringen.
Pfeffel poet. versuche 1, 175.
damit berührt sich die bed. 'verbrauchen (namentlich unnütz), vergeuden', wol dem nd. entstammend (so auch mndl. wechbringen Verdam 681ᵃ), jetzt veraltet: wenn die knechte ausgedienet haben, so liegen sie im luder und follheit, bisz sie alles wegkgebracht haben und verspielet bisz auf das hembde Grunau preusz. chronik 3, 300; (die krippenbeiszer) lassen viel essen aus dem maul fallen, solche hat man nicht gerne, denn sie bringen viel futter unnützlich weg Walther pferde- u. viehzucht 50; durch nachforschen in altdeutschen wörtern ...? nein! denn die langen lateinischen zeiten hatten diese denkmäler theils weggebracht, theils war die arbeit zu mühsam Herder 1, 375 Suphan;
und bring nicht weg in einem tag,
da man die woch mit reichen mag.
Ringwald lauter warheit 97.
3)
davonbringen, gewinnen, jetzt auch kaum mehr gebräuchlich:
er gab yhm alles was er vermechte,
das er alleine sein leben wegbrechte.
Agricola musica instrumentalis deutsch 60;
er schlug sein lager auff die städte wegzubringen
vergebens und umbsonst. sie waren nicht zu zwingen,
wie sehr man sie auch trieb.
Opitz 3, 304;
in jedem schäferspiel, im schieszen, rennen, ringen,
weisz er geschickt den preisz vor andern wegzubringen.
König ged. 46;
der einzige vortheil, den ich davon wegbringen werde, ist dieser, dasz ich das alte schwäbische deutsch gelernt habe Lessing 12, 116. in der rechtssprache von dem beiseiteschaffen gestohlener sachen Hayme 1318. wie wegpartiren Spanutius 346. —
wegbringung f.:
eroberung von Samaria und wegbringung der zehn stämme d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 9, 14; dasz keine zeit zur wegbringung des schuttes übrig war Klopstock 12, 330. wegbröckeln, abbröckeln. refl. übertragen (wie sich verkrümeln): da ein guter teil meiner bischen habe, welche durch die zeitverhältnisse verderbende geschwister in händen haben, allmählich sich wegbröckelt Arndt an K. Th. Welcker 368. —
wegbrühen
abbrühen: dieser (löwe) ist so heiszhungrig und fewrzornig, dasz er mit seinem brennenden athem einer hennen, so ihm im zorn wird fürgeworffen, die federn wegbrühet, als wenns siedig wasser were gewesen Herberger osterschatz (1611) 24 —
wegbrüllen
1) intrans., brüllend weggehen: unter welchen (brettern) die von den felswänden zusam mengezwängte Tamina in dunkler tiefe wegbrüllt Meiners briefe über die Schweiz 3, 163. 2) trans., durch brüllen beseitigen, vergehen machen: darauf wurde wieder grosze fischerei gehalten, während welcher wir alle uns ... die langeweile wegbrüllten v. Eichendorff tagebücher 79;
gab gott dir geist, ihn stürmisch wegzubrüllen
beim eklen trinkgelag?
Schubart ged. (1825) 2, 75;
schwiege der nordwind,
der mein zärtlich geseufz wegbrüllt!
Voss 2, 139. —
wegbrummen, durch brummen vertreiben: o wie es (das windspiel) zipp und spröd war und alles von sich wegbrummte! Arndt schriften 1, 35. —
wegbüchsen
wegschieszen: welche (Tartaren) von den Polen weggebüchset werden Tröster polnisches adlernest (1666) 403; die scharfschützen büchseten die offiziere in ihren langen blauen überröcken weg Zschokke 9, 192; er hat dem herzog hier und da einen hirsch weggebüxt Herm. Kurz sonnenwirth 1, 38; ein wildwächter, der seinen eid gebrochen und einen hirsch weggebüchst hatte Grässe jägerbrevier 2, 147. ein andres wegbüchsen (bei Kehrein 440 wegbugsen als rheinisch) 'heimlich und geschwind entwenden' geht auf nd. buchs 'hose' (schwäb. in der gaunersprache Fischer 1, 1495) zurück: zwey goldne sackuhren hab ich weggebixt Schiller 2, 94 (räuber 2, 3 schausp.). —
wegbücken
zur seite bücken, refl.:
als das messer ward gezückt,
hat er sich nicht weggebückt.
Rückert werke 4, 15. —
wegbügeln: falten und knister wegbügeln Campe.
wegbugsiren
wegbringen, wegschaffen (von etwas schwierigem) Bernd d. sp. in Posen 347. ndl. wegboegseren. —
wegbürschen
s. wegbirschen. —
wegbürsten
den staub, die wolle vom kleide wegbürsten Campe.
wegdämmen
durch aufwerfen eines damms fernhalten: das wasser wegdämmen. übertragen:
dann noch mehr unsrer schwestern sein,
des menschen hertzen einzunemmen,
was uns zu wider, wegzudemmen.
S. Israel Susanna (1607) 66. —
wegdämmern
hindämmern: mit dem unaussprechlichen schwanger, wallt sein (Lavaters) sterblicher ausdruck daher, so dasz man leicht, an einem schönen abend, die schwingungen fängt und in einer andächtigen und unaussprechlich heiligen entzückung wegdämmert Lichtenberg 3, 127. —
wegdampfen
1) intrans., als dampf weggehen. bildlich: ich blieb, als ... die andern herren mit ihrem nimbus wegdampften, allein bei ihm als niederschlag sitzen J. Paul Qu. Fixlein 197. wie abdampfen, mit der eisenbahn. 2) trans., als dampf weggehen machen: wir wissen die nährenden kräfte der speisen, durch kochen, braten, quetschen in castroll und dergleichen künstlich wegzudampfen Cranz kraut und rüben 1, 102; dasz man das mineral in salzsäure löst, die überschüssige säure wegdampft Muspratt chemie 5, 1094. dampfend aufbrauchen: allen tabak wegdampfen Campe.
wegdecken
das gedeck anderswohin legen Campe.
wegdemonstriren
als nicht vorhanden beweisen: wenn ich höre, dasz ein nicht gemeiner kopf die freiheit des menschlichen willens, die hoffnung eines künftigen lebens ... wegdemonstrirt haben solle Kant 2, 566; sehe ich wohl ein, dasz es um manche hypothese besser stehen würde, wenn sich die häszlichen schwarzen gänzlich aus der Südsee wegdemonstriren lieszen G. Forster 4, 285.
wegdenken
1) in gedanken von etwas absehen (auch mit refl. dat.): wenn man von seinen übrigen aufrissen eine gewisse falsche art von verzierung wegdenkt, so liegen meist gute verhältnisse zum grunde Göthe briefe 12, 47 Weim. ausg.; er (der tempel) ... hatte, wenn man sich die häuser wegdenkt, die schönste aussicht tageb. 1, 324; man denkt sich vom menschen alles weg, was organisation heiszt Schiller 1, 150; wenn man zwischen Wien und Augsburg und Berlin und Hamburg zu beiden seiten eine breite von dreiszig meilen wegdenkt, so wird man manchen schroffen gegensatz ... entdecken Arndt pro populo germanico (1854) 142; gehe jetzt mit mir zwei jahrhunderte zurück, denke weg aus dem gemäuer die blauen glocken und die maslieben Stifter 1, 217. in philosophischer sprache wie abstrahiren: alles, von welchem ich abstrahieren, was ich wegdenken kann ..., ist nicht mein ich, und ich setze es meinem ich blosz dadurch entgegen, dasz ich es betrachte als ein solches, das ich wegdenken kann Fichte 1, 244; die abstraktion besteht im wegdenken der näheren bestimmungen Schopenhauer 1, 104 Grisebach. refl.: wer sich aus der welt wegdenken und seinen ersatzmann nennen kann, der gehört nicht mehr hinein Hebbel 1, 47 (Judith 4); sich von einem orte wegdenken Campe. 2) durch denken beseitigen: wie nur deine seele den gedanken faszt, denkt ihn schon die meine von deiner stirn weg Klinger 2, 387; um mir nicht die eszlust wegzudenken J. Paul unsichtb. loge 2, 67. —
wegdenkung f.:
ich wünsche zu wissen, was nach wegdenkung alles empfindbaren als stoff zurückbleibe Fichte 2, 503. wegdeuteln, durch künstliche, gesuchte auslegung beseitigen: einem den klaren sinn der biblischen worte wegdeuteln wollen Campe; der tugend anfang ist, an tugend glauben! diesz zur abfertigung der geschichtlichen teufelssachwalte, die edelthaten wegdeuteln wollen Jahn volksthum 366; vergeblich suchte Gentz im österreichischen beobachter durch künstliche sophismen dies unbestreitbare rechtsverhältnisz (dasz Napoleon gegen den könig von Frankreich krieg führte) wegzudeuteln Treitschke d. gesch.³ 1, 716. —
wegdeuten
die gläubige auslegung hat ein recht zu der bemerkung, dasz jede das wunderbare wegdeutende erklärung ... wider die absicht des Johannes sei Strausz 4, 242. —
wegdeutung f.:
willkürliche umgehung, einseitige entstellung, wegdeutung und verflüchtigung dieser thatsache V. A. Huber einige zweifel u. bemerk. (1834) 44. —
wegdieben
wegstehlen (ndl. wegdieven);
nie, seit der tod mein lieb mir weggediebt,
sei froh der liebe, wer am besten liebt.
Freiligrath 6, 229. —
wegdisputiren, durch reden abstreiten: sinnliche begierden ... lassen sich selten wegdisputiren Herder 24, 63 Suphan; da ich ihn nun für nichts als einen das ich seines nebenmenschen wegdisputirenden egoisten und idealisten nehmen konnte J. Paul 48, 460 Hempel; da ist da, das schlosz kann keiner wegdisputieren Brentano 5, 107; ich gestehe ein, dasz ich voller vorurtheile stecke, ich habe sie, wie gesagt, mit der muttermilch eingesogen, und es will mir nicht gelingen, sie wegzudisputiren Bismarck reden 1, 25 Kohl.
wegdonnern
1) intrans., donnernd sich entfernen: der wagen donnerte über die steine weg Schubart leben und gesinn. 2, 126. 2) trans., durch donnern, donnerndes reden, beseitigen:
graue sünder donnern, ihre blösze
wegzudonnern, rauh die unschuld an.
Hölderlin 1, 49 Litzmann.
wegdorren, verdorrend schwinden: indem diese untersten äste ohne disz mit der zeit wegdorren und abfallen v. Hohberg Georgica 2, 592. bildlich:
lorbeer des führers dorret nicht weg, wenn ein krieg auch
vor dem gericht der Aurele, sich zur schmach, steht.
Klopstock oden 2, 45, 81 Muncker.
auch trans. gebraucht: wenn einem verkehrten menschen das alter die maske wegdorret F. H. Jacobi 1, 96. besser wegdörren:
er, der mich ins verderben
gerissen, — meines lebens pest, — das mark,
von dem das dasein zehrt, wegdörrt'!
Immermann 15, 299 Hempel.
wegdrängen, von seiner stelle drängen: arcere, urgere, propellere Stieler 338; dieser lüderliche will jenen ehrwürdigen greis von der thüre wegdrängen, wegstoszen, wegschrecken Herder 3, 218 Suphan; ich küszte sie mit ungestüm; sie drängte mich weg Göthe 24, 291 Weim. ausg.;
sondern er stürmte vorbei, voll heiszer begier, wie er eilig
wegdrängt Argos volk, und vielen noch raubte das leben.
Voss Ilias 5, 691;
drängt weg sie von der pforte, ab vom gang!
Grillparzer⁵ 6, 233 (treuer diener 4).
übertragen: Lessing, der bibliothekar, der an keinem ort, wohin er kam ... allein reden und jeden andern wegdrängen wollte, sondern wen er wollte, ins licht zog Herder 15, 520 Suphan; immer packte mich ein wirbel von hindernissen und drängte mich von meinem vorsaze weg Schubart briefe 2, 251 Strausz; alles stöszt sich und drängt seinen nachbar weg, aus dem quell des daseyns einen tropfen eilends zu trinken Schiller 4, 287; Preuszen ward ... ganz von der Maas weggedrängt Arndt schriften 3, 82. etwas wegdrängen:
löste sie ab den riemen sogleich vom ringe der pforte,
steckte den schlüssel hinein, und schob wegdrängend die riegel.
Voss Odyssee 21, 47;
weil sie diesen (enthusiasmus) aus ihrer brust mit gewalt wegdrängte Herder 24, 151 Suphan; eine gestalt, wie diese, stehe vor deiner seele, wenn du stirbst, und dränge dein letztes gebet weg Schiller 3, 506 (kab. u. l. 5, 8). refl.: Erny, erhitzt und schwer atmend, kommt, sich unter den supplikanten wegdrängend, durch die mittelpforte Grillparzer⁵ 6, 183 (treuer diener 2 bühnenanw.). —
wegdrängung f.:
expulsio Stieler 338; wegnahme der ... zufuhren; wegdrängung von den waffenplätzen Jahn volksthum 321; mit wegdrängung Preuszens von seinen gebührlichen gränzen am Niederrhein Arndt wanderungen mit Stein 247. wegdrehen, zur seite drehen:
Phöbus schämte sich, solch blut, solches würgen anzusehen,
und beflisz sich, sein gesicht von dem treffen wegzudrehen.
v. Schönaich Hermann 186;
auch werdet ihr mir gern gestehen,
es sey nicht leicht, die augen wegzudrehen,
wann, mit gewebter luft leicht flatternd angethan,
ein schönes mädchen euch erscheinet,
das baden will und unbelauscht sich meinet.
Wieland 17, 217 (Idris u. Zen. 4, 32, 5);
die fünf weiszen finger, womit sie einen blumentopf an ihrem fenster aus dem schatten eines zweiges wegdrehte J. Paul uns. loge 3, 113. refl.: Hermonda dem die stoiker ... böse gesichter machten und sich ... von ihm wegdrehten Wieland Lucian 1, 327; indem er sich seitwärts bücket, die geschmeidige Venus zu haschen, dreht sie sich lächelnd weg Fr. Müller 1, 152;
sie spreitzt sich tugendlich und dreht sich weg,
hört sie die lust nur nennen:
und doch sind iltis nicht und hitz'ge stute
so ungestüm in ihrer brunst.
Shakespeare, Lear 4, 6.
früher 'sich fortmachen' (s. drehen 2 c, th. 2, 1363); szo werde ich mich wider wegdrehen Luther 34, i, 399, 32 Weim. ausg. wegdringen, früher und noch jetzt dichterisch für wegdrängen: und du also mit wegkdringen und überlauffen an den rucken der feindt kommest Frontinus, von den guten räthen 43ᵇ;
(er hat) mit unerhörter wuth die erben weggedrungen.
d. schaubühne 4, 387 (Grimm Banise 1, 3);
überläszt sich von neuem der menge wogen, und treibt so
mit dem strome. da er itzt einem der eilenden haufen,
weggedrungen, entkommt, da sieht er auf einmahl Andreas.
Klopstock Mess. 9, 109.
refl.:
vermochten sie sich auch vom platz nicht wegzudringen.
Rückert werke 12, 228. —
wegdrommeten, durch laute musik vertreiben: sie ... haben mit stierhörnern und kupferkesseln und groszen meermuscheln eine höllenmusik gemacht, wie wenn ein hagelwetter wegzudrommeten wär' Scheffel Ekkeh. 249. wegdrücken, zur seite drücken, zurückdrängen: Ferdinand drückt einen gerichtsdiener weg, faszt Louisen mit einem arm Schiller 3, 420 (kab. u. l. 2, 7 bühnenanw.); er ... drückte Lucretia weg und stand mit erhobener axt vor Jenatsch C. F. Meyer Jürg Jenatsch 350. übertragen:
noch weich' ich nicht. noch bin ich manns genug,
den gegner wegzudrücken, der mich stört.
Uhland Ludwig d. B. 2, 2;
da diese (neuen beamten) nun so lange von der quelle, reichthümer zu sammeln, weggedrückt waren ..., so traten sie nun nieder, was ihnen vorkam Klinger 5, 78. durch drücken beseitigen: die hand der zugehüllten göttin bewegte sich mechanisch nach dem eingekerkerten auge, als wollte sie eine thräne hinter der binde wegdrücken J. Paul Hesp. 3, 37. refl. 'sich heimlich wegbegeben': bleibt! bleibt, und drückt euch nicht vor seinem namen weg, dem ihr euch sonst so froh entgegen drängtet! Göthe 8, 276 (Egmont 5); Hansli bemerkte nicht, dasz einer der gesellen nach dem andern sich weggedrückt hatte und selbst der wirt mit seinen leuten verschwunden war G. Keller 6, 395. mit localer best. (s. auch sp. 2936 Musäus): da wollt' ich in die strasze schleichen, wo sie ehemals wohnte, da wollt' ich mich an den wänden wegdrücken Kotzebue dram. werke 2, 214 (kind d. liebe 4, 1). übertragen 'sich einer arbeit entziehen': das Rochusfest 1814, von dem ich mich immer wegdrückte, ist so gut als fertig Göthe briefe 27, 138 Weim. ausg. wegdunsten, als dunst verschwinden: wenn denn die subtilsten humores (beim schwitzen) wegdunsten, so bleibet die scharffe und saure materia auff der haut vertrocknet kleben J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilosophia 1, 10; wenn die erste hitze ihrer liebe weggedunstet wäre, dann, dann würden sie in mir nicht mehr den gegenstand ihrer liebe ... sehen Meiszner skizzen 3, 154. auch wegdünsten: dasz man alsdann das quecksilber nur dürfe wegdünsten lassen, um das reine gold auf dem boden des gefäszes zu finden Claudius Sethos (1777) 1, 461; flüssigkeiten ..., die ... den körper (der pflanze) wachsend machen oder sich als überflüssige absondern und wegdünsten Bechstein forstbot.⁴ 5. dies auch trans. 'in dunst auflösen' Campe.
wegdürfen
sich entfernen dürfen: in diesem (jahr habe ich) nicht fahren können, weil ich nicht von Gleimen wegdurfte Heinse Gleims briefw. 1, 98. —
wegebben
bei der ebbe abflieszen: ist das wasser möglichst weggeebbt, so werden die türen (des schiffs) fest verschlossen Allmers marschenbuch 1/2, 280. refl. 'zur ebbe werden', übertragen:
(wo) die tartarische majestät schwerttragend einherging,
ebbt' es sich weg zu seitengedräng'.
Sonnenberg bei Campe 4, 400. —
wegebnen, durch ebnen wegschaffen: einen wiesenhobel (womit man die maulwurfshaufen auf den wiesen wegebnet) J. Paul aus des teufels pap. 2, 152; durch die länge der zeit und durch den anbau ist aber alles dergestalt weggeebnet und abgetragen worden, dasz man keine erhöhung mehr gewahr wird G. Forster 3, 251. —
wegeile f.:
so kan sie, die seele, dennoch gar und gantz nicht von ihr abschütteln das gewissen, noch sich durch ihre hinfahrt, wegeile und absonderung zur ewigkeit losreisen oder befreien von den strikken des andenkens Schottelius sonderbare vorstellung (1675) 80. —
wegeilen
du eilest weg von hausz, und eilest in die welt.
König ged. 4;
darumb eilet er (mit dem heer) weg aus Judea wider ins königreich 1. Macc. 6, 57; darauf gab er seinem pferde die sporen und eilte von uns weg Göthe 43, 197 Weim. ausg. der subst. inf.: unvorbereitetes wegeilen bringe unglückliche wiederkehr 25, i, 254. übertragen (von, über): ich eile weg von ein paar groszen bildern, welche die Venus bei dem erschlagenen Adonis vorstellen sollen G. Forster 3, 346; ich ... eilte mit herz und sinn von dieser geschichte weg Göthe 22, 297; ihr wenigen edlen, eilet mit mir über ein allzutrauriges angedenken weg Sturz 2, 137; weil er über manche sündliche regungen seines herzens mit flüchtigem blikke wegeilt Schleiermacher II, 4, 119. —
wegekeln
jemand dadurch zum weggehen veranlassen, dasz man ihm unangenehmes thut oder vorbringt.
wegempfinden
empfindsam verbringen: jene heitre sommernacht, die ich in rosenlauben, da ich zum ersten mal am feurigen busen meines Damons lag, entzückend schnell wegempfand Heinse 3, 111 Schüddekopf; der im schosze der liebenswürdigsten familie sein leben wegempfindet 9, 202. —
wegentfernen refl.:
sollen sie (die cavalliers) sich nicht entfernen
von ihrer (der damen) seite weg.
Logau 2, 1, 38 (s. 235 Eitner). —
wegerklären: vornemlich müste er (der übersetzer) sich vor den kommentatoren in acht nehmen, die meistens allen verstand ganz wegerklären litteraturbriefe 13, 147; als er (der versuch) ja ... zur absicht hatte, den sinn dieses wortes wegzuerklären Herder 7, 25 Suphan; die versuche, sagt er, die evangelischen wundergeschichten in den natürlichen zusammenhang von ursachen und wirkungen einzureihen, seien keineswegs bestrebungen, sie wegzuerklären Strausz 3, 19. —
wegerklärung f.:
während der gröszte theil der gelehrten ... sich bemühten durch wegerklärung alles höheren geistes ihre eigene wissenschaft verächtlich zu machen Schelling I, 10, 122. —
wegerläutern
ich könnte beispiele geben, wie weit man uns mit solchem geschmacke wegerläutern, und vom tone des poeten fortleiten könne Herder 3, 352 Suphan.
wegernten
für sich ernten: was sollen wir säen, wenn andere das unsrige wegerndten? Lichtenberg nachlasz 39. —
wegescamotiren
listig (eig. durch taschenspielerkünste) bei seite schaffen: jeder gefahr ... wurde die volte geschlagen, jeder bedenklichkeit die anlehnung aus seinem innern wegescamotirt Gutzkow ritter vom geiste² 2, 253; um sie einmal ganz in wuth zu sehen, möchte ich ihnen Sabinchen wegescamotiren Töpfer ges. dram. werke 2, 116.
wegessen
1)
mit dat., essend wegnehmen: man soll nicht essen, während der geselle trinkt ... und ihm nicht seinen antheil wegessen Freytag 18, 12 (bilder 2, i, 1); dasz, wenn ich einen guten freund bey einem gerichte anträfe, das er sich bestellet hätte, ich es ihm nicht vor dem maule wegessen würde sammlung v. schauspielen (Wien 1764—69) 2 (Cronegk d. mistrauische 3).
2)
aufessen: welche (zwiebeln) sie ungekocht, und wie man sie ausz den gärten bringt, wegessen Widerhold beschreibung der sechs reisen (1681) 1, 140ᵇ; was er davon nicht frisch wegessen kann, wird gesäuert und ... aufbewahrt G. Forster 2, 83 (vgl. auch sp. 2940, 3 c Göthe). refl.: frisches brot iszt sich zu schnell weg. auch ohne obj.: frisch hintereinander wegessen Adelung.
3)
einen wegessen, durch ein abschiedsessen feiern: dann erzählte er ihr, er sei nun endgültig aus dem regimente weggegessen Sudermann das hohe lied 109.
wegfächeln
1)
trans., durch fächeln vertreiben:
er eilt, von blümchen, die ihm lächeln,
vom veilchen, das zum maienkranze blüht,
die sonnenstralen wegzufächeln.
Schiffner gedichte nach dem leben (1786) 21.
bildlich: wie glücklich wären nicht meine blätter, wenn sie von der stirne des weisen und guten ministers das gewölke der regierungsorgen auch nur für einen augenblick wegfächelten! L. Meister neue schweiz. spaziergänge (1790) vorr.
2)
intrans., über etwas: wenn da der lieb' sonn'schein über allem g'legen is und der wind so stad drüber wegg' fächelt hat Anzengruber³ 3, 150 (dorfgänge 1).
wegfahren
1)
intrans.
a)
allgemein 'sich schnell von einem ort entfernen': der teufel fur weg und ward vom engel in die wüsten angebunden Heyden Plinius 338; da kam ein windstosz und fuhr mit Kürdchens hut weg Grimm märchen 2, 23. mit best. 'sich schnell fortbewegen': ob uns auch die granaten über dem kopf wegfahren Cramer Neseggab 1, 107; wanderer ... werfen sich still auf den bauch und lassen den wilden jäger über sich wegfahren Grimm d. sagen 1, 206; wie der wind will ich ihr unter dem arme wegfahren Adelung. von raschen körperbewegungen: Stella (nach einer pause, wild wegfahrend) Göthe 11, 181 (Stella 4); wenn es (Conrädchen) ... an der mutter brust lag, ... und ich trat in die stube, und sprach — gleich fuhr er von der brust weg, sah sich nach mir um und lächelte Salzmann Conrad Kiefer 25. früher überhaupt 'sich von einem ort wegbegeben' (discedere, abire Stieler 410):
nû var enwec, vervluochtiu schar!
zuo dem helleviure dar.
R. v. Ems Barlaam 93, 37;
liesz ihnen sagen, das sy hewt
müsten faren weg von dem land.
Teuerdank 32, 37;
die groven und die soldener worent vor enweg gefaren Königshofen städtechr. 9, 660, 28. sprichwörtlich: wenn der mann wegfähret, so ist das weib herr im hause, viro absente mulier imperat Stieler 410. in der bergmannssprache 'aus der arbeit treten' Veith 565 (1616). übertragen 'entschwinden': es füre mir lieber weg fürsten und menschen gunst und bleibe mir gotts hulde Luther 19, 573, 17 Weim. ausg.;
die frewd ist bald entflogen,
bald, bald fährt alles weg.
Spee güld. tugendbuch 187.
für 'sterben' Stieler 410: er nennet es (das sterben) ein sanfft wegkfaren Luther 20, 255, 11 Weim. ausg.
b)
jetzt überwiegt die eingeschränkte bed. 'sich auf einem wagen oder schiff von einem ort entfernen': er fuhr da in einem schiff zu einer wüste besonders. und das volck sahe sie wegfaren Marc. 6, 33; darnach fuhr Jhesus weg über das meer Joh. 6, 1; mademoiselle sei heute früh mit einem jungen officier weggefahren Göthe 22, 229. mit best.: über eine klippe wegfahren Rondeau; eben kam ein fuhrmann daher und wollt' geradezu über ihn (den hund) wegfahren Grimm märchen 1, 271. auch das schiff, der wagen fährt:
das schiff fuhr weg in schneller eyl.
Spreng Ilias 10ᵇ;
ein nachen fährt soeben drunter weg.
Schiller 14, 316 (Tell 2, 2);
kutschen ..., die in endloser reihe auffahren, wegfahren, und wieder zurückkehren G. Keller 3, 41.
2)
trans. auf einem wagen (schiff) wegschaffen. eine jüngere bed. (dafür früher und noch jetzt obd. wegführen): ich sagte, dasz männer von seinen fähigkeiten bey dem baue der gelehrsamkeit unentbehrlich wären; indem sie den schutt wegfahren müssten, welcher den bauleuten hinderlich sey Rabener 2, 20; damit nachher die steine um so bequemer weggefahren werden könnten G. Keller 4, 86; alle besitzer von wagen und pferden waren ... zum wegfahren des mülls verpflichtet Raumer gesch. der Hohenstaufen 5, 213. —
wegfahrt f.
abstractbildung zu wegfahren 1 (in älteren belegen zuweilen von wegfahrt 'reise' schwer zu scheiden): am sechsten tage aber nach meiner wegfahrt Scherdiger novae novi orbis historiae (1591) 185; so füttert ... der vetter ... von früh abends bis zur wegfahrt Gotthelf 20, 271. ein älterer beleg in der bed. 'tod': dairnae sach he (Anno) ein vurzeichen sinre wechfart in einre sulcher vision städtechr. 13, 496, 22 (Köln 1499).
wegfall m.
junge abstractbildung zu wegfallen. vereinzelt früher als 'abfall': auf diesen flus folget ein ecke ..., welches ... sich, mit einem kleinen büschlein beume, und dem wegfalle des strandes, dem seemanne deutlich zu erkennen giebet Dapper Africa (1671) 368ᶜ. in der neueren sprache (noch nicht bei Campe angeführt) für 'das schwinden, wegbleiben' (mit gen.):
als wäre
der satz: 'auf immer quitt der königsehre'
vom wegfall eines rückfalls zu verstehn.
Müllner dram. werke 4, 40 (Albaneserin 1, 6);
der inlautenden labialis wegfall (war) ganz in der ordnung J. Grimm kl. schr. 2, 205; bei gänzlichem wegfall alles zufälligen und gestörten Lange gesch. des materialismus 66; die vortheile, welche sich aus dem wegfall eines vermächtnisses oder einer auflage ... ergeben bürgerl. gesetzbuch § 2372; so forderte er den wegfall aller fürstlichen und geistlichen zwischenmächte im reich Lamprecht d. gesch. 5, i, 113. in wegfall kommen, bringen: weil daher von selbst ... die diplomatische vertretung der einzelnen staaten in wegfall kommen wird Miquel bei Flathe deutsche reden 2, 5; dasz ... die überflüssige zwischeninstanz des handwerksausschusses in wegfall gebracht ist handwb. d. staatswiss.² 4, 436.
wegfallen
1)
abfallen, herunterfallen: das keine drauben am weinstock, und keine feigen am feigenbawm bleiben, ja auch die bletter wegfallen sollen Jer. 8, 13; kann mit bestand sagen, dasz ich etlichesmal ... in 3 beete breit vom klepper weggefallen bin v. Schweinichen denkwürd. 66; Atcoroth muste ... unter einem zelte, dessen künstliche seiten-wände bey solcher demüthigung wegfielen, fuszfällig werden v. Lohenstein Arminius 1, 112ᵃ; die haare waren weggefallen (beim aussatz) allg. d. bibliothek 102, 21; ein magischer nebel schien vor seinen erstaunten augen wegzufallen Wieland Agathon (1766) 1, 39; indesz bin ich sehr vergnügt, weil mir auf einmal wie ein vorhang vor allen statuen wegfällt Göthe briefe 8, 255 Weim. ausg. herabstürzen: die ... arbeiter jedesmal mittelst hängegurtes vor dem wegfallen zu schützen Veith 565 (1867); es ist mir weggefallen 'aus der hand gefallen' Adelung. sprichwörtlich: das fällt weg wie dem kapuziner der haarbeutel Simrock 5425. von etwas wegfallen, übertragen: denn aller hader und zanck in der kirchen kömpt daher, wenn man von der einfalt des worts wegfelt Mathesius erklerung der epistel an die Corinther 1, 27ᵃ; das ist gar weibisch, dasz sie von Christo mit gedancken wegfellet Herberger hertzpostilla (1613) 1, 299. wie abfallen, gegen etwas anderes zurücktreten: endlich erschien sie doch, und armer Tizian, wie fielst du weg! o alle kunst neige dich vor der natur! Heinse 4, 47 Schüddekopf; es ist zum verzweifeln, was dazu gehört, ein bild in seinem zimmer so zu malen, ... dasz es dann unter einer menge anderer in andern räumen nicht wegfällt A. v. Menzel briefe 10; die herstellung unserer malerei und skulptur ist von niemanden so sehr angeregt worden, wie von ihnen (den romantikern); und man musz gestehen, dasz selbst Göthe's bestrebungen ... hiergegen ganz wegfallen Gervinus gesch. d. d. dichtung⁵ 5, 283.
2)
durch fallen abnehmen: es wäre diszmal umb die Römer gethan gewesen, wenn nicht das wasser endlich so weit weggefallen wäre v. Lohenstein Arminius 1, 376ᵇ. von körperlichem, sich abzehren, schwinden: sprüde hüffe seyn, die da leichtlich brechen und wegfallen Walther pferde- u. viehzucht 82; so das ohr geschwillet (durch die wurzel), so geneset das schwein und dasselbe ohr fällt darnach gantz weg Böhme vieharzney 37; man sieht's eurer herrlichkeit auch sehr wohl an, dasz sie sich abzehren, das fleisch fällt von tag zu tag mehr weg Fr. Müller 3, 343; es war zuverwundern, dasz des guten mannes leibeskräffte fluchs im anfange so gar wegfielen briefe des Hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 143 (1683). von menschen, zu grunde gehen: die Italiäner, welche wegen frost und kälte, auch hunger und kummer, häuffig wegfielen und ins gras bissen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 255 (vgl. 2, 212). jetzt in der Oberlausitz und im Erzgebirge 'sterben' Anton 6, 4; Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ. von abstractem, in abnahme kommen, schwinden: derwegen, weil mir alle meine anschläge wegfielen, hatte ich wiederum lust nach hause v. Schweinichen denkwürd. 117; dasselbe (das äuszere participium) fället nun mit des leibes sterben weg Jac. Böhme 4, 184; doch weil Adgandester unterschiedene lantzen ... gebrochen hatte, fiel endlich der verdacht der zauberey weg v. Lohenstein Arminius 2, 1563ᵃ; von dem landesherrn bildet man sich ein, dasz er alles ungegründete angeben höre, wodurch alles vertrauen gegen ihn auf einmahl wegfället Ch. Wolff vern. gedanken v. d. gesellschafftl. leben (1725) 434; fällt die begierde nach reichtum weg, so liegt aller handel und wandel Liscow 455;
im glücke fällt die demuth weg,
und bey den guten tagen
wird einer unter tausenden
kaum nach dem himmel fragen.
Günther ged. 28;
mein gedanke,
sie eher wieder nicht zu sehn, zu sprechen,
als bis ich sie die meine nennen dürfe,
fällt weg.
Lessing 2, 344 (Nathan 5, 5).
rechtlich von ansprüchen u. dgl. 'wenn sie weiter keine statt haben' Zedler 53, 1907: wenn die bedingung wegfället, bleibt der handel kräfftig Hayme 32;
wenn sie den eid hier vor gericht will schwören,
so fällt der mutter klage weg.
H. v. Kleist 1, 391 (zerbr. krug 9) E. Schmidt.
3)
daraus entwickelt sich dann die jetzt gewöhnliche bedeutung (auf die Adelung hinweist) 'nicht statt haben, nicht eintreten': diese (misbräuche der wörter) nämlich werden von sich selbst wegfallen, wenn man von den wörtern deutliche begriffe erlanget haben wird Gottsched beobacht. vorr. b 2ᵃ; wenn Minerva einen solchen stein gegen den Mars schleidert, von welcher statur soll die göttin seyn? soll ihre statur der grösze des steins proportionirt seyn, so fällt das wunderbare weg Lessing 6, 452; so fiel es von selbst weg, das manuscript des Berengarius darinn zu erwarten 8, 330; darauf (musz man den jüngling hinweisen), dasz er einen geringen werth setze in den genusz der ergötzlichkeiten des lebens. die kindische furcht vor dem tode wird dann wegfallen Kant 10, 450; streitigkeiten mit ihrem manne fielen weg, denn sie brauchte weder das mahl anzupreisen ... noch es herabzusetzen J. Paul leben Fibels 23; das pärchen ... wird getraut, wobey der dreymalige aufruf ... wegfällt Lichtenberg Hogarthische kupferstiche 3, 229; setzten wir uns an die stelle anderer personen, so würden eifersucht und hasz wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden Göthe 42, ii, 197; das unpassende, was das publikum sonst wohl in lieutenantsverlobungen findet, fiel hier weg, da die braut ein artiges vermögen besasz Immermann epigonen² 1, 85; die strafe der herausforderung ... fällt weg, wenn die parteien den zweikampf ... aufgegeben haben strafgesetzbuch § 204.
4)
besonders auch 'in einem gröszeren ganzen weggelassen werden': es sind manche zeilen weggefallen, die sich seine bewunderer nimmermehr würden nehmen lassen litteraturbriefe 1, 125; obgleich bei der neuen bearbeitung Hamlets manche personen weggefallen waren Göthe 22, 169; ich erlaube mir den antrag, die allgemeine einleitung wegfallen zu lassen Bismarck reden 1, 37 Kohl. auch von personen 'neben andern nicht mehr in betracht kommen': wenn im laufe des jahres ein consul wegfiel und eine neuwahl stattfand Mommsen röm. staatsrecht 1, 61; fällt ein gesetzlicher erbe vor oder nach dem erbfalle weg und erhöht sich in folge dessen der erbtheil eines anderen gesetzlichen erben bürgerl. gesetzb. § 1935.
wegfang m.
junge abstractbildung zu wegfangen, zuweilen in der neueren sprache: der wegfang dieser wanderfische (müszte) zu einer völligen verarmung der wasserläufe ... führen handwb. d. staatswiss.² 3, 1062. —
wegfangen
abfangen (mit dem nebensinn 'durch fangen beseitigen' und 'für sich einfangen') z. b. thiere: wo man disz (ungeziefer) nicht wegfengt, so wird der hauffe gros und thut mechtigen schaden Pape bettel- u. garteteuffel 51ᵇ; (im juli sind) die habicht mit einer gebrämten tauben und leimruthen wegzufangen v. Hohberg Georgica 1, 125; katze, ... so von denen weibern deszwegen geheget wird, damit es die ratten und mäuse wegfänget Amaranthes frauenzimmerlex. 1034;
der vogel platea, nach andern pelican,
... jagte diesen herrn (den reihern) die fische wieder ab,
die sie im teiche weggefangen.
Lichtwer fabeln 2, 9.
ein dat. kann den bezeichnen, dem durch fang etwas weggenommen wird: einem die tauben wegfangen Adelung;
dasz ich mir feurung
sammelte, dasz ich im kohl ein naschendes häschen ihm
(dem junker) wegfing.
Voss 2, 28.
menschen wegfangen:
wer allzuweit im wald gegangen,
wird leicht von räubern weggefangen.
Triller poet. betracht. 6, 584;
wie sie einem herrn gram wurden, fingen sie ihm etwa seinen sohn und erben weg Göthe 8, 207 (Egmont 1); diesen (liebhaber) hast du mir nun auch weggefangen 27, 291; höre, wenn ich nicht schon einen mann hätte, würde ich dir den wegfangen! das ist ja ein netter kerl! G. Keller 5, 164. von dingen: er sasz ... auf der schulter seiner freundlichen gebieterin, um ihr die bissen von der gabel wegzufangen 4, 267. bildlich: dasz ich ... während ich mich zum advokaten examinieren lasse, manchen hübschen juristischen brocken weggefangen, der mir jetzo wohl bekommt J. Paul unsichtb. loge 1, 174. vortheile, worte, blicke wegfangen:
und Nerons blitzen fängt des Griechen lorbern weg.
v. Lohenstein Agrippina 1;
es kam mir noch ganz spät ein, unsern philosophen diesen preis vor dem maule wegzufangen Lessing 1, 297 (d. junge gel. 3, 15); alle die ängstlichen gebete, die dem himmel bestimmt waren, von den lippen der schönen bedrängten wegzufangen Göthe 19, 35; einem die worte vom maule wegfangen Nieremberger; Opitz, so scharf er aufpaszte, sasz doch zu weit ab, um jedes wort, das am nebentische gesprochen wurde, wegfangen zu können Fontane I, 6, 17;
ich (das mädchen) blickte seitwärts versteckt in den hut,
doch so den blick vom auge wegzufangen,
verstehn die jäger nur zu gut!
Tiedge 6, 69. —
wegfangung, f.: der schädlichen crocodile v. Ziegler asiat. Banise 737; der alten von den nestern Döbel jägerpract. 3, 121. wegfaulen, abfaulen, durch faulen zerstört werden: die ganze wurzel ist weggefaulet Adelung; dasz man sie (die toten) ... über der erde liegen läszt, bis das fleisch ganz weggefault ist G. Forster 2, 315;
grün schon
fault ihm das korn weg, ehs ihm bärtig blühte.
Herder 25, 113 Suphan.
wegfegen:
die hauszmagd war von stund bereit,
wo sich die spinn zu weben regt,
mit einem besen sies wegfegt.
Waldis Esopus 1, 209 (2, 31, 38) Kurz.
in bildlichen wendungen: die sollen die mauren zu Tyro verderben und ire thüren abbrechen, ja ich wil auch den staub fur ir wegfegen, und wil einen bloszen fels aus ir machen Hes. 26, 4; auf dem boden, wo der wind den schnee weggefegt hatte, sah man immer deutlicher die steine und halme Rosegger 12, 270;
bis uns der tod mit seinem harten besen wegfegt.
D. v. Liliencron 12, 74;
wie viel schein unserer musen-produkte wird wind und wetter noch wegfegen Bürger an Boie (Bürgers briefwechsel 1, 308 Strodtmann); ich habe heroenmuth, den alten sauerteig des jahrhunderts wegzufegen Immermann Münchh.² 1, 122; zwar wurde durch die neuwahlen ... die bisherige rechte gleichsam weggefegt Prutz preusz. gesch. 4, 344. dann übertragen 'vollständig beseitigen, so dasz keine spur übrig bleibt': sie sind wirklich märtyrer der guten studien, aber doch auch der retter, dasz sie nicht ganz von der erde weggefegt werden Heyne an J. v. Müller briefw. 94; dasz wir die deutsche macht segnen ... wollen, welche Franzosen und Engländer und Dänen einmal aus unsern gränzen wegfegt Arndt über Preuszens rheinische mark (1815) 73; wo der katholicismus noch einen boden hatte, wurden die führer der protestantischen partei weggefegt Freytag 20, 199. in die flucht jagen (vgl. fegen 14 'fortwischen, stürmen' th. 3, 1415): nach ihnen kamen gröszere banden, alle schrieen: brot! brot! und rangen die hände. wir haben ihnen einige pistolenschüsse über die köpfe gefeuert und sie weggefegt Freytag 4, 396; durch die wucht des angriffs sollte die feindliche reiterei weggefegt werden v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 835;
mit einer einz'gen salve hätten sie
uns weggefegt.
Geibel 4, 73.
wegfeilen: die spitze, das rauhe wegfeilen Campe. übertragen von geisteswerken, das unvollkommene wegschaffen: so bleibt es ... das geschäft des geschmacks und der kritik ... die unregelmäszigen auswüchse wegzufeilen litteraturbriefe 22, 53;
nun aber, dichter, schweig und lasz der welt den lauf,
und was ihr nicht behagt, vertilge, feile weg!
Platen 87 (gas. 133). —
wegfertigen, wegschicken: und wolde heut gleich die brieff wegfertigen H. v. d. Planitz berichte 261; du hast Petrum erzürnet und Rom verderbt, da du Gregoriusen weggefertiget hast Fabricius auszzug bewerter historien (1599) 179. fertig machen: ich habe mir fest vorgenommen, in den drei wochen meines exils ein gewisses stück wegzufertigen, und jetzt treib' ich's röszlein fort durch dick und dünn Lenau an Sophie Löwenthal 5 Frankl.
wegfetzen
wie wegputzen durch feuer völlig vernichten Mauszer d. soldatensprache 35. in der gaunersprache ist wegfetzen 'wegschneiden' Train 134. —
wegfeuern
durch feuer (schüsse) beseitigen: die thurmspitze ist weggefeuert Campe.
wegfiedeln
abreiben: deterere Corvinus fons lat. 887; wann sich die ochsen am leibe wund ziehen und die haut weggefiedelt, so siehet man das blosze fleisch v. Hohberg Georgica 3, 246ᵇ. die bed. 'reiben' ist aus der von 'geigen' hervorgegangen.
wegfieren
'ein tau bis zum tamp, bis aufs letzte ende, fieren' (nachlassen) Stenzel seem. wb. 460ᵃ. —
wegfinden
sich zum weggang anschicken (früher refl.):
die glock ist unser wächter und saget uns die stunden,
nicht die, die kummen sollen, nur die, die weg sich funden.
Logau 3, 7, 13 (s. 548 Eitner);
der doktor konnte noch nicht wegfinden. er hatte sich unter dem fenster auf den drehstuhl ... gesetzt und begann zu plaudern Storm 2, 186; ich konnte nicht wegfinden von diesen bildern D. v. Liliencron 3, 97. wegfischen, übertragen (mehr der umgangssprache angehörig) 'durch list in seine gewalt bringen' (vgl.wegangeln): es wurde im gegentheil und absonderlich dargethan, dasz der pabst durch die erdichtete donationem Constantini Rom weggefischet J. A. Schertzer beweis (1664) C 3ᵇ; so wil ich schon sehen, dasz ich das beste zuvor wegfische, das andere wil ich ihnen lassen Schoch studentenleben 63, 16 neudr.; Forstern hätte ich hier auch gesprochen, wenn der landgraf ihn nicht weggefischt hätte Boie an Bürger, briefw. 2 nr. 526 Strodtmann. meist mit dat., einem etwas, auf das er gerechnet hat, mit list vorweg nehmen: gleichwohl aber setzte Cöpio bald darauff an die lincke seite des Rhodans über; iedoch mehr in meinung dem bürgermeister den ruhm des sieges wegzufischen, als ihm beyzustehen v. Lohenstein Arminius 1, 904ᵇ; denn ob zwar könig Ludwig in Ungarn demselben sein fräulein, Hedwig, zur gemahlinn versprochen hatte: fischte doch der gewaltige littauische hertzog Jagello ... ihm die braut weg Valvasor die ehre des herz. Crain (1689) 3, 259; mein bruder hat sie (Amalia) dir weggefischt Schiller 2, 61 (räuber 2, 1 schausp.); noch hab ich weder die stelle noch die braut, und da ist sohn und vater, die mir auf den dienst lauren und mir jeden augenblick beides wegfischen können 14, 254 (parasit 4, 9); wenn sie (die werber) eurer tochter ihren bräutigam wegfischen Engel der dankbare sohn (1771) 11;
nun müssen wir ihm die verstärkung noch,
die er erwartet, wegzufischen suchen.
Rückert werke 10, 565 (Colombo 2, 5).
es liegt die wendung vor dem garne wegfischen zugrunde: welchen die meuchel-listige bösewigter mit dem tischtuch strangulirt hatten, weil er die braut einem andren vor dem garn weggefischet E. Francisci seelenlabende ruhstunden (1678) 1, 1137. darnach auch vor dem maule wegfischen Rondeau: (Lisette.) pfuy! schämen sie sich nicht, herr Leander! dasz sie den putzmacherinnen das brot vorm maule wegfischen? Löwen 4, 249; der sollte des barons von Altholtz fräulein ... dem herrn von Masuren ... vor dem maule wegfischen? d. schaubühne 3, 447 (Gottschedin dorfjunker 1, 1);
ich soll mich wohl noch gar mit ihnen herzlich freun,
dasz sie mir vor dem mund die nummer weggefischt.
v. Gaudy 18, 156. —
wegfischung, f.: eines buchtitels Mattheson d. vollk. capellmeister vorr. 10. wegflackern, flackernd wegbrennen Campe: solcher langsamkeit gegenüber erscheinen die längsten kriege der menschen wie das rasche wegflackern eines reisigfeuers Grimm Michelangelo 1, 52. —
wegflattern
gott Amor wollt ihr treue lehren?
ihr wollt den schmetterling bekehren,
der nur auf wechsel sinnt? ...
wegflatternd wird er euch verlachen.
Gotter 1, 359;
es buhlt mit ihr (der lilie) der bunte geck,
der schmetterling; er küszt und flattert
am end' mit ihrer unschuld weg.
Heine 1, 307 Elster;
wo ... die schöne tochter am wegflatternden kaffeefeuer blühte J. Paul kom. anhang z. Titan 2, 62; (sie) sahen noch das wegflattern des gewandes und den sprung des hundes Stifter 2, 63. von einer körperlichen bewegung: also, dasz der unterste schenckel sampt dem fusze, nicht auswerts zur seite, hinder dem dicken des obernschenckels wegflattern: sondern gerade hinder der röhre des obernbeinschenckels geführet werde G. v. Danap beschreibung eines wolabgerichteten pferdes (1614) 24. übertragen: wie auch die fladergeister, so vom wort wegfladern, die heylige stifft- und einsetzung des herrn Christi ... mit listigem und falschen schein ... anfechten Mathesius Luthers leben 400 Lösche; ich kann nicht unbillig seyn und ihnen verdenken, dasz ihre seele so schnell von gemahlten grazien wegflattert, so bald sie von einem wirklichen original derselben hört Wieland suppl. 4, 165; ihr schönen frühlingsjahre! ihr seid nun über mich weggeflattert J. Paul Hesp. 2, 34. wegfliegen: alles gevogel unter dem himel war weggeflogen Jer. 4, 25;
der (rabe) flouc enwec und kam niht wider.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2243 Weinhold;
mit briefen flog die taube weg aus deinem hof.
Platen 74 (gas. 38);
aber es was zu lang verzogen,
der vogel war schon weggeflogen (redensart).
Eyering 3, 63.
bes. vom flug nach süden und aus der gefangenschaft: der falke ist weggeflogen. sprichwörtlich: wenn der vogel kompt bisz auffs zaun, so fleugt er gar weg Petri 2, Ppp 5ᵇ; wenn die schwalb wegfleugt, so bleibt der sperling 2, Bbb 6ᵇ; es fleucht kein storch weg, der nicht dächte wieder zu kommen v. Lohenstein Arminius 2, 1556ᵃ. auf andre thiere und menschen übertragen (über, von, aus): so wie das reh ... leicht über die keimenden saaten wegfliegt Göthe 28, 16 Weim. ausg.; über das Tyroler gebirg bin ich gleichsam weggeflogen briefe 8, 37;
kein blut, kein leichnam hemmet ihren fusz;
und über ihren eignen vater fliegt sie weg.
9, 334 (Mahomet 4, 1);
von strasz' und markt ist alles weggeflogen.
Gries Ariostos ras. Roland 2, 294;
Mastors sohne Lykofron,
Ajas genossen im streit, dem Kytherier, welcher bei jenem
wohnete, seit er um mord wegflog aus der edlen Kythere,
diesem traf er ins haupt.
Voss Ilias 15, 432.
wie ausfliegen: man baut an der waisenhauskirche; dies macht mir möglich, 5 bis 6 wochen wegzufliegen Lavater an Herder (aus Herders nachlasz 2, 96). von dingen 'in die luft getragen werden': der hut, vom sturme gefaszt, flog weit weg Campe; soll ich dreinhaun, dasz dir der kopf wegfliegt graf Pocci lust. komödienbüchlein 142; das helle mondlicht und die langen schatten der baumstämme, die wechselnd über die beiden reiter wegflogen v. Eichendorff 3, 36. übertragen:
mit leichtem geiste flieg' ich über tage
und wochen weg.
Göthe 13, i, 161;
mein leben fliegt weg wie ein traum 37, 69; manche goldgeschwingte stunde flog unter so süszer beschäftigung über unser haupt weg Schubart leben u. gesinn. 1, 198;
die stunden flogen weg mit trinken und mit scherzen.
Wieland 22, 101 (Oberon 3, 12, 6);
die liebe fleugt bald weg, amores refrigerantur Stieler 2456; seine einbildungskraft, die so gern über die nähern verhältnisse wegflog Klinger 3, 117. wegfliehen: er wird sie schelten, so werden sie ferne wegfliehen, und wird sie verfolgen Jes. 17, 13; jene sind vom herrn ferne weggeflohen, aber wir haben das land innen Hes. 11, 15; die evangelischen prediger ... waren alle verjagt und weggeflohen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 212; sie (die melancholiker) fliehen ... von den menschen weg, aus abscheu Zimmermann über die einsamkeit 1, 359;
und als die Schotten er (Rinaldo) so sieht mit groszen hauffen
wegfliehen, schreyet er: ey wohin wolt ihr lauffen?
D. v. d. Werder ras. Roland 144.
übertragen:
die wolcken flohen weg.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 8, 400ᵃ;
jetzt musz
gehandelt werden, schleunig, eh' die glücksgestalt
mir wieder wegflieht über'm haupt.
