Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werblich, adj.

werblich, adj.
(ohne histor. zusammenhang mit ahd. uuaraplih volvendus ahd. gl. 2, 350, 27; 646, 34 St.-S.; uolubilis uuarplih ebda 2, 660, 8; uersatilis uuarblih ebda 1, 294, 34; 4, 107, 48; 164, 61; uuerbilich ebda 4, 172, 60 [9.—15. jh.]).
1)
activus (zu werben I D 1): eyn werplich lebin vita actiua Konrad v. Heinrichau vokabul. 398ᵃ Gusinde; bzw. negotiosus, zu werben I D 2: werblicht, werbhaft ... negotiosus Stieler stammb. (1691) 2547.
2)
'petens, poscens, expetens, ambiens, flagitans' (Stieler stammb. [1691] 2547); zu werben I D 2, dass. wie werbhaft 2.
3)
(zur ausrichtung, erledigung) aufgetragen (zu werben I E 1): item ab die gemeynen henszestete begeren wurden, das die sendeboten dis landes, die do czur nehsten tagevart kegen Lubik wert czyen werden, mit den sendeboten der hensestete doselbest vorsamelt oberczien sulden czum heren konige von Dennemark, doselbst ir bestes mit en czu werben und ouch umb der gerechtikeit der privilegien des gemeynen kowffmannes ... sunder das dieselbigen hensestete und ere sendeboten den unsern ouch behulffen syn in eren werblichen sachen, die en von deszer stete wegen sint befolen (26. 2. 1434) acten d. ständetage Preuszens 1, 635 Toeppen;
warumb wir hierher kommen nuhr
was unser werblich gschick (auftrag) wil sein
wolt ihr uns hörn ich sag es fein
(mitte 16. jh.) Bresnicer christl. rittersch. A 5ᵃ;
hört ihr nur zu mit gantzem fleis
was doch wird sein das werblich gheisz
wol unsers lieben bruders zwar
ebda B 2ᵇ.
4)
zur charakterisierung einer sache, die man erwerben musz, im gegensatz zu etwas, das ererbt wird (zu werben II A 3): welche erblichkait sich ... gleicher gestalt mag geschicket haben, gleich wie der grosen herrn lehen ..., welche wie die juristische lehenrechtsscribenten melden, erstlich nicht hochgeburtlich waren, sondern hochthunlich ..., das ist, waren nicht erblich, sondern werblich ...
dan gleich wie ainer seinem stammen
nicht laszt sein leibsgstalt, wie den namen,
also würd er vil minder erblich
verlan die tugend, so ist werblich
Fischart w. 3, 41 Hauffen;
es sind aber solche lehen anfenglich nicht erblich, sondern, wie man sagt, werblich und dero thugent belohnung gewesen W. Dilich hess. chron. (1608) 2, 142.
5)
im modernen sprachgebrauch 'zur werbung (2 b γ γγ) gehörig'; in dieser bedeutung zuerst von Johannes Weidenmüller gebraucht (s. A. Schirmer d. sprach- u. schriftverkehr d. kaufmanns [1933] 55): während ... das wort reklame kein einfaches eigenschaftswort zu bilden vermag und propaganda nur das unhandliche propagandistisch, stellt uns kunden werbung die vorzüglich brauchbaren worte werbegemäsz, werberichtig, werblich zur verfügung, wobei die kurzform werblich an kunstgewerblichund gewerblich zweifellos genug stützpunkte findet, um sich ohne widerstand einzubürgern Hans Weidenmüller beitr. z. werbelehre (1912) 63; ... gerühmt als hochleistung werblicher einbahnung und tagesleistung ders., gesang vom werbewerk (1924) 28; werblicher gesprochen: so und so viele kaufentschlüsse schaffen für morgen und künftig — dafür zuerst nicht mehr als dies masz an eingeleit der werblichen dienststelle brauchen — und späterhin verhältnisweise noch weniger! dazu diese neue ware einführen — neue empfergruppen (= empfängergruppen) suchen und finden, nachrichtlich beherrschen — neue streufelder finden und nutzen — werbliche bewusztseinmacht gewinnen, die keinen wettwerber fürchten musz! ebda 25; in allerjüngster zeit stark verbreitet: unternehmen der elektroindustrie sucht für seine werbeabteilung ... nachwuchskräfte, möglichst abitur, mit begabung und interesse für werbliche arbeiten Frankfurter allg. zeitg. 13 (1954) 18; Schwarzkopf sucht für seine presseabteilung einen redakteur. seine aufgabe wird es sein, an der gestaltung der Schwarzkopf-hauszeitschriften mitzuarbeiten. er soll mitbringen: erfahrung und sicherheit im redigieren — kenntnis aller redaktionellen arbeiten — kenntnis in der typografie — erfahrung im texten (es gilt, klare, lebendige texte mit werblichem einschlag zu schreiben) ebda 174 (1956) 25; ein richtiger werbemann braucht für seine arbeit begabung, lebendigkeit, initiative und einfühlungsvermögen. auszerdem braucht er die anerkennung der werblichen arbeit und ein angenehmes betriebsklima Berliner zeitungen a. d. j. 1957; suchen sie einen jungen werbeassistenten? hier ist er! 30 jahre alt, besitzt eine gründliche berufsausbildung und ein umfangreiches fachwissen. seine erfahrungen sammelte er in werbeagentur und in dustriebetrieb. ihm sind alle werblichen arbeiten vertraut ebda; herren, die ... eine erfolgreiche tätigkeit auf dem gebiet der werblichen textgestaltung nachweisen können, werden gebeten, sich zu bewerben ebda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 203, Z. 31.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
weltherrschaft werksbesitzer
Zitationshilfe
„werblich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werblich>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)