werden vb.
Fundstelle: Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 221, Z. 24
fieri.
formen und verbreitung. got. waírþan; an. und nisl. verđa; aschwed. værþa, varþa; schwed. varda; dän. (veraltet) vorde; norw. verta; ae. weorđan; engl. (veraltet) worth; afries. wertha; anfränk. werthan; as. werđan; mnd. werden; mndl. werden, warden, worden; ndl. worden; ahd. werdan; mhd.-nhd. werden. —mundartlich ist werden im gesamten dt. sprachraum geläufig, wobei dentallose formen überwiegen (vgl. oldenburg. weren Böning 131; obers. wäärn Müller-Fraureuth 2, 656; wiener. wern Jakob 218; schwäb. wě̜ərə wě̜rə Fischer 6, 690; s. ferner V. Schirmunski schwachbetonte wortformen i. d. dt. maa., in: fragen u. forschungen, festgabe f. Th. Frings z. 70. geb. [1956] 215); auch schwund bzw. vokalisierung des r ist mancherorts zu beobachten (vgl. və:n Furcht Altes Land [bei Stade, Niederelbe] 30; wēen Frederking Hahlen b. Minden 34; ween Schacherl Böhmerw. 42; wẹ̄n Kövi Zips 59 in: mitt. d. schl. ges. f. volkskde 15; wäde Hönig Köln 216; wedn Ueberfelder kärnt. 245). im nd. ist der stammvokal e weithin zu a gesenkt (vgl. schlesw.-holst. vạ̄ạ̄n Mensing 5, 532; neumärk. varn Teuchert 87; mecklenburg. warden Mi 105), stellenweise auch im md. und obd. (wār'n Liesenberg Stieger ma. 69; wā̜rən Hofmann niederhess. 262; babm Tschinkel Gottschee 301; warte Seiler Basel 311; bartn Bacher Lusern 224); die dehnung des vokals vor r hat weithin zur zweigipfligkeit oder zu einem zwielaut geführt (wâare Fischer samländ. 130; vēᵉ rn Block Eilsdorf 101; wêarn, wearrn Crecelius oberhess. 905, ähnlich Heinzerling-Reuter Siegerl. 320, Lexer kärnt. 255, Schöpf Tirol 812; wiᵃ̈ rn Kisch ungr. 247; wě̜ərə Fischer schwäb. 6, 690; wöərə Berger St. Galler Rheintal 129). — werden zeigt im ahd. noch sog. grammatischen wechsel: wirdu, ward; wurtum, wortan; doch bahnt sich im fränk. schon der ausgleich an (wurdun Tatian 79, 11 S., s. auch Braune-Mitzka ahd. gramm. [1955] 306), der im mhd. schlieszlich durchgeführt ist: wirde, wart; wurden, worden. — auch die ablautver schiedenheit zwischen sing. u. plur. prät. sucht man früh zugunsten des pluralvokals auszugleichen, der sich ja schonnicht immer umgelautet (s. Weinhold mhd. gramm. [1883] 358 u. Michels mhd. elem.-b. [1921] 67) — in der 2. pers. sing. und im konj. prät. fand (w⁽ü⁾rde):
man wurdis dicke wol gewar, daz sie gute helede waren
(hs. um 1200 in thür. sprachform geschr.) Graf Rudolf δᵇ 16 in: mhd. übungsb. (1912) 57 Kraus;
ez wurd yederman wider guldin wechslen
(schwäb., hs. v. anf. d. 15. jhs.) städtechron. 4, 108 (Augsburg);
