Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

weihwasser, n.

weihwasser, n.
mhd. wî(c)hwaʒʒer mhd. wb. 3, 539ᵇ; Lexer 3, 819, mnd. wîwâter Lübben - Walther 590ᵇ, mnl. wîwâter, wij(n)wâter Verdam 696, nnl. wijwater Kramer 1 (1759) 2075, dän. vievand, schwed. vigvatten.
alter, verbreitung, formen. aus der syntakt. gruppe daʒ wîhe waʒʒer (Schmeller 2, 881) ist im 12. jahrh., etwa gleichzeitig mit dem synonym weihbrunnen (sp. 653) das comp. zusammengerückt:
daʒ wîchwaʒʒer ime (einem dieb) niht tohte,
er enmohte nie werden vor im (dem teufel) vrî
Albertus Ulrichs leben 873 Schmeller;
wîchwasser was aldâ gereit,
dâ mide wart si sâ bespreit
leben d. hl. Elisabeth 1943 Rieger.
von insgesamt 186 belegen gehören 24 der zeit vor 1500 an, 50 dem 16., 23 dem 17., 31 dem 18. jahrh., 58 der zeit nach 1800. während weihbrunnen im wesentl. auf bair./österr. gebiet beschränkt bleibt, gilt w. im gesamten sprachgebiet. belege aus Österreich bleiben selten: Rosegger I 9, 15. gangbar ist das wort bei Luther: 10 iii 197; 30 ii 349 Weim., H. Sachs: fab. 56, 33 neudr.; Fischart: Garg. 65. 398 neudr., Göthe: I 31, 102; II 1, 292; III 1, 278 Weim., Schiller: 4, 215 G., Hebbel: I 2, 174. mundartlich ist es bezeugt aus Westfalen: wiggewaater Grimm kinder- u. hausm. 2, 267, Krefeld: wéiwâter d. mundarten 7, 83 Frommann, Eupen: wîwater Tonnar-Evers 230, dem Ruhrgebiet: weiwâter d. dialektgeogr. 8, 87, der Schweiz: wîxwassər Abegg Urseren § 66, wî(x)wassər Wiget Toggenb. 64, aus Lusern: waigəwasɐr, u. dem Veltlin: waichwǫsər Bacher Lusern 221. selten ist w. durch synonyme ersetzt, wie im kt. Freiburg unter einflusz von frz. eau bénite durch ksę̂nəts wassər Stucki Jaun 222. in älterer sprache oft geweihtes wasser, s. th. 4 i 3, 5447. 14 i 673. î erscheint diphthongiert zuerst 1349: weichwaʒʒer Konrad v. Megenberg b. d. nat. 380, 7. die heutige form bair. seit 1462: hist. volksl. 1 nr. 115, 6 Liliencron; erzgeb. 1524: Clemens flugschr. 1, 203. hochalem. ist brechung von î zu ie vor ch: wiewasser N. Manuel papst u. priest. v. 92 Bächtold; Maaler 499ᶜ; wiäwassər Brun Obersaxen 70. eine viersilbige form begegnet selten vom 14. bis 17. jahrh.: wihewasser Tauler pred. 272, 27 Vetter; Diefenbach gloss. 43ᶜ. 54ᶜ; Germ. 3, 435, 37 Pfeiffer; weihewasser Pauli schimpf und ernst 270 Österley; Gebweiler beschirmung Mariä (1523) 27ᵇ; weyhe wasser Eberlin v. Günzburg 2, 17 neudr.; weyewasser Luther 18, 422 Weim.; Bugenhagen d. stadt Braunschw. christl. ordn. (1531) Tiijᵇ; weihewasser Ravellus (1616) 402ᵇ. noch im 19. jahrh. ist sie durch vers gesichert:
der alte machte mir des kreuzes zeichen,
mit weihewasser er mich tüchtig sprengte
Brentano 1, 6.
die letzten schreibungen mit -ch- begegnen 1603 und 1618: weichwasser Albertinus zeitkürzer 107; Hulsius 274ᵇ. schreibung mit ey ist noch durch das ganze 18. jahrh. möglich, zuletzt Lichtenberg verm. schr. 5, 177.