Schiller 12, 209 (Wallenst. tod 1, 1);
wie sein flieszendes blut all die glühende rache meines herzens auslöscht! wie mit seinem wegfliehenden leben meine wuth verschwindet! Göthe 11, 123 (Clavigo 5). bei Md. früher auch für wegfliegen (vgl. th. 3, 1781): darumb musz die herrligkeit Ephraim, wie ein vogel, wegfliehen Hos. 9, 11. wegflieszen: als wenn der bernstein ein gummi solcher bäume wehre, so unter der erden ausz den wurtzeln weg- und herausz flösse Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 62; flieszende lava, die sich einen langen hügel hinunter macht, auf dem sie in einen canal wegflieszt Göthe tagebücher 1, 332 Weim. ausg. mit best. 'in einer richtung flieszen': die Werra, welche allernechst an der stadt wegfleust Güther beschreibung des st. Meiningen (1696) 20; bach, der unter meinem fenster wegflieszt Lichtenberg 1, 110; ich werde ... auf den weiszen kissen liegen bleiben, bis das rothe blut darüber wegflieszt Stifter 2, 111. von dem, was das wasser mit sich führt: zu Minden an der Weser ist dasz waszer so hoch ... und sein gantze häuser weggeflossen briefe des Hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 67 (1682);
an ein wasser, da war ein steg
von grösz des wassers gflossen weg.
Waldis Esopus 1, 267 (2, 87, 18) Kurz;
die see braach häuffig ein, das todte schiff ertrank,
das leichte guut floosz weg, das schweere das versank.
Fleming (1642) 82;
das kind ist mit dem bad ausgossen,
die fisch mit dem wasser weggflossen.
Eyering 1, 320.
bildlich:
wohl dir! wär' all sein groll in thränen weggeflossen.
Ayrenhoff 1, 755.
übertragen, namentlich von der zeit:
in flôʒ mit clagender arebeit
diu naht erbermeclîche enwec.
K. v. Würzburg troj. krieg 37757;
ist meiner jahren schneller lauf
mit seufzen weggeflossen.
Weckherlin 2, 113 Fischer;
und habe ... unterschiedliche male vier und fünf wochen einliegen müssen, dadurch also gemeldtes 69. jahr leichtlichen weggeflossen v. Schweinichen denkw. 31; ebenso geschwinde wird uns die zeit bisz auff den jüngsten tag im grabe wegflieszen Herberger hertzpostilla (1613) 1, 837; ohne dasz er viel tat, ... flossen die tage weg Hesse nachbarn⁶ 84. auf vergleich mit den flieszenden wellen beruht: schlug er (der mond) so bescheiden, als er still über die blinde nacht wegflieszet, seine wolkenaugenlider auf J. Paul unsichtb. loge 3, 105; die sanft hintereinander wegflieszenden hügel des Wouvermann Geszner schriften 2, 175. —
wegflieszung f.:
der mülen Pape bettel- und garteteuffel L 6ᵇ. wegflöhen, wegflüchten (vgl. flöhen th. 3, 1814): die überwinder ... fanden sehr wenig beute: weil die bürger ... alle ihre besten gühter bei zeiten auf Rezif weggeflöhet Dapper America (1673) 437ᵃ. —
wegflöszen
wegschwemmen: eine partey holtz wegflöszen, to let a float of wood go down the river Ludwig 240; (das holz) das die kaisrischen schwatzer und holzknecht im gepirg in den Trautnawischen welden hatten abgehackt und weggeflöszet Hüttel chronik der stadt Trautenau 217; wer in auen oder unten an bergen scheitholtz schlagen lässet, soll solches bey guter zeit in die höhe bringen, dasz es von einfallenden güssen nicht verschlämmet oder weggeflöszet werde allg. haushalt-lex. 1, M 2ᵃ; die hültzerne (brücke) hatte die Thonaw weggeflöst Heberer aegyptiaca servitus (1610) 570; die (unsauberkeiten) werden vom zu- und ablauff des mörs weggeflöszt H. Kilian res publica Venetum (1557) B 4ᵇ; da die güssen nicht allein die dung, sondern auch die gute erden ... wegflösen v. Hohberg Georgica 1, 332;
in jedem tag', in jeder nacht
wird zweymal diese segensfluth (ebbe u. fluth der Elbe),
und mit derselbigen so vieles kaufmanns-guth,
von Hamburg weggeflöszt, nach Hamburg hergebracht.
Brockes⁴ 2, 190.
bildlich: thränen flöszen die dinte weg Schubart briefe 2, 96 Strausz; hatte die springflut des zornes ihm vorhin den sitz des verstandes überschwemmt, weggeflöszt hatte sie diesen nicht M. Meyr erzähl. a. d. Ries 2, 437. nebenform wegflözen: wasser wesschet steine weg, und die tropffen flötzen (später flöszen) die erden weg Hiob 14, 19; was ... die durchgeschossenen fluthen rein ausgewaschen und weggeflötzt Görres briefe 1, 2. —
wegfluchen
durch fluchen vertreiben: wenn die schmerzen kommen, so fluche ich sie weg Sturz 1, 25; er würde seinen guten engel von seiner seite wegfluchen Eschenburg Shakespeare 12, 506;
sonst hättest du dergleichen (ungeheuer) weggeflucht,
doch jetzo scheint es dir zu frommen;
denn wo man die geliebte sucht,
sind ungeheuer selbst willkommen.
Göthe 15, i, 119 (Faust 2, 7191) Weim. ausg.
beseitigen: du hast mich unglücklich gemacht, meine ehre weggeflucht! Klinger 3, 157. frei 'fluchend über einen wegreiten':
und mancher (verwundete) hat noch einen stich versucht,
als über ihn der Baier weggeflucht!
v. Droste-Hülshoff 3, 78 Kreiten.
wegflucht, f. abstractbildung zu wegfliehen, jetzt veraltet: etliche tage vor der wegflucht des christlichen heers auf Altenburg E. Francisci traursaal (1669) 2, 501; ein einiger seitenstich erinnert uns unserer gebrächlichkeit, und dasz wir mit den blumen in gleicher wegflucht blühen oder welcken v. Butschky rosenthal (1679) 679;
die schnelle wegflucht dieser zeit.
Robertihn Königsberger dichterkreis 302 neudr.
wegflüchten. 1) trans. in sicherheit bringen: seine güter wegflüchten Steinbach 1, 464;
(dasz der kaiser) im begriffe steht, die zarten enkel
nicht vor den Schweden, vor den Lutheranern,
— nein! vor den eignen truppen wegzuflüchten.
Schiller 12, 184 (Piccolomini 5, 1).
2) intrans. sich auf die flucht begeben: (Ramler) der rechte und ächte vertreter der damaligen schule in Berlin, aus der bald genug die poesie ganz wegflüchtete in einen andern zufluchtsort Gervinus gesch. d. deutschen dicht.⁵ 4, 191. —
wegflüchtig adj.,
wegfliehend (wie das subst. veraltet): nun war zu dieser zeit aus der Ober-Bettau noch wenig wegflüchtig, weil die inwohner vermeinten, wegen der ströme, womit sie umgeben waren, sicher genug zu sein französ. Simplicissimus (1683) 1, 431. 'vergänglich': das unser leben kurz und wegflüchtig sei, das es dahinrauschet wie ein wasserstrom Pape bettel- u. garteteufel Bb 6ᵃ; wir pflegen von wegflüchtigen dingen zu sagen: es wärete nur einen tantz und hochmesz Herberger trawrbinden (1612) 2, 31. —
wegflüchtigen
in sicherheit bringen: profugare, wegfluchtigen Diefenbach gl. 463ᵇ (aus voc. theut. 1482); wie die herrn eins hochw. dohmcapittels ihre reliquien und cleinodia, auch ihre gueter weggefluchtiget städtechr. 27, 155, 14 (Magdeburg 1524); später durch wegflüchten ersetzt.
wegflüchtigkeit f.:
und nimpt für sich eine gemeine und nötige lehr von der unbestendigkeit, vergenglichkeit und wegflüchtigkeit aller menschlichen dinge Mathesius Syrach 1, 90ᵇ. wegflug, m. das wegfliegen: es müsten auch die zeiten zur ankunft und wegflug dieses vogels sich veränderlich erweisen Prätorius winterflucht d. sommervögel vorr. B 6ᵃ; das unstäte wandelbare glücke wird mit ihn spielen in schnellem wegflug von ihn allen Hüttel chronik d. st. Trautenau 120. —
wegfluten
1) intrans. flutend sich entfernen: das ausgetretene wasser flutete bald wieder weg Campe. übertragen: wie das alles nun so im zeitstrome so weit weggefluthet ist Carus Paris u. die Rheingegenden (1836) 2, 216. 2) trans. flutend mit sich führen: hierin (im morast) verwickeln sich die vom Missisippi weggefluteten baumstämme Zschokke 16, 219. wie ausströmen:
mädchen, kauf' mit golde, wenn es gilt,
dir ein herz, bereit, für dich zu bluten,
und das heisze leben wegzufluten,
bis der letzte tropfen von ihm quillt.
Seume 595. —
wegfolgen, verabfolgen, ausliefern: darum könten sie sie (die frauen) ohn des markgrafen vorwissen nicht wegfolgen lassen v. Schweinichen denkw. 160. —
wegfördern
gewonnene mineralmassen fortschaffen Veith 565: die stelle, wo zum gebrauch des chausseebaues die seite des hügels aufgegraben, eine grosze masse weggefördert ... worden Göthe naturw. schr. 9, 80. —
wegfreien
bald danach ist jener schöne jüngling wieder ... gekommen und hat das prächtige Mühlenhannchen ohne viele umstände weggefreit Sohnrey im grünen klee 22; einem andern seine geliebte wegfreien Campe. wegfressen, auffressen: es (ein thierlein) hat pflegen wegzufressen alles was auff den bewmen und auff dem felde wechset Luther 16, 151, 28 Weim. ausg.; (die störche) sollen wache halten, das ungeziefer ümher wegfressen Prätorius winterflucht d. sommervögel 36. mit dat. 'fressend entziehen': es thut einem jeden weh, wenn er glaubt, es gehöre ihm etwas, und wenn es ihm denn ein anderer hund vor dem maule wegfriszt Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 73; es lief aber da ein zahmer löwe herum, der gewohnt war, den knechten das brod wegzufressen Scheffel Ekkeh. 330. vom feuer (s. fressen 5 a th. 4, i, 134): unfall wird nicht von im lassen, die flamme wird seine zweige verdorren, und durch den odem ires mundes in wegfressen Hiob 15, 30; es ist ein grausamer brand gewesen, welcher alles, was innerhalb der weiszen mauer war, bisz an den strohm Neglina wegfrasz Olearius pers. reisebeschr. 132; kaltblütig zündeten manche bauern ihre pfeife an beim feuer, das hab und gut ihrer brüder wegfrasz Zschokke 2, 133. von zehrenden, scharfen oder sonst äuszerlich einwirkenden dingen: der krebs hat ihm die nase ganz weggefressen Stieler 900; wie es scharffe wasser giebt, die das eisen wegfressen Herttwig bergbuch 246ᵇ; wird dieselbe (salbe) ... im abgang des monds das überbein wegfressen v. Hohberg Georgica 3, 226ᵃ; das über die fluren gesprengte schönheitwasser des thaues, das den stiefeln die farbe wegfrisset J. Paul Qu. Fixlein 137;
den rost frist weck die krafft desz öls.
Hock blumenfeld 74 neudr.
vom wasser: da der weg ... nur auf geschiebe ruht, so mag der bach leicht die unterlage wegfressen Steub drei sommer in Tirol 1, 344. übertragen, 'verzehren, aufreiben': meine augen flieszen ... mein auge frist mir das leben weg, umb die tochter meiner stad klagel. 3, 51; wir christen wissen ... von diesem fluch, ... das er auch alle menschen wegfrist Luther 20, 341, 33 Weim. ausg.; die (gnade) frisset sunde und vorczweifflunge weg 32, 164, 30; ein untrewer rat ..., der nirgend zu dienet denn das er eins fürsten geld und gut wegfrisset 32, 438, 40; nach diesem sieg ist ein gros sterben unter des keisers kriegsvolck gekommen, welches viele trefflicher menner ... weggefressen hat Menius chronica Caronis (1564) 3, 326ᵃ; liesz ohne verschonen das schwert wegfressen alles was männlich war Pinto wunderliche reisen (1671) 343; was ist ... am leben einiger schurken gelegen, da der krieg doch ganze völkerschaften wegfriszt? Sturz 1, 233; die zeit frisset alles weg, tempus edax rerum Stieler 900; derjenigen summen, die das spiel, die jagd, der stall, die garderobe, die tafel und der keller wegfressen Kretschmann 2, 35; meine grosze übersetzung ... die friszt zeit weg Fr. Müller 1, 39; keiner der männer ist an ein sogenanntes geschäft gebunden, das ihm die allerschönsten lebensjahre wegfriszt und das herz ertödtet Stifter 1, 67;
langsam friszt der tod
in vierzig jahren deine (Moses) feinde weg.
Herder 12, 104 Suphan;
das pulver reicht, die burg ganz wegzufressen,
mit hund' und katzen, hin!
H. v. Kleist 2, 291 (Käth. v. H. 4, 8) E. Schmidt.
wegfretten, durch reiben u. dgl. wegschaffen (vgl. fretten th. 4, i, 140): hernach eine geisz ... das saltz (von den sohlen) ablecken lassen, da man gesehen, dasz die geisz alles fleisch bisz auf die gebeine weggefrettet Harsdörffer lust- u. lehrr. gesch. 2, 171. —
wegfretzen
wegfressen (wie abfretzen, während fretzen sonst 'weiden, füttern' ist th. 4, i, 141): darum wird solche der grimmige zoren des herren wegfretzen Mathesius historien von Jesu Christo 2, 110ᵇ; sie sind trawen nicht all verloren, die in groszen sterben mit hauffen weggefretzt werden handsteine 414 Lösche; Bonfinius berichtet, dasz sie (die heuschrecken) alles gewächs, laub und gras, bläter und kräuter, saat und blühe weggefretzt ... haben Valvasor ehre des herz. Crain (1689) 4, 2, 519. —
wegfüchseln
heimlich entwenden, s. th. 4, i, 342 füchseln, von fuchs (zuerst 1625 belegt): ob mir die frau was wegfüchselt, das sie versauffen kan Ch. Weise freym. redner 328; mein herr vater hat einen reverenz kriegen sollen, nun hat ihn meine schwester weggefixelt Catharine 114 (1, 6) Fulda; noch jetzt in Sachsen Müller Fraureuth 1, 363, Schlesien Weinhold 24, Posen Bernd 347. die schreibung wegfixeln erklärt sich aus anlehnung an fix 'rasch'. —
wegfühlen
seine gesichtsbildung mit dem schönen gekräuselten barte ist völlig griechisch, und aus dem täglichen umgange von einem tiefschauenden menschen weggefühlt Heinse 4, 250 Schüddekopf. wegfuhr, f. abstractbildung zu wegfahren: das rohe behauen der stämme im walde zum zwecke leichterer wegfuhr Karmarsch-Heeren³ 1, 443. früher auch wegfuhre: welchen (hunger) die Franzosen durch die wegfuhre des getreides veruhrsachet Dapper Africa (1671) 272ᵃ. —
wegführe f.
veraltete abstractbildung zu wegführen: dasz ihre wegführe und beschlossene beschimpfung ihm zu hertzen ginge v. Lohenstein Arminius 2, 1109ᵃ.
wegführen
1)
von einem orte führen: Diefenbach gl. 169ᵇ deducere, 178ᵃ devehere, (en)weg-, inweg-, eweck-, awegfuren.
a)
von menschlicher thätigkeit:
α)
si fuorten in enwec zehant
und batten in rîterlîche.
W. v. Gravenberg Wigalois 22, 33;
darüber war der marschall berauscht, dasz man ihn wegführen muszte v. Schweinichen denkw. 92; bald aber erholte er sich und .. befahl auch den verwundeten alsofort aus dem treffen wegzuführen v. Lohenstein Arminius 1, 39ᵃ; er bot ihr die hand an, im sinne sie wegzuführen Göthe 23, 14 Weim. ausg. meist von einem gewaltsamen führen: hatten ouch die jungfrowen genomen und enweg wellen fuͤren Huge Scheppel 6ᵇ; sie werden gefangen weggefürt werden 5. Mos. 28, 41; meine zarte kinder musten gehen auff rauhem wege, sie sind weggefurt, wie ein herd, von feinden geraubet Baruch 4, 26; dem künig ... füerten sie auch sein tochter Hesiona weck Aventin 4, 183, 31 Lexer; Salmanasser, der die zehen geschlecht der Jüden wegfüret Mathesius Sarepta 82ᵇ; sie ... haben ein paar hundert mann- und weibespersonen weggeführet Schupp schriften 95; das mägdchen ist dort weggeführt (entführt) worden Lichtenberg Hogarth. kupferstiche 2, 205; die Franzosen hatten weit und breit das platte land wüste gelegt, .. die bauern weggeführt Ranke 4, 25;
und die troischen weiber, beraubt der heiligen freiheit,
weg in schiffen zu führen zum lieben lande der väter!
Voss Ilias 16, 830;
wags, ihn (Tell) aus unsrer mitte wegzuführen!
Schiller 14, 355 (Tell 4, 3).
ins gefängnis führen: ich sah ihn verhaftet; ich sah ihn weggeführt Shakespeare, maasz für maasz 1, 2; mäszige deine sprache, wenn ich dich nicht wegführen lassen soll! G. Keller 7, 246. in die hölle führen: das wol ein teuffel zehentausent boser bawrn und junckern wegfuren kondte Luther 34, ii, 396, 31 Weim. ausg.; der schultz (ist) leibhafftig vom teuffel weggeführet worden Krüger spiel v. d. bäur. richtern 7 neudr.; der teufel soll sie wegführen Philander 1, 643; der henker füre den weg, ders beszer macht, als er kan, diabolus auferat eum Stieler 414. übertragen von gott. dem tod: wenn ich nu meine hand ausstrecken über Egypten, und die kinder Israel von inen wegfüren werde 2. Mos. 7, 5;
führst du sie mir, die ich liebe, gott, weg!
Klopstock oden 1, 73, 64 Muncker;
ach! es ist die treue mutter,
die der schwarze fürst der schatten
wegführt aus dem arm des gatten.
Schiller 11, 313 (glocke).
β)
thiere wegführen:
Trawwol fürt weg die kuh.
wann der stall leer, so mach in zu.
Eyering 2, 666;
den jagdzug,
den du ihm kürzlich schenktest, sah ich noch
vor wenig stunden übern markt wegführen.
Schiller 12, 306 (Wallenst. tod 3, 17);
er stieg ... vom pferd, das er dem reitknecht wegzuführen gab Mörike 3, 8.
γ)
hab und gut wegführen; also machet sich Jacob auff ... und füret weg alle sein vieh, und alle seine habe 1. Mos. 31, 18; Judas plündert sie, und füret den raub mit sich weg 1. Macc. 7, 47; der papst hat euch in Teutschland gesand, ausz welchem ihr ein grosze summ gelt holt und wegführt Weidner apophth. 3, 87; die besten kostbarkeiten waren weggeführt Ranke 40/41, 211; auf dem platz des palastes aber stellte Karl das eherne reiterbild des groszen Ostgoten Theodorich auf, das er von Ravenna weggeführt hatte Freytag 17, 327 (bilder 1, 6);
als sie dem feind thäten die stuck
unter der nas wegführen.
v. Ditfurth volksl. d. bayer. heeres 56. —
ausführen: es wird auch viel theer gebrandt und weggeführt Olearius verm. reisebeschr. 36.
b)
als subject erscheinen auch thiere: der weyh oder stoszvogel wird uns unsere tauben alle wegführen Lehman (1662) 2, 567; einen pfennig, der so leicht ist, das in wol eine fliege möchte wegfüren Luther 28, 564, 21 Weim. ausg.; nit soviel ehrbarkeit, ehr und zucht haben, als ein mucke mag auff dem schwantze wegfüren Musculus hosenteuffel 18 neudr. wind, wasser: sie werden sein wie stoppeln fur dem winde, und wie sprew die der sturmwind wegfüret Hiob 21, 18; so hastu (kleiner) bley in sohlen, dasz dich der wind nicht wegführt Ch. Weise klügste leute 50; die groszen schwarzen schindeln der dächer (waren) mit steinen beschwert, damit sie der wind nicht wegführe Göthe 25, 110 Weim. ausg.;
wenn ein rauher wind sich rühret,
sind die blumen weggeführet.
Neukirch ged. 94;
dasz sie (die flüsse) vil steinin brucken und heüser zerrissen und weggeführt ... haben Stumpf Schwytzerchronik 128ᵇ; nun soll aber die ebbe und fluth von den küsten sand und staub und muscheln wegführen d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 2, 418. wagen, schiffe:
es flieht das schiff, das Daphnen weg
zu fernen ufern führt.
Geszner (1778) 2, 11.
abstracta:
also hat deiner wafen glantz
in schimpf den sig oft weggeführet (davongetragen).
Weckherlin 1, 142 Fischer.
von etwas: ich sehe, dasz mich diese seltsame erfindung eines dem jahrhundert des Perikles sehr unähnlichen zeitalters beynahe zu weit von Aspasien weggeführt hat Wieland 24, 308; ihre gedanken waren von der überraschten neugierde himmelweit von ihm weggeführt G. Keller 4, 22;
es freut mich, euch zu sehn. habt guten abend
im ernst, was führt euch weg von Wittenberg?
Shakespeare, Hamlet 1, 2.
2)
mit einem fuhrwerk fortschaffen (besonders noch im obd. üblich, sonst wird wegfahren vorgezogen): so khemen da die lewte mit wagen und karren bey hawffen und drengten sich umb das wegkführen (der steine) Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 228 Gäbel; wie die kauffleut thun, welche am sontag packen und auffladen lassen, was am montag oder wol gar am sontag soll weggeführet werden Schupp schriften 184; die fuhrleut beklagen sich, dasz sie offt, obwohlen sie die güter wegführen, etwas vom lohn müssen fahren lassen. Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 101; alles nun zum gebäue taugliches holtz soll man nicht aus dem lager, wo man es aufbehalten, früh morgen im thau ... wegführen v. Hohberg Georgica 1, 22; der Wennerbauer ... habe vorgestern steine aus der wiese graben und wegführen lassen Stifter 5, i, 96; dann ging er in sein magazin einen haufen farbhölzer wegführen zu lassen G. Keller 5, 108.
3)
bisweilen absolut: abliegen ... ausdruck für den vom lande ... wegführenden schiffskurs v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 30. —
wegführung f.:
deportation Spanutius 219; (den einwohnern) mit gänzlicher wegführung und dem säbel gedrohet S. v. Birken d. verm. Donaustrand 199; die gewaltsame wegführung des papstes Ranke 40/41, 13; 'entführung der weibespersohnen' Zedler 53, 1909; man solle ihnen die wegführung der leichen verstatten Fr. v. Schlegel 4, 138; die versetzung und wegführung der mauergemälde Welcker alte denkm. 4, 249; abspülung des erdreichs und wegführung desselben in das meer (durch den regen) Kant 9, 55. wegfüllen, bergmännisch. 1) mittels wegfüllarbeit (gewinnungsarbeit bei unzusammenhängenden mineralmassen) gewinnen. 2) bereits gewonnene massen an einen andern ort schaffen. 3) die im grubenbau umherliegenden stücke zusammenlesen Veith 565. —
weggabe f.
abstractbildung (noch nicht bei Campe) zu weggeben: da du gar nicht ahnest, die weggabe des fremden briefes sei nicht recht J. Paul Hesp. 1, 262. —
weggabeln
eig. beim essen (gemeinsames essen aus einer schüssel ist vorauszusetzen) mit der gabel wegnehmen, dann wie wegfischen gebraucht: er hat ihm seine braut vor der nase weggegabelt Adelung.
weggang m.
abstractbildung (zuerst bei Campe angeführt) zu weggehen; enwegkgangk oder hingangk, secessus. voc. theut. (1482) g 5ᵇ; secessus, wechgang Diefenbach gl. 523ᵃ (gemma, Köln 1507); der selbig weckgang thut den aposteln whe Luther 29, 367, 19 Weim. ausg.; nach seinem weggange gab sie es ihrer mutter ... zu vernehmen Bucholtz Herkuliskus 1435; bei seinem weggang ward der vermeinte pilger ihnen (den jüngern zu Emmaus) känntlich Herder 19, 344 Suphan. tod: des zärtlich geliebten Giseke weggang Strausz 10, 44. —
weggaukeln
1) intrans. (über etwas) gaukelnd, spielerisch weitergehen: weist du auch, dasz du ein leichtsinniger knabe bist, und über den groszen schritt deines lebens weggaukelst wie ein unbesonnenes mädgen Schiller 2, 121 (räuber 3, 2 schausp.); es war nicht zu befürchten, dasz ich, leichtsinnig über die zukunft weggaukelnd, die wenigen mittel, die ich besasz, vergeuden würde Hebbel tageb. 1, 383. 2) trans. in spielerischer weise verbringen: in ihrer jugend soll sie schön gewesen seyn und ihr leben weggegaukelt ... haben Göthe 19, 95 Weim. ausg. durch gaukelkünste beseitigen: ehe sie (die weltlust) mit ihren heerestatzen einschlug ..., hatte sie längst durch allerlei lügenkünste die einigkeit weggegaukelt Jahn 1, 418. —
weggaunern
durch gaunerei wegnehmen:
Sosias (zu Merkur, der sich für Sosias ausgibt):
wie kommt der unerhörte einfall dir,
mir meinen namen schamlos wegzugaunern?
H. v. Kleist 1, 215 (Amph. 1, 2) E. Schmidt.
weggeben
1)
sich einer sache entäuszern und an andre geben. was man an sich hat oder besitzt:
er gap durch mich sîn harnas
enwec.
W. v. Eschenbach Parz. 27, 16;
mein gemahlring der ist mir sehr lieb,
das eingfast hertz ich nicht weggieb,
weil mirs mein juncker schencken thet.
Ayrer 2313, 13 Keller;
also können die zeitlichen gaben und güter ... wir wol weggeben Luther 17, i, 243, 17 Weim. ausg.; solt haus und hoff weckgeben 27, 303, 33; er hat unter seine freunde weggeben alles was er hat Stieler 657;
mit einem leichten wörtlein, ehe blut
geflossen ist, denkst du die beste stadt,
aus Frankreichs herzen wegzugeben?
Schiller 13, 204 (jungf. v. Orl. 1, 5).
vergeben, austheilen: nachdem die ... domänen in der hauptsache schon weggegeben waren Mommsen röm. gesch. 2, 120;
er (Sejan) theilet' ämpter ausz, er setzet' auff und ab ...
gab regimenter weg.
Rachel sat. ged. 67 neudr.
eine tochter weggeben 'verheiraten': ob auch das wegkgeben seiner tochter wieder den willen des keisers ihre sache mit der zeit mochte gar bosz machen Grunau preusz. chron. 3, 197; das rathsame, warum erst Lucinde weggegeben werden muszte, lag besonders darin, dasz sie ... etwas hoch hinaus war Gutzkow zauberer v. Rom 1, 8. ein kind weggeben, auch 'aus dem hause in anderer aufsicht geben' ( Campe). etwas weggeben, auch nur 'aus der hand geben': versprecht mir ritterlich gefängnisz und ich gebe mein schwert weg Göthe 8, 126 (Götz 4); sie gibt den pfeil und bogen weg H. v. Kleist 2, 328 (Hermannsschl. 1, 2) E. Schmidt; wenn es wirklich einmal dahin kommt, dasz ich meine ... dichtung vollende und weggebe Hesse Peter Camenzind 217. übertragen 'hingeben, auf etwas verzichten': das wyr opffern und weggeben disse uberschwenckliche gaben und freuden Luther 8, 517, 8;
o alles opfernd herz! und dieser gibt
schon mir zu lieb die goldne jugend weg.
Hölderlin 2, 226 Litzmann.
2)
weggeben kann auch ein geben an andere gegen entgelt, verkaufen, sein: die würth ... den wein mit wasser mischen und hernach für köstlich weggeben Dannhawer catechismusmilch 2, 327;
mich schmerzt es fast es (das gemälde) wegzugeben.
das viele gold das ich begehrt
erreicht noch lange nicht den werth.
Göthe 16, 158;
es stand nahe in aussicht, dasz Welckers bruder ... mein haus gekauft hätte. ich würde es auch jetzt noch weggeben, und gerne Gervinus an Dahlmann, briefw. 2, 262. um, für: dasz ich ... kurze zeit darauf das gut, welches ich für 6000 thaler erkauft hatte, um 4000 wieder weggab Freytag 20, 330 (bilder 3, 9); ich will ihn weggeben ... für ein spottgeld Engel schriften 6, 198. übertragen 'mit etwas anderm vertauschen': nicht um den ganzen himmel ... geb' ich die lust weg, die mir beschert ist, wenn der morgende tag anbricht! H. v. Kleist 2, 219 (Käth. v. H. 2, 6) E. Schmidt; man schaue einen Sokrates an, einen Plato, einen Euripides: wer wird ihre marmorbüsten für ihre lebendigen reden und gedichte nicht gleich weggeben? Heinse 4, 191 Schüddekopf. sich weggeben 'wegwerfen':
weil, mich wohlfeil wegzugeben,
hätte meinen stolz gekränkt,
lieber drum mit leib und leben
hab' der lieb' ich mich geschenkt.
Rückert werke 1, 475;
über der lieben Meline heirat sage ich nichts, es macht mir nie wohl, wenn ein so schönes kind sich weggiebt Bettina briefw. 2, 156.
3)
vereinzelt bezeichnet weggeben ein leibliches vonsichgeben: weszwegen Ada glauben muszte, seine natur wäre so gut gewesen, dasz sie selbst das gifft von sich weggegeben v. Lohenstein Arminius 2, 1626ᵃ; (das kind hat die speise) mit heszlichem gestancke stets wieder unten weggegeben Prätorius anthropod. plutonicus 1, 440. —
weggebung f.:
alienatio, distributio Stieler 657; weggebung fremden gutes v. Lohenstein Arminius 1, 880ᵇ.
weggedenken
daran denken wegzugehen:
wir sind noch hier zu finden,
gedencken fast nicht weg.
Fleming 67.
weggeheien refl.
(auch ohne sich) sich fortpacken, vgl. sich geheien th. 4, i, 2347 f. und frz. foutre le champ:
ir losen hudler, thut euch weggheüen!
Ayrer 2387, 19 Keller;
er fieng mich grewlich an zu schendn,
zu witern, fluchen und zu drewn,
wo ich nicht bald würd weg geheien,
und mich aus seinen augen packn,
er wold mich schlagen auf den nackn.
Pape Jonas rhythmicus (1605) Bbᵃ.
aus geheien ist keien geworden:
key weck! was wilt mich darmit kern?
key weck in aller teuffel namen!
H. Sachs 14, 270, 4 Götze;
Amor. ey, wolt ihr mir solch ding zutrauen?
nein fürwar, last mich nur hinnein!
Jan. ey, key dich wegk! es kan nicht sein.
Ayrer 2913, 25 Keller.
weggehen
1)
von einem orte gehen: Diefenbach gl. 3ᵇ abire, 167ᵇ decedere, 171ᵃ degredi, 463ᵇ proficisci, 486ᵇ recedere, 523ᵃ secedere, (en)weg-, (en)weck-, (en)wech-, eynweck-, eweck-, ewech-, aweg gan, geen; also ging Esau enweg noch dem geyegeze Königshofen städtechr. 8, 254, 12; do sprach er zu ir, daʒ si eweg ging d. volksbücher 340, 35 Bachmann-Singer; wenn du zu viel gessen hast, so stehe auff, und gehe weg, und lege dich zur ruge Sir. 31, 25. in Nassau verhüllend für 'seine notdurft verrichten' Kehrein 440. redensarten: weggehen wie ein begossener hahn Herberger hertzpostilla 1ᵇ, 29; weggehen wie die katze vom taubenschlag Göthe 13, i, 80; weggehen wie der reif vom zaune Körte 5040. abweisendes geh weg! jetzt vielfach auch nur als ausdruck des unglaubens oder der überraschung üblich: gehn sie weg! sie sind ein thor! sagte der andre Gutzkow ritter vom geiste² 4, 273. mit ethischem dat.:
du, mit deinen braunen locken,
geh' mir weg, verschmitzte dirne!
Göthe 6, 209 Weim. ausg.;
geht mir weg mit eurem groszen!
Arndt werke 5, 117;
kopfhänger, geh' mir weg! wie kann den weg mir sagen
zum licht, wer frei zum licht nicht darf den blick aufschlagen?
Rückert werke 8, 266.
auffordernd (wie frz. allez):
Cupido ist bedacht die männer zu verletzen ...
geht wegk, seht euch wol für.
Opitz poem. 127 neudr.
der substantivirte inf. ist häufig: das weckghen tut we Luther 29, 367, 12 Weim. ausg.; er vergiszt das weggehen Wander 4, 1858;
nein! liebe herrn, denkt doch an's weggehn nicht.
Göthe 9, 190 (Romeo 331);
beim weggehen konnte ich mich nicht enthalten sie zu umarmen J. Möser 3, 28; das mädchen sagte im weggehen ... O. Ludwig 2, 191; jetzt entschlosz ich mich und schickte mich an zum weggehen Göthe 45, 91. weggehen kann auch das dauernde verlassen eines ortes oder einer stellung bezeichnen: von dem an giengen seine jünger viel hinder sich, und wandelten fort nicht mehr mit ihm. da sprach Jhesus zu den zwelffen, wolt ir auch weggehen? Joh. 6, 67; so aber ein hausgenosz wegging (aus der gemeinde) ohne wissen eines schultheiszen weisth. 6, 96; dasz nachgehends solch übelgehaltenes und um ihren lohn betrogenes gesind weggehet v. Hohberg Georgica 3, 53ᵇ; welch ein schmunzeln ... dasz als Fries wegging, Hegel kam Voss antisymbolik 2, 309; er that wohl von Rom wegzugehn Göthe 43, 76 Weim. ausg. für 'sterben':
mensch, geniesze dein leben, als müssest morgen du weggehn.
Herder 26, 14 Suphan.
weggehen mit localen best.: (sie) in umb gotes willen bate, er wege von ir gienge Decamerone 293 Keller; und er gieng weg von Elisa, und kam zu seinem herrn 2. kön. 8, 14; mein kammerdiener hat befehl, nicht eher von ihnen wegzugehen, bis er mir antwort bringt Rabener 3, 380;
zurück! lasz nicht die schimmernde bahn
dich verführen, weg vom ufer zu gehn!
Klopstock oden 1, 174, 54 Muncker.
hinter der schule weggehen, sie versäumen Rondeau; übertragen: hinter einem dinge weggehen, es nicht verlangen ebenda. über: die schöne dame richtete das fernrohr ... nach einer öden steinigen fläche, über welche der jagdzug weggehen muszte Göthe 18, 318; wir sind über hohe gebirgsgegenden einigemal weggegangen Tieck 6, 120; übertragen: da er glaubte, der anschlag käm' vom papste, ging er leicht darüber weg Göthe 43, 376; gar flüchtig geht er über die groszen einrichtungen des reichtags von Worms im jahr 1495 weg Ranke 1, 346. unter: wer es vermeiden kann, unter ihrem fenster wegzugehen, der thut es Rabener 2 (1751) 255; wir waren wenige schritte unter der felsmauer weggegangen Schiller 4, 78. mit der hand weggehen, die hand wegthun, aus Obersachsen Rüdiger 2, 128 und Posen Bernd 347 angeführt.
2)
auch die zeit geht weg, 'vergeht', zustände gehen weg: in sölchem lust die zeit flohe und wege ginge Decamerone 239 Keller; die zeit gehet weg, als wenn sie flügel hätte Spanutius 499; ein jahr geht bald weg Ludwig 2406; hierüber gieng ihnen mehr als die halbe nacht unvermerckt unter den händen weg v. Lohenstein Arminius 2, 872ᵃ; die drey tage ... sind uns insgesammt unter den händen weggegangen, dasz sie uns als drey kurtze augenblicke geschienen Ch. Thomasius kleine teutsche schrifften (1707) 661; wie eine schlittenfahrt geht mein leben rasch weg und klingelnd und promenirend auf und ab Göthe briefe 3, 1 Weim. ausg.;
jugend, lust und schöne wangen
stehn fast stündlich auf der flucht:
sind die einmahl weggegangen,
werden sie umsonst gesucht.
Günther ged. 325;
die krankheiten kommen zu pferde und mit der post, gehen aber zu fusz und mit schneekenschritten wieder weg Schottel 1118. erscheinungen in der natur gehen weg 'vorüber': die sonne ist schon weggegangen; über etwas:
die flut geht drüber (das schifflein) weg.
Schiller 14, 280 (Tell 1, 1).
örtlichkeiten gehen weg 'erstrecken sich in einer richtung' (s. sp. 2936 Seume): Victor wendete seine augen nun gegen den freien platz, der vor dem düsteren hause wegging Stifter 3, 341.
3)
von concreten ist weggehen namentlich auch 'weggeführt werden, abgehen': als der erste schnee wegging, ... kam der obrist in unsere gegend Stifter 2, 252; excrementum, allerley unlust so von etwas weggehet nomencl. lat.-germ. (1634) 63; von diesem ... brei bleibt bei den kindern wenig zurück, es geht ihnen alles wieder dünn weg Gutzkow 7, 210; an solche seiffen füret man die wasser, und sticht modt und werg drein, das gehet im schlam weg Mathesius Sarepta 99ᵃ; dardurch dann das golt gar leichtlicht ... in der trüb im wasser weggehet Ercker beschr. aller mineral. ertzt 46ᵃ. bildlich: daʒ sein kleine sünde, sy gen mit dem geweichten wasser weg Decamerone 25 Keller; werden sie denn von einer sunde ubereilet, so hats nicht not, es ghet mit ym vater unser weg Luther 32, 97, 17 Weim. ausg. überhaupt 'schwinden': ist es aber sache, dasz der wurm oder beule durch die haarseil und aderlassen nicht weggienge und geschwollen bliebe Böhme roszartzney 13; das fleisch gehet mir von zähnen, von nägeln weg Krämer 1216; er aber habe ... das horn überrücke ausgegossen, wovon dem pferde, soweit es bespritzt worden, die haare weggegangen wären v. Lohenstein Arminius 1, 94ᵇ; die farb gehet weg Krämer 1216; dieser fleck wird so leichtlich nit weggehen ebenda; machten sie sich schwarze ringe um die augen, und als sie solche grauenhafte erscheinung wieder dämpfen wollten, ging der rusz nicht weg Rosegger schelm a. d. Alpen 2, 6. etwas geht weg 'wird aufgebraucht, vernichtet':
in einem hui verderben seine (Hiobs) kinder,
es gehet weg sein haus, hof, vieh und rinder.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 38;
die (goldenen rosen) muszte ich versetzen vor 50 thlr. ... welches geld zu einzeln bald wegging v. Schweinichen denkw. 99; personen, die immer gelegenheit zu verschaffen wissen, dasz es (das geld) geschwinder weggehe Göthe 21, 210; bei einem lüderlichen wandel gehen die lebensgeister weg Rondeau. aber auch 'wird verkauft': die waare geht reiszend weg Adelung; drüben Schornheim, was damals zu einem sehr wohlfeilen preise wegging Tieck nov. 10, 8; sollten bedeutende blätter ... um geringe preise weggehen, so sind sie mir willkommen Göthe briefe 29, 22. bildlich: es geht weg wie warme semmeln beim bäcker (z. b. von heiratsfähigen töchtern) Wander 4, 1858; sie (die gelehrten frauen) gehen unter andern leuten, als du bist, reiszend weg Lessing 1, 233 (d. junge gel. 1, 6); den lachenden Abderiten und den weinenden Ephesier (lasz kommen); denn die beyden müssen mit einander weggehen Wieland Lucian 1, 378.
weggeiszeln
eil' hieher,
auf dasz ich meinen muth in's ohr dir giesze;
und alles weg mit tapfrer zunge geiszle,
was von dem goldnen zirkel dich zurück drängt.
Shakespeare, Macbeth 1, 5. —
weggelangen: doch hiermit war das unheil nicht geendiget: weil man nirgend einiges fahrzeug bekommen konte von der insel wegzugelangen Dapper America (1673) 56ᵇ. —
weggenieszen
genieszend verzehren: dinge, die in der jugend, frisch, wie reife früchte, weggenossen werden müssen Göthe 27, 280 Weim. ausg.
weggeraten
zufällig wegkommen: nachdem sie nun also bis in die sinckende nacht mit ihrem canoniren angehalten, sind sie durch diese unordnung von den andern weggerahten M. Krämer leben und tapffere thaten (1681) 775. —
weggestalten
durch fortbildung wegbringen: gott (hat sich) ja immer den menschlichen seelen nach ihrer fassungskraft bequemt, und statt sie fortzubilden, sie nie zerstört und neu geschaffen. Moses gesetzgebung hatte es ja eben zum zweck, sie von Ägypten wegzugestalten Herder 10, 42 Suphan.
weggestatten
erlauben wegzugehen, mnd. wechstaden: das die Stettinischen, so darin (in den städten) zur besatzung waren, sie haben müssen auffgeben und allein mit irer were und kleidern seint weggestattet Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 235 Gäbel.
weggewältigen
gestein, wasser fortschaffen Veith 565 (1772). bildlich: er geweltiget den berg, darmit wir verfallen, fur uns weg Roth catechismuspredigt (1579) 2, 184ᵃ. —
weggewöhnen
daran gewöhnen fern zu bleiben:
ich seh auf sie mit bangem sehnen,
und kann den blick nicht weggewöhnen:
die anmuth die im auge wachet
und um die jungen wangen lachet,
zieht meinen weggewichnen blick
mit güldnen banden stets zurück.
Uz werke 21 (4, 8) neudr.
mit dat.: wie man tauben gewennen soll, dasz sie bleiben ... wie man einem dagegen tauben weggewennen kann schweiz. archiv f. volkskunde 6, 59 (altes arzneibuch). refl.: jene .. unschuldige gesellschaft hatte sich weggewöhnt, dafür kam der verderber ins haus Immermann epigonen² 1, 112. weggeworfen, part. von wegwerfen, adjectivisch gebraucht. zur seite gesetzt: (Reiser) kam sich in dem augenblick so unbedeutend, so weggeworfen, so nichts vor, dasz ihm sein gesicht, seine hände, sein ganzes wesen zur last war Moritz Anton Reiser 148 neudr. verächtlich:
was! dieser weggeworf'ne knecht soeben
hielt vor dem antlitz mir die thüre zu.
H. v. Kleist 1, 286 (Amph. 3, 4) E. Schmidt.
meist 'verworfen': eine ... weggeworfene, meiner achtung unwürdige creatur S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 2, 13; sie behandeln mich wie ein kind. .. oder wie eine weggeworfne person Hermes Sophiens reise 4, 151; die ein rechtliches betragen von seiten lasterhafter menschen, weggeworfener und niedriger charaktere erwarten Göthe 45, 100 Weim. ausg.; so gesunde begriffe, so viel geist bey einem so weggeworfenen charakter! Schiller 14, 262 (parasit 5, 6); vorzüglich war die unzucht der römischen kirche ... ein gräuel, wie man ihn in dem weggeworfensten heidenthume nicht schlimmer finden konnte Seume 132. sich wegwerfend:
schnell, gefällig, jedem gleich,
weggeworfen nicht, noch spröde,
macht die marketend'rin reich.
Brentano 7, 300 (Victoria 1). —
weggeworfenheit, f.: es wird der welt nie an tyrannen fehlen, da sie voll weggeworfenheit und sklavengeist ist Seume 345; die arglosigkeit, unanstelligkeit und weggeworfenheit der fürsten trifft schmach und satire (in Kleists Hermannsschlacht) Gervinus gesch. d. deutschen dicht.⁵ 5, 615. weggieszen: wann der wein gantz abgestanden, gleichsam faul und ohne kraft wird, so taugt er zu nichts als wegzugieszen v. Hohberg Georgica 4, 375. sprichwörtlich: man sol das unreine wasser nicht weggieszen, man hab denn das reine wider zur hand Petri 2, Oo 4ᵃ. durch gieszen vertreiben:
sol ich dich mit wasser wegkgieszen?
Ayrer 2929, 12 Keller.
wegglänzen, durch glänzen vertreiben:
wie morgenröthe wird er aufgehn,
wie die frühe sonn':
sie glänzet alle nebel weg.
Herder 12, 274 Suphan.
wegglätten, durch glätten beseitigen:
mein liebster mann, glätte die runzeln weg;
sey froh und munter heut mit deinen gästen.
Shakespeare, Macbeth 3, 2.
bildlich: die ganz freie seele, aus der alle falten der erinnerung weggeglättet sind Immermann 20, 13 Hempel.
weggleiten
zuweilen hält, in trauermähr' vertiefet,
die weise muhme für den schemel mich:
ich (Puck) gleit' ihr weg, sie setzt zur erde sich.
Shakespeare, sommern. 2, 1;
(ein rasen) der ungefähr einen zoll dick ist, aber leicht unter den füszen weggleitet G. Forster 2, 374. bildlich: unsre gespräche gleiteten weg, wie ein himmelblau gewässer Hölderlin 2, 128 Litzmann. über etwas: dein auge läszt wohl seine blicke über gewöhnliche gegenstände leicht weggleiten Heinse 3, 35 Schüddekopf. bildlich: würde man auch nicht so leichten fuszes über die natürliche frage .. weggeglitten sein Kant 5, 74; diesz alles gleitet über ihn weg wie wasser über wachstuch Zimmermann über die einsamkeit 2, 198. —
wegglimmen
so glomm er langsam weg, erlosch und merkt' es kaum;
sein tod war, wie sein leben, nur ein traum
Gotter 1, 406. —
wegglitschen, weggleiten, über etwas: er strich nicht mit allgewalt. sondern glitschte nur über die saite weg Schubart ästhetik der tonkunst 60. übertragen: so glitschte sein gewissen über den anlasz zu dieser tragischen entwicklung, selbst über seine schuld weg Klinger 5, 95. —
wegglühen
1) intrans. glühend sich verzehren. 2) trans. glühend verzehren, verbrennen:
sie kamen (höllenfackeln in den händen)
der unterdrückten judenschaar
die bücher wegzuglühn.
Herder 29, 544 Suphan.
weggraben: disz theil wolte er vom grundt niderwerffen, das fundament weggraben Forberger warhafftige beschreibungen (1570) 423;
der sperling und ich gruben wegk
soviel wir konten ausz dem dreck.
Froschmeuseler Bb 2ᵇ (i, 2, 8).
ein stück vom wege weggraben 'zum grabeland ziehen' Campe. nach diesem auch für 'anderswo eingraben, vergraben'. —
weggrapsen, weggrapschen
durch rasches zugreifen wegnehmen (zu dem in nd., md. und auch obd. mundarten üblichen grapsen, grapschen): es ist keiner, der nicht eine zeit gehabt hätte, da er nur daran dachte, sich das beste stück von herrgotts tische wegzugrapschen Sohnrey am grünen klee 273; und dann hätten die Cook-Engländer uns die besten esel weggegrabscht Bierbaum 7, 122. weiterbildung weggrapseln: ich habe mir auch kleine tücher um den hals gekauft, fürchte aber, du wirst mir sie wegkrapseln, denn sie werden auch um den kopf artig stehen Göthe briefe 12, 349 Weim. ausg. (an Christ. Vulpius). —
weggraulen
durch bangemachen vertreiben. namentlich von Berlin aus verbreitet H. Meyer 150ᵃ: sie bringen immer wieder einen frischen bekannten zum spielen mit, bis herr Kleines auch wiederkommt und den weggrault Stinde familie Buchholz¹⁰ 98; die kleinen (der schüler) hatten ihr abteil eingenommen und suchten fremde reisende wegzugraulen Anders skizzen 3, 345. vgl. wegekeln. —
weggrübeln
durch grübeln beseitigen: der stolz einer vernunft, die alles grosze weggrübelt v. Meyern Dya Na Sore 1, 169. —
weggucken
wegsehen: als er mich sah, guckte er weg. über etwas: darüber kuckt man bei euch weibsleuten weg Schiller 3, 358 (kab. u. liebe 1, 1); der Niemczycer, der ... über ihn wegguckte, als wäre er luft Cl. Viebig das schlafende heer 1, 243. —
weggusz m.
das weggieszen und was weggegossen wird Campe.
weghaben
(früher meist getrennt geschrieben).
1)
von seiner stelle entfernt, beseitigt haben:
nu was sin vater schatze holt,
des was im leit genuc ...
daʒ er (Franciscus, der sein vermögen abgegeben hatte) den schatz hete enwec
und einen alzu breiten stec
durch sin gut gerumet.
Passional 517, 35 Köpke;
iczlicher wyl den andern gar weghaben Luther 29, 105, 12 Weim. ausg.; bleibet nach diesem einer von den beyden affecten allein übrig und will man ihn auch weghaben, so brauchet es keiner neuen mittel Ch. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen 279; ich hätte diese letzten zeilen gerne weg v. Hippel lebensläufe 1, 250; dasz mich der donner da (bei dem spasze) weg hatte Schiller 2, 81 (räuber 2, 3 schausp.); jetzt wird dir mein dociren schon lästig, und onkel Hans möchte mich weghaben v. Holtei 8, 40; ich habe den überlästigen glücklich weg Campe.
2)
erlangt, empfangen, in besitz genommen haben, über etwas verfügen (zunächst im nd. und md. auftretend, auch mndl. wechhebben Verdam 681ᵃ): er hats weg, habet, abstulit, obtinet Stieler 2456; seinen lohn weghaben, avoir son salaire, einen dienst weghaben, obtenir une charge Rondeau; do de hertighe dat gheld wech hadde quelle bei Schiller-Lübben 5, 620; der homeister .. hat das gantze Hinterpommern gewunnen .. und auch mit gewalt behalten, also das es der orden hirnach mehr dan hundert jar wegkgehapt Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 180 Gäbel; es sei keiser, babst, konigk und allen Preusen leidt, so haben wir dennoch die braut wegk Grunau preusz. chronik 3, 198; Volrad der schon das jawort weghatte Schütz hist. rer. pruss. 1, F 4ᵃ; aber wie er das ampt weggehabt, hat er sich über die masze erhoben Reinicke fuchs (1650) 163; wenn diese feinde (begierde, geilheit, hasz und neid) die oberhand einmahl kriegen, so haben sie dich weg pers. baumgarte 7, 1; damit hatte Furantine den ring weg, dessentwegen sie dem Volbio nachgestellet polit. stockf. 203; wer weisz, ob sie ihm gar was vermachen läszt, weil er indem das seine schon weghat Ch. Reuter Schlampampe 126 (3, 8) neudr.; ein herr darf nur nicht offenbar ruchlos .. seyn, so hat er sein lob weg F. C. v. Moser der herr u. d. diener 21; wie erschrack ich, als einer von den soldaten mein felleisen nahm und damit nach der thür wanderte! .. mein geld, meine wäsche und andere sachen haben sie weg Jung Stilling 9, 69;
und wo er was zu kapern fand,
da macht' er frisch sich dran.
wips! hatt' er's weg, wips! ging er durch,
und schleppt' es heim auf seine burg.
Bürger 24ᵇ (der raubgraf).
von etwas unwillkommenem (so jetzt hauptsächlich gebräuchlich) 'davon betroffen sein': ich ... kans auch nicht wol gleuben, den schimpff aber hab ich gleich wol weg und werde in auch wol behalten Heinr. Jul. v. Braunschweig 86 (Susanna 3, 2) Holland; ich glaube, dasz ich schon vom vorigen jahre einen schus (anfall von verliebtheit) weghatte Hermes Sophiens reise 1, 689; nach der bisherigen weise hat seine frau die prügel und demoiselle Engels die grobheiten weg Göthe briefe 21, 32 Weim. ausg.; ja, wenn du nicht lächeln kannst, je nachdem der wind kommt, so wirst du bald einen schnupfen weghaben Shakespeare, Lear 1, 4; springt das ... auf mich zu, und ich habe ... einen stosz in das linke auge weg Immermann Münchh.² 4, 32; denn wenn die republik einmal einen knacks weg hat, so ist das nicht so leicht, sie wieder auszubessern Prutz Holberg 248; in gleichem sinne sprach ich mit .. Roon: wir hätten die französische ohrfeige weg Bismarck ged. u. erinner. 2, 85. mit unbestimmtem object: kommen sie, lieber doctor, um gottes willen, kommen sie! die königinn — hat's weg (ist tot) Bürger 312ᵃ (Macbeth 5, 3);
Mercutio (tödlich verwundet).
sie haben würmerspeis' aus mir gemacht.
ich hab' es tüchtig weg.
