Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werboffizier, werbeoffizier, m.

werb(e)offizier, m.
1)
offizier, der für eine armee soldaten anwirbt (zu werben II B 3 b); vgl. werber 2 c β und werb(e)hauptmann: sie wurden so gleich vor einen werb-officier gefuͤhret, welcher untersuchen solte, ob selbige auch die erforderliche faͤhigkeit haͤtten Lindenborn Diogenes (1742) 2, 684; wenn ich den untervogt zum freunde habe, so kann mir weder die herrschaft noch der werb-officier etwas zuwider thun Holberg dän. schaubühne (1743) 3, 94; bleibt man also dabey sich dem könige widersezzen zu wollen, so muss man sich vorbereiten, ehster tage einen werbeoffizier mit einem commando, angemeldet oder unangemeldet erscheinen zu sehen (jan. 1779) Göthe IV 4, 7 W.; die dasigen preussischen werboffizirs waren mir äuserst zugethan Schubart leben 2 (1793) 134; sein vater war ... östreichischer werboffizier E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 3, 392; 'wer hat denn was mit dem knirps?' fragte der pächter, der die menschen, wie ein werbeofficier, nach ihrer leibeslänge abzuschätzen pflegte Hebbel w. 8, 179 Werner; jedermann am Rhein wuszte hundert unheimliche geschichten aus dem wirthshaus zu Frankfurt, wo die preuszischen werbeoffiziere ihr standquartier hatten Treitschke dt. gesch. 1 (⁶1897) 48; dafür strömte ... das verbrecherische oder leichtsinnige gesindel ... nach Griechenland, um daselbst den werbeoffizier zu erwarten Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 43; es trat jetzt der werbeoffizier neu in die erscheinung Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 4 (1940) 16.
2)
in metaphorischer anwendung:
gewinnsucht und eitelkeit
sind die werboffiziere der schlechtigkeit
Grillparzer s. w. 3, 210 Sauer;
wobei andere bedeutungsstränge von werben mit hineinwirken können; mit hineinspielen von II B 4: auch lasz ich mich nicht leicht für einen werbofficier gebrauchen; doch hier gilt eine ausnahme: hab schon ihren (anrede) herrlichen vortrag erprobt und werde nicht ermangeln, ihr avertissement mit guten empfehlungen unter meinen bekannten zu distribuiren Musäus physiognom. reisen 3 (1779) 164; Z. ... ist ... gereist, als litterarischer werbeoffizier Schopenhauer br. 380 Grisebach; die wahrscheinlichkeit spricht dafür, dasz die alten routiniers und werbeofficiere, die das wahlgeschäft kennen, die meisten kunststücke gemacht haben (21. 4. 1887) Bismarck polit. reden 12, 363 Kohl; und von II B 1: man bedienet sich um diese schwürigkeiten, die einem ehelustigen gemacht werden, in ihrem ganzen umfange zu zeigen des worts: anwerben, welches eigentlich im schweisze des angesichts eine sache treiben heiszt. die werbeofficiers sind gemeinhin die pastores und advocati loci Hippel über d. ehe (1774) 1, 10; zu dieser anwendung auch das fem. werbeoffizierin als gelegenheitsbildung bei Jean Paul: ferner, dasz das schönste gesicht zu einem häszlichen aufbirst, aufquillt und sich auszackt, wenn es, statt der trauer über den ueberläufer, entrüstung über die werbeoffizierin verräth w. 11/14, 404 Hempel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 185, Z. 20.

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Zitationshilfe
„werboffizier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werboffizier>.

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