nach dem erwarmet sein geblüt
und wurd gar reichlichen auszfliessen
H. Sachs 7, 395 lit. ver.
(neben a-formen, die noch überwiegen, s. James die st. prät. bei H. Sachs [diss. München 1894]; J. hat bei H. S. 1717 prät. singularformen mit a und 1163 mit u gezählt, s. 51); auch mit unorganischem -e, das sicher aus dem konjunktiv übernommen ist, so dasz im nhd. er wurd-e (indik.) mit er würd-e (konj.) korrespondiert: er wurde etwas durch ieren waichen muot vertunkelt (Ulm 1473) Steinhöwel de claris mul. 206, 25 Dr. (neben wurd 117, 24 und häufigerem ward 2, 14; 3, 7ff.); ich wurde eins in mir gewar Tauler sermon (Leipzig 1498) 7ᵃ; wardt aber nichsten dorauss ..., wurde aber balde dornoch wyder genomen (hs. d. 16. jhs.) M. Steinberg chron. 154, 17 (script. rerum Siles. XI). zuweilen wird auch zugunsten des singularvokals ausgeglichen (zu diesen ausgleichsvorgängen vgl. die materialreichen dissertationen von E. Strömberg [Göteborg 1907] 84ff. und E. Alm [Uppsala 1936] 289ff., insbes. die zusammenfassung s. 402ff.): wardent (um 1400) Twinger v. Königshofen Straszb. chron. 231, 18 (= städtechron., bd. 8); warden (1477) Steinhöwel Äsop 46 lit. ver.; (1522) Luther Joh. 2, 2 (neben üblicherem wurden, das in der fassung von 1546 auch an dieser textstelle eingesetzt ist); Zesen Assenat (1670) 23. selbst im 19. und 20. jh. finden sich noch vereinzelt a-formen im plur. prät.: warden Brentano ges. schr. (1852) 4, 20; St. George d. jahr d. seele (1929) 66; Paul Ernst kaiserbuch (1923) 1, 1, 341; die entwicklung hat jedoch nicht zur alleinherrschaft von wurde oder ward, sondern zu einem nebeneinander von ward und wurde im prät. sing. geführt, von den nhd. grammatikern allmählich anerkannt (s. auch Paul dt. gramm. 2 [1917] 217ff.): ich ward oder wurde (geliebet) Gueintz dt. sprachlehre (1641) 78; ich ward/wurde, du wardest/wurdst, er ward/wurde; wir wurden, ihr wurdet, sie wurden Bödiker grund-sätze (1709) 102; ebenso Gottsched dt. sprachkunst (1762) 306 und Adelung dt. sprachlehre (1781) 278, die nur in der endung der 2. pers. sing. etwas abweichen: du wardst/wurdest (im wb. 5 [1786] 174 bucht A. noch als 'seltener': wir warden, ihr wardet, sie warden). zum nebeneinander der a- und u-formen bemerkt Adelung in seiner grammatik: 'im imperfect des indicativs ist in der ersten und dritten person wurde im gemeinen leben, ward aber in der edlern schreibart üblicher; die zweyte person wardst aber kommt, vermuthlich wegen ihrer härte, auch in der letztern selten vor' a. a. o. 279. dies gilt ohne weiteres auch noch für das 19. und 20. jh. in dichterischer sprache wird die einsilbige a-form nicht nur aus klanglichen, sondern oft aus rhythmischen gründen bevorzugt: da wurde es heller in mir, und wie es heller in mir wurde, wich auch der glatte fels zurück, ward trockener, ward gütiger, half oft dem gleitenden fusz H. Hesse märchen (1930) 86. konsequent durchgeführte grammatische unterschiede zwischen den beiden formen bestehen jedoch nicht; Campe erklärt anknüpfend an entsprechende bemerkungen Adelung s: 'man hat werden, als für sich bestehendes aussagewort, von werden, dem hülfsworte, dadurch zu unterscheiden gesucht, dasz man jenes in der unlängst vergangenen zeit immer ward, und als mittelwort geworden, dieses aber immer wurde und worden umwandelt. dieser unterschied, welchen mehrere gute schriftsteller beobachten, andere aber wieder nicht, wäre gut, wenn er nur durchgeführt wäre ... so darf man wenigstens, da die genannte regel so wenig befestiget und gar nicht durchgeführt ist, denen, welche ward und wurde abwechselnd gebrauchen, keinen groszen vorwurf machen' wb. 5 (1811) 682f.; s. auch E. Alm d. ausgleich des ablauts i. st. prät. der