gebrauch. zu gottesdienstlicher reinigung ist in den religionen der welt vielfach wasser im gebrauch, dem weihende kraft zugeschrieben wird: die Egypter meynen durch besprengung ihres weyhwassers gantze häuser ... zu reinigen Lohenstein Arm. 2, 194ᵇ; auch standen auf diesen kreuzwegen (im chinesischen Hochasien) kleine kapellen ... davor schaalen mit weihwasser Ritter erdk. 3 (1833) 201; man kennt aber auch den gebrauch des weihwassers (bei den naturvölkern Asiens) Ratzel völkerk. 2 (1886) 474. in den europ. kulturkreis tritt derartiges mit altgriech. und altröm. vorstellungen:
daselbst will ich diesen leib mein
mit weywasser recht heylgen rein
W. Spangenberg griech. dram. 2, 95 lit. ver. (1608);
wenn in dem ... tempel des Esculapius einer hinein trat und nur die ertztenen räder anrührte, selbter alsofort mit weyhwasser bespritzt ward Lohenstein Arm. 1, 166ᵃ; ganze ströme von weyhwasser würden ihn (den altar) kaum wieder reinigen können Wieland Lucian 6, 84; als Juno ... die furien ... gesprochen hat, musz sie von der Iris bei ihrer zurückkunft im Olymp erst mit weihwasser besprengt werden Böttiger kl. schr. 1 (1837) 392; bei dem census wurde das volk mit weihwasser besprengt Welcker a. denkm. 3, 483. die urspr. nur symbolische reinigungshandlung wird von der kirche im 8. oder 9. jahrh. unter anlehnung an den taufritus zum sacramentale erhoben: realenc. für prot. theol. 21 (1908) 55ff.; rel. in gesch. u. gegenw. 5 (1913) 1863. die beiden kath. kirchen sind darin einig: die griechische kirche hat den von den protestanten nicht beibehaltenen gebrauch des weihwassers mit der katholischen gemein n. rhein. konv.-lex. 12 (1830) 159. dasz vorchristl. sitte darin fortwirkt, ist bewuszt: wenn päpste ... zur abwehr feindlicher überfälle die stadtmauern mit weihwasser begieszen, so erkennt man die fortpflanzung altrömischer anschauungen Döllinger akad. vortr. 1 (1888) 68.
1)
a)
der kirchliche gebrauch des weihwassers ist in feste formen gebracht: weihwasser wird das in den am eingange und an schicklichen orten im schiff katholischer kirchen befestigten weihkesseln oder becken enthaltene geweihete wasser genannt, mit dem die eintretenden sich zu besprengen pflegen n. rhein. konv.-lex. 12, 159. papst, priester, mönche spenden es: weil der papst dafür das weihwasser bot Arnim 18, 391; do trank er sant Johanns segen und enpfieng darnach das wichwaszer von dem priester Stretl. chron. 143 Bächtold; als nun der Josz sein mesz gschwind herausz hat, gibt er den seinen das wichwasser Wickram 3, 101 Bolte; die mönche ... besprengten die knienden mit weihwasser G. Freytag 11, 38. der meszner hat es in obhut:
der pfaff tuot singen,
messner das wichwasser bringen
und darzuo lüten
des teufels netz 11830 Barack.
im weih(wasser)kessel (s. d.) wird es aufbewahrt: kessel zum weyhwasser Hulsius 2 (1618) 68ᵇ; behälter des weihwassers vor der kirchthüre Mothes baulex. 4, 470, bei best. anlässen in procession umgetragen: als der pfarrherr mit dem weihwasser umb die kirch gehn wolt J. Frey gartenges. 139 Bolte, und dieser brauch früh zur kirchenbusze ausgestaltet: wer da funten wirt für ein wucherer, der sal drye sondage vor dem ambt geen mit deme wichwasser umb die kirchin weisth. 1, 504 Grimm. der gebrauch des w. setzt auch im interdict nicht aus: so lang das interdikt dauren wird, sollen auch die priester ... dem volk das wort gottes verkündigen, und es mit weihwasser besprengen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 283. von den gläubigen wird es verehrt: nichts hielt sie für so köstlich wie weihwasser und ablasz Zimmermann eins. 2, 168. sie nehmen es beim betreten und verlassen der kirche: weihwasser ... mit welchem sich die catholischen beym eintritt und ausgange aus der kirche zu besprützen pflegen Hübner zeitungslex. (1717) 1979; sah er das schlanke geschöpf mit langsamem majestätischem gang der krichenthür zugehen, sich mit weihwasser besprengen und aus den augen verschwinden Miller Siegwart 2, 502, und bekreuzen sich dabei: dann tunkte er gewohnheitsmäszig die finger in's weihwasser, bekreuzte sich flüchtig und trat in die kirche Viebig weiberdorf (1905) 140. häufiger als der weihwedel (s. d.) werden wie hier die finger benutzt: (sie) griff in ein gefäsz mit weihwasser ... besprengte in einem groszen wurf vater und mutter und bruder damit H. v. Kleist 3, 291 E. Schmidt; mit blutigen fingern darf ich nicht weihwasser über mich sprengen Kotzebue 3 (1827) 108. wenige tropfen reichen jedesmal aus:
zweir dinge mac lîhte ein man
genuoc haben, als ich gemerket hân:
wîhwaʒʒer und unsêlikeit ...
