Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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weisen1, vb.

weisen vb
herkunft und form. westgerm. und nordgerm. ableitung zu weise, adj., 'wissend, weise machen'. ahd. wîsen, wîsan aus *wīsjan, alts. wīsian, mnd. wîsen, ags. wīsan (nur einmal belegt), afries. wīsa, mnld. wîsen, nl. wijzen; an. vīsa, norw.-schwed. visa, dän. vise; neben dem j-verbum steht im ags. und an. ein ō-verbum gleicher bedeutung und herkunft, ags. wīsian, an. vīsa, scharf zu trennen von dem auf das got. und kontinentalwestgerm. beschränkten wīsōn 'besuchen', s. ²weisen. ahd. und mhd. schwach flektiert, ebenso mnd. und mnl., einzelne starke formen im mhd. (s. mhd. wb. 3, 758ᵃ); häufiger wird die starke flexion erst im 16. jh., die schwache flexion hält sich daneben noch im 16. und 17. jh.; im 18. jh. in der formel geweister weg (neben gewiesener weg), in dieser formel auch in heutigen maa. (s. unter D). beide flexionen finden sich nebeneinander z. b. bei Luther (gewisen 28, 603 Weim.), Hans Sachs, Berthold v. Chiemsee, Faustbuch (1589), Fleming, Moscherosch, Chr. Reuter, Olearius, Lohenstein, Opitz.
bedeutung und gebrauch. weisen ist eigentlich lebendig nur in den beiden äuszersten bezirken der sprache, in der gedruckten, literarischen schriftsprache und in der mundart; in der hochdeutschen umgangssprache wird weisen heute auf weite strecken hin als ungewöhnlich empfunden; viele gebrauchsweisen sind ganz ausgestorben. nur ahd. ist die bedeutung 'zusammenrufen, aufrufen, vocare', vgl. Graff 1, 1065. ersetzt wird es vor allem durch zeigen, in einzelnen fällen durch führen, lenken und lehren; vielfach treten an die stelle von weisen die zusammensetzungen beweisen, erweisen, aufweisen, anweisen, hinweisen. in den maa. ist das verhältnis umgekehrt; dort ist weisen lebendig (namentlich nd. und md.), zeigen ist nd. gänzlich und md. nahezu unbekannt und auch obd. selten; wo es auftritt, ist es aus dem schriftdeutschen eingedrungen. im 18. jh. findet man daher die meinung, weisen sei unedler gegenüber zėigen und das mundartlich geläufige wort galt dem hochdeutsch sprechenden als unstatthaft, vgl. Adelung 4 (1801) 1464, Heynatz antibarbarus 2, 621, Teller 1, 88; eine nur für den gebrauch in der literatursprache zutreffende auffassung sieht zwischen weisen und zeigen einen gradunterschied, d. h. zeigen ist die handlung des zeigens, vorzeigens, weisen meint gleichzeitig die belehrung durch das vorzeigen, vgl. Eberhard synonym. (1795) 6, 319; Campe 5, 654, ferner unter zeigen, teil 15, 501. zwei gebrauchsweisen heben sich von einander ab: weisen mit akk. der person (A 1—3) und weisen mit akk. der sache und dativ der person (B 1 u. 3), die im wesentlichen zusammenfallen mit den hauptbedeutungsrichtungen 'führen' (A) und 'zeigen' (B). an diese hauptformen schlieszen sich auf beiden seiten bildungen an, die durch verkürzung aus jenen entstanden sind (B 2 u. 4) oder die dem typus nach dazu gehören, ohne dasz sie aus der hauptweise abgeleitet zu sein brauchen (A 4). die ursprungsbedeutung 'wissend machen, lehren' läszt sich in beiden bedeutungsweisen noch erkennen; 'führen' deutet auf die leitung eines wissenden, irgendwohin weisen ist ein aufmerksam machen, bekannt machen; ebenso ist 'zeigen' ein aufmerksam machen. so entwickeln beide gruppen die noch heute greifbare bedeutung 'lehren, belehren'.
A.
jemanden weisen. grundbedeutung 'jemanden führen, lenken', 'durch zeigen irgendwohin führen', auf irgendetwas hinführen'; eigentlich und übertragen. vgl.weisen, ↗leiten conduire, guider, mener, ducere Widerhold (1669) 413ᵇ, weisen regere Reyher thes. (1686) o 4ᵇ, weisen, leiten ducere, incitare, pertrahere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 347ᵃ.
1)
jemanden weisen 'führen lenken', und 'belehren, lehren'.
a)
'führen, leiten, lenken', eigentlich:
nû rîtet vür unt wîset mich,
swar ir mich wîset, dar var ich
Hartmann v. Aue Iwein 6071 Lachm.;
der keyser must landleut bestellen, die den helen weg vorhackten und sie wisen Seb. Franck chron. Germ. (1538) 123ᵇ; ähnlich:
entzwischen fürst Eneas bald
gieng mit Achate fort in wald,
wie sie der eben fuszsteig wies
Spreng Äneis (1610) 11ᵇ.
mit erweiterung: unde wîste in der heilige engel ... an sîner hant specul. eccles. 123 K.;
dô wîste an ir hende   ein schœne magetîn
dâ ûz Îrlande   des wirtes kindelîn
Kudrun 52, 1 B.;
jetz musz er miden dise straszen,
darnach nit kummen uff die gassen;
er laszt sich an eim strohalm wysen
Thomas Murner gäuchmatt 4814 ndr.;
der elephant wirdt mit keinem zoum, bisz, halffter oder anderem geweyset Herold-Forer Gesners tierbuch (1563) 78; und in schönem takt stemmten sich alle vier (pferde), auch der schlaggaul und der handgaul, die nicht an der leine gewiesen werden konnten, in die zugstricke P. Dörfler Apollonias sommer (1932) 201. — mit sächlichem objekt ein pferd, schiff, wasser weisen, heute nur noch mundartlich; vgl. equos regere leyten, führen, weysen Frisius dict. 1133ᵃ; temperare ratem faren, schiffen, das schiff weysen und leiten 1118ᵇ, ein schiffe leiten, weysen und füren mit ruͦderen 1141ᵇ; jugarius der die eingejochten rinder weyset und führet Calepinus XI ling. (1598) 778ᵃ:
daz ros wîste niemens hant
Wolfram v. Eschenbach Parzival 224, 21
weisen den schlitten lenken Seiler Basler ma. 316; die oxen weisen, führen; wasser weisen, es wohin leiten, ihm ein bett graben Lexer kärnt. 254; weisen lenken, regieren, besonders einen schlitten Mankel ma. d. Münstertals (1883) 171; mit adverbialer bestimmung, wie unter A 2; (furchen) dahin man das wasser weist Erasmus Alberus nov. dict. (1540) L 2ᵇ; dasz sie das wasser weisen und leiten durch die statt zu Newenburg stadtrecht v. Neuenburg a. Rh. (v. j. 1367) 31;
(der ochsen) kraft wart übercreftet.
ein pfluoc an si geheftet
was mit starkem îsen,
den si begunden wîsen
unde ziehen durch den wert
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 9750 K.
mhd. mit doppeltem akkusativ (s. auch die vereinzelte form unter A 1 b) einen den wec, die strâze etc. wîsen 'jemanden einen weg führen, ihn (helfend und schützend) begleiten'; vgl. mhd. wb. 3, 759ᵃ unter d. es ist im einzelnen schwer zu entscheiden, ob alle dort aufgeführten stellen hierher gehören; manches liesze sich auch zu B 1 b δ ziehen und als nebenform zu jemandem (dativ) einen weg weisen = 'zeigen' auffassen (vgl. auch zu B 1 a und B 1 b δ):
der wîsete si di strâze   in daz Ôsterlant
Nibelungen 1269, 2 L.;
wer wîset nû die recken   sô manege hervart?
2197, 2;
got wîse mich der sælden wege
Wolfram v. Eschenbach Parzival 8, 16.
b)
übertragen, im geistigen und sittlichen 'lenken, führen, leiten'; 'belehren, unterrichten'.
α)
aktivisch, vgl. erudire wisen (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 209ᵇ; informare wisen (md. 15. jh.) 297ᶜ, dafür sonst auch anwysen, underwysen, leren, berichten ebda; absolut: und ... guͦtú werk ane allen zwivel me wisent und dem menschen neiswi reht sin herz erluphent Seuse dtsche schr. 3 Bihlm.;
da (auf der ganzen erde) sond ir buwen, wysen, leeren
und alle wält zum glouben keeren
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 297 Bächt.;
hier musz man also weder stören noch niederschlagen, sondern weisen und aufmuntern Herder 5, 601 S.;
wer leitet nû die lieben schar?
wer wîset diz gesinde?
Gottfried v. Straszburg Tristan 4795 B.;
der dich die rede lêrte
und die ebenmaze kêrte
der worte an des sâmen sin
als ich von dir gewîset bin
Rudolf v. Ems Barlaam 50, 6 Pfeiffer;
du groze vorhte do geriet,
alse du warheit wiset mich,
den fünf kunegin das si sich
burgen al gemeine
weltchron. 16576 E.;
denn das junge und grobe volck musz man anders zihen und weisen weder die verstendigen und geübten leute Luther 26, 216 Weim.; das ... gute geistliche lerer not sind, die ... das volck zu weisen wissen 3 (1560) 152ᵇ Jen. ausg.;
ach Jupiter sent mir dein hilff,
thu mich weisen und leren
Forster fr. t. liedlein 161 ndr.;
so spürt man nicht des weniger inn täglicher erfarung, das inn menschlichen äuserlichen händelen nichts die leut also sehr bewege, ermane, weise und lehre, dan so man ... sie mit irem angebornen urtheyl und verstand uberzeuget Fischart 3, 117 Hauffen;
(der hl. geist) der wirt euch weisen in allen sachen
altdt. passionssp. a. Tirol 47 Wackernell;
hinter dem andern steht ... immer der kluge, weisende vater P. Dörfler d. notwender (1934) 40; fänden sie einen stern, der sie wies, einen engel, der sie rief, oh, sie würden alle niederknien und so bescheiden werden K. B. v. Mechow vorsommer (1933) 52; redensartlich ich dhät m ebbes weise ich würde ihn lehren Frankf. ma. 40. mit abhängigem satz oder infinitiv:
mich kan diu schrift auch wisen
daz der vogel Aravis
in manigen jaren het ein ris
gefuͤrt dar, daz schone bluͦt
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 954 R.;
do wisete und lerte dirre vorgenante Saturnus das volg noch menschlichen sitten leben und korn und win buwen städtechron. 8, 317; dise ding wysent dich dyner vernunft zuͦ zuͦloszen Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 32ᵇ; das sie (die kleriker) die arme gedrungene menschen solten beicht hören, ... auch leren und weysen, ire seligkeyt zu bedencken Jacob Strausz beychtpüchlin (1523) A 4ᵇ; wie der Hainrich sei in dem walt geporen und erzogen worden, weist dich die histori von Hirssau städtechron. 3, 79; den ban must man nit ehr gebrauchen, den wo die schrifft weyszet zuprauchen, das ist, widder die do nit recht glewben Luther an den adel 51 ndr.; hand doch nit gewüszt, was mich gott wysen wurde zuͦ predigen Zwingli dtsche schr. 1, 54; du (Luther) weisest uns aber zuͦ suͦchen (in der schrift) da wir nüt finden nach deiner gewonheit Thomas Murner an den adel 38 ndr.; die neundte staffel ist charitas ... auff diese staffel weiset uns steigen der sohn gottes, Johannis am 15. capitel Meyfart v. d. himl. Jerusalem (1630) 2, 287. nur mhd. sind folgende fügungen einen eines dinges wîsen 'jamanden über etwas belehren' (vgl. mhd. wb. 3, 758ᵃ unter c):
nû hât sî des gewîset
diu werlt, diu iuch prîset,
daz sî iuch ze trôste hât erkorn
Hartmann v. Aue Iwein 6035;
sî dir solher rede iht kunt,
der wîse mich alhie zestunt
durch dînes herren willen nû
Rudolf v. Ems Barlaam 43, 18 Pf.;
statt des genetivs vereinzelt auch der akkusativ (vgl. mhd. wb. 3, 758ᵃ unter d, Lexer 3, 941):
(die apostel zu dem kranken Konstantin:)
swas dich Silvester wiset,
daran halt dich mit demut
passional 68, 3 Köpke;
in gleicher bedeutung einen wîsen über, von u. s. w. (vgl. mhd. wb. 3, 758ᵃ unter b):
allez swaz im e geschach,
daz versweic er im niht
und wisete in (setzte ihn in kenntnis) uber die geschicht
passional 288, 32 Köpke;
... noch sîn wir
gewîset von demselben tage
ein teil, daz seit ein wîssage
Rudolf v. Ems Barlaam 95, 8 Pfeiffer,
d. h. wir werden, was den jüngsten tag angeht, noch weiter belehrt.
β)
sich weisen lassen 'sich belehren, bedeuten lassen', weiterhin 'sich einer besseren ansicht unterwerfen, sich fügen', vgl. sich nit lassen weysen noch warnen Maaler 492ᵇ; steiff auff seynem kopff oder meynung bleiben und sich nicht wöllen weysen lassen Calepinus XI ling. (1598) 966ᵇ; halszstarrig, widerspennig, der sich gar in ein ding ersetzt hat und sich nicht weisen laszt 1078ᵇ; pertinax der sich nicht weisen laszt Dentzler clavis (1716) 347ᵃ: wanne tusent gebresten die du in der worheit bekennest ... enwerent dir nút also ... schedelich alse ein einiger des du nút enwoltest bekennen noch dich nút woltest lassen wisen Tauler pred. 73, 18 V.; das sie nit alleyn nit wollen sich weysen noch leren lassen, sondern blind hynn mit vorstopfften oren und augen die evangelische ler vordammen Luther 7, 163 Weim.; alle ire lere ist schedlich und erlogen, sie lassen sich auch nicht weisen, dasz sie guts theten ps. 36, 4; denn wer sich gern leszt weisen, da ist gewislich der weisheit anfang, wer sie aber achtet, der leszt sich gerne weisen weish. 6, 18; und wiewol der viel von des stiefts stetten und landschaft, die sich gern hetten weisen lassen und zu friede und einigkeit geholfen chron. d. stadt Bamberg 2, 115 Chroust; sie wöllen auch niemandt weichen oder nachgeben, noch auch sich weisen oder beschaiden lassen Äg. Albertinus Lucifers königreich 53, 26 nat.-lit.;
halt zihl und masz,
dich weisen lasz
Spee trutznachtigall (1649) 6;
und (das kind) schlug noch dazu den vater und wollte sich nicht weisen und lehren lassen Jakob Böhme s. w. 2, 162 Sch.; aber wenn wird sich ein poete weisen lassen? J. J. Bodmer crit. poet. schr. (1741) 1, 80; gieb achtung und lasz dich weisen, du bist gelehrig U. Bräker s. schr. (1789) 1, 82;
indesz er ist mein freund, und meiner freunde
musz keiner mit dem andern hadern. — lasz
dich weisen! geh behutsam!
