Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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werbe1, f.

¹werbe, f.,
in den verschiedenen bedeutungsgruppen auf verschiedene ältere feminina zurückgehend.
1)
'damm, böschung' (˂ mhd. werbe, stf. Lexer 3, 769). dass. wie warbe, f., teil 13, 1985; vgl. auch warf, m., 2 teil 13, 2012f.; in dieser bedeutung vom mhd. bis ins ältere nhd. hinein und noch heute in elsäss. ma. belegt: die grosse und die kleine werbe (1240 u. f., Mundolsheim) Schmidt elsäss. 418ᵃ; an der werben (13. jh. u. f., an vielen orten) ebda; der bachmeister uff dem Muͤlbach sol schweren, ... zu den werben zu luͤgen und die alle jar untz an den obersten ablosz zu megen ... und warzunemen, das nyeman an der werben nach an dem bache ... schaden tuͤge (um 1500) Schlettstadter stadtrechte 2, 434 Gény; der waͤsserer ... soll auch teglichs ein guͦt uffsehens haben uff den graben am kirrbret und am see herab, dasz der selbig mit werben und graben gehalten werd (15./16. jh., Rastatt) zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 3 (1852) 174; dargegen (wäre) aber das egiptisch land ... mit so grossen werben, vorbüheln unnd geschrotnen graͤben versorgt und fürsehen, also was die vorpew und werben abgewendet, haben die graͤben wider an sich gehalten Boner Justinus (1532) 6ᵇ; das wasser Hitaspes war fuͦr sich selbs streng und von den winterregen noch mehr gewachsen, also dasz es den mehrern theil werben und gestaden zerrissen Xylander Plutarchus (1580) 385ᵇ; noch im modernen elsäss.: werb, f., damm, flussdamm, erhöhtes flussufer zum schutz des dahinter liegenden geländes, strassenböschung, ein mit gras bewachsener rain Martin-Lienhart elsäss. 2, 846; warp, f. (am bad. Oberrhein werbe 'uferbau'; mhd. wërbe 'damm, dammstrasze an einem flusz'; vgl. nhd. werft) meist mit gras oder gesträuch bewachsener abhang, rain Mankel Münstertal (Elsasz) 167; ein seltenes wort für 'wasserdamm' ist noch werb (in der els. mundart noch gebräuchlich). es scheint als grundwort erhalten in dem ortsnamen Werben, den verschiedene am wasser liegende orte in Norddeutschland tragen, wohl auch in dem dorfnamen Werwe, der in Oldenburg und Westfalen vorkommt F. Mentz ortsnamenkde (1921) 55; auch 'dammstrasze', s. teil 13, 2013 s. v. warf: derhalben ritt er stattlich mit wenigen auff der gemeinen werbe daher, die sich zur stattmawer lenckt und sahe keinen menschen vorgehen C. Lauterbach Egesippus (1574) 83ᵃ; übertragen 'runzeln': e par wërweⁿ macheⁿ od. schnideⁿ die stirne runzeln Martin-Lienhart elsäss. 2, 846; vgl. auch warwə machə 'die stirne runzeln' Mankel Straszburger studien 2, 279 s. v. warbe.
2)
in wenig belegter sonderanwendung 'kreis, versammlung, kirchliche gemeinschaft'; mhd. warbe, werbe, swf. mhd. wb. 3, 728ᵃ (vgl. ahd. [h]warba, st. sw. f.): so enphâhent sie den touf an irre niuwen warben qu. im mhd. wb. a. a. o.; in neuerer zeit vereinzelt bei Jahn: aus den satzungsmäszigen berichten, deren alljährlich über siebenthalbtausend abgestattet wurden, besasz er (der Jesuitengeneral) den schlüssel zu einer geheimen welt; dazu kamen die schreiben von zweihundert werben (missionen) merke z. dt. volksthum (1833) 101.
3)
technisch für verschiedene drehbare dinge und maschinenteile, vor allem mundartlich (vgl. dazu ahd. uuerba, swf., bei Notker 1, 739, 26 Piper: ex uolubili orbe fone dero uuerbûn).
a)
vertigo werbe (an der thür) (14. jh.) clm. 4350 f. 1ᵇ bei Schmeller-Frommann bayr. 2, 982; vielleicht mask., vgl. werb, m., 2.
b)
'rolle zum aufziehen', dass. wie wirbel C 2 b: man richt ain werben an und ain zug, daran zoch mans heraus (1512/27) dt. städtechron. 25, 244 (Augsburg); werben (werbm) die drehwalze, z. b. an einem ziehbrunnen, um welche sich das sail windet Schmeller-Frommann bayr. 2, 982.
c)
'achse des spinnrades' Fischer schwäb. 6, 1, 686 (vgl. auch verticulus een werue aen die spille [ndl. 1500] Diefenbach nov. gl. 380ᵃ).
d)
'wende am heuwagen, zum befestigen des wisbaums mit dem hinter- und vorderwagen' Fischer schwäb. 6, 1, 686.
e)
'das holz, an dem der schleifstein getrieben wird' Fischer schwäb. 6, 1, 686.
4)
'vertex', 'wirbel' als höchste stelle des hinterkopfes, dass. wie wirbel B 1 a; mhd. wirbe, swf. Lexer 3, 925; vereinzelt belegt in md. quellen: sso hiep her eynen gewopenten man uf eyme pherde von der wirben bis durch den sattel entzwey mit eyme slage J. Rothe dür. chron. 160 Liliencron; glabra (i. vertex) eyn werbe (15. jh., md.) Diefenbach gloss. 264ᵃ.
5)
werbe 'vortex', 'wasserwirbel' wird von mhd. wb. 3, 728, Lexer 3, 769 und Fischer schwäb. 6, 1, 686 ebenfalls als (st) f. gebucht, doch ist es wohl eher als swm.˂ ahd. hwerbo, s. unter werb, m., anzusehen und unter die belege von werb, m., 1 (s. o.) einzuordnen: vortex ... circumuolutio aque wlgariter dicitur werbe (ende 13./anf. 14. jh., obd.) zs. f. dt. wortforschg. 5, 19;
daz ors sô verr hin nider vlôz
...
nu treib ez ein werve her,
daz erz erreichte mit dem sper
Wolfram v. Eschenbach Parzival 603, 5 Lachmann;
und in übertragener bedeutung: so iz (das blut) tzu heiz wirt davon die aderen bresten, di in der nasen sin, so blutet denne di nase. daz ist des heizen blutes werbe (14. jh., anf.) Breslauer arzneib. 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 140, Z. 50.

werbe2, f.

²werbe, f.,
gryllotalpa vulgaris, s. unter werre, f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 142, Z. 5.

werbe3, f.

³werbe, f.,
moderne neubildung zu werben II B 4 b β, dass. wie werbung 2 b γ γγ, schon von Eduard Engel in seinem verdeutschungswörterbuch (1918) neben werbung als übersetzung von 'reklame' und 'propaganda' gebucht: reklame ... werbewesen, werben, werbe, werbung, werbanzeige, anpreisung ... E. Engel entwelschung (1918) 478; propaganda ... werbung, werbe ..., werbtätigkeit, ausbreitung ebda 449; angewandt von dem 'werbwart' Johannes Weidenmüller (vgl. dazu A. Schirmer sprach- u. schriftverkehr d. kaufmanns [1933] 55): was ist grundlage, und wirkmöglichkeit und anfang aller werbe? nachricht — anbietliche nachricht von geschäft und ware (oder leistung) Weidenmüller gesang vom werbewerk (1924) 3 (vgl. auch ebda 28: einwariges werbewerk — einwarige marken-werbe); zur werbe, sammelschrift, herausgegeben von werbwalt Weidenmüller (20. 5. 1924) titel; geschäftliche werbe ebda (20. 11. 1925).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 142, Z. 6.

werben, vb.

werben, vb.
formen und verbreitung. got. hwaírban; an. hverfa, schwed. värva, dän. hverve, norw. kverva; ae. hweorfan, me. wharve; as. hwerƀan, mnd.-mndl. werven, warven, ndl. werven; afries. hwerva, werva, warva; ahd. (h)wërban neben (h)wërfan (vgl. Braune-Mitzka ahd. gramm. [⁸1955] § 139 anm. 5); mhd. werben, werven, werfen, berben (anl. b statt w erscheint in bair. und Nürnberger quellen: altdt. passionssp. aus Tirol 198 Wackernell; Heinrich v. Burgeis d. seele rat 744 Rosenfeld; Füetrer bayer. chron. 238, 24 Spiller; [14. jh.] städtechron. 1, 51; s. auch V. Moser frühnhd. gramm. 1, 1 [1929] 58). der ursprüngliche grammatische wechsel ([h]wirfu oder [h]wiruu — [h]warf — [h]wurbum — gi[h]worban) findet sich, um zusammenfall mit werfen zu vermeiden, zwar schon im Tatian und bei Otfrid ausgeglichen zugunsten des sth. lautes b (vgl. Braune-Mitzka a. a. o. § 337 anm. 3; Michels mhd. elementarb. [1921] 210 [§ 261]), jedoch begegnen in denkmälern der ahd. und mhd. zeit noch häufig unausgeglichene formen mit -f-, vereinzelt tritt im ahd. sogar ausgleich zugunsten des -f- auf (chiwurfi Isidor 30 Hench; gihuuorfan Monsee fragm. 45 Hench). im älteren nhd. scheint sich b in allen formen durchgesetzt zu haben; allerdings leidet die klarheit des bildes unter der einwirkung von zwei andern lautentwicklungen: 1) übergang von spirantischem b zu v im nd. (über den as. ausgleich des gramm. wechsels f — ƀ zugunsten des ƀ vgl. Gallée as. gramm. [²1910] 253 oben [§ 386 anm. 1] und über die nd. weiterentwicklung des ƀ ˃ v Behaghel gesch. d. dt. spr. [⁵1928] 409 [§ 391]); 2) mhd. übergang von verschluszlaut b ˃ w zwischen liquida und vokal im bair. und ndal. (s. Moser frühnhd. gramm. 1, 3 [1951] 115 [§ 137, 2 a], und zum nebeneinander der f-, v- und w-schreibungen vgl. Weinhold bair. gramm. 136 [§ 132 c]; 137 f. [§ 134]). — für die modernen mundarten ist werben nicht sehr reich bezeugt, in den mundartwörterbüchern teilweise als wenig gebräuchlich bezeichnet (so bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 656; Mensing schlesw.-holst. 5, 534; vgl. auch Frederking Hahlen b. Minden 172). im nd. und im angrenzenden sprachgebiet findet es sich mit spirantischem stammauslaut: werven (neben warven s. u.) brem.-nieders. 5, 239; Woeste westfäl. 321; werve Hönig Köln 200; wërve Crecelius oberhess. 2, 905; häufig mit dem stammvokal a: warfen, warven Doornkaat Koolman ostfries. 3, 515; warven brem.-nieders. 5, 239; warwen Dähnert plattdt. 540; Mensing schlesw.-holst. 5, 534; Schambach Göttingen 287; der auch zusammen mit stammauslautendem verschluszlaut auftritt: warben Block Eilsdorf 100. obd. erscheint nur vereinzelt spirantischer stammauslaut im südbair. (s. auch Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus [1933] 252): bārvm Tschinkel Gottschee 112; sonstige buchungen: werben Schmeller bair. 2, 981; Unger-Khull steir. 630; werbeⁿ Fischer schwäb. 6, 1, 687; wɛrbə Meinherz Bündner ma. 192; wǣrbæ Brun Obersaxen 175; wǣrbu Wipf Visperterminen (Wallis) 154.
flexion.
a)
in der 1. sg. ind. präs. hat sich im nhd. gegenüber der normalen form des mhd. (wirbe) der vokal des plurals und des infinitivs (werbe) durchgesetzt (über diesen zunächst vor allem in md. maa. auftretenden, im nhd. schriftsprachlich durchgeführten lautwandel vgl. Weinhold mhd. gramm. ²352 [§ 347] und Nordström stud. üb. d. ausbildg. d. nhd. st. präsensflexion, diss. Upsala 1911): ich werb St. Ritter gramm. germ. nova (Marburg 1616) 64; ich werbe Schottel haubtspr. (1663) 602; während die rede ich ûf sie werbe (: erbe) Reinbot v. Durne hl. Georg 3381 Kraus wohl als form des swv. aufzufassen ist (vgl. glossar ebda 306ᵇ, Lexer 3, 770 und s. u.).
b)
in der 2. u. 3. sg. ind. präs. bleibt die i-form die normale (mitunter mit rundung: [er] würpt Schreittmann probierbüchl. [1578] 3ᵃ; [er] wurbt österr. weistümer 5, 223); daneben kommt nur gelegentlich die e-form vor: du ... werbest Bodmer bei Heynatz antibarbarus 2 (1797) 629; es werbt ein iunger grafen sohn Göthe I 38, 243 W.; besonders in älteren quellen des nord- und mitteldeutschen (s. Behaghel gesch. d. dt. spr. [1928] 442 f.): man werbt Waldis Esopus 2, 47 Kurz; man werbet Petri d. Teutschen weiszh. (1605) K 5ᵃ u. ö.
c)
ähnlich verhält es sich beim imperativ: neben der normalform mit -i- (bzw. mit rundung: würb liederb. d. Hätzlerin 250 Haltaus; kath. kirchenl. 1, 409 Bäumker) tritt nur vereinzelt eine e-form auf: werbe Knigge umgang m. menschen (1796) 2, 157; Heine s. w. 2, 186 Elster.
d)
für die 1./3. sg. ind. prät. erscheint neben der normalen form warb in angleichung an die pl.-formen vereinzelt wurb: er wurb Forster fr. teut. liedl. 195 ndr.; er warb und wurb Schottel haubtspr. (1663) 602; warb (vulg. wurb) Adelung lehrgeb. (1782) 1, 815; gelegentlich auch eine form mit unorganischem endungs-e: er warbe kl. mhd. erz. 59 Rosenhagen; der warbe Wilwolt v. Schaumburg 165 lit. ver.; (sie) warbe Schumann nachtbüchl. 205 B.
e)
der regelmäszige ablautvokal -u- des pl. ind. prät. (vgl. ahd. wurbum; mhd. wurben) findet sich bis ins 17. jh. belegt (noch bei Schottel und Stieler, s. u.), ebenso das seit dem späteren mhd. gelegentlich auftretende, daraus entwickelte o (vgl. dazu Paul dt. gramm. 2, 219): dise ... worben Hesler apok. 16 169 Helm; die ... worben Joh. Rothe lob d. keuschheit 2112 H. Neumann; (die boten) worben Arigo decamerone 104 u. ö. lit. ver.; (sie) worben Wickram knabensp. 101 Fauth; Schottel haubtspr. (1663) 602 verzeichnet nebeneinander wir wurben und worben (wie auch für die 2. sg. prät. worbest neben regelmäszigem wurbest); daneben setzt sich seit dem 16. jh. immer stärker die nach dem sg. prät. ausgeglichene form warben durch: sie ... warben Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 169; (sie) warben buch d. liebe (1587) 335; und verdrängt die ältere form schlieszlich ganz, die Stieler stammb. (1691) 2546 noch daneben bucht: wir warben & wurben. zum ablautausgleich vgl. Strömberg d. ausgleichg. d. ablauts im starken präteritum (obd. denkm. d. 15.—16. jhs.), diss. Göteborg 1907; Alm d. ausgleich d. ablauts im starken präteritum (ostmd.), diss. Upsala 1936; Granmark d. ausgleichg. d. ablauts im starken präteritum (rheinfränk.), Malmö 1933.
f)
im konj. prät. findet sich neben regelmäszigem würbe(n) (im mhd. meist mit unbezeichnetem umlaut) vereinzelt (er) worbe: dt. myst. 1, 203 Pfeiffer; wörbe: ich woͤrbe & wuͤrbe Stieler stammb. (1691) 2546 und wärbe: Steinbach (1734) 2, 1029; ein gott, — er wärbe vergebens um Blaffardine Wieland s. w. 15 (1855) 81; wärb'st du um ihre gunst Shakespeare 6 (1854) 279.
g)
im part. prät. erscheint neben der lautgesetzlichen form geworben vereinzelt gewörben (1470) privatbr. 1, 94 Steinhausen; und gewarben Andreas v. Regensburg 608 Leidinger; sowie das schwach flektierte partizip gewerbet: mit seinen gewerbeten völckern G. Kraus siebenb. chron. 2, 119 (fontes rer. Austriac. I 4), das, nach der hier vorliegenden moderneren bedeutung von werben zu urteilen, nicht auf das alte swv. (s. u.) zurückzuführen, sondern als unregelmäszige bildung zu erklären ist.
bildung und verwendung. werben geht zurück auf die (auszerhalb des germ. nur schwach bezeugte) idg. wz. ku̯erp 'sich drehen' s. Walde-Pokorny 1, 472; Hellquist ³1399; Falk-Torp 1, 438; Franck-van Wijk 789. zum stv. tritt früh ein deverbatives ôn-verbum (s. Schatz ahd. doppelformen schwacher verba in: Germanica [1925] 376; Wissmann nomina postverbalia 1 [1932] 10): got. hwarbōn; an. hvarfa; ae. hwearfian; as. hwarƀon; ahd. (h)warbôn, warpôn; und eine deverbative jan-bildung (s. Wilmanns dt. gramm. 2 [1899] 53 [§ 34]): an. hverfa; ae. hwierfan; as. hwerƀian; ahd. hwarban, (h)werban; mhd. werben. im ahd. ist das jan-verb noch häufig belegt: inti uuarbta iogiuuelih in sin hus (et reversi sunt ...) Tatian 119, 13 Sievers; überwiegend in transitivem gebrauch (vgl. dazu die ähnlichen verhältnisse bei gewerben, swv., teil 4, 1, 3, 5569) im sinne von 'drehen, bewegen, wenden': den himel uuerbest uersas celum Notker 1, 38, 12 Piper; diu uuerdent keuuerbet ebda 1, 193, 24; vereinzelt auch noch mhd.: die rede ich ûf si werbe (:erbe) Reinbot v. Durne hl. Georg 3381 Kraus. das stv. hat ursprünglich die bedeutung '(sich) drehen, (sich) wenden' (I A); daraus entwickeln sich früh die abstrakteren 'sich bewegen' (I B), 'umgehen, verfahren' (I C), 'leben, handeln, geschäfte betreiben' (I D) und 'etw. betreiben' schlechthin (I E). dem neueren dt. wird werben im sinne von 'sich um etw. bemühen' geläufig (II), besonders in den anwendungen um eine frau werben (II B 1), soldaten werben (II B 3 b) und werben 'propaganda treiben, reklame machen' (II B 4).