Shakespeare 1, 89 (Romeo u. J. 3, 1);
im augenblick hat der junge was weg (erkältet sich) G. Hauptmann biberpelz 68 (akt 3); einen weg haben (näml. rausch), betrunken sein Frommann 5, 67 (Westfalen); die hat auch tüchtig einen weg v. Ompteda drohnen 156. dahin gehört auch das obersächs. er hat es bei mir weg, er hat es bei mir verdorben Adelung (nach Albrecht 230 noch jetzt in Leipzig): Lelio mag seyn, wer er will, er hat es bey mir weg ... er soll es sehen, dasz man ein gesichtchen, wie das seine, leichter vergessen kann, als ein anders Lessing 1, 381 (der misogyn 3, 6).
3)
sich geistig zu eigen gemacht, wahrgenommen, eingesehen haben, dahinter kommen: das hab ich schon weg, dasz weisz ich schon auswendig Ludwig 2407; doch hätte es noch sollen ein halb jahr währen, so hätte er die sprache wollen weghaben Ch. Weise erznarren 219 neudr.; er hatte es bey der ersten unterredung weg, dasz er mit keiner eigennützigen zu tun habe Lessing 2, 67 (miss Sara Sampson 4, 8); kam einer zu ihm, und wollte seine bücher sehen, so hatte ers bald weg, wohin er ihn führen müszte Klopstock 12, 138; der witz des Atheners ist scharf und beiszend; auf den ersten blick hat er das lächerliche an personen und sachen weg Wieland 34, 204; ich war, als ich durch Paris ging, noch keine stunde daselbst, als der wirth de quatre nations es schon weghatte, zu welcher ich gehörte v. Thümmel reise 7, 275; da der alumnus unter dem tanzen ... den augenblick weghatte, was ... an der Justel wäre, dasz sie ein hübsches gelenkiges ding ... sei J. Paul unsichtbare loge 3, 136; das hätte sie weg, dasz du einer von den ansehnlichsten philosophen seyst, die sie je gekannt hätte Göthe briefe 1, 120 Weim. ausg.; alle methode ist rhythmus: hat man den rhythmus der welt weg, so hat man auch die welt weg Novalis 2, 233 Minor; wir hatten seine schwächen bald weg, und die streiche, die wir ihm spielten, grenzten ans unglaubliche Grillparzer⁵ 19, 22; es waren fremde, das hatte ich beim ersten blick am schnitt ihrer kleider weg v. Gaudy 2, 39; und, weiszt du, so viel habe ich bereits weg: gewissenhaftigkeit geht beim arzt über genie G. Hauptmann vor sonnenaufgang 17 (1. akt); jemand weghaben 'durchschauen': ich darf nur ein wort mit einem reden, ich darf ihn nur ansehen; husch habe ich den ganzen menschen weg! Lessing 1, 228 (d. junge gel. 1, 6); mich, glaube ich, hat er auf den ersten blick weggehabt v. Thümmel reise 9, 169; ich hatte die letzten (die Russen) bald weg in ihrer art Arndt werke 1, 152; und den da, den hab' ich auch schon längst weg. für was halten sie ihn? Gutzkow ritter vom geiste² 1, 214; „vielleicht kommen wir doch zum schusz“. „auf diese (wilden gänse) da nimmermehr, sie haben uns längst weg“ (haben uns wahrgenommen) v. Polenz 5, 414.
weghacken
ein stück weghacken Campe. durch hacken vertreiben: das graue weibchen dort ist seine frau. sehen sie, dasz sie ihn weghackt? Freytag 4, 305. —
weghalten
von etwas weggewandt oder entfernt halten Adelung: es ... that ihm weh, dasz die reichen fast alle die köpfe von ihm weghielten und thaten, als wenn sie ihn nicht sähen Pestalozzi 3, 211. refl.: bestreben eines gewissen .. gelehrtenkreises, von dem unsereiner sich weghalten musz Göthe tageb. 12, 178 Weim. ausg.
weghängen
wegthun und aufhängen Adelung: legte er es (das schriftchen) mit der beschämten mine weg, mit der ein bogenschütze den lieben bogen weghängt Herder 3, 395 Suphan;
keinen nagel,
unbequemes daran wegzuhängen.
Arndt ged. (1860) 414.
frühnhd. 'an den galgen henken': wen man würdig achtet des todes, von dem sagt man, henge weg, ehe das holtz vergehet, das ist henge weg dieweil man bewme hat und holtz, daran man hencken mag Agricola sprichw. 2, nr. 317; überantworte (ihn) dem hencker, dasz er ihn von stunden an weghenge schausp. engl. comödianten 39, 19 (Titus Andron. 5) Creizenach;
die kleinen dieb hängt man weg,
die groszen han nun starck verheg.
Petri 2, Q 6ᵇ.
wegharnen, im harn von sich geben: viel blut wegharnen Campe; es ist gewisz ein groszer stein, der mir die zasern der nieren niederdrückt und zerschneidet, wobey ich denn mein leben nach und nach wegharne Bode Montaigne 6, 307. —
weghaschen
erhaschen und wegnehmen: gemählde ... wovon er eben eine fliege weggehaschet hat Abbt 1, 274;
vereinigt durch den trieb zu naschen,
schlosz jüngst ein kater und ein hund
mit einem eichhorn einen bund,
um einen braten wegzuhaschen.
Pfeffel poet. versuche 6, 78.
bildlich und übertragen: wenn er (Orestes und Pylades) nur seinen geliebten retten, und den ihm zugedachten streich mit seinem eigenen leibe auffassen, und so zu sagen weghaschen könnte Wieland Lucian 4, 10; gleichsam um die töne unmittelbar von den lippen wegzuhaschen Engel 8, 306; wenn ich jezt seinen seegen weghaschte — haschte wie ein dieb, und mich davonschlich mit der göttlichen beute — vaterseegen sagt man, geht niemals verloren Schiller 2, 173 (räuber 5, 2 schausp.); dasz ich nach Wiesbaden gehe, um dort ein paar wochen badecur wegzuhaschen Göthe briefe 25, 335. mit dat.: weil ihm ein andrer die vollkommene Araminte, so zu sagen, vor dem maule weggehaschet Gottsched vern. tadlerinnen (1738) 1, 190; nimmt er sie (das mädchen) wieder mit nach Königsberg, so lasse ich sie ihm weghaschen Hermes Sophiens reise 4, 118; für die gefangenschaft .. wählt man sich am liebsten die jungen, obgleich es schwierig ist, diese der mutter wegzuhaschen Brehm thierl.² 2, 304; es sollte mir leid thun, wenn ein anderes volk oder eine andre zeit uns diesen zweig der wissenschaft weghaschte Lichtenberg (1800) 2, 171. —
weghaspeln
durch haspeln, drehende bewegung (s. haspeln 3 th. 4, ii, 545), wegschaffen: ich verschmähte gänzlich die weggehaspelte decke J. Paul Schmelzle's reise 62.
weghauchen
1)
intrans. wie ein hauch vergehen:
alles flieht uns! ist entronnen — ehre.
der pöbelhauch! er hauche weg!
Herder bei Campe.
2)
trans. durch hauchen wegschaffen, wegblasen: ich habe dir in deiner jugend angerathen, das skelett von den butterblumen auf einmal wegzuhauchen. es stärkt die lunge v. Hippel 1, 343. bildlich: der zephyr ... weht ja auch bisweilen einige solcher blätter männern zu gelegner stunde in die hand und haucht einige dünste ihnen vom kopf weg Herder 5, 346 Suphan;
goldnen traumduft hat die scharfe
luft des tages weggehaucht.
Rückert werke 7, 87.
wie weggehaucht (vgl.wegblasen 1): so ist aller ausdruck von seinem gesichte wie weggehaucht Engel 8, 292;
genug, er war auf einmal
wie weggehaucht.
Immermann 16, 133 Hempel.
dann übertragen 'beseitigen, vernichten' (zunächst durch zauberkünste): lehrte sie mich nicht durch geheime künste meinen feind vom erdboden weghauchen? Göthe 39, 163 (Gottfr. v. Berl. 5); gleich des wahnglaubens .. unholden, so den grüften .. als saugespuk entsteigen, der jugend athem und frische weghauchen und der gesundheit das leben Jahn merke 112; du sollst vor meinen augen den schein von der wahrheit scheiden .... und alle täuschung vor meinen sinnen weghauchen Klinger 7, 61; weggehaucht wird dann die verstimmung sein, die sich ... meiner bemeistern wollte E. Th. A. Hoffmann 3, 19 Grisebach;
und so ist's abgethan und aus?
weggehaucht die vergangenheit,
alles gegenwart, ohne zukunft.
Grillparzer⁵ 5, 130 (Medea 1).
weghauen
1)
durch hauen von etwas abtrennen: sie haben vorwircket, das man sie hinrichte und den kopp weghewt Luther 34, i, 275, 23 Weim. ausg.; das holtz (wird) eines schuhes weit vom stamm weggehauen Abr. a. S. Clara etwas für alle 2, 324; man wird auch in ihren (der alten) wercken von niedrigem range nicht leicht darthun können, dasz irgendwo etwas zu viel weggehauen worden (vom marmor) Winckelmann 1, 39. bergmännisch, erz oder gestein loshauen Richter berg- u. hüttenlex. 2, 621: das ein ertz oder metall, ..., so es nicht verschroten und weggehawen wird, mit der zeit .... wider auffgelöst und verzert werde Mathesius Sarepta 34ᵇ; die anietzo bei befahrung dieser gruben weggehauene erzte cod. dipl. Silesiae 21, 259 (1701). durch hauen beseitigen: dieses jar im april fing man an, den wald hinter dem Spitalberge auszuroden und wegzuhauen Hüttel chronik d. st. Trautenau 64; man hatte ... das gesträuche weghauen lassen, das sonst zu beiden seiten der strasze stand Grillparzer⁵ 19, 210. bildlich (s. Luther u. waldrechter):
wenn nun einbricht der verwüster,
hineinbricht und mein armes volk
weghaut wie einen schwachen dürren zweig.
Herder 12, 315 Suphan;
er (der herr) hat sie weggehauen,
der augen beste lust.
Opitz (1690) 3, 34.
2)
wie herunterhauen: ha! ha! ich werde dem bernhäuter ein paar ohrfeigen weghauen müssen Fuchsmundi 371, 29 neudr.
wegheben
1)
von seinem ort heben: wil ich Jerusalem machen zum laststein allen völckern, alle die den selbigen wegheben wollen, sollen sich dran zuschneiten. Sach. 12, 3; er hat ein baar fäuste ... und hebt eine kanne bier wie eine mütze weg, als wenns ein flederwisch wäre Schoch studentenleben D 3ᵇ; einen kasten wegheben Adelung; rings herum an allen vier wänden des zimmers waren die dielen weggehoben Schiller 4, 214. bildlich:
ohne säumen tret' ich abgesendet her,
den schleier eilig wegzuheben, der vielleicht
noch über unsern raschbewegten scherzen schwebt.
Göthe 13, i, 71 Weim. ausg.;
mir fällt nicht ein im kühnsten traume,
den vorhang wegzuheben.
Rückert werke 7, 424;
die schranken hat er weggehoben zwischen sich
und seinem volk.
8, 137;
nur flügel, mich wegzuheben! ein sprung über die ganze welt! Fr. Müller 3, 408; die hofnung hob mich vom boden weg durch alle himmel Heinse 4, 48 Schüddekopf. namentlich lästiges, peinliches: wenn ich's so wegheben könnte, das mich so drückt — doch lasz's, wirds gut werden Klinger Otto 11 (1, 3) neudr.; wenn eine gute gottheit mir an einem heitern frühlingsmorgen den schmerz von der seele weggehoben zu haben scheint, ... dann ist mir's wohl Göthe 11, 149 (Stella 2); der schwere lästige druck, der mir ... alles überlegen raubte, er ist auf einmal von meinem haupte weggehoben 25, 267. so entwickelt sich die bed. 'beseitigen': ein so unbestimmt gesagter einfall ist zu strohern, als dasz ich so viel mine mache, ihn wegzuheben Herder 3, 246 Suphan; ich wünsche, dasz unsere gegenwärtige correspondenz alles wegheben möge, was zwischen einem unbedingten wechselseitigen vertrauen stehen könnte Göthe briefe 8, 253 Weim. ausg. durch den tod wegnehmen: in diesem jahr, wo ich noch nicht weggehoben werde, will ich blos bei dir bleiben, und wenn der tod kommt und mein herz fodert, findet er es blos an deiner brust J. Paul Hesp. 1, 150. über etwas wegheben: über alles irdische weggehoben, von allem, was aus der welt ihnen noch anhieng, gereinigt, hoften sie sich himmelhoch zu verlieren im wesen aller wesen Zimmermann über die einsamkeit 1, 159; nur die wenigen wochen auswärts haben mich über vieles weggehoben, womit ich zu hause kaum fertig geworden wäre Göthe briefe 32, 28.
2)
refl. sich entfernen (aus der bibelsprache Luthers, mhd. sich ûf den wec heben): da sprach Jhesus zu im, heb dich weg von mir Satan! Matth. 4, 10 (M. v. Beheim: ganc, Mentel: gee); die feinde hören ein jammergeschrey ... nemlich, hebt euch weg, und errettet ewer leben! Jer. 48, 6; entsetzlicher mensch, hebe dich weg von mir! Schiller 2, 101 (räuber 2, 3 schausp.); hebe dich weg und mache dasz du fortkömmst! Göthe 43, 49; hebet euch weg, ihr truggestalten! rief die klausnerin. wir kennen die schlingen, die der versucher legt Scheffel Ekkeh. 30;
hebe dich weg Cupido, du tyranne!
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 420;
fliehet denn, ihr wuchrer, flieht!
hebt euch weg, ihr müsziggänger!
Goekingk 1, 60;
von den fenstern der Kamilla
heb dich weg, du alter kreischer!
Uhland ged. (1898) 1, 122.
im folg. tritt noch der begriff des erhebens hervor:
(der gelähmte vogel) hebt sich mühsam kaum
am boden weg
unwürd'gem raubbedürfnisz nach.
Göthe 2, 74.
über etwas, übertragen: es scheint zwar leicht, ... in seiner stillen kammer sich über alles wegzuheben was uns umgiebt Zimmermann über die einsamkeit 4, 66; sie hat sich nicht von mir weg, sie hat sich über mich weggehoben Göthe 20, 395. —
weghebung f.:
durch weghebung einiger wortwände zu zeigen, wohin Spinoza wollte Herder 16, 406 Suphan; der stillstehende bach braucht nur zuflusz, und der schon angeschwollne nur weghebung des wehrs Engel 8, 309. wegheilen, durch heilung beseitigen: ausz denselben stucken wirst dir ein thriacks machen, das alle deine gaistliche kranckhaiten weghailet Lorichius von der weltlichen eitelkeit verachtung (1586) 309; philosophen haben überhaupt lange perioden, gleichsam die augenhalter dessen, dem sie den staar wegheilen J. Paul vorsch. d. ästhetik 2, 153. —
wegheiraten
1) intrans. nach einem andern ort heiraten (von, aus): da der ungetreue noch dazu aus dem dorfe wegheirathete M. Meyr erzähl. a. d. Ries 2, 20; von da auffa .. kommen die Kirchfelder mit einer hochzeitsmusik. .. ja, was thun denn die da, heirat' leicht eine weg vom ort? Anzengruber³ 6, 22 (pfarrer v. Kirchfeld 1, 3). 2) trans. durch heirat wegnehmen: so eine grasfrische dirn da sollten sich die Lahndorfer junggesellen nicht ... wegheiraten lassen! Rosegger 6, 54. —
wegheiszen
weggehen heiszen (jetzt veraltet):
Ursus. back dich balt! ...
Superbus (zuckt sein schwerdt und sagt)
wenn du mich vom plan weg wolst heiszen,
so wollt ich dir die spitzen weiszen.
Ayrer 1397, 11 Keller;
mein richter, heist den münchen wegk,
dann ich mag ihn nicht vor mir sehen.
A. Dietrich bawrenknecht (1618) B 4ᵃ;
wir sint also in einfalt hieher gegangen, und nachdem wir weggeheiszen wurden, hatt uns das loosz stille zu seyn befohlen und nach des heilands wort zu weichen v. Zinzendorf zeitschr. f. brudergesch. 8, 180; aber wegheiszen thu' ich dich drum nicht Mosenthal 2, 172. weghelfen, behilflich sein weiter zu kommen (mit dat.): (dasz die hebamme) das kindt wol salbete, weiter demselbigen weghülff oder vorschub thete oder gebe Ruoff hebammenbuch 77. rechtlich, der strafe entziehen, zur flucht verhelfen Hayme jur. lex. 1318; sunder in der nacht im (dem gefangenen) wart weckgeholffen Grunau preusz. chronik 2, 4; also wart hertzoge Frederich ... der den babist Johannem wolde uffgenommen habe an der flucht unde on durch sine lande gelaszen unde weggehulffen habe, darumbe wol gestrafft Cammermeister chronik 59; ich liebe dich, — hilf mir nur weg! — lasz mich da (in den waschkorb) hineinkriechen! Shakespeare, lust. weiber 3, 3. über etwas: über einen groszen trosz von einwürfen ... hat uns Deutschen eine schöne muse weggeholfen Herder 24, 96 Suphan; sie bat nur gott, dasz er ihr nur über diesen tag weghelfen möchte Göthe 20, 175; Anton hatte den morgen über mit Fink eingepackt und sich so über die bangen empfindungen weggeholfen, welche den zurückbleibenden freund mehr bewegten als den scheidenden Freytag 4, 366. früher auch ironisch wie hinhelfen th. 4, ii, 1453: wie das her .. usgetragen, das man uns sulde haben weggehulfen addir dirsloen, und unsern bruder solde man haben in eynen torm gewurffen acten der ständetage Preuszens 1, 182 (1411). wegherrschen, durch gebieterischen ton vertreiben oder beseitigen; wortspielend: das neue in Ober-Sachsen entstandene ..... Deutsch herrschet nun einmal und kein Elsasser, kein Schwabe, kein Baier, kein Österreicher wird es mehr wegherrschen Bürger 343ᵃ. —
weghetzen
ist das nicht plage, wenn man mit hunden von der thüre weggehetzt wird? Ch. Weise drey klügste leute 190;
komm zu den paradeplätzen,
wo die rohheit tobt und schilt,
um den rest von menschheit wild
aus dem menschen wegzuhetzen!
Tiedge 3, 191. —
wegheucheln: die wahrheit läszt sich eben so wenig weglügen als wegheucheln Herder 23, 190 Suphan.
wegheulen
tag und nacht will ich dirs wiederholen, mein geschrey' soll dir den schlaf wegheulen Klinger theater 2, 184; heule den süszen flötenton weg von dem lauschenden ohr der jungen braut werke 2, 235. —
weghexen
ob die zauberer ... so ohnmächtig wären, dasz sie nicht ein kleines kraut ... weghexen könnten? der biedermann (1729) 2, 42; hätte eine boszhafte fee meine mutter und ihre tochter aus meinem zimmer weggehext Schummel empfindsame reisen (1771) 2, 103. —
weghinken
sich hinkend entfernen Adelung.
weghobeln
das rauhe weghobeln Campe. übertragen: die kanonenkugel, die mir den linken arm weghobelte v. Holtei 13, 230. —
weghöhnen
so wenig als meiner gegner tadel mir ein gran von meiner wahren existenz nun weghöhnen ... kann Lavater verm. schr. 2, 250. —
wegholen
von einem orte holen: das gros jammer fur handen ist uber Deudschland, aus welchem er zuvor die seinen also wegholet, das sie nicht auch mit den gottlosen verderben Luther 23, 426, 16 Weim. ausg.; ein altes weib kam herein, ihn (den knaben) wegzuholen Göthe 22, 88 Weim. ausg.; von der verlobung lassen sie mich wegholen wie das kind vom spielzeug O. Ludwig 3, 42 (erbförster 2, 2); gestern ... haben sie's weggeholt, was sich von der stelle bewegen liesz, und mir kaum mehr mein bett gelassen G. Keller 4, 130. namentlich auch 'als beute mich sich führen': wenn sie (die seele) der teuffel wegholet Luther 10, ii, 158, 1; gewaltige jeger ... werden offtmals .... von den bösen geistern mit blutigen köpfen weggeholet Mathesius Sarepta 83ᵇ; als aber die Türcken von Neuhäusel ... viel leute und viehe weggeholet S. v. Birken d. verm. Donaustrand 199;
Greyffzu der weyhe hohlt uns offt
vom uffer wegk gar unverhofft.
Froschmeuseler G 8ᵃ (I, 1, 11);
die nüsse sind reif geworden, da wollen wir mit einander auf den berg gehen, und uns einmal recht satt daran essen, ehe sie das eichhorn alle wegholt Grimm märchen 1, 30. —
weghudeln
schlecht darauf los arbeiten: die arbeit geschwind weghudeln Frisch 1, 471ᵇ. über etwas: dem melancholico gäbe ich .. die schweren arbeiten, worüber der cholericus ermüdete und der sanguineus weghudelte F. C. v. Moser der herr und der diener 181. refl. sich packen (vgl. hudeln 2 d th. 4, ii, 1864): heistu nicht Jacob, so hudele dich von meinem angesichte weg Ch. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 45. —
weghüpfen
übertr.: nun ists ja aber ein zu alter kunstgriff, dasz. wenn der kleinmeister dem gespräch nicht zu stehen weisz, er weghüpfet Herder 5, 437 Suphan. über etwas: wie oft hüpfen wir noch über die wichtigsten dinge weg Lavater verm. schr. 2, 384; die frau ... fiel ihr ungestüm in die rede und liesz sie über diese schlüpfrige stelle weghüpfen Bode Montaigne 5, 180. —
weghuschen
mit einem mal ... sah ich eine gestalt ... weghuschen Herm. Schmid gesch. aus Bayern 132. übertragen, über etwas: ha, wie sollte das blatt sich wenden, wenn diese verdammten briefe nicht so ... gerade über die wichtigsten punkte flüchtig weghuschten Spielhagen 1, 401. bei Campe weghutschen (hutschen 'rutschen, gleiten' th. 4, ii, 1998): und wer weisz, ob ich und meine schöne nicht beyde vorsichtiger geworden seyn würden, wenn wir über das eheversprechen nicht so geschwind hätten weghutschen dürfen? Möser patr. phant. 2, 250 —
weghusten
im husten von sich geben: zwar diese nacht und tags drauf kam zu wiederholten malen eine empörung, als solle ich nun mein leztes blut weghusten Hermes meine geschichte 2, 280. durch husten wegschaffen: so räuspert er sich, als ob er einen stein vom herzen weghusten müszte Herm. Kurz der sonnenwirth 2, 138; eine feder weghusten Campe.
weghüten
durch hüten des viehs (vgl. hut 3 th. 4, ii, 1985), viehweide vernichten: wenn nun eine ... gemeinde die in ihre schaaftrifft neuerlich gesäete früchte mit dem viehe weghüthen lässet Klingner dorfrechte 2, 34; wo soll der ackersmann bleiben, wenn ihm von seinen besten feldern die früchte weggehütet und der acker zerstampfet wird? v. Polenz 9, 275. wegjagen, wegtreiben (zu jagen in weiterem sinn gehörig): profugare, wechjagen Diefenbach gl. 463ᵇ (gemma, Köln 1507). thiere: abigere muscas, die fliegen wegjagen nomencl. lat.-germ. (1634) 162; die mücken, die vögel wegjagen, wegscheucheren Krämer 1216; aber er rief: jagt doch die hühner vom brunnen weg, die kratzen da oben im sand und werfen mir die körner in die augen Grimm märchen 2, 33. bildlich:
fürst Herrmann reiszt sein volck aus gröszerer gefahr, ...
jagt die raubvögel weg und sammlet reiche beuten.
v. Lohenstein Arminius 1, 66ᵃ.
menschen: wie sie dan ... ziemlich starck herausz kommen, die wachten über hals über kopff weggejagt und etliche davon gefangen in die festung gebracht v. Chemnitz schwed. krieg 2, 158; so bald er sah, dasz ... man ihn deshalb vom verdeck wegjagen wollte, besann er sich nicht lange, sondern sprang über bord G. Forster 1, 229. auch nur 'von sich weisen, entlassen': dann (den gast) wege ze jagen in nicht wol getuͦn dauchte Decamerone 46 Keller; ehr (Christus) wil dich nicht wegjagen noch von sich stoszen Luther 33, 84, 27 Weim. ausg. namentlich von dienstboten: es soll kainer die eehalten im sumer halten und am herbst dieselben ander leuten auf den hals zu laufen weckjagen österr. weisth. 5, 732, 21; sie haben ihren knecht weggejaget Ludwig 2408; meine frau hat schon zween bediente weggejagt Rabener 3 (1752) 11. bildlich und übertragen von abstracten:
der argwohn, nebst der furcht, der menschen plagegeister,
sind durch dich (wein) weggejagt.
Brockes 4, 348;
Rom jagt die unschuld weg aus den beglückten hütten.
J. E. Schlegel 1, 319 (Hermann 1, 2);
sagt, wie fang ichs an,
die üble laune wegzujagen?
Goekingk 1, 174;
welche symphonie, welch heilig entzücken, jagt mir den gauckelnden morgentraum weg? S. Geszner 1, 123; ich suchte die ungewitterwolken wegzujagen, in welche sein geist gehüllt war Heinse 3, 152 Schüddekopf. nebenform wegjechen (zu mhd. jöuchen Lexer 1, 1483 und jächen th. 4, ii, 2199) Mathesius Sarepta 217ᵃ. —
wegjagung f.:
indem sich nicht gerne ein gesinde an ein ort verdinget, wo es alle tag, um geringe ursachen willen, des strohsacks und wegjagung erwarten musz v. Hohberg Georgica 1, 191; das volk musz selbst die wegjagung der zaunkönige beschlieszen Ruge briefw. u. tageb. 2, 274. —
wegjucken
durch jucken vertreiben:
und durften sie (die flöhe) nicht knicken,
und weg sie jucken nicht.
Göthe 14, i, 111 (Faust 1, 2236).
bildlich: man musz euch die hände binden, wenn ihr euer glück nicht wegjucken sollt O. Ludwig 3, 19 (erbförster 2, 5). —
wegkämmen
durch kämmen in andre lage bringen: die haare von der stirn wegkämmen Campe; das krause haar haben sie dir bei den soldaten weggekämmt Fontane I, 6, 9; spärliches haar vom wirbel über das ohr weggekämmt v. Polenz Grabenhäger 1, 217. wegkapern, mit einem kaperschiff wegnehmen: er konnte es nämlich nicht verhindern, dasz die ... seehelden seine reichsten schiffe wegkaperten Becker weltgesch. 6, 227; die christlichen freybeuter mit seinen weggekaperten schönen knaben und sclavinnen Heinse 4, 12 Schüddekopf. seit dem anfang des 18. jahrh. (zuerst bei Adelung, auch in den idiotiken des 18. jahrh. Klein 228 als pfälzisch, Schmidt Westerwald 324) wie ndl. wegkapen als 'sich gewaltsam aneignen' oder 'listig verschaffen': diesen füge ich an die seite das seemonstrum oder den mermann, welcher sich eine badende weibsperson wegcapert und davon schwimmt Arend Albrecht Dürer (1728) § 11; hat hochgedachter hr. landvogt ... die gebeine verschütten lassen, die aber von einer gewissen gattung ossifragis ... begierigst sind aufgesucht und weggekapert worden Breitinger von dem alterthum der stadt Zürich (1741) 15; die (servilen rechtslehrer) thun ja nichts anders als nachdenken, wie sie ihren herren mainteniren und wieder was wegcapern mögen Gundling bei Jahn merke 77; was habt ihr weggekapert? ich hab ... die borden vom altartuch abgetrennt Schiller 2, 94 (räuber 2, 3 schausp.); daher sieht man oft verschmitzte heuchler gute töchter mit geld wegkapern Pestalozzi 12, 414; mich hat er doch schon weggekapert für sein reich Immermann 14, 355 Hempel. meist bezeichnet ein dat. den, dem etwas weggenommen wird: wir kommen, dem könige einen offizier wegzukapern Lessing 1, 531 (Minna 2, 2); verdammt! die (das mädchen) will er mir nun auch wegkapern Ch. F. Weisze kom. opern 3, 281; nicht um land und leute unbewehrten kleinen wegzukapern, bin ich ausgezogen Göthe 8, 125 (Götz 4); der versicherung kann er (Voss) trauen, dasz ich ... (kein) wort verliehren werde, ihm eine einzige zeile wegzukapern Bürger an Boie (Bürgers briefwechsel 2, 183 Strodtmann); der kronprinz ... räche sich an seinen feinden am liebsten dadurch, dasz er ihnen beim tanze die hübschen mädchen wegkapere Heine 5, 88 Elster; der herr intendant ... hat sie (die schauspielerin) der mama Waller weggekapert! v. Holtei 19, 251. —
wegkatzen
entwenden (nach Albrecht 145 in Leipzig kazen 'stehlen', aber wol eig. beim katzball, fangballspiel th. 5, 280 wegnehmen ndl. wegkaatsen, oder zu katze?): man darff auch fast nicht das geringste in den weg legen, so katzt ers weg Ch. Reuter werke 2, 89 (Ehrenfried 1, 22). —
wegkaufen
durch kauf an sich bringen: alles korn ... wurde alsbald weggekauft Schütz hist. rer. pruss. 6, R 2ᵇ; dieses süsze gewächs wird ... von weibern und kindern begierig weggekaufft Happel relationes curiosae (1685) 2, 541ᵇ; ein paar mühlen haben müssen weggekauft werden Göthe 18, 22 (die aufgeregten 1, 7) Weim. ausg. mit dat., einem durch kauf wegnehmen: metzgergang, ein vergeblicher weg, weil die fleischer oft nach einem kalb über land gehen, welches ihnen ein anderer schon weggekauft hat Brentano 7, 464. übertragen: nennen werde ich diese stellen nicht, um keine dumme neugier zu locken: mir aber thaten einige derselben so weh, dasz ich sie hätte wegkaufen mögen Herder 15, 42 Suphan.
wegkehren
1)
wegwenden:
weltlich gut wird von sich selbst, oder wird von uns verzehret,
oder wird durch list und macht, andern zu-, uns weg-gekehret.
Logau 3, 4, 96 (s. 507 Eitner).
das gesicht, die augen usw. wegkehren (von etwas): unter beyden fiel keiner, der vom feinde das antlitz hätte weggekehret v. Lohenstein Arminius 1, 46ᵃ; so will ich ein andermahl die augen von ihm wegkehren Ch. Weise erznarren 76 neudr.; dennoch sah ich das arme kind heimlich das gesicht wegkehren, und sich verstohlner weise die thränen aus den augen wischen Bode gesch. d. Th. Jones 5, 113;
sie schweigt und Zevs gebot getreu bezwingt
mit weggekehrtem blick der Teukrier die quaalen.
Schiller 6, 401;
er tadelt ihn, weil er, so trotz'ger weise,
vom sanften joch den nacken weggekehrt (bei der taufe).
Gries Ariosto's ras. Roland 4, 179.
freier: das risz blut aus Viktors herzen und weggekehrte thränen aus seinem auge J. Paul Hesp. 3, 161. refl.:
das mägdlein schaut ihm ins gesicht,
sieht, kehrt sich weg und redet nicht.
Lenz ged. 221 Weinhold;
sie tritt hervor! — und, leider schon geblendet
kehr ich mich weg, vom augenschmerz durchdrungen.
Göthe 15, i, 6 (Faust 2, 1703).
2)
wegfegen: wir solten ... den dreck zuerst für unser thür wegkeren, ehe wir den splitter aus der andern auge reiszen H. Walther bei Luther 26, 540, 35 Weim. ausg. bildlich:
so wie der südwind oft vom grauen himmel die nebel
wegkehrt.
Ramler lyr. ged. 222;
euch aufzuregen mit lebend'gem tact,
schnitt ich mir flöten aus dem riede hier;
o kehrt den staub von euern sohlen weg,
die schwermut werde zur sylphide hier.
Platen 77 (gas. 65).
übertragen: wer die nuszschaalen leerer worte aus der philosophie wegkehret, nicht etwa der schule allein, dem verstande der nation selbst leistet er damit dienste Herder 25, 385 Suphan;
auch weisz ich wundermähren
aus alter grauer zeit,
die sorgen wegzukehren
stracks durch geschwätzigkeit.
Arndt ged. (1860) 99. —
wegkehrung, f.: es ist ... jetzt ja aller sinn ... auf irdischen gewinn und genusz und auf geschwindeste wegkehrung der zeitlichen noth des augenblicks gerichtet Arndt pro populo germanico (1854) 12.
wegkessern
im netz wegfangen: in der sprache des gemeinen lebens hört man hin und wieder die redensarten: hunde ... sperlinge wegkessern Jahn werke 1, 99. zu mnd. kesser 'kleines handnetz zum fischfang' s. käscher th. 5, 248. —
wegklauben
weglesen: das beszte davon wegklauben Steinbach 1, 865; flecken, auf hut und hosen, die er zuweilen noch wegklaubte Lichtenberg briefe 1, 160; als sie, von den scharfen spitzen (der tannennadeln) gestochen, stehen blieb, das garstige zeug von der feinen haut wegzuklauben v. Holtei 27, 116. —
wegklimpern
durch klimpern vertreiben: mit staub bedeckt sind eure (Bachs u. a.) köstlichen partituren, und schellenklang und honigtriefende rondo's haben euch weggeklimpert Schubart leben u. gesinn. 1, 179. —
wegklügeln
hier konnte das erschlaffte und entartete Europa wenigstens der ewigen grundsätze der menschheit wieder erinnert werden, welche die Franzosen wegklügelten und wegspöttelten Arndt schriften 1, 475. —
wegknallen
1) intrans. knallend losgehen: wir stürzten uns zu boden und der schusz knallte über uns weg Arndt schriften 3, 571. 2) trans. wegschieszen: es macht ihm spasz, mir so unter der nase hin ein wild wegzuknallen Fontane I, 6, 34. —
wegknappen
wegfangen (vgl. knappen 8 'schnappen' th. 5, 1346, ndl. knappen 'fangen, haschen'): ihm waren bey zweytausend pferde vom feinde ... gefolget, diejennige, so sich verspätet, wegzuknappen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 392. —
wegknappern
damit diese (die mäuse) uns nicht den zucker, der zum frühstück bereit läge, wegknappern sollten E. Th. A. Hoffmann 3, 95 Grisebach.
wegknipsen
der oberst ... hörte gelassen, indem er sich nur ... mit dem zeigefinger der rechten etwas angesprungenen sand wegknipste, ... zu D. v. Liliencron 1, 226. in Leipzig 'listig stehlen' Albrecht 234.
wegkommen
1)
von personen, sich von einem ort entfernen.
a)
als diu maget enwec kam,
dô huop sich rede manicvalt.
U. v. Zatzikhoven Lanzelet 6202 Hahn;
ob gleich itzt diese widderteuffer wegkomen, so werden doch andere komen Luther 32, 514, 5 Weim. ausg.; mache nur, Odoardo, dasz wir wegkommen Lessing 2, 176 (Emilia Galotti 4, 8); o! trink er aus, und mach er dasz er wegkömmt litteraturbriefe 16, 151; will er machen, freund, dasz er wegkömmt? die Franzosen sind ja dicht vor dem dorf! H. v. Kleist 4, 188 E. Schmidt. von, aus etwas: so man ihm uber ein wasser entrinnt oder sonst behend ausz den augen wegkompt Heyden Plinius 142; nach dem sie aber darauff ausmarchiret und ein klein stücke von der stadt wegkommen waren v. Chemnitz schwed. krieg 1, 350; geh, mache sogleich anstalt, dasz wir von hier wegkommen Lessing 2, 14 (miss Sara Sampson 1, 9); umsonst denk' ich nach, wie ich von ihm weg, und aus der halle gekommen 2, 137 (Emilia Galotti 2, 6); er (Herder) eilte ... sobald als möglich von Straszburg wegzukommen Göthe 27, 315 Weim. ausg.; sie kam nicht vom fenster weg, weil sie jede minute hoffte, Cäsar ... zu sehen Gutzkow 4, 303; in einer hinsicht ist es gut, dasz das fräulein aus der residenz wegkam Hauff 3, 126; den cardinälen, welche nie aus Rom weggekommen sind Justi Winckelmann 2, i, 103. übertragen wie loskommen: er ist so voller worte, man kan nicht wieder von ihm wegkommen Ludwig 2408; arbeiten, dasz man nur davon wegkommt Rondeau; ich kann von diesem gemählde nicht wegkommen, und möchte tage lang mit wonne daran hangen Heinse 4, 344 Schüddekopf. über etwas: dasz sie (die Schweizer) ... über klüfte springen, bei denen sie es schon nach dem augenmaasze wissen, dasz sie gut darüber wegkommen werden Kant 10, 413. übertragen: um nur wegzukommen über das höckerige, kalte leben, will ich doch mir lieber rosenkelche als dornenreiser unterstreuen J. Paul Tit. 3, 173; der wunsch über grosze schwierigkeiten mit leichter mühe wegzukommen Göthe 49, 32; was den ärger betrifft, über den wird er wegkommen E. Th. A. Hoffmann 4, 82.
b)
es können sich besondere bedeutungen entwickeln. aus der heimat fortkommen:
der nie kam weg, kam nie zuhausz
und ward ein grober esel drausz.
Krüger Clawerts werckl. hist. 10 neudr.
vgl.: noch jetzt beurkunden sprichwörter des reisetriebs deutschheit: 'er ist nicht hinter dem ofen der mutter weggekommen' Jahn volksthum 444. aus der wohnung kommen Adelung: ich bin heute gar nicht weggekommen. sich flüchten: wirt er gevangen, er sal ghenem gliche pyn liden; komit er aber weg, man sal en vorvesten zu hant weichbildrecht 163 (115, 3) v. Daniels; (etliche sind) aus dem ring entrunnen, wegkomen und gewichen quellen z. gesch. des bauernkriegs aus Rotenburg 581; ist aber in der nacht ausz dem gefängnisz sich losbrechend weggekommen Bodecker chronik 48. mit dem leben davonkommen (im älteren nhd.): szo man ... schifbruch leydet, ist nicht meher verhanden den eyn breth, da durch man wegkumpt Luther 34, i, 91, 19; darum erslugen sie ime al sein volck, das er kawm selbst sechste wegkkham Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 46 Gäbel; die Ungern huben an zufliehen und wurden geschlagen, dasz ihr nicht viel wegkkam Dreszer sächs. chronicon (1596) 119. aber auch 'verloren gehen, verschwinden': er ist mir under den händen wegkommen, e medio evanuit Stieler 1006; man keine nachforschung, wie Valeria möchte weggekommen sein, angestellet hatte Ant. Ulr. v. Braunschweig Octavia 6, 77. sein leben verlieren (mori Stieler): schiesz mich vor den kopf, dasz ich wegkomme! Lenz 1, 207.
c)
von der bed. 'davonkommen' ist auch auszugehen bei verbindungen von weggehen mit adverbialen bestimmungen 'sich aus einer bedenklichen lage ziehen, bei einer sache abschneiden', die seit etwa 1700 vorkommen. gut, leicht, ziemlich, leidlich, wohlfeil wegkommen u. dgl.: sie sind ja ... nicht der erste edelmann, der seinen mann erstochen hat, und doch ganz gut weggekommen ist Bode gesch. d. Th. Jones 6, 288; ihr kommt noch gut weg, wenn er euch nichts schlimmeres anthut Göthe 44, 17; dieser liesz sich vernehmen, er sey schon einige male ziemlich günstig in lotterien weggekommen Hegner ges. schr. 4; aber clienten und schuldner ... komen freylich so leicht nicht weg; die muszten wohl erscheinen Wieland Horazens satyren (1794) 1, 108 anm.; statt der bisherigen linien, intervalle, notenköpfchen und schwänzchen setzt er zahlzeichen und behauptet, dasz man auf diese weise viel leichter wegkomme Göthe briefe 23, 197; wirth. ich bin mit diesem (gast) noch so ziemlich weggekommen Lessing 1, 533 (Minna v. B. 2, 2); das ist doch eine art sich mit der natur und den musen auf einen fusz zu setzen, wobey man noch ziemlich leidlich wegkommt! Wieland 24, 12;
wenn dir im siechenden herzen
tausend herren entspringen, ob du da leidlicher wegkommst,
als der sklave, den furcht und die peitsche zu striegel und bad treibt?
Herder 26, 297 Suphan;
deszwegen suchet sie fein wohlfeil wegzukommen.
Hoffmannswaldau u. a. Deutscher ged. 7, 137;
sein (Richards III.) tod selbst, welcher wenigstens meine gerechtigkeitsliebe befriedigen sollte, unterhält noch meine Nemesis. du bist wohlfeil weggekommen! denke ich Lessing 7, 354; so wohlfeilen kaufes kommt der verewigte Gröbel nicht weg v. Gaudy 4, 110. ähnliche wendungen: er ist ungerupft weggekommen Wander 4, 1859; das niemant von denen narren ungenarret wegkombt Guarinonius grewel d. verwüstung 238; du kommst ganz weg (von der tortur) Schiller 3, 61 (Fiesko 2, 9); sie sollen ihn (der sein leben verwirkt hat) in der stille an die gränze bringen, und ihm versichern, dasz er das zweytemal nicht so wegkommt Göthe 8, 25 (Egmont 2); mit dem blauen auge wegkommen Nieremberger; ein vorzüglicher kopf musz es immer seyn, von dem die wahrheit ohne ohrfeige wegkommt Schiller 3, 157 (Fiesko 5, 16); dieszmahl kam ich mit der bloszen furcht weg Adelung. übel, schlecht, schlimm, häszlich wegkommen: weil der sultan von Nurmahal voraus berichtet worden war, dasz die derwischen beim schlusse der erzählung des doktors übel wegkommen würden Wieland 6, 128 (gold. spiegel 1, 5); seine eifrigsten vertheidiger und anhänger, die frauenzimmer, kommen zur belohnung ihres glaubens übel weg Lichtenberg briefe 1, 300; wir andern, die wir uns zur Schellingischen seite bekennen, müssen finden, dasz Jacobi sehr schlecht wegkommt Göthe briefe 22, 303; unter allen, die an den brüsten der majestät trinken, kommt die favoritin am schlechtesten weg Schiller 3, 389 (kab. u. liebe 2, 1); dann wurde ich ein zänker, der händel suchte und immer schlimm dabei weg kam Tieck 5, 246; es kommen auch gemeiniglich diejenigen, die andere zum besten haben und händel erregen, wenn es zum duelliren kommt, am heszlichsten weg v. Fleming vollk. teutsche soldat 23.
2)
von sachen, weggeschafft, beseitigt werden: denn ich ynn keynen weg wil die latinische sprache aus dem gottis dienst lassen gar wegkomen Luther 19, 74, 5 Weim. ausg.; wenn das gras von den wiesen wegkommt Döbel jägerpract. 2, 233. häufiger 'verloren gehen, verschwinden': do (durch den ablasz) quam mechtigk grosz gelt enwegk usz deme lande Stolle thür. chronik 441 Thiele; ehe denn der silbernstrick wegkomme, und die güldenquelle verlauffe, und der eimer zuleche am born pred. Sal. 12, 6; were etwas zerbrochen oder wegkgekommen, man solte die angreifen, welche dazu geholfen Grunau preusz. chronik 3, 181; was ist dann das für ein schatz, so der obrigkeit zugehört, und umb sonst wegkompt, und verschwendt wirdt Lewenklaw neue chronic türck. nation (1590) 7; kompt deine milch anders weg, so wisse dasz der teuffel die küh schwechet Nigrinus von zäuberern, hexen 73; beym Tasso kömmt das Marienbild aus der moschee weg, ohne dasz man eigentlich weisz, ob es von menschenhänden entwendet worden, oder ob eine höhere macht dabey im spiele gewesen Lessing 7, 6; denkt ihr, ich halte diebe in meinem hause? ... es ist sonst niemals eine haarspitze in meinem hause weggekommen Shakespeare, Heinrich IV. 1. th. 3, 3; die feder, die lange zeit in der kirche bewahrt wurde, soll zur zeit der reformation von da weggekommen sein Kerner bilderbuch 213;
wenn im (dem ring) der stein ist ausgenomn
oder sonst etwa weggekomn.
Ringwald lauter warheit 216.
ein dat. bezeichnet den vom verlust betroffenen: folgende gedichte sind dem autori teils auf wehrenden reisen weggekommen, teils in guter freunden händen Fleming 1, 534 Lappenberg; dann als ihm einsmahls hüner weggekommen ... habe er ... wache gestellet Olearius morgenländ. reisebeschr. 159; sie werden es wohl so gut wissen, als ich, dasz mir die vergangene woche eine silberne gabel weggekommen ist Gottschedin sammlung v. schausp. (1764—69) 5, 89; dasz der wittwe ein quartband in manuscript ... bald nach dessen beerdigung weggekommen ist Lichtenberg briefe 1, 188; ist dir nichts von deinem werkzeuge weggekommen? Wieland Lucian 2, 52; so hörte er, das deutsche reich wäre schon vor so und so viel jahren einmal unversehens dem kaiser unter den händen weggekommen Immermann Münchh.² 1, 68. —
wegkommung f.,
bei Stieler 1006 als 'ammissio, perditio, damnum' angeführt, litterarisch nicht belegt. wegkomplimentiren, mit komplimenten hinaus geleiten: herr Fortunatus Sprecher, der gerade ... einige bündnerische staatspersonen beglückwünschend wegkomplimentirt hatte C. F. Meyer Jürg Jenatsch 269. —
wegkönnen
wegfahren, weggehen können: to be able to get away Ludwig 2400; dorumme so ummegoben sie unszere schiffe mit eren schiffen, das wir nicht wegkunden ane sie fontes rer. bohemic. 3, 408ᵇ; er ist reisefertig, er kann aber noch nicht weg Rondeau; ich bin gefesselt hier und kann nicht weg Klinger 1, 240 (Elfride 4, 1); in den ersten tagen kann ich nicht weg von Lauchstedt Göthe briefe 19, 25. über etwas: darüber kann kein mann weg! Hebbel 2, 52 (Maria Magd. 2, 5). —
wegkosen
durch kosen vertreiben Sonnenberg bei Campe. in älterer bed. ein stück (von den sternen) wegkosen 'darauf los reden' Schoch th. 5, 1844 oben (im munde eines bauern). —
wegkramen
den kram bei seite schaffen Campe: in dem keine hundert kostbarkeiten wegzukramen sind J. Möser werke 1, 93. —
wegkratzen
die ubrige asch aber solstu mit einer starcken kratzbürschten rein wegkratzen Ercker beschr. aller mineral. ertzt 31ᵇ; denn eine henne kann allezeit so viel wegkratzen, als ein han dazu scharret, zu einem hauffen Edelman hochzeit-predigten (1580) P 2ᵇ; geheime briefe verbirgt man in einer schreibtafel, deren wachs man wegkratzt und wieder über das blatt streicht Freytag 17, 292 (bilder 1, 5). —
wegkriechen
von thieren und menschen: abrepere, verre weg krichen Diefenbach mlat. hd. böhm. wb. 4; von den feinden seindt auff gemeldten tage ... ohne die jhenige so verwundet und geschossen, die auch so von der wallstatte inn der nachte wegkrochen und nachmals gestorben, bisz inn drei tausend erlegt worden Henricpetri generalhistorie (1577) 354; nun, mein junger herr, warum denn so traurig, aller muth fort, so in die winkel weggekrochen und geheult, wie ein altes weib Tieck 4, 251 (Fortunat 2. th. 1, 1).
wegkriegen
ein zunächst der nd. und md. umgangssprache angehöriges (1799 in der studentensprache belegt Kluge 134), dann aber weiter verbreitetes verbum, ndl. wegkrijgen.
1)
für sich gewinnen, erlangen (vgl.weghaben 2):
das (macht, reich und ehr) kreg he flux weg, wie ein mütze.
Rinckart Eislebische ritter 1120;
doch musz er wieder kommen,
und wird von seinem volck mit freuden angenommen
und kriegt den segen weg, dasz Israel allein
bey seinem samen sol ohn masz und ende seyn.
S. Dach 274 Österley;
darnach belagerte er von newem Constantinopel zwei jahr lang, hette sie da auch weggekriegt, wenn Tamberlanes ... ihn nicht gedrungen von der belagerung abzulassen Zanach erquickstunden (1613) 1, 451; ich war froh, dasz ich ... den dienst wegkriegte Ch. Weise drey klügste leute 114; hofmarschall (stellt sich hinter ihren sessel, sucht den zipfel ihres kleides wegzukriegen und drückt einen kusz darauf) Schiller 3, 470 (kab. u. l. 4, 9 bühnenanw.). früher auch mit dat. 'abnehmen': dasz einer dem andern ... beute wegkriegete Schütz hist. rer. pruss. 2, M 2ᵃ. ironisch eine krankheit, wunde u. dgl. wegkriegen: die übrige schmarren und narben, so man wegkriegt. ... seynd eben so viele ehrenzeichen, dasz man im patriotenkrieg sich wohl gehalten habe C. F. v. Moser beherzigungen (1763) 648; nun machten sie zusammen einen plan auf mich, mir aufzulauern und mir das leben zu nehmen ... ich weisz, was ich weggekriegt habe bei der gelegenheit Immermann Münchh.² 4, 31; hier, sehen sie, hier am hals ... gerade da hatt' er's weggekriegt; nicht drei zoll tief war der nickfänger hineingefahren Gutzkow zauberer v. Rom 1, 209; nun kriegt sie's weg (erhält sie ihre strafe) Alexis Roland v. Berlin 1, 101; es war eine lange reimerei (spottverse), drin jeder was wegkriegte Fontane I, 6, 398. auch 'dahinter kommen, in erfahrung bringen' (vgl.weghaben 3): aber ich konnte es doch nicht wegkriegen, wie man durch die musik gleichsam das licht entstehen siehet Hiller reise 214; die müllermädchen wollten es gerne wegkriegen, wer im wagen säsze Jahn werke 1, 454; die sinnlichkeit hatte ich also nun theoretisch kennen gelernt, die Wally kam fort, und Seraphine wurde köchin ... ich ... kriegte ... bei ihr zugleich den geist und die empfindung in der liebe weg Immermann Münchh.² 1, 118.
2)
beseitigen: einen flecken wegkriegen Campe.
wegkrümmen
zur seite krümmen:
bist du es, der, von meinem hauch umwittert,
in allen lebenstiefen zittert,
ein furchtsam weggekrümmter wurm?
Göthe 14, 32 (Faust 1, 498) Weim. ausg.
refl.: erbarme dich über den alten mann! ... verschone den, dessen seele sich am tiefsten von dir wegkrümmt Hebbel 2, 54 (Maria Magdalena 2, 2); ein seitenweg, der sich gleichsam hinter hügeln wegkrümmt Lafontaine bei Campe.
wegkunft f.,
weggang: nach könig Sigismundi wegkunfft nam die plackerey wider uberhand Rätel Curäi chronica des herz. Schlesien 226; ich spürete ... dasz er meine wegkunfft gerne sehe Simpl. 2, 171, 18 Kurz. jetzt veraltet.
wegkünsteln
durch kunst, künstelei wegschaffen: die schwäche eines überzarten ehrgefühls in der scham läszt sich nicht so leicht wegkünsteln Kant 10, 288; ich will und darf dies naturgemäsze mir nicht verkümmern und wegkünsteln Fr. v. Raumer lebenserinnerungen 2, 88. —
wegkuriren
er verbot ihm (dem sohne) daher nichts mehr. er nahm sogar einige männliche patienten an, 'weil er zu hause einen hätte und sich den gedanken an ihn wegkurieren wollte' J. Paul unsichtb. loge 2, 130; seit sie ... dem jungen vom förster ... das freiwillige hinken wegkuriert hatte Fontane I, 6, 342. —
wegküssen
dann küszt er die reizenden tränen
von ihren wangen weg.
Lenz ged. 33 Weinhold;
komm, von der warmen lippe mir
den seufzer wegzuküssen!