Lessing 3, 126 M.;
und nun, ihr könige, vernehmts!
laszt weisen euch, ihr richter der erde
Herder 12, 265 S.;
eben diese freunde wollen wir ja seyn, lasz dich doch weisen Schiller 2, 47 G.; (die burschen) trugen die nasen so hoch, als wollten sie die sterne vom himmel runterstüpfen, ... sie wollten sich gar nicht weisen lassen, meinten, sie verständen alles J. Gotthelf Uli d. pächter (1850) 86; mit adverbialer erweiterung: aber (sie haben) in mit lieb noch laid von der schrifft nicht mögen bringen, ... sein antwort alleweg gewesen, nach göttlicher schrifft wölle er sich weisen lassen, sonst mit nicht Luther 3 (1560) 410ᵇ Jen. ausg.; wölle sie sich nicht mit guttem weiszen lassen und sich nicht in ewerem willen ergeben Huge Scheppel 45ᵇ Urtel; wo ich die gschrifft miszbraucht hette ..., will ich mich mit der gschrifft des nüwen und alten testaments alweg lassen wysen Zwingli v. freiheit d. speisen 40 ndr.
c)
als steigerung der bedeutungen 'führen, leiten' und 'belehren' mit besonderem nachdruck 'anweisen, vorschreiben, befehlen': diz ist daz unser orden und alle unser gesetzede wisent und meinent Tauler pred. 58, 18 V.; dann ieder (Luther und Zwingli) thuͦt so vil in gott wyst Zwingli dtsche schr. 1, 257; (ich will nicht) das sie fur ire missethat gestrafft werden, sonder das inen geweret, sollichs hienfür gegen mir oder jemants fürzuͦnemen radten und weiszen Hutten opera 1, 418 Böcking; denn wenn gott nicht das hause und zeche selber bawet ... so arbeiten und faren vergebens steiger, die gewercken ... und alles was im berg zu webern und weisen hat Mathesius ausgew. w. 4, 22 Loesche; mit erweiterung: daz wisite und ordinte got fore, daz wir solden geformit werden paradisus anim. int. 22, 10 Str.; und weiszten in, er solt zu dem künig oder seinen räten (gehen) und in sollichs fürhalten Fortunatus 22 ndr.; darum werden wir gewisen zu suchen das reich gottes, in dem alle weiszheit ligendt Paracelsus opera 1, 266 Huser; als aber die von Schwitz der urteil eit statt tun woltend, warb abt Gero ... an keiser Heinrichen, dasz er si wisen sölt, der urteil gnug zu tünde Äg. Tschudi chron. helv. (1734) 1, 56.
2)
mit akkusativ der person (selten der sache) und präpositionaler bestimmung jemanden in, auf, an etwas weisen 'hinweisen, hinführen zu, verweisen auf, hindrängen zu'; eigentlich und übertragen, besonders in religiöser sphäre. am geläufigsten sind weisen an und auf; im allgemeinen verteilen sich bestimmte anwendungsbereiche auf die einzelnen präpositionen, doch kommen auch vermischungen vor; häufig in festen formeln; verschieden betont, vom einfachen 'führen' bis zum heftigen, drängenden 'befehlen'.
a)
weisen in. eigentlich, vgl. in den rechten weg weisen adherectare (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 12ᵇ; die soldaten in die quartier weisen Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ:
dô wîsete man die schœnen   wider in den sal
Nibelungen 1612, 2 L.;
wie gern ich das thun sail,
und wel wisen das spere in die sijten sin (Jesus)
dasz ich volnende sin pin
Alsfelder passionssp. 6378 Grein;
sein stern han wir gesehen in Moren,
der uns geweist bis in die stadt
B. Krüger aktion v. anfang u. ende d. welt (1580) D 5 b;
das junge paar ... war endlich in dieses städtechen gewiesen worden, wo einige personen ... ein gutes theater gesehen haben wollten Göthe 21, 168 W.; (Johannes Hadlaub) begab sich auch in das frauenkloster, wo er in die abgesonderte wohnung der äbtissin gewiesen wurde G. Keller ges. w. 6, 58. abstrakt: bitte dine trûtmuoter ... unde alle dine heiligen ... daz si mine sele wisen in die gnade unde in die vroude die si selbe besezzen hobent mit allem himelischen herige Benediktbeurer glauben und beichte (12. jh.) bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 360, 99;
dô mich unser hêrre got
wîsen wolte in sîn gebot
Rudolf v. Ems Barlaam 10, 22 Pfeiffer;
untz er (gott) in (den menschen) gesetzet und in gewiset in froede unt in selikeit meister Eckhart göttl. tröstung 44, 13 Str.; das dir alle ding, die dich nit in gott weiszen, pitter und schwär worden sein Geiler v. Keisersberg granatapfel (1510) G 3ᵇ; innere kennzeichen weisen uns in das funfzehnte jahrhundert Göthe 41, 1, 178 W.; besonders wurde ein officier ... so zudringlich, ... dasz Wolfgang ihn auf derbe art in seine schranken wies O. Jahn Mozart 2, 71; die vita Karoli (Einhards) wird wie durch ihre irrtümer, so auch durch ihre politische stellungnahme in die Seligenstädter zeit Einhards (nach 830) gewiesen forsch. u. fortschritte 10 (1934) 180; vereinzelte fälle mit in statt des in solchem zusammenhang geläufigeren auf (s. unter b): auch dieselbigen, die geschrieben haben, thun nitt mehr, denn weysen uns yn die allte schrifft Luther 10, 1, 1, 626 W.; sondern man mit den teutschliebenden zuvörderst in des herrn suchenden groszes ausführliches werk von der teutschen sprache ... gewiesen haben Neumark neuspr. t. palmb. (1668) 92, vgl. hierzu auch ¹verweisen IV E e β. — wer lange auf einer universität lebte ... musz auf unangenehme betrachtungen gerathen, wenn er bemerkt, wie selten die vorzüglichsten köpfe dadurch in die rechten wege gewiesen wurden Göthe 46, 90 W.
b)
weisen auf. selten örtlich, übertragen: 'hinweisen auf, hinführen zu, verweisen auf'; besonders in religiöser sprache des 16. jhs. (vgl. ¹verweisen IV E 1). eigentlich: item die Elbinger hetten sechs dorffer im groszen werder, dise namen ein jar schaden auff 1200 m., wen alle dorffer ir wasser weiseten auf ire ecker und ertranckten ir getraide S. Grunau preusz. chron. 2, 161; sie weisen meinen vater auf die strasze? J. Nestroy ges. w. (1890) 1, 59; dann reichte ich ihm das fernglas und wies ihn auf den östlichen eckpunkt des scheitelgrates ..., wo der Steinmann mit voller deutlichkeit zu erblicken war H. v. Barth Kalkalpen (1874) 331; übertragen: und (gott) wil in (den menschen) rechte uf sich selber wisen Tauler pred. 108, 3 V.; wenn also solch gedenck kumen, die dich uff dich selber weisen und dich verwerffen, ... so halt dich ymer uff demüthigkeit P. Stephan Fridolin dtsche pred. 51, 23 Schmidt; von welchen dingen ists nütze offt predigen, denn es sind die rechte gute wercke, auff die uns die schrifft auch uberal weiset Luther 26, 235 Weim.; ausz der ursach weise ich euch auff die recept desz andern tractats Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 10ᵇ Huser; herre Jesu Christe, der du uns in deinem wort auch auff die armen sperling weisest und stellest sie uns zu doctorn und lehrern für Joh. Mathesius leben Luthers (1576) 106ᵇ; wir wollen den gönstigen leser ... zu des freyh. von Verulam zweytem buch ... gewiesen haben S. v. Birken forts. d. Pegn. schäferey (1645) )( 4ᵃ, s.d); da es (Polen) durch seine wasserwege immer auf den handel mit Preuszen gewiesen sein werde Meinecke v. Boyen 1, 57. — häufig in der religiösen literatur des 16. jhs. auf die schrift, auf Jesum weisen 'auf Jesus, auf die schrift verweisen' als auf die grundlage des menschlichen lebens und seins; womit nicht nur ein 'verweisen' (aufmerksam machen), sondern ein betontes 'hinführen' gemeint ist: item der herr Jhesus hat die Juden gewisen auf heilige schrift, als gebe dieselb zewgnusz von ihme Berthold v. Chiemsee t. theol. 67 Reithm.; der heylig Johannes und alle evangelisch lerer mogen nitt weyter dann uns uff das wort uff Christum weyszen H. v. Cronberg schr. 45 ndr.; wann dich ein prediger wyset uff das heilig evangeli Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 63 ndr.; ähnlich: und sollen die leute alwege auff den grund geweiset und geführet werden, das gott in der heiligen schrifft alles verfasset und begriffen habe kirchenordnung für Braunschweig (1569) 17; Christus wart für einen teuffel gescholten, do er dye Juden auff die werck Abrahams weyszete a. d. kampf d. schwärmer geg. Luther 27 ndr. auf den rechten weg weisen; aus eigentlichem gebrauch entstanden, aber fast nur übertragen gebraucht: (er) sie auf den weg weyset Arigo decamer. 234 Keller; gemainklich die krancken haben willen gesund ze sein und hassen ir leiden, welhen willen (man) ... durch hailsam raͤte auf guͦten weg weysen mag Berthold v. Chiemsee t. theol. 19 Reithm.; hiervon musz ein verständiger bibliothekar junge gelehrte abwenden und die unerfahrnen auf den rechten weg weisen Gottsched d. neueste (1751) 2, 15; wenn ich nicht irre, so wollte er uns blosz durch einen fingerzeig auf den rechten weg weisen Göthe 21, 270 W.; vielleicht weiset uns aber schon der umstand auf den rechten weg, dasz ... W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 306. mich wies meine natur gleich nach den ersten monaten des ungestörten fortarbeitens auf den weg, mir eine nebenbeschäftigung zu suchen Gervinus in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 2, 26. ähnlich: ich wil dich fuͤren und wisen uf ein wunnekliche vart Tauler pred. 183, 25 V.; nach Welschland musz gerannt werden, als säsz in den bergen hinter Rom der grosze magnetstein. ich hab oft drüber nachgedacht, was uns in die falsche bahn gewiesen; — wenns nicht der teufel ist, kanns nur der gute wein sein J. V. v. Scheffel Ekkehard 158;
ich weys ewch auff das recht spor
altdt. passionssp. a. Tirol 21 Wackernell;
fruchtlos bis jetzt, doch ohne hoffnung nicht,
wenn du vermöchtest, mich mit worten besser
zu weisen auf die spur
Mörike ges. schr. (1905) 3, 103.
c)
weisen an. selten eigentlich; übertragen jemanden an jemanden oder etwas weisen 'hin-, verweisen an', ihn bewegen, sich an etwas oder jemanden zu wenden, um auskunft, rat, hilfe u. s. w. zu suchen:
er wîste sîn vihe an di guoten weide
Molst. genesis 28, 23 Diemer;
de Wachtel ik hete, ein gude spise,
min ei ik an de viende wise
(v. j. 1551) bei H. Ziegler geschützinschr. 25. —
ich wise uch an die schrift, die da sprichit parad. anim. int. 16, 24 Str.; man wies die prediger für die erklärung der schwierigern stellen der schrift vornehmlich an die lateinischen kirchenväter Ranke s. w. 2, 110. — gott hat unsz an seynen eynig gebornen son geweyset Güttel v. evangel. warheyt (1523) A 3ᵃ; soll er ... an die richter voriger instantz ... remittirt und gewiesen werden d. keyserl. majest. cammergerichtsordn. (1555) 109ᵇ; so wies ihn (Voss) seine natur an familie und haus, und nur ein freundekreis ... verband ihn mit der welt Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. (1853) 5, 13; auch noch im entwurf des gesetzbuchs ist die interpretation dem richter eigentlich ganz untersagt, und alles an die gesetzcommission auch für einzelne fälle gewiesen v. Savigny v. beruf uns. zeit (1814) 88; im frühlinge erklärte mich der arzt als gesund und wies mich an die schöne jahreszeit Stifter briefw. 4, 196 S.;
es war ein augenblick, wo ich gewähnt,
du könntest fühlen, könntest mehr als hassen,
wo ich geglaubt, die götter hätten uns
gewiesen aneinander, dich und mich
Grillparzer s. w. 5, 96 Sauer.
an jemanden oder etwas gewiesen sein; aus dem vorigen gebrauch entstanden, 'an jemanden (etwas) verwiesen sein, auf jemanden (etwas) angewiesen sein': allgemeine regeln ... lassen sich garnicht feststellen, sondern jeder ist nur an sich selbst gewiesen Schleiermacher s. w. I 12, 577; das element (der luft) wiegt sie (die vögel) alle. das landthier dagegen gehört nicht so dem boden, an den es gewiesen ist Vischer ästhetik 2, 128; die sonne lag heisz auf dem weiten gemüsegarten, in welchem nur ein bescheidenes blumenrevier verkündete, dasz diese haushaltung einen jungen wohlstand zu begründen im begriff und vor der hand an den prosaischen nutzen gewiesen sei G. Keller ges. w. 1, 185; umso dringender war ich an die zukunft gewiesen, an die notwendigkeit, selbst ein langandauerndes geschlecht zu stiften, dessen gefeierter stammvater ich bin 5, 77; die herren wollen leben, und zwar von der philosophie leben: an diese sind sie, mit weib und kind, gewiesen A. Schopenhauer w. 1, 26 Grisebach.
