Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werbung, f.

werbung, f.,
mhd. werbunge, ableitung zu werben, an verschiedene bedeutungsgruppen des verbums anschlieszend. auszer einigen, nur in älterer sprache belegten bedeutungen finden sich die bis in die heutige sprache geläufigen 'bemühung um die gunst einer person', 'militärische anwerbung', was auch in den nordischen sprachen durch schwed. värvning, dän. hverv(n)ing und im ndl. durch werving wiedergegeben wird, und 'propaganda', im neuesten dt. besonders im speziellen sinn von 'geschäftsreklame' (s. u. 2 b γ γγ).
1)
in verschiedenen anwendungen der älteren sprache.
a)
anschlieszend an werben I A 1.
α)
'wirbel', 'umlauf, kreislauf', vgl. ¹werbe 5 bzw. werb, m., 1: du salt ouch wizzen daz des blutes werbunge ist durch die nase. so iz tzu heiz wirt da uon die aderen brestin di in der nasin sin. so blutet denne die nase. daz ist des heizen blutes werbe (14. jh., anf.) Breslauer arzneib. 5 Külz; die zeychen Antracis seint glich den zeychenn carbunculi in vilerley weg. als mit mancherhand aderen in dem umbkreysz, mitt werbungen noch dem sinn iridis vnnd des grosszen glyds mit beschwerungen als ob es mit banden gebunden wer vnd mit vnlydlichem schmertzen vnd hitzen vnd vnwillen vnd mit schlagen gegen dem hertzen Gersdorff wundarzney (1517) 63ᵈ.
β)
'implicatio, verwicklung, verwirrung', veranschaulicht durch das bild des wasserwirbels:
Caribdis is die wiszheit
in der werlde und die beschidikeit (erfahrenheit)
von weltlichen werffongen (quelle: seculiere implication)
und von yren bekommerongen.
soliche sachen gant allen dag umbe,
allen dag kerent und wendent sij sich umbe
und komment alles wider an yren anefang
und belibent keine zijt in eyme stande.
dasselbe eine bewegonge ront ist,
die selbe an dem ende als am anfange ist;
keine hinderonge sij hat noch ende
als daz mulen rat, daz sich wendet
so lange als yme daz wasser kommet ...
pilgerf. d. träumenden mönchs 12169 Bömer.
b)
das tun, die tätigkeit, das wirken.
α)
allgemein (zu werben I D 1):
do quam der ubel Satanas,
der ie der guten irrer was,
swa er ez getun konde.
als ein munich er begonde
clopphen ander cellen tur
und sprach: 'bruder, ganc her vur,
ge wir zur sammenunge hin,
da die bruder an der wache sin.'
Macharius was genaden vol
...
do sprach er, als er solde:
'o du rehter trugener,
diner volger ein lugener.
waz ist din werbunge
bi der guten samenunge?
wie tarstu ihtes beginnen da?'
väterbuch 12367 Reissenberger;
Nero ... ist nach Claudio keyser worden durch heymliche werbung seiner muͦter, die er doch nachmals liesz toͤdten Seb. Münster cosmogr. (1550) 238;
jetzt lasz dein vrtheiln vnd dein sorgen
ob dem, das dir ist gar verborgen.
denn wer sich in frembd werbung flicht,
der er mag haben kein bericht,
der muͤht sich vmb vnnoͤtig sach
Burkard Waldis Esop 2, 261 Kurz;
also auch alle vnsichtbare muͤssen durch das sichtbare enthalten werden ... darneben so werden sie mit demselbigen zergehen vnd enden vnd aber jhr wirckung vnnd jhr werbung ist in jhnen selbst Paracelsus opera (1616) 2, 19.
β)
gewerbsmäszige, geschäftliche tätigkeit (zu werben I D 2): negociatio werbunge (15. jh.) Diefenbach gloss. 378ᵃ; das die obgenante stat Heydelberg mit burgern und inwonern ... das ire in werbungen, handel und wandel frolich vnd unverborgen gebruchen, geüben und gearbeiten mogen (1465) oberrhein. stadtr. 1, 484 bad. hist. komm.; und also nach vilerley handels und werbung hant die erbern lute gemeinlich begert (1513/14) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 72 Franz; wenn er die leute jnn der stad segenet und heisset sie gluͤck haben, so schlaͤgt flugs eitel gluͤck zu, da sonst kein handel noch werbung zu helffen kan Luther 31, 1, 446 W.; oportet quisque habeat hantierung, werbung, geschefft ebda 28, 640; es mus ein jeder ein werbung, gescheffte, arbeit und handtierung haben und derselben warten ebda 28, 640; wir wissen auch wol, das es viel kostet ein jar lang den leuten, die jegliche köchet müssen auff dem marckt kauffen vnd kein andere werbung, denn das sie vom bereitten pfenning zeren, wo ist denn noch kleidung, betgewand, holtz, kolen vnd ander hauszgeret zur noth? wir geschweigen noch anderer zufell vnd nötlichs auszgebens, die zu zeiten wol mehr kosten als essen vnd trincken Joh. Bugenhagen Braunschweiger kirchenordn. (1531) N 1; denn das wort fein oder gut fasset in der heiligen sprach alles was wir zu diesem ellenden vnd duͤrfftigen leben beduͤrffen vnd was vns zu seel, leib, hausz, hof, weib, kind, werbung vnd narung von noͤten ist, welches das vater vnser teglich brod vnd das vierdte in zehen geboten gottes gute vnd zeitliche wolthat oder langes leben nennet Mathesius Sarepta (1571) 231ᵇ; die ander taffel belanget aber die groͤsten sachen, die unter dem himel auff erden sind, alle policeien und regimente, alle haushaltung, alle hendel und werbung H. Roth catech. pred. (1573) 1, 116ᵃ; dessgleichen helt die herrschafft sant Johansen (die Johanniter) drey galeen stets gewapent ... zu beschirmung dess christelichenn glaubens unndt zu behaltung die schiff der kauffleuth, so ihr kauffmanschafft werbunge gen Orient haben (1592) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 373; und gleich wie zwen kauffmaͤnner mit einander ein gesellschafft machen, dasz ein jedwederer nach seinem vermuͤgen zu der werbung und kauffmanschafft herstewren soll A. Agricola gutes aug (1629) 355; jedermann ... so werbung und handthierung ... treibt Rabener s. schr. 2 (1777) 314.
c)
erledigung, ausführung (einer sache).