I.
im älteren dt. begegnen zahlreiche anwendungen, die später unüblich werden.
A.
sich drehen, (um)kehren.
1)
'sich (um eine achse) drehen', 'kreisen', 'schwingen' (vgl. wirbel). vom ahd. bis ins ältere nhd. belegt, danach nur noch mundartlich nachgewiesen: rotabitur uuiriuit, uuiruit, vuirbit (9.—11. jh.) ahd. gl. 1, 412, 31; 408, 38; 404, 36 St.-S.; nam ut orbium circa eundem cardinem sese uertentivm. qui est intimus ... also dero manigôn ringo dîe an demo rade umbe einen steft uuerbent. ter under allên der innerôsto ist ... Notker 1, 277, 28 Piper; atque ab ipso. s. axe. totam ce̜li molem machinamque torqueri ... unde an iro uuerben alla dîa heuigi des uuereltzimberes ebda 1, 839, 24;
ob den rippen
ligent zuo sculteren,
da die arme ana weruent,
suenne si sich ruͦerent
genesis 339 Dollmayr;
die zwo pfannen, da er (der waagebalken) innen wirpt, sollen in zween pfosten versenckt ... seyn Schreittmann probierbüchl. (1578) 41ᵃ; darnach richt das kloͤblin (der waage) zu ... und die zwey öhrlin, darauff der nagel schwebt oder würpt, sollen auch scharpff, glatt unnd gehert seyn ebda 3ᵃ; in moderner ma.: węrəvə sich drehen Münch ripuar.-fränk. 86; reflexiver gebrauch bleibt vereinzelt: dann das mundstuck wirbet sich nit H. F. Hörwart v. Hohenburg v. d. ritterl. kunst d. reiterei (1581) 59ᵇ.
2)
'zurückgehen', 'zurückkehren'. für lat. 'reverti', 'remeare', 'redire', häufig im ahd.: remeat uuirfit, uuiruit, afur huiruit (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 241, 13 St.-S.; pisliften kilauba uuiruit lapsis fides reuertitur Murbacher hymnen 55 Sievers (25, 6); non est inventus qui rediret et daret gloriam deo nist fundan ther dar uurbi inti gabi guollichi gote Tatian 160 Sievers (111, 3); meist mit richtungsangabe: reuertar in domum meam ih huuirfu in miin hūs danan Monsee fragm. 11 Hench (7, 13); et sic ad caelestam sedem cum carne humana remeauit sigihaft giʰuuorfan in mannes lihhamin za demo sinemo himilischin sezzale ebda 45 (28, 27); reversi sunt in Galileam in civitatem suam Nazareth vvurbun thô zi Galileu in ira burg Nazareth Tatian 27 Sievers (7, 11);
joh er vuurbi thuruh not   fon beche hera uuidorort,
fon hellono thiote auur zi thesemo liohte
Otfrid III 24, 99 Kelle.
3)
'sich in einen neuen zustand verkehren, wandeln'; 'sich einem neuen zustand zuwenden, etw. beginnen'; mhd. und vereinzelt im älteren nhd.:
sone darft du, süeziu maget, mich niht frâgen von minne:
dir wirt wol âne frâge bekant minnen flust und ir gewinne.
nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:
tuo der minne ir reht, ê diu minne uns beide in (den) herzen verderbe
Wolfram v. Eschenbach Titurel 68, 3 Lachmann;
ordiri werben, an tragen, peginnen (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 273ᵇ;
geliebt euch meher denn zu trinken
...
und ihr werbt kurtz hernach ins hinken,
gerahtet in derselben plag',
ihr niemand denn belangen sollt,
weil ihr es selber habt gewollt
Wencel Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 504.
4)
im übergang zu bedeutung I D frühnhd. sich werben 'sich umtun, sich rühren': von siben gaistlichen märckten, auff denen sich ain guͦtter Christen mensch werben mag, vnnd grossen gewyn seiner seelen überkommen, der ymmer öwig ist Keisersberg pred. teutsch (1508) 45ᵃ; so werbt auch euch, das ir volk aufpringt, als ir aller maist gehaben mügt, und so wir von im komen, mügt ir in wol an ewren schaden slahen Ulrich Füetrer bayer. chron. 119, 5 Spiller; so warb sich Hanibal der hauptman von Carthago wider und zoch mit sybentzig schiffen uff die Römer Schäferlin Livius (1514) 91ᵃ; auch sich werben um kriegsleute: die Venediger ... haben drüber sich umb kriegsleut und oberste geworben Stumpf Schweizer chron. (1606) 1, 30ᵃ (vgl. dazu sich umwerben sich um die sammlung eines heeres bemühen Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 40 602 Keller, s. v. umwerben teil 11, 2, 1267).
B.
abgeblaszter 'sich bewegen' schlechthin.
1)
'sich bewegen', 'gehen'; schon ahd.: quoniam ego in innocentia mea ambulaui ... vuanda ih under in uuarb in unsundigi Notker 2, 81, 5 Piper; nicht selten im späten mhd. und älteren nhd., danach nur noch vereinzelt:
manigen man werven sach
ungevangen ûf dem wal hie
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 17162 Seemüller;
ein haͤfftigs werben vnnd nahin lauffen ambitus acrior Maaler teutsch spraach (1561) 489; we̜rəvə hin und her gehen ... in bewegung sein Münch ripuar.-fränk. 86 u. 46. auch hier meist mit richtungsbezeichnung:
syne flucht her do angefing ...
in eyn schif begunde her werbin,
daz zcu Jherusalem wolde var
Rothe passion 158 Heinrich;
ye lieber mir der knab ist,
ye mer sorgen zu aller frist
muͦsz ich, das er nit sterb
oder sunst von mir werb
liederb. d. Hätzlerin 90 Haltaus;
nun so der (jung-)brunnen ist erfunden,
so seindt wir doch so nötlich kunden,
das wir ee von alter sterben
ee das wir nach dem wasser werben
Murner badenfahrt 26, 16 Michels;
ich versetz euch mein leib vnd blut,
so wol mein ritterliche handt
mit sampt der seel zu einem pfandt,
das ich wil all mein lebenstag
eurm befelch steht kommen nach
...
vnd ich wil nicht von hinnen werben,
bisz so lang thut der könig sterben
Jac. Ayrer dramen 1622 Keller;
daher die alten Roͤmer die maͤrckt mit sonderbaren privilegien begnadet, also, dasz alle dahin werbende sicher geleit hatten P. Negelein v. bürgerl. stand (1607) 91; mit hineinspielen der bedeutung 'um einen menschen werben' vgl. u. II B 1:
querüber übers wasser glatt
lasz werben deine äugelein,
und der dir wohlgefallen hat,
der soll dein lieber buhle sein
Eichendorff s. w. (1864) 1, 472.
2)
vereinzelt findet sich werbend im frühen nhd. im sinne von 'reisend': so sollen die Milser die lantstrasz versorgen und machen neben irem veld auf ..., wo si aber das nit thätten, so migen die wagen und werbend leit ihren zaun wol aufprechen und über veld fahren (17. jh.) österr. weisth. 3, 153.
C.
umgehen (mit jem. bzw. etw.).
1)
werben mit (samt) jem. 'verkehren mit jem.', vgl. lat. conversari cum aliquo, wonach conuersantibus uuerbenden, uuerbenten (9.—11. jh.) ahd. gl. 1, 714, 52 St.-S.: innocentes et recti adheserunt mihi vnsundige unde grehte haftent ze mir. nals niêht so iniqui (gl.: unrehte), diê oûh sament mir uuerbent. nube iro herzen sint sament mir Notker 2, 80, 17 Piper; auch später nur vereinzelt:
sich krenkent frowen unde pfaffen,
daz si sich niht scheiden lânt.
die den verschampten bî gestânt,
die wellent lîhte ouch mit in schaffen
...
wê, daz zwên als edele namen
mit den schamelôsen werbent!
sicherlîche si verderbent,
sine wellens sich erschamen
Walther v. d. Vogelweide 45, 34 Lachmann-Kraus;
wo lüt mit einander werbend, die ledig, vnd daz inen kind mit einander werdend (1500) weistümer (1840) 4, 380.
2)
verfahren
a)
mit etw.:
wie die Salzpurgære
wurben mit der wal,
daz si zeinem mâl
zweier herren wielten
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 2223 Seemüller;
in gerichtssprachlicher sonderanwendung 'gerichtlich verfahren, verhandeln': etwâ ist gewanheit, daz man anders dâ mit wirbet Schwabenspiegel 85 Wackernagel; wer also spricht. ich wedirwerfe dys orteyl wenne is ist vnrecht. vnd tzyhe is dohyn, do ich is tzu rechte hyn tzyhen sal. das ist vor den richter der daz gerichte hat. do sal man mete werben. alse hyuor gesprochen ist d. alte kulmische recht 193 Leman.
b)
verschiedene konstruktionen, die im nhd. ebenfalls nicht fortleben, finden sich im mhd. auch für die bedeutung 'mit jem. verfahren, an jem. handeln, jem. behandeln'; werben mit:
sus kundens mit im werben
Wolfram v. Eschenbach Parzival 788, 30 Lachmann;
dar nach entbot Antonius
der selben samenunge alsus,
diu so harte mit dem bruder warb: ...
väterbuch 2173 Reissenberger;
werben an: ir sult wizzen, daz ich wil gote klagen ..., daz die herren von Marburg also umbischeidinliche an mir arman hant giworbin (um 1300) hess. urk.-buch I 2, 1 Wyss; merkwürdig ist die konstruktion mit über (s. Wiessner in: PBB. 26, 391):
dô sprach der degen Herwîc: 'war tuost dû dînen sin?
die mîne triutinne die wil ich vüeren hin.
werben, swie wir künnen, über unser vrouwen'
Kudrun 1257, 3 Symons;
auch der genitiv begegnet vereinzelt: er bii nacht gewegelogit hat und ouch der hern und der burger unredelichen geworben hat (um 1400) urk.-b. d. st. Freiberg 3, 200 Ermisch.
D.
'tätig sein'.
1)
'handeln, arbeiten, wirken' in allgemeiner anwendung.
a)
'handeln, sich betätigen', vor allem im mhd. und älteren nhd. geläufig:
ich ...
... enwil mîn houbet nimmer ê gelegen,
ih enwerbe nâch ir willen
Nibelungenlied 304, 3 Bartsch-de Boor;
sô wirbe ich anders, danne ich sol
Gottfried v. Straszburg Tristan 139 Ranke;
und dô der keiser erstarp,
ich sage iu, wie der prinz warp:
siner vetern er sich underwant
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 1138 Seemüller;
substantiviert im sinne von 'handeln, tätigsein': dann alles jhr thun und werben was umb gut B. Hertzog chron. Alsatiae (1592) 2, 63; wir muͦssen in dieser welt in diesem muͤhseligen jammerthal mit werben und werken umgehen, wir sollen nicht in loͤcher, klausen und winkel kriechen Jac. Böhme s. w. 4, 193 Schiebler;
nein, ein blutig ernstes werben
mit den breiten blanken klingen!
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 185.
werben wider jem. (etw.) 'gegen jem. (etw.) wirken, tätig sein, handeln':
ez het wider ir hulden
geworben alsô sêre Hagen der überhêre,
daz siz lâzen niht enkunde sine müese bî der stunde
rechen allez daz ir was
klage 115 Lachmann;
in leitlîchen sorgen sprach dô Dietrîch:
wie habt ir sô geworben, Gunther, künic rîch,
wider mich ellenden? waz het ich iu getân?
Nibelungenlied 2329, 2 Bartsch-de Boor;
wissend, der von Urach hat zwen kortisan ligen zü Röm, dy werben hert und vast wider unssz und uch (15. jh.) privatbr. 2, 59 Steinhausen; und das er, noch niemans um sinen wegen daͧwider nit tuͦn noch werben sölle dokum. z. gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 2, 131 Gagliardi; werben für jem. 'für jem. tätig sein, handeln': er solte alle klagepfeil wider Henricum seinen herren richten vnd für sich selbs anhalten vnd werben Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 171ᵃ;
die aff sahe jn vnd rieff jm nein
vnd sprach: 'kompt her, herr Eisengrein,
schawt meine kindt, die jungen erben,
sein werd, das wir auch vor sie werben'
Burkard Waldis Esopus 2, 31 Kurz.
meist mit genauer bestimmung bzw. wertung der handlungsweise oder auch des verhaltens, so schon ahd. und sehr häufig im mhd. belegt, später nur noch vereinzelt: congregatio taurorum inter uaccas populorum ut excludantur diê selben heretici danne uuerbent also manige pharre under diên liûtchuôn Notker 2, 261, 9 Piper;
alsus stal er sich dan
und warp rehte als ein man
der êre mit listen
kunde gevristen,
und kom dâ er die knappen vant
Hartmann v. Aue Iwein 946 Benecke-Lachmann;
sô werbet rîterlîche
Wolfram v. Eschenbach Parzival 546, 22 Lachmann;
diu werlt mit valsche wirbet
Fridank bescheidenheit 228 Bezzenberger (177, 19);
(sie) zabiltin unde krischin
und jâmirlîchin wurbin,
sô lange unz sî irsturbin
Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 1604 Strehlke;
'viriliter agite' etc., daz sprichet: kuͤnlich und manlich werbent und heint ein keches hertze ir alle, die gotte getrúwent! Seuse dt. schr. 459, 21 Bihlmeyer; der alte mann sprach aber zu Adelgers boten: ... hiebevor, da ich des herzogen war, rieth ich im je das beste; er gab mich dem (römischen) könig hin, daran warb er übel br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 109; auch im partizip:
got hete dem meier gegeben
nâch sîner ahte ein reinez leben.