drî tropfen sint reht als ein kruoc
vol wîhwaʒʒers vür missetât,
swelch mensche rehten gelouben hât
Hugo v. Trimberg renner 11685/89 Ehrismann;
das was als vil, als wir hie wichwasser nemend Richental chron. 133 Buck.
b)
die alte zus.-rückung aus adj. und subst. nimmt selten ein weiteres attribut zu sich: abgöttisch Dannhawer cat.-milch 1 (1657) 118; mystisch Hippel kreuz- und querzüge 1 (1793) 558; theologisch Jean Paul 11/14, 229 Hempel. auch der kreis der damit verbundenen verba ist begrenzt: nehmen: Seuse d. schr. 47 Bihlmeyer; geben: Hulsius 2 (1618) 41ᵃ; reichen: Heine 3, 398 Elster; K. F. Becker weltgesch. 9, 237; Brentano 3, 462; bieten: Chph. v. Schmid 10, 132; spritzen: Gotthelf 9, 238; (sich) besprengen: Wig. Gerstenberg chron. 163 Diemar; Wiederhold (1669) 416ᵇ; Schwan 3 (1787) 1021ᵇ; ansprengen M. Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1295ᶜ.
c)
die dem weihwasser zugeschriebenen exorzistischen wirkungen dehnen sich ins weite. kirchen werden damit geweiht: war es doch ein solchs arm erbarmlich ding, das man stein und kalck, mit weyhwasser und einem creutz gesegnet, vor die kirch gehalten hat Sleidanus reden 41 Böhmer, räume entsühnt: dann kommt die geistlichkeit, besprengt ihn mit weihwasser und giebt ihm durch abhaltung einer messe die alte würde wieder H. Grimm Michelangelo 2 (1890) 22. götzenbilder werden damit unschädlich gemacht: man besprengte die halb erhaben gearbeiteten bilder ... mit weihwasser Raumer gesch. d. Hohenst. 6 (1825) 305f., das meer gesegnet:
zu schiff eilst du heran, patriarch!
gieszest ins meer weihwasser
Platen 1, 312 Redlich,
vulkane umgewandelt: (die eingebornen haben eine) tradition, nach der die volcancitos einst alle brannten, und durch besprechung und besprengen mit weihwasser von einem frommen mönche aus volcanes de fuego in volcanes de agua umgewandelt wären Humboldt kosmos 4 (1858) 261, gewitter beschworen: ich glaub wol, der teuffel erwecke etwan ain ungewitter und lasse davon ab, so man glocken leüt und weychwasser sprengt Eberlin v. Günzburg 2, 9 neudr. es nimmt läszliche sünden: teglich sünden werdendt durch mancherlei ding abgelassen, als durch ... besprengung des weihewassers Keisersberg irrig schaf (1514) 16ᵈ; ein schlechte sünde, die auch jr bezauberts weichwasser abwäschen mög Ambach v. tanzen (1543) a 4ᵃ; sintemal die tägliche vergebenliche sünden wol mit ... etlichen tropfen weyhewassers sauber gnug mögen abgewäschen werden Fischart bienenk. (1588) 176ᵃ. der teufel flieht davor:
welch kraft unser herre hât geben
dem wîchwaʒʒer, daʒ der tiufel schiuhet
und ofte von uns allen fliuhet
Hugo v. Trimberg renner 11309 Ehrismann;
hilf wider den bösen gaist, als das weichwasser Keisersberg spinnerin (1510) b 2ᵃ; weychwasser ist dem teüffel gifft und gall Nas antipap. einsundhundert 1 (1567) 44ᵇ, daher sprichwörtlich wie sonst vom weihrauch (s. o.): die heiden flohen vor Lother wie der teufel vor dem weihwasser F. Schlegel 7, 232. man besprengt besessene mit weihwasser: (der beichtiger lehrte eine besessene nonne) das ave maria sprechen oder mit dem weichwasser sprengen J. Nider 24 gold. harfen (1493) e 3ᵃ;
der pfarrer das crütz für sich macht.
