Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werbgeld, werbegeld, n.

werb(e)geld, n.
1)
(vorwiegend) im militärischen bereich (zu werben II B 3 b).
a)
das handgeld, das der neugeworbene soldat bekommt; 'mancia che si dà chi si assolda' (Kramer t.-ital. 2 [1702] 1325ᵇ): so wollen wir euch hiermit ... auf jeden mann 6 rth. zum werbegeld verwilliget haben (18. 7. 1648) urk. u. actenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 1, 270 Erdmannsdörffer; einem newgeworbnen soldaten soll zum werbgelt von 3, 4 bisz in 6 und 7 gulden, nach deme der mann qualificirt, auch versucht oder unversucht ist (17. 4. 1657) Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 4 (1940) 408; auff jeden geworbenen, welchen die provintzien an die zur recrutirung abgeschickte officirer überlieffern, sollen 2 rthlr. zum hand- oder werbe-gelde von denen officirern gezahlet ... werden (24. 11. 1693) ebda 159; wenn sich nun iemand anmeldete, um ein soldat zu werden, so ward ihm zugetruncken, die hand gebothen, das werb-geld gegeben, die neue mondur angezogen, und so erhielt man tapfere soldaten H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 122; von den werbgeldern hat er doch nicht etwan eine rechnung eingeschickt? Stephanie s. lustsp. (1771) 8, 14; K. nahm ... die zahl fuͤr richtig an, in der ... freude, dasz er ... das werbgeld in die tasche stecken konnte allg. dt. bibl. 14 (1771) 80; wer sich anwerben liesz, erhielt lauf- oder werbegeld, das beim beginn des (dreiszigjährigen) krieges unbedeutend war und zuweilen von der löhnung abgezogen wurde G. Freytag ges. w. 20 (1888) 40; handgeld, zur zeit der söldnerheere das werbegeld, durch dessen annahme der werbevertrag ... abgeschlossen war Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 4, 616; als seine (Wallensteins) trommel im reich scholl, reicheres werbegeld und reichere beute verheiszend, lief das kriegsvolk ihm zu qu. a. d. j. 1925; im bilde:
was hat denn Amor hie zuschaffen?
er spricht den Filidor an umb ein werbe-geld
und zieht auch mit zu feld
(1660) Stieler geharnschte Venus 6 ndr.;
wer nicht des glaubens ist, meid auch den auffenthalt:
...
sie (die hüter der kirche) geben werbegeld, sie draͤuen mit gefahr
Neukirch ged. (1744) 152;
gelegentlich auch 'handgeld' im weiteren sinne, beim einstellen von gesinde: (er) zieht eine nagelneue fünfguldennote aus der brieftasch': 'das für heut', das ist der leihkauf (angeld, werbegeld) ...' Rosegger schr. I 4 (1903) 349; in übertragener anwendung: verlockend bietet dir die schlange den apfel der erkenntnisz, das sicherheitspfand, das werbegeld, die caparra an Gaudy s. w. (1844) 19, 133.
b)
eine summe, die dem werbeoffizier zur ausführung von werbungen anvertraut wird; 'danari, contanti per levar militie' (Kramer t.-ital. 2 [1702] 1325ᵇ): welcher (Heinrich v. Hilversum) ... mit einigen ihm anvertrauten werbegeldern durch- und zu dem bischoff uͤbergangen war E. Francisci trauer-saal (1670) 1, 477; das derjenige, der das regiment hatt, wohl acht haben muss wie die werbegelder angewendett werden (1724) Leopold v. Anhalt-Dessau a. Friedrich Wilhelm I. 242 Krauske; was ihnen von dem zahlmeister ... an gelde zugestellt wird, muͤssen sie (die kriegssekretäre) mit ausantwortung der post- und lieferungs-zeddul ... im (!) empfang nehmen und verwahren ... absonderlich alles, was denen officierern ... an gage, werbe-geld und sonst gegeben wird, fleiszig notiren, und auf dem bedarf mit ihnen abrechnung halten H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 172; alles weitere (zur bildung von truppen) beruhte auf den werbungen, zu denen jene wohlgeschulten offiziere ... durch ansehnliche werbegelder in den stand gesetzt werden muszten Ranke s. w. 25/26 (1874) 302; ausserdem erhielten die obersten ... werbegelder Alten handb. f. heer u. flotte (1909) 1, 21.
2)
in literarischer einzelanwendung (zu werben II B 1):
wenn einmal ein heldenknabe wird um deine liebe frein,
einer, der zum werbegelde so viel Türkenschädel gab,
als blutrothe rosenstöcke blühn auf deines vaters grab
W. Müller ged. 218 Hatfield.
3)
in der form werbgeld im älteren nhd. lexikalisch belegt im sinne von a) 'betriebskapital' und b) 'erzielter gewinn', 'verdienst durch arbeit' (zu werben I D 2 bzw. II A 3 a γ): peculium ... hauptguͦt, gaͤlt, oder anders einem diener darmit zewaͤrbē, vertrauwt, waͤrbgaͤlt oder waͤrbguͦt, item gewunnen guͦt mit arbeit Frisius dict. (1556) 963.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 148, Z. 10.

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Zitationshilfe
„werbgeld“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werbgeld>.

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