er hete ein wol erbeiten lîp
und ein wol werbendez wîp
Hartmann v. Aue armer Heinrich 298 Paul;
sowie in substantivierter form, wobei die nähere bestimmung als adjektivischer zusatz auftritt:
ir strîtlîches werben
saste sich ze grôzer wer
Reinfrid v. Braunschweig 16214 Bartsch;
ich fynd so vil manheit und ritterlichs werben von jnen (den Deutschen) beschryben, dasz sie in dem für all nation gelobt syen Schäferlin Livius (1514) 1ᵇ; s. auch ebda 51ᵇ; unnd wasz ein grosz werben und hanndthierung umb die schiffe mit leuten F. Faber eigentl. beschr. (1557) 173ᵇ. gelegentlich erscheint werben in der verbindung leben und werben u. ä., wobei es sich der bedeutung von 'leben' annähert:
wann so jr laͤben vnd werben
nach dem fleysch, so waͤrd jr sterben
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 76 Bächtold;
... der einige ewige gott vnnd schoͤpffer ist aller dingen, der himel, erden, mer vnd was dar innen ist, vnd vns menschen zu seiner bildnusz ausz nichten erschaffen habt vnd durch seine krafft allein erhaltet, in dem wir lebenn, werben vnd seind Hermann v. Wied reformation (1545) 15ᵃ; wir ... befliessen ... den lieben friede ... zu halten, damit ein jeglicher eintraͤchtiglich leben vnd werben moͤchte engl. com. u. trag. (1624) A 5ᵃ; auch substantiviert im sinne von 'tätiges leben':
dasz mancher feiner kuͤner man
durch sein jung gmuͤt vnd hitzig gbluͤt
verreitzt, darin also verwuͤt,
dasz er sehr kurtz darvon wird sterben,
wan er noch ist im mitteln werben
Fischart Gargantua 455 ndr.;
zurück die scheidewand, die jenes treiben und werben und leben da drauszen unüberschreitbar trennt vom heiligthume der natur H. v. Barth nördl. Kalkalpen (1874) 510.
b)
oft auch geradezu im sinne von 'arbeiten'; so mhd. und frühnhd.:
sus lac er bi dem wîbe
vil lange naht und den tac
...
er lie den wagen und den pfluoc
sô lange darumbe stille stên
daz im zuo begunden gên
sîne vriunde alle unde jâhen,
dô si in ligen sâhen,
er wolde gar verderben
und hiezen in werben
als einen andern sînen genôz
Stricker mären 38 Rosenhagen;
Marîâ die verturbe,
ob Marthâ niht enwurbe,
mit arbeit sie sich muowet,
Marîâ suoze ruowet,
ze gotes fuozen sie liget
Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 170 Bechstein (4694);
do teiltend sy angentz das gelend under sich selbs, do fieng yeglicher an, in sinem teyle ze hacken, ze rütten und ze werben, damit sich dann yeglicher vermeinent zuͦm besten ze neren Etterlin kron. d. eydtgnoschaft (1507) 10ᵇ; will man yhn helffen, so mus man ... christlicher liebe gesetz an yhn uben und sie freuntlich annehmen, mit lassen werben und erbeytten, da mit sie ursach und raum gewynnen, bey und umb uns tzu seyn Luther 11, 336 W.; einer fragte d. M. L.: wenn ein armer geldes nothdürftig wäre und hätte kein pfand, möchte er auch für seine geschicklichkeit zu werben geld aufnehmen? slg. Khummer bei Luther tischr. 4, 525 W.;
ja, sie (die frau) soll werben staͤts zu haus,
gleich wie der man mus werben draus
Fischart w. 3, 154 Hauffen;
der uns auch die vernunfft fuͤr andere thier gegeben, darmit wir hie auff erden schaffen und werben können M. Stephanus Vigilius de rebus memorandis (1566) A 3ᵃ. mitunter tritt der nebensinn des erwerbens stärker hervor:
sein gschlecht muͦsz all verderben,
sich nehren mit dem bettelstab,
als die nicht koͤnnen werben
vnd muͤssen hungers sterben,
bei allen menschen sind schabab
Burkard Waldis psalter (1553) 200ᵃ (ps. 109);
des sommers solln wir fleissig werben,
das wir nicht moͤgen hungers sterben
im winter
ders., Esopus 1, 128 Kurz.
c)
sprichwörtliche wendungen zu den bedeutungen a und b:
swie die liute wurben,
sie lebeten unz si sturben:
unt swie si noch gewerbent,
si lebent, unz si sterbent
Fridank bescheidenheit 226 Bezzenberger (175, 24);
manic man erstirbet
dar nâch, als er wirbet,
der niemer übele stürbe,
ob er rehte würbe
ebda 229 (178, 3 und 5)
(vgl. dazu:
wie die leut auff erden werben,
ist billich, dasz also sterben.
man spricht, darnach der mann wirbet,
darnach er auch gwonlich stirbet.
wer allzeit wol und rechtes thuͦt,
des leben endt sich auch mit guͦt
Seb. Brant Freidanck [1539] 38);
wer hie uff erden falschlich wirbt,
ob er denn unrecht todes stirbt,
das sy den wilden gensen clagt
Hermann v. Sachsenheim mörin 1103 Martin;
darnach einer wirbt,
darnach er stirbt
d. dt. sprichw. 535 Simrock.
hierher auch:
wer nicht wirbt,
der verdirbt
Konr. Cordatus bei Luther tischr. 2, 619 W.;
trinck wein vnd werb,
trinck bier vnd verderb,
trinck wasser vnd sterb:
so ist besser wein getruncken vnd geworben
den wasser getruncken vnd gestorben
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Tt 7ᵃ;
wirb,
das gluͤck ist muͤrb
Lehman floril. polit. (1662) 3, 491;
vgl. auch Binder sprichw. 214; Rother schl. sprichw. 328ᵃ.
d)
'wirken', 'eine wirkung ausüben' mit unpersönlichem handlungsträger; vor allem im mhd. und frühnhd. bezeugt.
α)
absolut: wo die nature bevindet der helfe, so verlot sú sich daruf ... und enwúrket nút also flissekliche ... und also so sú unsicher ist aller helffe, so wirbet sú und wúrcket sú und hilffet ir selber Tauler pred. 99 Vetter; wo tapferkeit und mut werben, kann sich leicht der mürbe greis den schädel zerschlagen Klinger w. (1809) 2, 303; in formelhafter verbindung werbende ê 'das in kraft stehende gesetz':
daz loz nach werbender e
uf diselben tochter quam
passional 254, 70 Köpke;
hierher wohl auch in abgeblaszter bedeutung die wendung es ist also geworben 'es ist so geschehen':
es ist also gewolben (l. geworben),
das an mir sind verdorben
zwen herliche namen
...
ich was ain magett und vatters kind,
die paide an mir verdorben sind
Heinrich v. Neustadt 7 Singer (Apollonius 285).
β)
mit präpos.; werben auf 'wirken auf':
daz (fleisch) mit grozen unkusten
uf die sele wirbet,
biz iz mit ir vortirbet,
daz sie beide tot beligen
Heinrich v. Hesler apokalypse 8097 Helm;
werben an 'seine wirkung üben an':
da werben die namen dri,
der vater, sun und der geist,
an dem ammecht aller meist
und an der wandelunge
Heinrich v. Hesler apokalypse 13108 Helm;
ein sûche an der reise
mit alsulchir vreise
in angewant und an im warb,
daz er ûf dem wege starb
Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 17149 Strehlke; s. auch ebda 21106.
2)
negotiare, geschäfte treiben, ein gewerbe treiben (bes. vom kaufmann).
a)
in absolutem gebrauch vom ahd. an bis ins nhd. bezeugt: qvoniam non cognovi negociantes uuanda ih nebechnata die in iro unmuozzechêit uuerbinte Notker 2, 279, 5 (gl.) Piper; abir her rûfte sîne zcên knechte, her gap en zcên pfunt und sprach zuͦ en: werbit biz daz ich kuͦme Matthias v. Beheims evangelienb. 163 Bechstein (Luk. 19, 13); gleich wie die kauffleüt werben Boner Justinus (1531) 34ᵇ;
(dies lied) singt uns ein kaufman gnant,
der ouch wirbt uf dem land
volksl. 373 Uhland;
weyl im krieg vnnd zu boͤsen zeiten nicht gut freyen, kinder ziehen, hauszhalten, handeln, wandeln oder werben ist Mathesius hochzeitpred. 257, 24 Loesche; dannet hin so gibt das wasser guter gelegenheit allerhant guter wahren von einem ort ins ander koͤmlich zu fertigen und zufuhren und mit einander zu handlen und zu werben Mattheis Quad enchiridion cosmogr. (1604) 123; solche leute, deren vorrath und vermögen allein in solchem gelde bestehet, das sie gesamlet und erübriget haben, und aus standesgebühr und beruff nicht werben und handeln können Mengering gewissens-recht (1653) 581;
Pätus liesz ihm neulich tauffen einen lieben jungen erben;
diesen wolt er bald von jugend lernen handeln, lernen werben
Logau sinnged. 309 lit. ver.;
Cypripor, der lose gast,
mag sich hundertmal verwandeln,
schieszen, jagen, werben, handeln,
hier ist laͤngst der schlusz gefaszt
Gottsched ged. (1751) 1, 255;
von jugend auf bedacht, arbeitsam, mäszig,
...
noch jetzo warb und schafft' er (ein kaufmann) unabläszig
Uhland ged. ⁴⁷445.
dazu mhd./frühnhd. werbender (man) 'handels-, geschäftsmann':
sî nâmen wuocher dar an
sam zwêne werbende man:
sî pflâgen zir gewinne
harte vremder sinne
Hartmann v. Aue Iwein 7194 Benecke-Lachmann;
wie kunde ein werbender man
sin kint so schone erzogen han,
ezn müeze uz edelem herzen gan?
Gottfried v. Straszburg Tristan 4092 Ranke (vgl. auch ebda 2298);
die werbenden ausz dem tempel tryb erste dt. bibel 1, 434 lit. ver.; damit des reichs strausz, der werbennd man, der gebawrsman unnd maͤnigklich in dem frid gehannthabt und beschiermt wurd (1474) Frankfurter reichscorr. 2, 329 Janssen; dann ein werbender muste in allweg mer dann der gemeinman daran geben (1514) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 114 Franz; das ... die werbenden in stetten auch jr abteillung habenn sollenn teütscher nation nodturfft (1523) D 4ᵇ; dem gemeinen hanntirenden vnnd werbenden man vnd ander wandelbar lewt (1524) Diefenbach - Wülcker hoch- u. niederdt. wb. 893; vereinzelt spricht man auch von werbenden koufliuten:
des pflegen munche huͤte:
sie riten oder loufen,
sie koufen, sie vorkoufen
und haben allez daz veile,
daz die werlt hat zu irme heile
glich werbenden koufluten
Heinrich v. Hesler apokalypse 6637 Helm.
b)
werben mit etw. 'mit etw. handeln, geschäfte treiben' (mhd., älteres nhd.):
'...
ross und das gewant mein,
fraw, das nempt alles hin
und gebt mir daz halb prot ...'
...
dye fraw zornigchleichen sprach:
'ich chan nicht mit rossen werben,
da pey mein chind müsten sterben ...'
märterbuch 67 Gierach (v. 3445);
es were dan, das ein hoffgesinde, ein erbar man oder ein amptman brauwete oder schenkte oder mit seiner habe wurbe als ein ander burger (14. jh.) stadtrecht v. Eisenach 26 Strenge-Devrient; und wo uber solichs etwas uberigs ... wer, dasz sollichs armen burger allein zu not, nit dormit ze werben, mit gnugsamer versichrung on zins ein zit lang furgesetzt werd (1525) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 260 Franz; die goldschmid und die saltzluͤt, so mit saltz werbend (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 340ᵇ.
c)
mit akkusativ; geschäfte u. dgl. werben 'geschäfte erledigen, abwickeln' (mhd./frühnhd.): wande elliu dinch unde diu geschaefde, diu die lvͤte waerbent dicke vergaezzen waerdent unde ouch verderbent, davon so ist not, swaz man wirbet daz man daz guͤter 'gehugnusse' enpfaelhe mit der schrift, daz ez staete belibe (ende 13. jh.) stadtbuch v. Augsburg 1 Christ. Meyer; guter freundt, eroͤffne mir die pforten, denn ich hab geschaͤfft zu werben, die dir vnd allen Frantzosen zu gutem erschiessen sollen buch d. liebe (1587) 20ᵈ. '(gewerbe) treiben': das all ir burger ... möchtind werben und tuͦn alle handwerch Richental Constanzer concil 33 lit. ver.; wann ieglicher frömder mocht triben und och werben, was er wolt ebda 182; die jugend lernet am ersten des teuffels handwerck, ehe sie was anders werben lernet Jac. Böhme vom dreyfachen leben (1682) 263.
E.
etw. werben etw. ausrichten, betreiben (vgl. D 2 c).
1)
etw. ausrichten, erledigen (von einem boten gesagt).
a)
eine botschaft werben 'eine botschaft ausrichten' (vgl. dazu werber 1 b γ und werbung 1 c β); schon im ahd. nachweisbar, im mhd. und älteren nhd. reich belegt, im 19. jh. noch vereinzelt in altertümelnder sprache: angelus bota scaf huuarf Monsee fragm. 68 Hench (41, 5);
herre, gevüeget irz also,
daz min her Tristan, der hie stat,
der da ze hove künde hat,
iuwer boteschaft da werben wil
Gottfried v. Straszburg Tristan 8527 Ranke;
Gabrîêl dûtet alsô vil alse ein sterke gotis, wanne her warp die grôzen botschaft zu unser vrowen dt. mystiker 1, 208, 33 Pfeiffer; wenn einer treffenlich botschafft zewerben gesandt wirdt: geburt im ordnung zeuben nach der zyt vnd statt Fr. Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) a 5ᵃ; wyr mussen der schrifft gewonen, das angelus, wilchs wyr eyn engel heyssen, ist eygentlich szo viel gesagt, als eyn bote, nicht eyn boteleuffer, der brieffe tregt, szondern der gesand wirt mundlich tzu werben die bottschafft Luther 10, 1, 2, 166 W.;
(die alt kupplerin:)
hoͤrt, junge fraw, an euch ich han
ein heymliche bottschafft zu werben:
ein jung mann thut in lieb verderben,
dem jr sein hertz gar habt besessen
H. Sachs fastnachtsp. 57, 165 ndr.;
das jr die botschafft werben müst,
dasselb ist vnuerborgen mir
Spreng Ilias (1610) 8ᵃ;
wir wuͤrben unsre botschaft lieber erst.
lasz uns das steh'nden fuszes hier vollbringen
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 1, 142;
werbt eure botschaft! die versammlung hier
kann euch nicht stören, sind es doch die meinen!
Uhland ged. 118;
was werbt ihr nun botschaft für könig Rothar? R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 189.
b)
ebenso etw. werben etw. ausrichten, besorgen, erledigen; im mhd. und älteren nhd. häufig bezeugt:
als ich an si gesende
den lieben boten mîn,
jô wurbe ichz gerne selbe,
wær ez ir schade niet
Kürenberc in: minnes. frühl. 10, 13 Vogt-Kraus;
item 2 scot eyner armen frauwen vom Elbinge, dy von unserm homeyster eynen bryef warb Marienburger tresslerb. (1399—1409) 498 Joachim; so deser czeiger (der vorzeiger, überbringer dieses briefes) daz an euch auch muntlichen werben wirt (1451) lehns- u. besitzurk. Schlesiens (1881) 1, 414 Grünhagen-Markgraf;
(die meyd spricht:)
er hat mich offt beten, ich solt
euch von im einen grusz ansagen,
nun hab ichs nie nicht dörffen wagen
(die fraw spricht:)
ey, warumb hast dus nicht geworben?
H. Sachs 17, 5 lit. ver.;
Eliezar aber, Abrahams bottschafft, wolte weder essen noch trincken, bisz er seine sach geworben hette Mathesius hochzeitpred. 58, 12 Loesche;
secht! dorten kommt Waltwitt herein,
ein gfangener heid drinn ausz der statt.
den hört, was er zu werben hat!
villeicht bringt er euch gute mer
Jac. Ayrer dramen 1443 Keller;
der Wascha warff jm (dem gesandten) fuͤr, da sein herr etwas bey dem sultan zu werben hett, so gebuͤhret es sich, dasz er ansehliche leut schicket Schweigger reyszbeschr. (1619) 87; was man erlangen wil, musz man durch angeneme botschafter und unter verdecktem schein werben und auswirken Harsdörffer gesprächsp. 4 (1644) 60; auch mit dasz-satz: sie schickten zu Neidharten aber einen herolt, der warbe, das er, wo er anderst verwilligt, zu dem bischof mit gleit in ein gesprach kumen solt Wilwolt v. Schaumburg 165 lit. ver.; dazu das werben das anliegen:
'einen weg vil verren
bin ich da her gegangen.
woͤlt ez iuch nit belangen,
ich sagte iu werdiu mære,
was min werben wære'. —
'ich hoͤre ez gerne. nu sage an!' —
'herre, ich suͦche einen man,
den weiz ich wa ich in vinde ...'