ostmd. schriftdialekte (diss. Uppsala 1936) 404 sowie Paul a. a. o. 2, 218. — während die ablautverschiedenheit zwischen sing. und plur. prät. bei werden aufrechterhalten ist, hat sich wie bei anderen starken verben, die im präs. sing. e/i-wechsel zeigen, die form der 1. pers. sing. des indikativs vokalisch an die pluralform bzw. an die form des konjunktivs angeglichen. neben ich wirde tritt also im späten mhd. ich werde, zufrühest md. (s. auch Diefenbach gl. 627ᶜ): urk. d. hochstifts Meiszen v. 1359 (= codex diplom. Saxoniae regiae II 2, 3, 510 u. ö.); veter buoch 52 P. u. ö. (schl. hs., um 1400 geschr.); J. Rothe dür. chron. 186 L. u. ö.; (1517) Luther 1, 183, 17 W. u. ö. (neben vereinzeltem wird[e] ebda 162, 22; 217, 33); Fischart flöhhaz 2057 ndr.; weitere belege bei T. Nordström d. ausbildg. der nhd. st. präsensflexion (diss. Uppsala 1911). von den grammatikern werden zunächst beide formen gebucht: ich werd ... et dicimus ich würd (1573) Ölinger dt. gramm. 96 ndr.; ich werd und wird (1573) Albertus dt. gramm. 111 ndr.; schon Clajus buchtanschlieszend an die werke Luthers, der in seinen späteren schriften 'fast immer e' (H. Bach laut- u. formenl. [1934] 88) hatnur ich werde (1578) dt. gramm. 72 u. 98, aber: du wirst, er wird (Ölinger 78 u. Albertus 107 verzeichnen auch ausgleichsformen in der 2. und 3. sing.: werst, werd). mundartlich ist die alte e/i-verteilung noch im obd. weithin bewahrt: i wïrde, de wïrst, er wïrt; mr wërde Hunziker Aargau 293 (s. auch Martin-Lienhart elsäss. 2, 847; Fischer schwäb. 6, 690 f.; Schmeller-Frommann bair. 2, 989 sowie die angaben bei Nordström a. a. o. 105 ff. und Sütterlin nhd. gramm. [1924] 417 ff.). — auch beim sing. imperativ ist im nhd. die e-form an die stelle der i-form (ahd. wird, mhd. wirt!) getreten, wohl in anschlusz an die 2. sing. des konj. präs. (werdest) und in angleichung an den plur. (werdet!): werde (1523) Luther 1. Mos. 24, 60 la.; werde du (1573) Ölinger dt. gramm. 79 ndr.; (1573) Albertus 113 ndr. wie bei sieh-e! verstärkt ein unorganisches e die einsilbige befehlsform, nach analogie der schwachen verben (s. Paul a. a. o. 2, 198 u. 218). einige obd. maa. bewahren auch hier die ältere form: wīrt! (neben e-formen) Fischer schwäb. 6, 691; wir! Jakob Wien 218. — die präsensformen der 2. und 3. person sing. haben diesen ausgleichsvorgängen widerstehen können, gestützt durch ähnlich abgehobene formen anderer ablautreihen (vgl. auch gräbst, gräbt; fällst, fällt). hingegen wurde dasdie vokalabweichung im präsens sing. bedingende — i der endung (-ist, -it) früh zu e abgeschwächt und das zusammentreffen mehrerer dentale durch formvereinfachung beseitigt.die kontraktionsformen wirst, wird werden allerdings erst im mhd. üblich (s. mhd. wb. 3, 728). noch bei Notker herrscht in der 2. sing. wirdest (seltener: wirdist); als form der 3. sing. ist wirdet (wirdit) noch zahlreich vertreten, doch bereits in der minderheit gegenüber der kurzform wirt (s. Sehrt Notker-wortschatz [1955] 578 f.). diese wird im nhd. dannmit rücksicht auf die übrigen wortformen, vielleicht auch zur graphischen scheidung vom substantiv wirt — mit d geschrieben: wird. wie bei anderen perfektiven verben (finden, kommen; zum streit, ob werden perfektiv oder imperfektiv ist, vgl. O. Behaghel dt. syntax 2, 97) findet sich die präfixlose partizipialform worden bis ins ältere nhd. (s. die nachweise bei Paul dt. gramm. 