Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ween, n.

ween, n.
neige im fasz: wann sie ... desz abgangs im fasz (welchen sie ein ween nennen) gewahr nemmen Guarinonius grewel der verwüstung 695 s. sp. 649 wahne 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 17 (1921), Bd. XIII (1922), Sp. 2849, Z. 19.

wenn1, konj.

¹wenn, konj.
formen und verbreitung. so wenne (so) erscheint im späten ahd. neben so wanne (so) — eine formvariante, die sich wohl nicht nur aus der tonschwäche des wortes (s. C. Karstien hist. dt. gramm. [1939] 98) erklärt, sondern auch aus umlaut (s. Schatz altbair. gramm. 57). früh finden sich kontraktionsformen wie sowenne Notker (neben vereinzeltem sowanne Sehrt Notker-wb. 473), swennesosa ahd. gl. 2, 671, 37 St.-S., swenna ebda 632, 18; die um 1300 entstandene niederalem. hs. des lucidarius zeigtneben swenne — schon die kurzformen wenne, wen (64, 37 u. 26, 23 H.), welche in einigen hss. des 14. jhs. bereits vorherrschen (s. teil 13, 1875 s. v. wann IV sowie die angaben bei A. M. Züllig konjunktionen i. d. predigten Taulers, diss. Zürich 1951, 33). als erstes wörterbuch verzeichnet der voc. theut. (Nürnberg 1482) die nhd. form wenn als stichwort, Frisius und Maaler (Zürich 1556 und 1561) folgen.die heutigen mundarten zeigen konjunktionales wenn vor allem im südwesten (schweiz., elsäss., schwäb., moselfränk.-siebenbürg., ostfränk.), osten (obersächs., ostfäl., berlin., mecklenb., pomm.) und nordwesten (niedersächs., ostfries., schlesw.-holst.), sonst nur vereinzelt (so findet es sich neben wann im bair., thür., fränk., westfäl. und nordfries.). der auslautende doppelnasal ist gebietsweise vereinfachtso in der Brienzer ma. (s. PBB. 18, 378) — oder geschwunden (s. Henzen Freiburger ma. 170: wɛ neben wɛnn), ansonsten oft mit dem folgenden pronominalen subjekt verschmolzen: wemmer (˂ wenn wir, s. Martin-Lienhart elsäss. 2, 828; Fischer schwäb. 6, 414; Polenz Altenburg 57; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 655), wemme(n) (˂ wenn man, s. Winteler Kerenzer ma. 219; wb. der Elberfelder ma. 174; Leithäuser Barmen 170; Schmoeckel-Blesken Soester börde 330), wenns, wennt (˂ wenn es, et, s. Müller-Fraureuth obersächs. u. wb. d. Elberfelder ma. a. a. o.), wenn(d)e (˂ wenn du, s. Damköhler Nordharz 225). 'dagegen liegt in obste, wennste „ob du, wenn duübertragung der falsch aus den verbformen haste, biste, wilste herausgelösten anrede der 2. person vor' (A. Lasch berlinisch 260, s. auch Müller-Fraureuth a. a. o., Schmeller-Frommann 2, 916 und Müller-Schlösser Düsseldorf 63). im übrigen germ. hat unser fügewort nur in afries. (al)hwenne 'wenn, bis' (s. Richthofen afries. wb. 835) und in engl. when eine unmittelbare entsprechung. das neuere ndl. kennt lediglich die auch in nd. und md. mundarten verbreitete komposition wanneer (s. teil 13, 1896 f. unter wannehr), obwohl sich im östlichen mndl. wie im mnd. die formen wan, wen finden (s. Verwijs-Verdam 9, 1, 1644 f. und 9, 2, 2141 sowie G. A. van Es voegwoordelijke verbindingen ter uitdrukking van de conditionele [hypothetische] modaliteit in het Nederlands in: tijdschrift voor nederl. taal- en letterkunde 71 [1953] 105 u. 108f.) und im as. neben hwan ēr die fügung sō hwan sō erscheint (s. Sehrt wb. z. Heliand 281). zum ndl.-nd. stellen sich auch dän. naar und schwed. när, die beide auf anord. hven-ǣr zurückzuführen sind (s. Holthausen altwestnord. 135; ordbog over det danske sprog 14, 832ff. und ordbok över svenska spraͦket 18, 1043ff.).
herkunft und verwendung. wie as. hwanne und ae. hwonne wurde die ahd. interrogativpartikel (h)wanne, wenne — nach dem vorbild des lat. quando — früh auch im sinne von 'irgend einmal' gebraucht (s. teil 13, 1880 s. v. wann V). in derspäter verschliffenenfügung mit so geriet sie in die rolle einer gliedsatzeinleitung, zunächst einer temporalen: so wanne (wenne) so quando-cumque (s. unter I A 1); die naheliegende verwendung auch im konditionalen sinne (vgl. die entwicklung von wo teil 14, 2, 916) bahnte sich bereits im späten ahd. an, sicher nicht ohne einflusz des lat. siquando (s. unter I A 2 a). weitere anwendungen eröffnen sich im mhd. und älteren nhd.; wenn (wann) erscheint nun auch als einleitung eines einräumungs-, vergleichs- und wunschsatzes (s. unter B); es dient zuweilen zur gegenüberstellung, weist auf einen ursächlichen zusammenhang zwischen haupt- und gliedsatzgeschehen, leitet schlieszlich auchin den funktionsbereich von dasz und ob übergreifendeine abhängige aussage oder frage ein (s. unter I C); allerdings wird es wohl kaum dahin kommen, wie Wustmann (sprachdummheiten, 2. aufl. 1896, s. 131) befürchtete, 'dasz die konjunktion wenn alle andern konjunktionen auffriszt'. bei nahezu allen anwendungen konkurrieren bis ins 18. jh. die formen wann und wenn, wenn auch die landschaftliche bindung einen schriftsteller oft die eine oder andere form bevorzugen läszt, so Luther die form wenn, Eck hingegen wann (s. Lindmeyr wortschatz in Luthers, Emsers und Ecks übers. d. NT. 102). noch Ludwig t.-engl. (Leipzig 1716) 2381 stellt unterschiedslos nebeneinander: wenn ihr nicht fleiszig studirt, wann ihr aber nicht vergeben wollet; er stellete sich als wenn er keine lust haͤtte es zu thun, er that als wann ... er rasend waͤre; wenn er auch in Ost-Indien waͤre, und wann er auch schon kaͤme; und in der literatur dieser zeit wechseln oft beide formen im gleichen satz:
wenn man der stunden werth nach seiner tafel miszt,
und wann die tafel weicht, schon wieder durstig ist
B. Neukirch ged. (1744) 112;
wenn Homers werke gänzlich verloren wären, wann wir von seiner Ilias und Odyssee nichts übrig hätten, als eine ähnliche folge von gemählden Lessing 9, 88 L.-M. (la. v. 1766);
du weiszt es zeit genug, wenn du es dann wirst wissen,
wann wir, steht gott uns bey, die frucht davon geniessen
ebda 5, 100;
so noch vereinzelt in späterer zeit (s. auch die unter wann teil 13, 1876ff. und 1872f. angeführten belege):
wenn zum schmuck fürs fest der pfingsten
sie der birken wipfel stutzen,
wird dagegen im geringsten
nicht des försters rüge nutzen;
noch auch wann sie zu weihnachten
ganze fichtenwälder brachten,
die der christ soll putzen
Rückert ges. ged. 4 (1837) 314 (ähnl. ebda 1 [1834] 376 u. 208);
und schwert und feder, wenn mein arm erschlafft,
sind Huttens ganze hinterlassenschaft ...
die (feder) streitet fort, sie streitet doppelt kühn,
wann ich vermodert bin im inselgrün
C. F. Meyer s. w. 2, 254 Faesi.
von den lexikographen konstatiert als erster Stieler einen unterschied, doch der anwendungssphäre beider formen, nicht der funktion: 'wann in orationibus et scriptis, wenn in ore hominum usitatius est' stammb. (Nürnberg 1691) 2433; auf eine verschiedenheit des gebrauchs weist erst Gottsched hin, der in seiner dt. sprachkunst (Leipzig 1748) 111 erklärt: 'wann quando, von der zeit; wenn si, die bedingung', wohingegen noch Adelung 4 (1801) 1382 feststellt: 'wann, die oberdeutsche form der partikel wenn ... im hochdeutschen hat man dieses wann nur in der r. a. dann und wann ... beybehalten; in allen übrigen fällen aber erfordert der sprachgebrauch wenn, es mag nun ein adverbium der zeit, oder eine bedingende conjunction seyn' und sich scharf gegen die ansicht 'einiger älterer sprachlehrer' wendet, 'dasz wann allemahl von der zeit, wenn aber nur als eine conjunction gebraucht werden müszte'. Campe 5 (1811) 570 weist dies zurück und erklärt s. v. wenn 680: 'mit diesem bindewort darf man das umstandswort der zeit wann nicht verwechseln'. erst zu beginn des 19. jhs. dringt also die heutige regelung durch (vgl. auch Heyse s. v. wann [3] teil 13, 1876 sowie F. S. Haupt ueber die bestimmung des unterschiedes zwischen wann und wenn in: archiv f. d. studium d. neueren sprachen 26 [1859] 309 ff.), wonach die konjunktion wenn dem interrogativen wann gegenübersteht, wie denn der demonstrativpartikel dann. demgegenüber zeigt engl. when eine abweichende entwicklung, der form: eine formale scheidung von interrogativum und konjunktion ist wie bei ndl. wanneer, dän. naar und schwed. när nicht erfolgt, schon ae. hwænne (hwonne) begegnet in beiden anwendungen, doch ist eine der ahd. und as. entsprechende ae. fügung *swā hwanne swā aus me. whense zu erschlieszen (s. NED. 10, 2, 26 s. v. whenso); und der funktion: im engl. ist der temporale gebrauch vorherrschend geblieben, während nhd. wenn seinen anwendungsbereich vor allem auf kosten der älteren konditionalpartikeln ob, so, wo erweitert hat (s. O. Behaghel dt. syntax 3 [1928] 347 f. und E. Brodführer unters. z. vorlutherischen bibelübers. [1922] 142) und nur falls, als ausgesprochene, den hypothetischen charakter besonders betonende bedingungssatzeinleitung, im neueren dt. neben sich aufkommen liesz.