Ulrich v. Türheim Rennewart 511 Alfr. Hübner (v. 34418).
c)
frühnhd. werben nach jem. (unter ersparung von botschaft) 'nach jem. schicken': nach ettlichen tagen eroffnet Wernherus im, us was ursachen er nach im geworben hette Oheim Reichenauer chron. 13 lit. ver.; derhalben ain ersamer rat sampt der gmaind von Zürich nach im (Zwingli) geworben, damit sy von im als ainem guͦten hirten in die waid gottes worts gefuͦrt ... werden Kessler sabbata 90 hist. ver. St. Gallen;
min frouw, lasz mich nit also sterben!
thuͦ mir nach minem doctor werben,
das er koͤmme von stunden an,
dann ich min hoffnung zuͦ jm han
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 29 Bächtold;
als aber hernach dergleichen unruhen kain ufherens, ist er (graf Zimbern) verursacht worden und hat nach einem schwarzkünstler im Turgew, genannt Jacob Holzer, geworben Zimmer. chron. ²4, 84 Barack.
d)
hierher wohl auch spätmhd. jem. werben 'jem. durch boten einladen (zu einer wichtigen beratung u. dgl.)': auf den selben freytag kamen die kuͤrfursten gen Raynss an dem Reyn, do ein kuͤng stul stet und do man ein kuͤng erwelt, und do hin buͤrden aller menleich geborben, di zu dem tag kumen waren (2. h. 14. jh.) städtechron. 1, 51 (Nürnberg); man sagt, der römisch kaiser, unser allergenedigster herr, der hab die obgenanten fürsten zusamen geworben von hertzog Ludwigs wegen von Bairn, den woll er straffen umb das übel und unrecht, das er begangen hat (mitte 15. jh.) städtechron. 5, 237 (Augsburg) (vgl. auch ebda: die haben gesagt, wie dasz die von Augspurg mit in geredt und sie darzu auch geworben und bestelt haben); in gerichtssprachlicher sonderanwendung: wer (im gerichtslocale) sprechen wil, der sol die lewt heraus für die want werben und sol da sprach haben qu. a. d. j. 1370 bei Schmeller bayer. wb. 2, 982 (vgl. auch: niemant sol reden, neur die daz recht sprechent innerthalb der vier went in dem rechthaus, und wer sprachen wil, der sol die leut herauz füeren für die want und werben, und sol da sprach haben [1340] Münchener stadtr. 91 Auer [art. 235]).
2)
etw. ins werk setzen, ausführen, betreiben, ausüben, machen, tun (vgl. dazu werber 1 b α—β und werbung 1 c α); im mhd. und älteren nhd. bezeugt:
dirre werlde si entrinnen   daz si ze helle iht brinnen,
daz sol man weruen   mit guoten werchen
genesis 110, 11 Diemer;
Artûs warp ein hôchgezît
Wolfram v. Eschenbach Parzival 774, 13 Lachmann;
sît ir hie werbet mînen tôt
ebda 606, 16;
vor unsen herren meister und rate zuͦ Straspurg die sache zu werbende und tribende noch ires vorgenanten antwerkes nutz und notdurft (1400) Schmoller Straszburger tucherzunft (1879) 18; also koment zuͦ ime (dem papst) gein Avion der künig von Frangrich und der künig von Zipern und swuͦrent vor dem bobeste, dise merfart zuͦ tuͦnde und zuͦ werbende also verre sü möhtend (15. jh., anf.) städtechron. 9, 858 (Straszburg); herr, ir waͤrbend ein sach, die mit recht nitsin mag, dasz ein abt an zweien orten abt sigi (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. 1734) 1, 156; derselb, (der) das recht wurbt, der soll darzue bitten die geschwornen (17. jh.) österr. weist. 5, 223; etw. werben zu jem. 'bei jem. etw. durchzusetzen suchen':
Artûs warp herzenlîche
zer messenîe dise vart
Wolfram v. Eschenbach Parzival 651, 2 Lachmann
(vgl. dazu:
Gynovêr diu kurteise
warp zen frouwen dise stolzen reise
ebda 651, 6);
auch mit satz-objekt:
doch wiste er och der Juden hass,
das sú giengent uf das
varend und werbent
das Jhesus muͤste sterben
schweizer Wernher Marienleben 131 Päpke-Hübner (v. 8081);
substantiviert:
daz in der reise werbin
solde sô vorterbin
Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 20782 Strehlke.
3)
als besonders geläufige verbindungen finden sich schaden werben; frommen, nutzen, bestes werben u. dgl.:
ine habe doch sît geworben
des küneges schaden ...
Wolfram v. Eschenbach Parzival 616, 4 Lachmann;
ir bestis zuͦ werbene unnd iren schadin zu warnende (1330) hess. urk.-buch 2, 397 Wyss-Reimer; der obgen. Christel hat uns fur sich und seine erben mit seinem aid verhaizzen ... schaden zu wenden und frume ze werben an aller stat nach seinen vermigen (15. 9. 1382) bei O. Stolz d. deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 174; seinen schaden zu wehren und seinen frommen zu werben (1396) weistümer 6, 81 (vgl. auch ebda 6, 4; 6, 23 u. 6, 63); die pflegere söllent ... daran sin das desselben hofes und der guͦten luͦte nutz darmitte geschaffet und geworben werde (15. jh.) Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 75 Brucker; aber das sie daneben auch geschworn, e. fl. gn. frumen zu werben und schaden zu wenden (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 80 Chroust;
dann ich bezeug vnd schwoͤr fuͤrwar,
das ich der Troianer schar
wolfart vnd frummen nit will werben
Spreng Ilias (1610) 297ᵇ;
soll er director Spanheim unsers lieben sohns nutzen und frommen in alle weg und weisz ... suchen und werben (22. 2. 1657) mon. germ. päd. 19, 76.
II.
während die vorgenannten bedeutungen allmählich zurücktreten, wird im neueren dt. 'sich um etw. bemühen' zur hauptbedeutung von werben.
A.
auch dies ist in mannigfacher anwendung nachweisbar.
1)
'etw. zu erlangen suchen', 'streben nach etw.' (vgl. dazu werber 1 c β und werbung 2 a α); in verschiedener konstruktion, wobei das erstrebte durch präpositionen angeschlossen bzw. durch einen gliedsatz oder erweiterten infinitiv ausgedrückt werden kann.
a)
werben um, vom späten ahd. bis in die moderne zeit belegt (älter ist bei gleicher raumanschauung werben bi:
uuurbon sina thegana be sina lipleita
[10. jh.] Christus u. d. Samariterin 6 in: kl. ahd. sprachdenkm. 89 Steinmeyer):
mûsi ih ze gagenuuerti chomen dero, dîe mih zihent taz ih tarumbe uurbe. dîen uuolti ih antuuurten Notker 1, 31, 24 Piper;
... Hartmuot und Wate wurben vaste umb êre
Kudrun 1468, 4 Martin;
würd ein krippel vnd krummer vnflat im spittal sterben, vnd werden die erben nit viel vmb das erb werben, noch schwartze roͤck darauff ausznemmen Fischart groszm. 9 ndr.;
ach weh! umb eitle lust verschertzt man gutt und blutt:
und umb die ewige fast niemand werben thut!
Silesius cherub. wandersm. 84 ndr.;
um deren geld kein wucherer noch warb
Schiller 1, 234 G.:
ich aber werb' fortan um rache nur
und leg' das blut'ge schwert dir dann zu füssen
Eichendorff s. w. (1864) 4, 317;
als er (Marius) um den oberbefehl von Africa bei dem volke warb Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 161;
und jedesmal dann zuckt umher im kreise
ein fragen, das nur scheu um antwort wirbt:
'was sagt der arzt? wie steht es?' — leise, leise!
zu ende geht's; der greise tiger stirbt
Geibel neue ged. (¹²1872) 187 (tod d. Tiberius);
... als werbe baumgrün und gebirge, fluszrauschen und wolkenzug dringlich um erlösung und ewigen fortbestand in der seele des dichters H. Hesse fabulierbuch (1935) 284; substantiviert: zum ersten male trat (um 1400, durch Paris) dem hochmütig und selbstbewuszt nach auszen abgeschlossenen Byzantinertum, bei seinem bittern werben um hilfe, der glanz der ritterlichen abendländischen höfe in ihrer höchsten entfaltung in der kultur- und modestadt des ausgehenden mittelalters entgegen Julius Schlosser präludien (1927) 74; die betrachtung lehrt besonders von der mitte des 14. jahrhunderts an ein ergreifendes, drängendes werben um die gestaltung des zwischengestaltlichen, selbst schon um die landschaft W. Pinder kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 51. insbesondere werben um freundschaft, liebe, gunst, huld u. dgl.: umme das worin vil kunige unde andir groze herren di wurbin umme die vruntschaft Velgi und gobin ym rente Marco Polo 11 Tscharner; (beide) umb ir hulde worben Arigo decamerone 111, 9 lit. ver.; nun war einer vnter den schiffleuten, welcher den ruhm vber die andern alle haben wolte, der vnterstunde sich mit der keyserin vmb bulschafft zu werben buch d. liebe (1587) 6ᶜ;
nicht das treffliche mädchen als magd, die fremde, zu dingen,
kam ich zum brunnen; ich kam, um deine liebe zu werben
Göthe I 50, 263 W.;
noch einmal möcht' ich vor dem sterben
um frauenhuld beseligt werben
Heine w. 1, 420 Elster;
von dieser zeit an wirbt der lust'ge rath
um unsres jünglings neigung und vertrauen
Uhland ged. (1898) 1, 353;
er (Laszberg) wirbt förmlich (bei Uhland) um gegenliebe Scherer kl. schr. (1893) 1, 66; schmückte sie sich nicht tagtäglich noch wie eine angebetete braut, warb sie nicht mehr als in jungen jahren um die seltene gunst des spiegels? Ilg brüder Moor (1912) 294; er warb auf eine gewisse täppische art unausgesetzt um Heinrichs zuneigung Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 60; substantiviert: welche seelischen narben ... ihm (dem helden) die loslösung von der kindheit ... das werben um liebe hinterlassen haben H. Hesse glasperlenspiel (1952) 13. seit dem 19. jh. häufig um eine krone, einen kranz, einen preis, ein ziel werben:
um aller kronen schönste darf ich werben,
darf für mein volk und meinen glauben sterben
dt. museum (1812—13) 2, 520 Fr. Schlegel;
lass't mich ... um diese krone werben
Körner w. 1, 122 Hempel;
... dasz christliche weisheit und tapferkeit den preis davon tragen werden, um den sie werben Schleiermacher s. w. II 4 (1835) 168;
und könig Ludwig lebt, als müszt' er
werben um die er besitzt, die krone
Platen ges. w. (1839) 111 (ode 15);
der preis, um welchen Mirabeau sein ganzes leben hindurch vergeblich warb, fiel diesem manne auf einen schlag zu Dahlmann franz. rev. (1845) 451; so lange ... militärische, politische, juristische capacitäten wetteifernd um die seltenen kränze warben Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 72;
es ist, bei gott, kein eitles ziel,
drum unsre schwerter werben
R. A. Schröder heilig vaterland (1914) 14;
auch um das hohe, das höchste, die höchsten güter der menschheit:
in entsagung schwinden musz mein leben,
in betrachtung meine zeit ersterben,
so nur kann ich um das höchste werben
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 3 (1879) 22;
wohl ist es ein rührender anblick, dies heroengeschlecht des idealismus, das inmitten der schmucklosen armseligkeit kleinfürstlicher residenzdörfer (z. b. Weimar) um die höchsten güter der menschheit warb Treitschke dt. gesch. (⁶1897) 1, 90;
wer um das hohe
sich mühend wirbt,
wie ihm das frohe
gemüth erstirbt!
Gottschall neue ged. (1858) 36.
b)
werben nach, mhd. bis 19. jh.:
die da werfent nach vnrehtem gewinne
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 40 Diemer;
dô sah man über sätele fliezen daz bluot.
sus wurben nâch den êren die riter küene unde guot
Nibelungenlied 203, 4 Bartsch-de Boor;
ach gott, wie selig der mensch ist, der nach dir allein werbend ist Seuse dt. schr. 195, 1 Bihlmeyer;
wer nach gfahr stellet und wirbet,
derselb endlich darinn verdirbet
H. Sachs 19, 14 lit. ver.;
Freymund, du sihest nun, dasz Anthonius vnd alle deine bruͤder nach grossen ehren werben vnnd kuͤne vnnd mannliche ritter seyn buch d. liebe (1587) 272ᶜ;
darumb lebt wol, nach froͤmmigkeit werbt,
dasz jhr zuletzt nicht boͤszlich sterbt
Eyering proverb. (1601) 3, 161;
nimm lexica und register zur hand, jage und werbe nach ähnlichen worten und redarten, mache ein gestöber von citationen und wortstellen Herder 3, 326 S.; nach ruhme sie werben A. v. Arnim s. w. (1853) 8, 264;
(Otto:) des leuchtturms flamme seid dem irren schiffer
...
er weisz, dort, wo das licht, ist land und rettung
...
(Erny:) tilg erst den schimmer dort aus deinem auge,
der, lauernd, sich gelungner plane freut.
wirbst du nach tugend und gehörst der sünde?
Grillparzer s. w. 6, 212 Sauer.
c)
werben an, auf, zu etw. (ahd. bis frühnhd.): ostendam tibi breuiter cardinem summe̜ felicitatis ih ougo dir. an uuiu die meistûn sâldâ sint, uuâr sie ana uuerbent Notker 1, 84, 12 Piper;
nu vugetez sich in der zit,
daz der erzebischof starb.
genuger uf daz bischtum warb
deme sin wille gar verdarb.
der kunic von Engellande
nach den pfaffen sande,
mit den er ez wande,
daz Thomas der gotes helt
an daz amt wart erwelt
passional 54, 26 Köpke;
unsir antwort uf das ir werbit, lieber meister Gotke, ...: daz dunket uns nicht gut noch nuͦcze (1395) meklenb. urk.-buch 22, 469 ver. f. meklenburg. gesch. u. alterthumskde.;
uncz sy al gesturben
dy zu got nicht recht würben
Havich der Kellner sankt Stephans leben 35 McClean (v. 2470).
d)
werben mit abhängigem nebensatz (bzw. infinitiv); mhd. und frühnhd.:
der ie zallen stunden
wiruet mit flîze (darauf ausgeht),
daz er mich beswîche
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 309 Diemer;
des wart David zehant gewar:
er warp ob im das toͤhte
das er entrinnen moͤhte.
do mohter komen niht von dan
Rudolf v. Ems weltchron. 24703 Ehrismann;
nun ist ewer weiszheit guͦter mas bericht, das N. verschiner tag, wider goͤtlich gesetz und alle eer, mich an leib und guͦt beschedigt, sich desselben und keiner widerwertigkeit gegen mir ersettigen noch benuͦgen lassen, sondern wirbt die taͤglich zuͦ meren mit heimlicher botschaft A. Hug rhetorica u. formulare (1540) 41ᵃ.
e)
vereinzelt in absoluter konstruktion, substantiviert; so im sprachgebrauch der mystiker, 'die bemühung, das streben': hie fúrbaz ist enkein ringen noh werben, wan daz begin und ende ... sind eins worden Seuse dt. schr. 193 Bihlmeyer; und in neuerer dichtersprache:
jugend heischt und hofft; verloren
war mein dringen und mein werben!
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 286.
2)
(jem.) bitten (um etw.); vgl. werber 1 c α und werbung 2 a β.
a)
'um etw. bitten, etw. erbitten (bei jem.)'; vom mhd. bis zum älteren nhd., vereinzelt auch noch später belegt, in verschiedener konstruktion.