der meszner im weichwasser bracht,
sprach: herr, ir söllen in beschweren
Gengenbach novella v. 453 Gödeke;
nun fürt in ab und thut in baden
im weywasser! das thut vertreibn
die teufel, dasz keiner kan bleibn
Ayrer 5, 2862 Keller;
besprenget er den mänschen offt mit weyhwasser Moscherosch ges. 1 (1650) 14. von der teufelsbeschwörung wird das w. in die der narren übernommen:
wych wasser höret zuͦ beschweren,
do mit ich mich der narren weren ...
ich muͦsz yetzunt wychwasser hon
Murner narrenbeschw. 94, 1 neudr.
angefochtene werden damit beruhigt: das weih-wasser brauchte man itzo viel, und besprengete die personen, welche in creutz und anfechtung stunden, damit Hahn vollst. einl. z. t. staatshist. 2 (1721) 128, sterbende damit gesegnet: er sprengt ihn mit dem weywasser Ayrer 3, 1762 Keller; sein pfarrherr will ... den teufel, der den sterbenden mit seinem sündenregister schreckt, mit weihwasser scheuchen Gervinus gesch. d. d. dichtung 3 (1853) 82. zu füszen der totenbahre steht ein weihkessel mit wedel, den toten wird w. ins offne grab gesprengt, auf dem grab ist ein kesselchen dafür, es gehört zu jedem kath. begräbnis: hierauf wurde ein creutz zu ihren haupt gesetzt, weyhwasser herzu gebracht und wachs-kertzen angezündet Fleming vollk. t. soldat (1726) 374 § 12; das grab besprützen, weychwasser gäben Frisius (1556) 223ᵃ; von da Maaler 491ᵃ; da sind dann ringsumher viel epitaphiums, und bey jedem steht ein näpfgen mit weihwasser Knigge roman 4 (1781) 287; wir wollen dir noch das weihwasser übers grab tragen Eiselein sprichw. (1840) 256; ein bauer half mir die mutter begraben, ohne segen und weihwasser legten wir sie in die grube G. Freytag 2, 34; warum hilfft er die begängnüsse der abgestorbenen ... mit mehrem wein als weyhwasser begehen? Grimmelshausen 2, 479 Keller.
2)
aus der kirche darf der gläubige weihwasser mit nach haus nehmen: sye ... stuͦnd uff und nam das weichwasser mit ir heiligenleben, sommerth. (1472) C 3ᵃ, am wirksamsten am osterabend: das weihwasser am osterabendt holen Thurneysser onom. 2 (1583) 160. es hängt dann am pfosten neben der stubenthür:
weih keszlin fein,
do man wedel und das wihwasser duͦt in
Straszburger ged. v. hausrat (1514) b 2ᵇ Hampe.
man besprengt sich morgens und abends damit:
ich mich nach der kirchen gsetz
all morgen mit weihwasser netz
Dedekind pap. conv. (1596) A 8ᵇ;
wann man mit gutem gewissen ... schlaffen gehet, auch sich mit ... weyhwasser bewaffnet, dasz selten den höllischen laueren ... zutritt ... gestattet wird Abr. a S. Clara Judas 1 (1686) 15. tisch und herd werden damit geweiht:
nach dem das ander essen weyhet ...
und mit dem weyhwasser besprenget
H. Sachs 9, 397 Keller;
die hohe herrin trat derweilen an den heerd, ihn rings mit weihwasser ... besprengend Fouqué zauberr. 3 (1812) 175. es heilt wunden und krankheiten an mensch und vieh: rec. weywasser ... impone in ein zinnen schüsseln Paracelsus chir. (1618) 465ᵃ; ist das vieh kranck, so sind sonderlich weiber oder männer, die es ... mit weywasser besprengen Prätorius Blockesb. (1668) 116; als sie ... die brüste mit weyhwasser benetzt, sey ihr die milch gleich wiederkommen Chr. Thomasius ernsth. ged. 2 (1720) 308.