I.
als fügewort.
A.
wenn leitet einen gliedsatz ein, der die voraussetzungen und umstände angibt, bei denen das im hauptsatz dargestellte geschehen erfolgt.
1)
temporal.
a)
im sinne von 'sobald' (so auch im Heliand gebraucht, s. die belege bei Sehrt 291 f.): cumque impleueris dies tuos ... suscitabo semen tuum post te so huuanne so dhu dhina daga arfullis, ... ih aruuehhu dhinen samun after dhir Isidor 38 Hench (37, 9); cum Christvs apparverit vita vestra, tvnc et vos apparebitis cum ipso in gloria souuenne Christ irscînit ûuuer lîb danne irscînit oûh ir mit imo guôllichi Notker (s gloss.) 2, 128, 9 Piper;
... alsô schône daz uns muoz nâch iu belangen.
sît gewis, swenn ir uns komet, ir werdent hôh enpfangen
Walther v. d. Vogelweide 28, 13 Lachmann-Kraus;
des musten die lewte yre kynder, wenn die icht zu yren jaren qwomen, uss der stat unde uss dem gerichte vor om flochin Joh. Rothe thür. chron. 571 Liliencron; cum erit spatium wenn ich der weyl hab, wenn mir zeyt vnd weyl wirt Frisius dict. (1556) 1229ᵃ; wenn die birn zeitig ist, so fellt sie ab Eyering proverb. 3 (1604) 447; wenn das erste stück ... gegeben ist, erfahren sie (anrede) sogleich die wirkung (29. 9. 1798) Göthe I 40, 8 W.; das ist eine lange geschichte, die werd' ich euch erzählen, wenn ich mich erst ein weilchen verschnauft habe Holtei erz. schr. 18 (1862) 40; wenn man älter wird, lernt man die dinge ... erst recht schätzen Stifter s. w. 3 (1911) 271;
ein spritz noch, und (der drache) verendet; gleich der weinbergschnecke,
wenn ihr ein bub des feuchten leibes unterdecke
mit salz vergiftet, ihr zum tötlichen geschwür
Spitteler olymp. frühl. 2 (1925) 165;
ebenso mundartlich: wenn de wascht sterba, do vermach mr ock waͦs Rother schl. sprichw. 189ᵃ.
b)
'sooft': quare inquit ita uir sapiens moleste ferre non debet. quotiens in fortunę certamen adducitur fone diu chad si. nesol danne uuîsemo man daz nîeht uuegen. souuenne er fehten sol. mit tero uuîlsâldo Notker 1, 296, 19 P.;
ein rîter, der gelêret was
unde ez an den buochen las,
swenner sîne stunde
niht baz bewenden kunde,
daz er ouch tihtennes pflac
...
der tihte ditz mære
Hartmann v. Aue Iwein 23 Benecke-Lachmann;
wen ain burger von der stat farn oder ziehen wolt, dasz er dann drei nachsteur solt geben (1466) städtechron. 5, 15 (Augsburg); wer sich selbst kitzelt, der lacht wenn er wil Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) b 2ᵇ; und wenn mich mein patron wohin schickte, dasz ich geschwinde wiederkommen sollte, so nahm ich allemal erstlich mein blaserohr mit ... Chr. Reuter Schelmuffsky 11 ndr.;
aber wenn sich die fürsten befehden,
müssen die diener sich morden und tödten
Schiller 14, 22 G.;
wenn ich handle, wenn ich dichte,
gib du meinem weg die richte
Göthe I 6, 10 W.;
sie weint oft — sie ist verlegen, wenn sie mich sieht Iffland theatr. w. (1827) 1, 6; wenn er malte, sah er sich oft dastehen, umdrängt von vielen schönen frauen und mädchen aus allen kreisen H. Löns d. zweite gesicht (1917) 176. oft in fügungen wie immer (oft, nur) wenn:
ich sprich iemer, swenne ich mac und ouch getar,
'vrowe, wis genædic mir'
Reinmar in: minnes. frühl. 173, 6 Vogt-Kraus;
man sagt, dasz Newton immer, wenn er den namen gottes ausgesprochen, eine weile innegehalten und nachgedacht habe Kant w. 10, 446 Hartenstein; oft wenn ich drauszen herumging, weilte mein blick am horizont Hölderlin ges. dichtg. 2, 42 Litzmann; der wecker kam nur, wenn er beim wein sasz Scheffel ges. w. (1907) 2, 88; immer wenn das einbilden anfängt, fängt auch das schlimme an Fontane ges. w. (1905) I 5, 119; auch wenn nur: Becker spielte mit recht vieler laune (im 'parasit'), und alles wurde lustig, wenn er nur auftrat (13. 10. 1803) Schiller br. 7, 86 Jonas; der gliedsatz, aber auch der übergeordnete satz ist zuweilen unvollständig: wenig ... freuden des lebens glichen der empfindung (zu ergänzen ist: die ich immer dann hatte), wenn mich meine mutter manchmal hineinrief Göthe I 21, 22 W.;
ich war noch jung, wie pulver die gedanken,
wenn aufgeregt, erkannten keine schranken
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 94;
das arme ding sah blasz aus und hatte verweinte augen (wie man immer dann sehen konnte), wenn man ihr begegnete E. Zahn die da kommen u. gehen (1918) 165.
c)
gelegentlich auch sonst.
α)
'nachdem'; den übergang von 'sobald' (s. A 1 a) verdeutlicht:
wen ir angest was vergân,
sô samenten sich die brûdere sân
(um 1295) livländ. reimchron. 11349 Meyer;
seit dem 14. jh. durchgehend in dieser anwendung belegt: vorchtit den der dar nâch, wen her getôtet, gewalt hât zuͦ sendene in daz hellische fuͦr (timete eum qui, postquam occiderit, habet potestatem mittere in gehennam) (1343) Matthias v. Beheim evangelienbuch 147 Bechstein (Luc. 12, 5); vnd wenn wir angebetet haben, wollen wir wider zu euch komen (postquam adoraverimus, revertemur ad vos) 1. Mos. 22, 5;
darum bleibt sie ...
... stehn,
auf die unsterblichkeit stolz, wenn ihre schönheit dahin ist
Klopstock oden 1, 37 M.-P.;
du gabst mir ruh, wenn durch die jungen glieder
die leidenschaft sich rastlos durchgewühlt
Göthe I 1, 5 W.;
der weint heimlich und wird nicht einmal ruhig, wenn er sich ausgeweint hat Iffland theatr. w. (1827) 1, 22;
doch, wenn sie sich herumgezaust
ein weilchen, führt' aufs neue
zur pflicht sie heil'ge scheue
Rückert ges. ged. 3 (1837) 377;
wenn ich dann den schweren klopfer wiederholt hatte anschlagen müssen, so hörte ich wohl von der obersten treppe herab die scheltende stimme des hausherrn Storm s. w. (1898) 2, 280; oft in fügungen wie dann (erst, einst) wenn:
kompt dann die sonn herfür, wenns auffgehört zu tagen
(1624) Opitz teutsche poemata 43 ndr.;
doch lasz mich leben, dasz am erreichten ziel
ich sterbe! dasz erst, wenn es gesungen ist
das lied von dir, ich triumphirend
über das grab den erhabnen weg geh!
Klopstock oden 1, 97 M.-P.;
wie vieles wird ... bey ihnen (anrede) ... auch alsdann noch oft von mir und fuͤr mich sprechen, wenn ich nicht mehr bin Zimmermann einsamkeit (1784) 1, xx;
o herre mein, was wollt ihr mich versuchen?
wollt euch erwerben eures vaters fluch?
und einst, wenn schwand des glückes kurzer trug,
dem armen schuldlos schuld'gen weibe fluchen?
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 241.
β)
'als' (vgl. engl. when):
(sie) erblenten si sô gar,
daz si nihtes gesâhen,
swenne zin begunden nâhen
die vînt ...
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 4490 Seemüller;
denn ich auch eins mals dazu komen bin,
wenn ich mich hatte verspet,
im ganzen dorf ich kein herberg het,
kam ich in ein rockenstuben
(1587) bei Schade satiren 1, 170;
wenn Hamlet dem Horatio die missethat seines stiefvaters entdeckt, so räth ihm dieser, mit nach Norwegen zu gehen Göthe I 22, 161 W.; so musz vor vielen hundert jahren den rittern zu muthe gewesen sein, wenn sie bei stiller nächtlicher weile über diese berge zogen Eichendorff s. w. 2 (1864) 14; er (ein alter diener) setzte sich aber hartnäckig zur wehre, wenn man sein verjährtes amt ihm zu nehmen gedachte Immermann w. 5, 100 Hempel.
γ)
'während, solange': und her (der mensch) slâfe und stê ûf nacht und tak, und der sâme spruͦzit ûz und wehsit, wen sîn jenre nicht inweiz (et dormiat et exsurgat nocte et die, et semen germinet et increscat, dum nescit ille) Matthias v. Beheim evangelienb. 80 Bechstein (Marc. 4, 27); wen her mit dem lantgraven zu Doryngen unde zu Hessin kreigk, sso hilt her frede mit dem bischoufe Joh. Rothe thür. chron. 572 Liliencron; niemandt weysz was sein seel thuͦt, wenn er schlafft schöne weise klugreden (1548) 91ᵇ; sie sind nur gluͤcklich, wenn friede im lande bluͤht Klinger neues theater (1790) 1, 1; was man doch artig ist, wenn wir jung sind! (16. 2. 1818) Göthe IV 29, 56 W.; vorausgehendem solange entsprechend: so lang ist man gut euangelisch, wenn man hoffnung hat, das man sich aus solcher predigt des euangelij begrasen und reich werden moͤge (1530) Luther 33, 12 W.