α)
werben um etw.:
do Iosep begunde weruen
umbe di herberge,
do ne liez in niemen in
Ava leben Jesu 127 Piper;
und werbet umbe spîse, die man haben sol
Kudrun 250, 1 Martin;
um Warrabam hörstu uns werben
altdt. passionssp. a. Tirol 113 Wackernell;
zun zeiten aber (soll d. feldherr) vmb ein abzug werben (aus d. belagerten stadt) Fronsperger kriegsb. (1578) 1, g 2ᵇ; darumb solt er vorhin darumb (um zulassung) geworben vnd angeklopfft haben Xylander Plutarchus (1580) 249ᵇ;
dann wie man sagt, offt viel verdirbt,
darumb man nit bitt oder wirbt
Fischart w. 2, 409 Hauffen (vgl. aber u. 3c);
da sprach der herr: jr wisset nicht,
warumb jhr bitt vnd werbet
Ringwaldt evangelia (1581) b 6ᵇ;
merckt, ihr zeugen, dasz der erbe
um bedenk-zeit gar nicht werbe,
wil das erbe treten an,
wann er soll und wann er kann
Logau sinnged. 165 lit. ver.;
wobei der gebetene durch verschiedene präpositionen angeschlossen werden kann; (um etw.) werben an jem.: unde dorumbe sso liessen sie werben an lantgraven Frederichen eren herren umb frede unde umb tage, unde do wolde her on nye keyne antwort uff gethun, denn her wolde mit on krigen Joh. Rothe düring. chron. 581 Liliencron; item auch sol ain oblai on des andern will und wort umb kain infang nicht werben an der herrschaft (16. jh.) österr. weist. 2, 221; ... do sonst der gantz gewesen bundt der protestierenden fürs best geachtet und entschlossen, an die röm. kay. mt. umb gnad und frid zuͤ werben ('sich bei ihm darum bemühen') und gehorsame huldigung anzuͤbieten, darmit ir, der protestierenden fürsten und stende, jämerliche gevolgte verderbung und verhörung verhuͤtet wurde (16. jh.) städtechron. 32, 129 (Augsburg); als nun kuͤnig Heinrichen anhang sich aber begund staͤrcken, warb abt Ulrich an ine umb hilff Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 3 (vgl. auch: do wurbend si ylends an die eydgnossen ... umb mer hilff und einen zuschub ebda 2, 422); bei jem.: es hat doctor Jonas mir angezeigt, wie er bey e. f. g. geworben vnd gebeten vmb wildpret auff die hochzeit (1540) Luther br. 9, 124 W.; er warb bey seinen freunden, den arabischen fürsten, um auserlesene und freywillige reuter und erhielt sie leicht Haller Usong (1783) 68; gegen jem.: hat er ... gegen dem roͤm. keyser vm̄ einen friden werben lassen Stumpf Schweizer chron. (1606) 42ᵃ.
β)
etw. werben:
ich wille uor Constantine gan.
in walleres wise.
weruen mine spise
könig Rother 3662 Frings-Kuhnt;
und wer mehr rechtens bedürftig, der mag esz wol werben (Altheim, o. j.) weistümer (1840) 6, 122; denn da jn (Mohammed) gott zu sich rieff, fuhr er hinauff zu gott in den siebenden himel, und er warb vergebung fur einen engel, der tausentmal grösser war, weder die welt ist Luther 53, 302 W.; gieng ein hadersammler von Schwartzbach mit seiner fiedel vorbey, in willens auf einem dorff kirmesze brocken zu werben Chr. Schwann Oberertzgebirge (1699) 57;
der bettler wollt' ein almosen werben
Rückert ges. ged. 4 (1837) 240;
aber die frau folgte dem manne nicht nur in die volksschlacht, sie war auch zuweilen friedestifterin zwischen entzweiten völkern, dann zog sie von dem sänger begleitet zu den feinden und warb versöhnung G. Freytag ges. w. 17 (1888) 88; wobei der gebetene angeschlossen werden kann durch an: wie solich sach an dich waͤre geworben Fortunatus 98 ndr.;
wo anderst die götter nachgeben,
dasz jr, herr vatter, vor vns sterbt,
so thun wir, was jr an vns werbt
Ayrer dramen 19 Keller;
zu:
werbet mir (Anfortas) dâ z'in den tôt
und lât sich enden mîne nôt
Wolfram v. Eschenbach Parzival 795, 9 Lachmann;
um:
dick er (Anfortas) warb umb si den tôt
der wære och schiere an im geschehn
Wolfram v. Eschenbach Parzival 787, 4 Lachmann;
von Francrîch des kunigs bet
als lange er (der papst) verzôch,
unz im diu sêl enphlôch,
und dô er gestarp,
umb den næhsten bâbst manz warp,
daz den gotes holden
die phaffen erheben solden
und in diu lant gemeine
teilen sîn gebeine
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 19497 Seemüller;
gegen:
dô leiste der fürste Lyppaut
al daz sîn hêrre der künec Schaut
an tôdes legere gein im warp
Wolfram v. Eschenbach Parzival 345, 15 Lachmann;
bei:
wann jhrs dann bey jhm hett geworben,
das er dem landsknecht hört die beicht?
B. Krüger spiel v. d. bäur. richtern 42 Bolte;
von; schon mhd.: weruen uone gote ezzen in quaerant a deo escam sibi Windberger psalmen 481 Graff (ps. 103); vereinzelt in neuerer dichtersprache:
dort (im urwald) will ich für meinen kummer
finden den ersehnten schlummer;
will vom schicksal kunde werben,
dasz es mir mag anvertrauen
in der wälder tiefem grauen,
warum Polen muszte sterben
Lenau ged. (1857) 1, 170.
γ)
werben mit abhängigem satz (bzw. infinitiv):
er warp (flehte zu gott), daz müese werden rât
des trûrgen mannes herzesêr
Wolfram v. Eschenbach Parzival 795, 26 Lachmann;
haben sy Goergen Trumeter furgeschickt an die port, der solt werben, dasz sy dasz closter mit lieb auftheten (1531) Knebel chron. v. Kaisheim 442 lit. ver.; das sie wollen recht weisen vnd werben, das dem profossen auff seine schwere klage ... moͤge antwort gegeben werden Reutter von Speir kriegsordn. (1595) 63; wobei der gebetene durch an angeschlossen werden kann:
wand dô in der vater starp,
diu muoter flîziclichen warp
an die süne beide,
daz si ir herzenleide
sich liezen riun und anden
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 4362 Seemüller;
als Erharrt Ellend geschriben, desglich sin früntschaft ouch begert haͧt, an min herren zuͦ werben, inn zuͦ begnaden und ungestraͧft harin zuͦ laͧszen, haben sich min herren erkennt dokum. z. gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 2, 207 Gagliardi; auch hat der konig dur(ch) seinen general ... an die Venediger werben vnnd pitten lassen, im hulff zuthun Ch. Scheurl briefb. 2, 193 Soden-Knaake;
ein knecht an den Neidlhart warb,
er solt im geben's botenbrot
Teuerdank 193 G.;
herr köng, als ich an dich thet werben,
du soltest nicht eylen mit ir,
da verschmacht es dir hoch von mir
H. Sachs 11, 142 lit. ver.;
wider dreyfaltig gepet eines gantzen erbern rath zu Vlm, welche ernstlich ... an meiner oberkeit werben liessen, mich zubehalten Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 2 ndr.; von denen sind etliche bottschafften zu dem Eumenes geschickt, an jhn zu werben, sich mit jnen zu vereinigen vnd mit jnen zu reisen Xylander Plutarchus (1580) 233ᵇ; er hat aber heimlich an den von Russegk geworben, dasz er die (vogtei) uffgaͤbe und gab jm den flaͤcken Schwartzenberg, damit er sich verzige Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 38; Otto der dritte hatte ein unstät weib, die warb an einen grafen, dasz er mit ihr buhlen sollte br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 97.
b)
'sich bittend an jem. wenden'; in dieser bedeutung vom mhd. bis ins ältere nhd., vereinzelt auch noch modern, belegt; in verschiedener konstruktion. werben an:
die herren dûhte daz niht guot.
die wurden des ze râte
und wurben alsô drâte
von Bêheim an den kunic
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 6307 Seemüller;
das volck aber an Mose warb:
hart versündigen wir uns tedten
H. Sachs 6, 224 lit. ver.;
der rat in der stat weyszheyt pflag
und warben an den keyser zwar
ein frid wardt angestossen
Hans Guldenmund d. kaiser i. roten bart, str. 4, 66 (Zwick. facs. 10);
die anderen mit schmach und schandt
handt urfech über sich sälber gäben
nach der eidtgnosischen willen zläben
handt al an die dry länder gworben
sindt alda eidtgnosen worden
(16. jh.) in: anz. f. schweiz. gesch., n. f. 7, 442;
warb er auch an die fraͤnckischen koͤnig, machet friden mit jnen Stumpf Schweizer chron. (1606) 203ᵇ; es sol niemant wider die nachpaurn oder dorfrecht werben an ain herrschaft (1744) österr. weistümer 2, 205; vereinzelt im mhd. werben an jem. durch etw. 'sich an jem. wenden wegen einer sache':
durch daz er ungerne starbe,
do dacht er aber und warbe
an einen vrunt durch genesen,
der was im dar nach gewesen
der libeste alle sine tage
kl. mhd. erz. III (cpg. 341) 59 Rosenhagen (75, 36).
gegen:
er sprach 'gein dir ich werben muoz:
genc ze hove ...'
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 273, 6 Lachmann;
Venus sein mutter schnell thet werben
gegen den reichen goͤttern allen.
sie thet auch zuͦ den fuͤssen fallen
irem selbs vattern Jupitern
Wickram w. 8, 213 Bolte.
zu: nach dem ehr also zuͦ den Lacedimoniern gleich wie zuͦ andern geworben, hatt sich eben derzeyt begeben das die Lacedimonier für sich selbs ein eignen kruͤg fuͤrten wider die von Arges Boner Herodot (1535) 18ᵃ. bei: nach dem man lange zeit, vergeblich, bei ihm (Leo X.) des consilii halben, geworben, und aber die monarchen und potentaten selber anfiengen eins zuͦ halten, was thet er? schencket sie alle dem teufel, verbannet sie ... Sleidanus reden 115 lit. ver.; darum habe ich selbst für dich geworben bei den Vincentinerinnen in Breslau Halbe jugend (1911) 32.
c)
substantiviert 'das bitten':
nicht durch gewalt soll Oesterreich ertrotzen,
was es durch freundlich werben nicht erhielt
Schiller 14, 330 G.;
oder 'flehen':
als fuͤr die schiff der Griechen kam
der priester Chryses lobesam
...
vnd aber nicht wolt haben statt
sein bittlich werben vnd begern
Spreng Ilias (1610) 1ᵃ;
und so bitt ich heut mit heiligem werben:
lasz mich, vater, nicht im frühling sterben
O. Jerschke in: mod. dichtercharaktere (1885) 164 Arent-Conradi-Henckell.
3)
(etw.) werben (etw.) (durch bemühung) erwerben (vgl. werber 1 d und werbung 2 a δ).
a)
durch (gewerbsmäszige) arbeit bzw. geschäfte
α)
gewinn erzielen (ohne ausdrückliche nennung des objekts); frühnhd. bis ins 18. jh.: were aber der kauff odder zinse nicht auff getreyde gestifft, sondern auff heuser odder raum, da man mit der hand wirbt und gewynnet, kund man abermal nach dem gesetz Mosi solchen kauff meystern Luther 15, 322 W.; heüt und moren woͤllenn wir in dise stad geen und daselbst ein jar bleibenn und woͤllen werben und gewünnen L. Hätzer d. prophet Meleachi (1526) C 2ᵃ;
die kargen sein also geflissen,
das jr auch niemand kan geniessen;
zu werben brauchens list vnd sinne,
wie sie nur mögen gelt gewinnen
Waldis Esopus 1, 242 Kurz;
der mann sol werben, das weib sparen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, 0 5ᵇ;
werbt, gewinnt
durch geschaͤfttigkeit und tugend
J. A. Cramer s. ged. (1781) 2, 231.
β)
etw. gewinnen; frühnhd. bis ins 19. jh., in speziellerer bedeutung sogar bis ins 20. jh.: denn sie (die menschen) werben geld vnd sind geulissen drauff, vnd ist doch als vergeblich Baruch 3, 18; was aber der kauffman werben und gewinnen wird, wo fride wendet, das wil ich jhm als denn sein register (hauptbuch) sagen lassen Luther 30, 2, 578 W.;
wir haben ja nun all sein geld.
...
er dacht vielleicht noch mehr zu werben,
das er so vngern wolte sterben
B. Krüger spiel v. d. bäur. richtern 55 Bolte;
sie (die armen) jr leben nit dörffen stellen
in fahr, zu werben zeitlich gut
Waldis Esopus 1, 225 Kurz;
denn viel verthun vnd wenig werben
ist ein guter weg zum verderben
Rollenhagen froschmeuseler (1595) G 3ᵃ;
der erworben pfennig ist besser denn den man erst werben wil Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, N 6ᵃ; das gelt durch manche wunderliche offt vnrechte griflein zuwerben Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 258; besser ein guͤlden, den man werbet denn zehen, die man erbet ebda 2, K 5ᵃ;
wo sie bei daurendem frohne das brot kaum warben mit taglohn
Voss s. ged. (1802) 2, 80;
werben durch bemühung, arbeit sich verschaffen Campe 5 (1811) 681; so auch in der landwirtschaft 'durch arbeit etwas gewinnen, ernten': werben durch bemühung, durch arbeit bekommen, wie gewinnen; nur noch in der gemeinen sprechart mancher gegenden; viel heu werben einärnten, gewinnen Adelung 5 (1786) 173; das korn steht dünn und ist mühsam zu werben E. M. Arndt reise durch Schweden (1806) 1, 181; an allen west- und südwestküsten der insel wird seegras geworben. man zieht die gebinde mit harken an land und breitet sie zum trocknen aus Rudolph Rügen (1953) 218; auch sonst in der wirtschaft von der gewinnung eines naturprodukts: läszt man steine zu gewerblichen zwecken werben, dann schliesze man alle irgend bemerkenswerten blöcke von der gewinnung aus H. v. Salisch forstästhetik (²1902) 281.
γ)
gewinn einbringen, vom zinstragenden gelde (bzw. vermögen) gesagt; diese bedeutung findet sich schon mhd. und ist in bestimmten wendungen bis in die moderne zeit vorhanden: uber das, ym handell muszt offt seyn gelt still ligen der wahr odder seynes leybs halben, das ym kauff an unterlasz geht und wirbt Luther 6, 54 W.; occupare pecuniam alicui, uel apud aliquem foenore gaͤlt auff wucher gaͤben, sein gaͤlt lassen waͤrben vnd gwünnen oder nutz schaffen Frisius dict. (1556) 905ᵃ; pecunia otiosa geld, das weder wirbt noch wuchert, das einer im kasten hat Corvinus fons lat. (1646) 638; dazu werbendes gut, werbende barschaft, werbendes vermögen u. dgl.: swer werbende gut hat in der stat, daz da koufet und verkoufit, he si pfaffe, munich oder nunne, der sal iz verschozzen (um 1300) Freiberger stadtr. 53 Ermisch; ich schwere, das ich alle meine habe und gutere, ligende und farende ... dan silberne geschirre, guldene keten, kleinod, kleider und nicht werbende barschaft treulich versteueren und verschatzen will eid z. Türkensteuer i. Leipzig (1542); so ist es auch nicht unbillig, dasz die werbende bahrschaft mit etwas belegt werde (1568) ständeakten Joachims II. 2, 546 Friedensburg; werbende haupt-staͤmme pecunia foenebris, s. zins Hayme jurist. lex. (1738) 1329; nutzungen sind die jährlichen einkünfte von liegenden gründen oder von werbenden geldern, die ihre zinsen tragen Gottsched beob. (1758) 214; überhaupt aber jedermann ..., so werbung und handthierung ... treibt, ... sein handelsgeld, zins und alles sein werbend gut und vermögen versteuern soll Rabener s. schr. 2 (1777) 314; werben im umlaufe, oder vielmehr im gewerbe seyn, circuliren; eine seltene bedeutung, welche mir nur in einigen chursächsischen verordnungen vorgekommen ist; von seinem in hiesigen landen gelegenen oder werbenden vermögen; die von werbenden baren mitteln fällige zinsen Adelung 5 (1786) 173; werben so viel als erwerben, erlangen, gewinnen; daher werbende kapitalien oder werbendes vermögen, welches einen ertrag oder zinsen abwirft Krünitz oec. encycl. 238 (1856) 413; den 223, 9 millionen mark zinsen der staatsschuld steht nach dem etatsentwurfe für 1899 ein reinertrag des werbenden staatsvermögens (domänen, forsten, bergwerke und eisenbahnen) von 598, 7 millionen mark gegenüber v. Miquel; ... nichts interessanteres ... als zu beobachten, ... wie ... überall, wo ... auf seiten des arbeiters ... ein eigenbesitz von werbendem geldkapital vorhanden war, die ... zunft durch taxordnungen ... dem einzelnen verleger zu hilfe kam Doren Florentiner wollentuchindustrie (1901) 455; den gesamten verbindlichkeiten von 0, 52 millionen dm stehen nämlich allein 4, 86 bankguthaben gegenüber, die vermutlich zur baldigen umwandlung in werbendes vermögen bestimmt sind Frankfurter allg. zeitg. 154 (1956) 8; ferner werbende tage, werbende kraft, werbende zwecke: schätzt doch ein erfahrener beurteiler um das jahr 1438 den legitimen gewinn kaufmännischen kapitals auf jährlich 430 bis 450% bei hundert werbenden tagen Lamprecht dt. gesch. 5, 1 (⁵1921) 73; es (das kanonische recht) hatte weiterhin den gebrauchswert der güter allein anerkannt, nicht auch ihre werbende kraft ebda 98; im wege des kredits dürfen geldmittel ... in der regel nur für ausgaben zu werbenden zwecken beschafft werden qu. a. d. j. 1935.
b)
allgemeiner.