3)
der protestantismus lehnt das weihwasser ab. Luther leugnet seine macht über den teufel: wann ain solcher gaist kompt, so lasz sprenge und weychwasser seyn 10 iii 198 Weim.; hoc non curat satan, potest tolerare weywasser und schmieren 27, 310. die neuere zeit wird vollends ohne w. mit dem teufel fertig: ich will sie alle sieben austreiben ... und dazu brauch ich kein weihwasser und keinen priester Alexis hosen 1 (1846) 86. auch seine sündentilgende kraft wird dem w. bestritten: unser schuld ist so tieff in den abgrund unser seel ... geschrieben ... es kan es auch kein weyhwasser auszleschen Mathesius Sar. (1571) 106ᵃ. der ganze brauch erscheint abergläubisch: das weihwasser des aberglaubens an den weihrauchduftenden kirchthüren Gutzkow ritter v. geist 9, 424, und wird verhöhnt: gib in das weiwasser ('spritze sie mit waschwasser') Scheit Grob. s. 106 neudr.;
doch mügt ir vür all sorg und schrecken,
e ir ausget, ein gweicht salcz lecken
und mit weichwasser euch pesprengen
H. Sachs fastn. 63, 253 neudr.;
man will sie (die kranke beichte) am fegefeuer wärmen, aber das haben die bauern mit dem weihwasser ausgelöscht Gervinus gesch. d. d. dichtung 2, 415 (dasselbe motiv Schades sat. 2, 262). so erscheint seit der reformation das w. als katholische besonderheit, die den protestanten befremdet, unter umständen belästigt:
mit weihwasser hab ich mich auch
versehen nach römischen brauch
W. Spangenberg ausgew. dicht. 298 Martin;
besprengung mit weihwasser, das rosenkranzbeten ... alle diese dinge fielen in Wien ... allenthalben in die augen Nicolai reise 5, 17; so hatte sie mich ... zum zweiten male durchnäszt, erst mit ihren thränen und nun mit dem weihwasser, und ich rückte doch den hals etwas unbehaglich her und hin, da mir die feuchte in den nacken rieselte G. Keller 2, 212.
4)
auch der sprichwörtliche gebrauch beschränkt sich darum auf die katholiken. ein apologisches sprichwort ist früh zur stelle: man kan dess guten nit zu vil thun, sagt jene fraw, und ertrenckte sich im weyhewasser Neander d. sprichw. 23 Latendorf. mehrfach bezeugt ist: wer zuerst beim weihwasser ist, segnet sich damit J. H. Schmitz sitten des Eifler volks (1856) 186; Viebig weiberd. 152. sprichwörtlich ist auch seine irdische werthlosigkeit: mit weihwasser haben die priester leicht zahlen Wander 5, 85. von einem ruchlosen sagt man: hij vraagt naar kwast noch wijwater Harrebomée 2 (1861) 467ᵃ.
5)
im vergleich steht w. zuerst 1462:
der herr von Meinz was kommen an,
asperges tet er singen,
das weihwasser wol geben kann
er mit seinr scharpfen klingen
hist. volksl. 1, 534 Liliencron.
auch weiter bleibt der vergleich zunächst kriegerisch: wir wollen jnen das weihwasser geben Fischart Garg. 405 neudr. im 17. jahrh. wird er höfisch: bey hof und behandlung wichtiger geschäffte die nasse höflichkeit das weywasser ist Harsdörffer t. secr. 2 (1659) 68; deren bescheid für weyhwasser gehalten, damit man die kommenden und hinweg gehenden besprüzzet Butschky Pathmos (1677) 111. des teufels furcht vor dem w. steht im ausgang des scherzes: ein teufel, der kein weihwasser förchtet, i. e. ein schön und geiles weibsbild Kramer 2 (1702) 1295ᶜ. scherzhaft und einmalig ist auch der vergleich mit der tinte: er ist niemals im stande ... mit allem weihwasser seines tintenkessels den teufel zu ersäufen Jean Paul 6, 7 Hempel, dagegen kehrt der mit der thräne seit 1778 mehrfach wider: diese thräne sey weihwasser für dich Hippel lebensl. 1, 133; unter diesen wünschen heiligte das schönste weihwasser des menschen sein auge Jean Paul 1, 234 Hempel; solche thränen sind erstickte thaten; erniedrigten nur bei uns schlaffheit und empfindungsselige zerflossenheit das weihwasser nicht so oft zum waschwasser Hebbel I 10, 364;
mit seinem schwerte macht er das grab,
mit seinen braunen augen das weihwasser gab
Mittler d. volksl. (1856) 175ᵇ,
ebenso der mit dem regen: onze lieve heertje sproeit zijn wijwater Harrebomée 2, 467ᵃ; eine wolke sprengte das weihwasser des himmels über unsre umarmung Jean Paul 7/10, 355. er widerum führt zu einem geistreichen bild: was für eine wolke von solchen vorurtheilen (gegen das christenthum) ... erblicke ich von ferne! die ersten tropfen, die sie fallen lässt, sind weihwasser; und hinten nach blut! Abbt verm. w. 4 (1780) 180.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1922), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 753, Z. 42.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
weihnachtsfeuer weinsteig
Zitationshilfe
„weihwasser“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/weihwasser>, abgerufen am 28.10.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)