Miller ged. 220;
Friederike ... küszte ihm die falten von der stirn weg, so oft sie sich zeigen wollten Zschokke 18, 234; ich kam zu der uralten bronzestatue des heiligen Petrus, an deren rechtem fusz die gläubigen die zehen weggeküszt haben, bis auf ein paar nichtige stümpfchen Rosegger II, 12, 349. bildlich:
küsse kannt' er noch nicht; aber er küszt' ihr doch
schnell die lebenden blicke weg.
Klopstock oden 2, 124, 23 Muncker;
noch niedrig beym aufgehen hatte schon die sonne durch die stämme den thau weggeküszt Heinse 4, 55 Schüddekopf; im späten alter küszte jenem Abdallah der engel des todes die seele sanft von den lippen weg Klinger 7, 184; der eine (weg) ist kurz und leicht, nemlich wenn er (Christus) einen wegküszt v. Zinzendorf kinderreden (1758) 203. —
wegkutschen
abire vehiculo Stieler 1050 (darnach Campe), später wegkutschiren. —
weglächeln
ist die erste begier,
euch zu sehen, gestillt, sind alle thränen der freude
weggelächelt entflohn.
Klopstock oden 1, 45 26 Muncker;
in Nadinens hellem auge hing eine thräne fest, die nicht wegzulächeln und wegzublicken war J. Paul Kamp. 20; wenn ein mensch ... diese behauptung ... leise weglächelt — ganz natürlich! Lavater physiognom. fragm. 3, 30; er ist ... einer der herzlosen dämonen, die alles wegzuspötteln, wegzulächeln wissen Gutzkow ritter vom geiste² 7, 244. weglachen: der todt lest sich nicht mit gespött und verachtung vertreiben noch weglachen Petri 1, B 3ᵃ; was (hat Voltaire) mit seinem witze weggelacht, ohne es zum theil weglachen zu wollen Herder 5, 583 Suphan; er lacht seinen ärger gegen ihn weg Klinger 1, 100; sonst, wenn ich nach hause kam, berge auf meinem herzen, hüpfte mir meine Bertha entgegen, und meine Bertha lachte sie weg Schiller 3, 32 (Fiesko 1, 10);
selbst im rathaus hat sie's (Venus) angesponnen ...
die geschwornen richter halb gewonnen,
ihres ernstes falten weggelacht.
1, 193.
lachend hinbringen:
seit ich klüger, manche halbe nacht,
mit Sophien und mit dir (dem freunde),
weggescherzt und weggelacht.
Goekingk 1, 76. —
wegladen. 1) wohin laden und wegbringen: der von der Saal theuerte sich noch, ifg. sollten keine fische wegladen, mein herr aber ... zwang die bauern ..., die musten in die hälter steigen und fischen, welche fische ifg. selbst in die fasse lud v. Schweinichen denkw. 186. 2) wohin einladen: wir sind heut alle weggeladen Campe.
weglangen
in der nd. umgangssprache für 'wegholen, entwenden' Schambach 291. Bauer-Collitz 113ᵇ.
weglassen
1)
von sich lassen.
a)
von personen, sich entfernen lassen, scheiden lassen:
Ha. ach nein, ach nein, ach last mich wegk!
K. greifft zu, verlegt ihm weg und stegk!
Hayneccius Hans Pfriem 78 (v. 2412) neudr.;
also zog er bald von hinnen,
wünschet allen gute zeit,
so ihn mit betrübten sinnen
und mit schwerem hertzeleid,
als den redlichen weglieszen
und getreu zu bleiben hieszen.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 431;
ah mein sohn, warumb haben wir dich lassen wandern ..., wir hetten schatzs gnug gehabt, wenn wir dich nicht hetten weggelassen Tob. 10, 6; meine charmante aber wollte mich nicht von sich weglassen Ch. Reuter Schelmuffsky 33; der herr ... wollte den lord nicht eher weglassen, bis er ihm in seinem hause zuvor einige ehre erwiesen hatte C. F. v. Moser beherzigungen (1763) 365; wir trennten uns ungern von ihr (der fürstin) und sie schien uns ungern wegzulassen Göthe 31, 189 Weim. ausg.; sollte mein guter wille einen Genueser miszvergnügt weglassen? Schiller 3, 22 (Fiesko 1, 7).
b)
von dingen 'ablassen', z. b. blut weglassen: wenn im beginne stracks und oftmahls nacheinander die ader geschlagen und iedes mahl nur ein wenig bluhtes weggelassen wird, so werden dardurch viele bei dem leben erhalten Dapper Africa (1671) 578ᵃ; sie für schwachheit wegen des so viel weggelassenen blutes nicht selbst auff den füszen zu stehen vermochten v. Lohenstein Arminius 1, 63ᵃ. von gütern, waren 'käuflich weggeben' z. b. ein haus: so wil sich der rat von der stat wegen dorczu halden, sich der (leer stehenden häuser) underwinden ... die beseczen unde frihe weglassen urkundenbuch d. st. Freiberg 1, 152, 2 (1435) Ermisch; anders als für zehn thaler kann ich das stück nicht weglassen Campe.
c)
weglassen kann auch sein 'durch nichtkauf in eines andern besitz kommen lassen' Adelung: lassen sie ja den garten nicht weg; ich bin dem local sehr günstig, es ist auszer der anmuth auch noch eine sehr gesunde stelle Göthe briefe 12, 38 Weim. ausg. ähnlich eine gelegenheit weglassen 'fahren lassen, nicht benützen':
wirstu jetzund zu dieser zeit
weglassen die gelegenheit.
Lobwasser calumnia F 5ᵃ.
von einem rechtsmittel keinen gebrauch machen Hayme 1318.
2)
entfernt lassen, bei seite lassen: da musz man wohl die finger weglassen, sonst brennt man sich Fr. Müller 3, 235; von den organischen körpern also musz der chymiker seine hände weglassen, ... er kann sie zerstören, aber nicht hervorbringen v. Schubert verm. schr. 1, 229;
ich sag', lass' er die hand mir weg! was will er?
H. v. Kleist 1, 439 var. (zerbr. krug 12) E. Schmidt;
drauff sein drey finger zu maszen,
der klein und daum weggelassen.
Agricola musica instr. deudsch 167;
laszt noch die erde weg,
bis ich sie nochmals in die arme fasse. (springt in das grab.)
Shakespeare, Hamlet 5, 1;
was redet ihr so viel von höhen! höhn!
laszt weg aus eurem munde das stolze wort!
Herder 12, 199 Suphan;
last die complimenten nur weg oder unterwegen Ludwig 2405; daneben muszte man viel verstand haben, alles, was gering und gemein scheinen konte, zu meiden, und wegzulassen Bodmer abh. v. d. wunderbaren 343; wer im ernst etwas erweisen will, thut wohl, wenn er dergleichen trugschlüsse wegläszt! Kretschmann 1, 34; laszt mir den staat und die staatsleute weg, ... ich kann mir sie nicht anders als in perrücken vorstellen Göthe 21, 149 Weim. ausg. daraus entwickelt sich die bed. 'auslassen, übergehen, nicht erwähnen': in meinem siebzehenten blatte ist aus versehen ein charakter weggelassen worden Rabener 1 (1751) vorr. 62; dieses überlegt, hatte der graf Caylus vollkommen recht, die episode des Thersites aus der reihe seiner Homerischen gemählde wegzulassen Lessing 6, 515; ich nehme den satz an: aber die worte 'ich darf' und 'wie ich will', lasz weg! Herder 26, 296 Suphan; ich habe blos einige für mich zu gütige stellen weggelassen G. Forster 7, 220; wir lassen nur den eingang weg und geben übrigens das schreiben mit weniger veränderung Göthe 22, 141; dein register hat ein loch. du hast das gift weggelassen Schiller 2, 49 (räuber 2, 2 sch.) —
weglassung f.:
das edle blut, dessen übrige weglassung den leib und das haupt schwächte v. Lohenstein Arminius 2, 579ᵃ; ich habe über aufnahme oder weglassung bisher ungedruckter stellen ... entschieden Herder 12, 416 Suphan; den klang eines worts durch weglassung ... eines buchstabens verbessern Sulzer theorie der schönen künste 3, 43; einige änderungen, weglassungen oder zuthaten, die der künstler des lieben herkommens wegen versucht G. Keller nachgel. schriften 225. dazu weglassungszeichen, n.
weglästern
lasz uns sitzen und die ehrliche hausmutter Fortuna von ihrem rade weglästern (mock from her wheel) Shakespeare, so wie es euch gefällt 1, 2. —
weglasz
s. weg(e)löse.
weglaufen
1)
von menschen und thieren: decurrere voc. inc. teut. C 4ᵃ; proripere sese Stieler 2456; hawet den bawm umb ..., das die thier, so unter im ligen, weglauffen Dan. 4, 11; selbst die kleinen kinder laufen schreiend weg, wenn ich sie anreden will Klinger 8, 40. mit localen best.: auf den rändern der schiffe wegzulaufen, ... war ein natürlicher trieb (Mignons) Göthe 23, 274 Weim. ausg.; behieng sein (Absaloms) heubt an der eichen, und schwebt zwischen himel und erden, aber sein maul lieff unter ihm weg 2. Sam. 18, 9; (wo wir) von jungen hünern, die uns über die köpfe wegliefen, geweckt wurden Lichtenberg briefe 1, 82. sprichwörtlich: er läuft darüber weg wie der hahn über die kohlen th. 4, ii, 162. Lessing 3, 272. allgemeiner (gern als herabsetzender ausdruck) 'sich eilig davon machen' oder überhaupt 'davongehen': profugare, enweg lauffen, wechlopen Diefenbach gl. 463ᵇ; (frauen) die mit iren buͦlen und liebhabern weggelauffen sein Decamerone 636 Keller; eʒ luffen auch die paurn wegk wider heim (vom kriegszug) städtechr. 2, 67 (Nürnberg 1444); hatten die ... teutsche ... trouppen durch kranckheit und tägliches weglauffen der knechte ziemlich abgenommen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 643; ein weggelauffener soldat, a deserter Ludwig 2408; dasz die bürgerwehr vor den Römern nur wegzulaufen verstand Mommsen röm. gesch. 1, 366; nun dienet solch gesinde nicht wohl, sondern thun mit ihrem weglauffen den herrn groszen schaden Schupp schriften 347; unser knecht ist weggelauffen, has quitted us Ludwig 2408. von, aus etwas:
die mägde lieffen weg vom spinnen:
dem mönch ward ausz dem closter gach.
W. Spangenberg dicht. 110 (ganszkönig 5, 372);
wurden sie (die Juden) von dem tempel weglauffen undt an andern örtern gott suchen, so solten sie verdampt sein Luther 33, 186, 17 Weim. ausg.; so von der pfarre weglaufen, mag ich doch nicht Gutzkow 5, 17; sogar die fremden schnitter ... waren aus ihrer akkordarbeit weggelaufen v. Polenz Grabenhäger 1, 2. ironisch: er läuft weg, wie der hund vom brotkorbe, wie die sau vom troge Wander 4, 1860.
2)
von dingen, besonders von flüssigkeiten, 'ablaufen': etlichen pferden brechen die adern von sich selber .. auff und läufft ihnen das übrige blut weg Walther pferde- u. viehzucht 153; schneide ... die haut ein wenig ... auff und lasz das wasser weglauffen Böhme viehartzney 33. von anderem, das in schneller bewegung ist: der mond hob sich mehr und mehr ... die heide lief, wie eine fahle scheibe, unter ihm weg Stifter 3, 201. übertragen von der zeit: der tag lauft weg wie das leben, man thut nichts und weis doch nicht wo die zeit hinkommt Göthe briefe 5, 69 Weim. ausg. auch nur 'eine bestimmte richtung einhalten', mit best.: er erinnerte sich nun deutlich des schmalen ganges, welcher oben neben dem saale weglief Tieck 17, 5; überschneiden gebraucht der zimmermann von hölzern, die übereinander weglaufen Helfft wb. d. landbaukunst 373; ein (bart-) streifchen, das schmal vor den ohren ansetzte und unter dem kinn weglief M. R. Fischer die Blöttnertochter 40. etwas läuft nicht weg 'bleibt zur verfügung': die etage liefe nicht weg, die könnte man später auch noch haben Stinde familie Buchholz¹⁰ 162; er machte sich wiederum auf den weg, die arbeit lief ihm nicht weg, denn von dieser sorte konnte er genug bekommen Kretzer meister Timpe 297.
3)
trans., durch laufen abnutzen: die sohlen ... die (der hausfreund) am Rhein auf und ab wegläuft Hebel 2, 205 Behaghel. bergmännisch, mineralien mittelst laufkarren wegschaffen Veith 565 (vgl. sp. 2933 in wege laufen): darnach will er die gottlosen wie taube schlacken weglauffen, und in weg stürtzen, oder in das ewige hellische feur werffen lassen Mathesius Sarepta 223ᵇ. —
wegläufer m.:
profugus, wechlouffer Diefenbach gl. 463ᵃ (1507); ein yrrender weglauffer Carlstadt von bepstl. heylickeit F 3ᵇ; was wil man denn sagen von dem schendlichen weglauffer? scheidet er nicht seinen leib vom weibe? Sarcerius ein buch vom heiligen ehestande (1553) 141ᵇ; ein gewaltiger verfolget die wegleuffer (deserteure) und nimt sie gefangen v. Zesen kriegsarbeit (1672) 3, 6; die bienenwirthe ... kommen sehr oft und sprechen seine hülfe an, und er schafft ihnen immer die wegläufer (ausgeschwärmten bienen) wieder Tieck novellen (1854) 12, 145. —
weglaufung f.
im älteren nhd.: discursus, weglauffung Diefenbach gl. 185ᵇ (1512); darumb verdammet s. Paulus alle ehescheidung, ohne die, so umb ehebruchs willen geschehen, und in mutwilligen verlassungen und weglauffungen Mathesius epistel an die Corinthier 1, 180ᵇ. weglauschen, erlauschen:
und hat das florentinische mädchen nicht
von frühster jugend liebend emporgestaunt
zur Venus Tizians, und tausend
reize der reizenden weggelauschet?
Platen 107. —
wegläuten, durch läuten vertreiben Campe: sonst hat man doch das wetter, wenn es kam, wegläuten können; jetzt ist das verboten Zschokke 14, 209. —
wegläutern
durch läuterung beseitigen: jetzt da die weite ferne, die abwesenheit alles gleichsam weggeläutert hat, was die letzte zeit über zwischen uns stockte, so brennt und leuchtet die schöne flamme der liebe, der treue, des andenckens wieder fröhlich in meinem herzen Göthe briefe 8, 212 Weim. ausg. (an Charl. v. Stein). —
wegleben
bei solchem langen gängeln muszte der gröszte theil (der jesuiten) sein eigenthümliches wesen wegleben und eine abgerichtete gliederpuppe werden Jahn merke 98. dahin leben: wenn einer seine kindheit so einförmig weglebt Heinse 7, 259 Schüddekopf; ich lebe doch nur im grunde im taumel weg, will und kann nicht weiter denken Göthe 45, 85. —
weglecken
durch lecken beseitigen: dencket ihr, euere sachen sind so hoch, dasz sie keine ziege weglecken soll? Ch. Weise erznarren 67 neudr. bildlich: die thränen verschwanden, die eitelkeit leckte sie weg, wie die sonnenhitze den thau Klinger 3, 92; der frisch gefallene schnee wird ... von der tagessonne aus allen klüften weggeleckt Ritter erdkunde 3, 1008.
weglegen
1)
von sich legen, auf die seite legen: seponere, wech-, eynwech-, eynweck-, ewechlegen Diefenbach gl. 528ᵃ; die priester ... sollen zuvor ire kleider, darin sie gedienet haben, in den selbigen kamern weglegen Hes. 42, 14; sie legten nimmer weg ihre spiesz Xylander Polybius 320; Louise stuzt, legt die feder weg Schiller 3, 444 (kab. u. liebe 3, 6 bühnenanw.); (sie) hing solche (die wäsche) des winters einige tage auf linien, damit sie nicht zu feucht ... weggelegt werden möchte J. Möser 1, 205;
lasz dich tausendmal umarmen! lege weg den sack und hut!
Platen 250 (verh. gabel 1);
da in der kleinoten unzahl
sein aug und gemüht sich bewögen,
das er nicht waist, arm in der wahl,
was zu nemen, was wegzulögen.
Weckherlin 1, 139 Fischer.
oft mit dem nebensinn 'sich nicht mehr damit befassen': das die cron Schweden ihre bis daher geführte waffen nicht wegzulegen noch aus handen zulassen gemeinet v. Chemnitz schwed. krieg 2, 824;
er wird den vater gern in den privatstand
begleiten   ihr vernahmt es von ihm selbst,
wie sehr er wünscht, die waffen wegzulegen.
Schiller 12, 269 (Wallenst. tod 3, 2);
krieg hat den harnisch weggelegt, der friede zeucht ihn an.
Logau 1, 8, 2 (s. 160 Eitner);
wo ich reime schreiben soll, die gefällig allen bleiben,
leg ich meine feder weg und begere nichts zu schreiben.
2, 9, 29 (s. 383 Eitner);
(er) legte ... seine lehrbücher gelassen weg und nahm seine poeten wieder zur hand Gerstenberg rezensionen 402 neudr.; so sah ich (bei der zeichnung) mich genötigt, den stift wegzulegen G. Keller 3, 11; so war es bald eine ausgemachte sache, dasz ... Adam den hobel weglegen ... sollte Herm. Schmid gesch. a. Bayern 41.
2)
in besonderen bedeutungen: escarter, karten weglegen, tauschen Duez nomencl. (1652) 161. ein kind weglegen 'aussetzen' Steinbach 1, 1022: Cyrum den groszen kayser in Meden und Persien lest sein groszvatter weglegen Mathesius handsteine 379 Lösche; daher würde ich unbarmhertziger als die unmenschlichen mütter seyn, welche .. ihre kinder weglegen v. Lohenstein Arminius 2, 816ᵃ; in die roman' haben die weggelegten kinder immer etwas um den hals, was den urheber verrat' Nestroy 4, 72;
gieng er (Ödipus) ... die eltern zu erfragen,
nach Phöbus stadt, wohin zu gleicher zeit
auch Lajus, mein gemahl, sich aufgemacht,
vom weggelegten sohne kundschaft zu erhalten.
Schiller 6, 122 (Phöniz. v. 40).
eier weglegen, an die falsche stelle legen, von hühnern Frischbier 2, 551.
3)
im älteren nhd. auch von abstracten, beseitigen, wegschaffen, (von eigenem) aufgeben (ebenso mnd. wechleggen Schiller-Lübben 5, 620):
ich rath dir böser schandenfleck,
durch beicht und buͦsz dein sünd leg weck.
Schwarzenberg t. Cicero 141ᵃ;
der pöbel ...
leichtlich zu zoren wird bewegt,
den zoren wider bald weglegt.
Lobwasser calumnia D 1ᵇ;
da mit das böse weggelegt und gestrafft wurde Luther 32, 333, 34 Weim. ausg.; das sie fur allen dingen das falsche gesuch weglegen, das sie wollen umb ... rhums willen ... etwas beten 32, 414, 32; zuletzt hast du ... dein willen gott heim geben; aber dannoch nicht weggelegt dein forcht und sorge Jonas bei Luther briefe 2, 101; wird unser doctor von seinen erbherrn, den grafen zu Manszfeld erfordert etliche widerwillen und zwispalt, so sich unter ihnen erhaben, wegzulegen und zu vertragen Mathesius historie d. Luthers 361, 24 Lösche; hat er hierauff alle grausamkeit weggeleget, mit denen umbligenden völckern freundschafft und frieden auffgerichtet Dilich ungarische chronica (1606) 80; die aber, welche den frieden aus liebe des krieges störeten, legten ihn nur aus begierde des friedens nicht weg v. Lohenstein Arminius 1, 635ᵃ. —
weglegerin f.:
dasz sie selbst die mutter, mörderin und weglegerin ihres kindes gewesen sei erzähler des 18. jh. 78, 20 Fürst (Meiszner). —
weglegung f.:
der waffen v. Lohenstein Arminius 1, 449ᵃ. weglehnen, wegleihen: die sich durch keine bitten und schmeicheln bewegen lassen, nur gantz gemeine bücher wegzulehnen Mencke zwei reden von der charlatanerie (1716) 73. sprichwörtlich: wer den hindern weglehnt, der musz durch die rippen hoffieren Lehman (1662) 3, 485. —
wegleihen
verleihen: wenn man christen sein wil, so sol man wegleyhen was man vermag, frey on allen auffsatz Luther 10, iii, 227, 9 Weim. ausg.; ich darff nur des Reuszners seine alten lauten-früchte, die ich vor etlichen jahren weggeliehen habe, wiederfordern Kuhnau musikal. quacksalber 62 neudr.; wer geld wegleihet, der kaufft ihm mit seinem eigenen geld einen feind Dannhawer catechismusmilch 2, 160;
wer viel geld hat wegzuleihen,
musz der freundschafft sich verzeihen.
Logau 1, 3, 34 (s. 144 Eitner). —
wegleiten, von einem orte leiten: abigere. inweg leyden Diefenbach gl. 3ᵃ; wormit er (der trompeter) dann wieder weggeleitet, und aus der stadt gelassen wurde Rheinstrom (1685) 1, 764; unter dem ... berge Pentelicus hatte man das ... wasser ... weggeleitet v. Lohenstein Arminius 1, 689ᵃ;
bin ich denn nicht ein thor, dasz ich zu frühlingszeiten,
durch manche cur gesucht, die galle wegzuleiten?
Gottsched crit. dichtkunst 47. —
wegleitung, f.: deductio, derivatio Steinbach 1, 1035. —
weglenken
von etwas: wie von unsichtbaren geistern gepeitscht, gehen die sonnenpferde der zeit mit unsers schicksals leichtem wagen durch; und uns bleibt nichts als, muthig gefaszt, die zügel festzuhalten, und bald rechts bald links vom steine hier, vom sturze da, die räder wegzulenken Göthe 8, 220 (Egmont 2); zuerst wird das lebendige denken ... von seiner natürlichen richtung auf das wirkliche weggelenkt und in das nichtige ... hin gewendet Fr. v. Schlegel 15, 211.
weglesen
1)
ablesen und wegschaffen: auferre, amovere, avellere Stieler 1167; indem er einige welke weinblätter, die auf ihren nacken gefallen waren, weglas Gutzkow ritter vom geiste 6, 151;
er (der landmann) list den räuber weg, der bey der wurtzel sitzt,
und sorget, dasz kein grasz des baumes wachsthum hemme.
Günther ged. 657.
2)
fortgesetzt, hintereinander, bis zu ende lesen: relegere, translegere Stieler; etwas fertig weglesen Ludwig 2408; dasz man recensionen leichtsinniger wegliest und geschwinder vergiszt, als andre bücher Garve briefe an Ch. F. Weisze 1, 108; die vier starken bände habe behaglich in kurzer zeit nach einander weggelesen Göthe 41, ii, 155 Weim. ausg.; das buch ... gehört nicht zu denen, die man leicht wegliest fürst Pückler briefw. 3, 231; J. bewunderte die fertigkeit, mit der diese leute das ebräische .. weglasen Auerbach 9, 172; vom blatte weglesen s. sp. 2937. über etwas: Mariane las über alle diese feinen züge mit gröszter freimütigkeit weg Nicolai Seb. Nothanker 1, 209.
3)
durch lesen verbrauchen, beseitigen: wie viel stunden lassen sich über diesen dunkeln satz weglesen! Hamann schriften 3, 101; so wird vielleicht mancher befangene, der noch vorurtheile wider die turnkunst hegt, sie sich aus alten büchern von weisen und erfahrenen weglesen Jahn turnkunst 247; wenn ich mir den gram überhaupt weglesen wollte, so möchte ich lieber Lessing oder Mendelssohn oder geschichte lesen Reb. Mendelssohn bei Hensel familie Mendelssohn 1, 152.
wegleuchten
durch licht beseitigen:
dann ergreif ich den kiel, tauch in die wahrheit ihn,
wegzuleuchten die nacht, die um der richtenden
stirne schwebt.
Lavater verm. schriften 1, 308;
o eilet euch im licht zu baden!
der glanz des himmels strahlt herein,
und jeder jammer, jeder schaden
der nacht soll weggeleuchtet sein!
Arndt ged. (1860) 494.
einem wegleuchten, einem weggehenden leuchten Adelung. im Vogtland 'um das bett eines sterbenden die sterbekerze tragen' John sitte, brauch u. volksglaube 166 (er wird weggeleuchtet). —
wegleugnen
das vorhandensein bestreiten:
wie wenn man euch ein wunderding erzählet,
wovon ihr nichts im herzen glaubt,
wiewohl euch grund es wegzuleugnen fehlet.
Wieland 22, 147 (Oberon 4, 9, 4);
ich gehöre nicht zu ihren ungläubigen, die alle unsichtbaren kräfte wegläugnen G. Forster 7, 175; ich will auch die gräuel und gewaltthaten unsrer landsleute gar nicht wegleugnen Arndt schriften 2, 228. —
wegleugnung f.:
bis zur völligen wegleugnung einer in allen griechischen geschichten begründeten thatsache Böttiger kl. schriften 2, 249. —
wegliegen
1) entfernt liegen: je weiter die idee vom gefühl und ton in der empfindung weglag Herder 5, 71 Suphan. 2) ununterbrochen liegen bleiben:
ob ihr gleich nichtes fehlt, liegt sie doch ganze tage,
ja gantze wochen wol, dasz ich die wahrheit sage,
auf ihrem bette weg in unverschämter ruh.
C. Abel Boileau 95. —
wegloben, jemand den man gern los sein möchte einem andern (bes. zur anstellung) empfehlen: das kirchenregiment hat gar keine veranlassung, geringe und unthätige pastoren von privat-patronatsstellen in königliche stellen zu berufen, und wegloben gelingt nicht immer Büchsel erinn. a. d. leben e. landgeistl. 1, 93. —
weglocken
von etwas: sein absehn aber war den feind von der schiffbrücke wegzulocken v. Lohenstein Arminius, 2 827ᵇ;
arglist'ger! jezt erkenn ich deine tücke!
du hast mich trüglich durch verstellte flucht
vom schlachtfeld weggelockt.
Schiller 13, 276 (jungf. v. Orl. 3, 9).
übertragen: vielleicht habe das schöne abendwetter den kapitain weiter, als seinen gewöhnlichen spaziergang, vom hause weggelockt Bode gesch. des Th. Jones 1, 221;
er könnte daran denken, dreiszig tausend
geprüfter truppen, ehrlicher soldaten,
worunter mehr denn tausend edelleute,
von eid und pflicht und ehre wegzulocken,
zu einer schurkenthat sie zu vereinen?
Schiller 12, 183 (Piccolomini 5, 1);
zu gut nur glückt' es ihm,
euch wegzulocken von dem guten pfade,
auf dem ihr vierzig jahre seyd gewandelt.
12, 260 (Wallenst. tod 2, 6).
weglöschen
1)
intrans. verlöschen, übertragen:
schon losch sein leben weg, und todesnacht
umflosz sein aug'.
Bürger 166ᵇ (Il. 6, 864).
2)
trans. auslöschen, durch löschen tilgen: man könte mit einem schwamm auf einen zug so viel von einer schrifft wegleschen v. Lohenstein Arminius 2, 1495ᵃ. bildlich: er (Baco) wollte von der tafel des menschlichen geistes alles herkömmliche weglöschen Göthe naturw. schr. 5, ii, 262 Weim. ausg.; ihr (der verstorbenen schwester) haushalt ist mir wie eine tafel, worauf eine geliebte gestalt stand, die nun weggelöscht ist briefe 4, 68; alle in anwendung kommenden gesetzstellen sind von meiner gedächtnisztafel rein weggelöscht v. Gaudy 24, 94; dasz wir wieder ein ganzes volk werden können, dasz unser name von den rollen der weltgeschichte nicht mit schande weggelöscht worden, das danken wir jenen ewig denkwürdigen tagen Arndt schriften 2, 199; dann wusch sie sich mit kaltem wasser das gesicht, um die schrift wegzulöschen, die der kummer darauf geschrieben hatte Rosegger iii, 6, 137. übertragen:
war fähigkeit zu lieben, war bedürfen,
von gegenliebe weggelöscht, verschwunden.
Göthe 3, 23;
es liesz sich bald bemerken, dasz sie (Friederike) ... die eindrücke kleiner unangenehmer zufälligkeiten leicht wegzulöschen verstand 28, 16; sein innerstes weinte vor sehnsucht, ihr beizustehen und aus ihrem leben alle trübe winterlandschaften wegzulöschen J. Paul Hesp. 2, 197; dann war es mir, als sei etwas entsetzliches mit mir vorgegangen, dessen erinnerung ein langer tiefer todesschlaf weggelöscht hatte E. Th. A. Hoffmann 6, 111 Grisebach.
weglösen
auslösen (jetzt veraltet): die zwölff heerführer ... haben die bürger gefengklich angenommen, deren etlich durch trungenliche fürbitt ... mit gält seind weggelöst worden Guler von Weineck Raetia (1616) 70ᵇ. ablösen: (das kochsalz) dient ... zum weglösen des eises von schienenbahnen Muspratt chemie 6, 467. —
weglösung f.:
es (silber) wird zur weglösung vorhandenen chlorkupfers ... mit verdünnter salzsäure behandelt 7, 1611. —
wegluchsen
mit dat. listig entwenden Campe. wie das häufigere abluchsen von luchs (nicht von lugen) abgeleitet, eig. mit scharfen augen (wie sie ein luchs hat) einem etwas absehen, das man sich zu eigen machen kann.
weglugen
wegschauen. schriftsprachlich nur in dem sinn 'von einem versteckten ort (mhd. luoc) aus nach einer richtung sehen': als ich vorsichtig über sie (die kuppe) weglugte, hatte ich das rudel auf 100 schritte vor mir E. v. Dombrowski grüne brüche 1, 77. —
weglügen
in einer historischen zeit ist es doch zu schwer, das wirkliche wegzulügen Arndt geist der zeit (1806) 269; der gebildete ist zum gröszten feinde der bildung abgeartet, denn er will die allgemeine krankheit weglügen und ist den ärzten hinderlich Nietzsche 1, 421;
höret an das protokoll voll schanden,
wie's die garstge beim verhöre glatt
weggelogen ... hat.
Schiller 1, 188.
redensart: da tät ich dem teufel ein ohr weglügen Ganghofer der mann im salz 1, 100. refl. sich lügenhaft einer sache entziehen: wer allein hat gründe, sich wegzulügen aus der wirklichkeit? wer an ihr leidet Nietzsche 8, 231.
wegmachen
1)
eine arbeit fördern, fertig machen, zu ende bringen. das in der umgangssprache (bes. des östlichen Mitteldeutschlands Müller-Fraureuth 2, 646ᵃ, daher auch später bei Göthe) lebende wort zeigt sich früher auch in der litteratur:
so leichtlich als ein ey ist in den sakk gebracht,
so leichtlich ist ein schokk poëten weggemacht.
Rachel sat. ged. 121 neudr.;
Nero war von art zur poeterey geneiget, und hat ohn alle müh einen stattlichen vers weggemacht Opitz 1, vorr. 4ᵃ; er hat seine arbeit so in der stille weggemacht v. Zinzendorf gemeine-reden (1749) 14; einen mann, der überhaupt seine sache so gut wegmacht, dasz man mit ihm zufrieden ist Lessing 7, 34; es geht mir ... hier recht gut, ich bin fleiszig und mache meine sachen weg Göthe briefe 10, 247 Weim. ausg.; ich ... mache das, was ich mir vorgenommen habe, hinter einander weg 16, 40; Karl Büttner hatte seine drei jahre (beim militär) 'weggemacht' v. Polenz Büttnerbauer 1, 5; ein halbes jahr hatte er 'weggemacht' (im gefängnis gesessen) werke 8, 40. namentlich auch von essen, trinken, schlafen Müller-Fraureuth. Jecht 120.
2)
von der stelle schaffen, beseitigen. auch diese (weiter verbreitete) bed. gehört der umgangssprache an: da er aber etlich solche steine übereinander fand, liesz er sie alle wegmachen und wohl verwahren Herberger Jesus Sirach 450ᵇ; den mist wegmachen, fimum removere Steinbach 2, 9; einem, der am haupt verwundet ist, das haar mit einem scheermesser wegmachen Ludwig 2408; komm halt mit und jetzt mach dein geld weg Rosegger 12, 149. auch jemand wegmachen, ums leben bringen:
des achten Heinrichs sohn ward plötzlich weggemacht
durch unentdeckte gifft.
Gryphius (1698) 1, 277 (Car. Stuardus 1663).
els. eweg mache, heimlich ums leben bringen, auch 'schlachten' Martin-Lienhart 1, 643ᵃ.
3)
sich wegmachen 'entfernen' ist mehr in die schriftsprache gedrungen (auch ndl. zich wegmaken), bleibt aber auch der gehobenen sprache im ganzen fern:
ob sie nicht wollte auch deszgleichen
wie andere thier von ihnen weichen
und sich wegmachen auff den tag?
W. Spangenberg dicht. 72 (ganszkönig 3, 669);
o hette ich flügel wie tauben ... sihe, so wolt ich mich ferne wegmachen ps. 55, 8; weil sie sich aber bey nächtlicher weile heimlich wegmachten Schütz hist. rer. pruss. 6, B 3ᵇ; (sie haben) sich gantz sachte mit friedsamer zurücklassung des ihrigen, ohne deswegen klage zu führen, weggemacht v. Zinzendorf Siegfrieds bescheidene beleuchtung (1744) 99; wenn ich mich nicht gleich wegmachte, wollte er mich ... zu boden schlagen Göthe 44, 19 Weim. ausg. auch für 'sterben' Spiesz 277:
gleichwie er nun incognito
gelebet, hat er auch also
sich weggemacht zur stunde.
v. Canitz ged. 223.
von, aus:
er ... macht an einem morgen
sich weg von hausz und stadt verstohlen und verborgen.
Gryphius (1698) 1, 661;
sprach ifg. ich an, sie wollten sich nunmehr von Köln wegmachen v. Schweinichen denkw. 120; hat sich ... Andres Kahnegieszer .. von den hochzeitgästen weggemacht quellen z. gesch. der stadt Kronstadt 6, 192 (1668); sie solten sich nur nit zu weit von dem orte wegmachen Ch. Weise drei ärgsten erznarren 216 neudr.; weil aber auch die Pisaner seiner bald müde wurden, machte er sich von dort weg nach Pavia M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 508; unter irgend einem vorwande machte er sich von der mutter weg Gotthelf 3, 270; hatt sich also ausz der statt hin und weggemacht Wickram 2, 112, 24 Bolte; sich aus dem lande wegmachen Steinbach 2, 9; Mephistopheles, das höllengenie, lacht und macht sich ... aus dem staub weg Fr. Müller 2, 10; dort ... wohne mein lieber Körner mit den seinigen, der sich vor der belagerung aus Dresden weggemacht hatte Arndt wanderungen mit Stein 208. zu, in: so bald die reuter vor ihm vorüber waren, machte er sich zur seiten weg nach dem schlosse Bucholtz Herkuliskus 173;
sie ist nunmehr mit sehnlichem verlangen
in ungemeiner wunder-pracht
von Ebal aus nach Grisim hingegangen,
und hat zum Jordan sich vom Nilus weggemacht.
Hoffmannswaldau begräbnisged. 56;
du hast dich weggemacht in's ausland! dort
mach' dir zu thun! mich lasz im hause walten.
Schiller 6, 189 (Iphig. in Aulis 3, 4).
landschaftlich dafür blosz wegmachen: um diese zeit arbeitete da einer, der hiesz Thiele, der hörte eines nachmittags auf und machte weg denkw. u. erinn. eines arbeiters² 150.
wegmähen
abmähen z. b. gras. bildlich:
wann einst des todes sense klirrt,
eins von uns wegzumähen.
Bürger 29ᵇ;
wie gras will ich sie all zusammen wegmähen v. Hippel lebensläufe 2, 560; wenn dich der tod im schlachtfeld wegmäht Klinger 2, 158; ein geschlecht wird weggemäht, und das andere sproszt auf Göthe 22, 90 Weim. ausg.;
das scharfe schwert scheint alles wegzumähen.
Gries Bojardo's verl. Roland 2, 238.
von thieren, völlig abreiszen: schneeweisze heerden irrten im hohen gras, und mähten die duftenden blumen weg Geszner (1762) 1, 150;
sie (die kühe) irren langsam hin ...
und mähn das zarte gras mit scharfen zungen weg.
Haller ged. 28 Hirzel;
seitwärts nun einbrechend durchschmettern sie (die eber) rings die gesträuche,
weg vom stamme sie mähend.
Voss Ilias 12, 149. —
wegmalen 1) beim malen beseitigen: die residentin sagte ihm, sie hoffe, er werde den heutigen kummer aus ihrem niedlichen gesichte wegmalen und ihn blos ins gemalte bannen J. Paul uns. loge 2, 105. 2) in fortgesetzter arbeit fertig malen: ich wünschte ... Schmellern auf einige zeit nach Jena zu schicken, um eine reihe von professoren wegzumahlen Göthe briefe 42, 36 Weim. ausg
wegmarschiren
Adelung, über:
will er mich noch weiter schikaniren,
werd' ich über ihn wegmarschiren.
Göthe 5, 38.
wegmausen, heimlich entwenden (meist mit dat.). erst bei Campe angeführt, aber schon früher in der umgangssprache üblich (vgl. mausen 5 th. 6, 1827 f.): ich erinnere mich, dasz in Holland einer bäuerinnen ihr silberner gürtel unter dem gedränge der zuschauer von einem seckelschneider vom leibe weggemauset E. Francisci das alleredelste pferd (1670) 103; es ist noch keine halbe stunde, dasz ich wiederum zu Paris bin, und alles ist mir schon weggemauset, was ich bey mir gehabt habe Stranitzky Fuchsmundi 169 neudr.; nur hätte er auf taschen oder schubsäcke besser acht geben sollen, woraus ihm seine baarschaft, messer und sachen, unvermerckt gestohlen, ja sogar ... der degen von der seite weggemauset worden schlesischer Robinson (1723) 1, 115; will ein schelm seyn, wo du ihn (den wein) nicht dem kahlköpfigen Silen weggemauset, als er voll unter seinem esel lag Fr. Müller 1, 163; ich kenne ... den schielichten knirps ... der die einzige irdene schüssel ... wegmausete Wieland Lucian 1, 123;
wolt auch ein bloszer schalk es (das hündchen) wegzumausen
trachten,
so macht er ihn alsbald durch ein geschrey bekannt.
Leander Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 6, 284;
was soll dir's nur, dasz du so eifrig drängst
ihrs (das taschentuch) wegzumausen?
Shakespeare, Othello 3, 3. —
wegmeistern, abschwätzen: blandis allocutionibus auferre et acquirere Stieler 2381. vgl. meistern 7 th. 6, 1975. —
wegmeiszeln
auf einem der stadtthore eine armenische inschrift ... aber weggemeiszelt, um eine andere arabische der sieger darüber aufzunehmen Ritter erdkunde 19, 63. —
wegmessen
abmessen und an andre geben: das niemand soll wegmeszen und schneiden mit der ellen gebleicht werk, dan unsere cramer in ihren cramen Neumarkter rechtsbuch (1356) 243; läszt sich freilich die liebe nicht mit der elle wegmessen, wie eure bänder Meiszner Adolph d. kühne (1792) 2, 10;
der esel träget schwere säck,
mit ellen miszt der krämer weg.
J. Paul leben Fibels 244.
wegmögen, neigung haben wegzugehen. von Campe aus der umgangssprache angeführt: ich mag nicht gern von Jena weg, aber ich freue mich unendlich, ihn zu sehn Göthe briefe 23, 155 Weim. ausg. entfernt wünschen:
der himmel wölkt sich finster unserm heer,
die thau'gen thränen möcht' ich weg vom boden.
Shakespeare 3, 100 (Richard III. 5, 3). —
wegmüssen, genötigt sein sich zu entfernen. durch die bibelsprache in allgemeineren gebrauch gelangt: freude und wonne werden sie ergreiffen, und schmertz und seufftzen wird weg müssen Jes. 35, 10; Israel hat dein gespött sein müssen ..., und weil du solchs wider sie redest, soltu auch weg müssen Jer. 48, 27; sihe, sie müssen weg fur dem verstörer, Egypten wird sie samlen, und Moph wird sie begraben Hos. 9, 6; da that inen Simon gnade, und lies sie leben, aber sie musten aus der burg weg 1. Macc. 13, 50; itzundt kunde er nit die artickel bestetten, wan er muste plutzlich wegk Grunau preusz. chron. 2, 233; sie müszten morgen früh bei zeiten weg Göthe 23, 148 Weim. ausg.; oft muszt' ich eilends weg von ihr, um keinen meiner gedanken zu verraten Hölderlin 2, 119 Litzmann. beseitigt werden müssen: einer von uns musz weg! ich halts nicht aus; einer musz! Lenz 1, 194; diese Doria müssen weg, der staat musz eine andere form haben Schiller 3, 57 (Fiesko 2, 8); so müszten diese episoden aus Messias weg und mir sind sie unter den theuersten Herder 3, 245 Suphan; er liesz das eichenhag ... reinigen, das dichtere, unnützere gestrippe muszte weg Stifter 2, 280. wegnagen:
die zung' ist ausgerissen,
des gaumens zartes fleisch von würmen gantz zubissen,
die kehle weggenagt.
Gryphius ged. 358 Palm.
übertragen: wie das wetter an statuen und leichensteinen gerade die erhabnen theile wegnagt J. Paul Hesp. 2, 216. —
wegnahme f.,
junge abstractbildung zu wegnehmen (zuerst bei Adelung erwähnt) nach seinen verschiedenen bedeutungen: da wurden also eigne biegungen, ableitungen, veränderungen, vor- und zusätze und versetzungen und wegnahmen von ganzen und halben bedeutungen — ein neues idiom Herder 5, 125 Suphan; durch kleine veränderungen, durch die wegnahme manches überladenen fielen andere äuszerst wichtige stellen reiner ins auge 20, 295; auf die unterwerfung Siciliens folgte bald die wegnahme von Benevent und Salerno Schiller 9, 256; die aufhebung der galeerenkette in Frankreich ist eine wegnahme öffentlichen ärgernisses Gutzkow 8, 346; um die wegnahme einer alten windfahne auf dem turme zu bewerkstelligen G. Keller 1, 159; der doktor ... hat an die wegnahme der für immer fühllos gewordenen glieder gedacht T. Kröger novellen 5, 79; schaber zur wegnahme feiner materialtheilchen Karmarsch-Heeren³ 7, 560; wegnahme eines schiffes, prise Dabovich 1173ᵃ; wegnahme von waren 'beschlagnahme, confiscation'. —
wegnaschen
ehe die gäste kämen, so hätten sie das essen vom tische weggenascht Ch. Weise Masaniello 313. übertragen: neuerungssucht unseres völkleins hatte nach den lauten einladungen den schund der Creuzerischen symbolik rein weggenascht Voss antisymbolik 2, 277;
flugs hatt' ich einen kusz erhascht,
von blüthenlippen weggenascht.
Immermann 11, 231 Hempel.
wegnehmen
1)
von seiner stelle nehmen.
a)
von concreten: auferre, amovere, deferre. voc. inc. teut. C 4ᵃ.
α)
von menschlicher thätigkeit: nehmt die speisen weg! tragt ab! Ludwig 2405; nehmen sie ihr gemählde weg Schiller 3, 76 (Fiesko 2, 17); es kam die zeit, die aufgetragenen sachen wegzunehmen Wieland Lucian 1, 355; wenn er hier ihre schnürbrust wegnahm, um zum clavier zu kommen, dort ihre röcke aufs bette legte, um sich setzen zu können Göthe 21, 88 Weim. ausg.; die hände werden ... früher weggenommen als die füsze zur erde kommen Vieth encykl. d. leibesübungen 2, 277; wie jener spanische könig, welcher die glühende kohle lieber seinen fusz versengen liesz, als dasz er sie etiquettewidrig selbst weggenommen hätte Immermann 3, 18 Hempel. häufig mit dem nebensinn 'wegschaffen, beseitigen': stützen eines gebäudes, die man nicht wegnehmen darf, ohne vorher eine feste mauer unterzuziehen Göthe 22, 160; das wegnehmen eines bogengerüstes v. Hoyer u. Kreuter⁵ 1, 839ᵇ; kinder, welche sich ... beschäftigten .. unreinigkeiten (aus der baumwolle) wegzunehmen; sie nennen es erlesen Göthe 25, 112. auch mit einem instrument: das wegnehmen auszerordentlich feiner spänchen mit dem schaber Karmarsch-Heeren³ 7, 560; er solte den bart viel mehr als halb mit dem scheermesser weggenommen ... haben Harsdörffer gesprechsp. 1, D 1ᵇ; ich liesz mir noch einige barthaare wegnehmen, die eben hervorzukeimen anfingen Göthe 43, 50; zweige eines baumes wegnehmen. für 'amputiren' onomat. medica, zergliederungswiss. (1756) 11: da er nun zur hülfe schritt und etwas von den kranken knochen wegnehmen wollte Göthe 43, 136.
β)
übertragen auf unbelebtes 'mit sich führen, wegschaffen': das bade wegnimpt den kot und schweysz Agricola sprichw. (1584) M 8ᵃ; so hastu ein guts wasser, das die fell in augen wegnimpt Gäbelkhover artzneybuch 1, 102; ja, mein schönheitswasser ist weit und breit berühmt — weil dasselbe alle runzeln und falten wegnimmt Meisl theatr. quodlibet 3, 51 (Amor u. Psyche 2, 13). besonders vom wirken von naturkräften: da nach wenigen tagen ... ein feuer entsteht, das etliche heuser wegnimpt Pape bettel- u. garteteuffel M 6ᵃ; dasz er (der flusz) innerhalb zwanzig jahren so viel land weggenommen, und von vielen gebäuden den grund weggespült hat Bode Montaigne 2, 98; ein reiszendes wasser. das ... zweimal durch wolkenbrüche alle stege und brücken weggenommen hat Stifter 5, i, 136; der sommer aber nimmt denselben (den schnee) immer weg, und die felsen glänzen freundlich im sonnenscheine 5, i, 206;
die blumen, welche sich erzaigen reiff zu früh,
die werden von dem frost bald welck und weggenommen.
Weckherlin 1, 438 Fischer.
b)
von abstracten 'beseitigen', namentlich etwas schädliches, nachtheiliges (bei Luther und sonst im älteren nhd. sehr häufig, später mehr eingeschränkt): mein meinung nicht ist den herczogen seiner schönen frawen ze berauben, sunder wege ze nemen widerdrisz, schande und schmacheit Decamerone 117, 9 Keller; warumb vergibstu mir meine missethat nicht, und nimpst nicht weg meine sünde? Hiob 6, 21; das er durch sein fleisch wegnam die feindschafft Eph. 2, 14; wenn sich die geystliche gewalt auszstreckt zu schaden der selen, sol mann sie gar wegnemen Luther 10, iii, 122, 4 Weim. ausg.; das ist das lamb gottes, das der welt sünde wegnympt (Joh. 1, 29 tregt) 18, 183, 23; frome bürger ..., die hadder und zwitracht ... unter nachbarn richten, sunen und wegnemen durch ire heilsame gute zungen 32, 331, 29; das er das herczleydt des todes weggenomen, die schmerczen des todtes 34, i, 490, 29; die heilig tauff solche kraft hat, das sie die sünde endert und wandelt und alle anfechtung aufhebt und wegnimmt Nas das antipap. eins u. hundert 3, 93ᵇ; wann das gute gerüchte bewärt, so wirdt die vermutung des lasters weggenommen Nigrinus von zäuberern, hexen 356; er (gott) wolle ausführen und wegnehmen alles schädliche, stärken das gute Neumark neuspr. t. palmbaum 322;
wöllst ein gut werck an mir erfüllen,
mein leidt wegnemst, mein frewd vermehrst.
Waldis Esopus 2, 278 (4, 99, 35) Kurz;
ich wart der zeyt   so blümlein geyt,
die freyet mich von hertzen
und hoff gut glück   werd mir zurück
wegnemen allen schmertzen.
Forster frische t. liedlein 180 (21, 2) neudr.;
ach frommes hertz, ach unser heyl,
nim weg und heb auf in der eyl,
was uns betrübt und kräncket.
P. Gerhardt Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 379ᵃ;
drüm kommt ihr lieben tage,
nehmt weg all meine plage,
brich an mein letztes licht.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 104;
der falsche verdacht ... der so rein weggenommen ist, dasz die stirn des beargwohnten doppelt helle glänzt Caroline 1, 106 Waitz; unsere gnädigste herrschafften haben sogleich der wackern frau einen theil ihres kummers weggenommen, indem sie einige kinder versorgt Göthe briefe 30, 36 Weim. ausg.; ich machte ... besonders aufmerksam darauf, dasz alle versuche, die misbräuche und auswüchse des deutschen studentenwesens durch bestimmte gesetze und verfassungen wegzunehmen, bisher nie geglückt sind Arndt schriften 2, 239; was die leute wunderlich an ihm hieszen, hat seine krankheit schier ihm weggenommen Storm 7, 63. einen stosz wegnehmen 'auffangen': so namme du seinen stosz mit dem tolch wol weg Sutorius fechtbuch 67. seltener von kräften, vortheilen u. dgl.: auch hastu die krafft seines schwerts weggenommen, und lessest in nicht siegen im streit ps. 89, 44; und (ich will) ... auff den gassen zu Jerusalem wegnemen das geschrey der freuden und wonne Jer. 7, 34; zu hause nahm freilich der gräuliche schmerz im auge alle meine besinnung weg Immermann Münchh.² 4, 33; rechts ist die aussicht durch den ansteigenden berg weggenommen Steub drei sommer in Tirol 1, 127. von, aus etwas wegnehmen 'einer sache entheben oder berauben': bittet den herrn ewrn gott, das er doch nur diesen tod von mir wegneme 2. Mos. 10, 17; in seiner jugent schlug er (David) den risen tod, und nam weg die schmach von seinem volck Sir. 47, 4; ich habe meinen friede von diesem volck weggenommen ... sampt meiner gnade und barmhertzigkeit Jer. 16, 5;
ach dasz von gottes wort, volck, sach
werd spot, verfolgung, ungemach
durch got selbs weggenommen!
Weckherlin 2, 136 Fischer;
bin ich bestimmt zu leben und zu handeln,
so nehm' ein gott von meiner schweren stirn
den schwindel weg.
Göthe 10, 33 (Iphigenie 2, 1);
seid gütig, sir.   nehmt nicht den letzten schmuck
aus unserm leben weg.
Schiller 12, 401 (M. Stuart 1, 1);
weil das leben keinen dreier mehr werth ist, sobald man unser streben daraus wegnimmt Stifter 1, 42. mathematisch wird wegnehmen für subtrahiren gebraucht Kinderling reinigk. d. d. sprache 334: geschieht es aber, dasz eine gröszere zahl von den kleinen weggenommen werden soll v. Fleming d. vollk. t. soldat 1856. philosophisch für 'von etwas absehen': man kann in ansehung der erscheinungen überhaupt die zeit selbst nicht aufheben, ob man zwar ganz wohl die erscheinungen aus der zeit wegnehmen kann Kant 2, 69; wenn man die dinge wegnimmt, die den raum erfüllen Hegel 7, i, 47; wenn ich beziehung auf das denken wegnehme: so hat dann auch das denken keine beziehung mehr auf das sein Schleiermacher III, 4, 404.
c)
von personen 'von der eingenommenen stelle nehmen'. meist mit von, aus: hat mich mein herr vater bei ifg. herzog Heinrich unterthänig angegeben mich vom hof wegzunehmen v. Schweinichen denkw. 17; wann man einen (schmied) von seiner arbeit wegnehmen würde Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 10; Wilhelm ... begab sich zu madame Melina, die er wegen der kinder sprechen wollte, indem er sie von ihr wegzunehmen gedachte Göthe 23, 106 Weim. ausg.; dasz der ... verfall ihrer pecuniären angelegenheiten meine pflegemutter zwang, mich aus der erziehungsanstalt wegzunehmen v. Holtei vierzig jahre 1, 107. ohne best.: nur einige tage blieb ich daselbst, als mein vater mich wieder wegnahm Göthe 43, 25. einen mit sich wegnehmen Rondeau: wenn ich nicht selbst darauf gedrungen hätte, dasz sie bis zu seiner zurückkunft bey mir verziehen sollte, so würde er sie wieder mit weggenommen haben Lessing 2, 74 (miss Sara Sampson 5, 1). in der biblischen sprache für 'entrücken': du (Elias) bist weggenomen in einem wetter, mit einem feurigen wagen und pferden Sir. 48, 9; durch den glauben ward Enoch weggenomen, das er den tod nicht sehe Ebr. 11, 5. ferner im älteren nhd. 'wegraffen, ums leben bringen': wer nu der drometen hall höret, und wolt sich nicht warnen lassen, und das schwert keme und neme in weg Hes. 33, 4; wenn gott verhenget, das seine lieben heiligen also schendlich umbkomen und weg genomen werden Luther 23, 426, 3 Weim. ausg.; denn heut ist der mensch etwas, morgen ist er nichts und ... er vor unsern augen weggenommen wird Joh. Arnd nachfolge Christi 32; der general Tilly, welchem (in der schlacht) einer hart an der seit mit einer canonkugel weggenommen ward v. Chemnitz schwed. krieg 1, 202. als subject erscheint gott, der tod, krankheit, auch der teufel (wobei oft die bed. 'sich zu eigen machen' mit hereinspielt):
und sprach ich (der psalmist) auch: mein gott, nimm mich nicht weg
in mitte meines lebens.