α)
'etw. durch bemühung(en allgemeinerer art) gewinnen'; vom mhd. bis in die moderne zeit belegt:
swâ der nâch vremden êren strebet,
die herte sint ze werben,
des gwerft sol wol verderben
Stricker kl. ged. 8 Hahn (3, 179);
was wer das vor ein eh, so einn mittell personn sich must tzwuschen der eh stellen und dy braut bei irem breutigam ettwasz werben und erlangen? Luther 10, 3, 357 W.;
koͤndt jhr nit an die hundstag dencken,
da sie die beltz für dlaͤden hencken,
da jhr muͤszt, wann jhr nit wolt sterben,
abspringen, euch narung zuͦwerben
Fischart flöhhatz 38 ndr. (v. 1308);
und wir wollen traurig seyn,
wenn uns unsre kinder sterben,
die für dieser erden pein
doch den himmel erben,
und der auszerwehlten stand,
gottes hand,
durch den glauben werben?
Simon Dach 295 Ö.;
zum todten wuchrer unterm stein,
von eigner frevelhand gefallen,
wohl hat ihm gold ein ehrlich grab
geworben an der friedhofsmauer
A. v. Droste-Hülshoff ges. w. 2 (1885) 389;
in die tiefe tauche kühn,
ewige jugend zu werben,
wo die bäume des lebens blühn
und die augen wie sterne glühn,
droben bei dir ist sterben!
G. Keller ges. w. 9 (1889) 21;
und lieber wünschte ich, mein kind verstürbe,
als es mit solchem handel ehren würbe
Burte herzog Utz (1913) 71;
vierundzwanzigsten dezember habe ich eben da oben schreiben wollen! so ist mir, ganz so. ich musz nun weiter nicht worte werben und bilder für das, was ich ihnen gleich sagen wollte (24. 1. 1901) R. M. Rilke br. 1899 bis 1902 (1931) 94 insel. hier ist wohl die alliterierende verbindung der älteren nd. gerichtssprache winnen und werben 'sich bemühen, etwas zu erlangen, ansuchen (bei der obrigkeit), um irgend ein recht zu erlangen' (Schiller-Lübben 5, 693) anzuschlieszen (vgl. dazu rechtsalterth. 1 [1828] 12, wo die formel schon für 1322 verzeichnet ist): wanner ... sie sich veranderen, bestaiden off dat guth overgeven, moiten sie an den schultheisz wynnen und werven (16. jh.) weistümer (1840) 3, 52; item wanne ein man offte fraw mit dem hoffs scholtz gewonnen oder geworuen hebben, so sollen sie kommen by den hoffs richter in beywesen dess hoffs sch. ... und leggen oem drey alby in seinen hoit (16. jh.) ebda. noch in neuerer ma. gebucht: winnen un warven gewinnen und erwerben Schütze holst. id. 4 (1806) 364; vgl. auch Mensing schlesw.-holst. 5, 661.
β)
'etw. gewinnen, bekommen, erhalten' schlechthin; mhd. bis 19. jh.:
er wurbe lieb oder leit
Wolfram v. Eschenbach Parzival 625, 8 Lachmann;
nu wil er werben niwen pîn
ebda 733, 24;
also ist auch mit den jungfrawen
dieselben auff jhr buͦlen schawen.
dann sie besorgt wann die ersehen
das sie viel juckt vnd greifft nach floͤhen,
so schewen die sie an zuͦsprechen
auff das sie nit floͤh werben moͤchten
Fischart flöhhatz 49 ndr.;
in dem das mancher reicher stirbt
ein andrer seine guͤter wirbt
vnd kompt in einen vollen rath
den er doch nicht gezeuget hat
Ringwalt christl. warn. (1590) L 2ᵃ;
man sagt: gibt gott ein kind,
so gibt er auch ein rind.
Veit gieng und kaufft ein rind;
da warb sein weib ein kind
Logau sinnged. 214 lit. ver.;
wenn das scheiden ist ein sterben,
sage, wo das leben ist?
denn um abschied nur zu werben,
reicht des armen lebens frist
Rückert ges. ged. 5 (1838) 289;
weh' eltern! denen kindes glänzend fehlen
weit lieber ist, als einfalt sonder schein,
ihr warbt euch das gericht
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 3 (1879) 75.
c)
in sprichwörtlichen wendungen; vom mhd. bis in die moderne mundart:
wan vil verdirbet
des man niht enwirbet
Walther v. d. Vogelweide 106, 16 Lachmann-Kraus;
s. auch: liederb. d. Hätzlerin 135 Haltaus; H. Sachs fastnachtsp. 61, 72 ndr.; Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 139ᵇ; schöne weise klugreden (1548) 6ᵇ; Joh. Nas eins vnd hundert 2 (1570) C 3ᵃ; Friedrich Wilhelm sprichw. reg. (1577) iiᵃ N 47; Eyering proverb. (1601) 1, 333; Harsdörffer gesprächsp. (1641) 1, K 8ᵇ; Lehman floril. polit. (1662) 1, 74; Kern sprichw. (1718) 44; Rother schl. sprichw. 328ᵃ.
B.
als besonders geläufige anwendungen finden sich
1)
'sich um eine frau bemühen'; insbesondere auch 'eine frau zur ehe begehren, um sie anhalten, freien' (vgl. werber 2 a und werbung 2 b α).
a)
absolut gebraucht; seit der mhd. zeit bis in die moderne sprache belegt:
Alexander warb mit sinnen
und hiez ime gewinnen
Darien tohter
pfaffe Lamprecht Alexander 256 Kinzel;
dur daz sô suoche ich, frouwe, iuwern rât,
daz ir mich ebene werben lêret.
wirbe ich nidere, wirbe ich hôhe, ich bin versêret
Walther v. d. Vogelweide 46, 38 Lachmann-Kraus;
seine ehrkleinoten vnd geschmeide, die er (Abraham) seinem gesandten mit gibt, der seinem son werben vnd freyen solle Mathesius Sarepta (1571) 48ᵇ; es sie verhoͤnete, dass ein prinz ... ihr eines andern liebe ... anbringen und in der zeit fuͤr einen andern werben solte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 190;
jedoch, bevor der himmel sich erbeut,
ist schon die braut mit samt der heyrat fertig.
er selber wählt; er selber wirbt und rennet;
geld ist der trieb; geld ist der himmel hier
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 156;
diesen (den freiern) entdeckte vielleicht die stimme der götter
jenes (des Odysseus) traurigen tod, da sie nicht werben wie recht ist
Voss Odyssee 252, 90 Bernays;
er (der reiter) wirbet nicht lange, er zeiget nicht gold,
im sturm erringt er den minnesold
Schiller 11, 212 G.;
werbe keck und fordre laut,
und man wird sich dir bequemen,
und du führest heim die braut
Heine w. 2, 186 Elster;
der Paderborner wildling aber, hat erziehung und zucht nichts an ihm gethan, wirbt wie ein derbes naturkind mit allem ungestüm seines heftigen bluts A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 357;
und wär' ich (könig Hakon, der um Ingeborg werben will) alt zum sterben,
auch ruhm und narben werben
und werben gut wie jugendschein
Fontane ges. w. (1905) II 1, 89.
substantiviert das werben:
do gedaht ûf hôhe minne daz Siglinde kint.
ez was ir aller (der andern werber um Kriemhilt) werben wider in ein wint.
er mohte wol verdienen schœner frouwen lîp.
sît wart diu edele Kriemhilt des küenen Sîvrides wîp
Nibelungenlied 47, 2 Bartsch-de Boor;
(warf) auff sie (die buhler) alt häfn, kachel und scherben
und trieb sie ab mit irem werben
H. Sachs 9, 373 lit. ver.;
weil ... got ... euch mir geben vnd wie Adam Eua ohn all mein gedancken vnnd werben zu gefuͤrt hat ... so hab ich doch befunden, ... dasz es gots werck war Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, vorr. 1;
sein haar gestrickt und eingeschniert
mit einer zarten hauben da,
...
macht jhm bey schoͤnen frawen gunst
mein werben das ist gar vmbsunst
Spreng Äneis (1610) 67ᵇ;
er (Wilhelm) antwortete mit verstellter ruhe: weisz ich doch nicht einmal, ob sie (Lydie) frei ist, und da ich überhaupt im werben nicht glücklich zu sein scheine, so möchte ich einen solchen versuch nicht machen Göthe I 23, 238 W.;
ach! die heilige selbst, sie widerstand nicht dem werben,
und der verwegene hielt fest sie im arme bestrickt
ebda I 2, 135;
ich geb' ihm auf sein werben meine tochter zum weibe E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 187 Gr.; nähert sich Hartmut der gefangenen Gudrun nur mit zartem werben ... Scherer lit. gesch. (¹1883) 140; findet sein (des freiers) werben gehör, so nehmen die verwandten des mädchens dieses in das haus seines liebsten Ratzel völkerk. (1885) 2, 276;
wo sind die perlen süsse zähren
wo sind die rosen üppiger pfühl?
das spiel von werben und gewähren?
der prunk ward welk der duft ward schwül
Stefan George stern d. bundes (²1914) 73;
der werbende 'der freier': gleich würde der sänger Hans Sachs seine schwermütige rolle wieder aufnehmen, dort, wo er als werbender nicht mehr in betracht kam, neben dem sieghaften tenor des jungen Stolzing A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 54. vereinzelt auch metaphorisch: als dann vnnd also wirt das (wort) fleisch in vns vnnd gottes kind empfangen, das ist, so vnser seel dem werbenden gott in vnserm hertzen bewilligt Seb. Franck chron., zeitb. u. gesch. (1536) 7ᵇ; auf der einen seite erwachte (in der spätantike) der alte Orient, drang werbend vor in das herz des Hellenismus, wo aus der vermählung mit ihm der byzantinische stil hervorging Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 23 f.
b)
mit präpositionalobjekt.
α)
angeschlossen durch um.
αα)
werben um jem.; häufig belegt vom mhd. bis in die moderne zeit:
als warb ein schœne ritter   umb eine frouwen guot
Kürenberc in: minnes. frühl. ³⁰10, 20 Kraus;
umb sölcher liebe willen, die der junge zuͦ ir het, sie an iren vater zuͦ einem weybe begeret und umb sie werben liesse Arigo decamerone 321 Keller; vor essens auf den abend liess m. Ambrosius Berndt offentlich werben um seine des doctors mühme Magdalene Anton Lauterbach bei Luther tischr. 4, 134 W.; ein verzagt hertz wirbt vmb kein schoͤn weib Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 10ᵃ;
dieweil er vmb mich (Dido) werben thet
Spreng Äneis (1610) 70ᵃ;
Astinabes der gluͤckseligen inseln koͤnig wirbt um Olorenen Lohenstein Arminius (1689) 1, 84; bedencke, ungetreue, dasz dein mann, da er um dich warb, dich aus der sclaverey befreyte Hippel über d. ehe (1774) 72; möget ihr euch so immer nach ihr sehnen, als bisher, da ihr um sie warbt! Göthe I 8, 46 W.; ich weisz nicht, ob es ein compliment für eine dame ist, wenn jemand, ohne sie gesehen zu haben, um sie wirbt L. v. Gall bei L. Schücking br. 1 Muschler;
wo ist der mann,
der um Siebenschön werben kann?
einen prinzen nur will ich haben! o käm er!
A. Miegel ges. ged. (1927) 67;
es war ja, als ob durch die jugend des sohnes (von Goethe,) verjüngt in ihm, der vater selbst um sie (Ottilie) würbe Th. Mann Lotte (1946) 178; der junge herzog Georg ... sollte die polnische königstochter Hedwiga heimführen nachdem bereits eine stattliche bayerische gesandtschaft am königlich polnischen hof um sie geworben hatte Carossa gesch. e. jugend 557 insel. gelegentlich auch von frauen gesagt 'sich um einen mann bemühen':
dô diu vrowe von Nârisôn
ir nôt überwant
von gehülfiger hant,
do begunder urloubes gern.
desn wolte sî in niht gewern:
wan an im stuont al ir muot.
si bedûhte des, er wære guot
ze herren in ir lande:
und endûhtez sî niht schande,
sî hete geworben umb in.
und mich entriege mîn sin,
swie ez doch deheiniu tuo,
dâ hœret grœzer wîsheit zuo
dazs umbe den wurben
von deme sî niht verdurben,
dan sî sich den liezen erwerben
von deme sî müesen verderben
Hartmann v. Aue Iwein 120 Benecke-Lachmann (v. 3811 u. 3815);
alle frawen vmb in werben söllen Arigo decamerone 402 lit. ver.;
zwar wirbt sie taͤglich um mich, doch ihre kuͤnste sind unschuld,
ein freundlichs aug' und ein freundliches herz
Giseke poet. w. (1767) 169 Gärtner;
(Helena:) ... pfui, Demetrius!
dein unglimpf würdigt mein geschlecht herab.
um liebe kämpft ein mann wohl mit den waffen.
wir sind um euch zu werben nicht geschaffen
(... fie, Demetrius!
your wrongs do set a scandal to my sex:
we cannot fight for love, as men may do;
we should be woo'd, and were not made to woo)
Shakespeare (1797) 1, 205;
nun, da er (Lohmann) leer war, warb sie (frau Breetpoot) um ihn H. Mann d. blaue engel (1948) 242. übertragen:
die freiheit schläft im wüstenzelt
und glänzt im sternenschein;
doch muss man um sie werben,
wo's immer sei
Herwegh ged. e. lebendigen (1841) 21;
wer um sie (Brunhilde) wirbt, der wirbt zugleich
um seinen tod, denn führt er sie nicht heim,
so kehrt er gar nicht wieder heim
Hebbel w. 4, 16 W.;
mit welcher wärme, wie begeistert und schwungvoll schildert Dante die braut, mit der Franciscus sich vermählt, die armuth, die verachtete geliebte, um die elfhundert jahre niemand geworben Döllinger akadem. vortr. (1888) 1, 96.
ββ)
als besondere wendungen finden sich um jemandes hand werben um jemandes hand anhalten:
sie fordert ein edikt von ihrem vater,
dasz jedem prinzen königlichen stamms
vergönnt seyn soll, um ihre hand zu werben
Schiller 13, 351 G.;
schwestern, rathet mir! man wirbt um meine hand
Göthe I 16, 231 W.;
(gräfin Capulet:)
mit einem wort:
der junge Paris wirbt um deine hand
(the valiant Paris seeks you for his love)
Shakespeare (1797) 1, 28;
es steht ... zu ändern, denn ein held,
reich, mächtig, rühmlich, wirbt um deine hand
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 14;
der könig Frankreichs wirbt um deine hand
Grabbe s. w. 2, 430 Bl.;
auch dir soll ich schmerzen bereiten ..., dir, Agnes, der ich ihre jugend gestohlen, als ich mich verleiten liesz, um deine hand zu werben? Holtei erz. schr. 2 (1861) 249; ich will ... für euch um die hand der jungen witwe werben Laube ges. schr. 4 (1876) 68;
mein herz, voll treue bis zum sterben,
...
darf so um deine hand ich werben?