α)
allgemein (zu werben I E 2): es ist der gemein brauch in den episteln, welche gute freund einander zusenden, das man nach werbung der hauptsachen hindenan vnd an das ende fürbitt vnd gruͤs pflegt an zuhencken Gretter ep. Pauli a. d. Römer (1566) 865.
β)
botschaft, auftrag, anliegen (zu werben I E 1); im älteren nhd. sehr reich belegt, später nur noch vereinzelt: treffelich sendebrieve und auch werbunge, die von demselben kunig Ruprecht nach siner erwelunge auszgeschicket sint (1399—1410) Frankfurts reichscorresp. 1, 487 Janssen; vgl. auch: werbunge an die herren und stete von der heilgin kirchen sachen wegin (1409) ebda 1, 139; unsers allergnädigsten herren, des römischen kaysers antwort der buntherren botschafft auff ir werbung gegeben (1488) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 40 Klüpfel; wir fuͤren Christi botschafft, wir sind seine mundboten, die wir der welt antragen, das sie mit gott sich versoͤnen solle, das ist unser werbung, das wir sagen: lasset euch versoͤnen mit gott Luther 16, 111 W.; ich habe ewer (des Josel von Rosheim, des führers der Judenschaft) schrifft empfangen und die mündliche werbung ewrs geschickten Luther 30, 312 W. u. ö.; der (ein edelmann) hat brief an hochermelten churfürsten gehapt, die er neben mündtlicher werbung laut seiner instruction zu Torgow überantwort Zimmer. chron. ²2, 222 Barack; das war nun die werbung vnnd botschafft des beyerischen fuͤrsten an die Hunnen H. Megiser annales Carinthiae (1612) 471ᵃ; koͤnig Ferdinand fertigt ein bottschafft zu ihm (Soliman) ab,. .. jhr werbung war, dasz Solimann wolte das koͤnigreich Vngern koͤnig Ferdinando zu lehen verleyhen Schweigger reyszbeschr. (1619) 31; ob ich wohl in meinem ... unterth. bericht mit wenig worten gehorsamst angedeutet, wohin des kaiserlichen abgesandten werbung ausgeschlagen, so hab ich doch ... voriges (dieses) auch hiemit wiederholen sollen (7. 4. 1643) urk. u. actenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 1, 117 Erdmannsdörffer; die bothen gruͤsseten ihn, zeigeten ihm darneben auf, wie sie von wegen des raths und gemeiner stadt eine werbung an ihn haͤtten J. Döpler theatr. poen. (1693) 841; der seehaas brachte also seine werbung an und sagte, wie dasz in dem groszen wald am Bodensee ein fürchterliches thier hause, welches land und leuten groszen schaden thäte Aurbacher volksbüchl. (1835) 205;
sag du dem könige:
Medea nehme botschaft von sklaven nicht.
hab' er werbung an sie,
komm' er selbst;
vielleicht hört sie ihn
Grillparzer s. w. 5, 177 Sauer;
häufig in der verbindung eine werbung tun: senden uch auch eyn credentz an den radt zu Frieberg, daruff ir die werbunge thun solt (1468) urk.-b. d. stadt Freiberg i. S. 1, 248 Ermisch; item so die gesanten ... ir werbung gethan haben ... (1497) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 234 lit. ver.; damit aber sie sehen solten, das man sich zu e. fl. gn. des ausschreibens halben keiner ungnad versehen soll, so woll man sie vier neben etlichen des rats zu e. fl. gn. abfertigen, derselben werbung zu tun; da wurden sie ohne zweifel die richtige meinung ... empfinden (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 282 Chroust; also dasz der gesandte (von Dänemark) die werbung und das antragen sitzend thun wollte (um seines herrn macht zu zeigen): da das k. Maximilian markte, stund er auf und höret ihn stehend, dasz auch der legat muszte schand halben aufstehen und seine werbung thun (1539) A. Lauterbach bei Luther tischr. 4, 265 W.; da des keisers abgesandten jhre werbung gethan und begeret, das koͤnig Gottfried, was er den Obotritten entwend und genommen, widerumb erstatten ... wolte C. Spangenberg Mansfeld. chron. (1572) 83ᵇ; dahin sind auch mit grossem pracht die polnischen vnd moscowitischen gesandten kommen vnd haben jhre werbung gethan (bei einem reichstag) Stumpf Schweizer chron. (1606) 129ᵃ; als sie (die persischen schiffe) vors schiff (der gesandten) kamen, hielten sie erst stille und gaben salve, hernach stiege ihr hauptmann an bort und that seine werbung Olearius reisebeschr. (1696) 190; auch eine werbung vortragen, anbringen, ausrichten, vorbringen, verrichten, leisten u. dgl.: der rhodisische bottschaffter seine werbung mit grosser verwunderung eines gantzen raths zuͦ Rom het fuͤrgetragen Heyden Plinius (1565) 72; haben sy ... desz convents befelch und werbung anbracht Knebel chron. v. Kaisheim 183 lit. ver.; dann er liesz fuͤrwenden, er wer sonst mit geschaͤfften beladen, solten aber alle jhre werbung bei dem hauptmann Duckedilen anbringen Fischart Garg. 345 ndr.; bisz dasz er (d. trompeter) sein werbung auszrichten vnd vollenden mag Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) H 1ᵃ; befinden sich aber die jenigen, denen diese werbung fuͤrbracht, diesem herrn gnugsam vnd gewachsen Kirchhof militaris disciplina (1602) 88; da er (der spanische kurier) nun fuͤr den oberwascha erfordert war, seine werbung fuͤrzubringen, war er etwas schimpfflich empfangen Schweigger reyszbeschr. (1619) 87; disz ist ein recht teuffelischer stoltz ..., dasz desz keysers gesanten diesem bestia (dem sultan) muͤssen ein fuszfall thun, da sich doch wolt gebuͤhren, dasz sie jhr werbung vor jhm sitzent solten verrichten, in gleichem ansehen gegen jhm ebda 55; nachdem nun solche werbung verricht, gieng der sultan inn ein gemach ... vnd hiesz jhm essen aufftragen ebda 58; nach einigen discursen bat ich um erlaubniss, bei sr. d. gemahlin gleichergestalt meine von e. ch. d. aufhabende begrüssung und werbung zu leisten (16. 2. 1647) urk. u. actenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 4, 261 Erdmannsdörffer.
