Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werberin, f.

werberin, f.,
vgl. werber.
1)
kupplerin (zu werber 1 b β):
da saz ain wib dü konde daz
wer mitt der minn bekombert was
dem gab sy guten rat dar zu
sy phlag syn spat vnd fru
vnd nam dar vmbe miet
sy schuff vnd riet
manig still hochzit
der lützel kaine ere git
ains tages fügt ez sich also
das dü werberinne do
allez werches müzzig sasz
liedersaal 2, 637 Laszberg;
aber wer sie (ein junges mädchen) auch sei: in jenes weibs hände mus sie nicht fallen. es ist, schonend gesagt, eine werberinn, und aus Potsdam ... meine empfänglichkeit für das böse war stärker als sie im 16ten jahr sonst es seyn mag. jener name werberinn war mir lokend! Hermes f. töchter edler herkunft 3 (1787) 30 u. 33; wir fragten unsern begleiter, wer dieselbe sey, und erfuhren, dasz es eine englische werberinn wäre Knigge roman m. lebens (1781) 4, 235.
2)
frau, die etwas erbittet, verlangt, fordert, einsammelt (zu werber 1 c α): den jungen gesellen aber wurde gleichsfalls zur buse gesprochen, dasz er die jungfrau werberin ... ihrer bitt gewaͤhren solte Harsdörffer gesprächsp. 1 (1644) 150; die werberinn foemina petens, ambiens, deposcens Stieler stammb. (1691) 2447; petitrix werberin, ansprecherin Dentzler clavis ling. lat. (1697) 1, 572ᵇ; werberinn ... quae aliquid conquirit Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1030; wohl hierher, aber mit hineinspielen der bedeutung 'botin' (vgl. werber 1 b γ): darumb wil ich (Brangäne) dess (dasz Tristan an den hof zurückkehrt) nicht werberin seyn, ich wolte jm auch vngern darzu rahten buch d. liebe (1587) 89ᶜ.
3)
brautwerberin (zu werber 2 a): wann ein junger gesell (in Formosa) belieben zu einer jungfer hat ... schicket er seine mutter, schwester oder jemand anders von seinen freunden ins hausz, darinnen die jungfer wohnt, ... diese werberinnen nehmen die geschencke, so man der braut zu geben pflegt, mit sich und halten um die jungfer bey ihren eltern an insul Formosa 42ᵃ bei Olearius reisebeschr. (1696); auch im sinne von 'freierin, liebhaberin': freierin, werberin vmb einen amasia, amica, virgo nubilis, matura viro Henisch teutsche sprach (1616) 1207; bzw. 'geliebte'; in bildlicher anwendung: schoͤnheit aber waͤre ... der zunder der liebe; und mehrmahls in der welt eine werberin und braut koͤniglicher wuͤrde gewest Lohenstein Arminius 1 (1689) 1392ᵃ; hierher wohl auch: nichts destoweniger ward sie ... verstossen: weil er, durch verfuͤhrung boͤser gesellschafft, die eine werberinn desz Satans und stieffmutter guten wandels ist, ... die leber an einer jungen metzen verbrennt hatte E. Francisci weh d. ewigkeit (1686) 419.
4)
anwerberin (zu werber 2 c): eine sachliche mitteilung darüber, um welche blüten es sich handelt und wo sie zu finden seien, vermag sie (die biene, die als kundschafterin ausgeflogen ist und nach ihrer rückkehr in den stock ihre genossinnen durch werbetänze veranlaszt, mit ihr die neuentdeckte fundstelle auszubeuten) in keiner weise zu geben. diese information musz der am körper der werberin haftende blütenduft besorgen, nach welchem die neugeworbenen dann das gelände kilometerweit absuchen Fr. Kainz einf. i. d. sprachpsychologie (1946) 99.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 193, Z. 49.

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Zitationshilfe
„werberin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werberin>.

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