Herder 12, 79 Suphan;
du lieber himmel, für die wär's schon ein glück gewesen, wenn ihr gott die frau mutter nicht so zeitig weggenommen hätte v. Holtei 13, 50;
der bitter todt
wird euch wegnehmen allgemein.
Hollonius somnium vitae humanae 27 neudr.;
wen der tod hat weggenummen,
dieser ist gestorben nicht; dieser ist zum leben kummen.
Logau 2, 2, 70 (s. 265 Eitner);
die pest hat daselbst viele weggenommen Ludwig 2409; ehe er vier jahr erreichte, verlor er (kaiser Ferdinand) seinen herrn vater gar zeitlich, den ein böses feber wegnam Rätel Curäi chron. des h. Schlesien 262;
sie sterben beyd in fremder lufft,
und fahren beyd auch in die grufft,
von gleicher kranckheit weggenommen.
v. Besser 1, 263 König;
wie könte ein teuffel ärger sein ... als ein verwandter, der anders nichts wünschet als das ... der teuffel dich schon weggenommen Philander 1, 36.
2)
einem andern entziehen und sich zu eigen machen, am häufigsten mit dat. sinnliche wendungen sind vor dem maule (munde), der nase wegnehmen: heulet alle weinseuffer umb den most, denn er ist euch für ewrm maul weggenomen Joel 1, 5; das sie (die vagabunden) .., den rechten armen das brod fürm maul wegnemen Pape bettel- u. garteteuffel Q 4ᵇ; ein graf dürfe an der börse wuchern und den juden das brod vor dem munde wegnehmen Immermann Münchh.² 2, 57; das vieh der vielen neubauer nimmt ihrem viehe die beste weide vor dem maule weg J. Möser 1, 292; Lucian scheint diese frage seinen lesern vor dem munde wegzunehmen Wieland Lucian 1, 71; Feyerabend nahm ihm das wort vor dem munde weg Heinse 6, 41 Schüddekopf; das wars, herr magister! ja! — sie nahmen mirs aus dem munde weg H. L. Wagner theaterstücke 45 (Evchen Humbrecht 2, 2); er liesz ... die lastschiffe ihm für der nase wegnehmen v. Lohenstein Arminius 2, 69ᵃ; zweiter spieter. ich danke ihnen, dasz sie mir diese banquo vor der nase weggenommen Fr. Müller 2, 84. darnach vor der feder wegnehmen: wie aber, wenn er mir meine materie vor der feder wegnimmt und sie mishandelt Sturz 2, 40. über den kopf wegnehmen (s. th. 5, 1757 über den kopf nehmen): verfügten die mächte kurz und gut, dasz die landschaften an Preuszen zurückgegeben werden sollten ... es schien, als wolle man ihr (Maria Theresia) den frieden über den kopf wegnehmen Ranke 30, 378; ich denke, sie wird sich mit einem gewissen stolz dazu bekennen, dem armen jungen das spiel über den kopf weggenommen zu haben Fontane frau Jenny Treibel 278. sonst einem etwas wegnehmen:
wo ir nicht zu meim glück wert kommen,
so het er mirs als weggenommen.
H. Sachs 21, 89, 25 Götze;
wenn man ime gleich die güter wegnimet, so kan man ime doch nicht gott nemen Luther 16, 258, 13 Weim. ausg.; er möchte sie doch ... fechten und ihnen nicht die hülffs-völcker den sieg wegnehmen lassen v. Lohenstein Arminius 2, 1198ᵇ; um den ... vögeln ihre nester zu zerstören, ihre eyer oder ihre junge wegzunehmen Miller predigten fürs landvolk 1, 3; unsere soldaten hatten ... zu plündern angefangen, indem sie einem weber sein werkzeug wegnahmen Göthe 33, 111 Weim. ausg.; schaafe, denen die lämmer weggenommen werden Schopenhauer 1, 403 Grisebach; wer eine fremde bewegliche sache einem anderen in der absicht wegnimmt, dieselbe sich rechtswidrig zuzueignen strafgesetzbuch § 242. worte wegnehmen (s. o.):
da faszte der pfarrherr
seine hand und sprach und nahm dem gefährten das wort weg.
Göthe 50, 240 (Herm. u. Dor. 6, 227);
ich war ... böse, dasz mir der recensent wegnahm, was ich über den Magus zu sagen hatte briefe 28, 26. auch ohne dat. 'sich aneignen': das der (ungetreue) munczmeister allewege zuvor, eher die preger ufhuben, zuvor wegknam eyn sack vol urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 107, 28 (1447) Ermisch; alle eherne gefesze, da mit man dienete, namen sie (die Chaldeer) weg 2. kön. 25, 14; die gülden und silbern gefesz ..., die sein vater Nebucad Nezar aus dem tempel zu Jerusalem weggenomen hatte Dan. 5, 2; so musz man alsbald auch die zwei vorgemelt thüchlin vom altar rauben oder verzucken und wegnemmen Fischart binenkorb 163ᵇ; einen stein wegnehmen (beim schachspiel) Duez nomencl. (1652) 163; ein schiff auf der see wegnehmen Adelung; Georg. darf ich nicht mit? Götz. ein andermal, Georg, wann wir kaufleute fangen und fuhren wegnehmen Göthe 8, 10 (Götz 1);
wann der feind mit gwalt einfil nun,
nem weg das vieh, verderbt das land.
W. Spangenberg dicht. 136 (Saul 1, 1);
Ulysses und Diomed ...
der Pallas sieghafft bild wegnahmen.
Froschmeuseler D 5ᵇ;
ich fand
gelegenheit, des prinzen portefeuille
mit einigen papieren wegzunehmen.
Schiller 5, ii, 356 (don Karlos 4, 12).
waren wegnehmen 'mit beschlag belegen, confisciren'. militärisch 'erobern':
pralt, ihr Franzen! wie ihr pflegt,
dasz ihr Landau weggenommen.
Neukirch ged. 14;
weil man gesehen, dasz man den flecken leicht wegnehmen könte v. Chemnitz schwed. krieg 2, 194; du kennst den prinz Heraklius nicht? den braven mann nicht, der Persien weggenommen? Lessing 1, 523 (Minna v. Barnh. 1, 12); die sogenannte clubbisten-schanze ... muszte weggenommen werden Göthe 33, 300; um eine batterie von hundert kanonen ... zum anfange der schlacht wegzunehmen v. Ayrenhoff 3, 336. menschen wegnehmen 'gefangen fortführen': sie ... namen ihre söne und töchtere weg Hes. 23, 10; Berlichingen hat ihn (Weislingen) und drey knechte bei Haslach weggenommen Göthe 8, 41 (Götz 1); haben ihn (den vermiszten) die werber weggenommen? 13, 76; eigentlich sollte man mit uns poeten verfahren wie die herzoge von Sachsen mit Luthern, uns auf der strasze wegnehmen und auf ein bergschlosz sperren briefe 13, 222. übertragen von abstracten 'in besitz nehmen':
nimm vollends hin
all meine sinn,
nim alles weg zur stunden.
Spee trutznacht. 24;
aber wie noch hinreiszender nahm Albano alle weibliche herzen durch die stille weg, womit er wie ein ruhiger nachsommer seine früchte fallen liesz J. Paul Titan 2, 230.
3)
in anspruch nehmen, kosten, von zeit, raum, geld, kräften: es würde alzuviel zeit wegnehmen v. Zesen rosenmând 76; veränderung dieser äuszern bedürfnisse. die so vieler menschen zeit und kräfte wegnimmt Göthe 24, 222; diese betrachtungen, welche einen guten theil meiner nächte wegnahmen Wieland Agathon (1766) 1, 328; doch nahm dies alles den gröszten teil des tages weg G. Keller 4, 29; die blosze einleitung hat also schon sechzehn wochen weggenommen Jahn werke 2, 191; es würde uns zu viel raum wegnehmen, die veränderungen durchzugehen Gerstenberg rezensionen 127 neudr.; nimmt man hinzu, dasz die noten unterm text in der kunstgeschichte ungleich mehr raum wegnehmen Justi Winckelmann 2, 283; es ist auch gar keine kleinigkeit, fünf menschen mehr im hause zu haben ..., die einem allen platz wegnehmen Immermann Münchh.² 4, 98; das wirt euch nicht geringes kosten, dann zuͦ dem, dasz die zerung viel gelt wegnimpt ... Kirchhof wendunmuth 1, 96; da ... die kosten des concurses ... ein- oder zweihundert thaler wegnehmen, so ist eine grosze frage, ob ich etwas von meinem kapital bekomme J. Möser 5, 59; so scheinen ... die ernährungs- und zeugungsorgane weit mehr kraft wegzunehmen als die bewegungs- und antriebsorgane Göthe naturw. schr. 8, 21. —
wegnehmung f.
abstractbildung zu wegnehmen, im älteren nhd. nicht selten (auch in den wörterbüchern seit Krämer verzeichnet), später durch wegnahme zurückgedrängt: derohalben ists nit anderst wann vergebunge und wegknemunge der sünden Luther 15, 724, 30 Weim. ausg.; durch sein wegnemmung der jungfrawen buch d. liebe 144ᵃ; solche zeit zu wegnehmung schlosses und stadt anzuwenden v. Chemnitz schwed. krieg 2, 119; wegtreiben des viehes, verderb und wegnehmung des getreydes 2, 216; weil uns gott in wegnehmung unseres vaters ein so hartes erzeiget Ch. Thomasius kleine teutsche schrifften (1707) 559; die wegnehmung Elia's Herder an Lavater (aus Herders nachlasz 2, 52); auf die verwechselung, zusetzung, wegnehmung und versetzung der buchstaben (kommt es bei der etymologie an) Lessing³ 4, 215; durch wegnehmung und wegführung aller hilfsmittel Arndt werke 1, 167. chirurgisch, 'aphaeresis' Zedler 2, 811. wegnesteln, durch nesteln wegbringen, s. Immermann u. wegbinden. —
wegpacken
1) einpacken und bei seite schaffen: ich habe die sachen schon weggepacket Ludwig 2409; er ... begann seine packete einzuschlagen und wegzupacken Storm 1, 219. 2) refl. (vgl. sich packen th. 7, 1401), sich davon machen, als herabsetzender ausdruck seit dem 16. jahrh. üblich (ndl. zich wegpakken):
wann sie (die gäste) ein guͦte nacht hond geben,
dem herren oder vatter dein,
so pack dich weg, und schleich dahin,
dasz niemandt weisz, fein ungeredt.
Scheit Grobianus 2362 neudr.;
schrye ihm aus ihrem bey-zimmer zu, dasz er sich wägpakte v. Zesen Ibrahim 1, 405; sage ihm, dasz er sich wegpacke ... und sterbe an einem ort, der ihm darzu bequem gnug ist pers. baumgarten 4, 11;
drum pack dich weg, du, der ein ritter war:
wir bannen dich hinfort bey todesstrafe.
Shakespeare, Heinrich VI. 1. th. 4, 1.
von etwas:
dencke, wies dem Nickel Scholtzen ginck,
als er sich wegpackt von Elbingck.
M. Frydwalt apweichunge der lande Preuszen (1578) C 2ᵇ;
seht, und geht,
und packt euch wegk bald von der stet.
Hayneccius Hans Pfriem 2357 neudr.;
ir schelmen, backt euch wegk von mir,
eh dann mein diener kommen schier!
Ayrer 2161, 19 Keller.
wegpartiren (s. partiren th. 7, 1478). 1) listig entwenden: subducere Stieler 1414; denn es befunde sich, ... dasz Achan ... etwas von dem raub ... heimlich wegpartiret gehabt Dilherr tugendschaz u. lasterplaz (1659) 224; sondern der fürst dieser welt, so in der lufft herrschet, parthiret sie (die schätze) zweiffelsohne weg Prätorius anthropod. plutonicus 1, 77; du schelm, hast du deinen herrn wegparthiert, so wollen wir dich in stücke reiszen Ch. Weise körbelmacher 89; pasz er ihnen auf die finger, Wildmann, dasz sie nichts wegpartiren J. G. Müller die herren zu Waldheim (1787) 2, 35. 2) sich heimlich wegpartiren aus einer gesellschaft Ludwig 2409. jetzt veraltet (zuletzt bei Adelung angeführt). —
wegpaschen
(s. paschen 'schmuggeln' th. 7, 1482):
die hohe seele die sich mir verpfändet
die haben sie mir pfiffig weggepascht.
Göthe 15, i, 325 (Faust 2, 11831) Weim. ausg.
wegpauken, durch schläge von sich treiben (s. pauken th. 7, 1511), übertragen: sottisen und weiberlaunen mit einem lächelnden gesicht von sich wegzupauken, ... dazu gehört desperate courage Fr. Müller 2, 44. —
wegpeitschen
befahl, das man die armen supplicanten, gleich wie die mucken, die ihm verdrieszlich weren, wegpeitschen solte M. Moller scheda regia (1554) E 4ᵃ; daher nahm ich die auf dem futterkasten liegende peitsche, und wolte die wespen von den pferden wegpeitschen Leipziger avanturier 30; ich weisz, dasz er auch einmal in des prinzen diensten war ..., er wurde vom hofe weggepeitscht Shakespeare 8, 137 (winterm. 4, 2). übertragen:
in dem augenblick
kam beszre überlegung wie ein engel,
und peitscht' aus ihm den sünd'gen Adam weg.
7, 11 (Heinrich V. 1, 1);
das bewusztsein aber, eine thorheit früher vom theater weggepeitscht zu haben, möchten wir satirenmacher mit nichts vertauschen J. Paul lit. nachlasz 4, 128. —
wegpfeifen
1) durch pfeifen vertreiben: wenn ... sie (die fürsten) euch in tiefen thurn an ketten aufhingen, und der wächter euch den schlaf wegpfeifen müszte Göthe 8, 26 (Götz 1); ihr pfeift euern verdrusz weg Fr. Müller 3, 63; ein kandidat der theologie, den man von den brettern weggepfiffen hatte Matthisson 3, 166. 2) pfeifend ertönen lassen:
durch feld und wald zu schweifen,
mein liedchen wegzupfeifen,
so geht s von ort zu ort!
Göthe 1, 23. —
wegpflücken, abpflücken und wegnehmen:
herr Heime thät sich bücken,
die rose wegzupflücken,
damit wollt' er sich schmücken.
Uhland ged. (1898) 1, 188.
bildlich:
die rosen ihrer wangen sind
vom tode weggepflückt.
Hölty 17 Halm;
ward unsers lebens weide
so grausam in der blüthe weggepflückt?
Göthe 5, 32;
einen jüngling — in dem may der jahre —
weggepflükt in früher morgenblüth!
Schiller 1, 178. —
wegphantasiren: ich kleide mich in einen unschuldigen schäfer. wir kaufen uns eine heerde ... und so wollen wir das leben wegphantasiren Klinger theater 2, 352. —
wegphilosophiren
so wie es tiefsinnige geister gab, und noch giebt, welche uns die ganze religion platterdings wegphilosophiren, weil sie ihr philosophisches system darein verweben wollen Lessing 6, 15; dem armen, leidenden christen seinen heiland, bruder, und gott ... wegplappern, wegphilosophiren und sophistisiren J. M. Miller ged. anhang 455; weg mit dem verfluchten philosophiren! ich philosophirte mir den verstand weg Klinger Otto 106 (5, 10) neudr.
wegpicken
sieh, hier streu' ich dir auch hirsen, unschuldige
landkost; picke die körnchen weg.
Herder 27, 84 Suphan;
beschlossen dem dieb aufzulauern und fanden bald, dasz die dohle nach sonnenuntergang geflogen kam und ein goldstück wegpickte Grimm sagen² 1, 408. übertragen 'sich verschaffen' (nach dem engl.): er sagte ihnen ja, dasz niemand mit ihm aufs schieszen gegangen wäre, als er das feldhuhn wegpickte Bode gesch. d. Th. Jones 1, 271. —
wegpinseln
1) durch malen beseitigen: ich würde mich für beschimpft halten, wenn selbst Mengs in mein bildnisz eine griechische nase hinein korrigirte. so haben sie Holbein aus seinem herrlichsten gemälde weggepinselt und wegretuschirt Sturz 2, 399; Hackert, dem es gelang selbst vom golf Neapels den landschaftlichen zauber wegzupinseln Justi Winckelmann 2, i, 217. 2) durch malen ausführen: es (das bild) ist leicht weggepinselt ganz in seiner (Correggios) art Heinse 7, 137 Schüddekopf.
wegplappern
1) durch geplapper wegnehmen, s. wegphilosophiren. 2) plappernd vortragen: musz man aber das vatterunser langsam betten ... oder geschwinde wegplappern, wie die gansz den haber wegschnattert? Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 446. —
wegplatzen
platzend weggeschleudert werden: er ist wie ein schwärmer der sich plazzend bald an den bald an jenen unterrock hängt und gleich wieder davon wegplaz(t) Göthe 38, 488. —
wegplaudern
1) durch plaudern vertreiben: Lisette. sie sollen mir wahrhaftig nicht nachsagen, dasz ich sie weggeplaudert habe Lessing 1, 445 (freigeist 4, 8). durch plaudern wegnehmen: das (gehängt zu werden) kommt mir ungeschickt — läszt sich nichts davon wegplaudern? Schiller 3, 147 (Fiesko 5, 10); stunden ... die du mir ... vorher schon weggeplaudert hast Fontane I, 1, 340. 2) plaudernd von sich geben: und das plaudern sie dir so frisch bey jeder gelegenheit weg, dasz einer gar wohl merken kann, dasz es lauter gespasz ist Fr. Müller 1, 233; so oft haben wir in vertrauten gesprächen alles vom herzen weggeplaudert was uns lieb und leid war Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 19. —
wegpracticiren
mit gewandtheit entwenden (vgl. practiciren 6, schnell, gewandt und unbemerkt an eine oder von einer stelle bringen th. 7, 2052) Adelung: allwo er das zusammengestohlne geld liegen hatte, welches über 140 thaler betrug, die er innerhalb 4 wochen nach und nach wegpracticirt hatte Leipziger aventurier 2, 165; Harlequin aber practicirt ihm den beutel weg, ohne dasz er es merkt Lessing 4, 419; (kluge weiber, die) den trauring ... unterm gürtel fest am fischbein tragen, bis ein oder der andre pfiffige ritter das räthsel versteht, ihn da wegzupractiziren Fr. Müller 3, 120; (ich) schleich mich hinein, wo die mägde schliefen, praktizier ihnen die kleider weg, und heraus mit dem pak zum thor Schiller 2, 80 (räuber 2, 3 schausp.). —
wegprallen
zur seite prallen Campe: es war auch ein breiter, grauer fels da, ... von dem die sonnenstrahlen ohne geräusch wegprallten, dasz alle steinchen funkelten und glänzten Stifter 2, 153. —
wegpredigen
1) durch predigen beseitigen: es gibt gewisse eindrücke, die weder die philosophie wegzuvernünfteln, noch die religion wegzupredigen vermag Gotter 3, 17. 2) darauf lospredigen: er predigt dir, der henker hole mich, seinen stiefel weg, dasz es eine art hat Rabener 3 (1752) 40. —
wegprellen
zur seite prallen machen (s. prellen 2, th. 7, 2100); übertragen:
er (gott) mus warnehmen, richten zu,
mit arbeit, sahmen, spat und früh,
all hindernis wegprellen.
M. Liebig aus dem 65. psalm (1588) B 2ᵇ.
intr. wie wegprallen: es fuhr ein elektrischer schlag ... von ihm (einem engel) aus, und der arme Meraja prellte weit weg Jung-Stilling 2, 171. —
wegpreschen
forttreiben (s. preschen 'jagen, sprengen' th. 7, 2102): sie schertzen mit dem teuffel, gleich als köndten sie ihn augenblicklich wegpreschen L. Pollio vom ewigen leben (1583) 12ᵃ;
gedenckest du mit deinem albern dreschen
die maulwürff' aus den wiesen wegzupreschen,
so glaube nur, dasz dir wird keiner weichen,
denn dein geklapper wird sie nicht erreichen.
J. G. Schmidt gestriegelte rocken-philosophie 2, 154. —
wegpressen, zur seite pressen: als ob der strahl das händchen dort nicht endlich wegpressen, und das kindchen noch obendrein bespritzen würde! Lessing 10, 85. durch nötigung zu etwas heranziehen: ehe ich von irgend einem königlichen hause zum historiographen weggepresset würde, und gar nicht mehr zu haben wäre J. Paul Hesp. 1, 23. —
wegprügeln
er musz auff der gassen, für seiner pralerhafftigen thüre bleiben, und gott dancken, dasz man ihn allda nicht wegprügelt Herberger hertzpostilla 1, 562; will euch hunde all' zusammen wegprügeln, wo ihr nicht bald geht Fr. Müller 3, 314; o wie ich diese knechtsgesichter hasse, die als schlechte affen aus den vorsälen der palläste weggeprügelt zu sein scheinen! Arndt briefe an freunde (1810) 61. —
wegpusten
wegblasen. von Campe als nd. angeführt. es kommt auch für 'wegschieszen' (Fontane I, 5, 125) und 'wegstehlen' (vgl.wegblasen 1 am ende) vor Frischbier 2, 460.
wegputzen
das gewöhnlich daran (an den wurzeln) wachsende gummi musz man fleiszig wegputzen, so wächst der baum besser v. Hohberg Georgica 1, 439; den bart lassen sie gemeinlich überall ganz glatt wegputzen Valvasor ehre des herz. Crain (1689) 2, 302. in der umgangssprache gern übertragen (vgl. butzen 7 th. 2, 593, putzen 5 th. 7, 2833)
1)
durch hieb oder schusz vom körper trennen: weil Phocas sich behende bückte, ward das pferd getroffen, und ihm, mit der spitzen desz schwerts, ein ohr weggeputzt E. Francisci das alleredelste pferd (1670) 174; nachdem er dem sechsten den verrückten schedel, auf einen zwerchhieb, wie eine rübe weggeputzt hatte ehe eines weibes 394; es ist eine canonkugel, die unserm general den kopf weggeputzt Stranitzky Fuchsmundi 31 neudr. 'wegschieszen' auch ohne dat. Spiesz 277. Müller-Fraureuth 2, 646ᵃ: da lob ich mir die wilddieb, die's wild fein wegputzen Miller Siegwart 1, 151; ich hätt mir den himmel verdient, wenn ich den burschen weggeputzt hätte Auerbach 3, 48; er habe manchen landesfürstlichen jäger, der ihm in die quere kam, weggeputzt Pichler allerlei gesch. a. Tirol 12.
2)
geschwind und heimlich wegnehmen Schmidt Westerwald 324. Kehrein 440. Spiesz 277. Schütze 4, 354: es blieb mir nichts übrig, als sie (Philinen) euch zuletzt wegzuputzen, und dem rothen officierchen ist es denn auch endlich geglückt Göthe 23, 225; der pfarrer hat heut ein hirschkalb geschenkt kriegt; das wird ihm weggeputzt 38, 134; mach fort, musz nach meinem korb' sehen, dasz mir ihn niemand wegputzt Fr. Müller 2, 74.
3)
wegessen (eig. die schüssel säubern):
nun greift man zu von aller eck,
es putzen sich die schüsseln weg,
und bald sieht man sie leer.
die spaziergänge bey Leipzig (1781) 10;
von uns bekam der mann einen vogel, er aber putzte die übrigen dermaszen hurtig weg, dasz er fast mit uns zugleich fertig war Leipz. avanturier 1, 109; als eine menge von kranichen ... ankam, und ihnen alle ihre frösche so rein wegputzte, dasz ... nicht einer übrig blieb Wieland 19, 13 (Abderiten 1, 1);
he, bringe jemand dort aus dem hause feigen her
für diese ferklein! — puzen sie die wol weg? — der taus!
wie hinein sie schmazen, ehrenwerther Herakles du!
Voss Aristophanes 1, 58 (Acharner 815).
von getränk: eine flasche wein wegputzen Müller-Fraureuth 1, 179ᵃ.
wegquälen
1) durch qual von etwas entfernt halten: 'du bist ja mein bruder', rief die gemarterte blos durch todesangst vom tode der ohnmacht weggequält J. Paul Hesp. 3, 256. 2) in qual verbringen: in diesem erbarmungswürdigen zustande ... muszte dieser unglückliche dichter sieben jahre lang ... sein leben wegquälen Heinse 3, 258 Schüddekopf.
wegradiren
ausradiren Adelung. Matthisson nachlasz 1, 167. —
wegraffeln
s. raffeln th. 8, 56. wegraffen, mit gewalt wegnehmen. das mnd. wechrapen Lübben handwb. 560ᵇ, in hd. form zuerst von Schottel 653 verzeichnet, früher hauptsächlich von Norddeutschen und Obersachsen gebraucht (den meisten obd. mundarten ist raffen fremd), ndl. wegrapen. von personen, dingen, auch von abstracten:
honig die fülle wil ich euch schaffen,
dessen sollt ihr die menge wegraffen.
Reinicke fuchs (1650) 65;
ein geist der feuer fühlt, des sinn wird weggerafft
von allem niedrigen.
v. Zesen verm. Helikon 1, B 3ᵇ;
Jachus safft
hat manchen kummer weggerafft.
geharnschte Venus 85;
der hencker weisz, wer die (die jungferschaft) schon längst hat weggerafft.
Ch. Reuter Harlequins hochzeitschmaus 64 (entrée XIV);
durch schweisz erworb'nes gut
wird plötzlich weggerafft (im kriege).
Brockes Weichmanns poesie d. Niedersachsen 1, 5;
zuletzt im getümmel des tanzes
weiber die braut wegraffen, mit lautem gekreisch sie entführend
ins kranzlose gemach!
Voss ged. 1, 186;
als pilger klug, als gast freigebig, prächtig,
hat er (Rother) als held zuletzt sie (die kaisertochter) weggerafft.
Göthe 4, 34 Weim. ausg.;
ach! zum erdenglück geboren,
hoher ahnen, groszer kraft,
leider! früh dir selbst verloren,
jugendblüthe weggerafft.
15, 238 (Faust 2, 9918).
ein dat. bezeichnet den beraubten:
sonst mustu, wenn seine krafft
dir das leben weggerafft,
geben schwere rechenschafft.
V. Thilo Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 113;
dann such ein schönes kind ...
dem noch kein geiler wind die blüthe weggerafft.
Neukirch ged. 129;
durch deiner höflichkeit huldreiche zauberkrafft,
die deinen feinden oft die herzen weggerafft.
König ged. 270.
im anschlusz an den biblischen sprachgebrauch entwickelt sich besonders die bed. 'ums leben bringen' (von menschen und thieren): das ich sol Jacob zu im bekeren, auff das Israel nicht weggeraffet werde Jes. 49, 5; es werden auch die thiere auff dem felde, und die vogel unter dem himel ... weggerafft werden Hos. 4, 3; also hat er wol sechs hundert tausent weggerafft, darumb das sie ungehorsam waren Sir. 16, 11; gott der rechte visitator und richter wirt kommen und die undanckbare welt heymsuchen und straffen, und die frommen wegraffen Luther tischr. 256ᵃ; die gerechten werden für dem unglück weggerafft Petri 1, B 4ᵇ; werden ... sie vom tode oder anderm zufall übereylet und weggeraffet Schupp schriften 548; darauff eine pest erfolget, die den dritten theil der welt fast weggeraffet Prätorius reform. astrol. 165; obgleich die feldschlangen mannschaft zu beyden seiten neben mir wegraffeten Bräker 1, 153; im elegischen tone des pachters, dem eine seuche den viehstand wegraffte Matthisson 3, 34;
die ritterschafft gefangen,
der edlen helden Horn sampt Egmund weggerafft,
die städte leer gemacht.
Opitz 3, 305;
wenn nur das schwerd nicht alle weggeraft.
Gleim preusz. kriegsl. 44 (12, 254);
jenen rafft indesz das alter weg,
eh' er zum ziel gelangte.
Herder 26, 161 Suphan;
auf, Frankreich! greife zu den waffen,
die blutgen frevler wegzuraffen.
27, 363;
drey söhn', ...
sie wurden durch die pest ihm plötzlich weggerafft.
Wieland 23, 82 (Oberon 8, 19, 3);
seht, die katz' ist angeschafft,
und der ratz' ist weggerafft.
Rückert werke 2, 457.
wegragen, mit localen best., nach einer richtung hin ragen: er war von geschöpfen umringt, die drittehalb fusz über ihn wegragten Bode Yoricks empf. reise 1, 161;
liesz ich mirs so viel kosten, in die höh
zu kommen, über die gemeinen häupter
der menschen wegzuragen.
Schiller 12, 279 (Wallenst. tod 3, 4). —
wegrapschen, wegrapsen, mit gewalt wegnehmen. in nd. und md. umgangssprache (s. rapsen th. 8, 121): ich hätte einen thaler für ein stück von dem chesterkäs gegeben, den mir die russische diebshand in Pleskow weggerappst hatte Arndt wanderungen mit Stein 107;
was will denn krallichter sagen? dieses ungefähr,
dasz krallen gleich er die hände zum wegrapsen krümmt.
Voss Aristophanes 1, 106 (ritter 205). —
wegrasiren, z. b. den bart, übertragen bäume, ein haus u. dgl.
wegräsonniren
durch vernunftgründe beseitigen: auch dieser tractat will die ganze lehre der schritt von dem teufel wegräsonniren Göthe 37, 151 (vgl. 22, 346); liebe ... verkleinert des geliebten fehler, wenn sie dieselben nicht wegräsonniren kann O. Ludwig 5, 369. —
wegraspeln
durch raspeln wegschaffen Campe. bildlich: ich möchte meinen kindern (dichtungen) gern die höcker wegraspeln, eh sie in die welt gehn Hölty ged. 253 Halm. wegrauben, durch raub wegnehmen. im wesentlichen poetischer ausdruck:
der ober-stand raubt hin den letzten bissen brot ...
der unterthan raubt weg gehorsam, pflicht und treue.
Logau 1, 3, 33 (s. 63 Eitner);
warüm sol ich mein hertz mit grämen täglich fressen ...
obschon die feuersbrunst das meine weggeraubt!
Neumark fortgepfl musik.-poet. lustw. 1, 139;
Apoll schickt sie von Delphi diesem ufer
mit göttlichen befehlen zu, das bild
Dianens wegzurauben und zu ihm
die schwester hinzubringen.
Göthe 10, 84 (Iphigenie 5, 3);
in dieser nacht raubt' ich die jungfrau weg
und brachte sie verborgen nach Messina.
Schiller 14, 45 (braut v. Mess 1, 7);
hört und wiszt! verschwunden
ist meine Bertha, heimlich weggeraubt,
mit kecker frevelthat aus unsrer mitte!
14, 387 (Tell 4, 2);
gieb, räuber, aus dem felsverliesz
die tochter mir zurück! ...
vom tanz auf grünem strande
hast du sie weggeraubt.
Uhland ged. 209 (1898) 1, 146.
bergmännisch 'mittelst raubbaus gewinnen' Veith 566 mit beleg von 1735.
wegrauchen
1)
intrans. sich als rauch verflüchtigen: das wasser ist ... ein flüchtiger, unbeständiger cörper, der kein feuer leiden kan, und durch eine gar geringe wärme zu einem dunst wegrauchet Knorr v. Rosenroth pseudologia (1680) 98.
2)
trans. rauchend verbrauchen: er ... hatte eine cigarre nach der andern von einem vor ihm stehenden teller ... weggeraucht Gutzkow zauberer v. Rom 2, 190; er hat mir schon allen meinen knaster weggeraucht Campe. refl.: der tabak raucht sich gar zu schnell weg. —
wegräuchern
durch räuchern vertreiben: zu nutz und frommen des guten weibes den Asmodi aus der ehekammer damit wegzuräuchern Musäus volksmährchen 1, 49 Hempel; mach, dasz er morgen aus dem wege kommt, sonst räuchere ich ihn weg Gotthelf 9, 14. —
wegraufen
ausraufen und wegnehmen: sonderlich (die federn) die sie (die gänse) oben an den beinen haben ... musz man ihnen nicht allzuhoch hinauf wegrauffen v. Hohberg Georgica 2, 337.
wegräumen
(bei Süddeutschen früher wegraumen, auch bei Gryphius trauersp. 96 Palm, noch bei Harsdörffer gesprechsp. 5, 217, v. Hohberg Georg. 1, 427, Haller Fabius 257).
1)
aus einem raum entfernen: die malzeit werte nicht wol eine stunde; wurt alles weggerumet, sessel und disch zusamengeschlagen Sastrow 2, 88; das man gleich alle teller und platten vor euch hat muͤsen wegraumen Garg. 18 neudr.; indesz hatten die schiffleute tisch und stühle aus der barke weggeräumt Matthisson 3, 8; bis graf Heinrich ... den altar und die bilder und stühle wegräumen und hier einen eszsaal einrichten liesz Heyse nov. 1, 250;
raum alles weg! trag ruthen, zeug und licht
an den bestimmten ort!
Gryphius trauersp. 96 Palm (Leo Armenius 4, 2).
überhaupt 'aus dem wege schaffen': bäume und alles vor der statt wegraumen Kirchhof milit. disciplina 22; alsdann wird (der kohlenmeiler) weggeraumet ... die kohlen heraus genommen Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 325; die drei männer sagten darauf: 'geh hinter unser haus und räume den schnee weg' Grimm märchen 1, 45;
allein lasz sehn was unten steckt.
er räumt die hülse (der mandel) weg und kömmt nun auf die schaale.
Pfeffel poet. versuche 4, 97.
bildlich, hindernisse u. dgl. wegräumen:
er reumt aus unsern wegen weg
des unglücks scharfen stein.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 401ᵇ;
einen tag voll weiser freude
dem schaffen. dem ich jeden stein
wegräumen mögt'.
Goekingk 1, 283;
wenn sie (die menschen) die religion weggeräumt haben wie alten schutt, ... dann erwarte ich (der teufel) sie! Klinger 3, 26; ich soll ... hindernisse wegräumen von welcher art sie auch seien Göthe 24, 182 Weim. ausg.; es ist vielleicht nicht übel gethan einen solchen anstosz gleich wegzuräumen briefe 25, 140. von andern abstracten: ob du aber ... mit solchen gedancken angefochten würdest ... das wil er auch wegreumen Luther 28, 116, 16 Weim. ausg.; das man dasselbige recht predige und ... wegreume was sich damit nicht reimet 32, 356, 24; durch gebrauch der vernunft die vorurtheile in der religion wegzuräumen Nicolai Seb. Nothanker 2, 74; aber auch diese theorie reicht nicht hin, alle einwürfe wegzuräumen Schiller 1, 86; nur ein paar worte, um zwei miszverständnisse wegzuräumen Gentz 3, xxxi;
oft dient ein irrthum nur den andern wegzuräumen.
Rückert werke 8, 64;
denn so lang die lebensquelle
an der lippen rande schäumt,
ist der jammer weggeräumt,
fortgespült in Lethes welle.
Schiller 11, 395.
2)
jemand wegräumen, ums leben bringen (zunächst jemand, der einem hinderlich ist, beseitigen): ich wil sie zestoszen, wie staub fur dem winde, ich wil sie wegreumen, wie den kot auff der gassen ps. 18, 43; ich wil die menge in Egypten wegreumen, durch Nebucad Nezar Hes. 30, 10; der von anfang seiner kirchen tyrannen, ketzer und falsche brüder grewlich hat weggereumet Mathesius handsteine 9 Lösche; ein seuch ... welche jetzt die menschen, denn die schweine, nun die schafe ... und das übrige viehe wegreumet und sehr verletzt theatrum diabolorum 115ᵇ; so wird dich die keyserin sampt deinem geschlechte ... ausztilgen, und euch also wegreumen schausp. engl. comödianten 32, 29 Creizenach; kein gott, ... hindert ihn ... seinen nebenbuhler bey einer verlangten würde wegzuraumen Haller Fabius 257;
so hab ich (herzog Heinrich v. Braunschweig) gewünscht oft und getracht,
wie in eim hui mit gesambter macht
ich die lutrischen ketzer all
wegreumen möcht flugs auf einmal.
Schade satiren 1, 132, 196;
jen' (die soldaten) aber räumen weg den wirth, und auch sein haus.
Logau 1, 5, 28 (s. 104 Eitner). —
wegräumung, f. abstractbildung zu wegräumen nach seinen verschiedenen bedeutungen: das studirzimmer des directors ... und das ... schlafgemach der beiden töchter ... sind durch wegräumung des arbeitstisches ... und der betten in salons umgeschaffen Spielhagen 2, 169; nach wegräumung der pallisaden und pfäle H. v. Kleist 3, 175 E. Schmidt; wie er denn auch ... ihn auf ... wegräumung einiger dem verlangten kriege im wege stehender hindernisse vertröstete v. Lohenstein Arminius 1, 175ᵃ; weil sie (die vernunft) ihrem wesen nach auf vollendung und wegräumung aller schranken dringt Schiller 10, 324; also könnte man von mir auch die wegräumung dieses vorurtheiles begehren Bodmer v. d. wunderbaren vorr. 6; was ... die wegräumung schlaffer gewohnheiten in sitten und künsten ... gewirket, zeigt eine vergleichung der jahrhunderte Herder 22, 209 Suphan; also wird ein fürst, ..., wohl auch befugt seyn ... innere feinde ... zu züchtigen und sich und die seinigen sogar durch ihre wegräumung in sicherheit zu sezen v. Haller restaur. d. staatswiss. 2, 197;
was diese kriegerischen lords bewog,
war, dasz (nach wegräumung des jungen Richard,
der keinen erben liesz von ihm erzeugt)
ich von geburt und sippschaft war der nächste.
Shakespeare 7, 25 (Heinrich VI. 1. th. 2, 5).
wegrauschen
1)
intr. rauschend sich entfernen:
im gebyrge
das ostwärts diese flur umthyrmt; da rauschet
ein schneher bach von seinem ursprung weg.
Wieland 1, 418 Berl. ausg.
übertragen:
so rinnt und wogt vom herzen mir sich los,
so rauscht es weg, was mir die zeit gehäuft.
Hölderlin 2, 227 Litzmann.
2)
trans. durch rauschen verschwinden machen: dasz du genau hinhorchst! sonst rauschen dir strom oder sturm das wiehern weg Klopstock 10, 175 (Hermanns tod 2). —
wegrechnen
abrechnen: wenn ich neben ihm trete, und du dies postement da wegrechnest, ist es nicht ... kleiner Meiszner Alcibiades 1, 28; einige wenige speculationen ... weggerechnet, ist er (Moor) ganz handlung Schiller briefe 1, 43 Jonas; des feindes verlust betrug gegen dreihundert mann; geringer war, die schönen pferde weggerechnet, der unsere Schilling bagatellen (1799) 101; diese zimmereintheilung ... weggerechnet, so ist das gebäude ... die herrlichste conception von einem stadthause Hegel 19, ii, 110. —
wegreden
durch reden beseitigen: leiden kann man leichter wegreden als wegschreiben J. Paul herbstblumine 2, 15. refl.: es hilft nichts, sich das wirkliche an der sache wegzureden Ruge briefw. 2, 65 Nerrlich. von etwas: ich habe ... vom herzen weggeredet was sich seit jahr und tag angesammelt Görres ges. briefe 3, 63. vom herzen, von der leber wegreden s. auch sp. 2937. —
wegreiben
1) durch reiben beseitigen: einen flecken wegreiben Ludwig 2409. 2) durch reiben aufzehren: atterendo laedere, mutilare, perimere Stieler 1508; wenn ich mich an euch (dem schneider) reibe, so reib ich mit einem strich den ganzen kerl weg O. Ludwig 2, 312. wegreise, f. seit dem 17. jahrh. belegte abstractbildung zu wegreisen: wüstet ihr, herr vater, meine geschäfte, ihr würdet mich selbst antreiben zur wegreise kunst über alle künste ein bös weib gut zu machen (1672) 121 Köhler; wie die stunde ihrer wegreise herzu genahet selzame liebes-händel (1691) 238; mein dasein ist seit ihrer wegreise etwas umzogen gewesen, wie es bald nachher der himmel war Knebel an Herders gattin (von und an Herder 3, 161). von vögeln: man findet ihn (den binsenrohrsänger) noch den ganzen september hindurch auf der wegreise Naumann vögel 2, ii, 691. —
wegreisen
von einem ort reisen, abreisen: der gute herr sollte auff eine zeit eilends wegreisen, bestellt eines metzgers rosz, setzet sich darauff Hertzog die schiltwache C 2; lassen sie mich nicht ohne ... hoffnung wegreisen Rabener 3 (1752) 27ᵃ; noch dieselbe nacht reiste ich von Neapel weg Göthe 43, 200 Weim. ausg.; dann und wann rollte auch ein einspänner vorüber, wohlbepackt mit studenten, die für die ferienzeit oder auch für immer wegreisten Heine 3, 18 Elster. von handwerksgesellen 'auf die wanderschaft gehen': weil bei diesem herrn Schubart ein geselle gerne wegreisen wollte, und auszer zeit kein frembd gesell da war J. Dietz lebensbeschreibung 33. von vögeln 'nach süden ziehen': die wilden gensz und schwanen ziehen auch von uns hinweg, gleich als wie die storcken, allein dasz man sie sihet wegreisen Heyden Plinius 439; gegen winter reisen sie weg und kommen zur gewissen zeit wieder Prätorius winterflucht d. sommervögel 144. der subst. inf.: die er ... voller thränen antraff, die diese beyden über sein wegreisen mildiglich vergossen Ant. Ulr. v. Braunschweig Octavia 4, 509.
wegreiszen
1)
von seiner stelle reiszen; als subject erscheinen menschen, naturgewalten u. a.: als er vom altar mit gewalt weggerissen, wird im ein gifft bracht, die solle er austrincken E. Menius chronica Carionis (1560) 1, 138ᵃ; mit diesen worten risz er meinen freund mit sich weg Göthe 25, 226 Weim. ausg.;
das schaaf ist weggerissen aus den hürden.
Herder 12, 75 Suphan;
die hohe woge trägt mich zum entschlusz,
sie reiszt mich wieder weg.
Göthe 9, 338 (Mahomet 1373);
so oft der strom der masken ihn wegrisz, immer war er ihnen wieder zur seite Hauff 2, 196; das gedränge risz ihn weg Schiller 4, 207. 'abreiszen und wegschaffen': wer wollte alle schlösser und riegel wegreiszen, wenn mahl ein dieb gehangen Jahn merke 154;
mit diesem scharfen steine hab' ich sie
glatt an der wurzel weggerissen.
Göthe 39, 205 (Prometheus 254).
häufig im sinn 'aus seiner stellung, lage bringen, umreiszen und wegschaffen': es komen wasser herauff von mitternacht, die ... beide stedte, und die so drinnen wonen, wegreiszen werden Jer. 47, 2; solche (heiligenbilder) mag man wegreiszen Luther 28, 678, 18; soll man ... vorgehabt haben ... die gantze seule wegzureiszen und in die Tyber zu werffen Prätorius anthropod. plutonicus 2, 220; so sie (beim brand) die nebenhäuser wegreiszen können, so thun sie es Olearius verm. reisebeschr. 158; eine mauer bis auf den grund wegreiszen Nieremberger;
dieser brausende strom,
risz er am quell
brücken und mauern weg?
Herder 27, 115 Suphan;
eine kugel kam geflogen,
gilt's mir oder gilt es dir?
ihn hat es weggerissen.
Uhland ged. (1898) 1, 184.
2)
einem etwas wegreiszen, mit gewalt wegnehmen: darumb hieszen diese böswicht ir den schleier wegreiszen, damit sie verhüllet war Sus. 32; der wind risse mir den hut samt der parucke weg Kramer t.-ital. 2, 322ᵇ; ich ... kriege meinen kujon zu packen, und reisze ihm den knüppel weg Immermann Münchh.² 3, 32; Rüpel ... erwischte den Magog ... beim rockzipfel und risz ihm einen schosz seines alten frackes glatt weg v. Eichendorff 3, 457; die pistole des andern war geplatzt und hatte ihm die halbe hand weggerissen v. Holtei 162. refl.: er hat sich bald den kopff um dich weggerissen Ch. F. Weisze kom. opern 3, 90 (die jagd 2, 3). bildlich: ihr ... habt auch erfaren müssen, wie einem zu mut ist, dem gott ein stück vom hertzen wegreyszet Mathesius handsteine 5 Lösche.
3)
übertragen ist wegreiszen
a)
jemand mit gewalt entfernen, loslösen, wegnehmen (von, aus): er ist aus dem lande der lebendigen weggerissen, da er umb die missethat meines volcks geplagt war Jes. 53, 8; wen dieser (Christus) aus den augen wegkgerissen wirdt, so ist man dahin Luther 33, 391, 25 Weim. ausg.; sind diejenige kinder unglückseelig, die allzu zeitlich und frühe von der mutter brüsten weggerissen wurden Dannhawer catechismusmilch 1, 18;
vom altar
risz mich die göttin weg und rettete
hierher mich in ihr eigen heiligthum.
Göthe 10, 52 (Iphigenie 3, 1);
aus der zeitfluth weggerissen schweben
sie gerettet auf des Pindus höhn,
was unsterblich im gesang soll leben
musz im leben untergehn.
Schiller 11, 7 (götter Griechenlands);
ihr reiszt mich weg von meinem glück.
12, 324 (Wallenst. tod 3, 23);
doch weggerissen von der heimatlichen flur,
vom vaters busen, von der schwestern lieber brust
musz ich (Johanna) hier ... ein gespenst des schreckens würgend gehn.
13, 243 (jungf. v. Orl. 2, 7).
auch herz, auge:
also kan nichts mein hertz (zu gottesdienst nicht träg)
von meinem got wegreiszen.
Weckherlin 2, 45 Fischer;
er risz, von erinnerung gestochen, das auge davon weg; 'was geht er mich mehr an', dacht' er J. Paul Hesp. 2, 104. refl. sich losreiszen und weggehen: hatte er sich mit seiner lauten von der gesellschaft weggerissen Schupp schriften 138; ich sah, wie daher der muth kam, mit dem sie sich wegrissen aus den armen untröstlicher freunde Zimmermann über die einsamkeit 1, x; gehn sie! ich bitte sie, beruhigen sie sich. ich risz mich von ihr weg Göthe 19, 139; ich kan mich diesmal vom schreibtisch kaum wegreiszen J. Paul briefwechsel 19 Nerrlich. auch ohne best.: ich risz mich nun weg, empfahl mich ihrem bruder herzlichst und eilte fort G. Forster 7, 238.
b)
hinreiszen, in seine gewalt bringen: si veniret Schwermerus, Turca, wurde er viel schwacher christen wegreiszen Luther 32, 151, 21 Weim. ausg.; unverschens wird er dich wegreiszen, du wirst ein sklave eines edelmanns werden Göthe 8, 67 (Götz 1); jeder grosze künstler reiszt uns weg, steckt uns an 48, 211; er ist ein mann worden, und musz mit diesem reinen gefühle seiner selbst, mit dem er auftritt ... alle herzen wegreiszen 11, 109 (Clavigo 4); töne, die die seele wegreiszen und aufheben und auf höhen stellen wollten, damit sie in weite frühlinge des lebens hinunterschauete J. Paul Tit. 3, 109; sich von seinen begierden, gelüsten usw. wegreiszen lassen Kramer t.-ital. 2, 322ᵇ; wie können künstler so sich von der unruhe des tages erschüttern, ja wegreiszen lassen! Gutzkow ritter vom geiste² 3, 313.
c)
im älteren nhd. 'vernichten, beseitigen': ehe ewre dornen reiff werden am dornstrauche, wird sie dein zorn so frisch wegreiszen ps. 58, 10; sihestu den armen unrecht thun, und recht und gerechtigkeit im lande wegreiszen pred. Sal. 5, 7; ehe man solch recht und freiheit liesze wegreiszen und darwidder handlen, solt man ehe druber sterben Luther 15, 616, 29 Weim. ausg.; so hat uns gott den trotz weggerissen, das wir darauff nicht bawen, das nicht gilt 24, 338, 32; das der teuffel nicht die lere wegreisze noch verkere 34, ii, 372, 35;
so würde, förcht ich, mir mein leben weggerissen.
Opitz t. poem. 52 neudr.;
sie (die wahre freundschaft) dringet sich nicht ein, was gutes zu genieszen.
wird weder durch gefahr, noch furchte weggerissen.
op. (1690) 3, 317.
auch von menschen: darumb sie gott schröcklich lesset wegreiszen, weil sie lauter tyranney, mutwill, und unzucht trieben Mathesius Sarepta 86ᵃ.
wegreiten
die köche riten für enwec.
W. v. Gravenberg Wigalois 226, 35;
Klas narr rait mit dem zeug auch weck.
H. Sachs fab. u. schw. 6, 946, 26 Götze-Drescher;
sie will aber kurtzumb von hin,
ist auch schon fertig wegzureyten.
Ayrer 974, 20 Keller;
der (nachtwandler) setzt sich auf das holz und meinet wegzureiten.
Fleming 1, 115 Lappenberg;
er des morgens aufgesessen und weggeritten wasz Decamerone 181 Keller; der herr sei, nach seiner gewohnheit, ganz früh weggeritten Göthe 24, 94 Weim. ausg. mit obj.: ist von einem gestohlnen pferd die frage, so sitzt ein reiter darauf, der es wegreitet J. Möser 1, 261. sprichwörtlich: wie man spricht Traw reyt das pferd weg Luther 18, 437, 16 Weim. ausg.; Trawwol reits pferd weg Schottel 1113. wegrennen, das pferd von einem ort laufen lassen (vgl. mhd. rennen Lexer 2, 404):
disz fräwlein (Angelika) aber stracks ihr pferd zurücke wandte
und mit verhengtem zaum hin durch den wald wegrandte.
D. v. d. Werder ras. Roland 6.
jetzt 'eilig weglaufen':
sonst nichts? ich bin darum vom nachttisch weggerannt.
J. E. Schlegel 4, 275 (die gröszte verwegenheit 1);
(sie) besehn mich von oben bis unten, weil ich so im einfachen rock aus der werkstatt weggerannt war Heyse nov. 1, 89. mit localen best. auch nur 'sich rasch vorwärts bewegen': so verfall du mit dem rappier darnieder zur erden gebogen, dasz er so uber dich wegrenne Sutorius fechtbuch 83; die welt rennt unter einem weg wie der schrittschuh, man musz sich vorwärtsbeugen um nur nachzukommen Göthe briefe 28, 62 Weim. ausg. wegreuten, ausjäten (noch bei Campe angeführt, jetzt veraltet): es ist niemand, der begehrte etwas (unkraut) auszujäten oder wegzuräuten v. Hohberg Georg. 3, 43ᵃ. bildlich: nun ist die weltweisheit ... gleichsam ein bau der gemüther ... welcher die laster von grunde aus wegreutet Prätorius winterflucht d. sommervögel 373. —
wegrichten
'von etwas weg nach einer andern gegend richten' Campe. im älteren nhd. für 'hinrichten, umbringen': do ... wurdent die antrager dirre verreterye gefangen und heimeliche enweg gerihtet Königshofen städtechr. 9, 617, 5; sie ... worffen in ... mit steinen zu tod ... gott hab imer lob, das er die gottlosen so hat weggericht 2. Macc. 1, 17; ye mer er solcher schar wegkricht, ye heyliger er ist Luther 34, ii, 87, 24; (bergleute) die das böse wetter vor der zeit wegrichtet Mathesius Sarepta 146ᵇ; vil leut gefoltert und grewlich weggerichtet worden historie d. Luthers 308 Lösche;
so bleib es nun bey dem beschlusz!
den könig man wegrichten musz.
