Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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weinkeller1, m.

weinkeller m
zu keller m. 'kellermeister' th. 5, 515, im 15./16. jahrh. für jüngeres weinkellner (s. u.). nur im südwesten: H. Fischer schwäb. 6, 621; köch und w. Dryander inhalt g. arznei (1542) 43ᵃ; Fischart Eulensp. 7406. neben weinschenk Frischlin nomencl. (1586) 173ᵇ; Emmelius nomencl. 325.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1925), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 948, Z. 59.

weinkeller2, m.

weinkeller m

Unterbegriffe in diesem Artikel

mhd. wînkëller Lexer 3, 906, mnl. wijnkelre Verdam 692ᵇ, nnl. wijnkelder, dän. vinkälder, schwed. vinkällare. die zus.-setzung zweier lehnwörter der ältesten zeit nicht vor 1324: zu weren, das eyn iclich wirt keynen man ... hoher spilen lase, is sy in dem wynkelre odir in dem bierhuse, den her ubir den gurtil vorpfenden muge Bresl. urk.-b. 111, 11 Korn, im westen erst 1345: frolich maht du sprechen: der künig hat mich eingeleit in seinen weinkeller Hnr. v. Nördlingen bei Strauch, Marg. Ebner (1882) 241. gebucht zuerst in Schlesien um 1410: vinarium/weynkeler Diefenbach gloss. 619ᶜ, im westen nicht vor 1477: Schueren teuth. 499ᵃ Verdam, seither regelmäszig aber ohne gewinn in den wbb. in der Lutherbibel für χωρίον τοῦ οἴνου 1. chron. 27, 27, οἶκος τοῦ οἴνου hoh. lied 2, 4, kaum je bei den klassikern (doch s. u. 4), heute in reichsgesetzen: handwb. d. staatswiss. 7 (1901) 724. neben zahlreichen zeugnissen aus älterer volkssprache (schweiz. id. 3, 204), die auch landschaftl. lautgesetze wirksam zeigen (wînckhêr, wînkêr, weinkeer in Schwaben: H. Fischer 6, 620), fehlen solche aus lebender mundart. im südosten vielmehr weingaden: Unger-Khull 626ᵇ.
1)
den begriff bestimmt N. Chomel: von steinen gewölbter raum unter der erde, worinnen der wein, um besserer erhaltung willen ... verwahret wird öcon. lex. 8 (1757) 2299. die bauliche betrachtung kann vorwiegen: es ist unglaublich zuͦsagen, wie vil weyn in die statt wirt gefuͤrt, welche statt mit so tieffen weinkellern also ergraben ist, das zuͦ Wien nit minder gebew under der erd dann darob soll sein S. Franck chron. Germ. (1538) 307ᵃ; so mag auch kein w. ... ohn eysene werckzeug erbawt werden Ph. Bech Agricolas bergw.-b. (1621) 10; auf die stelle zu, wo hinter einem lattenverschlage der w. war Fontane I 6, 429, doch bleibt der blick auf die künftige verwendung selten aus: liesz auch ein w. in ein felsen hawen, in welchem er etlich tausent fuder weins ohn fasz erhielte Fischart Garg. 83 ndr.; dasjenige worauf der bauende Oesterreicher am meisten bedacht ist, der w., kommt gar nicht in betrachtung Ayrenhoff 6 (1814) 15. damit wird der klang des worts freudig: (Hettm.) was? mich in den keller? (Benj.) es ist ein w. Kotzebue dram. 4, 207; (Loibl war) mit Mozart vertraut und durch einen immer gefüllten w. ... seinem freunde ... empfohlen O. Jahn Mozart 3 (1859) 244f. in der polit. gesch. hat der w. nicht selten eine rolle gespielt: so liesz Philipp August ... die w. öffnen und geschenke vertheilen Raumer gesch. d. Hohenst. 6, 589; so brach der aufruhr los, der fast allenthalben damit anfing, dasz man sich eines mehlvorrats, eines weinkellers bemächtigte Ranke 2, 137. aufsicht und verantwortung für den w. wird zum ehrenamt, sein schlüssel zum heiligthum: ainen desz convents, der desz weinkelers hett gewartet Knebel chron. v. Kaish. 451 lit. ver.; in dem kästchen ... steckten nur die schlüssel zum w. Böttiger kl. schr. 3 (1838) 142 Sillig.
2)
keller sind in Deutschland früh zu verkaufsstellen für die darin bewahrten waren geworden: Heyne wohnungsw. (1899) 206. so wird der w. zur weinhandlung: haben die leinweber ... das gelt für den wein, so sie getruncken ... in den w. getragen Kirchhof wendunm. 2, 183 lit. ver.; in den oenopoliis oder wein-kellern, da das wasser am theuersten verkauffet wird Prätorius saturn. (1663) 6; diese dukaten bekam ich in einem augenblick in einem w. auf dem markte Holberg dän. schaub. 5 (1755) 370. so ausdrücklich bei Stieler 754 f.: weinhandel / oenopolium, quod etiam est ein w.
3)
im alten weinland wird im keller nicht getrunken; wer es thut, wagt verbotenes:
sie schleicht haymlich ind weinkeller,
versaufft kandel, schüssel und deller
H. Sachs 5, 240 Keller;