d)
weisen zu. eigentlich und übertragen 'hinführen zu, hinweisen auf, drängen zu'; eigentlich: welche hebammen, wenn sie angenommen sind, sollen sie gewisen werden zu dem superattendenten oder zu einem andern prediger, das sie lernen, was gottes wort betrifft in irer sache Joh. Bugenhagen Braunschw. kirchenordnung (1531) F 4ᵃ; weil es nun fast abend war, läst er ihn zu bette weisen volksb. v. gehörnten Siegfried 62 ndr.;
so bald mein sohn herein ist, weiset ihn
zu mir
Schiller 12, 180 G.;
zwar diesen goldnen ring hier schenk ich dir,
... und zeigst du ihn, so weist man dich zu mir
H. v. Kleist 2, 107 E. Schmidt.
übertragen:
si wîsent uns zem himel, und varent si zer helle
Walther v. d. Vogelweide 33, 35;
wer einfeltig ist, der schlage die frage von sich und weise sie zu den gelerten Luther 30, 1, 218 W.; damit dieselben nit ... ouch mit beroubung des glassnen gutz unschuldiglich gestrafft und zu armut gewysen werden (v. j. 1525) d. dtsche bauernkrieg, aktenbd. 232 Franz; dir ist ungezweiffelt sattsam bewust, was gestalten die kinder, bevor sie anfangen zu lesen, erstlich zu dem gewöhnlichen a b c gewiesen werden Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 8;
zwei (engel) die mich weisen
zum himmlischen paradeise
Cl. Brentano ges. schr. 4, 24.
besonders 'jemanden zu einer bestimmten inneren haltung drängen, verpflichten': darumb hat Martinus dy geistlichen mer mit dem wort gotis den mit schwerttern zum evangelio geweist in: reformationsflugschr. 1, 39 Clemen; die sprüch ... dardurch der mensch zur andacht und dem gebet gewisen Hans Sachs 18, 19 K.-G.; so ferr ein nonn oder begeyn einem mann getraut hette, soll der bischoff des orts, da sie wonhafft, sie scheiden und die nonn widerumb zu ihrem gelübd der keuscheit weisen Fischart binenkorb (1588) 136;
die alten, die nun nicht mehr sind,
die haben ihn gepreiset,
so hat ein jeder auch sein kind
zu solchem dienst geweiset
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 432ᵃ;
weist sie zur geduld Müllner dram. w. (1828) 3, 126; so dasz die sänger durch eine ernste warnung des kaisers zu ihrer pflicht gewiesen werden muszten O. Jahn Mozart 4, 190; der richter wirft ihnen erbarmungslosigkeit, härte vor und weist sie durch bibelstellen zur ordnung J. Kerner bilderbuch (1849) 326; wenn sie auch einmal ... zur ordnung gewiesen wurden J. Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 493. zur ruhe weisen; eigentlich, wie zu bette weisen (s. oben), und übertragen: der vater ... wies ihn (Felix) zur ruhe Göthe 24, 61 W.;
du siehest alle hier mit grauen haaren,
wie die natur uns selbst zur ruhe wies
16, 175;
schon bei dem früheren besuche der fürstin hatte ich dergleichen vorgebracht, ward aber als wie mit gotteslästerlichen reden bei seite und zur ruhe gewiesen 35, 196; dieser art von theologie ..., von der wir zur ruhe gewiesen werden D. Fr. Strausz ges. schr. (1877) 3, 36; er wies sie, die noch unbärtig waren, mit kurzen und spöttischen machtsprüchen zur ruhe H. v. Kleist 3, 393 E. Schmidt; da ich mit meiner mutter immer allein bei tische sasz und sie lieber auf gespräch und unterhaltung dachte, als auf ein genaues erziehungssystem, so wies sie mich nicht kurz und strafend zur ruhe, sondern ... G. Keller ges. w. 1, 42. zurecht weisen, meist schon zusammengerückt zurechtweisen (s. d. teil 16, sp. 649), aus zu rechte weisen; zumeist eigentlich 'den richtigen weg zeigen, richtig führen', auch übertragen; daraus die bedeutung 'einem den kopf zurechtsetzen': und versprache, dasz er ihn ... nach dem Martisplatz zu recht weisen lassen (wollte) A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 221;
doch eben dieser schmerz, der so verzweifelt bisz,
ward unversehens ein stern, der sie zu rechte wiesz
Stoppe Parnasz (1735) 137;
jeder bettler weist mich zu rechte, und ich rede mit den leuten die mir begegnen Göthe III 1, 150 W.; (Diderot) hat den leser durch seine ... frechheit ... zurecht gewiesen W. Schlegel in: Athenäum 1, 49.
e)
weisen von. 'wegführen von, wegweisen von', mit deutlicher, örtlicher beziehung; eigentlich und übertragen. häufig mit besonderem nachdruck 'jemandem befehlen, sich zu entfernen, wegzugehen von': ich wil meinen knecht mit worten von mir weisen Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) Y 2ᵃ; da sah man manchen behenden jüngling dem ballen entgegen springen ... und dann den ballen mit seiner hand von im weisen Wickram w. 1, 233 Bolte; als ... er dem pabst misztruwet ... wolt er inen (den boten) nicht willfaren und wiszt si von im Äg. Tschudi chron. helv. (1734) 1, 29;
der richter sprach, wenn ihr mir nun den vater
nicht bald zur stelle schafft, so weis ich euch
von meinem stuhle
Lessing 3, 94 M.;
... welche lust,
im diwan, vor der wartenden versammlung
die nahmen ihm ins angesicht zu werfen,
und ihn beschämt von meinem thron zu weisen
Schiller 13, 439 G.;
aber wie sie in die stube treten wollte, ward sie von den unbekannten bewohnern als eine fremde von der thür gewiesen Grimm dtsche sagen (1891) 1, 116; übertragen:
ich sol dich wîsen von den sünden
Rudolf v. Ems Barlaam 41, 8 Pf.;
wand got kan ir nicht prisen,
sundir er wil sie wisen
von im zu der helle mort
Daniel 3282 Hübner;
wat doit des noit gode van oitmedicheit van sick to wisene Joh. Veghe pred. 35, 9 Jostes; ir habt kein teil am herrn, da mit würden ewr kinder unser kinder von der furcht des herrn weisen Josua 22, 25; und du, lieber himmlischer vater, solltest ihn (den menschen) von dir weisen? Göthe 19, 138 W. etwas von sich weisen 'zurückweisen, ablehnen'; wie etwas von der hand weisen (s. unten), seit dem 18. jh.: (der botschafter) der den antrag aber mit groszer verachtung von sich wies Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 298;
... ich müszte
die that vollbringen, weil ich sie gedacht,
nicht die versuchung von mir wies
Schiller 12, 214 G.;
alles schwankende, welches natur und schicksal in seinen charakter gelegt hatte, suchte er mit männlichem willen von sich zu weisen W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 211; selbst den gedanken eines nationalconciliums, der ihm früher so verhaszt gewesen, weist er jetzt nicht mehr entschieden von sich Ranke s. w. 4, 73; der könig wies diese ansichten so weit und geringschätzig von sich Bismarck ged. u. erinn. 1, 166 volksausg.;
mit einem neigen seiner (des engels) stirne weist
er weit von sich, was einschränkt und verpflichtet
R. M. Rilke ges. w. (1927) 3, 49.
etwas von der hand weisen 'zurückweisen, ablehnen', oft stark betont, seit dem 18. jh.; häufig in der politischen sprache des 19. jhs.: man müszte, wie der krämerbursche und handarbeiter, keine gelegenheit zum trinken von der hand weisen J. Chr. Bode Montaignes gedank. u. mein. (1793) 3, 29; (er erinnert sich) dasz er kurz vorher die allerwesentlichsten puncte von der hand gewiesen Lessing 8, 31 M.; die hanse ... wies aber denselben (vergleich) von der hand Justus Möser s. w. (1842) 3, 181; habe ich doch das in mich gesetzte vertrauen nicht ... so ganz von der hand weisen können Göthe IV 28, 37 W.; (derselbe) erliesz ... zwar ein schreiben an den Kohlhaas, worin er ihn ermahnte, einen solchen antrag, wenn er an ihn ergehen sollte, nicht von der hand zu weisen H. v. Kleist 3, 204 E. Schmidt; so wenig ich ihr zu einer verbindung zugeredet habe, so wenig würde ich ihr rathen, dieselbe von der hand zu weisen Moltke ges. schr. 4, 63; so durchgreifende änderungen, wie die vorgeschlagenen, wies er ganz von der hand Ranke s. w. 4, 94; da in der tat dieser verdacht nicht ohne weiteres von der hand gewiesen werden könne, so müsse er ihre verhaftung aussprechen W. v. Scholz erzähl. (1924) 59; — und mehr als eine löbliche verwaltungs- und justizbehörde ... hat es schroff von der hand gewiesen, uns einen blick in ihre archive zu gestatten W. Raabe Abu Telfan (1870) 1, 7; ähnlich: Winters schöne anträge müssen wir aus unserer hand weisen Jacob Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 2, 29; schaffe diesen oder jenen kleinen unfug ab, und du hast ... vor der hand ... dir das ungestüme dringen auf eine reformation dir vom halse gewiesen Herder 16, 188 S.
f)
seltener mit anderen präpositionen: jemand aus der tür weisen oder hinausweisen Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ;
du (gott) sollst die todten selbst aus ihren gräbern weisen
M. Opitz t. poemata 188 ndr.;
jeder Preusze oder Hesse darf, wenn er will, aus Preuszen oder Hessen ziehen, umgekehrt der fürst darf ihn nicht ohne hinreichenden grund aus dem lande weisen Jacob Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 226; schon dasz der senat es durchsetzte, die sämmtlichen nichtbürger ... aus der stadt weisen zu dürfen Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 119; — deswegen Otto ... die an der Havel wohnenden völker anno 997 ... züchtigte, welches die Slaven durch einen anderen einbruch ... zu rächen vermeinten, aber von den daselbst stehenden Westphälingern ungesegnet nach hause gewiesen wurden S. Fr. Hahn staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 2, 144; uns Schweden, ... will man mit der armseligen summe von dritthalb millionen gulden nach hause weisen? Schiller 8, 368 G.
wiltu mich hiut wol spîsen
und morgen rehte wîsen
gein Artûs
Wolfram v. Eschenbach Parzival 143, 8;
und weisete sie gen Bethlehem Matth. 2, 8. — do weyset er uns nicht uff wunderliche werck, szunder weyset uns vor die naszen (auf das nächstliegende) Luther 34, 2, 321 W.; erfindet sich dann, dasz es lehen ist, so weiset man die sach für die lehenherren rotwelsche hofgerichtsordnung (1564) 7ᵇ. — gott spricht: ich wil über üch wisen ein gruwelich volk die üch schlahent und verwüstent üwer lant umbe üwer sunde (v. j. 1362) städtechron. 8, 113. — der rechte zeitpunct sich zu erklären trete für die universität erst dann ein, wenn sie die bevorstehende aufforderung zur wahl eines deputierten ... bei seite zu weisen habe Jacob Grimm kl. schr. (1864) 1, 40.
3)
mit adverbien, meist die richtung anzeigend; mhd. dar, her u. a., nhd. dahin, hierdurch, weiter u. a.:
nû sagt mir, wer iuch wîste her
Wolfram v. Eschenbach Parzival 457, 4;
der fürste sant den rîter wider,
der in gewîset hete dar
274, 23;
hett der mensch kein ander musz oder soll sein, den darzu yn got und die warheit weiset und treibet, er het etwan mehr zu schicken und zu tun den nu theol. deutsch 42 Mandel;
seid lust mich weiszt dahin,
zu dem ich genaturt bin
an der minne hitze
liederbuch d. Hätzlerin 268
von welches groszen thaten ... der hochgelarte doctor seliger gedechtnis Georgius Sabinus ein sonderlich büchlein hat lassen ausgehen, dahin ich den gütigen leser weisen wil Chr. Entzelt altmärk. chron. (v. j. 1579) 147 Bohm;
nur lasz uns das verüben,
worauff du uns geweist
Simon Dach 94 Österley;
gib deinen geist, der mich auf rechter bahn
weis himmelan
Neumark fortgepfl. musik-poet. lustw. (1657) 1, 42;
eigentlich gerathen wir dadurch ganz ins stecken und werden um nichts weiter gebracht, nicht einmal weiter gewiesen Göthe II 2, 113 W.;
horch, wie drauszen das leben tobt;
wer ist, der still hindurch mich weiset?
Rückert ges. ged. (1839) 4, 191;
sie erklärte ihm, wenn sie ihm lästig falle oder gar ihm gefahr zuziehe, wolle sie weiter gehn, so weit ihre augen sie weisen würden Ranke s. w. 3, 38. mit abhängigem satz oder infinitiv, jemanden dahin (dazu) weisen, dasz ... 'jemanden auffordern, veranlassen': (dasz) mich die erbarkeyt dahin weiszt, das ich meinen gnädigen herren ... lieb hab Wickram w. 1, 38 Bolte; Socrates (hat) ... seinen anhang von weishaitgeflissenen jüngern fürnämlich dahin gewisen und beredet, dasz sie sich bei zeiten gewänen, von dem gemeinen won ... abzuzihen Fischart podagr. trostbüchl. 3 Hauffenbd. 3; was nuͦn die verschuldt haben, die eyn gantz heer widerspännig machen, und mit iren unnützen worten darzuͦ weisen, das sie von iren hauptleuten und baner weichen, das will ich euch zuͦ ermessen geben Carbach Livius (1561) 53ᵃ; wir auch ferner vernemben, das s. f. gn. bemelte besitzer ... von ihrer gefasten einbildung ... ab und dahin gewiesen, das sy ... ihre reste ... einbringen (sollten) acta publica 1, 49 Palm; anders 'aufmerksam machen' (vgl. unten 4): darum wöllen wir dichs auf diss mal dahin gewisen haben ..., das der limonensafft und die brü ... eyne sondere würckung (haben) Sebiz feldbau (1576) 350.