R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 1, 274;
auch: für diese wirbt der abgesandte Kastiliens bei könig Alphons feierlich um seines sohnes hand Börne ges. schr. (1829) 1, 110; und um jem. herz werben 'sich um jem. liebe bemühen': wer sich eines frauenherzens dauernd versichern will, der musz immer neu darum werben Fontane ges. w. (1905) I 4, 414; selbst wenn ich töricht und unedel genug gewesen wäre, meinem verlangen zu folgen und ohne rücksicht auf ihren mann, der mein freund war, um ihr herz zu werben, ich hätte unter den blicken dieser leidenden, zarten, eigensinnig in ihrem schmerz verbissenen frau mich schämen müssen, ihr anders als mit mitleid und vorsichtiger schonung entgegen zu kommen H. Hesse Gertrud (1910) 274.
β)
durch andere präpositionen; so vom mhd. bis ins ältere nhd.; werben nach jem.: wie kung Etzil nâch Kriemhilden warp Nibelungenlied 1083 überschr. (J) bei Lübben wb. 193ᵇ;
also wanne yme (der turteltaube) sin gegate stirbet,
das ess nach keime anderen wirbet
sundern vort alleine blibet
Rothe lob d. keuschh. 47 H. Neumann (v. 1629);
darum schickte hertzog Przemislaff an hertzog Barnim und lies nach ir werben, das er sie mochte zur ehe bekhomen Kantzow chron. v. Pommern (letzte bearb.) 163 Gaebel;
syt das der adel ist verdorben,
hondt sy nach burgers toͤchtern geworben
Murner narrenbeschw. 257, 20 Spanier;
vnd als ... Maximilian ledig ward, het er ein weg vn zuͦgang zuͦ werben nach dem frewlin von Britānien Seb. Münster cosm. (1550) 165; gedacht der künig Henricus viii. sein ehelich gemahel ... zuͦ aͤndern, sintemal er sie bisz inn die zwaintzig jar gehabt, vnd nach ainer andern Anna warb Joh. Nas eins vnd hundert 2 (1570) G 1ᵇ;
ich dennoch wil
in deinem dienst ersterben
nach frembder lieb nit werben
Forster fr. teutsche liedl. 15 ndr.;
also erhert sie unser liebe fraw, das konig Andreas von Unger nach ir warb Zimmer. chron. ²1, 191 Barack; nun wolt hertzog Rudolf ... nach herrn Barnabas ... tochter ... ze eegemachel werben Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 460; so ein herr sein tochter vermaͤchlen wolt, luͦd er alle die zugast, die nach iren wurben Stumpf Schweizer chron. (1606) 148ᵃ; an jem.:
hievon begonden in vil scharf
ir pfile enbinnen (!) seren.
der wile wart in keren
nach ir ein teil zu wite,
das er in rechter zite
an sie gedachte werben ouch.
alsus quam der sünden rouch
und wolde in vollen machen swach
passional 284, 47 Köpke;
gegen jem.:
dô muoste ich werben baz dann ê
gein der vil klâren lôsen alze lange ein teil
Wenzel v. Behein in: dt. liederdichter d. 13. jhs. 584 Kraus.
c)
mit akk.-obj., belegt vom mhd. bis ins 19. jh.:
ob wir werben wellen die hêrlîchen meit
Nibelungenlied 54, 4 Bartsch - de Boor;
mit den legaten ... so jhme das polnische fraͤwlein wuͤrben Micraelius Pommerland (1640) 2, 515 (6. buch); der koͤnig bemuͤhet sich hoͤflich, die aͤlteste (tochter) einem sehr vornemen Castilianer zu werben und zu erwerben Harsdörffer gesprächsp. 6 (1646) 307;
die schönste maid, die du ersiehst,
all säuberlich und nett,
vom fusz zu haupt, von haupt zu fusz,
die wirb mir für mein bett!
Bürger s. w. 86ᵇ Bohtz;
denn bescheidenheit ist fein,
wenn das mädchen blüht,
sie will zart geworben sein,
die den rohen flieht
Göthe I 6, 24 W.;
denn ich habe das mädchen als meine braut nicht geworben,
sondern sie glaubt, als magd in das haus zu gehn
ebda I 50, 258;
sie (die freude) ist ein weib, sie bietet sich nicht an,
sie will gesucht, sie will geworben sein
Platen ges. w. (1839) 170;
aber für die tochter kämpfen noch dieselben helden, welche die mutter werben und erringen halfen Scherer lit.-gesch. ⁷132; vereinzelt auch mit umkehrung der geschlechter: (Käthchen:) ich? ihr hohen herren! wessen (braut)? (kaiser:) dessen, den dir der cherub geworben H. v. Kleist w. 2, 311 E. Schmidt; im bilde: für meine gedichte ... bitte mir einige liebhaber zu werben (juli 1785) Schubart br. bei Strausz w. 9, 145.
2)
sich bemühen, bewerben (um ein amt, eine bezahlte stelle); vgl. werber 2 b. in dieser bedeutung vom spätmhd. bis ins 19. jh. belegt.
a)
um etw. werben: die zwen werben umb den solt hie (wollen als söldner eintreten) (1444) städtechron. 2, 87 (Nürnberg); darumb, wenn du sehest, das am henger, boͤttel, richter, herrn oder fursten mangellt und du dich geschickt fundest, solltistu dich datzu erbieten und darumb werben Luther 1, 255 W.;
vnser cuͤster ist gestorben,
han auch jhr viel darumb geworben,
ist jn doch allen abgschlagen
B. Krüger aktion v. d. anf. u. ende d. welt (1580) H 4ᵃ;
derhalben damit er jn im lande behielt, macht er (könig Matthias) ihn (den mönch Gabriel von Veron) zum bischoff zu Agria ... vnd vbergieng vieler fuͤrsten kinder, die darumb warben Rätel Curäi chron. d. herzogth. Schl. (1607) 193; umb eine und andere gewisse vacirende stelle oftmahls per casus obliquos werben, sich selbst obtrudiren oder einbetteln ... das kan nimmermehr justificiret und gelobet werden J. A. Quensted ethica pastoralis (1678) 163;
der juͤngling um das ampt warb
Eschenburg beispielslg. z. theorie (1788) 1, 40;
ich glaubte um einen posten bei der öffentlichen bibliothek in Kassel werben zu können Jacob Grimm kl. schr. (1864) 1, 9; wenn der gröszte mann des zeitalters, ... um das consulat werbend, ein patricier wäre Niebuhr röm. gesch. 2 (1812) 343; nun hast du sogar das amt erhalten, um welches so viele geworben haben Stifter s. w. (1901) 3, 273; vielleicht wirbt noch ein jüngerer sohn des hauses um eine fähnrichstelle in des kaisers heer G. Freytag ges. w. 17 (1888) 9; substantiviert: das vneerlich werben oder nachin lauffen vmb eeren oder sunst aͤmpter ambitus Maaler teutsch spraach (1561) 489; in der biographie ist alles gegeben, ausser der art des werbens um das konsulat Ludwig ges. schr. (1891) 5, 428.
b)
nach etw. werben: candidati ... die nach aͤmpteren stellend oder sunst nach einem stand werbend Frisius dict. (1556) 180ᵃ; spirare tribunatum nach dem zunfftmeisterampt stellen oder waͤrben, vnderston zunfftmeister zewerden ebda 1234.
c)
werben, etw. zu werden: candidatus tribunitius der bittet oder nahin wirbt zunfftmeister zewerden Frisius dict. (1556) 1328ᵇ.
3)
jem. für eine funktion gewinnen.
a)
für eine arbeit, eine tätigkeit anwerben (vgl. werber 2 c α und werbung 2 b β αα).
α)
jem. werben findet sich in dieser verwendung bereits im spätmhd. belegt, häufiger dann erst wieder im jüngeren nhd.: darumb haben wir dein knecht geworben altdt. passionssp. a. Tirol 158 Wackernell; wir wellen auch, wer ... ainem sein knecht oder sein dirn aus seinem prot in das sein wirbt oder nimbt, das der werber oder der nemer des gegen dem gericht soll unentgolten sein (15. jh.) österr. weistümer 1, 326; und wenn ein richtär ehafte teiding berueft, so sol er di vorsprechn selbs werbn (Essenbach, o. j.) weistümer (1840) 6, 118; von oktober bis mai arbeiten zwanzig- ... tausend leute in der Campagna, welche ... aus dem auslande geworben werden Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 172; der herrschaftliche förster Frelikowski lief herum und warb bereits treiber C. Viebig d. schlafende heer (1930) 93; in Berlin wollte er geeignete mitarbeiter werben E. Mühsam namen u. menschen (1949) 100. substantiviert: die finstere gestalt Butler's, das werben der mörder, ist in einer lange und stark anregenden steigerung dem zuschauer in die seele gedrückt G. Freytag ges. w. 14 (1887) 70. übertragen:
was hat die liebe nicht vor dichter schon geworben
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 118;
jem. werben zu oder als etw. 'jem. zum helfer (u. dgl.) zu gewinnen suchen':
und ich folgt' ihm so gern, als nun er zur magd mich geworben
Göthe I 50, 261 W.;
diese politische erwägung veranlasse mich, ihnen als der gegenwärtig stärksten partei entgegen zu kommen, indem ich ihren führer zum collegen zu werben suchte, ob für die finanzen oder das innere, sei mir gleichgültig Bismarck ged. u. erinn. 2, 210 volksausg.; die bemühungen ... (von) Lothar Bucher, Karl Marx zum mitarbeiter am 'staatsanzeiger' zu werben Bebel a. meinem leben (1946) 3, 11; der muszte sich an die mächtigen im gottesreich wenden, an die apostel, die mutter des herrn oder an die heiligen ... diese hatte er als seine fürbitter zu werben G. Freytag ges. w. 17 (1888) 235; jem. werben zu bzw. für etw. 'jem. für ein aufgabengebiet, eine unternehmung gewinnen':
ja Christ hat uns zu seinem dienst geworben
Tieck schr. (1828) 2, 16;
immer wieder sandte sie (d. römische kirche) ihre bekehrer zu den halben Christen wie zu den heiden; wo das apostelamt nicht half, warb sie die fränkische axt zum volkskriege G. Freytag ges. w. 17 (1888) 231; jetzt soll er mit Karl, den er für die wirthschaft des freiherrn geworben, auf dem neuen gut eine bessere ordnung einrichten ebda 5 (1887) 4; für diese gesandtschaft warb mich Maximinus durch bitten zum begleiter ebda 17 (1888) 146; hierher auch:
und đie im thal verderben
in trüber sorgen haft,
er möcht' sie alle werben
zu dieser wanderschaft
Eichendorff s. w. (1864) 1, 236;
ein aus der mitte der bursche erwählter platzmeister regelt und ordnet den tanz, wirbt tänzer zu extratouren Böhme gesch. d. tanzes (1886) 155.
β)
werben ohne obj. (18. u. 19. jh.): ich aber bin nach Rom gereist, um ein ächter Deutscher zu werden, und wenn ich könnte, würde ich eine neue irruption germanischer völker in dies land, zumal nach Rom veranlassen. die Italiener sollten mir dienen, und in Rom wollte ich insonderheit werben (27. 12. 1788) Herder in: schr. d. Goetheges. 5 (1890) 119; für korrespondenzen werde ich sorgen. hier denke ich O. und Cybulski dafür zu engagieren und in Halle ... soll auch geworben werden (14. 12. 1847) Emma Herwegh in: br. v. u. a. Herwegh (1896) 67.
b)
insbesondere im militärischen bereich. hierher vielleicht schon: darnach het der purkgraf Fridreich von Nürmberg ein krieg mit der stat von Rotenburg. si teten grosz schäden ze paider seit an ainander mit prant ... do der purkgraf sach, daz die von Rotenburg ie nit anders wolten, do pesamnet sich der purkgraf und warb all herren von Pairen auf die von Rotenburg, und machten vor Rotenburg vier veld und lagen vor der stat und teten der stat grossen schaden sächs. weltchron. 361, 17 Weiland; und: sunder er het gevolget seiner hausfrawen, Luitpurga genant, kuniges Desiderii etwen zu Lombarden tachter, und hyet Avares, dy yeczunt Ungeren hayssent, gewarben wider das reich und hyet vil veintlicher sachh ... geübet Andreas v. Regensburg 608 Leidinger; seit dem älteren nhd. sehr geläufig für '(truppen, soldaten) anwerben', besonders seit dem 17. jh. reich belegt (vgl. werber 2 c β und werbung 2 b β ββ).
α)
mit akk.-obj.: ja es beschiehet auch ... ein groszer nutz aus diesem, dasz i. f. g. ... auch knechte und reiter werben lassen Schweinichen denkw. 101 Ö.; die ... eine grosse menge kriegsvolck ... werben liessen theatr. amoris (1626) 74 f.; ein officier, wenn er soldaten werben will, musz mehr auf das innerliche und auf ihre tugenden, denn auf ihre taille sehen H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 145; ... bothen (die österreichischen stände) ihre katholischen mitstände zu einer ähnlichen widersetzung auf und fingen an, truppen zu werben Schiller 8, 61 G.; dieser prinz warb einige tausend schwarze ... krieger Ritter erdk. (1822) 1, 448; schon hatte herzog Ulrich 16 000 Schweizer geworben, und es war zu fürchten, die alte feindseligkeit zwischen dem eidgenössischen und dem schwäbischen bunde möchte wieder aufwachen Ranke s. w. (1867) 1, 252; ich höre, dass unser ... kurfürst ... eine brandenburgische armee wirbt Fontane ges. w. (1905) I 1, 17; im bilde:
Cupido laͤsset volk zu seiner leibwacht werben
J. Grob dichter. versuchg. (1678) 55;
denn schon warb ich ein heer, und so weit sich ein deutsches gefühl regt,
treten in schaaren bereits meine vertheidiger auf
Platen ges. w. (1839) 151ᵇ;
o freund, ich selber würbe gern ein heer zu wunderbarem, nie gewagtem feldzug Carossa rumän. tageb. (1926) 24; in freierer anwendung: vor ... jahren gaben die avisen, dass ... in Thüringen ein regiment junge weibes-bilder ... geworben worden ... Morea zu bevölckern zeitungs lust u. nutz (1697) 239; und im bilde: wer wollte sich nicht zur weiberfahne werben lassen, wo man so gut und sicher dient? Hippel üb. d. ehe (1792) 195. oft findet sich das part. prät. attributiv gebraucht: einer von Eggenberg wolte etlich geworben volck der liga zu hulff wider den koͤnig in Franckreich fuͤhren, durch keys. m. landen mit deren verwilligung Zinkgref apophthegmata (1628) 152; nahete Kemeny Janos mit seinen übrigen gewerbeten völckern auch ihn [!] grossem ernst G. Kraus siebenbürg. chron. 2, 119 (fontes rer. Austriac. I 4); woselbst eine anzahl bawren verschantzet lagen vnd bey drittehalbhundert man geworbenes volcks bey sich hatten Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 158, ähnl. ebda 1 (1648) 25; wann ein feind new geworbene völcker führet, so nicht exerciret vnd zum krieg tüchtig vnd abgerichtet seynd Böckler schola militaris (1665) 15 (vgl. dazu: neu- ò frischgeworbene mannschafft soldatesche, militie nuove, fresca- ò nuovamente levate Kramer t.-ital. 2 [1702] 1325ᵇ); so ist es auch einerley, ob es eigene oder geworbene soldaten sind H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 314; das dänische militair, damals meist aus geworbenen deutschen soldaten bestehend, war verhaszt Steffens was ich erlebte (1840) 1, 180; er stand an der spitze eines geworbenen heeres, das nur · durch geld zusammengehalten werden konnte Ranke s. w. 2 (1867) 76; die geworbene armee, mit welcher Friedrich der grosze Preuszen vor zerstückelung und unterjochung schützte, wäre eine unmöglichkeit gewesen, wenn der adel nicht die handhabe dazu bot, in gestalt des officiercorps Bismarck polit. reden 1, 151 Kohl; vgl. auch: die armee Friedrichs des groszen, wo unsere officiere aus geworbenen abenteurern aller länder gute Preuszen schufen ebda 1, 337; vereinzelt auch substantiviert:
also steht er unentschlossen,
während dort geworbne schon
ziehn in's feld auf flinken rossen,
lustig mit trommetenton
Lenau ged. (1857) 1, 284.