2)
bis ins neuere dt. hinein lebendig sind bedeutungen, in denen eine bemühung zum ausdruck kommt.
a)
in allgemeiner anwendung.
α)
bemühung, streben (zu werben II A 1): grosse werbung immanis ambitus Maaler teutsch spraach (1561) 489ᵇ; miserrima est ambitio, honorumque contentio die werbung ist arbeitsaͤlig vnnd auch die arbeit die man anlegt eer zuͦ erlangen Frisius dict. (1556) 320ᵃ; so bescheret ihm der herr was er gewuͤnschet und zwar ohne seine werbung und muͤhwaltung im schlaff Dannhawer catech. (1657) 3, 221; werbung petitio, ambitio Dentzler clavis ling. lat. (1716) 348ᵇ; wobei das ziel des strebens durch einen abhängigen gliedsatz ausgedrückt werden kann: zuͦdem so was ein stat in werbung, die reichsvogtei um merer ruͦwen willen an sich ze bringen Joachim v. Watt dt. hist. schr. 1, 458 Götzinger; bzw. durch präpositionen angeschlossen, durch zu: der schwaͤbisch bund, so erst worden, trotzt auff jhr macht, meynten sie wolten allen teüffeln starck genuͦg sein, freweten sich desz kriegsz vnd wolten jr sterck an den Schweitzern erfaren, dann Peter Eterlin schreibet, das sich der schwaͤbisch bund diser werbung zuͦ kriegen frewet Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 217ᵇ; oder um: ambitio ... eergeytigkeit, ein grosse hoffart in eim ding, grosse waͤrbung vmb eer Frisius dict. (1556) 81ᵃ; actio de pace die handlung vom friden oder werbung vmb einen friden ebda 68ᵃ; die werbung um das nämliche reich hatte ... bereits eine persönliche eifersucht und heimliche abneigung zwischen ihnen (Karl V. und Franz) gestiftet M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 5, 95; die werbung (des teufels) um eine seele Musäus volksmärch. 1, 86 Hempel; ich erinnere mich nicht, bei spätern decorirungen ein objectives vergnügen empfunden zu haben, sondern nur die subjective freude über die äuszerliche bethätigung des wohlwollens, mit welchem mein könig meine anhänglichkeit erwiderte oder andre monarchen mir den erfolg meiner politischen werbung um ihr vertraun und ihr wohlwollen bestätigten Bismarck ged. u. erinn. 1, 100 volksausg.; im modernen gebrauch häufig in der bedeutung 'bemühung um die gunst einer person, bzw. einer personifizierten grösze oder eines personenkreises'; diese bedeutung berührt sich eng mit 2 b α, kann mitunter als bildliche anwendung von 2 b α aufgefaszt werden: und wer weisz, ob es nicht hauptsächlich dieser beneidete besitz (des reitpferdes) gewesen, der ihn allen vielfältig versuchten werbungen seiner demagogischen genossen unzugänglich machte? wenigstens wies er ihre dringenden aufforderungen, den turnplatz in ihrer gesellschaft zu besuchen, mit der versicherung zurück: meinen turnplatz hab' ich auf dem sattel Holtei erz. schr. 21 (1861) 120; Turu hatte sich ergeben und von Knechts zäher werbung erobern lassen H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 248; in diesen sekunden der gefährlichen werbung (da ein vom spiel der andern ausgeschlossenes kind mit muscheln warf, um sich bemerkbar zu machen) sah die (ausgeschlossene) kleine auf einmal gar nicht mehr so reizlos aus Carossa tag i. Terracina (1947) 43; so liess er sich seine werbungen nur eben gefallen Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 127; besonders metaphorisch bei der schilderung politischer zusammenhänge:
eben jetzt
umspinnt er (Ezelino) Mailand mit geheimer werbung.
ist Mailand sein, so bricht er alle städte!
Eichendorff s. w. (1864) 4, 331;
aber während Boyen schwere drohungen Ruszlands und Englands zu überbringen hatte für den fall, dasz Preuszen sich ihrer werbung versage ... Meinecke Boyen (1896) 1, 254; unter diesen (Sizilianern) war der angesehenste der baron Torrearsal, dem man es hoch anrechnete, dasz er allen werbungen des königs von Neapel unzugänglich geblieben war R. Huch kampf um Rom (1925) 175; es bestand die unverkennbare gefahr, dasz Rumänien ... den werbungen der Entente erliegen würde qu. a. d. j. 1929.