2, 277), vereinzelt sogar noch bei schriftstellern des 19. jhs.: bin sie los worden O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 111; ist sehend worden Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 32; ist worden A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 21; ist fremd aussehen worden Storm s. w. (1898) 1, 27; geworden findet sich zwar schon vereinzelt im ahd. (s. Braune ahd. gramm. [1955] 297), doch üblich wird diese formsehen wir vom partizip des kompositums gewerden (s. teil 4, 1, 3, 5618ff.) aberst im frühen nhd. (noch nicht bei Luther, s. C. Franke schriftspr. Luthers 2 [1914] 343 u. H. Bach laut- u. formenlehre [1934] 106, ferner teil 4, 1, 4, 6745ff. s. v. geworden): sind gelêrt geworden (1515) Tunnicius sprichw. 56 Hoffmann v. Fallersleben; kundbar geworden Abraham a s. Clara (1679) w. 2, 16 Strigl; von den grammatikern zunächst nebeneinander gebucht: ich bin geworden per aphaeresin worden (1573) Albertus dt. gramm. 112 ndr.; ich bin geworden & sine augmento worden (1578) Clajus dt. gramm. 98 ndr.; wir sind worden oder geworden Schottel haubtspr. (1663) 553; schon Frisch teutsch-lat. wb. (1741) 2, 441ᵇ erklärt: wann werden kein auxiliare, so kan bey worden das augmentum ge stehen, als geworden: er ist zum narren geworden; und Adelung dt. sprachl. (1791) 279 formuliert bereits die nhd. regel: 'das participium perfecti lautet allemahl geworden, so oft das verbum ein völliges prädicat ausdrückt: ich bin krank geworden; verlieret aber sein augment, wenn es ein huͤlfswort wird: ich bin geschlagen worden'. nur in der passivkonstruktion (s. III C 1 a β) ist also die präfixlose form noch üblich, wenngleich selbst da vereinzelt geworden auftritt (s. auch Paul dt. gramm 2, 277):
die nachmals als dein volk ...
beherrscht, beruͤhmt, geschwaͤcht durch dich geworden seynd
König ged. (1745) 34;
als die frucht gespeist geworden
eilt sich wieder einzustellen
das gehäus woher es kommen
Göthe I 4, 26 W.;
das ist lange bezahlt geworden ('manchmal für worden im passiv') Albrecht Leipzig 54.
herkunft und verwendung. die germanischen präsensformen gehen ebenso wie lat. verti und aind. vártatē auf ein mediales thematisches präsens der idg. wurzel *ṷert 'drehen, wenden' zurück (s. Hellquist ³1314 sowie über die weitverzweigte sippe Walde-Pokorny 1, 274 u. Walde lat. etym. wb. ³2, 765). die grundbedeutung ist im dt. von den verwandten bildungen -wärts 'gewendet, gerichtet auf' und wirtel 'spindelring' bewahrt, während werden seit beginn der überlieferung in der allgemeineren bedeutung 'geschehen' (s. unter I A), 'entstehen' (I B) üblich ist. gleichen bedeutungswandel setzen lit. pavirstù, pavir̃sti 'umfallen, sich verwandeln in, werden zu', apreusz. wīrst 'er wird' und aind. sámvartate 'entsteht' voraus; das sinnverwandte engl. verbum turn zeigt noch das nebeneinander der bedeutungen 'wenden' und 'werden'; auf romanische parallelen wies W. Schulze kl. schr. (1933) 481. es liegt ja nahe, bewegungsverben als bezeichnungen der entwicklung zu gebrauchen (vgl. engl. become, frz. devenir und zur 'synonymik' im idg. die zusammenstellung bei C. D. Buck a dictionary of selected synonyms in the principal i.-e. languages [1949] 636 f.). der ursprüngliche charakter als verb der bewegung wird noch einigermaszen deutlich, wenn werden in verbindung mit einem prädikativum, d. h. mit einer angabe der vorgangsrichtung oder des entwicklungszieles, gebraucht wird (II), besonders deutlich auch in umgangssprachlichen wendungen wie wir werden nach Dresden (s. Müller-Fraureuth obers. 2, 657 sowie Frischbier pr. 2, 464), wo allerdings gehen oder fahren erspart sein wird. es scheint nicht verwunderlich, dasz werden in allen germanischen sprachen früh in die rolle eines hilfsverbs zur passivumschreibung gerät, wo es gilt, eine 'wendung', veränderung unter äuszerer einwirkung, das hineingeraten in einen anderen zustand, auszudrücken (s. u. III C sowie dt. gramm. 