4)
weisen auf, in, zu u. s. w. ohne akkusativobjekt 'zeigen, deuten, aufmerksam machen auf, hinführen zu'.
a)
weisen auf; eigentlich und übertragen:
wiewol Johannes in (Jesus) wol kandt,
und offt auff in mit seiner hand
gewiesen
Barth. Ringwaldt evangelia (1581) B 6ᵃ;
mit diesen worten wiesen ihre blicke auf mich E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 23; endlich wies der zeiger seiner uhr auf zwei A. Stifter s. w. 3, 346 Sauer; sie schlug es (das buch) jetzt auf und wies auf die letzte seite Fontane ges. w. I 5, 180; sie ... weist auf einen stuhl, so dasz der tisch zwischen ihnen ist Wilh. v. Scholz erzähl. (1924) 117. — dasz dieselbe (die eherne schlange) ein alte testamentliche figur gewesen und auff Christum gewiesen habe Fischart binenkorb (1588) 154ᵇ;
so geh in dich und untersuche,
der fabel sinn, er weist auf dich
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 22;
seine fehler selbst weisen auf eine höhere stufe des menschlichen geistes Herder 23, 88 S.; dieses (erhellt) ... theils aus manchen in dem gedichte selbst vorkommenden umständen, welche unläugbar auf das 13. jahrhundert weisen J. Chr. Adelung magazin f. d. dtsch. sprache (1783) 2, 2, 151; auf dem gegenüberliegenden ufer werden wir auf neuere zeiten gewiesen, da stehen mächtige thürme, frisch errichtete oder völlig wieder hergestellte vertheidigungsanstalten Göthe IV 35, 303 W.;
auf ihrer stammburg wandelt von alters her ein geist,
der längst mit klaggebärden auf schweres unheil weist
Uhland ged. (1898) 1, 286;
zwischen den fältchen des alters und auf den zügen, welche auf eine reihe von jahren wiesen, wohnte eine schönheit, welche rührte und zutrauen erweckte A. Stifter s. w. 7 (1916) 204 Sauer; der markgraf erklärte sich überzeugt, dasz die lehre kein irrthum genannt werden könne, wenn anders Christus noch Christus sei: sie weise nur auf Christum Ranke s. w. 3, 193. mit fingern auf jem. weisen, seit dem frühnhd. fast stets als zeichen der verachtung oder des spottes; oft ist keine äuszere gebärde, sondern nur ein ablehnendes verhalten oder eine innere einstellung damit gemeint; heute ist mit fingern auf jemanden zeigen geläufiger; vgl. mit fingern auff einen weisen digito aliquem monstrare nomenclator lat. germ. in us. schol. (1634) 200; mit fingern auf einen weisen mostrare uno a dito Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ: den heyszen sie frisch eynen fuchsschwentzer und furstenheuchler und weysen mit fingern auff yhnen Luther 18, 93 W.; sie fürchtet die gantze stadt würde mit fingern auf sie weisen Gottsched d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 197; sie weiszen mit dem finger auf den in dem privet sitzenden F. d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 105; wieder umkehren und in mein dorf zurückgehen? da hätten die leute mit den fingern auf mich gewiesen Eichendorff s. w. (1864) 3, 27; dasz sie kinder mit fingern auf uns weisen und nachschreien: das sind die, die sich von den Welschen haben verjagen lassen G. Freytag ges. w. 18, 271; seltener mit umgekehrten sinn als zeichen des rühmens:
in einichem reich lebt nit dein gleich,
deshalb ich dich thu breisen,
als jung und alt thut manigfalt
mit fingern auff dich weisen
Forster fr. t. liedlein 74 ndr.;
jeder bürger wird dich preisen,
und auf dich mit fingern weisen
Triller poet. betracht. (1750) 3, 361.
b)
weisen in, zu, nach, gegen; eigentlich und übertragen 'zeigen in u. s. w.' und namentlich bei örtlicher vorstellung, 'führen in, nach' u. s. w.; weisen in:
... da sagte der seraph
weggewendet, allein sein niedersinkendes schwert wies
in die tiefe: dies ist der gerichteten wohnung
Klopstock Messias (1780) 285;
es weist alles in die richtung, wo gott ist K. Adam Jesus Christus (1933) 208. —
weisen zu: der pfad läszt die geradlinig zur höhe weisende, vom bache durchflossene schlucht beiseite H. v. Barth Kalkalpen (1874) 291; weit geschweifte, flache halbkreisartige stufen von blutigrothem marmor wiesen zu einem zweiten eisenthore von wunderschöner arbeit A. Stifter s. w. 97 Sauer; alse ez wisit zu deme den daz glichnisse meinet paradisus anime int. 24, 38 Str.; es sind freylich auch eben diese wort Christi 'fleisch ist kein nütze' geist und leben, denn damit erleucht er uns und weiset vom fleich zum geist, welchs ist eine heilsame geistliche lere Luther 26, 370 W.; wer sollte dich (gott) also nicht lieben, da jedes geschöpf nur ... zu dir weiset? Herder 15, 318 S.
weisen nach: Gordon, ohne zu antworten, weist mit der hand nach hinten Schiller 12, 392 G.; grosze eichne flügelthüren wiesen nach andern gemächern Immermann epigonen ² 1, 115; die magnetnadel, deren eine spitze immer nach norden weist A. Stifter s. w. 5, 1, 5 Sauer; nach einer andern richtung weist der latinische verkehr Mommsen röm. gesch. (1854) 1, 186; (silbermarken) die zuzeiten wohl durch ganz Deutschland verbreitet waren, obschon die erhaltenen beispiele und urkundlichen zeugnisse vor allem nach Norddeutschland weisen Luschin v. Ebengreuth münzkunde 142. —
weisen gegen:
... an dem thor der stadt,
das gegen Moabs reiche felder weist,
ist Omar angelangt
Göthe 9, 284 W.;
(der pfad) wendete aber bald um und verfolgte eine constant gegen links weisende richtung H. v. Barth Kalkalpen (1874) 93; der Italiener reckte die hand aus, gegen süden weisend C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 27; weit prächtiger noch als der (dom) von Nidaros, mit hohen türmen, die gen himmel wiesen Will Vesper d. harte geschlecht 267. —dahin weisen: dieser gebrauch weist dahin, wie aus dem heiligtum das volk entsprungen und der allwaltende gott da gegenwärtig sei, dem alles ... gehorchen müsse Grimm dtsche sagen (1891) 2, 10; immer rechts dich gehalten, ... denn dahin weisen die letzten spuren von dem Schrimbs Immermann Münchhausen² 1, 160.
B.
etwas weisen; die grundbedeutung dieser gruppe ist 'zeigen'; verschiedene stufen in allmählichem übergang vom einfachen 'zeigen' bis zum betonteren 'dartun, kundtun, lehren, beweisen'. fast alle anwendungen sind heute, vor allem in der umgangssprache, leicht veraltet oder ganz ungebräuchlich; vgl. manifestare zeugen oder wisen (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 347ᵃ, ostendere wisen, zeygen, weisen, beweisen, offenbarn (15. jh.), 403ᵃ, indicare wisen, weysen, zeygen (md. 1440) 294ᵃ, wisen, (md. 15. jh.) weysen (obd. 15. jh.) monstrare 367ᵇ; czaygen vel weysen demonstrare Diefenbach ml. hd. böhm. wb. 91; einem etwas weisen mostrare lehren Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ.
1)
einem etwas weisen 'einem etwas zeigen, ihn über etwas belehren'.
a)
mhd. und frühnhd. neben der form einem etwas weisen auch der doppelte akkusativ einen etwas weisen. es handelt sich hier um eine andere bildung als bei dem doppelten akkusativ unter A 1 b einen etwas weisen = 'lehren'; dort wird der geläufigere genetiv der sache (einen wîsen eines dinges) ersetzt durch den akkusativ der sache; hier wird der geläufigere dativ der person (einem etwaz wîsen) ersetzt durch den akk. der person. diese form (akkusativ der person statt des dativs) ist wie der doppelte akk. unter A 1 b vereinzelt, anscheinend auch erst spätmhd.; geläufig ist im mhd. nur der doppelte akkusativ einen einen wec wîsen = 'führen' (A 1 a): wanne der sterne der dise kúnige dise geburt wisete Tauler pred. 21, 26 V.;
hie lern ein jeder schuͦler mein,
der niemands wil gehorsam sein,
noch thon was man in weisz und sag
K. Scheit Grobianus 117 ndr.;
andere empirische experiment seind nit not zu schreiben, wan dich die alten weiber und wurtzelgraber dieselbigen genugsam weisen Fries spiegel d. arznei (1519) 166ᵇ;
ich dörfft sie auch flöhangel weisen
Fischart flöhhaz 2011 ndr.;
weisz mich dein hausz, darnoch die stat,
da das bäwrlein geschlaffen hat
Erasmus Alberus fabeln 211 ndr.
ich will zu land auszreiten,
sprach sich maister Hiltebrant,
der mich die weg tät weisen
gen Bern wol in die lant
Uhland volkslieder (1844) 330;
wolte derowegen diesen schröcklichen centauris den hundssprung weisen Grimmelshausen Simpl. 13 Kögel; was ich eüch hie lehre, das solt ihr auch ewere kinder lehren ..., dasz sie es auch ihre kinder weisen und lehren sollen Moscherosch insomn. cura parent. 55 ndr.; der Teutsche, der einmal ins reden gekommen, nahm hier das zweyte pistol hervor, wiesz es ihn, ... erklärte dessen struktur A. G. Meiszner skizzen (1778) 1, 61; Lessing soll Winckelmann so viel unverzeihliche fehler gezeigt, ihn philosophiren gelehrt, ihn die grenzen und das wesen der kunst gewiesen ... haben Herder 3, 8 S.; wie ichs dich geweiset habe 'wie ichs dir gezeigt habe Bruns volkswörter d. prov. Sachsen (1901) 26.
b)
jemandem etwas weisen.
α)
eigentlich 'jemandem etwas zu gesicht bringen, vorzeigen, damit er es kennen lerne':
unt im sînen swâger wîste,
unt des wîp die swester sîn
Wolfram v. Eschenbach Parz. 821, 10;
du wîsest mir danne den schatz, sô wil ich dich lâzen pînegen mystiker 1, 176, 5 Pf.;
Gamaliel do zu im sprach:
... tu uf die ougen unde sich
was ich dir wise
passional 44, 55 Köpke;
weise mir ein hantvol schone aller schonen frawen, die vor hundert jaren haben gelebet, ausgenumen der gemalten an der wende, und habe dir des keisers krone zu eigen Joh. v. Saaz ackermann a. Böhmen 24, 26 B.; und oick somyghe stede, de he em wisede Joh. Veghe pred. 152, 28 Jostes; und der teuffel füret in auff einen hohen berg, und weiset im alle reich der gantzen welt in einem augenblick, und sprach zu im Luc. 4, 5; der pfarrherr ... bat mich, mit ihm in die kirche zu gehen, da er mir etliche stücke weisen wolte, die zu repariren wären Grimmelshausen Simpl. 191, 10 Kögel; der vortreffliche mann ... hatte endlich gar die güte, meinem buben die druckerey zu weisen U. Bräker s. schr. (1789) 2, 280; ich könnte ihnen aber auch briefe, zum exempel aus Coppenhagen weisen Lessing 27, 92 M.;
wem gott will rechte gunst erweisen,
den schickt er in die weite welt,
dem will er seine wunder weisen
in berg und wald und strom und feld
Eichendorff 2, 372 Dietze;
die sonne wies im sinken
mir noch von rohr das braune dach
N. Lenau s. w 50 Barthel;
du sollst schon sehn, ich will dir trefflich dienen,
ich weise dir demanten und karfunkel,
wo sie in ungeheuren schächten ruhn
G. Hauptmann d. versunk. glocke ² 75;
vereinzelt mit dem nebensinn 'hinführen'; diese bedeutung meist durch präpositionale wendung ausgedrückt (vgl. oben A 2): einer habe mit seinen reimen wollen die nacht beschwören, dasz sie ihm mit ihren gestirne der liebsten kammer weysen solte Reinicke fuchs (1650) 252.
β)
uneigentlich 'jemandem etwas vor das innere auge stellen, zeigen': herre, ceige unt wise uns den vater, so benuget uns meister Eckhart buch d. göttl. tröstg. 21, 31 Str.; (die liebe) wiset eyner juweliken (tugend) eer werck Joh. Veghe pred. 224, 24 Jostes; wir wollen dir grosze wunder weisen Jakob Böhme s. w. 3, 329 Schiebler; dergleichen triebe weisen uns die seidenwürmer, raupen, ... welche sich zu ihrer verwandelung in ein eyförmiges, sanftes bette einspinnen Reimarus wahrh. d. nat. religion (1766) 311;
nur unglücksscenen uns zu weisen,
erzählt er uns erlogne reisen
Herder 27, 380 S.;
glückselig, wem sie (die natur) nur
die äuszre schale weist
Göthe 3, 105 W.
daraus leitet sich die engere bedeutung 'lehren, belehren' ab, vgl. einem das stricken, das nähen weisen Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ: wolde ich eime wisin ein schif der ez nie gesehin hette parad. anime int. 105, 12 Str.;
nun, was den augen nicht vergunt,
das sieht mein hertz und geist,
dem gott der heilgen weisheit grund
in seinem geiste weist
Paul Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 402;
der geh und gebe sich nur bey den läufern an,
und lasse sich fein bald die kunst zu springen weisen
B. Neukirch ged. (1744) 147;
selbst der redner edle kunst
hast du mir zuerst gewiesen
Gottsched ged. (1751) 1, 198;
das tanzen hatte ich ihnen oft zu haus gewiesen Ph. Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 53; mit unpersönlichem subjekt: ein papier, auf welchem, so viel mir die abtheilung der schrift wiese, arien ... stunden Gottsched d. vernünft. tadl. (1725) 1, 19; doch dies entfernen wies ihm Friedrichs ganzen sinn Joh. El. Schlegel w. (1761) 4, 14;
jedoch, wo ist das werk, das einem schärfern geist
nicht unvollkommenheit und stoff zum tadel weist?
Wieland I 1, 65 akad.;
alles wies den eingeweihten blicken,
alles eines gottes spur
Schiller 6, 21 G.