β)
bitte, ersuchen (zu werben II A 2): zuͦr selben zeit warend ouch die mönch in empsiger werbung bei fro Hädwigen ..., dasz si das dorf zuͦ Eichsbach, welichs ir lehen was, an das closter zuͦ S. Gallen geben welte. man mocht es aber nit zuͦ gang bringen (das kloster abzutreten) und ersasz die werbung, dasz neunt darausz ward Joachim v. Watt dt. hist. schr. 1, 194 Götzinger; und wiewol des pabsts werbung Athile miszfiel, iedoch erlanget der pabst von jm alles das er jn bate Hans Haug der Hungern chron. (1534) 11ᵇ;
(herzog v. Praunschweick:)
das kan mir ein stolzer pfaff sein,
der mir ab schlecht die werbung mein.
ich wais im lant kain edelmon,
der mir ein solchs het tuͤerffen thon
H. Sachs fastnachtsp. 58, 12 ndr.;
seiner werbung, bitt oder begaͤrung nit gewaͤrt werden, sein werben vnd begaͤren etwas ampts vnd eeren verlieren oder nit erlangen Frisius dict. (1556) 1049; ich komme mit einer grossen werbung und beger von dir guten trost J. Agricola Terentii Andria (1585) 73; derhalben so durch unbilliche bitt unnd werbung mit gezierten worten ein herr betrogen ... moͤcht er thun, wie vorzeiten der könig Agesilaus Lorichius paedagogia principum (1595) 398; keyser Sigmund hat auff deren von Schwytz werbung denen von Lachen ... einen wuchenmaͤrckt zuhalten vergünstiget Stumpf Schweizer chron. (1606) 473ᵃ; der pfarrherr ... nach dem er unsere werbung angehoͤrt, willigte stracks ein Moscherosch ges. (1650) 2, 710; er ... wolle ... jhrer majestaͤt unsere werbung alsbald anbringen Harsdörffer teutsch. secretar. (1656) 1, 2, 326; als auf solche werbung (Margarete Maultasch hatte ihm reiche verheiszungen gemacht und freien abzug versprochen, wenn er ihr sein schlosz übergäbe) herr Reinherr Schenk abschläglich antwortete ... riethen ihr alle, den bot ... auszuhungern Grimm dt. sagen (1891) 2, 119; noch vereinzelt in moderner dichtersprache: die ganze kraft und werbung, die menschen zu gott werfen (14. 1. 1919) Rilke br. 2 (1950) 118; das erbetene kann ausgedrückt werden durch einen abhängigen gliedsatz: und war disz jr werbung, dasz der lugner in offentliche gefengnusz gebracht wurde B. Hertzog chron. Alsatiae (1592) 7, 13; bzw. angeschlossen werden durch präpositionen: wann der landesfuͤrst oder obrist gubernator die stende ... des lands versammlen wil, umb gelt oder umb andere hilff und beistand werbung zu thun ... D. Federman Niderlands beschr. (1580) 60; und die post brachte 2 lange briefe, 1 von der jungen frau v. Bonin in Warrendorf, Gerhardts tochter, der, wie ich ahne, eine werbung zum pathenstehn enthält (20. 9. 1890) G. Freytag br. a. s. gattin 561 Strakosch-Freytag; die gebetene person durch an:
römisch keyserlich maiestat
ein ehrlich werbung an euch hat
H. Sachs 20, 100 lit. ver.
γ)
bewerbung um ein amt, eine bezahlte stelle (zu werben II B 2): Gracci ... nach emptern des truͤbunats werbung gehept haben Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) j 4ᵇ; petitio consulatus waͤrbung vmb burgermeisterlichs ampt Frisius dict. (1556) 1001ᵃ; candidatus firmior der ein guͦte waͤrbung vmb ein ampt hat ebda 180ᵃ; was die werbung belangendt. item wan die erste verbung geschicht 12 schwertgroschen niedterzulegen (25. 3. 1575) d. schneidergewerkes zu Guben privilegium, in: Niederlausitzer mitth. 7 (1903) 281; werbung, die & das werben postulatum, postulatus, petitio ... amtswerbung honoris prensatio Stieler stammb. (1691) 2547; werbung bei handwerkern die nachsuchung um das meisterrecht Krünitz encycl. 238 (1856) 414.
δ)
gewinnung, erwerbung.
αα)
allgemein (zu werben II A 3 b α): zu leytung vnd werbung dess ewigen ... lebens Guarinonius grewel (1610) 462.
ββ)
'ernte' bzw. 'abbau' eines naturprodukts, zu werben II A 3 a β: man findet hier (in schwedisch-dt. provinzen) ... werbung statt erndte allg. dt. bibl. 9, 2 (1769) 41; die küstenfischerei in den deutschen küstengewässern ist durch das preussische fischereigesetz v. 30. mai 1874 geordnet ... eine reihe von bestimmungen sind bestrebt, die aufrechterhaltung der ordnung auf den fischgründen zu sichern, gegenseitige störungen fern zu halten. die werbung von seegewächsen ist in der zeit vom 1. april bis 1. september untersagt hdwb. d. staatswiss. 3 (²1900) 1064; wenn einsender berechnet, dasz 140 hl kohlen 17—18 m werbung kosten Leipziger tagebl. v. 6. 12. 1900.
