Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wendel1, f.

¹wendel, f.,
'wanze', s. unter wändel teil 13, 1557 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1955), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1753, Z. 42.

wendel2, m. u. f.

²wendel, m. u. f.,
wendendes, gewundenes (vgl. windel, f. u. m., teil 14, 2, 279 u. 282 sowie sonnenwendel teil 10, 1, 1700).
1)
in verschiedener einzelanwendung:
susz waz ave der sloyer und der wendel,
der god und minsch zusamen want.
vorwar daz waz eyn lieplich minnebendel
bruder Hans marienl. 1193 Minzloff;
sucula daz holtz dadurch mann zwo oder mehr stangen steckt, vnd daran zeugt, als wenn mann wein ausz dem keller zeucht etc. ein wendel, haspel, zug, welbaum Er. Alberus dict. (1540) bb 2ᵇ; vgl. ferner in Nösner ma.: wândəl wendeholz am pfluge Kisch 169.
2)
wie wendelstein (1 a und b); wohl als kurzform dieser alten komposition (bzw. von wendeltreppe oder -schnecke, daher das genus fem. im neueren dt., s. u.) anzusehen, die allerdings ihrerseitsebenso wie wendelmeer — ein ahd. *wentil als ursprüngliche bildung zu wenden (oder zu winden, s. Wilmanns dt. gr. 2 [1899] 263, mit nachfolgendem bezug auf wenden) vorauszusetzen scheint, falls man sich die kompositionen nicht unmittelbar zum verbumin formalem anschlusz an zusammensetzungen wie spinnil(i)boum 'spindel' (s. Gröger d. ahd. kompos.-fuge [1910] 26) — gebildet denken oder das 1. kompositionsglied auf windel oder wandel zurückführen will: coclea wendel vel snegg (1466) Diefenbach nov. gl. 98ᵇ; durch den grossen schnecken oder wendel kommt man auf den grossen saal (1617) Hainhofer bei Fischer schwäb. 6, 1, 675; die wendel nennt man auch die wendeltreppen, schnecken Seume kl. teutsches lex. (1733) 278; wendel, f., s. v. w. wendeltreppe Mothes ill. baulex. 4 (1884) 474.
3)
spiralwindung.
a)
in der botanik (vgl. wendelständig): gyrus die windung, spiralwindung oder wendel, ein einzelner umlauf bei schraubenförmig gewundenen oder in einer schraubenlinie um die achse herumstehenden theilen Bischoff wb. d. botanik (1839) 93; immer stehen die wedel (blattbüschel) in wendeln Schlechtendal flora 1, 3.
b)
'in der technik (ist) die wendel bezeichnung für einen schraubenförmig aufgewundenen draht. beispiel: die heizdrahtwendel in den neuzeitlichen glühlampen' d. gr. Brockhaus 20 (1935) 220.
4)
als eigenname.
a)
cichorium intybus (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1 [1943] 991): Mattuschka flora silesiaca 2 (1777) 209; Nemnich dt. wb. d. naturgesch. (1796) 643; Holl pflanzenn. (1833) 65ᵃ; Pritzel-Jessen pflanzen (1882) 99; vgl. sonnenwendel (2) teil 10, 1, 1700.
b)
epidendrum (vgl. Marzell a. a. o. 2 [1951] 210): 5. zunft (der lilien). bastlilien — wendeln. epidendren ... pflanzen auf bäumen in heiszen ländern. 1. ... die schnurwendeln (epidendrum) Oken naturgesch. 3, 1 (1841) 482.
c)
'in der ornithologie, so viel als gemeiner wendehals, jynx torquilla L.' Krünitz encycl. 238 (1856) 357.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1955), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1753, Z. 43.

wendel3, m.

³wendel, m.,
kurzform von Wendelinus, name des patrons der hirten (s. Fischer schwäb. 6, 1, 675 u. 6, 2, 3402 sowie d. gr. Brockhaus 20 [1935] 220): Pan der heiden wendel Mathesius ausgew. w. 4, 110 L.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1955), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 1754, Z. 25.

wändel, wentel, f.