Ayrer 821, 6 Keller.
wegringeln, refl.: die grüne schlange wälzte sich von seiner brust herab ... und ringelte sich glitzernd und riesenlang von ihm weg O. Ludwig 2, 148. —
wegringen
durch ringen wegschaffen:
seh ich (die kunst) dich auch, von drachen noch umschlungen,
Laokoon, der wahrheit priester du?'
von deiner brust hast du sie weggerungen,
die ungeheur, und athmest hohe ruh.
Herder 28, 273 Suphan.
wegrinnen, wegflieszen: difluere, dimanare Stieler 1612. übertragen:
das kleinliche ist alles weggeronnen.
Göthe 16, 328 Weim. ausg.
wegrollen. 1) intrans. von einem ort rollen. von einer kugel, steinen, rädern, gewässer, dünsten (mit best.):
immer nach euch klimmt' ich empor, und es rollt mir,
was ich errang, wie der kies, unter den füszen
weg.
Platen 108 (ode 5);
er (der Tafelberg) ist steil und, wegen der vielen losen steine, die unter des wanderers füszen wegrollen, mühsam und schwer zu ersteigen G. Forster 1, 73; als die räder nicht mehr rasselten, und still auf ebnem feuchtem sande wegrollten Heinse 6, 150 Schüddekopf; da ihr wagen über den fröhlichen wald wegrollte J. Paul Titan 3, 50; die häuser stehen längs des baches, der ... zwischen felsen wegrollt Auerbach 11, 4; der düstre nebel rollte einen augenblick vor seinem geiste weg Klinger 5, 26. übertragen von musik: sein allegro rollt so leicht und zwanglos weg Schubart ästhetik d. tonkunst 145. 2) trans. von einem ort rollen machen:
er eilt, vom thor ein felsstück wegzurollen.
Gries Ariosto's ras. Roland 1, 97.
rollend bewältigen: sie (die automobilisten) jubelten, wenn sie diese buckel mit der zweiten, ja mit der dritten geschwindigkeit hinter sich weggerollt hatten R. H. Bartsch bittersüsze liebesgeschichten 264. —
wegrosten
1) intr., durch rost verzehrt werden: die verzierung ist schon weggerostet Campe. 2) trans., durch rost verzehren: wo du ymand umb ein gülden teuschest und verforteylest, sol dirs den gantzen hauffen wegrüsten (Jen. ausg. wegrosten) und fressen Luther 30, i, 167, 7 Weim. ausg.
wegrücken
älternhd. auch wegrucken (Luther 32, 371, 15. 34, ii, 384, 21. H. Sachs 2, 72, 16 [part. wegkgerucket]. v. Hohberg 2, 96. Steinbach 2, 305 [part. weggeruckt]. Campe als intrans., s. u. O. Ludwig).
1)
intrans., von einem ort rücken: se déplacer, faire place Rondeau;
rückt weiter weg! so weit, wie nach der sitte
der menschen sich, getrennt von einem mann,
ein tugendsames mädchen betten kann.
Shakespeare 1, 212 (sommern. 2, 2);
grob behandelten sie mich, wenn ich sie besuchte, im kruge rückten sie von mir weg Immermann Münchh.² 4, 30; was! schreit der Christjahns und ruckt mit seinem stuhle einen ganzen schritt von ihr weg O. Ludwig 2, 484; wir sehen die schwarze kreisrunde mondscheibe in den rechten oder westlichen rand der sonne eintreten, und nach osten über ihr wegrücken v. Schubert verm. schr. 2, 135. von heeresmassen: mit dem kriegsheere wegrücken Steinbach 2, 305; wie der feldmarschalck den fünffundzwanzigsten aprilmonats mit der armee von Magdeburg wegrückte v. Chemnitz schwed. krieg 2, 996. weidmännisch: nach jedem ... beschlag beim elenwild schlüpft das thier unter dem hirsch hinweg, entrückt sich, rückt weg, statt dasz der hirsch selbst, wie beim rothwild, abfiele Behlen lex. der forst- u. jagdkunde 6, 331.
2)
trans., durch rücken von einem ort entfernen: es heist nicht den fus wegrucken und davonfliehen Luther 32, 371, 15; wann vornen zu den röhren des helms ein rauch beginnet heraus zu gehen (beim destillirofen) ... so musz man das feuer flugs wegrucken oder sonst dämpffen v. Hohberg Georg. 2, 96; den topff vom feuer wegrücken Nieremberger; als sich die herren ... mit einer verbeugung erhoben und ihre stühle wegrückten Freytag 4, 66; einen damenstein wegrücken Campe;
wer reines herzens
in diesen brunnen sich hinunter läszt,
rückt, wie ein sandkorn, diesen felsen weg.
Schiller 5, i, 14 (dom Karlos 1, 1).
übertragen 'fern rücken, entziehen': da kan er (der teufel) so mancherley gedancken furgeben, dadurch er dir das wort wegrucke odder verkere Luther 34, ii, 384, 21;
beglückte güldne zeit, geschenk der ersten güte,
o, dasz der himmel dich so zeitig weggerückt!
Haller ged. 21 Hirzel.
mit best.: mein erster traum, wie ich mit Lothario leben würde, ist weit von meiner seele weggerückt Göthe 23, 194;
meine sinne, meine geister,
witz, gedanken und gemüth
werden, wenn sie sie (die sonne) erblicket,
gleichsam aus mir weggerücket,
und in ihren hellen schein
senkt sich selbst die seel' hinein.
Brockes⁴ 2, 428;
vergebt, ihr herren.   mein verstörter kopf
war in vergangne zeiten weggerückt.
Schiller 13, 21 (Macbeth 1, 6).
jemand wegrücken 'entrücken' (von, aus):
die götter doch erbarmet das
und wurd die jungkfraw hingezucket,
in eynem nebel wegkgerucket.
H. Sachs 2, 72, 16 Keller;
da rücket' ihn Zeus schnell von dem stadium weg
näher hinauf zu den sternen.
Herder 26, 119 Suphan;
der messe hochamt rief mich zum gebet,
und, da ich von den knieen jezt erstanden,
die ersten blicke schnell auf dich sich hefften,
warst du aus meinen augen weggerückt.
Schiller 14, 57 (braut v. Mess. 2, 2).
aus dem leben abrufen:
nun hat ja der lebenstürst ... unser fräulein weggerükkt
und aus diesem weltgefängnüsz zu sich himmel-auf gezükkt.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 2, 68;
diese seuchen seind trieffende augen, raude, aussatz, tödliche hauptkranckheiten, welche die menschen in wenig tagen wegrücken Dapper Africa (1671) 127ᵇ ; und so ist Lessing auch aus unsrer mitte weggerückt Herder 15, 33 Suphan. wie berücken (vgl. rücken 2 ζ th. 8, 1360):
wie wann ein steller sich bey seinem garne hat
in den gemachten pusch betrüglich hingesetzet.
und rückt die vögel weg.
Opitz 3, 39. —
wegrückung, f.: der theilchen Kant 8, 306; des angegriffenen stücks (beim schachspiel) Heinse 6, 405 Schüddekopf. musikalisch wie verrückung 'eine nur kurze zeit dauernde oder aus gewissen absichten glücklich veranstaltete zerstörung der harmonie' Sulzer theorie d. schönen künste 4, 654.
wegrudern
1) intrans. vermittelst ruderns sich entfernen: es waren die flüchtlinge, die ... von der küste wegruderten Becker weltgesch. 1, 235. übertragen: du bist glücklich über die brennendsten fragen der leidenschaftlichkeit weggerudert P. Cornelius liter. werke 1, 417. 2) trans. durch rudern entfernen: den kahn von einem pfahle wegrudern Campe.
wegrufen
durch ruf zum weggehen auffordern: avocare Stieler 1629; als das mädchen dann weggerufen wurde v. Eichendorff 3, 76; rufen sie den häszlichen hund weg, herr Hummel, rief Dorchen Freytag 6, 302. von der berufung in ein anderes amt: da Götz von hier weggerufen ist Göthe briefe 19, 765 Weim. ausg. übertragen:
(die gefühle) die ich im ersten leben empfand, da der tod mich wegrief.
Klopstock Messias 11, 1157;
wenn wirst du (liebe) mich endlich verlassen?
wenn wegrufen den schmerz, der alles in trübe bilder,
alles in thränen um mich verwandelt?
15, 1381;
mich rufen andre sorgen weg von hier.
Göthe 9, 427 (Tancred 1419);
mich ruft nun unerbittlich meine pflicht
von deiner seite weg.
Collin Regulus 98 (3, 4). —
wegrümpfen, durch spöttische, verächtliche äuszerungen beseitigen: das brauche ich nicht zu beweisen, und das kann kein modespott wegrümpfen Herder bei Campe.
wegrüsten refl.
sich zum abmarsch rüsten: als er (der herzog) mit seiner samlung (heer) sich weg rüste U. Füetrer bayer. chronik 190, 8 Spiller.
wegrutschen
übertragen: die zeit rutscht weg, man weisz nicht, wo sie hinkömmt Göthe briefe 23, 242 Weim. ausg. in der studentensprache 'von der schule abgehen' Kluge 139. —
wegsäbeln
mit dem säbel weghauen: wir haben jetzt eine ganze karawane Maltheserritter bey uns, die der durchlauchtige Karl Theodor von dem Bayerlande ... ausgesendet, die Türkenköpfe wegzusabeln Heinse an Gleim briefw. 2, 320 Körte.
wegsacken
untersinken, unters wasser oder den horizont Stenzel seemänn. wb. 460ᵃ: zwischendurch knallten sie ein paar seeräuber entzwei, dasz sie mit mann und maus wegsackten E. G. Seliger top (1910) 84. aus dem nd., vgl. sacken III th. 8, 1622, ndl. wegzakken. —
wegsagen
durch sagen abwenden: um ein böses omen abzuwenden, wirft man die am leibe herab hangenden arme nach hinten und sagt dazu: 'weg gesagt' Schleicher volksthüml. aus Sonneberg. 144. von der brust, dem herzen, der leber wegsagen 'frei heraus sagen' s. sp. 2937. —
wegsägen
absägen und fortthun Kramer t.-ital. 2, 410ᵇ: die dürren bäume wurden umgehauen, und wo einer auch nur einen verdorrten ast zeigte, wurde derselbe an ihm ... mit der gröszten sorgfalt weggesägt Stifter 2, 280. —
wegsaufen
den wein wie wasser wegsaufen Campe. refl.: wenn es in unsrer gesellschaft darauf abgesehen ist, sich den verstand völlig wegzusaufen Tieck novellen (1854) 10, 494. einem etwas wegsaufen, durch saufen entziehen:
euch friszt und sauft man alles weg.
Hartmann volksschauspiele 29, 42.
einen wegsaufen, im saufen ausstechen: er säufft den besten säuffer weg Kramer t.-ital. 2, 435ᵃ; sam wir Schlesier es vor ein grosz ehr hielten, dasz wir die einheimischen hätten weggesoffen v. Schweinichen denkw. 39. —
wegsaugen
durch saugen entfernen. bildlich: jene abscheuliche Vendee, die uns das ganze jahr hindurch beschäftigt hat, ist doch auch so gut wie ein zugpflaster gewesen, das alle unreinigkeiten aus dem staatskörper weggesogen hat G. Forster 9, 143;
o wehre denen, die nur taugen
des reiches herzblut wegzusaugen.
Rückert werke 6, 333.
von pflanzen: das taugt nicht, die baumwurzeln saugen dem korn den saft weg Rosegger 5, 143;
ich geh' und jät indesz
das unkraut aus, das den gesunden blumen
die kraft des bodens ohne nutzen wegsaugt.
Shakespeare, Richard II. 3, 5. —
wegsausen, sausend sich entfernen: die schiffe mit eile wegsausen Schottel 909; sein zug stand im begriffe wegzusausen v. Holtei 38, 138. über: ihr bruder schosz eine stückkugel hinter ihnen her, die über ihren köpfen wegsauste Hauff 4, 214; drei mächtige blöcke ... hemmten den sturz (der lawine), dort hatte sich der wandernde schnee zürnend aufgebäumt, weniges war auch über diese schranke weggesaust Scheffel Ekkeh. 377. —
wegschaben
(Hiob) schabte sich mit einer scherben, damit er das eiter wegschabte und sich kratzte Schupp schriften 167. namentlich in einem buche, bildlich:
der mühevolle krieger kampfbegabt,
wenn er nach tausend siegen schmach erlitt,
ist aus dem buch der ehre weggeschabt.
vergessen ist was vormals er erstritt.
St. George Shakespeare sonnette 31.
refl. weggehen (mhd. sînen wec schaben): der hencker hätte sie her gebracht, und sie solten sich auch in dessen namen wieder wegschaben Ch. Weise polit. näscher (1686) 354.
wegschaffen
1)
von seiner stelle befördern, bewirken, dasz etwas wegkommt.
a)
von dingen: Stilling muszte alle drei tage dahin (auf die güter) gehen, um die fertigen waaren wegzuschaffen Jung Stilling 1, 240; der stein ist dorther, aber ich habe sämmtliche stücke weggeschafft und sie hier oben verwahrt Göthe 24, 58 Weim. ausg.; schafft diese waffen weg! Schiller 3, 118 (Fiesko 4, 7). von, aus: der herr ... schaffte das unzifer weg von Pharao 2. Mos. 9, 31; und offt kost es grosze mühe, eh man so ein misthäuffgen von der thüre wegschaffen kan Ch. Weise drey klügste leute 68; dann erstlich wird die bagage und baarschafft aus dem lager weggeschafft, ehe es zum haupttreffen kommt v. Fleming vollk. t. soldat 320; ich habe mich also entschlossen, ein vomitif einzunehmen, welches sehr viel galle aus meinem magen wegschafte Schubart briefe 2, 165 Strausz. die bed. geht oft in die von 'beseitigen' über: sie waren stark in der arbeit begriffen, den morschen kalkfelsen theils wegzuschaffen, theils zu befestigen Göthe 19, 231. bes. etwas schädliches: nach dem dunklen fleck, den alles putzen nicht hatte wegschaffen können Fontane I, 1, 90. so namentlich von geistigem:
vormals hast du mit genaden,
groszer gott von groszer kraft,
allen hertzbetrübten schaden
von Israel weggeschaft.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 53;
ich will die müdigkeit, die dich auf der reise befallen hat, wegschaffen, dasz deine kniee wieder stark und muthig werden Herder 18, 274 Suphan; den krausen sinn haben sie dir nicht wegschaffen können Fontane I, 6, 9.
b)
von menschen: der jäger kam mit einigen leuten zurück, und machte anstalt, den verwundeten wegzuschaffen Göthe 22, 55. auch nur 'machen, dasz jemand weggeht, wegtreiben': die, so durch satzungen geengstet werden, wil ich wegschaffen, das sie von dir komen Zeph. 3, 18; der soll ... solche geschenckte und nit geschenckte handwerck zetreiben nit zuͦgelassen, sonder auszgetriben und weggeschafft werden bair. landtsordnung (1553) 128ᵃ; ich hätte Lydien schon gerne weggeschafft, denn sie nutzt hier gar nichts Göthe 23, 27;
stracks, Achmet, schaff sie weg;
eh ihr verspritztes blut des sohnes hand befleck'.
v. Lohenstein 1, Ibrahim sultan 13;
schafft den Peliden weg von diesem platze.
H. v. Kleist 2, 28 (Penthes. 1) E. Schmidt;
der jesuiten ord und stand
sollt ihr wegschaffen aus dem land.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 333;
das sie iren predicanten ... alsbald unwegerlich von der stad wegschaffen und urlauben Rätel Curäi chron. d. h. Schlesien 526. einen diener, beamten 'abschaffen, entlassen': das gesinde wegschaffen, famulos dimittere Steinbach 2, 374; der könig hat ihn weggeschafft Ludwig 2410: nach dem aber oberkeit und gemeiner mann in einander wachsen wolten, ist M. Steffan weggeschaffet, und an seine statt er Johann Bindmann ... angenommen Mathesius Sarepta 135ᵇ; dasz wir den spitzbuben von verwalter wegschafften, der ihn täglich betrügt sammlung von schauspielen (Wien 1764—69), bd. 7, d. verschwender 9; wo der gottheit statthalter (priester) könige salbt und wegschafft Voss antisymb. 112. es kann sich auch die bed. 'aus dem wege räumen' entwickeln:
die königin den könig strafft,
das er Johannem nicht wegschafft.
Lobwasser calumnia H 3ᵇ;
denn ist nur Humphrey todt, was bald wird seyn,
und Heinrich weggeschafft, wird alles mein.
Shakespeare, Heinrich VI. 2. th. 3, 1;
sie vertraut ... Mortimer ... sich so gänzlich an, dasz sie ihm auftrag giebt, Elisabeth wegzuschaffen O. Ludwig 6, 296.
2)
fertig machen, von einer arbeit: seit ... ich die sämmtlichen ... zeitungen liegen lasse, ist es unsäglich, was ich für zeit gewann und was ich alles wegschaffe Göthe an Zelter briefw. 5, 447 Riemer; was ich nicht gleich von der hand wegschaffe, bleibt lange bei mir liegen Hebbel briefe 1, 121. —
wegschaffung f.,
verbringen an einen andern ort: ich wollte ... zur wegschaffung der sachen anstalt machen Hermes Sophiens reise 4, 25; die wegschaffung der ungeheuren theile des baumes bedurfte groszer arbeit Rosegger 9, 174. beseitigung: an den teufel, als ursache einer krankheit, glaube ich nun freilich eben so wenig, als an die wegschaffung irgend einer krankheit, vermittelst dieser wegschaffung des teufels Zimmermann über die einsamkeit 1, 177; alles würde in der welt am besten mit negativen gehen, die wegschaffung des schlimmen wird schon das gute bringen Seume 332. in der mathematik 'elimination' v. Hoyer u. Kreuter⁵ 1, 839ᵇ. von menschen: wegschaffung mächtiger oder verdienstvoller, dem volke verdächtiger männer Meiszner Alcibiades 2, 264; wegschaffung schädlicher mitglieder (aus dem collegium) Göthe briefe 7, 197 Weim. ausg.; wegschaffung allerley losen und unnützen gesindels d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 147; wegschaffung auf eine insel, deportatio Zedler 53, 1945. wegschanzen, ins unglück stürzen (zu mhd. schanze 'glücksfall', vgl. zuschanzen):
hạst verdẹrbt völker in yrm land,
uͦnt si verjagend weg-geschantzet.
Melissus ps. 168 neudr. (44, 3). —
wegscharren: es ist auch wunderbar, dasz das rindvieh sich hier im winter, durch das wegscharren des schnees, das dürre gras selbst hervorzusuchen weisz Kant 9, 426. sprichwörtlich: ein henne scharret mehr weg, denn 4 hanen erzu scharren Thiele Luthers sprichwörtersammlung nr. 447. —
wegschätzen
nichtachtend behandeln (vgl.abschätzen): deutsche bücher wurden meist als gothischer hausrath weggeschätzt Schubart leben u. gesinn. 1, 187. —
wegschauen
zur seite sehen, den blick abwenden. nach Adelung ein obd., aber in der höheren schreibart zulässiges wort. auf, über etwas:
frey will ich leben und also sterben,
niemand berauben und niemand beerben,
und auf das gehudel unter mir
leicht weg chauen von meinem thier.
Schiller 12, 53 (Wallenst. lager 11);
kopf an kopf sieht er vor sich, immer einer über den andern wegschauend v. Holtei 17, 35. —
wegschauern
verschwinden wie ein schauer (vgl. schauern th. 8, 2336):
kein eigennutz, kein eigenwille dauert,
vor ihrem kommen sind sie weggeschauert.
Göthe 3, 24 Weim. ausg.
wegschaufeln: etliche hundert musten voran und den schnee auf beyden seiten wegschauffeln Ch. Weise erznarren 40 neudr.;
die ohren haben läppgen,
als wie die käse-näppgen,
die sind voll rusz bisz oben an,
dasz man sie bald wegschauffeln kan.
d. grün. jugend überfl. ged. 121 neudr.
wegschäumen, despumare Steinbach. über: ein enges thälchen, in welchem ein starker bach über steine, kies und felsen wegschäumte Jung Stilling 4, 21. wegscheid, m., abstractbildung zu wegscheiden, vereinzelt vorkommend: Volumnius hatte den knecht zum erstenmahl kommen und hinweg gehen sehen ..., lief nach seinem wegscheide gleich hin und legte sich ans bett Bucholtz Herkules (1676) 1, 452ᵃ. —
wegscheiden
1)
intrans. scheidend weggehen: und hat ... sie gesegent und also wegkgescheiden ... und zog darnach nach Camyn Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 64 Gäbel;
aber diese zeit wil es nicht leiden,
dasz ich weiter red, last uns hie wegscheiden.
Reinicke fuchs (1650) 208;
ist zeit, ist zeit nun, Gretchen
zu scheiden weg von dir!
Herder 25, 526 Suphan;
dann in der dämmerung scheidet er (der auf beute ausgezogene
löwe) weg mit bekümmertem herzen.
Voss Ilias 17, 664.
für 'sterben':
wenn
er nun auch von uns weggeschieden ist,
so liesz er mir in dir sein ebenbild.
Göthe 11, 205 (Claudine 219) Weim. ausg.
früher refl.:
weil ich die zeitlich ehr so gros
geacht, gemacht, und jetzt so blos
mus scheiden mich vom leben weck,
wie kan ich sein fröhlich und keck.
Wiener todtentanz (1579) C 2ᵃ.
übertragen auf unbelebtes:
wie der süsze dämmerschein
der weggeschied'nen sonne
dort heraufschwimmt.
Göthe 39, 206 (Prometheus 1).
der substantivirte inf. kommt häufig vor: was die ursach wär seines wegschaydens on urlob Fortunatus 15 neudr.; euer wegscheiden gehet mir so nahe zu herzen, als reisete mein leiblicher sohn von mir Bucholtz Herkules (1676) 1, 519;
ewer wegscheiden bringt mir grosz leyden.
Venusgärtlein 121 neudr.
'sterben': sie wartet ordentlich mit dem wegscheiden auf euch Fr. Müller 3, 380.
2)
trans., von anderem scheiden Campe.
wegscheidung f.
vereinzelt früher für wegscheiden, n. Schaidenraiszer Odyssea (1537) 20ᵃ. wegschelten, durch schelten vertreiben:
er folgte euch; aus liebe folgt ich ihm,
er aber schalt mich weg, und drohte, mich
zu schlagen. stoszen, ja zu tödten gar.
Shakespeare 1, 244 (sommernachtstraum 3, 2);
am thore rief der bettler: gebt mir was!
ihn wegzuschelten ging hinaus der satte.
Rückert werke 6, 22.
sprichwörtlich: der todt lest sich nicht wegschelten oder fluchen Petri 2, O 2ᵃ. von etwas:
und vor dem willen schweigt die willkür stille;
das liebste wird vom herzen weggescholten,
dem harten musz bequemt sich will' und grille.
Göthe 3, 96;
damals hatte ihn der bauer mit unholden worten vom hofe weggescholten und ihm verboten, sich je wieder blicken zu lassen Heyse nov. 2, 339. —
wegschenken
als geschenk weggeben:
(ich will) alte kleider schaffen in,
die man sonst weckhschenckt und wirfft hin.
Ayrer 3318, 2 Keller;
wie er (herzog Boleslaus) aber alles was er hatte ... wegschenkte Rätel Curäi chronica d. h. Schlesien 94; Lear ... wie er da vor seiner landcharte steht, und kronen wegschenkt und länder zerreiszt Herder 5, 220;
glück zu! vergnügte braut, die haut ist nun verkauft,
das hertze weggeschenckt.
Günther bei Steinbach 2, 383.
an jemand: die einkünfte von einer ganzen stadt an einen luftspringer oder citharspieler wegzuschenken Wieland Agathon 2, 168;
wer über nacht zu einer krone kommt,
der pflegt die besten perlen schon vor tag
als trinkgeld an die schreier wegzuschenken.
Hebbel 6, 70 (Demetrius 2, 13).
refl. 'sich hingeben':
so möchte man sich wohl bedenken,
obs kein verwegner handel sey,
sich also leichtlich wegzuschenken (in die ehe).
v. Zinzendorf t. gedichte 53.
im älteren nhd. auch 'getränk weggeben': was sonsten unbillich und übriges fürgenomen würde, als ... mit bir vorgisen, vom tische wegtrinken und wegschenken ohne erlaubnis der maister und gesellen Hüttel chron. d. st. Trautenau 174 (zechordnung von 1563).
wegscheren
1)
mit dem messer, der schere wegschneiden: soll man nehmen ein scheermesser und die haare gar wegscheren, so weit man sie haben will Böhme roszartzney 135; die (scherer) ihnen, als armen schafen, nicht allein die wolle weggeschoren hätten, sondern auch zugleich das fell E. Francisci lufftkreis (1680) 644;
so wurde zu dem thore die frau hinaus geführt,
die haare weggeschoren, die hände zugeschnürt.
Platen 320.
übertragen: (wenn die guten werke nichts helfen) das heist weckgeschoren omnia opera Luther 11, 123, 9 Weim. ausg.
2)
refl., sich entfernen (vgl. sich scheren th. 8, 2577), als niedriger ausdruck von Adelung erwähnt: scher er sich weg mit seiner fuchserei Gutzkow zauberer v. Rom 2, 16. —
wegschergen
s. wegschürgen. —
wegscherzen
scherzend hinbringen:
gewohnt die sommernacht mit grazien wegzuscherzen.
Wieland 4, 4 (d. neue Amadis 1, 3);
und (ich) scherze die tage weg, bis der winkel meiner ernsten bestimmung sich aufthut Heinse 10, 226 Schüddekopf. durch scherz vertreiben:
der narr allein, der wegzuscherzen strebt
sein (Lears) herzerschütternd leid.
Shakespeare, Lear 3, 1;
er ... trug ... ein kindliches gemüth in der brust, deshalb gelang es ihm auch, ... noth wie trübsal ... wegzuscherzen v. Holtei 24, 221. von etwas 'durch scherz ablenken, abwenden': man widersprach ihm nicht gerade zu, aber man suchte ihn von dem wege wegzuscherzen, den er eingeschlagen hatte Göthe 24, 297 Weim. ausg.; der noch jetzt als ein wackerer officier den tag segnet, an dem es mir gelang, ein beschimpfendes urtheil von seiner familie wegzuscherzen v. Thümmel reise 4 (1794) 316. wegscheuchen, scheuchend wegjagen. thiere, menschen usw.: wer unter die vogel wirfft, der scheucht sie weg Sir. 22, 25; wie oft man (die fliege) auch wegscheucht, ... sie läszt doch nicht ab, sondern beiszt immer wieder an Wieland Lucian 4, 465; da rief der amtmann: bsch! bsch! und that als scheuchte er die hühner weg Grimm märchen 2, 34;
Bacchus, weggescheucht,
glitt unter's meer.
Bürger 182.
übertragen: alle jungen bursche hat sie schon weggescheucht Göthe 12, 13;
wenn sie verdrieszlich dann das aug' umwölkt,
des himmels kläre widerwärtig schwärzt,
dann seufzer-winde scheucht die wolken weg,
thränt nieder sie in regen aufzulösen.
3, 46;
süszer scherz
scheuche den kummer dir weg.
Herder 26, 260 Suphan;
Bernstorfs tugend war ... nicht in den stoischen ernst gehüllt, der alles vergnügen wegscheucht, sondern sie vertrug sich mit den freuden des gesellschaftlichen lebens Sturz 2, 133. von etwas:
die traurigen macht schon ihr anblick heiter,
und scheucht vom krankenlager weg den tod.
Schiller 1, 47;
nicht gern ihr holden augen
scheuch ich den goldnen schlummer von euch weg.
13, 60 (Turandot 4, 10)
deiner urtheile licht scheuchet die finsternisz,
und des vorurtheils trugglanz
schnell vom auge des hörers weg!
Lavater verm. schr. 1, 306.
auch weitergebildet wegscheuchern Ludwig 2410 und im ältern nhd. wegscheuen Schottel 653: wer in einem gewissen und ordentlichen beruff stehet, der lasz sich nicht ausz dem bley rucken oder wegschewen, ob schon der ... teufel ... in anwehet Mathesius Sarepta 217ᵇ; dann man ihn vor die gärten zum hüter bestellte, da er einen langen rock über dem haupte hielte, womit er die vögel wegscheuete J. v. Sandrart iconologia deorum (1680) 156ᵇ; sollen in den brut- und sätzling-teichen die endten und täucher weggescheut und geschossen werden v. Hohberg Georgica 2, 483. —
wegscheuern
durch reiben beseitigen: eins (der papiere) hat sich los gemacht und an der stirne (des bildes) ein wenig den firnisz weggescheuert Göthe briefe 6, 75 Weim. ausg. bildlich: gestrüpp und reisig sollten von seinem gesichte den unmuth wegscheuern Rosegger 5, 215. refl.: die ecke hat sich fast ganz weggescheuert Campe.
wegschicken
von menschen: ich wolt, das das geld nie gewesen were, darumb du in weggeschickt hast Tob. 5, 26; wer einen narren wegschikkt, der bekommt einen thorn wieder zurükke Winckler 2000 gutte gedancken C 5ᵃ; (Wilhelm) schickte Friedrichs courier mit dem geschärften auftrage weg, bald wieder zu kommen Göthe 23, 245 Weim. ausg. auch 'entlassen, wegjagen': er könnte ihm (dem schlechten handwerksmeister) seine arbeit bezahlen und ihn wegschicken Göthe 43, 175;
auch ist mir diesz und jen's geglückt;
doch öfters ward ich mit protest,
mit scham und schande weggeschickt.
16, 453.
waren, einen brief wegschicken Kramer t.-ital. 2, 524ᵇ:
ich solt etlich würst schicken weck,
die nachbawrn zu verehren mit.
H. Sachs 14, 223, 14 Götze.
wegschieben
amovere, submovere Stieler 1786: die herzogin schob das papier lachend weg Heinse 6, 143 Schüddekopf; dann stemmte er seine schulter an und schob die gröszten fässer weg wie holzklötzchen Freytag 4, 91. mit dem nebensinn 'etwas hemmendes beseitigen': (er) schob mit leichter hand den riegel weg Vulpius Palamedes (1784) 51;
man will gar sagen,
er hätte des vorhangs äuszersten saum,
zu häupten, mit zeigefinger und daum
ganz sacht ein wenig weggeschoben.
Wieland 21, 81 (Gandalin 5, 110);
von den losen augen hatt' er (Amor)
seine binde weggeschoben.
Platen 155.
übertragen: etwas von sich wegschieben, se dispenser de faire une chose Rondeau;
wer hertzliches belieben
in seinen sinnen hegt den unlust wegzuschieben.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw., ehrenverse 2;
ich begreife, dasz ... man das schwere so weit von sich wegschiebt als möglich Gotthelf 2, 378. refl.: wenige stunden nach dem ankommen bemerkt man, dasz der schaumkranz anfängt sich ... wegzuschieben Lueger 2, 402.
wegschieszen
1)
intrans. in rascher bewegung sich entfernen. vom wasser und was es mit sich führt, von vögeln, den wolken: die Johannisbrücke, worunter der Tyberstrom reiszend in rauschenden wilden fluthen wegschieszt Heinse 4, 361 Schüddekopf; die fische schieszen weg, wann man sie mit händen fangen will Kramer t.-ital. 2, 524ᵇ; da schosz er weg von mir wie ein raubvogel Schubart leben u. gesinn. 2, 7; das ferne flug-gewölk schien die hohe wölbung (des Pantheons) zu berühren, über die es wegschosz J. Paul Tit. 4, 82.
2)
trans.
a)
in die luft schieszen: so schwingt er (der delphin) sich geschwinde ... wie ein abgelassener weggeschossener pfeil ausz dem wasser herfür Heyden Plinius 316; wenn die erstlich ihre pfeile weggeschossen, so reitet der ander und dritte tropff, und schieszen gleichfalls ihre pflitzen weg A. Petreius historien u. bericht von dem groszfürstenth. Muschkow (1620) 117.
b)
durch schieszen wegschaffen, beseitigen: wild wegschieszen Adelung; immer die feinde im flusz zusammengehauen, weggeschossen wie die enten Göthe 8, 178 (Egmont 1). von, aus etwas: sagte er, ich wil dich wohl herunter langen, und schosz damit die henne von dem dach weg Ch. Weise erznarren 208 neudr.; ich habe wohl ehe eine kirsche vom maul weggeschossen Schiller 2, 99 (räuber 2, 3); man müszte den hund (Klara's verführer), der's weisz, aus der welt wegschieszen! Hebbel 2, 68 (Maria Magd. 2, 5). einem etwas wegschieszen, am körper: wurd ihm ... der zeigerfinger an der rechten hand weggeschossen Stumpf Schwytzerchronik 276ᵃ; war das nicht all mein trost, wie mir diese hand weggeschossen ward Göthe 8, 30 (Götz 1). durch schieszen vertreiben: die lantzknecht inn Flandern umb Tornay haben mit pulvergestanck die pestilentz weggeschossen Garg. 288 Alsleben.
wegschiffen
1)
intrans. zu schiff sich entfernen: nach langer wart kam der keyser und schiffet im augusto von Brundusio inn Asiam weck Franck Germaniae chron. 177ᵃ; er (Achill) droht wegzuschiffen Göthe 41, i, 285. über: (du hast den) einfall eine brücke über den Hellespont zu schlagen und über berge wegzuschiffen Wieland Lucian 2, 265.
2)
trans. zu schiff wegschaffen. übertragen:
doch alter mit dem schleichenden tritt
hat mich gepackt mit der faust,
und hat mich weg aus dem lande geschifft,
als hätt' ich da nimmer gehaust.
Shakespeare 3, 325 (Hamlet 5, 1).
wegschinden
mit dat. bildlich:
wer also die haut gefunden,
die dem lande weggeschunden.
Logau 2, 6, 100 (s. 34 Eitner).
wegschlachten, abschlachten: darüber ward die fütterung thewer, das man an vielen orten mangels halben an hew und grasz das viehe wegschlachten muste C. Spangenberg manszfeldische chronica (1572) 320ᵃ. —
wegschlafen
1) durch schlaf beseitigen: man kan offt in einer halben nacht viel kranckheit wegschlaffen Herberger hertzpostilla (1613) 1, 837; ich schlafe die melancholie weg Klinger 1, 10. — 2) hintereinander schlafen: sie könnten ihre zwölf stunden wegschlafen, ohne nur einmal die augen aufzuthun Bode Tristram Schandi 7, 44. vgl.(s. wegblasen 3): ich hab' mich ... in's warme bett gelegt ... und hab' dem teufel ein ohr weggeschlafen bis in den lichten morgen hinein Herm. Kurz der sonnenwirth 2, 167. —
wegschlägeln
mit schlägel und eisen weghauen Veith 566.
wegschlagen
1)
trans.
a)
zur seite, zurückschlagen: wenn man nicht ein anders hat, dadurch man die gifftigen pfeile aufffahe und wegschlahe Luther 34, ii, 402, 37 Weim. ausg.; den ball wegschlagen Rondeau; ob nun zwar die nechsten darbey ihm den degen wegschlugen v. Lohenstein Arminius 2, 990ᵃ; er hält Erasten die hand zum küssen hin, welcher sie unvermerkt wegschlägt theater d. Deutschen (1768 ff.) 3, 316;
du schlägst die augen weg?
Gottschedin d. schaubühne 3, 23.
jemand wegschlagen 'zurückschlagen, durch schlagen vertreiben' (jetzt wie abschlagen in gleicher bed., th. 1, 102, veraltet): die bösen schlahe er weg, die fromen beherberge er Luther 25, 25 anm.; so haben wir auch solche feind, die wir nicht mit eisen noch stal, schwerd noch büchszen wegschlagen oder hinrichten könden 34, ii, 398, 6; er ... war durch einen plötzlichen auszfall desz gewapneten volcks nicht ohne gefahr desz lebens weggeschlagen worden Forberger warhafftige beschreibungen (1570) 325;
wir wollen die feind schlagen wegk,
dasz ihr nicht einer überbleibt,
gleich wie der wind den staub vertreibt.
Ayrer 393, 39 Keller;
wie du mit eigner faust die Schweden weggeschlagen.
v. König ged. 12;
den (tod) hast du weggeschlagen,
dasz er sich meiner plagen
mit nicht erfreuen kann.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenl. 3, 349.
von, aus: da sich aber der arme mann nicht will ab weisen lassen, läst er ihn mit peitschen vom hause weg schlagen Herberger Jesus Sirach 453ᵇ; dann er könig Herolden nit allain ausz Sachsen wegschluge, sonder hänget ime mit gewärter hand nach, bisz an Dennemarck Dreyfelder historien desz hauses Este (1580) 30ᵇ. übertragen von abstracten 'vertreiben, von sich weisen': so hastu eine freidigkeit, und kanst sicher und on sorgen sein und alle furcht wegschlahen Luther 36, 466, 25 Weim. ausg.; weil sie alle gnade und liebe, in Christo angeboten und fürgetragen, mutwillig wegschlahen und schlechts nicht leiden wollen 37, 658, 36; der mit dem liecht der warheit die trübe irrthumben der finsternussen wegkschlagen ... wirt H. Fabricius auszzug bewerter historien (1599) 808; herkulische stärke, die den schmerz zertritt, und das unglück wegschlägt Lavater physiogn. fragm. 4, 414;
doch schlaget alles trauren wegk!
seid frisch auff, getrost, küen und keck!
Ayrer 1536, 1 Keller;
nicht schätze, noch bewehrte schaaren ...
sind mächtig, ... diese sorge wegzuschlagen,
die häufig um paläste schwärmt.
Triller poet. betracht. 2, 763.
b)
durch schlagen abtrennen, beseitigen: worauff der hencker alsobald das haupt in einem streiche wegschlug v. Ziegler asiat. Banise 378; wenn er allemal die andre reihe bäume wegschlüg im wald, da bekäm die erste mehr licht und platz O. Ludwig 3, 12 (erbförster 1, 1);
die schwerter (auf dem bilde des krugs) unten jetzt sind weggeschlagen.
H. v. Kleist 1, 361 (zerbr. krug 7).
beim brettspiel: da er alle steine seines feindes wegschlug Heinse 2, 73 Schüddekopf. mit dat.: quem dir ein solches tzw, dem ... ein stuck vom heuptpeine weggeschlagen were H. v. Pfolspeundt bündth- ertznei (1460) 50;
dem ward der gantze hals, zusamt dem waffenkragen,
dem halb das schulterblatt und brustbein weggeschlagen.
v. Besser schriften 1, 54.
als kunstwort bei den kürschnern 'den kopf von einem wolfs- oder bärenfelle abschneiden' Jacobsson 4, 620ᵃ. Campe. bei den färbern, untauglich gewordene farbenbrühe wegschütten Krünitz 235, 499. bergmännisch einen schacht wegschlagen 'einen vorgeschlagenen schacht von da ab, wo er die lagerstätte erreicht hat, nach dem fallen der lagerstätte weiter niederbringen' Veith 566.
c)
früher ist etwas wegschlagen (auch ohne acc.) 'verkaufen, an den mann bringen' (vgl.losschlagen): sein auszspeher haben ander leut zu nachtheil ein pferd drauff halten, das einer sein kux könne wegschlagen, ehe es ander leut erfaren wie es in der gruben stehet Mathesius Sarepta 38ᵃ; und durfften die leut nicht auffkauffen und wider wegschlahen, wenn und wie sie wolten W. Bütner epitome historiarum (1596) 300ᵃ. vgl.: gestern ging das letzte fuder nach der stadt, um dort unter dem hammer weggeschlagen zu werden Storm 4, 166. 'durch überbieten abgewinnen' Fischer 6, 547.
d)
von der hand wegschlagen 'im handumdrehen machen' (vgl. hand IV 1 b, th. 4, ii, 361): das ist blosz ein versuch (im fünffüszigen jambus), mit dem ich eilen musz, und den ich so ziemlich, in ansehung des wohlklanges, von der hand wegschlagen zu können glaube Lessing 12, 296.
2)
intrans. über etwas wegschlagen: eine reihe von ... felsen, über welche die see in einer gewaltigen brandung wegschlug G. Forster 1, 209. wegschlämmen, den schlamm fortführen Steinbach 2, 438: alsdann werden die erzhaltigen seifen einem wasserstrome ausgesetzt ... um das unhaltige haufwerk wegzuschlämmen Karmarsch - Heeren³ 1, 396. —
wegschleichen
unauffällig weggehen:
wo man das schmeychlen in nicht gan, ...
steht fest und leszt sich nicht beweychen
ir federlesen und pflaumen streichen,
da schleicht der schmeychler weg verholen,
als ob er hett ein kampf gestolen.
Waldis Esopus 1, 32 (1, 11, 63) Kurz;
nach solchem theten sie weckschleichn,
lieszen mich hie sitzen im schmertzn.
Ayrer 2520, 27 Keller;
es sind feinde prinz. schleichen sie links weg Schiller 3, 138 (Fiesko 5, 3). von, aus: daʒ er (der missethäter) ledig unde loʒ ... von der kirche ader uʒ dem cloteres (l. clostere) moge wegslichen, und ane were weichbildrecht 226 (glosse art. 9) v. Daniels; mit diesen gesinnungen schlich er morgens früh von mir weg Göthe 23, 97 Weim. ausg.; in diesem jahrzehend (dem zweiten) schleicht das mädchen aus ihren durchlachten jahren weg und verbirgt das trübere auge unter derselben hängenden trauerweide, worunter der stille jüngling seine brust und ihre seufzer kühlt J. Paul uns. loge 185. seit dem 17. jahrh. meist refl. (was von Adelung allein angeführt wird): ward ich über solchen discursen so verdrossen und dachte mich heimlich wegzuschleichen Schupp schriften 558; schleiche dich sachte weg, ziehe die thür nach dir zu Göthe 8, 290 (Egmont 5); wenige nur schlichen sich weg, als einige von der truppe, um geld zu sammeln, sich ... durch die menge drängten 21, 152; auch die bedienten und mägde schlichen sich allgemach aus mangel der bezahlung weg Immermann Münchh.² 1, 70. von, aus: sie hatte sich von einer gesellschaft weggeschlichen Rabener 6, 105; ich will mich aus dem leben nicht wie aus dem betstuhl, sondern wie aus der kammer eines mädchens wegschleichen Büchner nachgel. schr. 139 (Danton 3). übertragen von unbelebtem: dasz nicht in dem hause, wo sie wohnten, sondern in dem dritten davon der brand entstanden sey, der sich auch sogleich unter den dächern weggeschlichen hatte Göthe 22, 221; graue haare, wegschleichen der zähne, und lob der zeiten, wo das fleisch noch weicher gekocht wurde, sind die sicheren kennzeichen (des alterns) Lichtenberg verm. schr. 2, 448; wie manches witzige histörchen schleicht sich hiemit weg aus dem strengen gebiet der fabel Herder 23, 270 Suphan. wegschleifen (mit schwacher flexion), wegschleppen: der raub ist in ire zelt gefüret worden, und bei den sechtzigtausent menschen gebunden weggeschleiffet H. v. Eppendorff kriegsübung (1551) 149ᵃ; sie haben die säulen und statuen weggeschleift und aneinander verkauft Hölderlin 2, 138 Litzmann. jetzt meist nur 'schleifend oder auf der schleife wegschaffen': einen verbrecher auf der kuhhaut wegschleifen Campe; da packten die soldaten das weib und schleiften sie weg Kürnberger novellen 3, 206. —
wegschleifen
(mit starker flexion), durch schleifen beseitigen: aber warumb schleiffen die steinschneider von denen diamanten nicht alle flecken weg? v. Lohenstein Arminius 1, 1346ᵃ; dasz das farbige glas in dem falle des doppelten glases nicht weggeschliffen, sondern mit dem diamant weggekratzt war Göthe 34, 337. übertragen:
schleift alles rauhe (im gedicht) weg! ählt; aber künstelt nicht!
Uz werke 372, 4 (102) neudr.;
da er bedachte, dasz das weltleben alles grosze am menschen wegschleife, wie das wetter an statuen und leichensteinen gerade die erhabnen theile wegnagt J. Paul Hesp. 2, 216; die ... alle mannigfaltigkeit in der welt aufheben und alle verschiedenheiten und eigenthümlichkeiten der länder und völker ausgleichen und wegschleifen wollen Arndt schriften 4, 79. wegschlendern, sich lässig gehend entfernen, pedetentim amovere se Stieler 1817. übertragen: dasz einige sogar vortreffliche schriftsteller ... zuweilen über diese grenzen (für die sprache) weggeflogen oder auch weggeschlendert sind Wieland suppl. 6, 325. —
wegschlenkern
mit der hand wegschleudern: den wust von den fingern wegschlenckeren Krämer 1217; so war es ihm, als müsse er das unklare gefühl seiner seele mit den fingern wegschlenkern Sohnrey im grünen klee 214.
wegschleppen
mit kraftanwendung fortschaffen.
1)
von personen 'jemand gewaltsam (eig. so dasz der körper am boden schleift) mit sich fortziehen': da wurden ... funff hundert gefangene ... wie die kelber weggeschleppet Schütz hist. rer. pruss. 2, 64ᵈ; ehe die andern aber sich von den unbarmhertzigen henckern wegschleppen lieszen v. Ziegler asiat. Banise 270; unter dem vorwand, es kämen seeteufel ans land, so die menschen wegschleppten Herder 15, 143 Suphan; schlepp ihn vom mahle weg, wenn er besoffen ist Schiller 2, 172 (räuber 4, 5 schausp.);
schleppt den verzagten hund weg von des mufti füszen.
v. Lohenstein 1, Ibrahim sultan 101 z. 435;
Hamlet hat den Polonius umgebracht
in seinem tollen muth, und ihn darauf
aus seiner mutter zimmer weggeschleppt.
Shakespeare 3, 283 (Hamlet 4, 1).
mit zurücktreten der ursprünglichen bed.: die von Nürnberg haben ihn (den reiter) weggeschleppt Göthe 39, 57 (Gottfr. v. Berl. 2) Weim. ausg.;
gedenkt nur nicht sie als geduld'ges opfer
gefahrlos wegzuschleppen.
10, 284 (natürl. tochter 2, 1);
sie haben überfallen euer heer,
der unsern zwanzigen das haupt gespellt
und ihrer viel gefangen weggeschleppt.
Uhland ged. (1898) 1, 339.
2)
von gut und habe 'fortschaffen' (namentlich von etwas groszem, schwerem): in kurzem war alles rein ausgeplündert und weggeschleppt Göthe 22, 40; die ungeheure menge der ... noch unter den kaisern weggeschleppten gemälde Welcker alte denkm. 4, 245. selten absolut: sehen sie, wie die juden wegschleppen! Fr. Müller 2, 44. —
wegschleppung f.:
raptatio, direptio, spoliatio Stieler 1808; wegschleppung und verkauf der schwarzen aus ihrem vaterlande Zschokke 4, 41; die wegschleppung der vorräthe Mommsen röm. gesch.⁴ 3, 439.
wegschleudern
1)
schleudernd wegwerfen: die magd ... schleudert, auff der erden sitzend, den schuch vom fusz über den kopff weg J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilosophie 1, 174; hierauf stiegen Kaspar und Max ab, schleuderten unter lauten, landüblichen flüchen ihre lanzen weg Immermann 6, 39 Hempel; dasz bretter und grosze holzstücke ... weit weggeschleudert wurden Humboldt kosmos 4, 261. von menschen: als schnell ein ungesehner, ungeheurer sturm ihn wegschleudert Fr. Müller 1, 356;
fort, katze, klette! misgeschöpf, lasz los!
sonst schleudr' ich dich wie eine natter weg.
Shakespeare 1, 241 (sommernachtstraum 3, 2).
bildlich: (alle) sind gleich niedrig vor dem throne dessen, ... der könige wegschleudert von seinem angesicht Abbt 1, 259. übertragen wie wegwerfen 'von sich weisen': auch der (himmel) hat es gehört! hat es vernommen, wie mich sein (des vaters) hasz wegschleuderte! Klinger 1, 24;
welch glück des himmels hab' ich weggeschleudert!
Schiller 12, 571 (M. Stuart 5, 10);
wir schleudern weg den koran, der heilige gluten dämpft.
Platen 77 (gas. 64);
in der modernen zeit können nur völker geschichtlich sein, welche die autorität wegzuschleudern vermochten Vischer ästhetik 2, 270. refl. wie sich wegwerfen: Mine war höflich, ohne sich wegzuschleudern v. Hippel lebens läufe 2, 295.
2)
verschleudern, unter dem preise weggeben. ursprünglich ein anderes wort, im älteren nhd. wegschlaudern (s. schlaudern II th. 9, 511): gleich wie man vorzeiten im bapstthum ... das gelt für das ablas weggeschlaudert Luther 16, 255, 24 Weim. ausg.; geld auflesen, das ein anderer wegschlaudert und hinwirfft, ist ein anders (als stehlen) Simpl. schriften 3, 355, 5 (vogelnest 1, 10) Kurz (hier zugleich an die 1. bed. anknüpfend); sein vermögen wegschlaudern Steinbach 2, 440; die tröpfe, die das geld so sorglos weggeschleudert haben Wieland Lucian 1, 66; seine waaren wegschleudern, vendre à perte Rondeau; denen hutmachern aber möchte man auff ihrer seits recommendiren, dasz ... sie ... mit liederlichen wegschleudern ihrer hüte sich einer dem andern den marckt nicht verderben solten Marperger beschreibung des hutmacher-handwercks (1719) A 3ᵇ. übertragen: mehrere hatten sogar den tod des mannes begehrt, welcher die frucht von so viel strömen vergossenen blutes und so vieler opfer der vorältern (das Veltlin) um schnöden preis wegzuschleudern rieth Zschokke 38, 247.
wegschliefen
wegschlüpfen: wenn ein ... thier den kopf stets nach dem zeug wendet, und die gelegenheit absiehet, wo es darunter wegschliefen kann v. Heppe aufricht. lehrprinz 65. 'heimlich weglaufen': ob ainer oder mer (knechte von der arbeit) wolten weckschliefen österr. weisth. 5, 123, 43 (Niedermais 17. jahrh.). —
wegschlieszen
einschlieszen und dadurch für andre unzugänglich machen:
er (der geizige) zeichnet alle stükken,
er schleust den knoblauch weg.
Rachel sat. ged. 45 neudr.;
das geld wurde wieder weggeschlossen Tieck 4, 234; nachdem sie auf einem schreibtische einige beschriebene blätter geordnet und weggeschlossen hatte Storm 1, 123. —
wegschlingen
schlingend in sich aufnehmen: das wasser schlang ihn weg Campe. übertragen:
wenn die finsternisz
all' farben weggeschlungen.
Tieck 2, 120.
wegschlüpfen, mit gewandtheit sich entfernen, bes. sich jemand entziehen:
da krähte eben laut der morgenhahn,
und bei dem tone schlüpft' es (das gespenst) eilig weg.
Shakespeare 3, 160 (Hamlet 1, 2)
mit localen best.: oft wenn ich ... dich endlich hinter einem dorn erhasche, schlüpfest du spottend aus meinen armen weg Fr. Müller 1, 129; sie (die schlange) ist im begriff unter der hand wegzuschlüpfen Göthe 47, 108 Weim. ausg.; ehe man sichs versieht, bist du (Plutus) einem, wie ein aal, zwischen den fingern weggeschlüpft Wieland Lucian 1, 80. übertragen: dem wegschlüpfenden thautropfen einer jungen rose ähnlich, in dem sich die anbrechende morgenröthe spiegelt Herder 17, 357 Suphan;
der schöne mai ist mir so weggeschlüpft.