b)
besonders geläufig sind in moderner sprache noch die anwendungen
α)
bemühung um eine frau, liebeswerben, brautwerbung (zu werben II B 1):
sie aber wolt sein gentzlich nit,
schlug ab all sein werbung und bitt,
veracht sein stechen und durnieren,
sein dienen, bulen und hofieren
H. Sachs 2, 245 lit. ver.;
nachdem dieser löblicher könig zu Frankreich ... auff des spanischen königs gesanden werbung seine eheweibliche tochter gemeltem spanischen könig ehelichen vertrawet Kirchhof wendunmuth 2, 81 lit. ver.; die werbung (um die jungfrau) wird angebracht, dass begehrte bildnis gefertiget Harsdörffer gesprächsp. 2 (1657) 101;
drum nenne mir ein mittel, wie ich mich
der wiederholten werbungen erwehre
Schiller 13, 351 G.;
dessen liebe, werbung und ehebündnis geschildert werden Scherer lit. gesch. (¹1883) 70; dennoch sollen sie (anrede) nicht sagen, dasz ich ohne kritik gelesen habe. nach ausweis meiner notizen möchte ich das folgende bemerken: ... p. 148: 'der in sorge um das ende der freite Germanos' ... besser: 'werbung', da 'freite' schon einmal ganz kurz vorher gewesen ist (4. 11. 1883) J. Rodenberg a. C. F. Meyer in: br. 178 Langmesser; aber die schriftliche werbung, d. h. der liebesbrief, hat den brautwerber von früher verdrängt Ratzel völkerk. (1885) 2, 183; es ist ein alter glaube, dasz jähe werbung kurzes glück gewinnt G. Freytag ges. w. 12 (1887) 99; (Lotte sagte zu Riemer:) die liebe zu einer braut (Goethes zu Lotte) — das ist es, was mir kopfzerbrechen gemacht hat durch all die jahre meines ehe- und witwenstandes — eine liebe in treuen zum bräutigam übrigens, welche bei aller werbung, die von liebe nun einmal unzertrennlich ist, keineswegs die rechte des finders zu schmälern gedenkt Th. Mann Lotte (1946) 130; es war ihnen (den eltern von Hans Geschke) klar, dasz jetzt für die alten spiele (unter liebenden), für heimlichkeiten und zärtliche werbungen keine zeit mehr war A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 602; wobei das objekt der werbung angeschlossen werden kann durch um: werbung vmb eine jungfraw recerchement d'une fille en mariage; petitione d'una figlia in matrimonio Hulsius-Ravellus teutschfrz.-it. (1616) 406ᵃ; mariage ... die werbung um ein weibes-bild zeitungs lust und nutz (1697) 464;
wie praͤchtig ist um sie die werbung nicht geschehen?
König ged. (1745) 151;
von dem mir mein' kusine, frau von Bellaston, so was erwaͤhnt hat und so was von werbung um meine tochter sagte Bode Thomas Jones (1786) 6, 17; unvergleichlich sind die bildlichen eingänge vieler lieder, z. b. die werbung um eine jungfrau soll geschildert werden, da beginnt es ... Jacob Grimm kl. schr. (1864) 4, 201; und in der that schien seine werbung um Adelasia ... jener beschuldigung groszes gewicht zu verleihen Raumer Hohenstaufen (1823) 1, 453; die königin ... die ... dem Struensee ihre hofdame zusagt, als hätte der eben seine werbung um dieselbe knieend vorgebracht Ludwig ges. schr. (1891) 5, 381; so ist auch die werbung um sie (die weiber) oft mit gefahren verknüpft L. Thoma ges. w. (1927) 2, 16; (oberlehrer Richter) vergass in der hitze seiner werbungen um die hausfrau alle zurückhaltung H. Mann professor Unrat, in: ausgew. w. 1 (1951) 582; jetzt könne (Winfried) ... ihren (Bärbes) vater in Tübingen (aufsuchen), dem er doch längst seine vorstellung schuldig sei und eine werbung um seine unmündige tochter A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 225; vereinzelt im frühen nhd. auch durch an: certamen thalami ... wenn vil zanckend vnd vnderstond ein tochter zeüberkommen, werbung an ein tochter Frisius dict. (1556) 1308, ebenso Maaler teutsch spraach (1561) 489ᶜ; während an auch den adressaten der werbung, bei dem um jem. angehalten wird, anschlieszen kann: denenselben truge ich vor, was gestalten dieser gute freund aus ... liebe getrieben, eine ehliche werbung an mich gethan und zwar wegen der koͤchin Zendorius teut. winternächte (1682) 718; häufiger erfolgt dieser anschlusz allerdings durch bei: weil nun zwey so vortreffliche fuͤrsten bey ihm um sie werbung thaͤten, koͤnte er dem verhaͤngnuͤsse nicht widerstreben Lohenstein Arminius (1689) 1, 160ᵃ;
derselbe hat bey mir die werbung heut gethan
und hoͤflich mich ersucht zu seyn mein tochter-mann
Chr. Reuter Harlequins hochzeit-schmausz 47 ndr.;
im bilde:
kaum war sein (Jesu) wink geschehen, so war dein herze da.
wer deines braͤutgams ruf und meine (Zinzendorfs) werbung kennt,
der hat dich schon gar oft ein selig weib genennt
Zinzendorf teutsche ged. (1766) 210;
so wird nach langer werbung qual
die hohe weisheit dein gemahl
W. Müller ged. 325 Hatfield.
β)
anwerbung für eine funktion.
αα)
für eine arbeit, tätigkeit (zu werben II B 3 a): werbung ... die bestellung eines gesellen bei dem herbergsvater von seiten eines meisters, der einen gesellen bedarf Krünitz encycl. 238 (1856) 414; zu Bologna bei der berühmten zusammenkunft des königs mit dem papste ... war Bonnivet zur werbung Florio's (eines geschickten dieners) gekommen Laube ges. schr. (1875) 2, 61.