δ)
gleich wo (s. teil 14, 2, 914f.) zuweilen relativisch auf eine vorangehende zeitangabe bezogen, ihr eine nähere bestimmung anschlieszend (s. auch die unter wann teil 13, 1879f. angeführten belege und vgl. anwendungen des lat. cum wie tempus, cum ...):
ein tac wart in geleit,
wen sie solden sîn bereit
(um 1295) livländ. reimchron. 9520 Meyer;
iz kumt aber noch die cziet,
wen wir ken den vinden striet
halten und si uber slan
und én gancz gesigen an
Tilo v. Kulm von siben ingesigeln 4884 Kochendörffer;
sie wuszte sogar den zeitpunkt anzugeben, wenn mein vater ... aufgehöret hätte ein liederstürmer zu seyn Hippel s. w. (1827) 1, 20 (lebensläufe 1, 20); wie schrecklich erschien mir der augenblick, wenn der prediger mit den geweihten gefäszen in die krankenstube trat Steffens was ich erlebte (1840) 1, 154; die zeit, wenn er nicht studierte ... brachte er bey der weinflasche zu Laukhard leben (1791) 5, 239; insbesondere nach einer präpositionalen fügung:
mîn herze ist swære zaller zît
swenn ich der schœnen niht ensihe
Reinmar in: minnes. frühl. 154, 6 Vogt-Kraus;
ist daz er drinne (in der welt) iht gewinnet,
daz sîn senunge minnet,
er muoz ez doch zeleste lâzen,
swenn er vert die gemeinen strâzen
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2929 Weinhold;
am morgen, wenn ich vf sol stan
H. R. Manuel weinsp. 580 ndr.;
wenn dieselben sich etwa zu der zeit herunter senken, wenn die erde auf dem entgegengesetzten theile ... steht Gottsched erste gründe d. ges. weltweisheit (1733) 404;
auch dich werd' ich nicht sehn, der du in jener zeit,
wenn ich lange gestorben bin,
für das herz mir gemacht
Klopstock oden 1, 82 M.-P.;
am jüngsten tag, wenn die posaunen schallen
und alles aus ist mit dem erdeleben, ...
Göthe I 2, 15 W.;
im winterjahr, wenn die sonne zuruͤck tritt, die erde erstarret ... sucht er (der bär) sich oft ein lager aus unter freyem himmel maler Müller w. (1825) 1, 22; und nur einmal im jahre trägt man sein wahres gesicht zur fastnacht, wenn man larven steckt vor sein gesicht Sperl söhne d. hr. Budiwoj (1927) 532. seltener nach einem adverbialen genitiv: ein verwahrungsmittel gegen solche anfälle (überfälle) ist, weder sehr früh des morgens, noch abends wenn es dunkel ist, diesen geweiheten bezirk zu bereisen Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 365; seine erste sorge des morgens, wenn er aufsteht, ist, sich zu bekümmern, wo er zu mittag speisen wird Göthe I 45, 5 W.; und nach adverbialen partikeln der zeit: sie erwartete Marianen ... mit gröszerer ungeduld als sonst, wenn sie ihr nur ein mäsziges abendessen vorzusetzen hatte Göthe I 21, 3 W.; und wie oft war er seitdem hier aus und ein gegangen! zu tag- und nachtzeiten, ehe er zu den soldaten ging und auch nachher, wenn er auf urlaub daheim gewesen war Polenz Büttnerb. (1895) 9.
2)
konditional, einen hypothetischen satz einleitend; 'falls' (vgl. II, ferner wennen und wennich).
a)
als einleitung einernach ansicht des sprecherstatsächlich oder möglicherweise gegebenen bedingung; eines vordersatzes: siquando (sedem augustam servataque mella thesauris relines, prius haustu sparsus aquarum ora fove, Vergil, Georg. 4, 228) suensose (11. jh., bair.) ahd. gl. 2, 643, 68 St.-S. (ähnlich ebda 632, 18);
daz beste gelt der fröiden mîn
daz lît an ir, und aller mîner sælden wân.
swenne ich daz verliuse, sô enhân ich niht
und ruoche ouch für den selben tac waz mir geschiht
Reinmar in: minnes. frühl. 158, 25 Vogt-Kraus;
und wenne ein rîche in ime selbir geteilet wirt, daz rîche mac nicht bestên (et, si regnum in se dividatur, non potest regnum illud stare) (1343) Matthias v. Beheim evangelienb. 78 Bechstein (Marc. 3, 24);
wenn er üch schmeckt, so trinckends vsz!
H. R. Manuel weinsp. 267 ndr.;
wenn man den kindern jhren willen lest, so weinen sie nit Eyering proverb. 3 (1604) 451; wenn du noch eine kleine weile verziehest, sollst du mich verklagen, dasz ich dich todt geschlagen habe Wieland Lucian (1788) 94; wenn ein fürstlicher hof zwei millionen thaler kostet, wie viel kosten dreiunddreiszig? Treitschke dt. gesch. 2 (⁵1897) 393; wenn einer von uns beiden erst anfängt zu reden, wo hört dann der andere auf! H. Mann untertan (1950) 401; nachsatzes: doch het men in gotis riche eine sele fúrdelicher denne die ander, wenne si baz gedienet hat denne die andirn lucidarius 76, 19 Heidlauf; zwyfelich sach ist, wenn zum teil zimlichs vnd zum teil vnzimlichs mit einander in einer sach vergriffen sint Riederer rhetoric (1493) a 6ᵇ; ist dieses die einfaͤltige klugheit, wenn man die scheinheilige gleisznerey vor liebe und freundschaft annimmt? Chr. Weise polit. redner (1677) 14;
hast du geweinte, geliebte sorgen,
lasz mich mit dir sie sorgen. ich weine mit,
wenn dir ein freund starb
Klopstock oden 1, 118 M.-P.;
ich will sehen, sie (die beleidigungen) auf eine bessere weise gut zu machen, wenn das schicksal meinen guten vorsätzen beisteht Lenz ges. schr. (1828) 1, 62; dem Morzenschmied war es nur dann nicht langweilig daheim, wenn er seiner Morzenschmiedin ... einen streich zu spielen wuszte O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 16; oder einschubsatzes (vgl. bereits Williram 109, 8 S.):
der herzog Ottacker sprach,
'swaz uns beiden zungemach,
von der Unger herren widervert,
swenn uns got die stat beschert,
daz wir ez verkêren mugen,
...
daz wir ze liute und ze lant
guotes rehtes walten'
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 2288 Seemüller;
zu dem sagt mann denn billich, wenn er den spott muͦsz zum schaden haben: es ist guͦter gülden der hundert erspart schöne weise klugreden (1548) 77ᵃ; auch der geringste, wenn er ganz ist, kann glücklich ... seyn (8. 6. 1787) Göthe IV 8, 232 W.;
... den kalk, den mörtel zugefahren!
wenn der herr landvogt kommt, dasz er das werk
gewachsen sieht
Schiller 14, 288 G.;
meint ihr, wenn meines odems stürme wehen,
die burgen eurer feinde werden dauern?
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 18;
blicke, die, wenn man gut aufpaszt, einem eine ganze geschichte verraten Fontane ges. w. (1905) I 5, 142; oft in einschränkenden verbindlichen wendungen wie wenn es beliebt, sein musz; wenn ich bitten darf, mich recht erinnere, die wahrheit sagen soll u. dgl.: do nun yeder man zuͦ tische gesessen was, man dem abte daz ze wissen tet, wenn im liebet er auch gen möchte Arigo decamerone 46 lit. ver.;
und wenn ich soll die warheit sagen,
wie du mir hast den stein geschlagen,
da ist mir etwas gar von weitten
geschossen in die lincken seitten
H. Sachs 6, 142 lit. ver.;
ich wil lenger lebn, wenn gott wil Eyering proverb. (1601) 2, 577; schweigen sie doch, wenn ich bitten darf dt. schaubühne 1 (1742) 81; komm her, wenn du's herz hast Göthe I 8, 7 W.;
wenns euch beliebt,
uns so viel guten willen zu erweisen, ...
so wollen wir euch den besuch belohnen
(if it will please you
to show us so much gentry, and good will ...
your visitation shall receive such thanks)
Shakespeare 3 (1798) 195 (Hamlet 2, 2);
Dahlmann ... dachte sehr bescheiden von der gerühmten freiheit 'des, wenn man so will, constitutionellen Deutschlands' Treitschke dt. gesch. 4 (1897) 470; wenn ich mich recht erinnere, hast du auch gelernt bänder machen (1853) P. Heyse rom. u. nov. II 1 (1904) 8 (l'arrabbiata); der unabhängige staat bezahlt den preis seiner selbständigkeit nicht zu theuer, indem er die leiden des krieges auf sich nimmt, wenn es sein musz Mommsen röm. gesch. 2 (⁶1874) 19; wenn sie (anrede) erlauben, gehe ich ein stück weges mit ihnen E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 132; insbesondere auchzum ausdruck des zweifelsin wendungen, die eine behauptung oder aussage u. dgl. einschränken: Young sagt von der sonne, es wäre sünde in den heiden gewesen, sie nicht anzubeten. wenn sinn in dieser hyperbel liegt, so ist es dieser: ... (statt: in dieser hyperbel liegt folgender sinn) Lessing 9, 336 L.-M.; wenn also irgend eine dichtungsart ... poesie ist, so musz es die epopöe und die hohe ode seyn Gerstenberg schlesw. lit. br. 230 lit. denkm.;
wenn's jemand ziemt zu sprechen mit vertrauen,
so ziemt es mir: ...
Göthe I 4, 11 W.;
doch sage sie, weswegen denn ihr bettgenosz
den schlauen dieb am stehlen nicht verhinderte,
wenn er, wie sie behaubtet hat, zugegen war?