4 [1898] 11ff.); doch nur im dt., ndl. und nisl. ist es in dieser funktion geläufig geblieben, im engl. infolge des frz. einflusses verdrängt durch to be, in den skandinav. sprachen ersetzt durch bleiben (norw. bli, dän. blive, schwed. bliva). weniger verbreitet ist werden als hilfsverb der futurumschreibung; nur einige norw. mundarten kennen in dieser funktion die verbindung von verta + infinitiv (s. Saltveit in: zfda. 87 [1957] 228); im übrigen germ. herrschen umschreibungen mit sollen und wollen, die auch im ahd. und mhd. zunächst das feld bestritten (s. u. III B 2 sowie O. Behaghel dt. syntax 2 [1924] 258ff.) und in nordwestdt. mundarten noch heute lebendig sind (s. Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 384 u. 5, 750 sowie wb. d. Elberfelder ma. 150). die futurumschreibung mit werden dringt im dt. erst spät durch. seine präsensformen haben zwar im ahd. und mhd. schon futurischen wert, ja sie stellen geradezu die futurischen formen des verbums sein dar (erunt signa uuerdent zeichan Tatian 145, 15 S.; heres meus erit der wirt mein erbe erste dt. bibel 3, 85, 48 lit. ver.; s. auch unter III C 1 a α); die eigentliche futurumschreibung, die verbindung der präsensformen von werden mit dem infinitiv, setzt sich jedoch erst im späten mhd. durch (weiteres s. unter III B 2).
I.
absolut (als vollverb).
A.
'geschehen'; in verschiedener anwendung.
1)
allg., im sinne des lat. fieri: oba ir thesemo berge quedet: nim thih inti uuirph thih in then seo, so uuirdit iz si monti huic dixeritis: tolle et iacta te in mare, fiet Tatian 121, 3 Sievers; tô uuard taz imo trôumda, taz ... Notker 1, 61, 15 Piper;
daz kan niemer werden,
wand ez wert ûf der erden
diu natûre und ir gebot
Konrad v. Würzburg Silvester 4147 Gereke;
dein wil der werd: als im himel vnd in der erde (fiat uoluntas tua sicut in caelo et in terra) erste dt. bibel 1, 22 lit. ver.; durch diese wirkliche vorstellung ... unterscheidet sich das drama von der erzählung, welche die handlung als bereits geworden und vorgegangen voraussetzt Eschenburg entwurf (1783) 163;
wenn aus verworrner vorzeit wildem handeln,
aus jeder that, die heute ward,
wie aus des jahres heil'gem wandeln
ein ewig walten dir sich offenbart
Geibel ges. w. (1883) 2, 69 (einem freunde);
überlege, was werden soll; es musz einen weg geben E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 65; in landschaftlicher umgangssprache: was wird denn, wenn er nich kommt? Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657.
2)
im älteren dt. zuweilenauf veranstaltungen verschiedener art bezogenin der bedeutung 'stattfinden':
ni wirdit thing (gericht), ih sagen thir thaz,
er noh sidor sulichaz!
Otfrid V 20, 16 Erdmann;
bis das teidinc quam
vnd die brutloft wart
Heinrich v. Veldeke Eneide 12900 Müller (Gothaer hs.);
habend ... gesprochen, es werd zuͦ Zürich nur ein keszlertag (zunfttag der kesselschmiede) und kummen nüt dann keszler zuͦsammen Zwingli dt. schr. 1, 114 Sch.; es ist kein doͤrfflin so kleyn, es wirt des jars ein mal kirchweihe darinn schöne weise klugreden (1548) 81ᵇ; das haus, darinnen die hochzeit wird Pomarius gr. post. (1590) 1, 208ᵇ; vor essens wird kein tantz Eyering proverb. (1601) 1, 30; so noch umgangssprachlich: heut wird das kirchen um neune der gottesdienst wird um 9 uhr gehalten Schöpf Tirol 813.
3)
formelhafte anwendungen.
a)
dessen wird rat 'geschieht abhilfe':
noch möhte es alles werden rât,
wolden si die grôzen sunde
geriuwen dies an mir begât
Friderich v. Husen in: minnes. frühl. 44, 28 Kraus;
also ward der sache radt Wickram rollw. 17, 9 Kurz;
sag an, der sachen wirdt wol rath
Spreng Ilias (1610) 1, 3ᵇ;
da spricht der arme hirte: 'desz mag noch werden rath,
ich weisz geheime wege, die noch kein mensch betrat ...'