Hölty 249 Halm;
ein verhältnisz, über das man so gerne wegschlüpft Göthe briefe 3, 77 Weim. ausg.
wegschlürfen
dasz sie (Philine) ... nur den schaum eines champagnerglases mit der gröszten zierlichkeit wegschlürfte Göthe 22, 237; die ... kunst, den schaum des lebens wegzuschlürfen Fontane I, 1, 393. —
wegschmachten
schmachtend hinbringen: wer seine besten jahre, unter der klosterzucht, in langerweile und verzweifelung wegschmachtet Zimmermann über die einsamkeit 2, 519. —
wegschmeicheln
ich ... will ihm wegschmeicheln jede trübe wolke von seiner finstern stirn Meiszner Adolph der kühne (1792) 3, 29; erst als ... Pétion ... die menge wegschmeichelte, leerten sich allmählig die gemächer Dahlmann gesch. d. franz. revol. 439; es ist thörigt, das morgen unausweichbar nothwendige heute noch wegzuschmeicheln Hebbel briefe 1, 359.
wegschmeiszen
mit wucht wegwerfen: (opferthiere), aus welchen die galle genommen und weit hinter den altar weggeschmissen war Ch. Weise polit. redner 732. mehr der umgangssprache angehörig, aber als derber ausdruck auch litterarisch:
patsch! — schmisz ich meinen vater weg,
und lief im allergröszten dreck
zurück, um sie (die gattin) zu suchen.
Blumauer Aeneis 79.
bes. übertragen
1)
von sich thun, nicht mehr davon gebrauch machen wollen: war ich ... durch die hitze so herunter gekommen, dasz ich die feder wegschmisz Lichtenberg briefe 2, 128; andere meinten, jetzt sei es gerade am besten, pilgerstab und rosenkranz wegzuschmeiszen und heimzugehen Rosegger 2, 263;
der schlaue Hannibal
hat wegen seiner braut den degen weggeschmissen.
Günther ged. 1063.
verächtlich: schmeiszet den quarck weg Kramer t.-ital. 2, 604ᵃ; ich wollt' oft alle schriftsteller von der physiognomie durchgehen, fieng an hier und dort zu lesen ... dann schmisz ich sie sogleich wieder weg Lavater physiogn. fragmente 1, 11; Hollaz, den ich sonst als fantasten wegschmisz Schubart leben u. gesinn. 2, 167. auch von eigenen schriften 'fallen lassen': dasz seine (des Tribonianus) ungeschicklichkeit aus dem codice Justinianeo gnugsam zu sehen, weil er selbsten diese seine unzeitige geburt wegen ihrer alberkeit wegschmeiszen müssen Ch. Thomasius kleine teutsche schrifften (1707) 227; ich habe gesucht dem stückchen (Erwin und Elmire) mehr interesse und leben zu verschaffen und habe den äuszerst platten dialog ganz weggeschmissen Göthe 32, 79. nd. wit wechsmiten, in abrede stellen, nichts davon wissen wollen Dähnert 434. Leihener 132.
2)
als wertlos behandeln, vergeuden: und geld und gut sind doch auch gaben gottes; soll man sie verachten und wegschmeiszen? Miller Siegwart 1, 122; er möge immerhin klagen, wenn er geld für prozeszkosten wegzuschmeiszen habe Laukhard leben u. schicksale 5, 164; ein ordentlicher ... mensch, der ... am besten weisz, dasz es nich jeder zum wegschmeiszen hat Fontane I, 5, 8.
3)
sich wegschmeiszen 'wegwerfen': ihm war zu mute, als habe er sich weggeschmissen, vorzüglich, wenn er daran dachte, wie vertraut die anderen jungens mit ihr auf dem tanzboden taten Löns der letzte Hansbur 88.
4)
im älteren nhd. auch 'vertreiben', s. th. 9, 1002 und wegwerfen 7: amovere, arcere, repellere vim vi Stieler 1875; den feind von der mauer wegschmeiszen, von seiner tür wegschmeiszen ebenda;
das volck zünd an golliecht und schlaiszen,
den finstern winter wegkzuschmaiszen.
H Sachs 4, 265, 4 Keller;
dafür hat Niderland von mir sich abgerissen.
von Malta hab ich auch die Türken weggeschmissen.
v. Birken ostländ. lorbeerhäyn 203.
wegstoszen:
wenn der gerechte fällt, wird er nicht weggeschmissen.
Schmolcke Hoffmann waldau u. a. Deutschen ged 7, 310.
els. eweg schmisze 'einen beamten absetzen' Martin-Lienhart 2, 488.
wegschmelzen
1)
intrans. (mit starker flexion) schmelzend vergehen:
wär' es schnee, er wäre weggeschmolzen.
Göthe 2, 49 Weim. ausg.;
dasz ein oder das andre stück butter auf dem markte nicht wegschmilzt Bode Montaigne 4, 267. bildlich: liebe und freude durchströmen mein herz. wie geschwind ist unter diesem lachenden himmel, in dem umgange dieser seltenen menschenart, die rinde weggeschmolzen, die es umgab! v. Thümmel reise 2 (1791) 159; wo in einem groszartigen unglück alle schlacken von ihm weggeschmolzen sind und seine religiöse gesinnung in voller reinheit strahlt Ranke 4, 193. übertragen: in kurzem war ... sein reichthum weggeschmolzen Wieland Lucian 6, 441; eine summe, die ... einem menschen, der sich einen spasz daraus machte eine million auf einen schluck hinabzuschlingen, sehr bald zwischen den fingern wegschmelzen muszte Horazens satyren (1794) 2, 127;
der grosze Hans, ach wie so klein!
läg weggeschmolzen (1790 hingeschmolzen) ihr zu füszen.
Göthe 39, 258 (Urfaust 1, 579).
2)
trans. (mit schwacher flexion) schmelzend schwinden machen: wir sehen auch oft, wie ein einiger donnerschlag so groszen schaden thut und anzündet und die heuser wegschmeltzet und verbrennet Pallio zehen predigten (1601) 34ᵇ. bildlich und übertragen: bei winterzeiten wil ich den schnee und frost mit meinen thränen wegschmeltzen engl. comedien u. tragedien Pp 6ᵃ; sie schmelzt einem das herz ganz weg mit ihrem gesang Jung Stilling 9, 52; nicht der sonnenschein hat das eis aus meiner brust weggeschmelzt, sondern der ernste strenge gedanke hat es in kalter winternacht durchbrochen Hebbel briefe 2, 196;
die sinne werden trunken, die herzen weggeschmelzt.
Dusch 148.
seit dem 18. jahrh. auch mit starker flexion: lächle immer dem feuer zu, das deine besten kräfte wegschmilzt Fr. Müller 3, 90; der frost bildet glänzende krystalle, bildet schöne blumen an den fensterscheiben, der frühling schmilzt sie weg Börne 2, 54; die warme sonne hatte schon allen schnee weggeschmolzen Moltke 6, 282.
wegschnappen
schnappend wegfangen: fliegen, mücken ... welche sie (die fische) gar artig auf dem wasser wegschnappen können Döbel jägerpract. 4 anh. 78; wenn irgend eine verfluchte dohle oder krähe daher kommt und sie (die in einen schmetterling verwandelte prinzessin) ihren jungen zum futter wegschnappt Wieland 11, 79 (don Sylvio 1, 11); den nächsten tag schnappte ihm ein hund das beste stückchen einer wurst vom teller weg Castelli 10, 168. übertragen 'schnell und unvermutet wegnehmen': ich machte mit vielen rechtschaffenen kaufleuten gute kundschaft und meynte hiedurch ein reiches mägdgen wegzuschnappen Ch. Weise pol. näscher 169; Kamilla, die der rauhe Guelfo liebte, und die der kluge Ferdinando wegschnappte Klinger 1, 6; das lüderliche gesindel, das etwan ein stück wildbret dabey wegzuschnappen denkt Ch. F. Weisze kom. opern 3, 26 (die jagd 1, 3); das schiff ist von einem seeräuber weggeschnappt und nach Tetuan geführt worden H. L. Wagner der wohlthätige unbekannte 39; es herrscht (bei der vorlesung) grosze aufmerksamkeit besonders bei den frauenzimmern, die ganz verstohlen ... nachschreiben, was sie wegschnappen Börne Berliner briefe 1828, 14 Geiger. einem etwas wegschnappen: von Bok ... reiszt es (das gefundene strumpfband) mir aus den händen ... bringts der prinzessin und schnappt mir glücklich das kompliment weg Schiller 3, 429 (kab. u. l. 3, 2); er (Wagner) faszte das sujet auf, und benutzte es für ein trauerspiel, die kindsmörderin. es war das erste mal, dasz mir jemand etwas von meinen vorsätzen wegschnappte Göthe 28, 252; dasz sein freund Palissot ihm seine mätresse weggeschnappt hat 45, 98. vor der nase, dem munde wegschnappen: wer heiszt die lümmels mir alle gute einfälle vor der nase wegschnappen Fr. Müller 2, 41;
von jenen hundert köstlichen dukaten,
die uns gehörten,
die er uns vor der nase weggeschnappt,
ist noch kein einziger aus seinen händen.
Göthe 12, 125;
könnten sie eine einzige solche zeile machen, so lieszen sie sich nicht Henrietten vorm maule wegschnappen! Ch. F. Weisze lustspiele 1, 83 (poeten nach d. mode 3, 1); ich hab' die wurst der katz' abgejagt ... nun ..., antwortete der alte baron, es ist mir lieb, dasz das ungeheuer auch einmal merkt, wie es thut, wenn einem der brocken vor dem munde weggeschnappt wird Immermann Münchh.² 2, 52. —
wegschnarchen
1) durch schnarchen (schlafen, träumen usw.) vertreiben:
lasz die moral den schulmonarchen,
und suche bald im ersten, hohen rausch
mit überlegtem, klugen tausch
der schule dünste wegzuschnarchen.
Seume 583.
auch durch anschnarchen (anfahren) vertreiben: den flehenden wegschnarchen Kosegarten bei Campe. 2) darauf los, so weiter schnarchen (schlafen): Humbrecht. busoir, busoir! — heut will ich dir einen stiefel wegschnarchen, frau! H. L. Wagner kindermörderin 49 (4. akt) neudr.;
so leg dich nieder,
und schnarch eins weg, so geht's schon wieder!
Brentano 7, 390 (Victoria u. ihre geschw. 2).
wegschneiden
1)
durch schneiden von etwas abtrennen: grosze herrn hatten ire ehrnholden, die in turnieren und fürstenpancketen macht hetten eim den schilt abzuschlagen oder das tischtuch fürm maul wegzuschneiten Mathesius hochzeitpr. 273, 32 Lösche. meist mit dem nebensinn 'wegschaffen, beseitigen': das man ... ein solche klein heutlich (nachher hewtleyn) wegkschneit Luther 34, i, 4, 8 Weim. ausg.; schaden, die man mit nichts anders heilen kan, musz man wegschneiden, das si nit weiter umb sich fressen Petri 2, Ss 2ᵇ; gärtner ... welche ... die überflüssigen schöszlinge wegschneiden Wieland Lucian 4, 346; der wein ... wird ganz dicht am boden alle jahre weggeschnitten Seume 126; vergeszt auch nicht, aus dem Virgilius das titelblatt wegzuschneiden Scheffel Ekkeh. 62. bildlich und übertragen: derwegen sol man von dem elend und zerstörung des menschlichen geschlechts also handlen, dasz alles zurückkriechen und auszflucht weggeschnitten und auffgehaben ... werde J. Calvin institutio christianae religionis (1572) 110; mich dünkt, alle diejenigen, die solche einzelne fertigkeiten in einem hohen grade besitzen, haben keine gesunde seele, eine menge ihrer natürlichen fähigkeiten ist gelähmt und wohl gar weggeschnitten J. Möser 6, 139; die ermuntrung Rhingulphs ... würde, durch wegschneiden einiger auswüchse ein gutes lyrisches stück werden Herder 5, 336 Suphan; nun hofft' ich erst mit dir zu seyn, mit dir zu leben, dich zu fassen, dich — das ist nun alles weggeschnitten, und ich sehe dich hier! Göthe 8, 297 (Egmont 5) (s. auch wegbrechen 1);
er schleicht aus dem gebüsch hervor
und reckt die flügel — ach!
die schwingkraft weggeschnitten —.
2, 74;
doch weisz ich nicht, welch eine regung mich
antreibt, dasz ich fast wünsche, meine rede
möchte den eigensinn aus eurer brust
wegschneiden, und ein neu vertrauen pflanzen.
Immermann 16, 539 Hempel (trauerspiel in Tyrol 2, 4).
einem etwas wegschneiden: solchen (füchsen) aber ... haben sie ... die schwäntze weggeschnitten Prätorius Blockesberges verrichtung 46; da er denn dem ehebrecher ... beyde ohren ... weggeschnitten v. Lohenstein Arminius 2, 1543ᵇ; wie ich werde denen Türcken die köpff gleich denen krauthöppeln wegschneiden Stranitzky reyszbeschreibung 37 neudr.; wurde mir ... mein langes haar dicht am kopfe weggeschnitten G. Keller 2, 90; musz da den jungen menschen bewachen, dasz er sich den hals nicht wegschneidet L. A. Hoffmann Wertherfieber (1782) 68. übertragen: welche (kunstrichter) ihm (dem dichter) so viel von seinem gerechten selbstbewusztsein wegschnitten, dasz er bescheiden genug wurde J. Paul leben Fibels 148. vor dem (vom) munde, maule wegschneiden: das sie (die bettler) den rechten armen das brod fürm maul wegschneyden Pape bettel- u. garteteuffel Bb 1ᵃ; nein, es (die rede) geht wirklich nicht weiter; es ist, als wenn mirs vom maule weggeschnitten wäre Lessing 1, 367 (misogyn 2, 5); so manches andere ist mir vergangenes jahr vom munde weggeschnitten worden Göthe briefe 19, 88 Weim. ausg.; die schwägerin schnitt ihm das wort vom munde weg Herm. Schmid geschichten a. Bayern 214.
2)
durch schneiden aufbrauchen: ein ... landbrot, von dem sie jedesmal zwei kaufte, 'weil sich das frische zu sehr wegschneide' Fontane I, 5, 40. —
wegschneidung f.:
wie ... das messer durch wegschneidung der räuber nur der pflantzen wachsthum befördert v. Lohenstein Arminius 2, 753ᵃ; mit verbesserung ... und mit wegschneidung der poetischen floskeln allg. d. bibliothek 56, 248. wegschnellen: die sehnen ... haben ... grosze gewalt den pfeil wegzuschnellen Olearius verm. reisebeschr. 123; indem sie mit einer leichten fingerbewegung seine hemdkrausze wegschnellt, und eine bandschleife ... sichtbar macht Schiller 5, i, 114 (Dom Karlos 2, 9 bühnenanw.); er hielt lieber mit schreiben und dichten auf seiner schreibtafel innen, wenn ein buntes weiches wesen über die glatte fläche sich wegarbeitete, als dasz er es weggeschnellet hätte J. Paul flegelj. 3, 59. 'schnell befördern': Helm (ein bote) zeigte briefe, die er wegschnellen sollte v. Hippel lebensläufe 1, 221. übertragen: ich habe ... mich durch träumereien über manche schlechte stunde wegschnellen gekonnt Arndt schriften 3, 474. —
wegschnitt m.,
das wegschneiden: ein hecht au jour ..., dem bekanntlich der wegschnitt des kopfes und schwanzes und die verschlossenheit des bauchs die gestalt eines rehzimmers schenken J. Paul Titan 1, 105. —
wegschrappen
wegkratzen (s. schrappen th. 9, 1648). in hd. form bei Stieler 1917 wegschrapffen, auch übertragen 'augendi rei cupiditate avellere, quaestus causa decidere, detrahere': die Herrnhuther haben ziemlich alles, was zur busze gehört, weggeschrappt J. G. Schütze Herrnhuthianismus (1752) 101. —
wegschraufen
sich unbemerkt davon machen. bair. Schmeller 2, 598 (s. auch th. 9, 1659): sie hat sich gantz behutsamb von aller gesellschafft weckgeschraufft, und gar recht, dann weit darvon ist gut vor den schusz desz ... Cupidinis Abr. a S. Clara Judas 2 (1690) 71.
wegschrecken
wegscheuchen (Krämer 1217), durch furcht vertreiben:
die wilden gens und kranchen ...
setzen sich trutzig bey den stegk,
lassen sich nicht schnell schrecken wegk.
Chr. Falk lobspruch der stadt Elbing v. 294 Töppen;
um die im warmen stillen uferwinkel spielenden eintagfischchen nicht wegzuschrecken J. Paul flegelj. 3, 59. übertragen:
die üppigkeit war (früher) noch durch armuth weggeschrecket.
Haller ged. 108 Hirzel.
von, aus etwas: gewissen, o ja freilich! ein tüchtiger lumpenmann, sperlinge von kirschbäumen wegzuschröken! Schiller 2, 25 (räuber 1, 1 schausp.); dieser lüderliche (Irus) will jenen ehrwürdigen greis (Ulysses) von der thüre wegdrängen, wegstoszen, wegschrecken Herder 3, 218 Suphan; weil mir unendlich viel daran liegt, jeden von dem eigentlichen studium der physiognomik wegzuschrecken, der nicht vorzügliche anlagen und talente dazu hat Lavater physiogn. fragmente 1, 170;
damit ich meinen geist in deinen giesze,
durch meine tapfre zunge diese zweifel
und furchtgespenster aus dem felde schlage,
die dich wegschrecken von dem goldnen reif.
Schiller 13, 27 (Macbeth 1, 9);
entweder
entdeck ich sein geheimnisz oder schreck' ihn
durch list aus diesen mauren weg.
(13, 404 Turandot 3, 1);
würdest von der süszen freude
durch die narren weggeschreckt?
Arndt werke 5, 161.
wegschreiben
1)
durch schreiben wegschaffen: ich setzte mich geschwind an mein tagebuch, um mir die angst wegzuschreiben, die mich in dieser einöde befiel v. Thümmel reise 2 (1791) 320; will nur sehen, ob ich mir nicht den trübsinn und die verzweiflung, die solches wetter mit sich bringt, wegschreiben kann Gerock lebensbild 249; wenn ich mich nur erst aus Rinteln weggeschrieben hätte, dann sollten die buchhändler gute ruhe vor mir haben Abbt 3, 333.
2)
darauf los schreiben: in meinem leben habe ich nicht so viel in einem strich weggeschrieben Hermes Sophiens reise 2, 19; ich schreibe weg, was das zeug halten will Lichtenberg briefe 2, 330. vgl. (s.wegblasen 3): wir befürchten, er (Gotthelf) sei nunmehr unter die literaten gegangen, welche dem teufel ein ohr wegschreiben G. Keller nachgel. schriften 136.
wegschreien
durch schreien vertreiben Stieler 1934: edlere menschen ... hören nicht auf solche stimmen der barbarei, die deszhalb diese studien wegschreien wollen, weil sie nicht nähren Herder 23, 554 Suphan. durch schreien beseitigen: der sich die lunge fast weggeschrien Brentano 4, 221. —
wegschreiten
dô was der lange tac geschriten
enwec biʒ ûf die nône.
K. v. Würzburg troj. krieg 26435;
Peleus sohn schritt weg zu den tüchtigen schiffen und zelten.
Bürger 189ᵇ (Il. 1, 306);
von berg zu bergen schreiten sie weg Göthe 39, 386 (Iphigenie 4, 5 prosa). über etwas: bald werde ich wieder mit frohem muthigen herzen jugendlich über die hügel und berge wegschreiten Heinse 10, 123 Schüddekopf. übertragen: Emilie! bist du darum über die gränzen deines geschlechts weggeschritten? Schiller 3, 468 (kab. u. l. 4, 8);
da tret ich auf mit beherztem schritt,
darf über den bürger kühn wegschreiten,
wie der feldherr über der fürsten haupt.
12, 27 (Wallenst. lager 6). —
wegschroten, durch schroten, fortbewegen vermittelst einer walze, wegschaffen:
so musz er uns (ja mercket dasz)
den brotkorb, darzu dasz bierfasz
wegschrottn und was höher hangn.
dasz wirs so bald nicht mögen langn.
Tharaeus klage der lieben fraw gerste 61.
ein anderes wegschroten 'wegessen', s. schroten 7 c th. 9, 1788:
und wanns gleich wär ein bratne gansz,
die trawt ich wegzuschrotten gantz.
M. Mangold marckschiff A 4. —
wegschrumpfen, schrumpfend schwinden: Hamlet (nimmt den schädel). ach armer Yorick ... ist jetzt keiner da, der sich über dein eignes grinsen aufhielte? alles weggeschrumpft? Shakespeare 3, 332 (Hamlet 5, 1); das auge lief auch wirklich aus ... und schrumpfte weg Immermann Münchh.² 4, 33. —
wegschüchtern
wegscheuchen, wegjagen (s. schüchtern th. 9, 1827): die vögel und das andere viehe damit (mit der vogelscheuche) wegzuschüchtern Prätorius anthropodemus plutonicus 1, 246; dieser (höllen-)wolff lässet sich so leicht nicht abweisen, wegschichtern oder fortjagen Simplic. schriften 3, 107 (Springinsfeld 16) Keller. jetzt an das adj. schüchtern angeschlossen: er (der gast) wird sich wohl haben wegschüchtern lassen, denn er scheint eine stille seele Tieck 18, 47. —
wegschummeln
heimlich bei seite schaffen (s. schummeln 4 th. 9, 1997): verloren? ja versteckt! weggeschummelt! in meine tasche praktizirt! Gotter 3, 354. aus Wien angegeben 'jemand durch listige vorstellungen sich aus dem wege schaffen' Hügel 187. —
wegschuppen, wegschüppen
wegstoszen (s. schupfen th. 9, 2006 f.). der umgangssprache angehörig (beide formen bei Campe angeführt, der wegschüppen zu schüppe, f. zieht), aber auch in älteren md. quellen (ndl. wegschoppen): die alten und wolbekandten freunde schüppen sie weg, und lassen sie fahren Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 151ᵃ; nirgend, wo ein unzüchtiger mensch die ehe gelestert und ubel gehandelt, ein solcher geduldet, sondern alsbald von seinem ampt weggeschüppet W. Bütner epitome historiarum (1596) 58ᵃ. wegschupfen bei Wieland Luc. 6, 106. weitergebildet wegschuppsen: wenn sie uns im lichte stehen, kann man sie wegschuppsen Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 164. —
wegschürgen
wegtreiben, wegstoszen (s. schürgen th. 9, 2044 f.) Anton 4, 9:
zu Jiirge
muszma d kii von dr wiis wäckschiirge.
Peter Schlesien 2, 262.
bei Stieler nach dialektischer aussprache wegschergen, propellere 1768. —
wegschütteln
nun, ich schüttle sie (die blumen) weg, die schönen.
Göthe 1, 280 Weim. ausg.;
schnell schütteln wir sie (die feuerflocke) weg.
Schiller 6, 378;
die dunkelbraunen locken ..., die er oft aus dem hübschen gesichte wegschütteln muszte v. Eichendorff 3, 38. übertragen: entschlossen sie sich, das ganze joch beherzt wegzuschütteln, dessen last sie untzhero nicht geandet hatten v. Stubenberg Samson (1657) 148; bald seh' ich dich im herzogsmantel vor mir, weggeschüttelt die armselige ängstlichkeit Fr. Müller 3, 202. —
wegschütten
ausschüttend wegthun: wollen wir drumb den wein wegschütten Luther 10, iii, 33, 26 Weim. ausg.; lasz sie etliche tage davon (vom heiltrank) trincken, schütte es hernach weg Böhme viehartzney 46. sprichwörtlich: das ist ein böse mutter die das kind mit dem bad wegschüttet Petri 2, m 4ᵃ. als etwas wertloses:
aber ich kan sein nicht geniesen,
dasz ich nur mocht mein hunger biesen,
und es wird so vil wegkgeschiedt,
dasz ich mich wolt erhalten mit.
Ayrer 3180, 14 Keller;
und welchen solche speise rein
nicht schmeckt oder wegschütten,
das ist ein zeichen, das sie sein
von reiner lehr geschritten.
Walther Wackernagels kirchenlied 3, 195.
wegschwärmen
1)
intrans. schwärmend ausziehen: die bienen sind weggeschwärmt Campe. übertragen (s. schwärmen 2 th. 9, 2287):
zephir, bist du denn so müszig,
oder bist du weggeschwärmet?
Gleim 2, 64.
2)
trans. durch schwärmen (s. schwärmen 3 th. 9, 2288) beseitigen, zu grunde richten: zum ball, wo so mancher seine gesundheit und so viele ihre unschuld wegschwärmen C. W. Cranz kraut u. rüben (1784) 1, 7.
wegschwatzen, wegschwätzen
1)
durch schwatzen beseitigen: theile ... deine einsamkeit mit einem liebenden wesen, das alle unsere sorgen und alle unsere lebenspein hintergeht, und wegschwatzet Zimmermann über die einsamkeit 4, 214; es ist schrecklich, wie das volk sein bischen verstand wegschwatzt Arndt schriften 1, 78;
mancher schwatzte
unter der rose sein herz und glück weg.
Herder 27, 147 Suphan;
der kuckuck (führt) jemand her, der das bischen zeit noch wegschwazt Goekingk an Bürger (Bürgers briefwechsel 3, 43 Strodtmann). von etwas wegschwatzen 'zum weggehen bereden': ich suchte ihn (Bürger) von Göttingen wegzuschwatzen, wohin er gar nicht gehörte Boie an Althof (ebenda 4, 263). 'schwatzend hinbringen':
mit einem lust'gern mann ...
hab' ich noch nie ein stündchen weggeschwatzt.
Shakespeare, liebes leid u. lust 2, 1.
einem etwas wegschwatzen 'abschwatzen', mit localer best.: schliefen wir auf einer matratze, welche der dienstfertige vetturin dem wirthe unter dem leibe weggeschwatzt hatte Göthe 31, 204 Weim. ausg.
2)
darauf los schwatzen (s. Herder 5, 373 sp. 2937) vgl.(s. wegblasen 3): 'schwätz' du dem teufel ein ohr weg', sagte er, der thüre zugehend Herm. Kurz der sonnenwirth 1, 83.
wegschweben
schwebend sich entfernen: unsere körper wurden leichter zum wegschweben J. Paul Hesp. 3, 122. über etwas: mit welcher freude sah ich, als der vorhang aufgezogen war, diese herren das theater nicht betreten, sondern in den schönsten und edelsten bewegungen darüber wegschweben! Solger nachgel. schr. 1, 55. —
wegschwelgen
schwelgend vernichten; du hast mein leben weggeschwelgt, meine jugendblüthe, stand, hoffnung, ehre, was ich vermochte, brachte dir meine liebe dar Fr. Müller 3, 144. wegschwemmen, wegschwimmen machen: die flüsse schwemmen das ufer weg Krämer 1217; Xerxes (liesz) den Hellespont, der seine brücke weggeschwemmt hatte, geiszeln Herder 24, 531 Suphan; der unrath wird in den kanälen durch wasser weggeschwemmt Karmarsch-Heeren³ 4, 639. gern in bildlichen wendungen: so wird der hagel die falsche zuflucht wegtreiben, und wasser soll den schirm wegschwemmen Jes. 28, 17; die häuffigen thränen schienen einen theil der vorigen anmuth weggeschwemmet zu haben v. Ziegler asiat. Banise 318; es (das blut Christi) ist durch dinge, die dazwischen gekommen, aufgehalten worden, es kan wider den durchbruch gewinnen, und noch alles andere über den hauffen reiszen, und wegschwemmen v. Zinzendorf Berliner reden für frauen (1738) 27; auch da würden freilich noch stets hindernisse bleiben, die allein der strom der zeit wegschwemmen kann Herder 5, 346; wenn's nicht wein und bier gäb sich manchmal die grillen wegzuschwemmen und in tiefen schlaf zu versenken Göthe 39, 6 (Gottfr. v. Berl. 1) Weim. ausg.; wie das meer durch eure dämme bricht, so brecht, so reiszt den wall der tyrannei zusammen, und schwemmt ersäufend sie von ihrem grunde, den sie sich anmaszt, weg! 8, 304 (Egmont 5);
der tag der rache kömmt,
bis wir sie mit dem eignen blut
vom boden weggeschwemmt.
Körner leier und schwert 31.
im aberglauben ist es 'die 'forttragende' kraft des flieszenden wassers benutzen, um krankheiten ... zu entfernen' Seyfarth aberglaube u. zauberei in der volksmedizin Sachsens 222. übertragen: man weisz, was in den alten zeiten der ruhm des stammes galt: eine empfindung, die bis auf den dummen ahnenstolz aus den seelen unserer zeiten weggeschwemmt zu seyn scheinet Herder 3, 29 Suphan.
wegschwenken
wegschütten: (soll der mundschenk) zuvor kosten das kein gifft darin (im becher) sey und das ubrige wegkschwencken Mathesius Sarepta 192ᵃ. —
wegschwiemen
ohnmächtig werden, s. schwiemen th. 9, 2618. das nd. wort wird von A. W. Schlegel gebraucht:
die blut'ge leiche, jämmerlich und blutig,
bleich, bleich wie asche, ganz mit blut besudelt —
ganz starres blut — wegschwiemt' ich (I swounded), da ich's sah.
Shakespeare, Rom. u. J. 3, 2.
wegschwimmen: ich finde da (von wendungen) nur noch den lohgerber, dem die felle weggeschwommen haben Fontane frau Jenny Treibel 257. übertragen: Viktor ging aber mit den wegschwimmenden tönen und die sterne schienen mitzuschwimmen und die gegend mitzugehen J. Paul Hesp. 3, 238; wie flüssiges gold, schwamm die luft über all den grünen waldhäuptern weg Stifter 2, 522. —
wegschwinden
verschwindend weggehen oder vergehen:
plötzlich schwinden
wir wieder weg, und sind in heiler haut
schon wieder hier, noch eh' der morgen graut.
Wieland 18, 181;
weil sie (die geliebte) sich abwendend ... wegschwindet Herder 6, 142;
weggeschwunden ist die lippe,
die im kusse sonst genas.
Göthe 1, 119;
weil, bei einer näheren bekanntschaft mit den herrn, der nimbus von ehrwürdigkeit und heiligkeit wegschwindet 8, 39 (Götz 1); das alter ist nun auf meiner zunge, mein geist ist weggeschwunden 37, 76;
weg, Eurymachos, schwand sie fürwahr, des vaters zurückkunft.
darum trau' ich nicht mehr, ob verkündigung irgendwoher
kommt.
Voss Odyssee 1, 413;
des tages trübe stunden
sind wieder weggeschwunden.
Schubart ged. (1825) 1, 29;
dasz ich wohl sehe, wie allmählich auch der lezte blasse strahl von hofnung für mich wegschwindet briefe 2, 88 Strausz. wegschwingen, schwingend von der stelle schaffen, beseitigen: der Franzos sagte mir hernach, der herr Selten habe des gegners klinge mit seiner gefast, und sie so weggeschwungen Hermes Sophiens reisen 1, 53; es giebt wünschelruthen, die den vermeintlichen zauber jeder unnatur wegschwingen Jahn merke 295. refl., sich schwingend entfernen; über etwas: wie er sich gleich zugvögeln über den düstern, nebelnden herbst wegschwang J. Paul Qu. Fixlein 97; dasz die anlage selbst nicht von derjenigen kraft sey, die sich über alle beschränkungen gewöhnlicher erziehung wegschwinge Lavater physiogn. fragm. 2, 119. —
wegschwitzen
im schwitzen verlieren: in welchem (schweiszbad) ich bis gegen ostern fast alle säffte und kräffte weggeschwitzet A. Bernd lebensbeschreibung (1738) 1, 466; solche thränen sind nicht für menschen, die eben ihr bischen gefühl im tanz weggeschwitzt haben Kotzebue dram. werke 7, 49 (falsche scham 2, 6). wie ausschwitzen 'vergessen' Campe.
wegschwören
durch schwören sich um etwas bringen: er hatte niemals welche (ehre), oder wenn auch, so hatte er sie längst weggeschworen Shakespeare, wie es euch gefällt 1, 2. refl.:
Käthchen. ich will nicht selig sein, ich will verderben,
wenn du mich je —!
graf vom Strahl. ... da hat sie nun
der seelen seligkeit sich weggeschworen?
H. v. Kleist 2, 202 (Käth. v. H. 1, 2) E. Schmidt.
wegsegeln
die übrigen (schiffe) musten gleichwol im haffen ligen bleiben, bisz das kriegszvolck alle weggesegelt war Rätel Curäi chron. des h. Schlesien 57; die gemeine erfahrung, dasz ein stein, vom maste eines schnell segelnden schiffes herabgelassen, genau am fusze des mastes niederfällt, obgleich das schiff während seines falles unter ihm weggesegelt ist v. Schubert verm. schr. 1, 23. im älteren nhd. auch wegsigeln:
bald ich von hin wegsieglen wil.
der narrenfresser inn Preuszen (1532) A 3;
so wolt er heimlich siglen weck,
in Denmarck, oder ken Lubeck.
M. Frydwalt apweichunge der lande Preuszen (1578) A 2ᵃ;
den 6. junii seind die englischen schiffe mit 16 hollandischen wieder weggesiegelt Bodecker chronik 31.
wegsehen
1)
die augen abwenden Stieler 2026:
o sieh mich an! sieh nicht weg,
holder engel.
Schiller 12, 307 (Wallenst. tod 3, 18);
auch auf die schwülst'gen verse gebt nicht acht,
und während man sie spricht, seht weg und lacht.
Shakespeare, liebes leid u. lust 5, 1;
denn von der zeit an fühlt' ich wohl, dasz du öfter über dem blatt wegsahst, oft zur ungelegenen zeit aus dem tact kamst Göthe 11, 175 (Stella 4). von jemand: sie ziehen an ihm vorüber. er sieht weg von ihnen Schiller 2, 194 (räuber 5, 2 bühnenanw.); dem jungen Florio dünkte die schlanke gestalt des fremden, sein frisches, keckes wesen ... so überaus anmutig, dasz er gar nicht von demselben wegsehen konnte v. Eichendorff 3, 107. von etwas: Rudolf sieht aufhorchend einen augenblick vom buche weg und liest dann weiter Grillparzer⁵ 9, 16 (bruderzwist 1 bühnenanw.). übertragen: ists möglich, von allen diesen spuren des wandelnden, sprachschaffenden geistes wegzusehen, und ursprung in den wolken zu suchen? Herder 5, 81 Suphan;
aber wer kann sie zählen die thaten der ehernen unscham?
und wer möcht' es? ihr seht lieber vom schrecklichen weg.
Klopstock oden 2, 91, 42 Muncker;
wie absehen: wie vieles haben nicht andre ... in dieser art geleistet, wenn man blos die sprache betrachtet, und von der erfindung wie von dem zwecke wegsieht J. Möser 9, 155. 'abstrahiren' Schopenhauer 1, 252 Grisebach.
2)
über etwas wegsehen, den blick über etwas hin haben: basreliefs, wo die hintersten (figuren) allezeit höher stehen als die vordersten, und über sie wegsehen Lessing 6, 489; dasz man von einer anhöhe leicht über ganze wälder solcher bäume wegsehen kann G. Forster 2, 267; schöne lage von Ellbogen, dessen schlosz über die landhöhe wegsieht Göthe tageb. 3, 335 Weim. ausg. redensart: du (Spiegelberg) bist wohl nicht der erste gauner, der über den hohen galgen weggesehen hat Schiller 2, 40 (räuber 1, 2 schausp.). übertragen 'nicht darauf achten': wenn ich kopf fand, sah ich über die sitten weg Schubart leben u. gesinn. 1, 98; er (Schiller) liesz sich nicht irren, auf den Fiesco gröszeren werth zu legen als auf die Räuber; und über das einzelne ... weggesehen, ist es auch ein weit bedeutenderes stück Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 134. über jemand wegsehen: (viele liebhaber) glaubten, du hättest verächtlich über sie weggesehen Wieland Lucian 1, 78; wer nicht über andere wegsieht, und am tisch sich oben ansetzet ..., erregt keinen neid v. Hippel lebensläufe 1, 297. vor sich wegsehen s. sp. 2937.
3)
darauf los sehen, durch sehen erledigen: wir rennen mit verhängtem zügel, um vor abend noch ein tüchtig stück wegzusehen Waiblinger die Britten in Rom 13 Zoller.
wegsehnen refl.
sich sehnen an einen andern ort zu kommen: wo man gedrucket wird und es schlimm hat, da verlanget niemand hin, und wer da ist, sehnet sich weg Ch. Wolff vern. ged. v. d. gesellschafftl. leben (1725) 211;
Diana sehnet sich
von diesem rauhen ufer der barbaren
und ihren blut'gen menschenopfern weg.
Göthe 10, 32 (Iphigenie 2, 1);
von frost'ger nüchternheit, von grübelnder vernunft,
wie sehn' ich mich davon aus langer weile weg!
Platen 87 (gas. 132).
wegsein n.,
entferntsein. zuerst von Campe als subst. angeführt; seit dem 17. jahrh. vorkommend:
mein weg-seyn, meynt' ich, würde
entladen mich der bürde.
S. Dach 479 Österley;
die ganze zeit meines wegseyns hätte kein ander bild drin gewohnet als das meine Göthe 11, 157 (Stella 3); die residentin gewann bei allem, wessen ihn heute das wegsein seiner Beate beraubte J. Paul unsichtb. loge 3, 18; ich sehe, was ich durch ihr wegsein verloren Görres briefe 2, 107. wegsenden:
Cupido war vorhin von hause weggesendet.
Opitz poem. 208 neudr.
von geschossen:
denn wer zur scheibe sich, zum ziel die sonne wählt,
der sendet stets umsonst die leichten pfeile weg.
Platen 87 (gas. 132);
über: risz er seine büchse von der schulter und sandte eine kugel über den kopf des henkers weg G. Keller 5, 245. —
wegsendung f.:
um alles auszugleichen,
musz diese schnelle wegsendung (Hamlets) ein schritt
der überlegung scheinen.
Shakespeare 3, 286 (Hamlet 3, 5).
wegsengen
durch brennen beseitigen, vernichten: durch unfleisz und verwarlosung einem andern hausz und hof wecksengen Mathesius handsteine 928 Lösche; als musten seine töchter mit glühenden nuszschaalen ihm den bart wegsengen Marperger haar- u. feder-handel 127;
die städt und dörfer man wegsengt,
die kirchen und schulen man zerstört,
das land wird jämmerlich verheert.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 213, 10;
der strenge Titan sengt mit glüend-heiszem licht
die dürren garben weg.
Gryphius (1698) 1, 17 (Leo);
der hund'stern, welcher sängt
laub, grasz und blumen weg, hat wenig frist zu brennen.
v. Lohenstein 1, Ibrahim sultan 54;
ihr motten, die ihr blind in heisze fackeln flüget,
die flügel euch sengt weg, vergleicht euch ja nicht mir.
Arminius 1, 388ᵃ.
bildlich:
ich senge reinste hold wie reif und mehlthau weg.
2, 1452ᵇ;
dem schönen auge, welches schärfer blickt
wenn gold ihm schimmert, hat die luft der welt
den morgenthau der unschuld weggesengt.
F. L. Stolberg 3, 43.
wegsetzen
1)
trans.
a)
von einem ort entfernen und anderswohin setzen: deponere, enweg setzen Diefenbach gl. 175ᵃ; wegsetzen oder wegthun, removere, deponere, aufferre, transportare voc. inc. teut. C 4ᵃ;
ich weisz wie embsig du den Musen hast gebuhlet,
am ersten auch den fusz von hinnen weggesetzt.
Tscherning vortrab (1655) C 2ᵇ;
jetzt setzte die alte rasch ihre pfanne weg C. F. Meyer Jürg Jenatsch 29. oft ist es 'bei seite setzen, von dem ort wo etwas hingehört entfernen': so sagt auch ... schon Epiphanius von den schlangen, dasz sie so lange ihren gift wegsetzen, als sie saufen J. Paul aus des teufels pap. 1, 148. ein schiff wegsetzen 'es frevelhafter weise sinken oder scheitern lassen, um die versicherer um die versicherte summe zu betriegen' Soltau beyträge zu Adelung 79, bei Kluge seemannswb. 829 noch beleg v. 1908. jetzt veraltet (noch von Campe erwähnt) ein kind wegsetzen 'aussetzen' (wie weglegen): diejenigen die es weggesätzet hätten v. Zesen Sofonisbe 200; ihren eintzigen sohn, den ihr gemahl Polemon hatte in eine wüste wegsetzen lassen v. Lohenstein Arminius 2, 1609ᵃ; blieb das aufgeklärte Griechenland nicht unmenschlich, wenn es seine kinder wegsetzte? Gellert 6, 47; Ödipus, der auf befehl seiner eltern weggesetzt, von schäfern erhalten und zu Corinth erzogen war Ramler einl. in die schönen wiss. 2, 292; kaum geboren von der mutter hast du mich weggesetzt Görres heldenbuch v. Iran 1, 96. weggesetzt 'abseits gesetzt, verlassen': was willst du in diesem winkel anfangen? vor allem bist du hier weggesetzt v. Polenz pfarrer von Breitenborn 12; wie sehne ich mich nach vollendung der eisenbahn zwischen hier und Berlin, dasz man doch öfter sich erfrischen und lernen kann, jetzt bin ich wie weggesetzt Rietschel an Rauch briefw. 1, 420. etwas wegsetzen, im älteren nhd. übertragen 'auszer acht lassen': denn dieses gebot ... ist nicht also wegzusetzen und gering zu achten Luther briefe 5, 652;
wer gottes wort und schrift im glauben untersucht,
der setzt nicht dinge weg, die gottes ruhm erheben.
Neukirch ged. 153.
b)
über etwas wegsetzen 'hinaussetzen, erheben': doch wenn mir de Lüc schrieb, ich schriebe ihm keinen brief, aus dem er nicht etwas lernte, so setzte mich dieses über alle urtheile der welt weg Lichtenberg 1, 32; den himmelsbewohnern, die, vermöge der heiligkeit ihrer natur, über alle mögliche verleitung weggesetzt sind Kant 6, 228. über jemand: dadurch (durch die satiren) sie fast nur leute von verdienst treffen, die ihr guter leumund weit über jene sudler wegsetzt Claudius Sethos 1, 95; er (Lavater) lebte von kind auf ein thätiges inneres stillleben, was ihn in seinem bewusztsein über andere seines gleichen wegsetzte Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 253. sich über etwas wegsetzen (häufiger hinwegsetzen), sich dadurch nicht bestimmen lassen: die jungen kritikbeflissenen ... setzen sich leicht über solche bedenklichkeiten weg Klopstock 12, 72; da man sich (in der franz. revolution) über könige weggesetzt hat, wird es nicht immer menschen geben, die sich über gesetze wegsetzen? Lichtenberg 2, 232; punkte von solcher wichtigkeit, dasz ich mich des gröszten leichtsinns schuldig machen würde, wenn ich mich darüber wegsetzen wollte v. Thümmel reise 4 (1794) 11; ich hätte mich über die engen östreichischen verhältnisse wegsetzen und für die welt ... schreiben sollen Grillparzer⁵ 19, 152. über jemand: aber wir neuern haben in mehrern stücken geglaubt, uns weit über sie (die alten) wegzusetzen, wenn wir ihre kleinen lustwege in landstraszen verwandelten Lessing 6, 373.
2)
intrans., über etwas wegsetzen, im satz über etwas springen: über Fortunens rad setz' ich lächelnd weg und dreh' es nach meinem gefallen! Fr. Müller situation aus Fausts leben 109 neudr.; da mögen die kritischen windspiele über ihn wegsetzen werke 1, 323; der nordische hase mit ... der bequemen bildung seiner läufe um leicht über tiefe schneefelder wegzusetzen Ritter erdkunde 2, 135. übertragen: also wollen wir über die urtheile dieser ... lastträger der gelehrsamkeit einmal frisch wegsetzen Arndt schriften 1, 447.
wegsicheln
mit der sichel wegschneiden. vom tode: freund Hain hat ihn bereits weggesichelt G. Müller bei Campe.
wegsingen
1) durch gesang vertreiben: rufe sie dann auf ... die wollüstigen schönen alle, dasz sie ... mit ihrer süszen kehle der ermordeten geheul von deinem ohr wegsingen! Klinger neues theater 1, 220;
umsonst, dasz er den becher trank,
die sorge wegzusingen rang.
Kretschmann 1, 185.
in einigen gegenden von der kirchlichen einsegnung der leiche John sitte im deutschen Westböhmen 175. zeitschr. f. d. mda. 1914, 375 (Erzgebirge). — 2) hintereinander, bis zu ende singen: die vormahls gebräuchlichen lieder, mit den vielen strophen oder versen ... wurden in eins ohne pausen weggesungen Walther music. lex. 46; der sich hinlagerte, um alle Klopstockschen lieder nach der reihe hin wegzusingen Herder 5, 354 Suphan. vom blatte wegsingen s. sp. 2937. —
wegsinken
hinabsinken: man solle nur bei der wurtzel ein loch abwärts bohren, damit der bittere safft ausflieszen und wegsincken könne v. Hohberg Georgica 1, 432; wenn unter euch der boden wegsinkt Sturz 1, 124; wie starr ihr aug' an der feuerkugel hängt, die hinter der stadt wegsinkt Klinger 2, 215;
doch scheint die göttin (die sonne) endlich wegzusinken.
Göthe 14, 56 (Faust 1, 1084).
übertragen, den augen allmählich entrückt werden: meine welt sinkt unter mir weg, meine form verdunstet Bode Montaigne 6, 87;
wehe! vor ihr (der seele des todten) war jeder schauplatz neuer erkenntnisz
weggesunken.
Klopstock Mess. 16, 429;
endlich waren vor mir die bewölkten erscheinungen alle
weggesunken, und sieh, ich sahe wieder gesichte.
18, 492.
wegsollen, verpflichtet oder genötigt sein wegzugehen. in der umgangssprache, selten litterarisch: unser neuer knecht soll schon wieder weg Ludwig 2405; es ist, als ob ich wieder aus ihrem hause wegsollte und ihnen stumm die hand küszte Herder an Heyne (von und an Herder 2, 122). —
wegspazieren
doch fühlt sie (Mignon) noch immer die begierde über die gipfel der berge wegzuspazieren Göthe 23, 179 Weim. ausg.
wegspeien
von sich speien: despuere, wegspeyen Diefenbach gl. 176ᶜ;
mit zwang geküszter mund darff nur den kusz wegspein,
so wird er aller schuld und schande sich befrein.
v. Abschatz d. teutsch-redende treue schäffer 1, 75;
ich werde dich aus meinem munde wegspeien Jung Stilling 3, 91. —
wegspicken
wegschnellen, weghaschen. in Appenzell Tobler 443ᵃ; wie sausten da die eisenbrocken ob unsern köpfen weg ... und spickten uns die leuthe aus den gliedern weg Bräker 1, 152.
wegspielen
1)
durch spiel von wo entfernen: einen ball von einem loche wegspielen Campe. übertragen, durch künstliche mittel (eig. gaukelspiel) von wo wegbringen: hätten doch die Römer den Tarentinischen gesandten Phileas, welcher ... zwey Tarentinische geiszel von Rom wegspielen wollen, vom Tarpejischen felsen gestürtzet v. Lohenstein Arminius 1, 232ᵃ; man wollte ... gleichsam nur den druckort (der litteraturzeitung) verändern und durch solches manoeuvre ... diese wichtige anstalt für ewig von Jena wegspielen Göthe 35, 153; hast du ... einen lieblingsfehler, der dich ... aus den schranken der natur wegspielt Herder 32, 428 Suphan. refl.:
er hat in Mohrenland sich heimlich weggespielet.
v. Lohenstein Cleop. 121, 611.
2)
durch spiel vertreiben: könnte ich auch meinen kummer wegspielen! Ch. F. Weisze lustsp. 1, 286 (ehrlich währt am längsten 2, 1); (wo) er uns die halben sommernächte beym mondschein mit der harfe wegspielte Klinger theater 1, 213. auf künstliche weise beseitigen: da die entscheidenden worte der gegner wegspielt, an wem von uns beiden haftet der vorwurf schmählicher veruntreuung? Voss antisymbolik 2, 375; sie (die jesuiten) sind eine weltbrüderschaft und umschlängeln mit ihren listigen armen die welt. so spielen sie uns auf jeden fall, so viel an ihnen ist, unser vaterland weg Arndt schriften 3, 464. 'heimlich entwenden' Fischer 6, 548.
3)
hintereinander, bis zu ende spielen: die erste art bestehet darinnen, dasz man die noten und melodie also wegspielt, wie sie auf dem papiere aufgezeichnet stehen Baron instrument d. lauten 140; so kann das stück durchaus frisch weggespielt werden Schiller briefe 7, 94 Jonas. vom blatt wegspielen s. sp. 2937.
4)
intrans. spielend über etwas fahren: dieses (zeichen) bestand ... darin, dasz er wahrhaft musikalisch mit den fingern über meine thür wegspielte Strausz 2, 230.
wegspinnen
durch spinnen aufarbeiten: willst du uns zur hochzeit einladen, dich unser nicht schämen, und uns deine basen heiszen, ... so wollen wir den flachs wegspinnen, und das in kurzer zeit Grimm märchen (1843) 1, 90. —
wegspötteln
wie den guten hauslehrer ... die feine Gallizin wegzuspötteln trachtete Voss wie ward Fr. Stolberg ein unfreier 49. —
wegspotten
habt ihr ihm macht, zu rufen, bringt ihn her,
ich schwör', ich habe macht, ihn wegzuspotten.
Shakespeare, Heinrich IV. 1. th. 3, 1;
die du (England) des continents gethürmte flotten
von deines meeres antlitz wegzuspotten
vermagst mit einem deiner stolzen hauche.
Rückert werke 1, 12;
seine weibische schüchternheit, die Rambold durch schrauberey wegzuspotten vergebens versucht hatte Nicolai Seb. Nothanker 2, 133; wie dieser denn von jeher keiner wehmütigen empfindung raum geben wollte, sondern dergleichen wegzuspotten pflegte E. Th. A. Hoffmann 10, 149 Grisebach.
wegsprechen
1)
durch sprechen beseitigen, aufheben: und spreche die sunde hie wegk Luther 34, i, 321, 9 Weim. ausg.; Gaszner, wenn du all diesem jammer abhilfst, all diesz elend im namen Jesu wegsprichst, so will ich auf den knieen zu dir kriechen Schubart leben u. gesinnungen 2, 97; du sprichst mein fieber weg Klinger theater 1 161; Glanzen, ... den jetzt seine anstrengung ungemein verdrosz, weil er sich ohne nutzen den halben appetit weggesprochen hatte J. Paul flegelj. 1, 10. einem etwas wegsprechen 'absprechen' Fischer 6, 548. auch wie besprechen z. b. das feuer Campe. sich durch sprechen von etwas befreien: der jüngling, der mit der ersten anrede seine bewegung weggesprochen und sich in einen ton bescheidener zutraulichkeit hineingefunden hatte Herm. Kurz der sonnenwirth 1, 7.
2)
darauf los, immerzu sprechen: mich dünkt, wir können ihn (über die gelehrte sprache) wegsprechen lassen (oder 'sich absprechend äuszern'?) Herder 2, 95 Suphan. vom herzen, von der leber wegsprechen s. sp. 2937.
wegsprengen
wegspringen machen:
den stoltzen pengl kan ich gengen,
durch disz feur von der pin wecksprengn.