Platen ges. w. (1839) 248;
wenn ich einen liebe, dann lieb' ich ihn Fontane ges. w. (1905) I 5, 133; wenn es beschlossen ist, ist es beschlossen ebda 145; und wenn dem so war, dann war es ja nicht nur ein zweifel, sondern ein verdacht H. Hesse späte prosa (1951) 119; wobei zuweilen der übergeordnete satz teilweise oder ganz erspart wird: der thee ist schon in dem garten, wenn sie so gut seyn und hinunter gehen wollen (zu ergänzen wäre etwa: werden sie ihn vorfinden) Gellert s. schr. 3 (1784) 3;
vornehmlich eine — grille, wenn ihr wollt (ist es eine,
nennt es eine grille),
ist ihr sehr werth
Lessing 3, 9 L.-M.;
und wer denn? wenn's beliebt —
(zu ergänzen etwa: so antworten sie)
Göthe I 45, 94 W.;
sie wohnt hier um die ecke, euer gnaden,
wenn man den fuszsteig durch die hecken geht
(zu ergänzen: kommt man geradeswegs zu ihr)
H. v. Kleist w. 1, 357 E. Schmidt;
er ... schritt in die stube vor und sagte: 'wenn es gefällig ist' Stifter s. w. 5, 1 (1908) 364; nicht weit von dem kleinen teich, da wo die bank unter der ulme stand, wenn sie sich erinnern (zu ergänzen: so werden sie es wissen) P. Heyse rom. u. nov. II 3 (1904) 218 (anf. u. ende); aufgefordert abzulegen, wollte ich den degen ohne weiteres in die ecke stellen, als ein 'im vorzimmer, wenn ich bitten darf' mich rektifizirte Moltke ges. schr. (1892) 1, 22. andererseits begegnet auch verkürzung des bedingungssatzes: aber er (der schmächtige schneider) war, wenn ein mann, einer, der nicht hinter einem andern zurückblieb O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 311; die den Karthagern vertragsmäszig zustehenden rechte ... wenn nöthig mit den waffen zu vertheidigen Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 23; wenn einer, war er für diese stellung ungeeignet (1877) ders., reden u. aufs. (1905) 78; einem aber, wenn er im 'neuen tone' singt, ist, wenn er arm und er keinen mäcen findet, nur zu raten, sich schleunigst einen strick zu kaufen D. v. Liliencron ⁷5, 133. auf ursprüngliche kürzung und konstruktionsverallgemeinerung (nicht konstruktionsmischung, wie Behaghel meint, dt. syntax 3, 69) geht wohl auch die verbindung wenn anders zurück (vgl. wo möglich 'wenn es möglich ist'):
die du künftig mich liebst (wenn anders [als ich befürchte] zu meinen thränen
einst das schicksal erweicht eine geliebte mir giebt!)
Klopstock oden 1, 32 M.-P.;
ich hoffe vielmehr, das nuͤtzlichste und angenehmste der folgenden zeiten in vier oder fuͤnf baͤnden zusammen zu fassen, wenn anders (als befürchtet) diese arbeit den gehoften beyfall finden wird M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 24 vorr.; dasz er für seinen ruf, wenn anders (falls in anderer weise als es nach meinung des sprechers zweckmäszig ist) diese zweideutigste aller eigenschaften in erwägung gezogen werden solle, einstehen zu dürfen glaube H. v. Kleist w. 3, 258 E. Schmidt; überhaupt ist man jetzo grob gegen die halbe welt, wenn anders (als andere leute vielleicht meinen) die lesewelt so grosz ist Jean Paul in: E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 7 Gr. als geläufige fügungen erscheinen ferner wenn je; wenn einmal, etwa, überhaupt: wenn sich jemals ein mensch in umstaͤnden befunden hatte, die man ungluͤklich nennen kann, so war es dieser juͤngling Wieland Agathon (1766) 1, 4; bald red' ich zu viel, bald zu wenig, und wenn ich einmal mit mir selbst rede, so nennt er mich gar einen narren Kotzebue s. dram. w. (1827) 3, 2;
süszer, goldner frühlingstag!
inniges entzücken!
wenn mir je ein lied gelang,
sollt' es heut nicht glücken?
Uhland ged. (⁶1833) 50 (frühlingsfeier);
wenn überhaupt aus der puppe und ihrer indolenz sich irgend je der riese, der in ihr schlummert, ... erheben soll (14. 4. 1832) Pückler briefw. (1873) 1, 100; aber immer sind sie (die Seldwyler) im ganzen zufrieden und munter, und wenn je ein schatten ihre seele trübt, wenn etwa eine allzu hartnäckige geldklemme über der stadt weilt, so vertreiben sie sich die zeit G. Keller ges. w. 4 (1889) 9; wenn jemals so war jetzt die zeit gekommen Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 213. seit frühdeutscher zeit tritt wenn auch in negativen sätzen auf, verbunden mit nicht: souuenne er neist. sô sint siu beidiu lugi Notker 1, 482, 16 P. (ebda 482, 22: ube er neist, und 483, 14: so er neist);
wenn jrs dem schelmen nit wend weren
vnd jm die boszheit alle schencken,
so wird ich mich noch selb erhencken
H. R. Manuel weinsp. 86 ndr. (v. 2739);
was soll ein fasz wein, wenn es nit angestochen wird Lehman floril. polit. (1662) 2, 581; wenn ich mich nicht irre, so musz ich sie (anrede) irgendwo schon gesehen haben Göthe I 23, 4 W.; kindlein, liebt euch, und wenn das nicht gehen will: laszt wenigstens einander gelten (7. 11. 1816) ebda IV 27, 220; eine tüte, daraus, wenn nicht alles täuschte, das gefranste papier einiger knallbonbons hervorguckte Fontane ges. w. (1905) I 5, 138; sie (anrede) erweisen uns eine liebenswürdigkeit, wenn sie nicht sofort mit meinem manne von geschäften reden, sondern ein weilchen mit unserer gesellschaft fürlieb nehmen wollten Th. Mann ges. w. 1 (1955) 94 (Buddenbrooks); im neueren dt. oft zur anfügung einesmeist steigernd angereihtenkurzsatzes oder satzglieds gebraucht (vgl. wo nicht teil 14, 2, 918 unter III A 2 b β):
... wann, wenn nicht jetzt
Droysen Äschylus (²1842) 347;
... von einer geflügelten frau ..., welche man für Iris, wenn nicht für die weihungsgöttin Telete zu halten hat Gerhard akad. abh. (1866) 1, 54; (sie würden) den gröszten teil der von ihnen eingenommenen länder, wenn nicht alle, vornehmlich aber sich selbst ... behauptet haben Ranke s. w. 14 (³1870) 6; scharfe, wenn nicht feindselige kritik Bismarck ged. u. er. 2, 18 volksausg.; besonderes war nicht vorgefallen, wenn nicht, dasz (eig.: wenn das nicht etwas besonderes ist, dasz; auszer, dasz) Anna den heirathsantrag eines wohlstehenden jungen bürgers abgelehnt hatte Storm s. w. (1898) 5, 103 (Carsten Curator).
b)
einer bedingung, deren verwirklichung zwar nicht sicher, doch immerhin denkbar ist:
von gemache wurdet ir vertriben,
swen sich der kunic mit ungenâden
legte ûf iwern schaden.
'diser red ich niht enspotte:
swenn ich des rîches huld verlur,
daran ich grôzen schaden kur,
wand mir der kunic wære
zeinem vînt ze swære ...'
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 17579 Seemüller u. ö.;
wenn denn nu eyn priester diszem gottlichen spruch wolt folgen, wer seyd yhr blutt duͤrstige larven, die yhr yhm wollt weren? (1522) Luther 10, 2, 151 W.; wen es zu obgedachter vntherhandlung (die der aller hochste mit gnaden geruhe) keme (1538) ders., br. 8, 315 W.;
(Nathan:)
ihr, guter bruder, müszt mein fürsprach seyn,
wenn hasz und gleisznerey sich gegen mich
erheben sollten
Lessing 3, 138 L.-M.;
was wolltet denn ihr
beginnen, ihr andern weltbekehrer,
wenn's anders würde? — ich wette, dann
wär's wieder nicht recht!
Wieland s. w. 21 (1796) 88;
wenn du es nach und nach abschriebst, ... so fänd ich wenn ich wiederkomme gleich ein exemplar (14. 10. 1786) Göthe IV 8, 31 W.; geht es in unserm hause gut, so wär es liebenswürdig, wenn du anfang november bey uns einsprächst (20. 9. 1820) ebda IV 33, 240; man würde sich ihn falsch vorstellen, wenn man glauben wollte, als sei er ... Ranke s. w. (1867) 1, 21; ich sagte mir, wenn wirklich ein kind hier aufwüchse, so könnte dies nicht so bleiben Carossa geheimnisse (1936) 84; oft einen elliptischen ausruf, eine unvollständige aussage einleitend:
wenn mein vater dich so hörte!
Lessing 3, 75 L.-M.;
wenn ein lauscher mich erspähte?
voll von feinden ist die welt
Schiller 14, 55 G.;
er sah das kind misztrauisch an. wenn sie zu spähen käme ...! rief er Scheffel ges. w. (1907) 2, 35; Milosch, der herr will heute noch nach Uwar, wenn du etwa die zwei weidebraunen nähmest, ihm einen gäbest und ihn bis zum galgen geleitetest Stifter s. w. 3 (1911) 198; vor allem in der fragenden wendung wie wenn ...? (hervorgegangen aus fällen wie: wie waͤre es also, wenn sie [anrede] uns diese [dichtwerke] nach lust und laune mittheilten ...? Tieck schr. [1828] 3, 103; wie waͤr' es, liebes maͤdchen, wenn wir ihn zum weyhgesang unserer liebe machten? Kotzebue s. dram. w. [1827] 1, 135):
wie wen ir in (den toten) verhaisen thet
ins gruͤne tal mit drei pfund wachs
vnd etwan mit eim kloben flachs?
H. Sachs fastnachtsp. 60, 248 ndr.;
wie, wenn ich jm also thaͤte? quid si sic? Frisius dict. (1556) 290ᵃ; wie, mäuschen, wenn ich dich heute noch zur edelfrau machte? Klinger w. 3 (1815) 77 (ähnlich ebda 83); doch wie, wenn ich hinginge und ihn bäte, dasz er es erlaubte? H. v. Kleist w. 2, 244 E. Schmidt;
wie aber, wenn mich diese scene doch
zerstreut ...?