ββ)
insbesondere für den militärdienst (zu werben II B 3 b): wir setzen, ordnen, woͤllen ... das niemandt ... auch anderer werbungen vnnd bestallungen der knecht ... vrsacher, auffwigler sein abschiedt d. reichsztags z. Augspurg (1555) 14ᵃ;
warlich dahinden ich nicht bleib,
mein hertz lacht mir in meinem leib,
wann ich von werbung hoͤre sagn
oder die trummen sehe schlagn
Gilhusius gramm. (1597) 138;
vnd dieses ist des krieges anfang, wann nemlich die soldaten zu werben in die trompeten gestossen und die trommel geruͤhret wird, deutend dahin, dasz mit neuen werbungen schwer aufzukommen Harsdörffer gesprächsp. (1641) 8, B 2ᵃ; es hatte auch der keyserliche generalissimus ... die abgemattete soldatesca ... durch newe werbungen vnd recruiten zuverstaͤrcken mit aller macht angefangen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 5; an deren stelle musz man gleich andere und frische voͤlcker wieder aus seinen lande kommen und die werbung also winters und sommers continuiren lassen H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 266; unterdessen wurden in den Niederlanden und Deutschland schwedische werbungen eröffnet Schiller 8, 152 G.; zur ergänzung und vermehrung (der truppen) diente theils werbung theils aushebung der dienstfaͤhigen unterthanen Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1823) 4, 619; werbung ... im kriegswesen die aufbringung der zum kriegsdienste erforderlichen männer durch die werbung als gegensatz der verpflichtung Krünitz encycl. 238 (1856) 414; die confiscationen, die er (der kaiser) verhängte, verschafften ihm die mittel zur zahlung des rückständigen soldes und zu neuen werbungen Ranke s. w. 9 (1876) 337; am reinsten tritt dieses prinzip (soldaten wie arbeiter zu bezahlen) auf ... in der werbung ausländischer lohnsoldaten Mommsen reden u. aufs. (1905) 23; aber die werbungen sollten mir und den soldatenräten überlassen bleiben qu. a. d. j. 1935; häufig (eine) werbung(en) anstellen: anfänglich und zum ersten, dasz keiner in unsern landen einige werbung anzustellen sich unternehmen sole (29. 5. 1655) Frauenholz entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 4 (1940) 126; dieser hatte anfangs, als die unruh in Parthien angegangen, eine starke werbung in Meden angestellet A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 70; Germanicus ... laͤszt aller orten werbungen anstellen Lohenstein Arminius (1689) 2, 1086; werbungen anstellen far leve di soldatesche Kramer t.-ital. 2 (1702) 1325ᶜ; werbung (die) a levy of soldiers; eine werbung anstellen to raise men, to arm Ludwig t.-engl. (1716) 2451; ich hoͤrete bey dem trummelschlage werbungen anstellen (1725) vernünft. tadlerinnen 1 (²1738) 50 Gottsched; da der groͤszte theil der landstaͤnde sich dem kaiserlichen urtheil unterworfen, lieszen sie eine werbung in Boͤhmen anstellen und zogen dorther gleich anfangs bis 2400 mann an sich M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4 (1781) 374; (von einem offizier bzw. unteroffizier) auf werbung stehen (ähnlich schon: [wollen wir] denen, so inn werbung und rüstung stünden, bey der peen und straff der acht gebieten d. keyserl. maiestat cammerger. ordn. [1555] 89ᵃ): den lernte ... ich in Hamburg kennen, als ich ... auf werbung stand neue schausp. (1771) 1, 1, 38; bey ihm lernte ich den herrn von Below, k. lieutnant vom Pomeiskeschen dragoner regimente kennen, der damals hier auf werbung stand Nicolai reise d. Deutschl. (1783) 2, 350; der eine (offizier) besonders, der eine zeitlang auf werbung gestanden, wuszte nicht genug die list und thätigkeit seines hauptmanns zu rühmen Göthe I 21, 315 W.; auf (der) werbung liegen: ey! was bekam ich nicht vor zulauff? weit ärger, als ein auf werbung liegender officier Schnabel Felsenburg 4 (1743) 43; als 1751 herr von Maltiz, ein auf werbung liegender preuszischer offizier ... Schubart leben 1 (1791) 16; beyde (zwei wachtmeister) feine herren, so lang sie auf der werbung lagen, beym regiment aber magere korporals Bräker s. schr. (1789) 1, 111; da mein vater einen preussischen unteroffizier bei sich hatte, der seit einigen tagen hier auf werbung liegt Pfeffel pros. vers. (1810) 1, 31; auf werbung sein: ich habe ihn ... als ich auf werbung war, ... kennen gelernet theater d. Dt. (1768) 11, 410; dieser B. ... ist ein wackerer junger mann, der vor ein paar jahren im reiche auf werbung war, aber itzt leider! auch ein bisgen liederlich wird Knigge roman m. lebens (1781) 3, 218; auf werbung gehen: euer lieben müszen die officier wegschicken als wenn sie auf werbung gingen (20. 9. 1718) Friedr. Wilhelm I a. Leopold v. Anhalt-Dessau 144 Krauske; der herr hauptmann geht nach Schwaben auf werbung für den prinzen von Preussen Heinse s. w. 9, 71 Schüddek.; auf werbung gehen aller en recrue Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1035ᵃ; (einen offizier bzw. unteroffizier) auf werbung schicken: mein oberster hat mir gestern erzählt, dasz er mich das zukünftige jahr ohne zweifel auf werbung in das reich schicken müszte Knebel literar. nachl. (1835) 2, 20; schicke den Karl in eine deutsche gegend auf werbung, er schafft dir leute genug G. Freytag ges. w. 5 (1887) 163; auf (der) werbung während der tätigkeit als werber: da ich noch auf der werbung herumstreifte Bräker s. schr. (1789) 1, 240; die lümmels meinen, man könn' auf werbung von luft leben ebda 1, 127; freie werbung das recht der militärischen werbung in einem fremden gebiet: als da seynd (an ursachen zum schwed. krieg): dasz man ... freye werbung vnd zufuhr der munition vnd waffen dem koͤnige abgestricket Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 1; gründet sich unsre anforderung an diesen man auf die uhralten rechte der freyen werbung ...? neue schausp. (1771) 6, 113; im bilde: hierauff ich meine werbung anstelle Venusgärtlein 210 ndr.; es war der oͤffentliche maͤrtyrer-tod die oͤffentliche werbung, wobei sich, des bevorstehenden hungers, durstes, bloͤsse, gefaͤngnisses oder schmaͤhlichen todes ungeachtet, dennoch junge soldaten oder streiter Jesu auffwarffen Chr. S. Rose homilet. studierstube (1723) 180; auf solche art gienge die werbung so wol von statten, dass die voͤlcker des Lucifers mehr als volzahlig waren Lindenborn Diogenes (1742) 2, 707; 'ich, wenn ich nur in das gute Schlaraffenland kommen könnte, ich wollte weder des himmels noch der hölle begehren'. da trat derselbig teufel, der hier auf werbung lag, zu ihm Brentano ges. schr. (1852) 5, 461. vereinzelt bezeichnet werbung auch das werbungskommando, das zur werbung von truppen eingesetzt ist:
es wuchs ein grosses heer, weil immer eine schaar,
so klein sie erstlich schien, der andern werbung war
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 219;
(wirt:) hier hat sich viel geändert. es sind zwey neue werbungen angekommen, die werben auch weiber. ich höre, sie führen sie in ein land, um menschen dort anzubauen Stephanie lustsp. (1771) 6; er (ein diener) bath seinen grafen, ihn (für einen andern dienst) zu reccomandieren, dieser aber ward darüber im höchsten grad aufgebracht, zahlte ihn aus, zog ihm die livray aus, schickte um den feldwaibl der kays. werbung und übergab ihn (1. 12. 1777) Leop. Mozart in: br. W. A. Mozarts 3, 280 Schiedermair; (Fritz:) der werbung gefalle ich, ob ich dem regiment gefalle (Wanner:) du gefällst Iffland theatr. w. (1827) 5, 79.