γ)
in der besonderen bedeutung 'zuweisen, anweisen, geben, schenken' als fortführung und verdichtung der grundbedeutung 'zeigen':
vernim, edler herre ho,
einen rat, den die wisen
vursten durch nutz dir wisen
Daniel 1500 Hübner;
dein güt, herr sey gepreiset,
die uns viel segen weiset,
die uns viel güter giebet
G. Wegener bei Fischer-Tümpel 3, 502;
unerbeten gut, ... darfür man nicht dem reichen gott dancket, und da man allen glaubigen seelen ... nicht ein kleinen pfenning darvon weiset Joh. Mathesius Sarepta (1571) 40ᵃ;
gott weist mir gewünschte freuden,
nach dem groszen hertzeleiden
Neumark fortgepfl. musik. poet. lustw. (1657) 1, 277;
willkommen, schönster tag, du bringst das rechte glücke,
... denn, da du nicht allein Liborens nahmensfest,
besondern auch sie selbst nur wiederschauen läst,
wie köntestu uns wohl ein gröszres glücke weisen?
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 29 Neukirch;
doch den tröstenden, den geist,
schickt im namen er vom sohne,
dasz er euch erkenntnisz weist
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 316.
δ)
jemandem einen weg weisen, eigentlich und übertragen; 'jemandem einen weg zeigen'; helfen, dasz er ihn nicht verfehlt. mhd. noch nicht zu belegen; doch läszt sich nicht mit sicherheit entscheiden, ob nicht einzelne der belege mit doppeltem akkusativ, einen die wege, die strâze wîsen 'einen den weg, die strasze führen' (s. oben A 1 a und mhd. wb. 3, 759ᵃ unter d) hierherzuziehen und wie die formen unter B 1 a zu beurteilen sind; dafür spräche, dasz gelegentlich doppelformen vorkommen, wo die bedeutung 'zeigen' wahrscheinlich ist; so im jüngeren Hildebrandslied (s. oben unter a): der mich die weg tät weisen Uhland volksl. 330, daneben: der mir die weg thät weisen bei A. v. Arnim w. 21, 295 (wunderhorn); für das schwanken zwischen dativ u. akk. vgl. auch: dat alre kleyneste wormeken ... dat tonet und wiset den menschen, dat he J. Veghe pred. 141, 15 Jostes, daneben: ik sal em noch tonen und wijsen, wu vele 125, 27. eigentlich, vgl. einem den weg weisen mostare, additare, insegnare la strade Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ: die stern weisen den königen die wege Neumark neuspr. t. palmb. (1668) 38; ein vorzeitiger herbst, ... grau verhangen, wies ihm den weg E. G. Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 341; Amor, neben ihr (Venus) stehend, blickt kühn hinab, wohin ihr finger seinen augen den weg weist Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 387; mit präpositionaler ergänzung: auff, kleiner, ich will dir essen geben und alsdann den weg durch den wald weisen Grimmelshausen Simpl. 22 Kögel; uneigennütziger mann, der uns ... einen schlechten weg nach Pösneck wies Göthe III 3, 156 W.; (sie) rüsten sich hinter ihrer ... landwehr zum widerstand, aber ein verräther weist dem angreifenden heere einen weg in ihren rücken Ranke s. w. 1, 135. — übertragen: herre weysze myr deyne wege und lere mich deyne steyge Luther 10, 2, 420 W.; historische ereignisse ... unterliegen dem walten der vorsehung, welche ihnen ihre wege und ziele weist P. de Lagarde dtsche. schr. (1886) 84; das recht wird sich mithin mehr darauf zu beschränken haben, ihr (der verwaltung) negativ die punkte, über die sie nicht hinaus darf, als positiv den weg zu weisen, den sie gehen soll Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 269; mit erweiterung, häufig den weg zum himmel weisen u. ähnl.: der seelen soll und kan niemandt gepieten, er wisse denn yhr den weg zu weyszen gen hymel Luther 11, 263 W.;
und vielen durch den heilgen geist
den rechten weg zum himmel weist
Barth. Ringwaldt christl. warnung (1588) D 1ᵃ;
dessen beruf war, ihr durch wahrheit den weg zum ewigen leben zu weisen Grimmelshausen 2, 379 Keller; auff, auff, Scandor, lasz uns fort eilen, denn die götter weisen uns selbst den weg zu unserm glücke H. A. v. Ziegler asiat. Banise (1689) 184; (ich) bat ihn, mir den weg zur rettung zu weisen A. G. Meiszner skizzen (1778) 2, 64. — ohne dativobjekt den weg weisen, eigentlich und übertragen, vgl. ein hauffen stein, so den wäg zeigt oder weiszt Frisius dict. (1556) 23ᵃ:
also daz licht in eyner lucernen,
daz in der nacht den weg wisit
wo man sichir sulle gehin
Joh. Rothe ritterspiegel 113 Neum.;
wer wolte aber nit lieber auff der reise einem folgen der sehen kan und den weg weise Barth weiberspiegel (1565) J 5ᵇ; erstaunt ... kehrten sie heim und verkündigten ihren leuten ... den weg, den die hirschkuh gewiesen hatte br. Grimm dtsche sagen (1891) 2, 11; ebenso hat die art und weise, wie hier zuerst der chor und ein vollstimmiges orchester vereinigt sind, ... für alle späteren leistungen dieser art den weg gewiesen O. Jahn Mozart 2, 397; (Preuszens) staatsmänner wiesen jetzt auch den einzigen weg, der noch mindestens zu einer notdürftigen verständigung führen konnte Treitschke dtsche gesch. 1, 696. — ähnlich jemandem die bahn, den pfad weisen:
ja der erste warst du, der mir mein aug entwölkt,
und die richtbahn mir wiesz, die zu der wahrheit führt
Lavater verm. schr. (1774) 1, 301;
ach vergieb die missethat,
herr, um deines namens willen;
weise mir den besten pfad,
deinen bund stets zu erfüllen
B. Schmolcke s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 145;
darum, freunde, will ich reisen;
weiset strasze mir und ziel!
in der heimath stillen kreisen
schwärmt das herz doch allzu viel
Uhland ged. (1898) 1, 48.
in der besonderen bedeutung 'anweisen, vorschreiben':
ich trag im holen meiner rechten
den sturm, und weis ihm seine bahn
Kretschmann s. w. (1784) 1, 243;
verdank es (das wahre) erdensohn dem weisen,
der ihr die sonne zu umkreisen
und dem geschwister wies die bahn
Göthe 3, 82 W.;
ε)
zahlreiche redensarten und formelhafte wendungen zum ausdruck unfreundlicher oder feindlicher gesinnung, oder des sich entfernens oder abwendens. die zähne weisen, auch elliptisch ohne dativ der person; vgl. der hund sperret das maul auff und weiset die zähnen nomenclator lat. germ. in us. schol. (1634) 178:
und dräuend wies mir die grimmigen zähne,
der entsetzliche hay, des meeres hyäne
Schiller 11, 224 G.;
so bald ein widersacher aufsteht, der ihnen die zähne weist Rabener w. 1, 208;
... hallunke!
dir weis ich noch einmal, wenn wir allein sind,
die zähne
H. v. Kleist 1, 375 E. Schmidt;
he wyset em de teinne er setzt sich zur wehr Strodtmann Osnabrück. (1756) 241; ohne nebensinn: nun, nun, antwortete die alte, kein schlanker tiger verwundet so tief als wenn ihr lacht und ihnen die weiszen zähnchen weiszt Eichendorff s. w. (1864) 2, 445;
ein andrer von so sauerm angesicht,
dasz er die zähne nicht zum lachen wiese,
schwür Nestor auch, der spasz sey lachenswerth
Shakespeare 4, 10;
die hörner weisen: mit diesen waffen fürchte ich den teufel selber nicht, wenn er mir gleich die hörner wiese samml. v. schauspielen (1764) 5, 11. die spitze weisen:
als ich zun waffen griff und Rom die spitze wiesz
Lohenstein Sophonisbe (1689) 60, 71;
die zunge weisen:
in Krippstedt wies ein schneiderjunge
dem bürgermeister einst die zunge
A. Kopisch ges. w. (1856) 1, 239;
sie verstanden auch schädliche einwirkung überirdischer gewalten durch beschwörung zu bannen, sie spuckten das schädliche ab oder wiesen ihm die zunge G. Freytag ges. w. 17, 54. den rücken, den nacken, die hacken weisen: dieses vieh alles mit einander ... weisen uns menschen gegen die winterszeit den rücken von uns weg Prätorius winterflucht (1678) 18;
man musz dem tode das gesicht
und dieser welt den rücken weisen
B. Neukirch ged. (1744) d 3ᵇ;
der priester, welcher gegen den herrn gekehrt stand und mir den rücken wies, war sanct Peter selbst Göthe 43, 369 W.;
der Gricchen heer, obschon bedrängt vom Mars
und erzbewehrten Hector, wies der schlacht
in rückflucht nach den schiffen dennoch nicht
den nacken
Bürger w. 166 Bohtz;
dan der storch auch uns die hacken weise und gegen die kälte unsere beywohnung aufgebe Prätorius winterflucht (1678) 19;
flugs warf ich in die brust mich recht
und reckt empor den nacken,
trank pereat dem wurmgeschlecht:
da wies es mir die hacken
W. Müller ged. 101 Hatfield;
ein capuciner mit seinem trupp ... sehen sich erschrocken nach einem ... helden um, der, indem sie ihm die fersen weisen, mit entblösztem degen aus einer dampfwolke hervortritt Göthe 47, 351 W. jemandem die tür weisen 'hinausweisen', vgl. einem die thür weisen mostrare, insegnare la porta Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ: dat wij ene (Christus) dan to hantes unwerdelike weder van uns verdryven und em de doer wijsen Joh. Veghe pred. 26, 15 Jostes; das man ihm (dem dieb) die haut volschlage, die thür weise und lauffen lasse A. Pape bettel u. garteteuffel (1586) R 3ᵇ; wolte aber jemand die Venus, den Cupido und Hymen bey solcher personen hochzeiten einführen, würde man den poeten bey das handfasz setzen oder ihm gar die thür weisen J. G. Neukirch anfangsgr. z. t. poesie (1724) 403;
bis ihm endlich ein derber geist
ungeduldig die thüre weist
Göthe 16, 113 W.
dem manne, der in ihrer privatwohnung wartet, dem hab ich bei mir die thür gewiesen G. Hauptmann biberpelz (1893) 98. jemandem etwas weisen oder etwas anderes weisen 'jemandem die meinung sagen', mundartlich verbreitet; vgl.man wirds euch weisen se velo mostrerà Kramer t.-ital. 2:, 1304ᵇ: kommt mir nicht mehr so aufgezogen, ich will euch sonst was anderst weisen Grimmelshausen 2, 462 Keller; antwort, oder ich werde dir was anders weisen schausp. engl. comöd. 153, 25 Creizenach; aber, wenn ihrs so fortlaufen laszt, wird mans euch bald anders weisen Göthe 8, 206 W.; hoho, das wird dir der alte schon weisen Iffland theatr. w. (1827) 2, 5; da hat er auch über mich wollen kommen. ich habs ihm aber gewiesen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 43; dat wele ik di wol wîsen, hai sal di wol wot anners wîsen Woeste westf. 326ᵇ; ich werdersch gleich weisen Müller-Fraureuth sächs. volksw. 6; ähnlich: 'ein prahler bist du ...' 'den prahler will ich dir weisen' H. Fr. Blunck d. weibsmühle (1927) 68.
2)
etwas weisen, ohne dativ der person, etwas 'zeigen, vorzeigen, anzeigen, kundtun, offenbaren'; vgl. auch die elliptisch zu verstehenden fälle unter 1.
a)
eigentlich, 'etwas zeigen'; 'etwas vorzeigen', indem man es hinhält, offen zeigt; und 'etwas anzeigen', indem man darauf hindeutet (mit der hand); es können sich auch beide vorstellungen vermengen, wie etwa bei der uhr.
α)
'vorzeigen': etlich pauern sind ungevehrlich vor 10 tagen mit einem gewalt fur rate kommen und ... einen brief gewiesen (v. j. 1525) chron. d. stadt Bamberg 2, 245 Chroust; aber die allein ihr geschlecht rühmen ... auch nichts anders wissen oder können, dann ihr schildt und helm weisen und herfür ziehen ... mehr bekannt und kündig dann edel sind Lorichius pädagog. princip. (1595) 76; und wird selbige runde tafel (des königs Artus), auf dem königlichen schlosz zu Windsohr verwahret, gewiesen Neumark neuspr. t. palmbaum (1668) 49;
in innre der natur dringt kein erschaffner geist,
zu glücklich wann sie noch die äuszre schale weist
A. v. Haller ged. 74 Hirzel.
in besonderer verwendung das gesicht weisen u. ähnlich, auch bei dinglichen subjekten, 'etwas offen zeigen' (es nicht verbergen), 'aufweisen':
der man stet baz an sine wer
wisende sin antlitze,
wen her zu kampfe sitze
Heinrich Hesler apokalypse 9544 Helm;
hier schwieg er, weil die sonn ihr schönes antlitz wiesz,
und über bergen sie nach hause gehen hiesz
Lenz ged. 98 Weinhold;
(er) zog ehrerbietig den hut und wies sein antlitz A. Stifter s. w. 1, 284 S.;
sie blüht ein kurzes weilchen
und kaum die blüthe weist
E. M. Arndt w. 5, 41 Rösch-Meiszner.
'aufweisen', als besondere eigenschaft, die sich dem betrachter darbietet:
Hamburg weiset schöne häuser, doch auch gassen voller schlamm
Joh. Grob epigramme 192 Lindquist;
der (zellenbau der bienen) billig geometrisch heiszt,
dieweil er durch und durch sechs ecken weist
D. W. Triller poet. betracht. (1756) 1, 25;
die längenseiten enden ... mit einer gallerie, und der dachfirst weist ebenfalls eine gallerie A. Stifter s. w. 14, 279 Sauer; von bergtiefen schluchten durchschnitten, welche unter der grünen decke das tiefe grauschwarz der lettigen 'allgäuschiefer' weisen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 261.