Uhland ged. 1, 281 Schmidt-H. (überfall im wildbad).
b)
was wird mit ihm (damit) u. dgl.:
si waren in sorgen waz ir solde werden
genesis 80, 22 Diemer;
es kostet dir (Elisabeth) ein einzig wort. o sage,
bestimme, was mit dieser schrift (dem todesurteil) soll werden!
Schiller 12, 544 G.;
was ist mit ihm geworden?
Tieck schr. (1828) 1, 95;
(B. mit schmerz:) was ist mit dir geworden, Martin! (M.:) was mit mir hat werden müssen C. Flaischlen Martin Lehnhardt (1910) 81.
c)
wird's (bald)?! herrisch-ungeduldige aufforderung: (Gerson:) ... komme geschwinde heraus, mache fort! (Pickelhering guckt ein wenig heraus:) sieh da; sieh da; herr seyd ihrs! ja, ja, alsbald (sihet wider nein); (Gerson:) nun, was machstu? wenn wirds? Schoch studentenleben (1668) 27; (Wumsh.:) geh mir aus den augen! (Lisette:) wie sie befehlen. (Wumsh.:) wirds bald? oder soll ich gehn? Lessing 2, 4 L.-M. (misogyn); da kämpfte ich wohl einen harten kampf. wird's? drängte der polizeischreiber Gaudy s. w. (1844) 2, 140;
wird's einmal werden oder nicht?
wann krieg'n wir unser geld?
Nestroy ges. w. (1890) 1, 3;
vor allem in landschaftlicher umgangssprache: na wird's bald? Brendicke Berlin 192ᵇ; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657; Martin-Lienhart elsäss. 2, 847.
B.
daneben hat werden wie lat. fieri die bedeutung 'entstehen' (s. auch unter IV A 1).
1)
so seit frühdt. zeit geläufig: at si oriatur aliquid de nullis causis, id uidetur ortum esse de nihilo ube aber îeht uuirdet âne urspring taz ist uuorten fone nîehte Notker 1, 307, 10 Piper;
dar in si leiten steine; des wurden guotiu kleit.
selbe sneit si Kriemhilt, diu vil hêrlîche meit
Nibelungenlied 362, 3 Bartsch-de Boor;
was heut wirt, muͦsz morgen dran schöne weise klugreden (1548) 97ᵃ; damit unten auf dem boden keine blasen werden Amaranthes frauenz. lex. (1715) 6; geworden sey er (der gedanke), wo oder wie er wolle ... in einem Griechen, oder in Winkelmann (1769) Herder 3, 11 S.; und gab mit bitten nicht nach, bis ich ihr eine fuge aufsetzte, und so ward sie (20. 4. 1782) Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 168; nichts könne werden als was schon sei (1792) Göthe I 33, 197 W.; wenn die ernte gut ausfiel, wenn hohe preise wurden! Polenz Büttnerb. (1895) 121; als sprichwort findet sich: was nicht ist, kann noch werden Lipperheide spruchwb. (1934) 1015; gebucht auch von Mensing schlesw.-holst. 5, 532; Schambach Göttingen 295; Bauer-Collitz Waldeck 111 und Martin-Lienhart elsäss. 2, 847.
2)
besondere anwendungen.
a)
im sinne von 'zur welt kommen, ins leben treten':
ih bin mit givuurti, er thanne er io uuurti
(antequam Abraham fieret, ego sum)
Otfrid III 18, 62 Kelle;
von erste biz zu leste
werdent luͤte und ligent tot
Ulrich v. Türheim Rennewart 25995 Hübner;
wie der fogel zum flug ist worn,
zu arbeit ist der mensch geporn
H. Sachs 6, 45 lit. ver.;
die letsten so der langsammen geburt nit moͤgen erwarten, zerreissen der muͦtter den leib, also dasz si durch iren tod werden unnd leben L. Zoleckhofer vilvaltige beschr. (1564) 220; einer stirbt der ander wirdt Schulze bibl. sprichw. (1860) 85; so noch in dichterischem sprachgebrauch: tugend und grazien wetteiferten, sich selbst zu übertreffen, und Franziska ward! (10. 1. 1778?) Schiller 1, 45 G.;
könnt' ich der zukunft ihren schleier lüpfen,
zu sehn dahinter einen, der geboren
einst werden wird und vom geschick erkoren,
des vaterlandes fesseln abzustrüpfen!