wändel wentel, f.,
wanze. alemannische kurzform, auf wantlûs zurückgehend (mit verhärtung des d von wand); noch jetzt wird in der Schweiz im inlaut t gesprochen, die schreibung ist früher meist wentel (wäntel), nur im Elsasz, wo frühzeitig d mit t zusammenfällt, schon im 16. jahrh. auch wendel (wändel): schweiz. wäntele Seiler 309. Hunziker 286. Greyerz 23. wentela Tobler 444. elsäss. (wo das wort unter dem einflusz der diminutive auch n. ist) wendele Martin-Lienhart 2, 834. wändel Halter 192. vaͦntl Henry 236. schwäb. wentel f. wentele n. Schmeller² 2, 962. andere kurzformen von wandlaus sind das ndsächs. wandje Schambach 285 und wanze, wanzke (s. d.) das wort wird seit dem 15. jahrh. angeführt, und zwar in den alemann. wörterbüchern, doch führen es auch einige andere lexikographen (zuletzt Stieler) neben den synonymen an: cimex, wentel Brack voc. rer. (1487) g 2ᵇ; cimex, wentel Diefenbach gl. 119ᵇ. nov. gl. 90ᵃ; wentel, wandlaus, cimex Dasypodius 456ᵈ; cimex, wandtlausz, wentel, qualster, wantz Alberus X x 2ᵃ; wentelen (die), cimex Maaler 489ᵇ; cimex, ein wentel Calepinus (1584) 219ᵃ; wentel, cimice Hulsius 275; cimex, wantlausz, wentel Golius onom. 305; wentel, wantz Crusius gramm. lat. (1562) 300; wentel v. wantz Schottel 1442; wanze, wanzke, wentel et wandlaus, cimex Stieler 2430; auch bei Gueintz d. sprachl. wentel oder wantz, cimex. in der litteratur des 16. 17. jahrh. kommt das wort auch nur im alemann. gebiet vor, auszerhalb desselben fallen abgesehen von dem in Grenchen lebenden Grimmelshausen nur Fuchs und Lehmann (Speyer, also dem Elsasz benachbart): flüh ursachen der sünd, böse geselschafft, flüh das lotterbeth. nit bysz also unentpfindlich, das du nit entpfindest die wendelen, das ist die arbeitseligkeit, angst und not, so die sünder teglich lyden Keisersberg bilg. 153ᵇ; soll er den zuͦ nacht schloffen an das bett gon und sicht was an dem bett krücht, wentlen lüse und flöhe 206ᵇ; so fürt man in (den pilger) ettwan in ein wüst ellendt bett, das louft vol flöhe, lüsz und wentelen 213ᵃ; flöch, leusz, meusz, und wänteln und ander unfasel has im pfeffer D d 3ᵃ; es seind hundsmucken kommen und wentlen Nachtigall psalter 270 bei Schmidt els. wb. 417; die häringköpff ein zimliche zal an ein faden gezogen, sol man legen under das bet in das strouw oder loubsack, so vertreybt es die wentelen Forer fischb. 6ᵃ; die glyssling ... sind gleich einer waͤntelen 197ᵇ; die flöh und wänteln zuvertreiben Sebiz feldbau (1579) 243; wann einer überland zeucht und kumpt an ein ort, da vil wäntlen seind, so setz er ein geschirr voll kalts wassers under sein beth, so beschürt in kein wentel und lassen in mit rugen schlafen Herr feldbau 117ᵃ; scorpionen in Apulien, leusz in Ungarn, wändeln zu Parisz, mästschwein in Pomern Fischart groszm. 656 Scheible; wendeln im bret (ein spiel) Garg. 262 neudr.; bey den Arabischen wird das thier igil genant, das ist ein wantze oder wentel, die eine schwartze haut hat Thurneisser magna alchymia (Berl. 1583) 2, 27; im summer im höw ligen, im winter uff eim strowsack voll wentellen und lüsen, so ligend gmeinlich die armen hirtlin Th. Platter 13 Boos; das best aber ist zibeta, welches nit allein vor schaben praeservirt, sondern auch dasselbige mit sampt allen andern ungeziffer, flöh, leusz und wäntlen, vertreibt und auszmustert Paracelsus op. (1590) 6, 275; flöhe, fliegen, mücken, wendel, läusz und mäusz machen mehr beschwernusz, als kein zam thier Lehman 1, 462; die grösze oder breyte der fischlausz ist wie eine grosze wendel oder wandlausz Baldner thierbuch 164 Lauterborn; stincken als die wendlen 165; da wisten theils (der Zigeuner) die wantzen oder wändel in ein ander hausz zu baunen Simpl. schriften 1, 194, 8 Kurz (vogelnest 2, 26); es stunden in derselben (kammer) 4 bettladen, der reyhen nach mit so vollen wäntelen oder wandläusen umkrochen, dasz man von schwartzen dupffen, als dero geschmeisz, kaum das holtz ... darvon sehen konnt der frantzösische kriegs-Simplicissimus (Freyburg 1682) 134;
flöh, wentlen und darzu lüsz.
schweiz. schausp. 2, 305, 4942;
Socrates. hola! Strepsiades herfür!
und bring dein bettlein auch mit dir.
Streps. ich kans vor den wendlen nit tragen.
Fröreisen nubes 966 Dähnhardt;
es ist ein thier, das wentel heist,
welchs sich umb das gemawer fleist
zu wohnen.
Fuchs mückenkrieg 2, 827 Genthe.
der Brandenburger Coler kennt die form wantel: cimices, wanzen, wanzeln, wanteln oder wantläuse sind auch einem wirth böse gäste in den betten hausbuch (1640) 220. auch im 18. jahrh. wird das wort in encyklopädischen werken neben den andern formen mit angeführt: die hausz-wantzen oder wand-läuse, welche auch bett-wantzen, bettwändeler (für wändelen) heiszen Zedler 52, 2003; cimex, die wanze, wandlaus, .. an einigen orten wentel Nemnich 2, 1041. selbst Campe kennt es als landschaftliches wort. die schweizerische volkslitteratur gebraucht es noch: von der bäuerin erhielt ich .. das bett ... mit dem bescheid, dasz das wiedergeben nicht pressiere; nur möchte sie nicht, dasz wäntelen hinein kämen Gotthelf 2, 189 Vetter. in redensarten wie wanze: wenn das nüd gued för d' wentela n' ist, was tüfels ist denn gued? Tobler 444; er ist so mager wie eine wentele ebenda; eim ge für d' wendele 'tüchtig durchprügeln', de het für d' wendele Martin-Lienhart 2, 835. die bedeutung ist gewöhnlich 'bettwanze', daneben auch 'mauerwanze' (s. oben Fuchs); im elsäss. auch 'schwarze johannisbeere' (s. wändelbeere und wanzenbeere; die bei Martin-Lienhart a. a. o. noch angegebene bedeutung 'waldweg' gehört wol zu wandeln 'gehen'). das wort wird wol auch wie wanze auf menschen übertragen: in Schwaben nennt man kurze und dicke leute bantleⁿ, wantleⁿ Buck medicin. volksaberglaube aus Schwaben 12.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1910), Bd. XIII (1922), Sp. 1557, Z. 27.

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Zitationshilfe
„wentel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wentel>.

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