β)
'anzeigen, auf etwas zeigen, kundtun': (der finger) dô mite her (Johannes) unsen herren wîsete und dô mite her in rurete dô her in toufte mystiker 1, 189 Pf.;
der wachter an der zynnen sang,
das es durch hertzeliebe drang,
da er den tag tett weisen
liederbuch d. Hätzlerin 4;
auch weist alweg dise gestrackte lini ... den punckten, da die circkel aneinander rüren A. Dürer underweysung d. messung (1525) D 4ᶜ; die gleiszner ... geben almosen derentwegen ..., damit sie mit fingern gepriesen und gewiesen werden Abraham a s. Clara Judas (1687) 1, 278; das grünere und nassere gras wies die stellen, wo sie (die linnenstreifen) untertags gelegen waren A. Stifter s. w. 3, 289 Sauer;
dieser, dieser (der herr), den sie alle fänden,
folgten sie den groszen zeigehänden,
die ihn weisen, wie ers ist: ergrimmt
R. M. Rilke ges. w. (1927) 3, 135.
im älteren deutschen vereinzelt wein weisen 'zum ausschank frei geben' (vgl. Lexer 3, 141), das weisen 'der ausschank', geweister wein: so hynfüro ymandt in ... seinen weyn, den er zu der tafel gesetzt, durch die geschwornen weynkieser das weysen gegeben wirdet, und dann derselb weynschenck dasselb geweyst fasz auffthut und schenckt, so soll derselb weynschenck ... alle die weyl derselb weyn, darein er das weisen erlangt hat, vorhanden und unausgeschenckt ist, keynen andern weyn auffthun oder schencken Nürnberger polizeiordn. 250 Baader;
ich sol meim herren holen wein,
wo mag nur heut das weisen sein?
ich wil bey der brodlauben fragen,
dasz mirs die alten weiber sagen
Hans Sachs 17, 170 K.-G.
hierher gehört die in älterer sprache gebräuchliche wendung ein brief, eine inschrift also weisend = 'so lautend': ein silberiner zedell mitt gestämpften buchstaben in latin also wysend: conditur ... (v. j. 1519) bei Wattenbach d. schrifttum im mittelalter³ 50; demnach legt der abt in ein andern fryheitbrieff ... also wisende: in nomine ... Äg. Tschudi chron. helv. (1734) 1, 52; durch einen alten grabstein, so in dem closter ... sich sehen läszt; der so viel noch geläsen werden mag, also weiset ... Guler v. Weineck Raetia (1616) 87ᵇ; deszhalb thät der künig Darius disz grab auff und fand doch kain gelt darin, sonder etlich geschrifft, also weysend; wo er des gelts nit unersetlich ... gewesen, so wer die begrebnusz ... von im nit eröfnet worden Boner Herodot (1535) 28ᵃ.
γ)
die uhr, der zeiger weist die zeit, stunde, zahl; auch übertragen:
so schaut man nach der uhr, darf auch sich nicht befragen,
der zeiger weist die zahl
Rachel satyr. ged. 128 ndr.;
poztausend! der zeiger weist eben halb zwölf
J. H. Voss s. ged. (1802) 6, 116;
der zeiger weist die stunde,
o flieg, mein Polen flieg,
mit jedem stern im bunde,
voran zum heilgen krieg
G. Herwegh ged. e. lebendigen (1841) 30;
er sieht dann ein ...
dasz an der uhr, in der die feder drängt,
das kronrad wesentlich mit seiner hemmung,
damit nicht abrollt eines zugs das werk,
und sie in ihrem zögern weist die stunde
Grillparzer s. w. 9, 108 S.;
absolut: seit dies zifferblatt (der turmuhr) weist, zählen die bürger nach 12 stunden, wie wir G. Freytag ges. w. 18, 129.
δ)
weisen ohne akkusativobjekt, das aus dem zusammenhang zu ergänzen ist; vor allem mundartlich in manigfacher anwendung, redensartlich; seltener in hochdt. umgangssprache, die zeigen vorzieht; vgl. weiset einmal mostrate qua Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ: innwerts auf dem kasten musz des fräulein verzogener name stehn. weisen sie doch, fräulein! Lessing 2, 192 M.; wîs maol her zeige her Danneil 248ᵇ; wis mals her Mi mecklenb. 108ᵃ; weisz, was hast du vor strümpff an? Vilmar kurhess. 445; wîs auch gib her, her damit Schambach Gött. 300; weise mal Bauer-Collitz Waldeck. 113; wîs här Regel Ruhlaer ma. 286; weis emol Autenrieth pfälz. idiot. 151; weis einmal gehe über seite, gehe aus dem wege, lasz mich dahin Spiesz Henneberg. id. 279.
b)
übertragen 'zeigen, kundtun, offenbaren'.
α)
meister Eckart wiset hi sine meisterschaft parad. anime int. 4, 11 Str.; doch vermeint er brief zu erwerben, darmit er sein adel weiset (v. j. 1488) städtechron. 3, 97; ich will auch anzeygen, warausz die zierd des hobels gemacht mügen werd, und ursach weysen, wo man sie gröszer ... brauchen soll A. Dürer underweysung d. messung (1525) G 3ᵇ; jetzt sehe ich warlich ... dasz er der Juden könig seye, dann das werck weiset den meister Moscherosch gesichte (1650) 1, 303; absonderlich wiese Chilpericus der letzte in seiner gantzen regierung wenig verstand und witz S. F. Hahn vollst. einl. z. d. teutsch. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1, 10ᵇ; gewisz Amthor, Brockes, Richey haben im holsteinischen ... soviel feuer in ihrer poesie gewiesen als irgend die Schlesier oder Sachsen Gottsched d. vernünft. tadlerinn. (1725) 1, 405; wie viele cicerone haben alterthümer beschaut und gewiesen Herder 15, 43 S.; (die priesterinnen, die) aus dem rinnenden blut des geopferten ... verbrechers die zukunft wiesen Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 173; mit erweiterung:
ist Deutschland denn zu schlecht, dich als sein kind zu weisen?
Gottsched neueste ged. (1750) 14;
das war nämlich der zweck: jeder protestantismus sollte ... als frevel gegen gott und die menschheit gewiesen werden E. M. Arndt christliches u. türkisches (1828) 239.
β)
mit pronominalem objekt das, es, welches, dessen inhalt durch den voraufgehenden satz bestimmt wird; geläufiger ist die auflösung des objekts in einen nebensatz weisen, dasz, wie (s. unten): gleych wie die bischoff sind, so ist auch yhr lere, das man eynem esel eyn lewenhaud antzöge, so ist er doch eyn esell, das weysen seyne ohren und gesang Luther 10, 2, 143 W.;
gott gibt mehr in einem tag,
als ain kayserthum vermag.
... meer und erde, laub und grasz,
vogel, fisch ohn unterlasz
weisen das in groszer zahl
Fischer-Tümpel 4, 322;
... der sohn hat
auch wie der vater geschmack, der seiner zeit es gewiesen,
immer die schönste zum tanze geführt, und endlich die schönste
in sein haus, als frau sich geholt
Göthe 50, 259 W.
γ)
in besonderer anwendung namentlich im 16. und 17. jh. die schrift, das gesetz, der brief weisen etwas: dem evangelio, welchs allein Christum weyst und lert Luther 10, 3, 370 W.; also ist vollenndet disz löblich büchlin, das da aigentlich weiszt und anzaigt erkanntnusz und ännderung des wetters Reynmann wetterbüchlein 13 Hellm.; häufig in der form wie das die schrift, die historie u. s. w. weist, wobei wie durch einen voraufgehenden satz inhaltlich bestimmt wird: nun sich, was dies elend leben vor ein wesen ist, da kein speisz, trost, sterck der seelen ist, als das vorgangen gebet weist Luther 2, 122 W.; also das judenthum gieng auch schnell auff durch grosze und manche wunderthat aus gotts gewalt, nicht ausz yhrer eygen krafft noch macht, wie das die historien wol weysen 19, 251; wie solichs weisen die brieff zwüschen dem künig und hertzog Friderichen auffgericht Seb. Münster cosmogr. (1550) 483; so pflegte auch, wan man christheiligen frieden haben könte, solchen aber ausschlüge ... ferner weinig glücks folgen: wie solches die historien mit mehrerm weiseten v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 373; auch ohne pronominales objekt: dem samen hatt er ausz Ägypten holffen, ynn das land Canaan gefurth und untzehlich wolthatt ertzeygt, wie die schrifft weyszet Luther 10, 1, 1, 500 W.
3)
jemandem weisen, dasz, wie ... statt des akkus. der sache mit abhängigem satz; 'zeigen, kundtun, lehren', vgl. einem weisen, was er thun soll Kramer t.-ital. 2, 1304ᵇ: wyr weyszen dyr, das dw yn solst helffen Luther 34, 1, 325 W.; wer hat denn euch geweiset, das ir dem künfftigen zorn entrinnen werdet? Matth. 3, 7;
und offt kömmt einer dran, dem noch der meister weist,
dasz vier und fünfe neun, zwey runter sieben heiszt
B. Neukirch ged. (1744) 174;
ich will dir weisen, dasz du da oben so sicher nicht bist Göthe 12, 18 W. — nennet mir, mit dem finger weiset mir: wo sint die frumen, achtberen leute, als vor zeiten waren? Joh. v. Saaz ackermann a. Böhmen 17, 12 B.; here, hefstu ene hen ghenomen, so wise my, waer du ene ghelegen hefst Joh. Veghe pred. 3, 32 Jostes; welches ... gott thut ausz vätterlichem wolmeynen, damit er euch weise, wie so gar ohne sein gedeyen alle ewere witz ... nichts vermöge Moscherosch insomn. cura parentum 94 ndr.; dem major will ich weisen, wo meister zimmermann das loch gemacht hat Schiller 3, 359 G. — viel sagen, wie solt uns dieser weisen, was gut ist? (quis ostendit nobis bona) ps. 4, 7; auf diesen grund wollen wir euch die gleichnisz mit dem baume in dem menschen ... ausführen und weisen, was der fürsatz gottes ... sei Jakob Böhme s. w. 4, 547 Schiebler; es ist zeit, dasz er uns weist, was er kann Will Vesper d. harte geschlecht 86;
ich will doch sehn, wer mir das maul verbieten will?
hätt ich ihn anderswo, ich wies ihm, wer es wäre
Göthe 9, 106 W.;
vereinzelt mit infinitiv: der fechtmeister weiset einem anfänger erstlich das rappier wohl halten H. v. Fleming t. soldat (1726) 23.
4)
weisen, dasz, wie ohne dativ und akkusativobjekt; was gewiesen wird, ist in einem abhängigen satz ausgedrückt.
a)
'zeigen, dartun, offenbaren, beweisen', meist handelt es sich um ein 'dartun' im geistigen sinne, seltener einfaches 'zeigen': nu wast (= weiszt) du wol, daz ich dicke geweist han, daz der prief in mein gewalt nie cham, noch sein noch heut nicht habe Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 349; aber die natur weiset, das zu kräutern das rägenwasser das best sei Sebiz feldbau (1579) 18; weil die tägliche erfahrung weiset, dasz die ... richter ... mehr aus unterlassung dieser ... erinnerung als aus bloszer boszheit die processe verwirren Chr. Thomasius ernsth. gedancken (1720) 2, 158; gott hatte durch die fürchterliche strafe, wodurch er die banditischen räuberscharen (Napoleons) vertilgte, gewiesen, dasz er noch der gewaltige richter sey E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 240. — ich schade dir (dem pfennig) nicht, ich wîse waz an dir ist mystiker 1, 146 Pf.;
was an dem manne sey, weist seiner augen schein
Logau s. sinnged. 325 Eitner;
die erfahrung weiset, was es thut, sich beliebt zu machen Chr. Wolff gedancken v. d. menschen tun u. lassen (1720) 135. — Klopstock hat gnug gewiesen, welches ausdrucks diese (die sprache) fähig sei Herder 7, 337 S.; mit welchem geiste dergleichen untersuchungen angestellt werden können, weist Bernhardis sprachlehre J. Grimm kl. schr. 8, 32. —
got wîsete an sîner edeln jugent,
wie strenge er dar nâch solde leben
passional 7, 14 Köpke;
ich bin der weg, ich weise wol,
wie man wahrhafftig wandeln sol
Joh. Scheffler bei Fischer-Tümpel kirchenlied 5, 403;
bleibt es also dabey, dasz man billig legendenschreiber strafe, und weise, wie unziemliche dinge sie von der heiligen jungfrau erzählen Leibniz dtsche schr. 2, 370; die unterste linie weiset, wie weit man beyde lippen auf dem mundloche zurückziehen musz Quantz anweis. d. flöte z. spielen (1789) 44; 'he, Hauke', sagte der hausherr, 'komm herein; nun magst du weisen, ob du rechnen kannst' Storm w. (1899) 7, 172.
b)
in besonderem sinne 'durch (wissenschaftliche) untersuchung und ableitung nachweisen, dartun' im wesentlichen seit dem 18. jh., heute meist durch nachweisen, beweisen, dartun etc. ersetzt; bei Luther noch auszerhalb des wissenschaftlichen bereiches: also weist sein (Lucas) evangelium bis ins dreizehnte capitel, wie Christus zu predigen und zeichen zu thun angefangen habe zu Capernaum 14, 39 Erl. ausg.; ich habe gewiesen, was die wahre ursache in den dingen sey Leibniz dtsche schr. 1, 266; Baronius aber und Pagi weisen mit unumstöszlichen gründen, dasz dieselbe päpstliche bulle durchaus erdichtet und falsch sey S. F. Hahn vollst. einleitung (1721) 2, 74; ich habe an beyspielen gewiesen, wie sie es anfingen, in den nehmlichen vorwürfen mit ihm zu wetteifern Lessing 10, 237 M.; das wahre verhältnisz haben wir umständlich gezeigt, und gewiesen, dasz hier nur die wirkung der prismatischen ränder und säume an den gränzen der bilder die ursache der erscheinung sei Göthe II 2, 114 W.; ich habe gewiesen, wie unsere deutsche anrede allmälich immer gröszere unnatur annahm J. Grimm üb. d. personenwechsel in d. rede (1856) 12.
