Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werbpatent, werbepatent, n.

werb(e)patent, n.
1)
schriftlicher obrigkeitlicher befehl zur werbung von soldaten (zu werben II B 3 b; s. auch patent 1 teil 7, 1501), der dem werbeoffizier vor ausübung seiner tätigkeit ausgehändigt werden musz: und habet ihr hierbei das werbepatent zusammt einer gedruckten ordre ... zu empfangen (18. 7. 1648) urk. u. actenst. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 1, 270 Erdmannsdörffer; ein officier hat bey der werbung mancherley in obacht zu nehmen, wenn er seinen pflichten und gewissen nachleben und es gegen gott, gegen seinem landes-herrn, gegen seine officirer, unter deren commando er stehet, und gegen das land verantworten will. er musz sein werbepatent ansehen, und sich nach dessen inhalt genau erkundigen, um seiner instruction nach zugehen; er musz das subiectum, oder den mann, der ein soldat werden will, oder soll, genau betrachten H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 122ᵇ; die paͤsse, salvegarden, werbe-patente, abschiede, und dergleichen muͤssen sie (kriegssekretäre) auf befehl serenissimi oder ihres generals unsaͤumig abfassen, und zur vollziehung und unterschrifft vortragen ebda 172ᵇ; ... dasz ... andere in denen vorherigen werb-patenten verbothene leute ... nicht angenommen werden koͤnnen J. A. v. Friedenberg abh. v. d. i. Schlesien üblichen rechten (1738) 1, 293; ich habe des koͤnigs werbepatent abscheulich gemiszbraucht Eschenburg Shakespeare (1775) 6, 377; werbeoffiziere wurden sonst diejenigen offiziere genannt, welche im auftrage ihres fürsten oder ihres obersten entweder bereits gediente, aber entlassene soldaten anderer fürsten und staaten, oder auch andere junge leute zum kriegsdienst anwerben sollten; sie wurden deshalb mit werbepatenten und mit den erforderlichen geldsummen zur bestreitung des handgeldes versehen, erhielten einen schreiber zum beistande und betrieben die werbung theils geheim, theils öffentlich Krünitz encycl. 238 (1856) 414; im bilde:
aber wenn der fuͤrst vom bunde
zum beliebten ort und stunde
seine werbpatente gibt,
da mag kommen, wems beliebt
anh. u. zugab. zu d. gesangb. d. brüdergem. (1741) 1432, 3;
grosse krieges-rüstungen machete Lucifer ... der werbplaz wurde wuͤrcklich eroͤfnet ... zugleich wurde das werb-patent abgelesen, welches fast eine krieges-erklaͤrung seyn konte, und hierin bestunde, dasz der grosz-teufel Lucifer von dem fuͤrsten Michael vor geraumer zeit seines angebohrnen himmelsantheil beraubet und in das aͤusserste elend verstossen worden ... nunmehr aber waͤren seine wolbestelte lieutenants Belial und Satan von ihme mit den noͤthigen patenten versehen worden ... einige tausend soldaten anzuwerben, welche gebraucht werden solten dem himmel allen moͤglichen abbruch zu thuen ... Lindenborn Diogenes (1742) 2, 693.
2)
in dichterischer sonderanwendung, wobei werbepatent scherzhaft mit der bedeutung II B 1 von werben in verbindung gebracht wird: daher ein mädchen nie so begierig für ihr theater den zweiten liebhaber wirbt als nach dem hintritt des ersten und nach den schwüren, ihr werbepatent wegzuwerfen Jean Paul w. 7/10, 154 Hempel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 186, Z. 10.

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Zitationshilfe
„werbepatent“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werbepatent>.

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