Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werbplatz, werbeplatz, m.

werb(e)platz, m.,
ort, an dem militärische werbungen durchgeführt werden (zu werben II B 3 b): wan aber chur-fuͤrsten vnd staͤnde sich mit dem koͤnige in offentliche conjunction einzulassen noch zur zeit bedencken truͤgen, moͤchten sie ... gleichwol ... die contribution den keyserlichen ... wieder den koͤnig abstricken, ihnen keine werb- vnd lauffplaͤtze gestatten, die durchzuͤge vnd einqvartierung hindern Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 138; und alsdann (sollen) denen regimentern und bataillons die werbe-plätze angewiesen ... werden (24. 11. 1693) Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 4 (1940) 158; werbe- oder lauff-platz nennt man denjenigen ort, der einem officier angewiesen worden, die werbung darinnen zu thun Fäsch kriegslex. (1735) 998ᵇ; ferner haben auch die auswaͤrtigen die freyheit gehabt, in Deutschland werbeplaͤtze aufzurichten, welche man wegen der dabey entstandenen misbraͤuche in etwas eingeschraͤnket anmuth. gelehrs. (1753) 315 Gottsched; ein junger officier ... will eine stadtjungfer seines werbeplatzes ... verfuͤhren allg. dt. bibl., anh. z. bd. 25—36 (nach 1778) 2996; von diesem schlage (die stadt Pilsen an den kaiser verkauft zu haben) nicht erschüttert, sah man ihn (Ernst graf v. Mansfeld) bald darauf in der Oberpfalz neue werbeplätze anlegen Schiller 8, 109 G.; aus den werbeplätzen des prinzen von Condé zu Worms ..., des cardinals Rohan ... zu Ettenheim im Breisgau ... und ... des grafen Artois zu Coblenz ... stellte sich eine emigrantenmacht von über 20 000 mann zusammen Dahlmann franz. rev. (1845) 414; vom katheder hinweg führte professor Steffens ... seine gesammte hörerschaft zum werbeplatze der freiwilligen jäger Treitschke dt. gesch. 1 (⁶1897) 432; mancher junge mann aus den kleinstaaten meldete sich im 'scepter' zu Breslau, wo die Lützower ihren werbeplatz aufgeschlagen hatten ebda 1, 435; der kriegsherr bevollmächtigte durch patent einen versuchten führer, für ihn ein heer ... zu werben, dann wurden werbeplätze gesucht, ein musterplatz festgesetzt, auf dem sich die geworbenen sammelten G. Freytag ges. w. 20 (1888) 40; übertragen auf die werbezentralen eines ordens, mit hineinwirken der bedeutung von werben II B 4: sie (die Jesuiten) hatten ... werbplaͤtze in Ungarn allg. dt. bibl. 82 (1788) 379; auch angewandt auf geographische räume, aus denen heeresergänzungen gezogen werden: Hannover bei England ist ... seine landungsbrücke, sein werbeplatz F. L. Jahn w. 1, 146 Euler; der süden und westen des reichs wurde das ergiebigste werbegebiet der preuszischen regimenter. seit das preuszische heer entstand, hörte das reich allmählich auf, der offene werbeplatz aller völker zu sein Treitschke dt. gesch. 1 (⁶1897) 41; sein (Mithradates) werbeplatz reichte von der Donaumündung bis zum Kaukasus und dem Kaspischen Meer; Thraker, Skythen, Sauromaten, Bastarner, Kolchier, Iberer (im heutigen Georgien) drängten sich unter seine fahnen Mommsen röm. gesch. 2 (⁶1874) 275; auch bei der söldnerlieferung, die von dem allgemeinen werbeplatz der damaligen zeit, von Hellas aus nach Italien und namentlich nach Tarent ging ... ebda 1 (²1856) 357; die insel (Kreta) ward der werbeplatz für die umliegenden königreiche, seit dieser unfug im Peloponnes nicht mehr geduldet ward ... ebda 2 (⁴1865) 64; Deutschland ward für mehr als ein jahrhundert die hauptwerbestätte des Occidents ... weil diese mächte von Frankreich bis Dänemark hier das immer bereite material für ihre kriegsheere fanden, ward der grosze werbeplatz zugleich immer mehr das schlachtfeld aller europäischen kriege Nitsch dt. studien (1879) 93; Deutschland bildete den werbeplatz für die rekruten Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 3, 93; bzw. auf menschengruppen, aus denen armeen ergänzt werden: ihr (der rebellen) werbeplatz war die ganze christliche welt Schiller s. schr. 7, 14 G.; die steppenvölker ... boten ihm ... einen unerschöpflichen werbeplatz für seine armeen Mommsen röm. gesch. 2 (⁶1874) 273; in bildlichen anwendungen: grosse krieges-ruͤstungen machete Lucifer; und obwol derselbe schon ein zahlreiches krieges-heer wol exercierter teufeln auf den beinen hatte, so wolte er gleichwol noch einige regimenter von jener art menschen uͤbernemmen oder anwerben lassen, welche arger als die teufeln selbst waͤren und fuͤr seine beste kriegesvoͤlcker gehalten werden solten. der werb-plaz wurde wuͤrcklich eroͤfnet. der hochmuth und geitz waren die trommelschlaͤger, welche eine trommel ruͤhreten, so mit der haut der alten schlangen bespannet ware. man gabe ein grosses handgeld, welches aber in falscher muͤnz bestunde ... zugleich wurde das werb-patent abgelesen, welches fast eine krieges-erklaͤrung seyn konte Lindenborn Diogenes (1742) 2, 692; da klopfte endlich an der kalten stube ... das schreiben an, welches rapportirte, dasz der ehrwürdige buchhändler Vosz ... meine beiszige erstgeburt mit liebe in sein handelwerbhaus aufnehme und sie so ausrüsten werde, dasz sie zur ostermesse in Leipzig zu den andern gelehrten kreistruppen und enfans perdus stoszen könne. was er denn redlich, wenigstens zu meinem vortheil gehalten. denn beute, gefangne oder sonst geldeswerth wird ihm die erstgeburt schwerlich viel nach hause geschickt haben, zumal da sie selber bald wieder mit eil-krebsmärschen nach hause ging und da lieber eingezogen ihren werbplatz, den laden, hütete als wild in Deutschland umherschwärmte Jean Paul w. 40/41, 16 Hempel; meint er solche werbeplätze der sünde, solche beiwachten (anm. 'bivouac') des lasters F. L. Jahn w. 2, 838 Euler; wohl zu werben II B 4 im sinne von 'ort zum propagandatreiben': jeder aber, der einer solchen (studentischen) verbindung beitrat, zählte darauf, sie als werbeplatz für seine besonderen gedanken benutzen zu können H. Leo meine jugendzeit (1880) 169.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 187, Z. 15.

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Zitationshilfe
„werbeplatz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werbeplatz>.

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