5)
reflexiv sich weisen 'sich zeigen, sich erweisen', heute als fremd empfunden; vgl. aucherweisen, ↗erzeigen.
a)
mit dativ 'sich jemandem zeigen' (parallel zu B 1): so sal su selbi vuricume, unde sal sich wise mi scultheizin unde din clegerin Mühlhäuser reichsrechtsbuch 168, 1 Meyer;
zum sibenten male wîsete er (Christus) sich
den jungeren die da vischten
d. alte passional 95, 12 Hahn;
o welcher bürden bley und eisen
helt mir beklemmet hertz und brust!
wie tieffen abgrunds schlamm und wust
fängt diesem liecht sich an zu weisen
Königsberger dichterkr. 183 ndr.;
sich dem volke die fürstin wies
Denis lieder Sineds (1772) 127;
wenn einmal nur, was so mit übertreibung
von fern man lobt, mir in der näh sich wiese
Rückert w. (1867) 3, 127;
sich dem auge weisen:
erst irrt er hin und her mit ungewissem tritt,
bis dasz sich seinem aug ein schöner vorwurf wiese
Drollinger ged. (1743) 43;
... wie darfst du (die fledermaus) doch
der mäuse misgebuhrt! dich meinem auge weisen
Hagedorn poet. w. (1769) 2, 33;
die Minna, die sich jüngst im tanz
... dem auge wies
Ramler lyr. ged (1772) 218;
b)
ohne dativ 'sich zeigen', mit adverbialer bestimmung:
alle tage er (gott) wiset
sich war in den handen din (des priesters)
Daniel 2292 Hübner;
(die welt) die dennoch, wenn sie sich in ihren werken weist
von rechter ehre kaum ein halber schatten heiszt
B. Neukirch ged. (1744) 114;
dein klug und aufgeweckter geist,
der sich aus allen worten weist,
macht, dasz ich deinen umgang liebe
J. Chr. Günther ged. (1735) 266;
bei euch, ihr herrn, kann man das wesen
gewöhnlich aus dem namen lesen,
wo es sich allzu deutlich weist
Göthe 14, 67 W.;
monatelang beglückten uns reine ätherische morgen, wo der himmel sich in seiner ganzen pracht wies 28, 31 W.;
aber sein schenie, ich meyne sein geist,
sich nicht auf der wachtparade weist
Schiller 12, 23 G.
es weist sich 'es zeigt sich, offenbart sich', vgl.das wird sich weisen questo si mostrarà Kramer t. ital. 2, 1304ᵇ:
geht, kümmert euch nicht mehr, es wird sich alles weisen
samml. v. schauspielen (1764) 1, 54;
mit abhängigem satz:
nam ihm ein mann ein weib, der wohnt bey einem w;
dann weh ist täglich brot auch bey der besten eh.
ein jeder hat sein weh; doch wann ein mann ihm nam,
so weist sich, dasz zum weh ein neues bei — w kam
Logau sinnged. 127 Eitner;
ob man zu streng, zu hart an ihr gethan,
es wird sich weisen, kehrt der könig wieder
Grillparzer s. w. 6, 217 Sauer.
c)
mit adjektiv oder partizip, z. b. sich freundlich weisen 'sich freundlich erweisen, zeigen': ir ensúllent nút tun als ypocriten die sich wisent vastent Tauler pred. 186, 15 V.;
ich bin auch leider nun nicht wehrt,
dasz ich dein sohn soll heiszen;
ich bin mit deinem grimm beschwert,
du wolst dich gnädig weisen
Harsdörffer sonntagsandachten (1649) 185;
wann wird sich die vernunft bey uns doch kräftig weysen?
Gottsched ged. (1751) 1, 10;
diesz (auge), wenn jens verwundend angelt,
heilend, nährend wird sichs weisen
Göthe 6, 166 W.;
er aber wies sich seinerseits auch groszmüthig und schenkte mir das rezept zu mehreren feuerkünsten Holtei vierzig jahre (1843) 1, 219.
d)
mit substantiv; im akkusativ:
ich wil nach dieser kurtzen zeit
dich unaufhörlich preisen,
du heilige dreifaltigkeit,
und deinen knecht mich weisen
J. Rist bei Fischer-Tümpel 2, 252;
insonderlich wies sich Catta ... eine geschwinde jägerin Lohenstein Arminius (1689) 2, 1149ᵃ;
drei helfer sitzen auf, der muth, das recht,
das licht — sie wollen sich die alten weisen
E. M. Arndt ged. (1860) 372. —
mit als:
so kann ich mich allein als überwinder weisen
Gottsched dtsche. schaubühne 4, 401;
wohl besser, dasz mein vater nicht mehr hiesze
des fürsten marschall, rat und rechte hand,
als dasz er sich als barer kuppler wiese
Burte herzog Utz (1913) 68.
C.
weisen in der älteren rechtssprache der weistümer und urkunden; gelegentlich auch in jüngerer, alten sprachgebrauch erneuernder sprache in geschichtlichen werken. allen anwendungen liegt die bedeutung 'zeigen, dartun' zugrunde. im allgemeinen bedeutet weisen die tätigkeit der beisitzer, die nach eigener kenntnis oder aus weistümern (s. d.) sagen (weisen), was 'recht' ist, wonach dann der richter das urteil bestimmt, vgl. auch ¹weisung. für die sache und für besonderheiten sind die rechtswörterbücher zu vergleichen. vgl. 'weisen, ein urtheil, wurde bei den gerichtlichen verhandlungen von den beysitzern oder schöffen gesagt, welche den richter mit ihrer stimmenmehrheit an- oder einwiesen, wie er das urtheil sprechen sollte und sprechen müszte' Westenrieder (1816) 662; das 'weisen' erfolgte, indem entweder die schöffengerichtspersonen oder alte männer, welche am besten das herkommen kannten, alles aussagten, was sie vom recht wuszten oder einzelne fragen der richter, beamten und des herrn beantworteten Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 107.
1)
das recht weisen: dat recht wisen bei Schiller-Lübben 5, 742ᵃ;
er ist ein getrûwer kneht,
der mir gewîset hât das reht
passional 249, 14 Köpke;
da niemands schuldig ist, geschribne recht zuͦ weisen (v. j. 1531) Knebel chron. v. Kaisheim 275 lit. ver.; dis ist das recht und friheit als (wie sie) das gericht zu Sultzbach, ... meinem hern von Epstein an einem gehegten, ... vor ein recht und friheit geweiset han und sich keines bessern verstehen weisth. 6, 70; durch alle diese ... gemeinschaften war aber noch keines mannes leib und erbe gesichert. hierüber konnten alle diese verschiedenen genossen kein recht weisen, und der hausvater ... hatte seinen nachbaren nichts zu befehlen J. Möser Osnabr. gesch. (1780) 1, 22; und in dieser methode, das recht zu finden und zu weisen, haben sie ihren eigenthümlichsten werth Savigny v. beruf uns. zeit (1814) 31; das recht, welcher dieser (höhere richter) mit seinen schöffen wies, wurde dann rechtsnorm für alle ihm unterworfenen richter K. Fr. Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 151; diese machtbefugnis (des heutigen richters) besteht ... darin, das recht zu weisen Jhering geist d. röm. rechts (1852) 154; auch der zeidelmeister im Nürnberger reichswalde hatte eine gerichtsbarkeit in zeidelsachen. die zeidler wiesen das recht Bernhardt waldeigentum (1872) 1, 119;
euer ists, das recht zu weisen
und das urtheil dann zu finden
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 134.
ähnlich: den weisthumb, so die alten zue Wersau gewiesen, habe ich ietzt dinstags nach Galli dem gericht und gemein fürgehalten, die gestehen ine einmütiglich, das er also von alten von iren eltern und vorfahren gewesen seie, wie sie in noch kräftig weisen und erkennen (v. j. 1547) weisth. 6, 1; nachdem (der) hoffherr den gehöbern auf ihren gethanen aydt ausgemahnt, dasz weistumb sambt allen freyheiten dieses hoffs an tag zu pringen, so weist der gehöber folgende articul, so wir vor vielen löblichen jahren in gebrauch und geweist 2, 283. ein urteil weisen: ind hadden ein urdel over in gewist (v. j. 1499, Köln) städtechron. 14, 787; ihre kinder sollten ... in allen fällen, wo sie einst als männer gestrafet werden könnten, auch ein urtheil weisen können J. Möser s. w. 3, 93.
2)
etwas zu recht, für recht weisen 'für recht erkennen, als recht festlegen, durch urteilsspruch bekunden', vgl. der schöff weiset zu recht scabinus, quid justum sit, enunciat Pistorius thes. paroem. (1715) 294: solche freiheit und gerechtigkeit haben die zwölfer hie im dorf befunden und zu recht geweist weisth. 6, 44; auch sprechen sie und weisen das zu vollen rechten 6, 13; dis hernoch geschriben haben die lantsidel geweiset zu dem rechten (v. j. 1395) 6, 11; zum 27. wisen wir zu recht zu Unterschippach in unserer waldung, wenn einer eine eiche oder buche abhauet ... so soll er ... das verbüszen 6, 70. — und es weist auch der scheffen vor recht, wann meine gn. herren und junckern einen miszthetigen griffen ..., so soll ir diener oder ir knecht ... 2, 136; furter mehr weisent die vorgemelte fischer zur Trier einem ertzbischove (gegenüber dem bischof) daselbsten für ein freiheit und recht 2, 282. auch einfach weisen; weisen, dasz 'für recht erkennen, durch urteilsspruch bestimmen, urteilen': so mag der amptmann darnach zu idem gericht ine zusprechen und die busz von ine nemen, als dan das gericht wiset weisth. 6, 16; auch ist geweiset und gedeilet, wer hieseit des Mains gesessen hab ... zoege der heruber in meins hern von Epstein loch ..., die sollen auch meinem hern von Epstein in seiner herschaft dienen 6, 71; item, so das geweist ist (vom weiser festgestellt, dasz das teiding zu rechter zeit berufen ist), so gibt der richter ... österr. weist. 9, 726. — item weisen wir den hoeff zu st. Matheisz vor einen freyen vorstelligen hoeff diser gestalt weisth. 2, 285. — item weisen wir, dasz kein underthan macht habe auszwendig der vogteien wein zu kaufen 2, 285; und so der schuldner auff den angesetzten entlichen tag nit erscheinet, oder nit eehafft redlich ursach für bringt als obsteet, soll erkennt und geweiszt werden das der schultherr gut macht hab die pfant auffzubieten und zu verkauffen d. stat Worms reformation (1513) 70ᵇ; wann Appius Claudius hett sich mit geferden auch zuͦ den zeitten auff den marckt gefügt, und sasz an den orten, da man recht sprach. für die kamen sie zuͦ beyder seitten und begert Claudius zuͦ weisen, das die jungfraw sein leibeygen were, wann er hatt bereit falsche zeugen bei im Carbach Livii röm. hist. (1551) 46ᵃ; auch ist geweiset, were es daz iemand zoge in meins hern loch, ... so soll der meinem hern zu dinste sitzen weisth. 6, 71.
3)
jemandem etwas weisen; weisen, dasz 'als recht zuerkennen, durch urteil bestimmen': erstlich weist der gehöber und erkennet alle jahr dem e. h. (erw. herrn) ... ein frey jahrgeding alhie in seinem hoff weisth. 2, 283; erstlich erkent und weist der scheffen meinem genedigsten hern von Trier man und ban, fundt und brondt von dem hymel bisz uff den grondt weisth. 2, 340; item weisen die schopfen zue recht meinem gn. herren ... alle frevel und buesz, so vom gericht gewiesen, zwen theil, und den schöpfen ein theil 6, 1; item weist der schöpf meinem gn. herren in der ganzen mark Wersau wasser und waid, und in der ganzen mark zue jagen und fischen 6, 1; wenne im daz vundin wirt mit urteil unde gewisit wirt, daz her is tun muse, so vroge her, wi her sich sin undirwindin muse Neumarkter rechtsb. 148 Meinardus.daran anschlieszend jemandem weisen auf in der bedeutung 'jem. das verfügungsrecht, pfandrecht auf etw. zuerkennen': welcher einen soldner sofer ausgewardet, dasz man im weisen soll uud mag, vindet er nit pfant in der statt, darauf er im mag weisen, so soll man im veld weisen; vindet er zue velde auch nicht zit und ist die schulde uber 9 β 4 d, so mag im uf den leib weisen, doch so soll das mit urtheil und herkommen beschehen (v. j. 1503) Schlettstadter stadtr. 2, 643 Gény; da entkegen kam fraw U., desselben Ungnaden eeliche wirtin ... und meldet, ir hab derselb Lobinger geweist auf gueter, darauf sy in saczes weis geweist ist fur IXC (v. j. 1430) steiermärk. landrecht 192 Bischoff. — jemanden weisen in 'in etw. einweisen, in rechtmäszigen besitz von etw. bringen': so soll der antwurter fragen, ob man in pilleich weisen süll in daz erb steiermärkisches landr. 99 Bischoff; löset ers (das pfand) da wider nicht, so weist man den pfandherrn in das gut, und diser mus es im reumen Chr. Zobel sechsisch weichbild- und lehenrecht (1537) 35ᵃ. — jemanden weisen jem. verurteilen', kaum echte formel: habe ich euch nicht nach richtigem freistuhlsrecht und königsbann vermaledeiet und euch gewiesen echtlos, rechtlos, friedelos, ehrlos, sicherlos, miszthätig? ... nein, versetzte der spielmann ..., mein fleisch und blut und gebein ist wie es sich gebühret, gewiesen und zugetheilt den krähen und raben, meine seele aber dem lieben herrgott Immermann Münchhausen² 3, 8. — jemanden weisen, auf jemanden weisen 'jemanden überführen, gegen jemand etwas beweisen' (vgl. auch unter 4): item welcher ain haiholz ... abschlögt an willen und wissen seines nachbarn, würth beclagt und geweist mit dem stamb ... oder fundts bei seinem hausz österr. weisth. 1, 28; und wan ainer ein stambholz an erlaubnus eines ambtman oder forstmeister abhackt und wirt auf im gwisen und dem nit zuehült, der ist dem ambtman verfallen 6, 36; ähnlich 'beschuldigen': item dixit Grobis, das her Hans von Musko mit im geredt habe, das her Nickel vom Penczk noch sine lute nicht beschedige, so hette her im geredt, das sine lute uff in nicht weisen sullen (v. j. 1429) cod. dipl. Lusatiae sup. 2, 144 Jecht.
