Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wenige, f.

wenige, f.,
ohne zusammenhang mit einem ahd. î-abstraktum vvenekki 'miseria' kl. ahd. sprachdenkm. 270, 17 Steinmeyer (Benediktinerregel) erscheint im frühen nhd. wenige als ableitung von wenig II, das sich allerdings gegenüber wenigkeit ebensowenig durchzusetzen vermag wie sinnverwandtes lützele (s. teil 6, 1356) oder auch viele gegenüber vielheit (s. teil 12, 2, 217):
so mercklich sich an yn (den alten) dut finden
swech der vernunfft, glid vnn der sin,
weiss vnn wenge des hars an in
H. Folz confectbuch 51 Choulant;
doch dz man darumb nitt versaum den gotzdienst vnd man nit zeuil müd werd, auch entschuldiget die cleine oder wenige des wercks Joh. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 191ᵇ; nach der menge der jar soltu den kauff steigern, vnd nach der wenige der jar soltu den kauff ringern 3. Mos. 25, 16; dasz sy mit vile desz volcks die jhren, so durch langwirigen streyt vnd arbeyt bemuͤdet vnd abgetriben, mit geruͦweten leuten widerumb zuersetzen hatten: welches doch die Roͤmer von wenige des volcks nit vermochten Stumpf Schweizer chron. (1606) 673ᵃ; pauciloquium ... wenige vnd kuͤrtze der red Calepinus undec. ling. (1605) 1036; noch von Schottel haubtspr. (1663) 327 gebucht. mundartlich vereinzelt noch im schwäb. nachweisbar: ū ə wenege! ach, wie wenig! Teuthonista 9 (1933) 117.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 37, Z. 45.

wenigern, vb.

wenigern, vb.,
im frühnhd. verbreitete ableitung von weniger (s. auch unter verwenigern teil 12, 1, 2216 sowie wingern teil 14, 2, 337).
1)
wie üblicheres mindern (s. teil 6, 2229 f. [1]).
a)
insbesondere auf die minderung einer anzahl oder einer summe bezogen: und wollen auch die summe nicht wingeren in keinerley weise (1458) acten d. ständetage Preuszens 5, 11 Toeppen; der (garde) was kein zall, wurden nach den leufen der geschäft und alle tag gewenigert und gemert (1507) Wilwolt v. Schaumburg 17 lit. ver.; die theologische bucher must man auch wenigern und erleszen die besten, dan viel bucher machen nit geleret, vil leszen auch nit (1520) Luther 6, 461 W.; das jder menniglich, der cleinot, gezirde, cleider ... hynweg nemen, wingern oder in andern nutzen bringen würde, als eyn kirchenrawber am halse sol gestrafft werden (ca. 1575) mon. historiae Warmiensis 8, 453 Woelky.
b)
seltener der menge oder grösze: in den andern viertheilen (des mondes) aber werdend sie (die feuchtigkeiten in den körpern) gewenigert M. Pegius geburtsstundenbuch (1570) Yy 1ᵃ; derselb vierter thail mag auch von heüratguͦts verhaissungen wegen, geringert oder gewenigert werden ders., de jure et privilegiis dotium (1559) 16ᵇ; dieses machet sich von ewigkeit immer selber und hat keinen macher oder schoͤpffer und ist nicht gott, sondern gottes uhrkundlichster grimm, ewige aengstligkeit in sich gebaͤhren und auch in sich fressen und doch nichts verzehren, weder mehren noch wenigern Jac. Böhme drei princ. göttl. wesens (1682) 171 (cap. 14, 65).
c)
zuweilen auch im sinne von 'verkleinern, herabsetzen hinsichtlich wert oder stärke' u. dgl.; lexikalisch: diminuirn mindern, wenigern, schwechen, kleiner machen Roth dict. (1571) E 8ᵃ; imminuere leichtern, erleichtern, wenigern (1550) Schöpper syn. h 2ᶜ Schulte-Kemminghausen; die zeit wenigert das leid diuturnitas maximos luctus vetustate tollit ... die viele steuern wenigern die guͤter am wehrt agrorum pretia necessitate vectigalium infringuntur Stieler stammb. (1691) 2429; wie literarisch: dan wer yhm selbst gots gnaden vorsaget, der hat nicht starcken glauben, nach rechte liebe zu gotte, sunder durch misztraw vnd zweyffel wenegert er vnd setzet eyn tzyll golicher [!] barmhertzickeyt, die doch vnermessen ist Paulus Amnicola czu errettung den schwachen ordens personen (1524) M 4ᵇ; es ist besser, zu viel gnade ... denn zu viel gnade kan man widder ein zihen vnd wenigern, aber die straffe kan nicht wider zu rucke komen, sonderlich, wo es leib vnd leben, oder gliedmas betrifft (1534) Luther 53, 661 W. (ähnlich als redewendung bei Lehman floril. polit. [1662] 1, 377); die haben dasz Christen morden vnnd andere erbaͤrmliche thaten gewenigert vnd eingestellet W. Bütner epitome historiarum (1596) 101ᵇ; auch 'herabsetzen, an macht und ansehen mindern': du (das volk Abrahams) must eyn tzeyttlang gedult tragen und nit sehen (was du gerne sähest: grosz und mächtig dazustehen) und dich wenigern lassen, das kreutz tragen (1522) Luther 10, 1, 1, 548 W.
2)
vereinzelt sich wenigern 'weniger werden' (vgl. mindern 2): wenn die kloͤster und stifft ledig werden, muͦnch und nonnen sich wenigern, und alles, was dem geystlichen stand zu abbruͦch und verkleynerunge geschehen mag (1523) Luther 12, 12 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 38, Z. 28.

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Zitationshilfe
„wenigern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wenigern>.

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