γ)
propaganda, reklame (zu werben II B 4).
αα)
allgemein, propaganda (für eine sache): Addison ... lasz zu einer zeit, da er nichts weniger als arm war, ein colleg zu London für 3 guineen die person. einer seiner besten freunde, ein mitzuhörer, der sich besonders noch sehr mit der werbung dabey abgegeben hatte, offerirte ihm seine 3 guineen. Addison nahm sie, wie billig, an (17. 11. 1791) Lichtenberg br. 3, 37 Leitzmann-Schüddekopf; ich halte meine übrigen briefe und werbungen (für eine zu gründende zeitung) einstweilen zurück, bis ich antwort von ihnen (anrede) habe (11. 1. 1847) Gervinus an Dahlmann in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 2, 304; major von Pantins werbungen für die versammlung (des agrarvereins) schien (!) also doch das landvolk auf die beine gebracht zu haben Polenz Grabenh. 2 (1898) 104; andererseits gab es unzufriedene bürger, die Unrats emanzipation mit freuden begrüssten, ihn für ihre dem bestehenden feindlichen werbungen als bundesgenossen beanspruchten und versammlungen einberiefen, wo über sein mutiges auftreten ... debattiert ward H. Mann professor Unrat, in: ausgew. w. 1 (1951) 557; die plakate der nazis sahen sich ja sonst immer gleich. immer bekam man den gleichen typ des brutalen und verbissen gestrafften kämpfers vorgesetzt ... immer war der ausdruck der physischen kraft, des fanatisierten willens, immer waren muskeln, härte und zweifelloses fehlen alles denkens die charakteristika dieser werbungen für sport und krieg und unterwerfung unter den führerwillen V. Klemperer l. t. i. (1949) 93; werbung für die heimat. verkehrsverbände tagten in Berlin. der arbeitsausschusz des bundes deutscher verkehrsverbände beschlosz gestern auf einer konferenz ... in Berlin ... eine gemeinschaftswerbung zu veranstalten, um den inlandsreiseverkehr stärker zu fördern. stand diese werbung früher unter dem motto: 'reist in Deutschland', so soll der neue slogan lauten: 'lernt eure heimat kennen' Berliner zeitungen a. d. j. 1957.
ββ)
politische propaganda: auf jedem blatte zeigten sich die ... (politischen) werbungen Auerbach schr. (1892) 8, 89; (graf von der Goltz) wurde der impresario für die truppe, welche zuerst als höfische fraction und später als ministerium des regenten auf der bühne erschien. sie begann in der presse, besonders durch das von ihr gegründete 'preuszische wochenblatt', und durch persönliche werbungen in politischen und hofkreisen sich geltung zu schaffen Bismarck ged. u. er. 1, 113 volksausg.; den höhepunkt der (nationalsozialistischen) werbung habe ich heute mittag an Dembers radio miterlebt ... diesmal war die anordnung durch Goebbels, der dann den ansager der eigenen regie machte, wirklich ein meisterstück (übertragung einer nationalsozialistischen kundgebung aus einem industriewerk, Hitler-rede etc.) V. Klemperer l. t. i. (1949) 44; das einmaleins der politischen werbung A. Scholz (1954) titel.