Platen ges. w. (1839) 202;
einen augenblick überkam ihn der gedanke: wie, wenn du in diesen von der regierung geduldeten modebund trätest und ihn zu deinen ansichten herüberleitetest! Gutzkow ritter (1850) 1, 205; wie nun aber dann, wenn das herrschende haus entweder abging oder sich unfähig erwies, die regierung ... zu führen? Ranke s. w. (1867) 1, 12.
c)
als einleitung einer offensichtlich nicht gegebenen bedingung (irreal):
swenne ich si mit mîner valschen rede betrüge,
sô het ichs unrehte erkant
Reinmar in: minnes. frühl. 173, 13 Vogt-Kraus;
keine sache ligt yhn so hart an als der Luther: wenn sie den zurissen hetten, so weren sie selig (1529) Luther 30, 2, 44 W.;
wenn mein weyb noch bey leben wer,
sie wurd die ding noch klerer sagen
H. Sachs 2, 11 lit. ver.;
wenn die wort die leut schluͤgen, so wer kein dapfferer mann, dann er Eyering proverb. 3 (1604) 449; wenn sie sich nur alle so gewehret, wie ich gethan habe, wir haͤtten die victorie erhalten Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe 37 ndr.; man müszte nichts von der welt wissen, wenn dergleichen epochen uns unerhört scheinen sollten (20. 5. 1826) Göthe IV 41, 36 W.;
alle glückesstern' im bunde
hätten weihend ihm gelacht,
wenn die mutter eine stunde
früher ihn zur welt gebracht
Uhland ged. ²304;
wenn das deine mutter wüszte! Sperl söhne d. hr. Budiwoj (1927) 559; so in zahlreichen mundartlichen und umgangssprachlichen wendungen und redensarten:
wenn mancher mann wüszte, wer mancher mann wär,
gäb mancher mann manchem manne manchmal mehr ehr
Rother schl. sprichw. 238ᵇ;
wenn die tante räder hätte, wärs ein omnibus ebda 237ᵇ; wenn du nie wascht on de klan arpl (erdäpfel), su hättn de schwein schun lang grusze frassn missn ebda 265ᵇ; wenn's anners wär, nacherts undsa wär der säuhirt schulz! Ruckert unterfränk. 195; wenn hofaschärm (hafenscherben) batz'n (d. h. geld) wär'n! (ergänze: dann wär ich reich!) ebda, wobei in süddt. redeweise gern das betonte subjekt vorangestellt wird (s. auch O. Weise unsere mundarten [1910] 224 und O. Behaghel dt. syntax 4 [1932] 256): unsereins, wenn da hersetzen dürft', meinte, er wär' im himmel! P. Dörfler erz. (1955) 16; so viel geld, wenn mein eigen wäre! ebda 57; oft auch als einleitung eines negativen satzes, in dem das nichtvorhandensein einer bestehenden voraussetzung unterstellt wird:
das doch wer gar unmüglich süst,
wenn sie nit selb geboren het
H. Sachs 2, 13 lit. ver.;
was wuͤsten wol die Deutschen von der sprachlehre ..., wen es ihnen nicht die gelehrten gezeiget? Gueintz rechtschr. (1666) 20;
ritter, wenn ihr hier nicht fremd
und nicht gefangen wäret, würd' ich euch
so dreist nicht fragen
Lessing 3, 59 L.-M.;
wenn ich, liebe Lili, dich nicht liebte,
welche wonne gäb' mir dieser blick!
Göthe I 1, 79 W.;
das würde zum lachen sein, wenn es nicht zum weinen wäre J. Scherr hammerschläge 1 (1910) 127 Hesse; (das gefallen) würde vielleicht nicht so stark geworden sein, wenn nicht neben ihm die furcht vor dem baldigen verlust gewohnt E. Zahn die da kommen u. gehen (1918) 113.
B.
in unmittelbarem anschlusz an A 2 aufkommende verwendungen.
1)
konzessiv (s. Paul dt. gramm. 4 [1920] 279 ff.).
a)
in absolutem gebrauch:
swenne iwer starken vîende zir helfe möhten hân
drîzec tûsent degene, sô wold ich si bestân
Nibelungenlied 160, 1 Bartsch-de Boor;
swen wir daz allez wellen
prüeven unde zellen,
sô ist ez allez enwiht
dâwider und enniht,
wie herzog Albreht der fruot ...
manheit und êr begie
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 70572 Seemüller;
wenn h. Fridrich seine eigen wort jnn deinen mund legt und seine gedancken jnn dein hertz stecket, dennocht wuͤrdestu damit nichts anders, denn das du bist (1534) Luther 51, 212 W.;
deine reizende gestalt
sammt der schlanken glieder länge
hemmen jede zunge bald,
wenn sie noch so fertig sänge
Gottsched ged. (1751) 1, 59;
wenn diese schriften nicht zusammengedruckt und gebunden sind, wenn sie nicht theile eines einzigen werkes ausmachen, so sind sie doch aus eben demselben geiste hervorgegangen Göthe I 46, 9 W.; wenn aber Marthen in ihrer jugend nur die gewöhnliche schulbildung zu theil geworden war, so hatte das nachdenken ihrer späteren einsamen stunden ... sie doch ... auf eine für frauen, namentlich des bürgerstandes, ungewöhnlich hohe bildungsstufe gehoben Storm s. w. (1898) 3, 3; wenn ich alles ertrüge, die untätigkeit, dieses faule, zwecklose leben hielte ich nicht mehr aus E. Zahn die da kommen u. gehen (1918) 303; zuweilen einen negativen kurzsatz an- oder einfügend: mit diesen bin ich bisher noch so ziemlich, wenn nicht zu ihrer, doch zu meiner beruhigung fertig geworden Bürger s. w. 175ᵇ Bohtz; wir werden taͤglich gewahr, dasz die kluͤgsten und gelehrtesten maͤnner, wenn nicht zuweilen die untuͤchtigsten zu allen weltgeschaͤften, doch wenigstens ungluͤcklich genug sind, durch den mangel einer gewissen gewandheit (!), zuruͤckgesetzt zu bleiben Knigge umgang m. menschen (1799) 1, 3; (köhler:) ... wird doch der kaiser nicht vor der thür sein? (Freiburg:) hallunke! wenn nicht der, doch einer, der hier regiert ... H. v. Kleist w. 2, 217 E. Schmidt.
b)
im neueren dt. meist verstärkt
α)
durch vorausgehendes und, auch oder selbst: er ist ein narr, vnd wenn er eine stuben vol geldes hette Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) h 2ᵇ;
ey schlaft doch ein, ihr muͤden augen!
warum verderbt ihr mir die nacht?
denn eure muͤh wird doch nichts taugen,
und wenn ihr euch zu tode wacht
Stoppe Parnass (1735) 223;
sie (die geschlagene saite) ruft einer gleichfühlenden echo, selbst wenn keine da ist, selbst wenn sie nicht hoffet und wartet, dasz ihr eine antworte Herder 5, 6 S.; bleibe das kästchen verschlossen, bis der schlüssel sich findet, und wenn es bis an's ende meines lebens liegen sollte Göthe I 24, 226 W.; selbst wenn beide (kapaunen und nichtstun), weil sie zu fett machen, überhaupt meine sache wären Gutzkow ritter 9 (1851) 219; wie man in dunkler zeit des sonnenscheins bedürftig ist, auch wenn man keinen eigenen weinberg besitzt, der daran reifen soll G. Keller ges. w. (1889) 6, 98; und wenn er zehn eide geschworen hat zu schweigen, es kommt doch heraus Fontane ges. w. (1905) I 5, 155; herr Brecht war es sich schuldig, auch wenn er unbeschäftigt war, eine weile warten zu lassen Th. Mann ges. w. (1955) 1, 698 (Buddenbrooks); oft in mundartlichen wendungen wie: und wenn ich wossr saufa sōl! und wenns bauern und betteljungen regnet! Rother schl. sprichw. 304ᵃ; und wenns um galgen und rad gegangen wär ebda.
β)
durch folgendes auch, gleich, schon (vgl. obgleich, obschon): swenn auch die burgermaister an dem geriht niht gesin muͤgen, so sullen si zwaien under den zwelf gesworn rihtern welhen si wellent iren vollen gewalt empfelhen (14. jh., mitte) städtechron. 4, 144 (Augsburg); woͤllen wir uns nymand wehren noch hyndern lassen, wenn es auch ein engel vom hymel were (1528) Luther 28, 24 W.; wenn schoͤn die gantze welt widder mich stuͤnde ..., so weys ich, das sie doch nichts vermuͤgen ebda 24, 22; wenn jm die bosheit gleich in seinem munde wol schmeckt, wird sie doch jm in seiner zungen feilen Hiob 20, 12; wenn auch dieser letzte zarte öltünch ... sich eine weile guthielt, so verlor er doch, als das öl mit der zeit austrocknete, ... seine kraft Göthe I 49, 1, 213 W.; der handwerker, der singmeister, der tanzmeister sind sehr rechtschaffene leute, wenn sich gleich ihr betragen auf mehreren puncten von dem allgemeinen gewissen entfernt ebda I 45, 51; (Wilhelm wünschte) einen degen selbst gegen den stallmeister zu führen, wenn er schon einsah, dasz ihm dieser in der fechtkunst weit überlegen sei ebda I 21, 225; ich glaube, sie denkt so was, wenn sie's auch nich wahr haben will Fontane ges. w. (1905) I 5, 119; die haltung kann als liegend gelten, wennschon der verlauf der falten senkrecht ist Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 104; selten nur darf ein redner zu solch einem auditorium sprechen, wenngleich minister, generale und geheime räte wenig oder gar nichts von medizinischen problemen verstehen Unger Virchow (1953) 119; zuweilen mit auch und gleich verbunden:
mein vater musz mich lieben.
wenn er mich auch gleich würft ins meer,
so wil er mich nur üben ...
Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 314 Fischer-Tümpel;
man blicke eine zeit lang durch eine blaue scheibe, so wird die welt nachher dem befreiten auge wie von der sonne erleuchtet erscheinen, wenn auch gleich der tag grau ... wäre Göthe II 1, 25 W.; wenn ich auch gleich jedes ihrer lieben worte jetzt, da ich erwachsen bin, nicht mehr so recht eigentlich wissen kann, dürfte es doch nicht viel anders gelautet haben Brentano ges. schr. (1852) 4, 34; sowie mit vorausgehendem und und folgendem auch:
du schonst gar weislich deins (dein herz)
und hast gelegentlich für jeden eins,
und wenn's auch nur von mehl und farben wäre
Göthe I 4, 213 W.;
es gibt keine Wedells, mit denen wir nicht verwandt wären, und wenn's auch blosz durch einen scheffel erbsen wäre Fontane ges. w. (1905) I 5, 159; und wenn er auch bliebe, sie wissen ja, der is nicht so ebda 119. im neueren dt. oft einen elliptischen einschub oder zusatz einleitend: von welcher regel würde es (gemeint ist die schaffende einbildungskraft) ... bei seinen trieben und schöpfungen, wenn auch unvermerkt, geleitet? Herder 22, 120 S.; ein weibsbild wars und wenn gleich nicht meine tochter, doch auch ein unglücklich weibsbild Lenz ges. schr. (1828) 1, 53; in meinen zwey ersten theilen findest du manches neue, wenn auch nicht alles singbar (21. 5. 1816) Göthe IV 27, 17 W.; auch auf Deutschland wirkte diese entwickelung ... zurück, wenn auch zunächst nur in hinsicht des aeuszerlichsten Ranke s. w. (1867) 1, 174; und hob, wenn auch mit anstrengung, den karren aus dem schmutz O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 26; der ungunst der verhältnisse weichend, entschloss ich mich, wenngleich mit schwerem herzen, zum rückzuge H. v. Barth Kalkalpen (1874) 318; dies prinzip der gewandung ist das hauptsächlichste (wennschon nicht einzige) aus Chartres mitgebrachte Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (³1923) 338; oder auch einen ausruf: (das fräulein:) ich höre, dasz der officier, welcher durch uns verdrengt worden ... (der wirt:) ja nur ein abgedankter officier ist, gnädiges fräulein. (das fräulein:) wenn schon! Lessing 2, 195 L.-M.; (Norton:) ... allein in ihrem (anrede) gesichte ist noch etwas anderes als mäszigung zu lesen. kaltsinn, unentschlossenheit, widerwille ... (Mellefont:) und wenn auch? ebda 2, 320;
(Natalie:) ihr last ihn (den brief) ja!