wann der pfaff in die kirchen geht, so sol sie (die köchin) in den w. gehen und saufen, dasz sie dummelt sat. 2, 268 (1559) Schade. bis heute gehört hier die vorstellung des trinkens im keller vorwiegend der phantasie an: wenn man einen w. hat, in dem man sich tag für tag totsaufen kann, ohne dasz er es spürt Gött maus. (1908) 99. dagegen zeigt für den osten schon das Breslauer zeugnisz von 1324, wie sich der w. dort zur schank- und gaststätte entwickelt hat im sinn der meritoria / trincheller ahd. gloss. 3, 659. spätere zeugnisse zeigen die sache weithin in blüthe: das man keynen wynkellir noch andir tabernen offenen sal, dy homesse sy denne gesungen akten d. preusz. ständet. 1, 322 (1418); gehen zu fröliger leichtsinniger geselschaft in bier- oder weinkeller D. Schaller theol. herold (1604) 524; sie seyen noch gestern auff dem w. beysammen gewesen Schupp 223. vor allem ist Wien berühmt durch solche w.: ollapatr. 159. 233 ndr.; Nestroy 1 (1890) 81. auszerdem sind von 1565 bis 1725 w. als schankstätten bezeugt für Annaberg: J. Barth weibersp. D 8ᵇ, Görlitz: J. Böhme 6 (1620) 232, Weiszenfels: Chr. Weise erzn. 44 ndr.; klügste leute 90, Halle: Chr. Thomasius kl. d. schr. 128, und Leipzig: Chr. Reuter ehrl. frau 9 ndr.; Gottsched vern. tadl. 1 (1725) 51. hier der berühmteste: als sie die ... mess besahen, giengen sie ohn gefehr für einem w. fürüber volksb. v. Faust (1587) 129 ndr.; entspr. Widmann 284 Keller. auch andere w. werden gel. literarisch: stieg ich gestern in den häufig frequentirten Mengwasserschen w. hinunter Gaudy 12, 153; in Deublers w. sah es wunderlich aus Rosegger I 3, 353. im bierland kann dem w. der wein abhanden kommen: wīnkäler, die rathauswirtschaft, dermalen nur noch bier- und branntweinkeller Hertel Salz. 50.
4)
in erweiterter bed. wird w. für den wein im keller mitgebraucht: wenn krieg ... kumpt, so werden ... zu schanden, die ihren trost haben auf ihr kornboden und w. oder gut gestellet Luther br. 2, 72 de Wette;
ir (der bettelklöster) weinkeller wil in verseyen,
ir korenböden werden ler
H. Sachs 6, 381 Keller;
vom kornspeicher, vom w., ja von seinem beutel haben andre den besten theil Bode Montaignes ged. 3, 149; ihr könnt euch also einen begriff von dem w. eines römischen feldherrn machen K. Fr. Becker weltgesch. 3, 281; die herren prediger auf dem lande haben wohl immer einen w. Alexis ruhe 1 (1852) 159; die entflohenen einwohner hatten ihr vieh fortgetrieben, ihre vorräthe zerstört, nur die w. schienen unerschöpflich zu sein Moltke 3, 138; nach dem grundsatze, dasz er über seinen eigenen w. am unterrichtetsten sei Fontane I 1, 102. weiterhin schwindet die vorstellung des raums völlig, die des inhalts bleibt allein: in dem laufe dieser jahre hatte meine mutter den wohlbestellten w. ... verkauft Göthe I 35, 52 W.; der freiherr hielt einen w. von guten tischweinen G. Freytag 4, 26. die entwicklung ist verwandt mit der bei (waren-)lager u. ä. wörtern, auch land, stadt, dorf u. ä. haben vergleichbaren doppelsinn. eigen ist unserm wort die weitere entwicklung zu 'gesammtvorrath an wein': weil der brodkasten und winkeller der eidgenossenschaft angegriffen ist eidgen. absch. (1622) schweiz. id. 3, 204, sowie der gebrauch als titel: Friedrich Helbach, önographia, w. oder kunstbuch vom wein (Frankfurt a. M. 1604); so blieb die landschaftliche physiognomie der Pfalz das ganze mittelalter hindurch, man nannte sie des heiligen römischen reiches w. Wimmer gesch. d. d. bodens 269.
5)
der bildliche gebrauch des hoh. lieds 2, 4 geht seit mitte des 14. jahrh. in deutsche prosa über: der künig het mich ingefuͤret ... in sînen wînkelre Tauler pred. 55, 36 Vetter. das citat kehrt z. b. auch Albertinus Luc. kgr. 79 Liliencron und Dannhawer cat.-milch 5, 1095 wider, es findet nachfolge in andern geistlichen bildern: si sitzent in den wînkelern und enbîssent doch niemer des wînes, daʒ sprichet: si sint in dem gaischlîchen leben und gesmekent doch niemer gaistlîches trôstes altd. pred. 269 Wackern.; gott ist yhr vorrad und kornboden, w. und alle yhr gut Luther 19, 561 W.; in diesem w. der göttlichen liebe so überflüssig betrunken ... zu werden Zimmermann einsamk. 2, 164. biblisch bestimmt ist auch der titel des wolangefüllten weinkellers von A. a S. Clara (1709): Scherer kl. schr. 2, 319.
6)
weinkellerknecht weinkellerloch weinkellerwand weinkellerwirtschaft weinkellermeister
zus.-setzungen sind z. th. alt (-knecht Marienb. tresslerb. 459 Joachim) und stets von neuem möglich (-loch Grimm d. sagen 1, 208; -wand Birken lorb.-hayn 12; -wirtschaft Lueger 4, 412), auch übertragnen gebrauchs fähig: Hellenthals weinkellermeister, oder hülfsbuch für weinbesitzer (Pest 1819), doch nie häufig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1925), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 948, Z. 65.

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