γγ)
in modernem sprachgebrauch geläufig für 'wirtschaftliche reklame' (zu werben II B 4 b β), eine anwendung, die sich wohl aus verkürzung von kundenwerbung erklärt (vgl. dazu: reklame anpreisung, kundenwerbung A. Schirmer wb. d. kaufmannsspr. [1911] 158; für die vermeidung des wortes reklame gibt es aber noch einen zweiten, beachtenswerten grund: reklame hat aus den flegeljahren der geschäftsempfehlung ... einen unangenehmen nebengeschmack behalten ... das wort kundenwerbung dagegen gehört seinen beiden bestandteilen nach zu den edelsten, wohllautendsten wortgruppen unserer deutschen sprache, und es steht ... dem wort reklame an wandlungsfähigkeit und formbildungskraft durchaus nicht nach Weidenmüller beiträge zur werbelehre [1912] 63; propaganda bekehrungsanstalt od. -gesellschaft; bekehrung; kundenwerbung, kundenfang; das werben ... Sarrazin verdeutschungs-wb. [1912] 233; reklame marktschreierei, marktschreierische anzeige od. anpreisung, [geschäfts-]anpreisung, anzeigeschwindel ... [auch:] kundenwerbung ebda 250; erfolgreiche kundenwerbung Weidenmüller [vor 1922] titel; moderne kundenwerbung Fleischmann [vor 1922] titel; im kräftespiel der kundenwerbung Weidenmüller [1922] titel); 1918 findet sich im verdeutschungswörterbuch von Eduard Engel werbung neben werbe als übersetzung von 'reklame' und 'propaganda' aufgeführt: reklame (nach 1840) werbewesen, werben, werbe, werbung, werbanzeige, anpreisung, lärm, anpreise-, werbe-, lärmgepreise ... Eduard Engel entwelschung (1918) 478; propaganda (erst 19. jh.) ... werbung, werbe ... werbtätigkeit, ausbreitung ... ebda 449; in den 20 er jahren d. 20. jhs. beginnt es sich neben reklame durchzusetzen: umfang und nachhaltigkeit der werbung. die flüchtigkeit der wirkung der einzelnen werbehandlung hat auszer den schon bemerkten, wenngleich nicht erschöpfend angeführten versuchen zur erzwingung von aufmerksamkeit noch weitere folgen. die nächste davon ist die grosze überlegenheit der ständig und dauernd betriebenen reklame gegenüber der nur gelegentlichen und zeitlichen Mataja d. reklame (1926) 247; allein das aussehen dieser Litfaszsäulen war jahrelang ein höchst dürftiges. daran hatte die gebrauchsgraphik jener zeiten schuld, die den — übrigens meist in schwarz-weisz ausgeführten — plakaten einen wust von kleinlichen, zur fernwirkung gänzlich ungeeigneten ornamenten aufpackte, unter dem die eigentliche werbung erstickte W. F. Schubert d. dt. werbegraphik (1927) 14; in breiter anwendung findet es sich seit den 30 er jahren des 20. jhs. und hat in neuester zeit reklame im kaufmännischen schrifttum fast gänzlich verdrängt: um einer werbung greifbare form zu geben, bedient man sich in der regel des gedruckten wortes. der wortlaut ist die grundlage jeder werbung. und da ein wirklich wirksamer werbetext kaum mit gold aufzuwiegen ist, wird man verstehen, warum der werbefachmann die sprache so gut beherrschen musz wie ein schriftsteller daheim (8. 3. 1934) 6ᵃ; der optiker Kaps, der sein geschäft im erdgeschosz betrieb, hatte zur werbung über dem laden einen riesigen zwicker angebracht Carossa gesch. e. jugend 493 insel; moderne werbung im maschinenbau. 2 vorträge. hg. v. verein dt. maschinenbau-anstalten (1951) titel; anfang november will der bayerische rundfunk mit der werbung im fernsehen beginnen ... es gibt auch bei uns nur zwei möglichkeiten: entweder bleibt rundfunk wie fernsehen eine öffentliche institution mit monopolartigem charakter, dann hat private werbung darin nichts zu suchen. dann haben auch die sender den moralischen anspruch auf eine gewisse autonomie gegenüber dem staat. mit der werbung aber begeben sie sich ihres eigentlichen charakters und verscherzen damit ihre gesamte vorzugsstellung auch gegenüber dem staat Berliner zeitungen a. d. j. 1956; unsere tageszeitung, die ... für eine groszzügige, vielgestaltige und vielseitige werbung bekannt ist, bietet einem jüngeren werbeassistenten ... eine wirklich interessante tätigkeit. das aufgabengebiet umfaszt vertriebs-, anzeigen- und publicrelation-werbung mit all ihren vielfältigen ausdrucksformen ebda; werbung verbilligt die ware! ebda; überhaupt betrachtet Thompson die werbung als ein phänomen, dessen gesetze — vielfach regelrechte naturgesetze — noch immer nicht ganz erkannt und dessen möglichkeiten noch längst nicht voll ausgeschöpft sind ebda; marktforschung — diese abteilung schafft mit wissenschaftlicher methodik die grundlagen für eine wirkungsvolle werbung. marktanalysen, marktbeobachtung und verbrauchertests gehören mit zu ihren wesentlichen aufgaben. ihre mitarbeiter müssen das marktgeschehen erforschen und zuverlässig interpretieren können ebda; auch wenn die werbung läuft, wird ständig aufmerksam beobachtet: ob die erfolge anhalten, wie sich die konkurrenz verhält, ob änderungen notwendig werden ebda; dabei kann in neuester zeit der wortsinn sich der bedeutung 'werbefach' bzw. 'werbebranche' nähern: weil die schule in den fächern werbung, graphik und druck in vier bis sechs semestern ein universelles wissen und können für das weite feld der industriewerbung und des gesamten graphischen gewerbes vermittelt, reiszen sich die firmen um die abgehenden schüler Berliner zeitungen a. d. j. 1957; wir suchen spitzenkräfte für die werbung ebda; in aufsätzen über das thema 'was ich werden will' steht selten als berufsziel: werbefachmann. viele, die zuerst ganz andere wege einschlugen, haben es sich nie träumen lassen, dasz sie ihre erfolgreichsten berufsjahre in der werbung verbringen würden. die verästelung einer jeden aufgabe in spezialzweige erklärt einleuchtend, aus welchem grunde bei J. Walter Thompson so viele menschen aus so vielen berufen erfolgreich zusammenarbeiten ebda; last, but not least, ernährt die werbung ihren mann. dasz sie für spitzenkräfte spitzengehälter gewährt, bedarf wohl kaum einer erwähnung ebda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 205, Z. 47.

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Zitationshilfe
„werbung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werbung>.

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