Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werdegang, m.

werdegang, m.,
'entwicklungsgang'; seit der 2. hälfte des 19. jhs. geläufig. man spricht zunächst vom werdegang einer nation, eines volkes oder staates: wahrlich, dies volk ist wunderbar geführt worden; wäre dieser werdegang unsrer nation nur eine kette wüster zufälle — dann hätte das leben für mich keinen reiz mehr (11. 8. 1860) Treitschke br. 2, 96 Cornicelius; gott erhalte sie (Droysen) uns noch lange in alter frische und rüstigkeit und lasse sie das grosze bild vom werdegange unseres staates, das wir ihnen verdanken, glücklich zu ende führen (11. 7. 1878) ebda 3, 458; der verschlungene werdegang dieses volkes (1861) ders., hist. aufs. (1886) 3, 23; doch finden sich früh auch zahlreiche andere anwendungen: diese lehrjahre Dahlmann's ... spiegeln wie in einem mikrokosmos den werdegang unserer neuen historischen wissenschaft wider (1864) Treitschke hist. aufs. (1886) 1, 350; es gilt (der grusz der Berliner philos. fakultät zu Freytags 50 j. doktorjubiläum) dem historiker, der schwere forschung hinter lieblicher hülle verbergend, sinnig, wie kein zweiter, den werdegang des deutschen gemüthes durch die jahrhunderte verfolgt hat (2. 7. 1888) bei G. Freytag br. a. s. gattin (1912) 165; in dem masse, als die fortschreitende entwickelung und differenzierung des gebührenwesens sich verfeinert, ... wird auch die erhebung in stempelform der direkten einziehung mehr und mehr weichen müssen. auch hier zeigt der werdegang die tendenz, von der typischen, schablonenhaften form zur specialisierung und individualisierung fortzuschreiten hdwb. d. staatsw. 4 (²1900) 24; ungewöhnlich sowohl um ihres werdeganges als um ihrer vertiefung willen war Böcklins universelle bildung Przibram erinn. (1912) 2, 283; im langgestreckten werdegang der Faustdichtung Dehio kunsthist. aufs. (1914) 232; über den unausbleiblichen werdegang der deutschen sprache zur kraft und reinheit E. Engel stilkunst (²⁵1919) 117; zur beleuchtung des werdegangs der bildenden kunst J. Schlosser präludien (1927) 200; der werdegang der stolligen bauweise W. Fischer d. stollige strophenbau im minnes. (diss. Göttingen 1932) 71; insbesondere spricht man vom werdegang eines menschen: nur ein biszchen werdegang: dasz der vater ein pfandleiher, dasz die mutter ein rohes weib war Kerr ges. schr. (1917) 1, 41; bahnen, die für meinen weiteren werdegang von bedeutung waren Hindenburg a. meinem leben (1920) 11; Leipzig, das in Leverkühns werdegang, seiner lebenstragödie, eine so bedeutsame rolle spielt Th. Mann Faustus (1948) 400; schriftliche angebote mit werdegang, gehaltsanforderung und bis zu fünf charakteristische arbeitsproben sowie referenzen und angabe des frühestmöglichen antrittstermins erbeten an ... zeitungsannonce v. 11. 5. 1957. die bildung wurde schon im 19. jh. als literarisches modewort empfunden: Heinzels buch ist tief durchdrungen von dem bedürfnisse, den geschichtlichen verlauf, den werdegang, wie die litteraten sagen, zu verstehen Scherer kl. schr. (1893) 1, 342.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 219, Z. 37.

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Zitationshilfe
„werdegang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werdegang>.

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