(prinz v. Homburg:) wenngleich!
ich will nur sehn, wie ich mich fassen soll
H. v. Kleist w. 3, 99 E. Schmidt;
'die thür ist fest zu gewest'. 'ja, Dorle, wenngleich; und es war ja auch nur ein traum' O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 96; (Ida:) ach, wir sind jung. (Wilhelm:) wenn auch — einmal kommt's doch auch Gerh. Hauptmann friedensfest (²1894) 85; er hat festgestellt, dasz Lessing einen bestimmten brief am 23. dezember geschrieben hat, nicht am 21. nu wenn schon L. Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 207; umgangssprachlich beliebt ist die elliptische wendung: wenn schon, denn schon 'wenn man schon etwas unternimmt, dann soll man es auch richtig tun' s. Rother schl. sprichw. 304ᵃ.
γ)
vereinzelt auch durch nachgestelltes wohl (vgl.obwohl): es ist ein arm gemuͤt, das da dienet, wenn es wol frey sein kan Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) n 1ᵇ.
2)
'als eine comparative conjunction' (Adelung 5 [1786] 171).
a)
in der fügung mit als, älteres als ob zurückdrängend (s. Behaghel dt. syntax 3 [1928] 282 u. 623 f.). vornehmlich als einleitung eines irrealen vergleichssatzes mit konjunktiv präteriti des verbs oder hilfsverbs: auch ist man des in erfarnüsz kommen, dasz der mann todte coͤrper auff dem rücken im wasser schwimmen vnnd der weiber auff dem bauch, gleich als wenn die natur der verstorbnen weiber schammen verschonen vnnd dieselbe zuͦdecken wolte Heyden Plinius (1565) 29;
als wenn vns vnser widerpart
solt in dem land mit seiner klingen
von suͤnden zu der busse bringn
B. Ringwaldt laut. warh. (1588) 4;
den Hali aber, als wenn ers mit den christen heimlich hielte, liesz er ... hencken Stumpf Schweizer chron. (1606) 17ᵃ; vielleicht wirckt diese possierliche apotheckerbuͤchse bey etlichen mehr, als wenn ich den Catonen mit grossen commentariis haͤtte auflegen lassen Chr. Weise erznarren 3 ndr.;
wie? dasz du, vater! jetzt mit jener zaͤrtlichkeit,
womit bey seinem gluͤck sich sonst dein herz gefreut,
nicht mit ihm froͤhlich bist, als wenn in jener sphaͤre
er nicht, wie hier, dein sohn, sein gluͤck nicht deines waͤre?
(1746) Giseke poet. w. (1767) 45 Gärtner;
kehrt' ich mein verirrtes auge
zur sonne, als wenn drüber wär'
ein ohr, zu hören meine klage
Göthe I 2, 77 W.;
es ist als wenn sie sagte: stund' um stunde
wird uns das leben freundlich dargeboten
ebda I 3, 24;
zwar schien es, als wenn auch dieser einflusz verschwinden sollte Steffens was ich erlebte (1840) 1, 11; es war erst, als wenn er nicht antworten mochte Storm s. w. (1898) 3, 107; seltener eines vergleichssatzes mit präsentischem verb, im konjunktiv:
huy Lentz! auff, auff! er schlaͤfft fuͤrwar
als wann er tod sey gantz vnd gar
Wolfh. Spangenberg ausgew. dicht. 280 Martin (Mammons sold 512);
eben durch den titel ist das vorurteil entstanden, als wenn der stoff und die ausführung des werkes mathematisch sei Göthe II 2, 6 W.; (die andern) warfen ihm ... vor, als wenn er getrachtet habe sie irre zu machen ebda I 25, 1, 68; nichts mache einen widrigern effekt, als wenn der basz mit der oberstimme in oktaven fortschreite E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 12 Gr.; nein, da lob' ich mir die charge als attaché bei einem inkognito reisenden hofe ... mutterseelenallein sasz ich auf dem weichen gepolsterten hintersitz und durfte ... das fuszgängerpack recht protzig von oben bis unten ansehn und die augen dabei mit vornehmer manier zukneifen, als wenn ich nicht gut sehn könne Gaudy s. w. (1844) 2, 49; oder indikativ; dies insbesondere bei vorausgehendem gleich (eben, so): (Moses hat die gesetzestafeln hingeworfen) gleich als wenn einer in eim schrecken ein glas wein zubricht oder fallen lest (um 1533) Luther tischr. 1, 367 W.; soll ich dann wider die trunckenboͤltz reden, so ists eben als wen man eim todten zuruffet Ambach vom zusauffen (1544) B 4ᵇ; ach die kosten noch lange nicht so viel, als wenn ich mich lasse ab conterfaien und mein bildnisz den studenten verehre Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe 15 ndr.; es geht im lande und volk eben als wenn ein oelbaum abgepflückt ist, als wenn man nachlieset, so die weinernte aus ist (quia haec erunt in medio terrae, in medio populorum, quomodo si paucae olivae, quae remanserunt, excutiantur ex olea, et racemi cum fuerit finita vindemia Jesaia 24, 13) Herder 7, 463 S.; sowie im anschlusz an einen komparativ (vgl. jedoch Göthe IV 8, 4 W.):
seid nicht so unverständig,
wie gäul' und mäuler sein, die eh' nicht werden bändig,
als wenn ihr wildes maul ein scharfer zügel zwingt
P. Fleming dt. ged. 1, 5 lit. ver.;
so kan auch den beleidigten bessere sicherheit wider ihre beleidiger geschaffet werden, als wenn sie es selbst thun sollen Chr. Wolff vern. ged. v. d. gesellschaftl. leben (1725) 414;
was ist dem staunenden poͤbel
wunderbarer, als wenn er so gar verstorbne vom tode
oder vielmehr ohnmaͤchtige kranke vom schlummer erwecket?
Klopstock Messias (1780) 86 (4. ges.);
der erste schöne morgen seit langen wochen hier in Tiefurt — und der, däucht mich, kann nicht besser angefangt (sic!) werden, als wenn ich ihnen ein weilchen was schreibe (10. 7. 1777) Knebel an Herder in: von u. an Herder 3, 9 Düntzer. zuweilenbei ersparung des übergeordneten satzeserscheint (nicht) als wenn satzeröffnend: nicht als wenn es an sich etwas unerlaubtes waͤre, aus hoͤrnern zu trinken M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 8; insbesondere als einleitung eines ausrufs: als wenn's eine sünde wäre! (1777) Göthe I 12, 41 W.; die männer und die mädle! als wenn du nicht selbst ein mädle wärst! oder was biste sonst? O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 18; wie bei der fügung (als) ob findet sich vereinzelt ersparung des als:
des gäula, dös is g'wachs'n her,
wenn's bei an reich'n herrn wär';
der alt haut ah viel stückla braud
on maul derspoart, dasz's gäula haut
Grübel s. w. (1873) 1, 138.
b)
gelegentlich auch verbunden mit wie, vornehmlich einen indikativischen vergleichssatz (einen realen vergleichsfall) anschlieszend:
wie wenn der wolff die schaaffe,
der geyr das huhn zerreist, so handelt jtz die welt
Rist d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 33;
weil alles wieder lebt und lacht,
wie, wenn die sonne nach der nacht
den tag vergnuͤgt zuruͤcke bringet
Stoppe Parnass (1735) 5;
wie, wenn der suͤd
die wipfel des gebirgs in nebel huͤllt,
...
so stieg, von ihrem fusztritt aufgewuͤhlt
der staub in wirbelwolken in die luft
Bürger s. w. 151ᵃ Bohtz;
sie sind gefallen, wie wenn ein wehrlicher mann von knaben erschlagen wird E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 276;
das ufer hing hinein,
wie wenn man rutscht und nach die scholle bricht
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 116;
das is, wie wenn sich 'ne braut in'n finger sticht Fontane ges. w. (1905) I 5, 138; sie erzählt der tochter ... ganz schlicht, wie wenn sie mit sich selber spricht L. v. Strausz u. Torney d. verborgene angesicht (1943) 33; nur vereinzeltin anschlusz an B 2 a (als wenn) — als einleitung eines irrealen vergleichssatzes mit konjunktiv präteriti; des verbs oder hilfsverbs: dasz sie ... mit ruinierten feiertagskleidern zurückschlumpern müssen ..., wie wenn der erste pfingsttag der gewöhnlichste, unbedeutendste, schmutzigste werktag wäre! Holtei erz. schr. (1861) 1, 3; sie eilte, wie wenn sie länger zu weilen fürchtete ebda 2, 232; das ist ja, wie wenn ich im klub wäre Fontane ges. w. (1905) I 5, 137 (ähnlich ebda 129 u. 138); und dabei trottete Sultan wieder auf seine hütte zu, langsam und verlegen, wie wenn er einen kleinen vorwurf herausgehört hätte ebda 125; es dünkte ihnen, wie wenn heute doppelt, dreifach, fünffach soviel kinder in der stadt wären als sonst Wassermann junker Ernst (1955) 124.