β)
ohne angabe des objekts:
er (könig Abya) warp mit hohen muͦte
uf ein strit mit aller craft:
gein Jeroboam herschaft
gewan er ein vil michel her,
vier hundert tusent wol zewer,
die uzzerwelt waren
an manheit und jaren.
do wider warb Jeroboan
und gewan achte hundert tusen man
Rudolf v. Ems weltchron. 477 Ehrismann (v. 33990 und 33997);
er wolte nicht ... vnter das schwedische joch kommen, sondern anfangen zuwerben vnd seine festungen selbst besetzen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 6; man sagt hir, er wirdt händer (!) mitt dem könig in Preüssen bekommen, dasz dieszer könig gar starck wirbt Elis. Charl. v. Orleans br. (1719) 151 Holland; sie (die werber) müszen zehren, wo sie werben Stephanie s. lustsp. (1771) 5;
und ich wär' bald für ungeduld
wieder heim gelaufen zum schreibepult,
wenn nicht eben auf allen straszen
der Friedländer hätte werben lassen
Schiller 12, 26 G.;
warum würde denn noch so stark geworben, wenn's friede wäre? Engel schr. (1801) 5, 14;
der herzog läszt im ganzen lande werben,
doch fehlt es so an führern als soldaten
Bauernfeld ges. schr. 3 (1871) 55;
schon war das reich überschwemmt von den werbenden, aufstachelnden, katzenpfötigen emissären der Franzosen W. Raabe s. w. I 3, 201 Klemm; das reiche Veji konnte ... mit erfolg in Etrurien werben: und freywillige ... hatten sich ... eingefunden Niebuhr röm. gesch. 2 (1812) 74; das war der ursprung der 'eisernen division'. unter diesem namen wurde für sie geworben qu. a. d. j. 1935; substantiviert: davor kann ich (ein werbecorporal) nicht, ich habe starke bleszuren am kopf; von zwey drey gläsern wein habe ich einen rausch, und beym werben musz man trinken Stephanie s. lustsp. (1771) 46. in dichterischer sprache findet sich mitunter das bild der werbenden (zum kampfe aufrufenden) trompete:
und die trompete
lassen wir werben,
wie zu der freude,
so zum verderben
Göthe I 14, 49 W.;
horch, die trompeten werben
Körner w. 1, 142 Hempel;
trompeten nur hör' ich werben
so hell durch die frühlingsluft,
zur hochzeit oder zum sterben
so übermächtig es ruft
Eichendorff s. w. (1864) 1, 397;
die trommeln wirbeln, die trommeten werben
Uhland ged. ⁶174;
in andere bereiche übertragen:
Satan geht herum und wirbet;
wohl dem, welcher zeitlich stirbet!
Schmolcke s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 721;
eine trummel wuͤrde er (mein college) ihm (dem herausgeber der 'belustigungen') umgehaͤngt haben, und so haͤtte er werben muͤssen Schwabe belust. (1741) 3, 286.
4)
jem. als anhänger zu gewinnen suchen, propaganda treiben (vgl. werber 2 d und werbung 2 b γ).
a)
'jem. als freund, (partei-)anhänger oder für eine sache gewinnen bzw. zu gewinnen suchen' ist seit dem frühnhd. belegt
α)
in der wendung jem. werben:
he! warst du der, als du gefährten warbst?
Bürger s. w. 151ᵇ Bohtz;
glauben sie mir, an den fürsten liegt es nicht allein, wenn sie ihren adel nicht so werben, wie ich sie (anrede) geworben habe Klinger w. 8 (1809) 168;
auch der Alzeller soll uns nid dem wald
genossen werben
Schiller 14, 304 G.;
die meldung Northumberlands, der verschworene wirbt Ludwig ges. schr. (1891) 5, 190; die 15 subscribenten, die ich hier, in Drakenburg und in Hannover geworben habe Hölty ged. 257 Halm; schon unter den weltlichen Griechen, den nüchternen Römern hatte die begeisterung zahlreiche treue blutzeugen geworben G. Freytag ges. w. 17 (1888) 225; der herzog von Lüneburg ... warb allenthalben freunde und rüstete sich auf das stattlichste Ranke s. w. (1867) 1, 247; aufgabe der propaganda ist es, anhänger zu werben, aufgabe der organisation, mitglieder zu gewinnen qu. a. d. j. 1933; auch mit ausdrücklicher angabe der sache, für die jemand geworben wird; angeschlossen durch für: es wäre das kluͤgste, was er auf seinen reisen thun koͤnnte, weise leute zu werben fuͤr seine hundert nationen (17. 1. 1782) Gleim briefw. 2, 324 Körte; ja, freund, mein vorhaben ist auf nichts geringers gerichtet, als in Holland und England zöglinge für mein institut zu werben Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 3, 210;
wer hirt ist, wintre ruhig seine heerde
und werb' im stillen freunde für den bund
Schiller 14, 336 G.;
so kann man in seinem 'neuesten' wohl verfolgen, wie er (Gottsched) ... den armseligen hofpoeten Casparson in Cassel, die baierischen reimschmiede und aehnliches aus dem staube hervorzieht ..., die fremden bald mit lobsprüchen, bald mit tadel für seine schule wirbt Gervinus gesch. d. dt. dichtg. (1853) 4, 20; ich schlug es (das buch) still und gedankenvoll zu, dachte zwar nicht sehr tief, war jedoch, wenn auch nicht klar bewuszt, für die bande geworben Keller ges. w. (1889) 1, 199; bzw. der person, als deren freund, anhänger etc. jem. geworben wird (ausgedrückt durch den dativ): so halte ich mich an die lehren des kammerraths ... bey ihm will ich in die schule gehen ... ich habe ihn mir geworben, und der fürst wies mich selbst an ihn Klinger w. 8 (1809) 184; und jener fuhr fort: er beschwöre daher den landsmann um des gemeinen besten willen, er möge ihm zu rath und that seyn und ihm getreuliche gespanen zu werben suchen aus allen schwäbischen gauen Aurbacher volksbüchlein (1835) 203; es lag nahe, den tod mit seinem gesinde einen reihen aufführen zu lassen, er wirbt sich, durch pfeifen und geigen, nachfolger mythol. ⁴2, 707; umgekehrt feinde wider jem. werben:
wirbt feinde wider mich, wo er sie finden kann
J. E. Schlegel w. (1761) 1, 249.
hieran schlieszen sich wendungen wie stimmen, gute meinung werben:
(Metellus:)
gewinnt ihn ja für uns. sein silberhaar
wird eine gute meynung uns erkaufen
und stimmen werben, unser werk zu preisen
(and buy men's voices to commend our deeds)
Shakespeare (1797) 2, 45;
da von vielen seiten wünsche und vorschläge eingegangen sind (für die verleihung von ehrendoktorwürden), so wird wahrscheinlich eine liste in der facultät circulieren und darüber abgestimmt werden; ich habe bereits stimmen geworben, und die intrigue ist in vollem gange (25. 6. 1837) W. Grimm a. Lachmann, briefw. 2, 884 Leitzmann; nur kurze zeit lasz dir das gewand gefallen, welches wir dem fremdling im hofe spenden; unterdesz wirbt dir mein herr im volk gute meinung G. Freytag ges. w. 8 (1887) 18.
β)
werben um jem.: darffst weder vmb pabst noch cardinal für hin werben Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 13 ndr.; anno domini 1017 hat hertzog Gerhart ... und bischoff Wernherr ... ein ... pratick miteinandern gemacht ... und wurbend heimlich umb mehr anhaͤnger (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. 1 (1734) 5; gott wirbt vmb vns, nicht wir vmb jhn Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 1, D 3ᵇ; werbe nicht ängstlich um freunde! Knigge umg. m. menschen (1796) 2, 157; nicht nur um die vornehmen sorgten sie (die christlichen priester), beflissen warben sie auch um die dürftigen G. Freytag ges. w. 17 (1888) 228; denn man wirbt von dort um uns Bismarck ged. u. erinn. 1, 208 volksausg.; so lange wir diese haltung annehmen, bedarf man unser noch und wird um uns werben ebda 1, 140. substantiviert werben um die stimmen (vgl. dazu oben α, letzte beleggruppe): übrigens soll die heftigste bewegung unter den bundestagsgesandten selber stattfinden. niemahls noch so viele persönlichkeiten, solch ein werben um die stimmen Dahlmann a. Jac. Grimm in: briefw. 1, 250 Ippel.
b)
werben 'propaganda treiben', 'reklame machen'. in dieser bedeutung vom 18. jh. bis in die moderne zeit bezeugt.
α)
in allgemeineren anwendungen.
αα)
werben für jem. (etw.) 'für jem. (etw.) propaganda machen': die gestalt selber des jungen fürsten warb für ihn Haller Usong (1771) 37;
wer ist von eitelkeit so frey,
um nicht für seinen glauben gern zu werben?
Schiller 5, 2, 326 G.;
den bären denkt er sich in den rauhen Ardennen nach osten zu, den löwen in dem milden, gesegneten Flandern herschend; die verschwornen werbend für ihre partei zwischen der Somme und Elbe Jac. Grimm vorr. z. Reinhart Fuchs (1834) clviii;
und werben für die heil'ge stadt wie jener mönch von Amienz
Geibel w. (1888) 1, 193;
zunächst bekämpfte er (Zwingli) alle jene partei-verbindungen mit den auswärtigen mächten, selbst mit dem papst. er soll gesagt haben: der cardinal von Sitten, der für den papst warb, trage nicht mit unrecht rothen hut und mantel Ranke s. w. (1867) 3, 45; mit Baiern verhandelte der staatskanzler (Hardenberg) insgeheim schon seit dem januar ... die königin, kroprinz Ludwig, Anselm Feuerbach und mehrere andere einfluszreiche männer warben rührig für die gute sache Treitschke dt. gesch. (⁶1897) 1, 447; wie käme das bayrische budget dazu, in seinen reichsmatrikularbeiträgen dafür zu zahlen, damit in München die preuszische ansicht geltend gemacht werden kann, damit für sie geworben werden kann, damit sie dort anklang findet? Bismarck reden 6, 55 Böhm; ferner musz man die bewegungen des herrn von Ellendt genau verfolgen, der sich jetzt in Deutschland herumtreibt und für die sächsische lösung (der litauischen königsfrage) wirbt A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 361; substantiviert: man habe, sagt er ..., 'insinuirt', seine 'vorlesungen' sein der jugend schädlich, sie und das buch sein auf verstecktes werben für katholicismus angelegt Voss antisymb. (1824) 2, 312; briefe verkünden mir (dem polnischen könig), dasz im reich unter dem adel ein starkes werben für den hochmeister ist G. Freytag ges. w. 11 (1887) 117; irgendwo zeigen sich meistens mängel in unserer befähigung zum praktischen werben für den deutschen gedanken in der auszerdeutschen welt (1912) Rohrbach d. dt. ged. i. d. welt (1916) 196. werben gegen jem. 'gegen jem. propaganda machen': der Kugler warb nur eifrig gegen ihn O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 70.
ββ)
absolut gebraucht: sie (die jungen nationalsozialisten) begannen (in Österreich) zu werben und gleichzeitig zu drohen, dasz wer nicht rechtzeitig sich bekenne, später dafür werde bezahlen müssen St. Zweig welt v. gestern (1947) 429; oft im part. präs.: von Lyon verwiesen, zog die gemeinde (der Waldenser) werbend und predigend nach verschiedenen richtungen qu. a. d. j. 1932; das auch in adjektivischer verwendung auftritt: man kann sagen, dasz die anstalt seit der zeit erst zu ihrem hohen glanze durch Wolkens werbende talente gekommen ist Lose schattenrisse (1783) 1, 213; die annahme des kaisertitels durch den könig ... war ein politisches bedürfnisz, weil er ... ein werbendes element für einheit und centralisation bildete Bismarck ged. u. erinn. 2, 139 volksausg.; der geist der rücksichtslosen strenge gegen sich selbst, der in seinem (Kants) systeme waltete, war eine werbende macht für sich auch ohne die schwere rüstung der abstrakt-schematischen beweisführung, deren Kant nirgends entraten zu können glaubte Meinecke Boyen (1896) 1, 81; zwischen dichterischer arbeit und werbendem eifern für eine idee E. Mühsam namen u. menschen (1949) 25; und substantiviert: weil alle die haufen klein sind, in die sich die parteien trennen, so ist es ein ewiges hetzen, werben, compromittiren (14. 3. 1803) Göthe IV 16, 199 W.; das christliche werben (der inneren mission) gibt sich da zum deckmantel einer ganz weltlichen industrie ... her Gutzkow ritter (1850) 4, 49; bis zuletzt hatte das werk (die herausgabe von Bachs sämtlichen werken) unter der teilnahmlosigkeit der menge gelitten, die zahl der subskribenten, deren es am ende des ersten jahres dreihundertundfünfzig gegeben hatte, ging nicht hinauf; ohne das begeisterte werben Franz Liszts und Hausers ... wäre sie nicht einmal innegehalten worden Schweitzer Bach (1948) 234.
β)
in der sprache der modernen wirtschaft neuerdings häufig für älteres 'reklame machen', das durch werben mehr und mehr zurückgedrängt wird (vgl. werbung 2 b γ γγ).
αα)
werben für etw. 'für einen artikel oder eine sache reklame machen': in origineller weise wurden 114 eternitrohre im freigelände (einer ausstellung) aufgebaut, um für diesen asbest-zement-kunststoff zu werben Berliner zeitungen a. d. j. 1957; in bayerischen dirndlkleidern sollen die stewardessen der deutschen lufthansa vom 21. bis 27. september auf der route nach New York ... ihren dienst versehen. mit dieser tracht werben sie für den touristenverkehr und speziell für das Münchner oktoberfest ebda.
ββ)
in absoluter anwendung: rationeller werben titel einer schrift, herausgegeben vom verein dt. maschinenbauanstalten, Frankf. a. M. 1955; soll das fernsehen werben? Berliner zeitungen a. d. j. 1956; Thompson (eine grosze werbeagentur) arbeitet mit 35 niederlassungen in 21 staaten und wirbt in allen ... ländern der welt. dabei sind vielschichtige probleme zu lösen ... ebda 1957; und wenn nach gründlichen untersuchungen und überlegungen endlich die beantwortung der ... frage heranreift: wie wollen wir verkaufen? (also: wie wollen wir werben?) — dann weisz man bei Thompson genau, wohin die reise geht ebda; öfter im part. präs. in zusammensetzungen: handbuch für den werbenden buch- und zeitschriftenhandel (1956) titel; einerseits dürfte das (3000.—dm für eine fernsehminute während der reklamesendung) nicht reichen, um die echten kosten zu decken, d. h. wenn man sie echt kalkuliert, andererseits ... dürfte es sich aber auch die werbende wirtschaft überlegen müssen, ob sie einen solchen ... tarif anlegen will, um sich an einen doch nur sehr begrenzten teilnehmerkreis zu wenden Berliner zeitungen a. d. j. 1956; aber, was noch schwerer wiegt, auch die werbende wirtschaft, soweit sie verbandsmäszig organisiert ist, hat sich bisher heftig gegen all diese pläne einer fernsehwerbung (im bayerischen rundfunk) gewehrt. gerade die privatwirtschaft musz sehen, wie hier mit einer öffentlichen monopolstellung miszbrauch getrieben wird ebda.
γ)
in übertragener bedeutung im sinne von 'locken' vereinzelt in modernem dichterischem gebrauch: berauscht und fiebernd stand ich auf, machte licht und warf mich auf die arbeit, liesz menschenstimmen und instrumente werben und flehen und drohen, wiederholte das lied der sehnsucht in neuen, fiebernden melodien H. Hesse Gertrud 215 dt. buchgem.; auch werbend 'lockend': lust und mühe der vergangenen tage, hoffnungen und schlaflose nächte, leidenschaft und sehnsucht jener zeit standen losgelöst und verkleidet mir gegenüber, die erregungen heimlicher stunden klangen frei und werbend in das haus (das theater) an tausend fremde herzen H. Hesse Gertrud 333 dt. buchgem.; dann schlosz ich mich ein, spielte die heisze werbende musik meiner oper, die ich plötzlich wieder liebte und verstand ebda 353; Dürers apokalypse ist die stärkste je gewagte nordische antithese (mag man sie 'faustisch' nennen) zum südlichklassischen ideal, das um dieselbe zeit werbend und lockend zu Dürer herantrat Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 45; der sprechchor ist künstlicher und einstudierter, er ist gewaltsamer werbend als der gesang V. Klemperer l. t. i. (1949) 246.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1,2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 153, Z. 61.

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Zitationshilfe
„werbe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werbe>.

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