Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

weniglein, n.

weniglein, n.,
diminutivbildung zu wenig II A, die im frühen nhd. aufkommt, vielleicht von lat. entsprechungen wie paululus, pauculus, pauxillu(lu)s angeregt.
1)
meist adverbial (zu wenig II A 3 a): red weniglin (loquitor paucula) Terenz deutsch (1499) 88ᵃ; vor allem in der fügung mit ein 'ein wenig, ein biszchen, etwas': ich bin verdorben, der selbig nach dem er ein weniglin zuͦ vil getruncken hat, wie erzeelt er alsdann seine weidliche thaten Boltz Terenz (1539) 65ᵇ;
sie hat mich doch ein wenglein lieb,
wiewol ich viel zanckens mit ir trieb
H. Sachs 14, 245 lit. ver.;
Fetasa, sich ein wengla vmb!
empfang die gäst!
Jac. Ayrer dramen 1967 Keller;
parumper ... ein weil, ein weniglin Calepinus undec. ling. (1605) 1029ᵃ (ähnlich schon Maaler teutsch spraach [1561] 489ᵇ): die gevatter setzet sich allda ein weniglin nieder vnd hat das kindlin in jhrer schosz Herberger hertzpostilla (1613) 1, 129; auch ein klein weniglein: vnd wenn ettwan ein klein weniglin der zundel des hertzen der innerlichen krefften ist angangen mit dem füer heiliger guͤter Keisersberg bilgerschafft (1512) 14ᵈ; es ist ein klein weniglin besser (meliuscula est) Boltz Terenz (1539) 120ᵃ. aus der neueren schriftsprache geschwunden und nur in obd. mundarten anzutreffen, während im md. bildungen wie e wingchen (s. Pasch Altenburg 102; Weise maa. 204), e wenkchen, winkchen (Müller-Fraureuth obersächs. 2, 655; Albrecht Leipzig 235), ě winkelche (Crecelius oberhess. 905), woͤnkelche (Schmidt Westerwald 332) begegnen: an wengeli gmach, versuᵃch en aⁿ wengele qu. a. d. 18. jh. bei Fischer schwäb. 6, 1, 681; komm eⁱⁿ wengleⁱⁿ daher! Buck ebda; ër het gᵉseit, ër geʰt e wenigle vor d tür Martin-Lienhart elsäss. 2, 828 (wie schwäb. in verschiedenen formvarianten); wart a biss'l, a wengl warte ein wenig Loritza id. Viennense 26; bair.-österr.an fälle wie fingerl anschlieszendauch a wengerl: wart a wengerl Sonnleithner id. austr. 126 (daneben: a bisserl 53); Loritza id. Viennense 142;
der (ein bursche) hat da grauft im wirtshaus drin,
a wengerl grad, hat nit viel tan
Karl Stieler ged. 2, 40 Reclam;
ein ganz klein' bissel wengerl bist mer doch gut ... du bild'st dir selb'n das ganz klein' bissel wengerl ein Anzengruber ges. w. 4 (1892) 169; für Basel als e wéneli, wenigli bezeugt Seiler 313; Spittelers ein weniglein folgt wohl schweizerischem sprachgebrauch:
das übrige gelang der keuschen jungfrau leicht.
ein weilchen ihn liebkost, ein weniglein liebkraut
olymp. frühl. 2 (1925) 35.
2)
als mengebezeichnung.
a)
'ein biszchen': paululum ein weniglein Megiser thes. polygl. (1603) 2, 221ᵃ; un pochetto, pocchettino, pocolino ein klein wenig, ein klein biszlein, ein weniglein Kramer dict. (1676) 1254; kluge leute ... bestreuen sie (kohlen) mit ein weniglein saltz. da werden die schädlichen dünste verzehret Herberger stoppelpostilla (1715) 1, 329ᵇ; e wenjele käs zuem brot Martin-Lienhart elsäss. 2, 828; net ə wengəl nicht das geringste Schmeller-Frommann bayer. 2, 922.
b)
'wenig': weneli guets, z'ässe hai-mer weneli Seiler Basel 313 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 45, Z. 15.

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Zitationshilfe
„weniglein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/weniglein>.

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