4)
weisen 'vor gericht (mit jemandem als zeugen) dartun, beweisen': so einer weiszt daz er nit vormund ist, mit untreu spricht, er sey vormund, und also ausz seinym gewalt, so contrahiert einander mit dem waiszen clagantwurt (1497) 45ᵃ; wann ain man weisen soll da zu Grätz, so muesz er des gerichts potten haben, der do weiszen soll steiermärk. landrecht 82 Bischoff; demnach ist demselben Frischhausen fürgehalten, ob er sölich schuldigung und red wisen welle, wölten wir im zit und tag, wie recht were, nach aller notturft zuͦlassen und geben dokum. z. gesch. d. bürgerm. Hans Waldmann 2, 294 Gagliardi; wer auf ain weiszung tädingt, da soll der clager albey weisen lassen; wann der antwurter begert der weiszung und nicht der klager, davon muesz der clager weiszen ('das objekt des streites oder worauf eine rechtsverletzung stattfand bezeichnen', anm. des herausgebers) steiermärk. landrecht art. 31 Bischoff; geschicht die sach zu feld, so mag er es mit ainem erbarn mann weisen so er nit mer gehaben mag (v. j. 1549) österr. weist. 11, 264; darnach fragt man den ambtman ... mit wem er das weisen welle (dasz er das teiding rechtzeitig berufen habe); weiset er dann mit den urbarsleuten wie gewönlich ist 1, 1. zu jemandem weisen 'jemandem gegenüber vor gericht dartun, beweisen': ob ir zwen miteinander krieghaft wurden oder zwiträchtig umb sachen das erberlich wäre, und wolt ainer zu dem andern weisen, ... so mag er es mit zweien wolgeleumbten mannen weisen österr. weist. 11, 264; redt aber ainer zu dem andern die obgeschriben wort (du bist ein dieb), und rett nit, das er es zu im weisen well, das sein nur scheltwort 5, 221.
D.
das part. perf. entwickelt gelegentlich sonderbedeutungen. am häufigsten, heute jedoch auch als ungewöhnlich empfunden, ist der gewiesene (geweiste) weg; in seiner bedeutung nicht einheitlich, meist 'der vorgeschriebene weg': das ist auch mein urtheil, so oft ich homilien gehört und gelesen habe: sie machen voll, aber nicht satt, ... da ist kein ziel darin, kein gewiesener weg darin, keine vollständigkeit, ... keine rede, die etwas erreicht Claus Harms pastoraltheol. (1834) 1, 92; wundert mich nicht, wenn du eines tages auch eine rote mütze aufsetzest, vor mich hintrittst und mir erklärst, dasz alles in der welt seinen gewiesenen gang geht, und dasz uns im grunde nur recht geschieht A. Sperl burschen heraus¹³ 53; aber auch die kunst hat ihre gewiesenen wege zur einsamkeit und askesis Scheffel ges. w. (1907) 3, 163; du warst just so schlau wie dich der pfaff hat haben wollen, und bist ein gweisten weg so schön selbständig glaufen wie ein rosz im göpel Anzengruber s. w. 5, 100; mit mir geht es seinen geweisten weg D. Fr. Strausz ausgewählte briefe 565 Zeller.anders es hat seine gewiesenen wege etwa 'es mag hingehen, es ist verständlich': ins gemein gehets zwar also zu, dasz man ... nach befindung der qualitäten, damit einer begabet ist, ihn für andern herfürsuchet, und befördert, welches dann seine geweiseten wege hat, und gewisser maszen nicht zu tadeln, sondern billig ... in acht genommen wird Carpzov leichpred. (1698) 2, 164; dasz man aber doch andere verrichten lässet, was man selbst zu thun nicht vermögend ist, solches hat seine geweisete wege Chr. Wolff verm. ged. v. d. gesellsch. leben (1725) 60; solange der gelehrte nur als gelehrter gemiszhandelt wird, hat es mit solchem unfug seine gewiesenen wege M. Claudius w.¹³ 2, 435. — heute mundartlich in verschiedener bedeutung: dat is en gewîset weg 'ein leicht zu findender weg' Woeste westfäl. 326ᵇ; seinen geweisten weg haben 'vorgeschrieben sein' Crecelius oberhess. 902; ähnlich der geweiste schubsack: 'jedes ding hat seinen geweisten schubsack, seinen bestimmten ort' Müller-Fraureuth sächs. volksw. 7; s hoot alles sein geweisten schubsack Gerbet in: unser Egerland 8, 11. — hat sei geweist ursach triftigen grund Frankf. ma. 39.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1078, Z. 48.

weisen2

weisen
vb., intransitiv, 'weise werden'; neuere bildung in anlehnung an und nach analogie von greisen (vgl. noch bleichen, reifen, welken), immer in verbindung mit diesem gebraucht, im älteren sprichwort, heute noch vereinzelt mundartlich: das alter weyset und greyset aetate prudentiores reddimur P. Apherdianus methodus discendi (1601) 151; er greiset ehe er weiset, das ist, er wird ehe greisz dann weisz Seb. Franck sprüchw. (1541) 22ᵃ;
mancher greiset,
eh er weiset
W. Körte sprichw. (1887) 294;
mancher greiset, eh er weiset Düringsfeld sprichw. (1874) 1, 35ᵃ; weisen 'weise werden', sprichw. mancher greiset, eh er weiset Unger-Khull steir. wortsch. 628ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1102, Z. 43.

weisen3, vb.;

weisen vb.
mhd. wîsen (Lexer 3, 492, mhd. 3, 763ᵃ) ahd. wīsōn (ein *wīsēn ist trotz Braune ahd. gr.⁵ 366 anm. 2 aus Otfrids wisetut V 20, 78 (FV) nicht zu entnehmen, s. Schatz Germanica festschr. f. Sievers 355) Graff 1, 1067; as. wīsōn; afries. wīsia 'sich umsehen nach' van Helten z. lexikologie d. aofr. 381; in got. gaweison heimsuchen, besuchen, besorgen, für das griech. ἐπισκέπτομαι. am wahrscheinlichsten mit Specht festschr. f. Voretzsch 1927, 40 als iterativum des typus lat. gestare : gerere zu u̯eid- 'sehen' zu deuten, grundform also *u̯eidtāi̯- (oder *u̯īdtāi̯-). wenig glaubhaft sind die übrigen vorgebrachten erklärungen des verbs, so ableitung von einem in ai. vedas 'kenntnis', gr. εἶδος 'aussehen, gestalt' vorliegenden s-stamm (Falk-Torp 1387), oder entlehnung aus lat. visere (Loewe zs. f. vgl. sprachforschg. 39, 307 anm. 2; Kluge grundrisz 1², 347) oder ableitung von *wīsa- 'weise', also parallelbildung neben ¹weisen. — die herkunft noch durchscheinend in bedeutungen wie 'sehen nach, sich jemandes annehmen', die dem gebrauch 'jemanden heimsuchen, besuchen' zugrunde liegen, vgl. auch die bedeutung von altnord. vitja 'besuchen'. dazu ²weisung (mhd. wîsunge, ahd. wîsunga) s. d. und weisat (mhd. wîsôt, ahd. wîsôd) s. d. 'sich jemandes annehmen, jemanden besuchen, heimsuchen' (ahd. und mhd.; mit genetiv), im besonderen sinne jemandem weisen 'jemanden bei bestimmten anlässen wie geburt, taufe, hochzeit u. s. w. aufsuchen und ihm ein geschenk (weisat) bringen; so heute in den obd. maa., vgl. Schmeller-Fr. 2, 1027, Fischer schwäb. 6, 1, 640: wison visitare Graff 1, 1067 f.; bithiu mihhil wizago arstuont in uns, inti bithiu got wisota sines folkes (quia deus visitavit plebem suam) Tatian 49, 5 Sievers;
tho druhtin wolta reison,   sin selbes riches wison
Otfrid V 16, 1; vgl. III 3, 23;
visita nos wiso unser! Notker ps. 105, 4;
der siechen vrouwen wîstes ie,
daz arme volc trôste sie
Ebernand v. Erfurt Heinr. u. Kunigunde 3471 Bechst.;
azet die hungerenten, drenchet die durstenten, watet den nachoton, wiset des unchreftigen sechs predigtbruchst. a. d. 10. jh. in fundgr. 1, 65 Hoffmann v. F.; swen aber got dirre mit sîner gnâda also verro gewîset, daz si ir irretag erkennent predigt (12. jh.) in: Wackernagel leseb.² 1 (1847) 304, 1; verner wöllen wir das in den hochzeiten niemand nichts weisen oder schencken, sondern dasselb soll hiemit gantz und gar verbotten sein bair. landtsordnung (1553) 100ᵃ; das nieman daselbs (auf der hochzeit) sol gaben noch weisen oberschwäb. stadtr. 1, 85 Müller. — 'weisen das geschenk (der gevatterin für die wöchnerin) geben' Klein provinzialwb. (1792) 2, 230; 'weisen ... im Allgäu: weisbrot weisn in die kindbett schenken' Birlinger schwäb.-augsb. wb. 429ᵇ; 'weisern und weisen: den hochzeitsgästen mittheilen, wieviel jeder von ihnen für das genossene mahl zu bezahlen hat; seinen antheil am hochzeitsmahl zahlen' Unger-Khull steir. 628ᵇ; mittlerweile haben sich alle freunde und nachbarn im brauthause versammelt, auch wohl flachs, teller, löffel, hauseinrichtung, nie aber geld geweist v. Leoprechting aus dem Lechrain 242; das mahl bezahlen die gäste und geben überdies noch ein stattliches geschenk an geld, welches man weisen heiszt 243; auch dem leibherrn weisen 'abgaben an hühnern, eiern u. s. w. machen', s. bei Birlinger wb. zum volkstüml. 92, s. auch unter weisat.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1102, Z. 57.

weisen4, vb.

weisen vb.
'meiden, entgehen, vitare'; ahd. wîsan, st. v. (bewiesen durch urweis 'subterfugi' ahd. gl. 2, 229, 62 St.-S. und irwis 'evita' 1, 31, 19); mhd. nur in intwisen 'verlassen von, leer von' bei Nic. v. Jeroschin, vgl. mhd. wb. 3, 771ᵃ. vielleicht s-bildung (wie nominal in waise) zur idg. wurzel u̯eidh- 'trennen' in ai. vindháte 'wird leer, hat mangel an', lat. divido 'trenne, teile', uidua 'Witwe' u. s. w. fern bleibt das oft zu wîsan gestellte lat. vitare. Walde-Pokorny 1, 240; Walde-Hofmann 359: wiset vitate ahd. gl. 2, 301, 26 St.-S.;
daz er kotes willun kerno tuo
enti hella fuir harto wise
Muspilli 21 bei Steinmeyer kl. ahd. denkmäler 67, 21.
vereinzelter frühnhd. beleg:
es ist ein mahl auff ein zeit
der Eulenspiegel nicht sehr weit
auff eine kirchweih hingereiszt,
die man allzeit am besten weiszt
Fischart Eulenspiegel 873 Hauffen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1103, Z. 44.

weisen5, vb.

weisen vb.
simplex zu ²verweisen (s. d.); von diesem im nhd. verdrängt. germ. *wītan ist das reguläre präsens zur idg. wurzel u̯eid 'sehen'; es entspricht gr. εἴδομαι 'erscheine', air. ad-fiadat 'sie berichten' (ai. vedati 'er weisz' beruht wohl auf innerindischer entwicklung), und das präteritum *wait ist formal identisch mit wait = idg. u̯oida ('ich habe gesehen') 'ich weisz', vgl. Walde-Pokorny 1, 236 f. die grundbedeutung 'sehen' ist nur im ags. und afries (im compositum biwita 'hüten') erhalten, im ahd. und as. durch 'verweisen, anrechnen, strafen' ersetzt, die auch im ags. vorherrscht. man vergleicht seit Graff 1, 1114 zum bedeutungswandel 'sehen' zu 'strafen' lat. animadvertere, doch ist an ihm das compositum frawītan sicher nicht unbeteiligt; vgl. das paar afries forwīta 'verweisen' gegen biwīta 'hüten'. ahd. wîzan Graff 1, 1114, as. wîtan, mnd. wîten Schiller-Lübben 5, 748, mnl. witen, wijten Verwijs-Verdam 9, 2, 2723, nl. wijten; afries. -wīta, ags. wîtan, engl. wite; got. in fra-weitan 'rächen', und inweitan 'verehren, begrüszen'; mhd. wîzen 'tadeln, strafen' mhd. wb. 3, 781ᵇ, Lexer 3, 159; vgl. noch mhd. wîze, zunächst wie auch sonst im west- u. nordgerm. ntr., später fem., 'strafe', das vereinzelt noch bis ins frühnhd. reicht (vgl. kain weisz [1449] bei Schmeller-Fr. 2, 1059 f.; ein wiss Eberlin v. Günzburg 1, 28 ndr.). vgl. auch witen 'schuld geben, verweisen (culpare) brem.-nieders. wb. 5, 278, Doornkaat-Koolman 3, 566, witen 'schuld geben' Dähnert plattdtsch. wb. 554ᵇ. im ganzen ist ⁵weisen in der schriftsprache wie in den maa. durch ²verweisen ersetzt; einzelne nhd. belege, in denen die bedeutung 'vorwerfen, strafen, tadeln' nahe liegt, können eine fortsetzung des mhd. wîzen sein, mit dem gleichen übergang von sz in s in der schreibung wie bei ²verweisen, s. dort und unter ¹verweisen; möglich ist aber auch, dasz es sichvor allem bei dem Schiller-belegum eine weiterführung von ¹weisen handelt, das schon in der wendung 'jemanden zurecht weisen' und in der älteren rechtssprache (¹weisen C) die bedeutung 'tadeln, strafen' enthält; zumal nhd. ²verweisen äuszerlich nicht mehr von ¹verweisen geschieden ist und so eine vermischung von ¹weisen, ¹verweisen, ² verweisen und ⁵weisen möglich wird: nach der predi wisstend die maister göttlicher geschrift, das er falschlig gebredigott und gelert hett Richenthal chron. d. Const. conzils 83 lit. ver.; weil er deszhalben auch nicht da gewesen, ihnen ihre ungeschikligkeit zu weisen Reinicke fuchs (1650) 389;
ich musz euch weisen vor der landsgemeinde,
dasz ihr mit heftgem sinn den frieden stört
Schiller 14, 374 G.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1937), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1103, Z. 63.

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