3)
in anschlusz an hypothetische sätze wie:
wenn ich nur dich, o starcker held,
behalt in meinem leide,
so acht ichs nicht, wenn gleich zerfällt
das grosse weltgebäude
Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 365ᵃ Fischer-Tümpel;
ich habe mir vorgenommen ..., eine bürgerliche bedienung ... anzunehmen, wenn ich nur eine erhalten kann Göthe I 21, 78 W.;
wenn ich ihn nur habe,
wenn er mein nur ist,
wenn mein herz bis hin zum grabe
seine treue nie vergiszt,
weisz ich nichts von leide,
fühle nichts als andacht, lieb' und freude
Novalis schr. 1, 69 Minor;
kommt es im neueren dt. dazu, dasz 'diese partikel einen wunsch begleitet ... nur dasz der nachsatz verschwiegen ist' (Adelung 5 [1786] 171):
ach wenn dich (die mütterliche natur) noch thränen
erweichten! und wenn ein vor wehmuth
bang erbebendes herz
dich und dein eisernes schicksal und seine donner versöhnte,
wenn du mutter noch wärst!
wenn, wie vormals, dein ohr, zur zeit des goldenen alters,
stammelnde seufzer vernähm!
aber du bleibst unerbittlich und ernst!
Klopstock oden 1, 76 M.-P.;
... ah! wenn ich einen mehr in euch
gefunden hätte, dem es gnügt, ein mensch
zu heissen!
Lessing 3, 63 L.-M. u. ö.;
vor allem in der verbindung mit nur (s. teil 7, 1007): wenn sie uns nur nicht tauffen, ich frage zwar auch nichts darnach, es waͤre aber schade wenn die schoͤnen kleider solten nasz werden Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe 36 ndr.;
die gelder aus
Aegypten sind vermuthlich angelangt.
wenns nur fein viel ist
Lessing 3, 44 L.-M.;
wenn nur das ende tröstlicher wird (dez. 1786) Göthe IV 8, 92 W.; wenn nur der täglich wachsende strom der truppen unsern briefwechsel nicht hemmt! Pfeffel pros. vers. 9 (1812) 92; wenn mich der herrgott nur nicht früher abruft, bis meine stell ersetzt ist, und ich hab eine frau für ihn O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 308; wenn nur nicht die kilbi noch verregnet wird! H. Federer berge u. menschen (1911) 475; auch einen wunsch einleitend, dessen verwirklichung nicht gegeben ist (vgl. A 2 c):
ja,
wenns das nur wäre! das!
Lessing 3, 48 L.-M.;
ach! wenn nur nicht manchmal die kalte hand des vorwurfs ihr über das herz gefahren wäre! Göthe I 21, 44 W.; der junge ... sprach immer vor sich hin 'wenn mir's nur gruselte! wenn mir's nur gruselte!' kinder- u. hausmärchen 1, 13 Bong;
wenn nur was käme
und mich mitnähme!
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 3;
das biszchen geschimpfe ... wenn ich's nur mal mit anhören könnte Fontane ges. w. (1905) I 5, 124. elliptisch: wenn sein blick ... über die schimmernde fläche des ... sees hinlief, so meinte ich ihn öfters mit einem gewissen müden ausdruck von seiner bahn zurückkehren zu sehen, als wollte er sagen: das alles könnte schön sein, wenn nur — was dem wenn in seiner seele folgte, war freilich aus dem blicke nicht zu lesen Vischer auch einer (1879) 1, 2; (fr. Vockerat:) jetzt habt ihr den jungen, nu wird alles anders werden ... (fr. Käthe:) ach wenn nur, mama! Gerh. Hauptmann eins. menschen (1891) 4. zuweilen findet sich wenn auch verbunden mit doch: o wenn doch mein unstern noch vierzehn tage aufschub genommen haͤtte! Stoppe Parnass (1735) 501; wenn doch die guten leute aufhörten, eine weissagung zu erklären, die nicht erklärt werden kann! Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 5; wenn doch der mensch sich nicht vermessen wollte, irgend etwas für die zukunft zu versprechen! Göthe I 23, 114 W.; und weisz auch, dasz du deine Lene für was besondres hältst und jeden tag denkst: 'wenn sie doch eine gräfin wäre' Fontane ges. w. (1905) I 5, 150;
o mei lieber kippabär, kippabär,
wenn doch immer kirmes wär
Rother schl. sprichw. 304ᵇ.
C.
zuweilen auch sonst in verschiedener anwendung.
1)
gegenüberstellend, im sinne von 'während, wohingegen'; diese anwendung schlieszt einerseits an hypothetische aussagen an, 'wo die erfüllung einer voraussetzung notwendig das auftreten der entgegengesetzten erscheinung zur folge hat' (Behaghel dt. syntax 3 [1928] 347), anderseits insbesondere an aussagen, bei denen wenn zwei wesensverschiedene vorgänge oder zustände als gleichzeitig nebeneinander ablaufend hinstellt (s. I A 1 c γ und vgl. wo teil 14, 2, 919 f. [III C 2]):
daz er belîben muoz
swenn ich in Kristes schar
mit fröiden wünneclîchen var
Hartmann v. Aue in: minnes. frühl. 211, 18 Vogt-Kraus;
swanne (la.: wenn) er wânte deich dâ heime læge
unde im sînes dingelînes phlæge,
warf ich den bal
in des hant von Riuwental
an der strâze
Neidhart v. Reuenthal 29, 21 Haupt-Wiessner;
sie kan dich zuͦ eim narren machen
vnd wenn du waynst so kan sie lachen
Murner mülle (1515) A 6 b (vgl. minnes. frühl. 213, 25 Vogt-Kraus: diu lachet, swenne ich trûric bin);
tichten ein leben nach dem todt,
wenn doch all ding ein ende hat
Waldis Esopus 2, 77 Kurz (4, 24, 86);
der oͤfftere sturmwind befestigt die wurtzeln und aeste der eichbaͤume, wenn die in windstillen thaͤlern wachsende pappeln morsch bleiben Lohenstein Arminius (1689) 1, 109ᵃ; vor allem im 18. und 19. jh. geläufig (s. auch die belege bei H. Paul dt. gramm. 4 [1920] 277 und H. Brinkmann z. spr. d. 'wahlverwandtschaften' in: festschr. f. J. Trier [1954] 274): wenn manche fuͤrsten ... mit unnuͤtzen dingen ihre zeit verschwenden, sitzet er hingegen mit der sonnen aufgang in seinem cabinet Besser schr. (1732) 1, 126;
ich ...
... musz, wenn andre praͤchtig steigen,
mich wieder nach der tiefe drehn
Stoppe Parnass (1735) 30;
o meine zähne werden klappern um diese treue, wenn eine kleine dosis von untreue damals mich zum heiligen gemacht hätte Schiller 2, 290 G.;
wenn sonst im keller fasz an fasz sich häufte,
der besten berg' und jahresläufte,
so schlürft unendliches gesäufte
der edlen herrn den letzten tropfen aus
Göthe I 15, 1, 13 W.;
wenn dein beutel hier ein schmaler
beutel war und reichte nie,
klappern dir dort tausend thaler
(1824) Platen ges. w. (1839) 63ᵃ;
wenn ich in Wien nie ins theater ging, ging ich beinahe täglich in Paris Grillparzer s. w. 19, 155 Sauer; wenn Glaucia ... bisher den Marius mit den lustigsten blumen seiner lustigen beredsamkeit überschüttet hatte, so dufteten die kränze, welche er jetzt ihm wand, keineswegs nach rosen und violen Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 208; ähnlich zuweilen in mundartlichen wendungen wie:
wenn du denkst, du hast n,
da hoppt er aus dem kasten
Rother schl. sprichw. 238ᵃ.
2)
auf einen ursächlichen zusammenhang weisend; vielleicht ist einflusz von wan(n) ˂ hwanta (s. O. Behaghel dt. syntax 3 [1928] 333) anzunehmen, doch stehen sich konditional- und kausalsatz ohnehin nahe.
a)
im sinne von 'indem, dadurch dasz'; schon einige mhd. und frühnhd. belege weisen in diese richtung:
des müese ich wol gewinnen
laster unde unêre:
swenn ich von hinnen kêre
Hartmann v. Aue Iwein 1770 Benecke-Lachmann;
wenn wir nun sünden, so entziehen wir gott, das wir im schuldig sind Keisersberg bilgerschaft (1512) B 5ᵇ;
es (das soldatenvolk) rauchet, wenns tabak, den troknen dolltrank saufft
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 30;
doch bleibt diese anwendung auch im neueren dt. selten und ist nicht in jedem falle scharf vom temporalen und konditionalen gebrauch zu scheiden: man geht am sichersten, wenn man ihm gehorcht Gerstenberg Ugolino 232 H.; ich habe ... gegen alle regeln der schriftstellerey gesuͤndigt, wenn ich glaubte, meine worte werden wirken Zimmermann einsamkeit (1784) 1, xvii; ew. königl. hoheit können wir den ... bericht ... nicht besser und ungesäumter unterthänigst vorlegen, als wenn wir die worte des ... oberconsistorii ... wiederholen (9. 3. 1817) Göthe IV 28, 7 W.; solche bursche können sich bereden, wenn sie frieden und vergeszwein mit ihren feinden trinken, so sey ihr unrecht hiermit auch für jene welt abgethan Pestalozzi s. w. 7 (1940) 375 Buchenau-Spr.; dies letztere moment (bestrafung des sünders) wird durch einige züge echt katholischer anschauung noch besonders hervorgehoben, wie wenn don Juan dem steinernen comthur, den er doch im übermüthigsten hohn eingeladen hatte, sagt: ... weilst du nicht an gottes thron? O. Jahn Mozart 4 (1859) 334.