Ayrer 2475, 12 Keller;
Görge. ich will's ihm gedenken, dasz er mich jetzt von Rösen weggesprengt hat Göthe 17, 275 (bürgergeneral 7) Weim. ausg.;
viel menschen suncken ein, viel wurden (durch die granaten) weggesprengt.
v. Besser 1, 56;
felsbänke, die ... leicht wegzusprengen wären Ritter erdkunde 6, 181. absolut, vom reiten: er warf sich auf sein pferd und sprengte weg Göthe 25, 294; über etwas: ich sprengte über die gantze schwadron weg Ch. Weise erznarren 100 neudr.
wegspringen
einen weg- oder entspringen lassen Ludwig 2411; sein blut ist auf zehen schritte weggesprungen Rondeau. über etwas: junge beine juckts ... oft über die köpfe der alten wegzuspringen Herder 30, 94 Suphan; obschon diese (zicklein) ... sich gegen mich bäumten, mir über den kopf wegsprangen Immermann Münchh.² 74; er springt über den stuhl weg Göthe 38, 162 (Claudine). bildlich und übertragen: nur leichtsinnige anmaszung sei es, die gern über die schranken wegspringt, kriege des angriffs liebet und ihre eigene ehre aufs spiel setzt Herder 18, 348 Suphan; da ich mich in meinem leben über so vieles hinweggesezt habe; so will ich auch diesesmal den stab ansezzen, und über bedenklichkeiten dieser art wegspringen Schubart leben u. gesinn. 1, 121; in welcher vortheilhaften stellung sind hier die Franzosen dann, und wie geschwind werden sie, über alle verträge und gelübde wegspringend, diese dann benutzen? Arndt schriften 3, 160. wegspritzen. 1) trans. von sich spritzen:
ein mit gewalt geküszter mund sprütz't weg
den kusz.
v. Lohenstein 1, Agrippina 39.
2) intrans.: das wasser ... mit groszen schaum gleichsam ... über unser schiff wegspritzte Leipziger aventurier 2, 83; man glaubt den feinen staub einzuschlucken, der davon wegsprützt fürst Pückler briefw. u. tageb. 2, 133. —
wegsprudeln
sprudelnd von sich geben: die reihe von als und cals, die er (Polonius) in seinem geschwätz wegsprudelt Herder 5, 230 Suphan; ha, bruder, ich sprudele meine gute laune weg! Klinger theater 3, 126. —
wegsprühen
wegspritzen (vgl. sprühen 2 th. 10, ii, 189): ich mus glauben, das gott könne das meer wegsprühen als ein steublin Luther 16, 185, 12 Weim. ausg.
wegsprung m.:
war ich ihnen dann schon so innig verbunden, ... dasz ich nicht noch gewalt besasz einen wegsprung zu machen und er ist nicht hart dieser sprung! Schiller briefe 1, 11 Jonas.
wegspülen
1)
trans. spülend wegnehmen, wegflieszen machen: ha! nicht die grosze seltne noth der welt, diese fluten, die eure dörfer wegspülen, rühren mich Göthe 19, 46 Weim. ausg.; vorn an einem absturz, wo die fluthen die erde von den wurzeln einer knotigen eiche weggespült haben G. Forster 3, 500;
er hat den steg begraben,
der ob der stäube hieng,
hat weggespült den knaben,
der auf dem stege gieng.
Uhland ged. (1898) 1, 310.
in bildlichen wendungen: welchen hochfürstlichen ruhm keine fluht wegspülen ... keine zeit verzehren wird Bucholtz Herkuliskus vorr. a; soll eine zweyte sündfluth kommen, die das schlechte (in der dichtersprache) wegspült? Abbt 5, 142;
deine thräne spült
sie (die schuld) weg.
Gotter 2, 483;
wir haben einen teufelswein getrunken,
der die gedanken rein uns weggespült.
H. v. Kleist 1, 250 (Amph. 2, 3) E. Schmidt;
unvergeszlich sei die stelle,
wo des lichtes heilge quelle
weggespült den traum der schmerzen.
Novalis 4, 223 Minor.
übertragen: ob die paraphrase (Semlers) nicht den sinn des begeisterten Johannes oft ganz wegspüle? Herder 5, 442 Suphan; weil sie alles haben wollten, verloren sie sich selbst und wurden von den völkern, die sie geplagt und unterjocht hatten, aus der geschichte weggespült Arndt schriften 2, 364. früher auch refl.: dasz noch immerfort das land sich mehr und mehr wegspület Micraelius Pommern 2, 144.
2)
intrans. vom wasser:
es ist die entlegenste hütte der insel,
blosz durch riesige steine beschützt vor stürmischen andrang,
der oft über den sand wegspühlt und die schwelle benetzt ihr.
Platen 119 (ekl. u. idyll.).
wegstarren
mit starrem blick wegsehen:
und plötzlich starrt er weg, mit wildem rollendem blick.
Wieland 23, 13 (Oberon 7, 14).
wegstäuben
1)
trans. als staub wegfliegen machen: Germanicus sammelte Teutoburgs gebeine, und bedeckte sie mit einem grabhügel. wir stäubten den hügel weg Klopstock 12, 292 (vgl. oden 1, 210, 73 Muncker); ruhiges moos wächst schon auf ihren gräbern und die inschrift auf ihren todtenkreuzen stäubte der regen weg Schubart briefe 2, 245 Strausz; gebe uns der himmel den genusz davon und stäube allen akten- und hofstaub um uns weg Göthe briefe 4, 10 Weim. ausg. von menschen. im vergleich (vgl.wegblasen 1): alle bergbewohner waren wie von der erde weggestäubt Schreiber poet. werke 3, 29;
wofern sie mit uns fechten wollen, heisz
herab sie ziehn, wo nicht, das schlachtfeld räumen ...
thun sie von beyden keins, so kommen wir
und stäuben sie da weg, so rasch wie steine,
geschnellt aus den assyr'schen alten schleudern.
Shakespeare, Heinrich V. 4, 7.
2)
intrans. (auch wegstauben s. th. 10, ii, 1097 und 1102) als staub wegfliegen: die mühlen auch also vorwahren, das am wegstüben kein nachtheiliger abgang befunden Ermisch u. Wuttke haushaltung in vorwerken 151, 6 (16. jahrh.); wann das getrayd gemahlen und wieder gewogen wird, soll für das wegstauben und verzetten allweg 3 pfund von einem centner abgezogen werden v. Hohberg Georgica 2, 99.
wegstäubern
wegjagen (s. stäubern 2 th. 10, ii, 1106); nachdem man auff den feind ... getroffen und ihn weggestäubert v. Chemnitz schwed. krieg 2, 522; bisz endlich Eva ausz ungedult von der treppe hervor sprang, die katze wegstäubert und sie mit worten schalt Prätorius philosophia colus 193; dencke doch wenn wir die wilden thiere nicht wegstäuberten, so wäre kein mensch in seinem hause sicher Ch. Weise comödien 133. dafür auch wegstöbern: die (löwen) fielen mit gantzer macht an auf die wölffe ... trieben dieselben mit groszer furi zurück und stöberten sie weg Francisci lufftkreis (1680) 642. —
wegstauen
an einen andern ort verstauen, verpacken Stenzel seemänn. wb. 460ᵃ, vgl. stauen 4 th. 10, ii, 1166, ndl. wegstouwen. in der umgangssprache auch ohne bez. auf ein schiff: er ... war ganz beladen mit packeten und packetchen, welche an seinen knöpfen und fingern baumelten und überall weggestaut waren, wo sich platz fand H. Seidel 7, 4. —
wegstäupen
wegjagen (eig. durch schläge): (Hieronymus) billigte ... diese himmlische castratenwuth, womit man mädchen, welche die schönsten kinder gebohren hätten, aus der welt wegstäupte in schauderichte klöster Zimmermann über die einsamkeit 1, 327.
wegstechen
durch stechen abtrennen und wegnehmen: fletz ... da sich das ertz drauff absetzt, als het mans mit eim grubenscherpper weggestochen Mathesius handsteine 210 Lösche; man hat nur nötig bei allen ... niedersprungsörtern den rasen wegzustechen Jahn 2, 103; er hat den ringel weggestochen (mit der lanze) Kramer t.-ital. 2, 922ᶜ; auch (vgl. stechen 11 th. 10, ii, 1262 f.): er stach mir meine karte weg Steinbach 2, 713. durch stechen vertreiben: gleich wie die bynen thun und stechen die humeln weg, wilche nicht erbeyten Luther 19, 654, 32 Weim. ausg.; wann nun der geblendte ... lockvogel anfänget zu ruffen und der wilde finck auf dem baum solches vernimmt, will er ... ihn wegstechen v. Hohberg Georgica 2, 682; auf menschen übertragen (vgl. wegbeiszen): disz ampt wirt verterbet, das so vil heuptleute hatt, uber ein jar balt ein ander ... wenn ein guter hauszwirt kompt, wirt er weggestochen Kasp. v. Nostitz haushaltungsbuch des fürstenth. Preuszen (1578) 39, 16 Lohmeyer; nicht wahr ... den (nebenbuhler) hab' ich schon weggestochen? Vischer allotria 19. vom turnirkampf hergenommen ist die bed. 'ausstechen, übertreffen', die bis in die 1. hälfte des 18. jahrh. üblich ist: einen wegstechen in einer kunst, superare in qualche arte Kramer t.-ital. 2, 922ᶜ;
mit den die im schon hengen an
sticht er weit weg und macht zuschanden
all an des königs hof trabanten.
Lobwasser calumnia C 1;
gelt sticht itzt schönheit, ehr und tugend weg.
Voigtländer oden u. lieder 86;
der bien' und ameisz fleisz sticht pfauen-federn weg.
v. Lohenstein 1, Ibrahim sultan 41;
granaten-äpffel geh'n für königliche zierden,
ihr krantz sticht kronen weg.
Arminius 1, 557ᵃ;
es sticht zinober ja die andern farben weg.
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 60;
mein gott! wie stach derselben (pfauenfedern) grüner glantz
der blätter farben weg! sie werden gantz,
hält man der federn glantz und grüne glut daneben,
verändert, schmutzig, blasz und ohne leben.
Brockes 4, 167.
wegstecken
wegthun und einstecken:
sei zahm, das rath' ich dir, stecks messer weg.
Tieck 2, 193.
ins gefängnis stecken: seine kreditores wollten ihn wegstecken lassen, wo ihn nicht sonn noch mond beschiene Lenz 1, 33 Tieck (hofmeister 2, 7); wenn man weggesteckt würde, wo nicht hund oder hahn nach einem krähen kann Arndt an K. Th. Welcker briefw. 368 Wild. verstecken Kramer 261: wenn ich auch wie der vogel strausz den kopf wegstecke, man erblickt mich dennoch Immermann Münchh.² 1, 199. bei seite stecken: wenn ich mir nun etwa einen ortsthaler zu obst und kuchen wegstecke, dieses macht herrn Kargen weder arm noch reich Kritzinger die bunte reihe (1764) 29. mit der nadel an einem anderen ort befestigen Adelung s. Immermann a. wegbinden.
wegstehen
1)
abstehen (von etwas): werden ihme da die taschen gestarret, gesparret und von denen lenden weggestanden seyn, wie pausebacken Prätorius d. abentheuerliche glückstopf 434; selbst sein haar hatte er in ein wegstehendes zöpfchen zusammengedreht Lichtenberg 4, 53; sie trägt nicht die kleider, wie es jetzt die frauen so anfangen, dasz sie von den hüften wegstehen Stifter 2, 290. abseits stehen: alle seine empfindungen, die ihm die tänzerinnen einflöszten, wollt' er seiner einzigen bringen, die einsam wegstand J. Paul unsichtb. loge 3, 18;
nein, drängt nicht so heran! steht weiter weg!
Shakespeare, Cäsar 3, 2.
2)
mit acc. mit stehen hinbringen: dann kam besuch von Langensalza, der gröszte theil des tags wurde weggestanden und wegdiskurrirt Göthe briefe 5, 72 Weim. ausg.
wegstehlen
1)
stehlend wegnehmen: bald hernach brachten zweene Strelitzen ein ... mägdlein, welches sie ... von ihrer groszmutter seite weggestohlen Olearius verm. reisebeschr. 394; auf was für eine weise es ihr geglückt sey, ihre nichte donna Serafina als ein dreyjähriges kind wegzustehlen Wieland 12, 336 (don Sylvio 7, 3);
seht den diebischen mahler! er stielt mit dem blick die gestalt weg.
Herder 26, 60 Suphan.
auch nur 'heimlich sich aneignen':
wer nur von ritterthaten träumt — wird der,
gestehen sie, wird der auch wohl so tief
herab sich lassen, bänder, die den damen
entfallen sind, begierig wegzustehlen.
Schiller 5, ii, 232 (don Karlos 2, 8).
für sich verwenden: (ein besuch) der mir bis zum donnerstage beständig auf dem halse lag, so dasz ich nur viertelstunden wegstehlen konnte, um zu lesen Körner an Schiller briefw. (1859) 1, 372. von, aus:
und er, mit lachen, sagt ganz unverhohlen,
wie er den ring vom finger weggestohlen.
Gries Bojardo's verliebter Roland 3, 246;
der stahl den leidenden,
ganz von den harten fesseln wund gefeilt,
aus dem gefängnisz weg.
Bürger 163ᵃ (Il. 5, 480);
dasz man ein kleinod aus versiegeltem
behältnisz wegstiehlt ohne siegellösung.
H. v. Kleist 1, 278 (Amph. 3, 1) E. Schmidt.
einem etwas wegstehlen: darzu ist mir nun gleichwol mein seckel mit dem golde weggestolen engl. comedien u. tragedien J 8ᵇ; ihr stehlt einem doch das herz weg, wenn ihr lächelt Klinger 1, 47 (zwillinge 2, 4);
wie tieff die wunde sey die eine mutter fühlet,
wenn sie nicht mutter wird. wenn ihr der tod wegstielet
der harten arbeit lohn!
Gryphius (1698) 1, 528.
mit best.: wo die weiber ihren männern alles unter den händen wegstehlen J. Möser 3, 109; die jungen ... stahlen ihren eltern die äpfel vor der nase weg Immermann Münchh.² 1, 83; unter allen kapereien zu wasser und zu lande ist keine miszlicher ..., als dem groszherrn seine favoritin aus den armen wegzustehlen Musäus volksmährchen 1, 118; wie wollen wir einen menschen lächerlich machen, der jedem andern das lachen von den lippen wegstiehlt v. Holtei 14, 127;
ist's recht, das wort vom mund uns wegzustehlen?
Shakespeare, liebes lust u. leid 5, 1.
übertragen 'entziehen': wenn allegorie wahrheit einkleiden soll, damit sie mehr einnehme, und stärkern eindruck mache, so musz sie dieselbe nicht verdecken, und den augen wegstehlen Herder 3, 265 Suphan.
2)
refl. sich heimlich davon machen (vgl. stehlen II, 7, th. 10, ii, 1767 f.):
her Gâwein, der sich helen bat,
der hete sich selber sô verholn
unde hete sich vor enwec gestoln.
Hartm. v. Aue Iwein 6886;
warumb hastu heimlich geflohen, und hast dich weggestolen (bis 1528: hast dich myr entstolen), und hast mirs nicht angesagt, das ich dich hette geleitet mit freuden? 1 Mos. 31, 27; so begehrten ifg., ich solte ifg. kammerjuncker werden ... indesz sahe ich, wie ich mich wegstehlen möchte, und ging zu meinem wirth v. Schweinichen denkw. 57; dasz er einest in der kristnacht, als sein herr in der kirche west, was er kont, zusammen gepackt, und von dar sich damit weggestohlen Philander 2, 830; ich habe mich von der geselschafft, so zu sagen, weggestollen, umb auff ewern lieben brieff ... zu antworten Elisabeth Charlotte v. Orleans briefe (1676—1706) 121 Holland; ich erinnere mich noch ganz genau jener kleinen zeit, wo ich mich eines frühen morgens von hause wegstahl und nach dem hofgarten eilte, um dort ungestört den don Quichotte zu lesen Heine 3, 422 Elster;
sie freit und wagt beym schmaus vom mann sich wegzustehlen,
sucht jüngre buhler auf.
Hagedorn 3, 26;
dieser ist mir der freund, der mit mir strebendem wandelt;
läd't er zum sitzen mich ein, stehl' ich für heute mich weg.
Göthe 1, 353 Weim. ausg.
übertragen: was beunruhiget die menschen, als ... dasz der genusz sich ihnen unter den händen wegstiehlt 21, 128. über etwas:
mit geschichten, frohen possen,
und nun wieder mit ge ängen,
suchen sie sich wegzustehlen
über ihres weges längen
Lenau ged. (1857) 2, 345.
wegstellen
an einen andern ort, bei seite stellen: als das lied zu ende war, stellte sie die harfe weg Laube 8, 297. wegstellen von etwas, entfernt stellen, trennen: der zweite theil der definizion will den witz durch das finden der ähnlichkeiten ganz von dem scharfsinne, als dem finder der unähnlichkeiten wegstellen J. Paul vorsch. d. ästhet. 2, 5. obd. auch intr.: cogitare abitum, meditari fugam Schönsleder Ee 1ᵇ; schweiz. sich rasch von etwas entfernen Rütte 96: dasz sie (die mutter) ... sich um sie nicht bekümmert, von ihnen wegstellt, sobald sie kann Gotthelf 18, 359; schwäb. sich um eine andere stelle bewerben Fischer 6, 548. —
wegstemmen
durch stemmen entfernen: lege dich ... an des vaters ... brust ... und lasze dich von seiner linken ... durchaus nicht wegstemmen J. Paul Titan 1, 101; dasz sie mit der einen hand den sich ungestüm empordrängenden hund wegstemmte Stifter 2, 34. wegsterben, mit tode abgehen:
ist jemandt vor uns weggestorben
in Christo, der ist unverdorben.
M. Bischoff Wackernagels kirchenlied 4, 712;
dessen trouppen wegen der rauhen herbstlufft, welche die Italiäner nicht vertragen konten, ... mit hauffen wegsturben v. Chemnitz schwed. krieg 2, 254; so erhungert das wild, dasz darnach die hirsche im frühling häuffig wegsterben Becher jägercabinet 139; decennia würden hingehen, bis die sache zum spruch käme, ... kläger und beklagte könnten wegsterben Lichtenberg 3, 174. 'hinschwinden': sie starb weg wie der abendhauch zwischen dem gras auf dem felsen Göthe 37, 75 Weim. ausg. über etwas wegsterben: dieser war zwar hiezu nicht abgeneigt, starb aber darüber weg Häberlin römisches conclave (1769) 86; Peter der grosze ... starb darüber weg als er eben ... eine hamme (grenzgehege) anlegen wollte Jahn merke 162. einem wegsterben 'durch den tod entrissen werden': seine gesundheit ist nur ein schein, es (das kind) ... wird uns unter den händen wegsterben Göthe 23 300; vater und mutter war ihm weggestorben, da war er wild aufgewachsen Scheffel Ekkeh. 100, ich lebe gar so vereinsamt in mich hinein. die alten sind mir weggestorben Rosegger 10, 301. übertragen wie absterben 'völlig schwinden': mit dem tode Christi ist mit weggestorben alles, was des alten Adams ist Luther 17, i, 76, 33 Weim. ausg.; alles (in der schilderung) ist vor augen: kein zug verlohren, keine farbe mit einem vorbeifliegenden worte weggestorben Herder 3, 131 Suphan; (der mensch) versinkt in einer gefährlichen ruhe, in der iede bessere kraft wegstirbt iede triebfeder, die ihn seiner bestimmung näher triebe, einrostet Niemeyer Philotas 1, 21; sie winckte und lächelte und grüszte hinunter ... als aber die lampe sein gesicht beschien, starb ihr lächeln und freude von den lippen weg. Carlo, um gotteswillen, du bist krank! Heyse nov. 1, 109. wegstibitzen, wegstipitzen, listig entwenden. ein vulgärer ausdruck, nach Kluge 1706 bei Mencke scherzhafte ged. vorkommend, dann 1754 bei Lessing und 1773 bei Bürger, auch 1781 in Kindlebens studentenlex. angeführt (noch nicht bei Adelung erwähnt): da hab' ich in der geschwindigkeit eine handvoll catharinen-pflaumen wegstipizt, die bring' ich dir Kotzebue dram. werke 37, 172 (drey väter auf einmal 2);
geschwind, Thoms! eh der kellermeister hersieht!
eine flasche Frontignac — hab sie am dritten tisch wegstipitzt.
Schiller 12, 169 (Piccol. 4, 5):
der teufel hat es wegstipitzt, es ist
kein diadem des Labdakus zu finden.
H. v. Kleist 1, 242 (Amph. 2, 2) E. Schmidt;
ungescheut des sumpfs kibitzen
gehn sie die gefleckten eier
aus dem neste wegstibitzen.
Rückert werke 2, 247.
meist mit dat.: dem einen hatten sie im gedrenge das schnupftuch, dem andern die tobacksdose, dem dritten die uhr, und ich weisz nicht was sonst mehr wegstipitzt Lessing 1, 308 (die juden 2); in Smolensk ... wo uns manches wegstibitzt war und ich schon mit schrecken mein schatullchen ... vermiszte Arndt werke 1, 132;
weisz er die kirschen, die verschmitzt
er (der spatz) vor dem maul mir wegstipitzt?
Bürger 20ᵇ;
merkst du itzt,
dasz man dir die besten suppen
vor dem maule wegstibitzt?
Heine 1, 318 Elster;
denn, als an amt und erwerb es gebrach für die vielen Lateiner,
schweiften im land als vaganten, als fahrende schüler sie bettelnd
um vor den türen der klöster, bei pfarrern, stibitzten den bauern
weg aus den höfen die gänse.
Hamerling 5, 162.
übertragen: wird nicht dadurch dem volke sein recht unter der hand wegstipitzt Heinzen preuszisches u. teutsches 49. wegstieben, dasselbe wie wegstäuben 2: ich wuszte ... etwas von diesem auswendig gelerneten vorrath dermaszen behende hervorzubringen, dasz mir das latein vom munde wegstobe Leipziger aventurier 1, 41. —
wegstöbern
s.wegstäubern. —
wegstolpern
stolpernd weggehen: das bringt manchem die beine in verlegenheit, wenn er vom dritten gevatter (der ihm wein vorsetzt) wegstolpert Gotthelf 3, 227. über etwas: es war zwar noch immer seine gröszte seligkeit, wenn er ... einem präceptor ... eine schnure legen konnte, über welche er wegstolpern und hinschlagen muszte Bahrdt pastor Rindvigius 9, 60; auf alle fälle werde ich über keine stiefeln wegzustolpern haben Göthe 20, 127. übertragen: so müssen wir ... unsern Calvisium eines starcken irrthums beschuldigen, da er über ein gantzes seculum weggestolpert hat v. Ziegler histor. labyrinth der zeit (1701) 42ᵇ; wer nicht lateinische hexameters scandiren kann, der wird bey lesung dieser verse gar oft mit seiner zunge über etliche silben wegstolpern Lessing³ 4, 14. —
wegstören
durch störung von etwas entfernen: nun aber ward von diesem edlen und vielfach-würdigen vorschreiten der betrachter unschicklich abgezogen und weggestört Göthe 39, 22. beseitigen:
doch darfst du für ein weib begehren
ruh, fried' und wohlstand wegzustören?
Kretschmann 1, 157.
wegstoszen
1)
stoszend von seiner stelle bewegen: sehet ja, wenn der bote kompt, das ir die thür zuschlieszet, und stoszet in mit der thür weg 2. kön. 6, 32; sie müssen werden wie sprew fur dem winde, und der engel des herrn stosze sie weg ps. 35, 6; zeuch in (den feind) nicht zu dir, das er dich nicht wegstosze, und trette an deine stat Sir. 12, 12; werde ich ... deinen leuchter wegstoszen von seiner stat, wo du nicht busze thust offenb. 2, 5; ich fiel ihr um den hals, sie stiesz mich weg, schrie laut, dasz ich entfliehen muszte Klinger Otto 77 (4, 2) neudr.; (Wilhelm fühlte) eine brust an der seinigen ..., die er wegzustoszen nicht den muth hatte Göthe 22, 210; ihren kahn aufzusuchen, den sie beim überspringen in mein schiff weggestoszen haben Stifter 1, 148. mit füszen wegstoszen, verächtlich:
da hätt' ich dich mit füszen weggestoszen?
H. v. Kleist 2, 206 (Käthchen v. H. 1, 2) E. Schmidt.
2)
stoszend wegschaffen: nimb ein holtz oder eisen, stosz die haut alle weg bisz auff den wirbel Böhme roszartzney 38; musz man vorhero den rasen, wo man das garn gebrauchen will, wegstoszen allg. haushaltungslex. 1, d 4ᵇ; eine kante mit dem hobel wegstoszen Campe; wenn sich ansätze im herde gebildet haben, müssen dieselben ... weggestoszen werden Muspratt chemie 2, 1290.
3)
übertragen, jemand wegstoszen:
gewisz wann er (der regent) ein diener hett,
der nicht nach seinem gfallen thet,
würd er den nicht vom ampt wegstoszen?
Kirchhof wendunmuth 1, 10.
jemand zurückweisen, nichts von ihm wissen wollen:
sich so verschmäht
von dem zu finden, den man hochzuschätzen
sich so gezwungen fühlt; so weggestoszen,
und doch so angezogen werden.
Lessing 2, 196 (Nathan 1, 1);
zutraulich naht' ich ihm, er stiesz mich weg.
Göthe 10, 162 (Tasso 2, 4);
Julia. o süsze mutter, stosz' mich doch nicht weg! ...
gräfin. thu', was du willst, du gehst mich nichts mehr an.
Shakespeare 1, 121 (Rom. u. J. 3, 5);
lang hast du mich gekränkt und weggestoszen.
Rückert werke 11, 515 anm.
etwas wegstoszen 'von sich weisen': uff die gnade soll ich bawen und alle szunde und gerechtickeyt wegstoszen Luther 29, 467, 22 Weim. ausg.; im bapstum sey das h. evangelium und gottes wort ausz der kirchen weggestoszen Nas das antipap. eins und hundert 1, 115ᵃ; es will gleichwol der gute mann das glück nicht mit füszen wegstoszen Harsdörffer gesprechsp. 2, 104; wenn er in unholden augenblicken eine gute, theilnehmende liebevolle empfindung wegstöszt Göthe 9, 131 (geschwister);
dasz er ...
mit füszen wegstöszt gottes segen.
Ayrer 1175, 22 Keller;
mit was für aberwitze
stöszt du des kaysers hold und dein gelücke weg?
v. Lohenstein 1, Ibrahim sultan 30.
wegstrahlen, durch glanz vertreiben:
Marat, wir beten dich an ...
dich, dem Mirabeau sank, und der sie alle noch wegstrahlt
aus dem tempel.
Klopstock oden 2, 90, 9 Muncker.
wegstreben
wegzugehen verlangen:
denn dergleich ich noch nie vernam,
das er iemalsz weckhgestrebt.
Ayrer 3275, 28 Keller;
drum dasz keiner zuvor wegstreb' und trachte zur heimkehr ...
eh er gerächt der Helena angst und einsame seufzer!
Voss Ilias 2, 353;
wie näher sind uns schon die pflanzen, sie sind unsere gesellschaft über der erde, der sie wohl noch mit der wurzel angehören, von der sie aber doch mit ihrem edleren theile, mit der krone und mit der blüthe, wegstreben Stifter 4, i, 226. —
wegstrecken
von etwas:
(wir) haben wiederumb den cörper auffgedecket
und auff den hügeln uns vom winde weggestrecket,
zu meyden den gestanck, so von der leiche kam.
Opitz op. (1690) 1, 176.
von sich, vom körper abstehend, strecken:
er wird daran (ans kreuz) geschlagen,
streckt händ und füsze weg.
Fleming 10;
wir stellen uns hierbey gänse vor, die die hälse wegstrecken, wenn sie durch ein thor gehen v. Schönaich ästhetik 341 Köster; ein bein im rechten winkel vom leibe weit weggestreckt Tieck 5, 102; der Steinklopferhanns ... streckt die lehmbeschmierten arme von sich weg Anzengruber³ 6, 244 (kreuzelschreiber 2, 4); das vorwärts weggestreckte scepter G. Forster 3, 503. —
wegstreicheln
du bist noch immer eine hübsche frau, groszmama, wenn man dir nur die runzeln wegstreichelt v. Holtei 10, 7. übertragen: streichelt die verhaszten bilder vor meinen augen weg! Klinger 2, 180.
wegstreichen
1)
trans. streichend entfernen (von, aus):
sein sonst grauszes haar ...
strich er vom ohre weg, um besser zu vernehmen.
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 7, 121;
sie ... begann emsig mir die haare aus gesicht und schläfen wegzustreichen Storm 1, 247; dann wird er ... seinem weglaufenden lieblinge ziemlich lange nachschauen und aus seinen augen etwas wegstreichen (thränen) J. Paul Titan 1, 102; leicht und behend strich ich das stoppelfeld (bart) vom boden weg Göthe 25, 173 Weim. ausg.; das gewonnene geld wegstreichen 'einstreichen' Ludwig 2203. buchstaben, zahlen wegstreichen, durch streichen tilgen: an jedem morgen, war gleich der tag vor ihm ein mit schwarzer kohle wegzustreichender tag, besuchte mich die gute Muse Gleim an Herder (von und an Herder 1, 197);
miszfällt dir dieser reim, so sei er weggestrichen.
Leander Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 5, 313;
das volk! das sind die vielen leeren nullen,
die gern sich beisetzt, wer sich fühlt als zahl,
doch wegstreicht, kommt's zum theilen in der rechnung.
Grillparzer 7, 86 (bruderzwist 3).
abstreichen in einer rechnung:
dasz Hieronimus bei der behörde
über die sportelrechnung geführet beschwerde,
und dasz man da ein weniges wegstrich
und moderierte, versteht von selbst sich.
Kortum Jobsiade⁵ 2, 51.
übertragen 'tilgen, beseitigen': ein testament wegstreichen 'delere' Hayme 1318;
da man ihn (den landprokurator) nit bald weg wird streichen,
wird all glück und heil von uns weichen,
drumb ists grosz zeit, man schick ihn fort.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs, nr. 109, 77 (1608) Mering.
aus etwas: er war aus der zahl der lebendigen weggestrichen ... worden Herder 19, 82 Suphan; wie viel begebenheiten würde man aus der geschichte wegstreichen müssen M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 349; gott verhüte, dasz ich die jugend aus deinem leben wegstriche Moltke 6, 8.
2)
intrans. davon ziehen:
mit unsiten sî zir sprach
und hieʒ si enwec strîchen.
Hartm. v. Aue Iwein 1975;
seien wi steubige spreu leicht
di vom wind verquirlet wégstreicht.
Melissus psalmen 128 neudr.;
mit verdreheten augen entstürzt der verwundete frevler
dem unter ihm wegstreichenden rosz.
Lenz ged. 26 Weinhold;
es ist der birckhahn ein vogel, welcher nicht in solcher enge bleibet, als der auerhahn, denn er zu mancher zeit im jahre weit wegstreichet v. Göchhausen notabilia venatoris 77. übertragen 'verstreichen': die jugend unsers lebens ... sey zu kurz, um sie so ungenossen wegstreichen zu lassen Heinse 4, 121 Schüddekopf. über etwas wegstreichen 'darüber hingehen': von Andernach aus bis nach Mannheim bin ich über hügel und thäler ... zu fusz weggestrichen Gleim briefw. 1, 440 Körte; im beinhause war eine katze über die knochen weggestrichen, so dasz dieselben sachte etwas geklappert hatten G. Keller 5, 231; wie ich af halber höh' war, is a graue wolken über d' sonn' wegg'strichen Anzengruber 3, 287.
wegstreifen
1)
trans. streifend entfernen: deglabrare, removere cutem Stieler 2207;
so zeig dich freundlich, streif' die runzeln weg,
die übel sich bei einem feste ziemen.
Shakespeare 1, 43 (Romeo u. J. 1, 5);
eine unsichtbare hand scheint die hülle der vergangenheit vor deinem aug wegzustreifen Schiller 3, 577; sie streifte ihm eine locke, die sich bei der arbeit niedergesenkt hatte (von der stirne) weg Stifter 3, 280. übertragen: nur die lange arbeit der zeit und natur, welche die auswüchse wegstreift, nähert sie nach und nach der einfalt ihres zweckes wieder J. v. Müller 24, 2.
2)
intrans. praecipiti progressu secedere, abire, locum mutare Stieler 2207, jetzt steiermärk. 'entrinnen, durchbrennen' Unger-Khull 623ᵃ. über etwas wegstreifen 'darüber hinfahren': Gustav konnte sein auge kaum vom fürsten reiszen, der mit jenem edeln gleichgültigen gesicht, das leuten von ton ... selten mangelt, über den todten wegstreifte J. Paul unsichtb. loge 2, 147; wenn die Seleniten zu der zeit, da wir eine mondfinsternisz haben, die schwarze erdkugel über die flammende sonnenscheibe wegstreifen sehen v. Schubert verm. schr. 2, 151; es sprühte ... feuer aus seinen ... augen, dasz davon zwei ... lichter über den rockärmel ... wegstreiften G. Keller 7, 358.
wegstreiten
abstreiten: dasz von Obersachsen aufklärung in religion und philosophie ausgegangen ist ... läszt sich gar nicht wegstreiten Adelung magazin 2, 2, 38; wegstreiten aber läszt sich der von ihm (dem hasen) verursachte schaden nicht Brehm thierl.² 2, 469. —
wegströmen
in massen wegflieszen: wie angenehm das durchbrochne geländer, damit man das erfreuliche wasser dadurch wegströmen sehe! Heinse 4, 28 Schüddekopf. übertragen: das wegströmen der ländlichen arbeiter von den hofwirthschaften der grundherrn Bernhardt gesch. des waldeigentums 3, 106; das wegströmende leben Klopstock bei Campe.
wegstudiren
durch frömmigkeit und andacht, selbst durch gelehrsamkeit und fleisz, läszt er (der kunstgeschmack) sich nicht erlangen; er ist eine himmlische grazie ... sie kann eben so leicht weggebetet als wegstudirt werden Herder 18, 26 Suphan.
wegstufen
weghauen (im bergbau), zu stufe 'ein stück gestein': da das weib inn der first sich blutrüstig gestoszen an einem knawer, den er (der bergmann) hat wegstuffen wöllen Mathesius Sarepta 15ᵇ; der mann wollte ihn (den groszen knauer) wegstufen und traf auf gediegenes gold, wodurch er plötzlich reich wurde Grimm d. sagen 1, 81; was grob zu gewinnen ist ..., darff nicht weggestuffet und klein gewonnen werden Veith 249 (1700).
wegstürmen
1)
intrans. stürmend sich entfernen: derweil die ungewitter des öffentlichen rufs unbemerkt hoch über ihm wegstürmten Lenz 3, 97 Tieck.
2)
trans. stürmend von wo vertreiben:
(Turnus) darneben seinem volck gebot
zu rüsten sich für krieges noth,
Italiam auch zu beschirmen,
und ausz dem land den feind wegstürmen.
Spreng Aeneis 142ᵃ;
die flut der leidenschaft entzündet ...
und weggestürmt ist, wo sie waltet,
die ruh' aus der umgebenden natur.
Tiedge 4, 206.
stürmend beseitigen: Leo gepot, das man alle bilder im reich solt abschaben, verprennen und weckstürmen Franck Germaniae chron. 65ᵃ.
wegstürzen
1)
intrans. im sturz sich entfernen: das war eine edle thräne, die dir wegstürzte, Hermann! Klopstock 9, 242 (Hermann und die fürsten 5). über etwas: ich muszte ... den wagen oft viertelstundenlang zurückhalten, dasz er nicht über die felsen wegstürzte Raimund 3, 494 Glossy u. Sauer.
2)
trans. stürzend wegschaffen; bergmännisch 'unbrauchbares gestein wegwerfen, auf die halde stürzen' Dannenberg u. Frantz bergmänn. wb. 439. Veith 566: wie ein schmeltzer die tauben und auszgepauschten schlacken wegstürtzt oder in wege lauffen lesset Mathesius Sarepta 107ᵇ; sprichwörtlich: man musz nicht den karrn mit dem mist, nicht ertz und berg, gut und bösz zu gleich wegstürzen Petri 2, Oo 2ᵃ.
wegstutzen
stutzend abschneiden: bei der wurzel abgesägt, die äuszersten zarten zweige weggestutzt, schob man die stärkeren kronen (der bäume) ... in einander Göthe 33, 322 Weim. ausg.
wegsündigen
in sünde hinbringen: sie haben noch schöne zwanzig jahre ganz allerliebst wegzusündigen. lassen sie die erst genossen seyn, und dann bereuen sie meinethalben Schiller 3, 551. —
wegtändeln
tändelnd beseitigen, hinbringen: ganze stunden, ganze tage in zärtlicher trunkenheit wegzutändeln Wieland 1, 273 (Agathon 5, 9); nichtachtung für die müszige art, womit man gewöhnlich das leben wegtändelt Zimmermann über die einsamkeit 1, 106; im dominospiel tändelt man das innere miszbehagen des ungestillten ehrgeizes weg Gutzkow 7, 279.
wegtanzen
1)
durch tanzen beseitigen u. dgl.:
die ... nicht erröthen
bis in den hellen tag hinein zu schlafen,
und, wie ein ernsterer gedank' sich blicken läszt,
ihn flugs beym klang der cithern wegzutanzen.
Wieland Horazens episteln 1, 68;
ich will versuchen .. meine krämpfe wegzutanzen Baggesen an Fr. Christian von Schleswig 72; so hat Herodias des täufers kopf weggetanzt Vischer auch einer 2, 159; die sohlen von den schuhen wegtanzen Campe.
2)
bis zu ende tanzen: nachdem ich den Leipziger gassenhauer nun auch weggetanzt hatte, muszte ich ... ein wenig spatziren herum gehen Ch. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 59 neudr.
wegtauchen
'wegtreiben, fortjagen, abschütteln' österr. Unger-Khull 623ᵃ (zu mhd. duchen, dûhen 'drücken' vgl. Schmeller 1, 464): (das) dumm' volk ... begreift's nie: wann einer auf der welt 'n andern wegtaucht von sein' platzl, dasz er eh' nur dem sein' sorg und kümmernus auf ihm nimmt! Anzengruber ³ 6, 284 (kreuzelschreiber 3, 3). —
wegtaumeln
da, unterm klange der pokale,
der gäste schwarm vom hochzeitlichen mahle
wegtaumelt.
Gotter 1, 126.
wegtäuschen
wenn ich nicht unaufhörlich mit dem geiste in ltalien lebte, und dadurch die häszliche gegenwart wegtäuschte, so würde ich's auch nicht aushalten J. Schopenhauer Fernow's leben (1810) 333. von etwas: ob sie nicht bisweilen die bilder, in welche sie ihre weitsehenden gedanken hüllen, ein wenig vom wirklich wahren wegtäuschen Klopstock briefe 248 (an Herder).
wegthauen
1)
intr. thauend vergehen: weil hier der schnee fast immer früher ... wegthaut als im thale Brehm thierl.² 3, 269. übertragen: wenn sie aus ihrem Keil (dem anatomiker) wissen, dasz schon in einem jahre der ganze alte körper wegthauet J. Paul unsichtb. loge 1, 57.
2)
trans. thauend vergehen machen: mein athem thaute den reif nicht mehr vom barte weg Gutzkow 4, 394. bildlich: dasz man sich freut, noch die eiskruste der weltbildung von seinem herzen wegthauen zu können 6, 56.
wegthun
1)
von wo entfernen, bei seite thun, weglegen, wegschaffen: removere, (en)weg dun Diefenbach gl. 491ᶜ; wegsetzen oder wegthun, removere, deponere, aufferre, transportare. voc. inc. teut. C 4ᵃ. das wort gehört mehr der umgangssprache an (nach Heynatz 2, 619 nicht in der schriftsprache zulässig), kommt aber häufig bei Luther und später fast überall wenigstens in prosasprache vor.
a)
auf die seite thun, entfernen: thut den kopf weg! den kopf weg! Ludwig 2411; fewer hört nicht auff zu brennen, man thue dann das holtz weg Lehman (1662) 2, 560; wenn man eine gläserne röhre ... die ... mit dem finger zugehalten wird, ... ins wasser stecket, ... so wird das (darin befindliche) quecksilber herausspringen, sobald als der finger weggethan wird Ch. Wolff vern. ged. v. gott 348; wenn einmal eine gesellschaft die hand vom thürdrücker, woran sie sie schon hatte, wieder wegthut J. Paul unsichtb. loge 8, 105; thut mir das licht da weg, dasz ich meinen schatten nicht seh O. Ludwig 3, 86 (erbförster 4, 4). namentlich etwas, das man an sich hatte oder mit sich führte, bei seite thun, von sich thun, ablegen: sie that die maske vom gesicht weg Ludwig 2411; welchen (flor) sie nicht wäg-tuht, sie sei dan allein v. Zesen Ibrahim, 1, 561; wenn sie nur den schleier wegthäte, dasz ich in ihren blicken lesen könnte Nestroy 1, 206; den degen wegthun, quitter l' épée Rondeau; er schrieb jetzo am letzten. und dauerte nicht lang, so that er die feder weg und trank einen langen tiefen ernsten schluck Scheffel Ekkeh. 429; sogleich that die Ursula ihr tabaksdöschen weg und Agathe legte nieder, was sie eben in den händen hatte G. Keller 5, 344;
Phyllis. du kommst vom feld und beschmutzest alles!
Mopsus. nun, ich will
die schuhe wegthun.
Platen 256 (verh. gabel 2).
auch 'bei seite legen, verwahren, verbergen': das geld wegthun vor jemand Kramer t.-ital. 2, 1084ᵇ; der einäugige frevler hatte keinen hehl, dasz er seinem feinde das schwert an einen verborgenen ort weggethan habe Immermann Münchh.² 4, 126.
b)
die bed. geht in 'fahren lassen, beseitigen, wegschaffen' über: thut den plunder weg! throw those trifles away! Ludwig 2411; und solt von dem firnen essen, und wenn das newe kompt, das firnen wegthun 3. Mos. 26, 10; Manasse ... that weg die frembde götter, und die götzen aus dem hause des herrn 2. chron. 33, 15; damit wyr sie (die bilder) aus den hertzen stoszen, bis sie auch mit der faust durch die, so es gepürt, weggethan werden euszerlich Luther 18, 73, 3 Weim. ausg.; sollen solche fahnen (durch die man sich leicht dem feinde verraten kann) ab- oder auszgehenckt oder gar weggethan werden Fronsperger kriegsbuch 1, e 2ᵃ;
tuh weg das spinngeweb mit einem flederwisch.
Rachel sat. ged. 42 neudr.;
amputare, gancz wegtuon Diefenbach gl. 637ᵇ; das man die stengel mus mit sicheln abschneiten, und die reben wegthun und abhawen Jes. 19, 5; wenn man die unnützen äste und wasserschüsse nicht zeitlich abschnötelt und wegtuht Butschky Pathmos 1. bergmännisch, ein bohrloch wegthun, die ladung eines sprenglochs entzünden, losschieszen Prechtl 16, 252. Veith 566. Mothes baulex. 4, 467.
c)
von thieren 'wegschaffen, abschaffen', auch 'tot schlagen' (wie abthun): allein begehrten ifg., ich sollte das rosz wegthun, dasz er es nicht mehr sähe v. Schweinichen denkw. 44;
kan nur der wolff erlangen,
dasz ihm die riede wird zum ersten weggethan,
gewiszlich musz das schaaff hernachmals auch daran.
Opitz (1690) 3, 316;
item wenn man ein kettenhund
wegthut, der alt und ungesund,
behelt man riemen, band und kett.
Eyering 1, 320;
man mag (im september) auch das übrige geflügel wegthun v. Hohberg Georgica 1, 130. 'schlachten' Schöpf 773.
d)
von menschen 'fortnehmen, anderswohin schaffen, aus seiner lage entfernen': thut das kind weg! guardate, togliete quel fanciullo! Kramer t.-ital. 2, 1084ᶜ; so sollet ir im (dem falschen zeugen) thun wie er gedacht seinem bruder zu thun, das du den bösen von dir wegthust 5. Mos. 19, 19; thu die könige weg, ein jglichen von seinem ort, und stelle herrn an ire stete 1. kön. 20, 24; der herr wird die leute ferne wegthun, das das land seer verlassen wird Jes. 6, 12; ein meidlein ... man ausz rath und befelch der weissager in ein einödische insel ausz der menschen augen weggethan hat Heyden Plinius 15; er will seinen sohn wegthun, to put abroad Ludwig 2411; fast reute es ihn, dasz er seine kinder und die magd weggethan hatte Jung Stilling 1, 391. aus seiner stellung entlassen: gott gab inen Saul ... und da er denselbigen wegthet (1527 absetzet), richtet er auff über sie David zum könige apostelg. 13, 22; einen knecht wegthun Ludwig 2411; ich habe gehört, dasz sie eine (magd) auszer der zeit wegthun wollen Cramer nord. aufseher 3, 508. auch 'ums leben bringen, hinrichten': als ein richter, der trewlich darauff sicht, ye mer er böszwicht fecht und wegkthut, dest frummer er ist Luther 34, ii, 87, 25 Weim. ausg.; wen er förchten müszt und vor seiner boszheit im weg lag, liesz er weckthon S. Franck Germ. chron. 29ᵇ; einen missethäter wegthun, eseguire a morte Kramer t.-ital. 2, 1084ᵇ.
e)
sich wegthun, vereinzelt im älteren nhd. 'sich aufmachen, seine stellung aufgeben':
wolt ich umbsehen nach eim schleck
und thete mich von hinnen wegck.
Fischart flöhhaz 176 neudr.;
dann bald nach der hochzeit sich sein vatter Mattheus von Mailand weggethon Dreyfelder historien desz .., hauses Este (1580) 114ᵃ; es will da hyn komen, das beydes schulmeyster, pfarrer und prediger werden müssen vergehen und sich zu handwerck odder sonst wegthun, das sie .. sich des hungers erweren Luther 15, 361, 3.
f)
mit beziehung auf abstracta 'entfernen, (von eigenem) von sich thun, ablegen, (von fremdem) beseitigen', auch häufig bei Luther, später beschränkt:
thu weck dein grobe sünd und schuld!
H. Sachs 1, 230, 1 Keller;
Esther ... flehet in, das er wegthet die bosheit Haman des Agagiters, und seine anschlege, die er wider die Jüden erdacht hatte Esther 8, 3; thu nur weg von mir das geplerr deiner lieder, denn ich mag deines psalterspiles nicht hören Amos 5, 23; er (gott) hat gericht und recht weggethan und nympt barmherczickeyt zwhenden Luther 29, 463, 35 Weim. ausg.; das dem bösen gesteurt und das ubel weggethan werde 32, 362, 21; also ists ein böse dieng gottes wort undt befhel aus den augen wegthun 33, 34, 35; wie denn aber kein menschlich gesetz gottes gebot kann wegthun Melanchthon Augsb. conf. (corp. doctr. christ.) 22; ir habt bey euch ein hoffart, die müsst ir weckthuͦn, wolt ir volkommen werden Nas das antipap. einsundhundert 4, 369ᵇ; wer das laster der füllerey aufhebet und wegthut, der thut auch zugleich viele laster und sünden beyseite Reinicke fuchs (1650) 293; dasz sie dasz böse wegthun und ausz dem wege reümen 381; seine bösen gewohnheiten wegthun, quiter ses mauvaises habitudes Rondeau; die weisheit des lebens .. fängt vom erkennen und wegtun der fehler an Herder 23, 401 Suphan. von buchstaben, zahlen: das e am ende des reimes kan auch wohl bisweilen stehen bleiben oder weg-getahn werden v. Zesen verm. Helikon 1, 133; von einer unbekannten zahl wird 10 weggethan, und es bleibt noch 20; es fragt sich, welches diese zahl sey? Pestalozzi 14, 199.
2)
fertig machen, erledigen: ich sah recht gut ein, dasz ich die arbeit bisher als ein geschäft behandelt hatte, das eben auch so mit andern weggethan seyn sollte Göthe briefe 17, 170 Weim. ausg.; ein franker biedermann, der seine geschäfte rasch wegthut Stifter 2, 41. —
wegthuung f.:
remotio, wechdounge Diefenbach gl. 491ᶜ; wegtuung viler missbrauch Laz. von Schwendi 122 Eiermann; fenster ... vom lateinischen fenestra, mit wegthuung des buchstabens a Heupold dict. 171; zur wegthuung der scheidewand zwischen juden und heiden Claudius 7, 114.
wegtilgen
austilgen. von menschen (meist von etwas):
ja, wenn du von der erde antlitz den träumer nicht wegtilgst.
Klopstock Mess. 4, 369;
tilgst du sie weg, die den sohn noch verkennen?
5, 130;
und dann tilg' auf ewig mich weg von der schöpfungen schauplatz.
19, 152;
verhaszt in tiefster seele bist du mir ...
dich wegzutilgen von dem licht des tags
treibt mich die unbezwingliche begier.
Schiller 13, 276 (jungf. v. Orl. 3, 9);
die neufränkischen demokraten und demagogen, die vor wenig jahren noch alle könige und fürsten vom ganzen erdboden wegtilgen wollten Wieland 31, 148; mich hat der eingebildete (Alba) beneidet; mich wegzutilgen hat er lange gesonnen und gedacht Göthe 8, 293 (Egmont 5) Weim. ausg. von concreten:
jezo beschlosz Poseidon im rath und Föbos Apollon,
wegzutilgen den bau, der ströme gewalt einlenkend.
Voss Ilias 12, 18;
endlich hat man sie (die Hermessäule) ... wegtilgen wollen Herder 6, 409 Suphan. von abstracten (meist mit aus):
so ist es denn vergebens, jenes bild
aus meiner stirne wegzutilgen.
Göthe 11, 309 (Erwin u. Elmire);
sie (die gärten) lagen verödet, als wenn bereits der winter alle freude aus den beten weggetilgt hätte 20, 408; wollte der himmel, ich könnte diesen tag ganz aus der zahl meiner tage wegtilgen! Kretschmann 3, ii, 149; bei dem groszen gericht ..., wo ihres namens gedächtnisz aus dem buch des lebens weggetilgt werden soll Jung-Stilling 3, 77; ihr könntet in diesem augenblicke nicht hingehen zu eurem beleidiger ... und ihn versichern, dasz aller hasz aus eurer seele rein weggetilgt ist Fichte 8, 258; Österreich ..., das nun alle reformation wegtilgt, die prediger vertreibt Dahlmann kleine schriften 155. —
wegtöten
etlichen vergab man, tödtet sie in der gefängnüsz heimlich weg Megiser annales Carinthiae 135. übertragen: es tötet dir nur ein paar müszige stunden weg Fontane i, 4, 133. —
wegtraben
denn er stillschweigend alsdann von mir wegtrabt Kirchhof wendunmuth 2, 383 Österley;
so frisch ich weggetrabet,
so frisch trab' ich zurücke.
Herder 25, 187 Suphan.
über etwas:
lustiger freylich mag sich's haben,
über anderer köpf wegtraben.
Schiller 12, 53 (Wallenst. lager 11).
wegtragen
1)
von einem orte anderswohin tragen: asportare, deportare, deferre. voc. inc. teut. C 4ᵃ.
a)
der feint einer entlieff in und trug zwien pfeil in im wegk städtechr. 2, 199, 22 (Nürnberg 1450); es werden viel todter leichnam ligen an allen orten, die man heimlich wegtragen wird Amos 8, 3; die gäste ... schöpfften ein grausen ob der speysz, dasz sie es wecktragen lieszen Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 168; indesz tragen die tänzerinnen tisch und stühle weg Göthe 12, 357;
ich bin allein genug, der göttin bild
auf wohlgeübten schultern wegzutragen.
10, 68 (Iphigenie 4, 4).
als gewinn, als beute mit sich nehmen:
birg in (den schinken) dar in wol ...
und sprich, er sî dir wec getragen.
mære vom bachen 43, zeitschr. f. d. alt. 7, 103;
es kam ein lewe und ein beer, und trug ein schaf weg von der herde 1. Sam. 17, 34; was dir lieblich ist, sollen sie in ire hende nemen und wegtragen 1. kön. 20, 6; wie man auch ... vil ertz in köbern ausz disen gebirgen weggetragen hat Mathesius Sarepta 95ᵇ;
im sprichwort thut man sagen:
unrecht gut verwelcket wie grasz,
lasz sies stehlen, wegtragen.
A. Kritzelmann Fischer-Tümpels kirchenlied 2, 19;
dann wer auffsetzt, der mus es wagn,
das ander leut das geldt wegtragn.
Krüger Clawerts werckl. hist. 22