b)
wenn gerät dann geradezu in die rolle einer kausalpartikel, fast gleichrangig mit da (vgl. wo teil 14, 2, 919 [III C 1]); vereinzelte ansätze finden sich bereits im älteren dt.:
sô wolte ich daz ein ander man
die mîne rede hete zuo den sælden sîn;
und doch niht an die selben stat
dar ich nu bitte und lange her mit triuwen bat:
darn gan ich nieman heiles, swenne ez mich vergât
(var.: sit si mich verget)
Reinmar in: minnes. frühl. 157, 27 Vogt-Kraus;
mîne vlüeche sint niht smal,
swanne (la. swenne) ich dâ ze Riuwental
unberâten (dem mangel preisgegeben) bin
Neidhart v. Reuenthal 39, 38 Haupt-Wiessner;
die toten gend guͦt, spis und lon:
söllend sie mit glüt in himel kon,
so ist das gelt wol angeleit,
wenn sie der (glocken-)ton in himmel treit
N. Manuel 26 Bächtold;
häufiger erst seit dem 17. jh.: wenn mir denn mittel und wege, dieses ... zu erwiedern mangeln, so habe ich dieses ... huͤrtenliedchen ... aufsetzen ... wollen (vgl. quoniam pecunia careo, carmine te dono) G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 438;
und wenn ein Tacitus nicht redlich schreiben mag,
so wird ein Lohenstein durch nacht und wolcken brechen
Gryphius in: Lohenstein Arminius (1689) 1, e 4ᵃ;
wenn ich student bin, musz ich mich auch als student aufführen Lenz ges. schr. (1828) 1, 58; doch wer sollte wohl des möglichen gedenken, wenn des geschehenen so viel erfreuliches vor uns liegt? Göthe I 46, 6 W.;
die Franken, niemand zweifelt's, sind tapfre kriegesleute,
doch mochte keiner dort dem Hunnen stehn zum streite,
und wenn die also thaten, da werden wir allein
dem tode uns zu opfern auch nicht die narren sein
Scheffel ges. w. (1907) 2, 171;
willst du nicht lieber mit mir gehen statt mit deinem mann, wenn er dich doch prügelt? H. Hesse Narzisz u. Goldmund (1931) 117. hingewiesen sei schlieszlich auf die äuszerung F. S. Haupts: 'in einigen fällen wird when (nicht aber if) auch ... als dem dt. da entsprechend angewandt; und es kann in manchen dieser fälle auch der Deutsche da mit wenn vertauschen, z. b.: wie kannst du mich bitten, dir 100 thaler zu leihen, da (wenn) ich dir hundertmal gesagt habe, dass ich kein geld habe?' in: archiv f. d. stud. d. neueren spr. 26 (1859) 316 Herrig.
3)
zuweilen hat wenn den temporalen, konditionalen, konzessiven oder kausalen charakter weitgehend verloren und dient im wesentlichen dazu, eine tatsache anzuführen; gleich wie in den funktionsbereich von dasz hinübergreifend (s. O. Behaghel dt. syntax 3, 346 f. und 349 sowie Th. Matthias sprachleben u. sprachschäden [⁵1921] 295):
si sol mir iemer sîn vor allen wîben:
an dem muote wil ich mangiu jâr belîben.
waz bedarf ich leides mêre,
wan swenne eht ich si fremden sol?
(var. wan das ich si vrömede)
Reinmar in: minnes. frühl. 150, 8 Vogt-Kraus;
was wunder, wenn er (bruder studio) sich in dieser zunft befindet,
weil er sein ganzes wol auf unverstand gegründet
Seb. Brant narrenschiff 9 Zarncke;
wie in Griechenland dieses vor die hoͤchste ehre gehalten worden, wenn man sich die augen zu schanden geweinet, und was dergleichen mehr hat Chr. Weise polit. redner (1679) 574;
kein wunder! wenn so lang um solch ein weib
ganz Griechenland und Troa ungemach
erduldet hat
Bürger s. w. 152ᵇ Bohtz;
das wohl seines landes, wie er (Siegfried von Lindenberg) sein dörfchen immer nannte, lag ihm dermaszen am herzen, dasz es zu bedauren war, wenn dieser mann nicht ein königreich besasz J. G. Müller Siegfried von Lindenberg (1784) 2, 114; verzeihn sie mir, ... wenn ich in diesem augenblick nicht gestimmt bin, mich mit ihnen weiter zu unterhalten Göthe I 23, 8 W.; man hielt es für billig, für verständig, ja für pflicht, wenn jene abgesonderten kreise sich einen jeden vortheil zu erringen suchten Steffens was ich erlebte (1840) 1, 210;
nennt's nicht eitel kraftverschwendung,
wenn ich diesz und das begann,
manches wuchs nicht zur vollendung,
doch ich selber wuchs daran
Geibel ges. w. 3 (1883) 201;
insbesondere mit vorangehendem dadurch (daran, daraus, für den fall): wie man auch glasig ertz daran spuͤret, wenn es sich auff ein nagel streichen oder schmiren lesset Mathesius Sarepta (1578) 28ᵇ; verliert oder gewinnt die natur dadurch, wenn sie des beystands und der auszierung der kunst entbehrt? Wieland s. w. 14 (1795) 67; als wenn ein kranker dadurch gesund wuͤrde, wenn man ihm verbietet, nicht mehr krank zu seyn M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 6 vorr.; wie lebhaft und aufrichtig er (der dank) sey, geht daraus hervor, wenn ich bekenne, dasz ... nun ein groszer theil sorge weggehoben ist (29. 10. 1818) Göthe IV 29, 323 W.; er wird in mir eine geweihte person erblicken, die nur dadurch ein ungeheures übel für sich und andre vielleicht aufzuwiegen vermag, wenn sie sich dem heiligen widmet ebda I 20, 379; Theodorichs gesezgebung ist augenscheinlich fuͤr den fall berechnet, wenn zwischen Gothen und Roͤmern streitigkeiten entstaͤnden K. F. Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 102; seltener einen vordersatz einleitend (s. auch die belege bei Behaghel 3, 346 f.): vnd wenn sich die klagend desz bruchs abgang, ist es nüt dann ein verbunst (neid) Zwingli v. freih. d. speisen 18 ndr.; wenn ich einen augenblick zu gestehen zauderte, so war die furcht ... allein daran ursache Göthe I 21, 74 W.;
wenn ich der frömmler gaukelein entkommen,
so sei der dank dafür an dich gewendet
Platen w. 1, 166 H. (an Winckelmann);
wenn weder das kaiserthum des mittelalters zu voller entwickelung gelangen, noch das papstthum in ungeschwächter autorität bestehen konnte, so hat dabei ... ein geographisches moment mitgewirkt Ranke s. w. 14 (³1870) 3.
4)
als vereinzelte übergriffe in den nhd. anwendungsbereich von ob finden sich (vgl. wo teil 14, 2, 920 [III C 4]): man mus ein guten unterscheid machen, wenn das wort einen trifft odder alle zumal Luther 24, 14 W.; ich war ... aufmerksam, wenn irgend ein schlüssel stecken blieb Göthe I 21, 21 W.; auch im westhannov.: ik weet nich, wenn ik kann Trübner dt. wb. 5, 2ᵇ.
II.
substantiviert (zu I A 2; vgl. die substantivische verwendung von engl. if und when):
ja, lachte der kaiser, vortrefflicher haber!
ihr füttert die pferde mit wenn und mit aber.
der mann, der das wenn und das aber erdacht,
hat sicher aus häckerling gold schon gemacht
Bürger s. w. 67ᵃ Bohtz;
hätt' ich, so würd' ich! — possen! wenn und aber
sind, wie das sprüchwort sagt, der pferde schlechtester haber
Grillparzer s. w. 8, 56 Sauer;
im walde bleibt dem menschen das herz gesund; da weisz man, was recht und was unrecht ist ohne wenn und aber O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 89; meist mit pronominalem beiwort: doch dieses mal wird sie (anrede) ihr wenn nicht schützen Mendelssohn philos. schr. 1 (1761) 236;
es hungert den hunger, es durstet den durst;
sie sterben, von nahrung entfernt.
naturgang wendet kein aber und wenn.
o kalte vernünftler, wie zwinget ihr's denn,
dasz liebe zu lieben verlernt?
Bürger s. w. 56ᵇ Bohtz;
(Herke:) doch wenn —
(Atle:) kein wenn!
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 45;
zum kuckuck mit all' deinen wenn und vielleicht M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 14;
wohl mancher söffe das ganze meer,
wenn nur kein (das) wenn und (das) aber (nicht) wär
Lüpkes seemannsspr. 127;
eine schöne stellung ... ohne zweifel, die leider nur den kleinen fehler hat, an ein 'wenn' gebunden zu sein, nämlich dasz diese regentschaft erst beginnen kann, wenn Napoleon Preuszen erobert hat St. Zweig Fouché (1954) 166; auch pluralisch: die beiden vorigen wenn sind durch die thiergeschichte gnugsam wiederlegt Herder 5, 45 S.; ich kann die wenns nicht leiden Bode Tristram Schandi (1776) 1, 65;
den treps, den lolch, den schwindelhaber
und all die bösen wenn und aber
der vollen reinen körnerfrucht
Immermann w. 13, 198 Hempel;
ich kann die ungewiszheit nicht ertragen, ich musz mir die wenn und vielleicht abgewöhnen, die machen mich irre! M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 164; sie sind mir doch nicht bös, Stadion, aber ich hab' nur lauter 'wenn' gehört. aber wenn, nun musz ich auch schon 'wenn' sagen, wenn also eines von diesen wenns nicht stimmt, was denn? qu. a. d. j. 1936; sowie in der fügung das wörtlein wenn:
ach! waͤre doch das woͤrtlein: wenn
nicht auf der welt gebohren
Henrici ged. 4 (1737) 261;
Premontval, so wie diejenigen, die seine gründe nicht zu widerlegen gewuszt, haben geglaubt, es wäre zu einer bedingten wahrheit genug, wenn man sich des wörtchens wenn dabey bedienen könne Mendelssohn philos. schr. 1 (1777) 275; wenn nur das wörtlein wenn nicht wär, so wär alles vollkommen. wenn nur das wörtlein wenn nicht wär (so wär mein vater rathsherr) Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 186;
wenn as wörtla 'wenn' nit wär,
hätt i taused güldn mähr!
Ruckert unterfränk. 195.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 51, Z. 58.

wenn2

²wenn,
partikel, die mundartlich und im älteren nhd. als formvariante von wann (I—III und VIII) erscheint.
1)
'auszer, nur, als (nach kompar.)', s. teil 13, 1859 ff. sowie Behaghel dt. syntax 3 (1928) 327 ff.
2)
'denn, weil', s. teil 13, 1864 ff. und Behaghel a. a. o. 332 ff.
3)
'zu welcher zeit' (fragewort), s. teil 13, 1868 ff.
4)
'bis', s. teil 13, 1883 sowie Frings-Schieb 'bis' in: annales acad. scient. Fenn., ser. B, 84, 22 (1954) insbes. 438 ff. und 444 ff.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 71, Z. 9.

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„wenn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wenn>.

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