...
noch eh du wardst, hat dich mein grusz bezeuget;
und bin ich, wann du wurdest, längst erblasset,
so grüsz' ich dich, ein geist, auf wolken schwebend
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 4;
... du wirst, du stirbst —
wess wahr geschöpf du bist, erfährst du nie
St. George d. neue reich (1928) 75;
doch auch den mundarten nicht fremd: ech si wuᵉrden den 10 mê ich bin am 10. mai geboren luxemburg. ma. 484; ein kind wird, ist wordeⁿ; wann bist wordeⁿ? Fischer schwäb. 6, 692 (ebda auch hist. belege); er isch a der wienecht worde (Aargau) Artur Frey analecta Germanica für H. Paul (1906) 30 (§ 13); əs iš wōᵘrdən es ist geboren (bes. von haustieren) Hotzenköcherle Mutten 203; s. ferner Seiler Basel 311; Stucki Jaun 295; Brun Obersaxen 93 u. 177; Schmeller-Frommann bair. 2, 989 sowie Schmeller cimbr. 114.
b)
'(heran-)wachsen, sich entwickeln':
got gebot im unde sprah:
'swas das paradis gebirt,
holz, obiz und das drinne wirt,
das iz algemeine'
Rudolf v. Ems weltchron. 318 Ehrismann u. ö.;
wäre esz sach, dasz aichel uf dem wald wurden (Rotenfels a. Main 1494) weistümer (1840) 6, 44; disz ... jars ward vil win und korns (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. 2 (1736) 117 u. ö.; quod cito fit, cito perit das ist, was bald wird und auffwechst, vergeht auch bald wider Kirchhof wendunmuth 2, 18 Ö.; so noch in dichterischer anwendung:
welch ein himmlischer garten entspringt aus öd' und aus wüste,
wird und lebet und glänzt herrlich im lichte vor mir
Göthe I 2, 129 u. ö.;
im universum der poesie selbst aber ruht nichts, alles wird und verwandelt sich Fr. Schlegel jugendschr. 2, 285 M.; einige monate lang vor Annonciaten's geburt war ihre mutter sehr traurig über den tod ihrer eltern ..., so ist das mädchen in kummer und ängsten geworden Brentano ges. schr. (1852) 5, 304; ihre einsamkeiten, in denen sie wuchs und wurde, verbrachte sie in einer von allen vergessenen wilden rosenlaube (27. 9. 1900) Rilke br. 1899 —1902 (1931) 338; vereinzelt auch in landschaftlicher umgangssprache: di olle rön (rüben) wern hie joanich Lademann Teltow 279; das kind wird nicht Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657.
c)
mit einem zahlwort verbunden; im sinne von 'sich ergeben; zusammen- bzw. herauskommen':
man ahte bî den schilden, wie vil ir möhte sîn,
die der schœnen Hilden daz edele magedîn
solden helfen bringen ûz Ormanîerîche:
der wurden sibenzic tûsent.   in gap vrou Hilde ir gâbe kostlîche
Kudrun 1104, 4 Symons;
die selben 300 golden mag man rechen zu den 3700, so werden ys denne 4000 golden Marienburger tresslerb. (1399—1409) 134 Joachim; dann setze 00 zu 0, 5, so wirt 0, 500 Kepler opera 5, 550 Frisch; multiplicir 354 mit sich selbs, so werden drauss 125 316 ebda 559; theile des bodens höhe in 5, ein jedes fünfftheil wieder in 5, so werden der theil 25, halbier sie, so werden jhr 50 ebda 587; weitere belege bei A. Götze anfänge einer mathemat. fachspr. in Keplers deutsch (1919) 212.
d)
aus etwas (oder jemand) werden 'daraus entstehen, sich entwickeln': ausz gescheiden kindern werden gecken schöne weise klugreden (1548) 63ᵃ; ausz suͤssem wein wird sawer essig, ausz freunden unversoͤhnliche feindschafft Lehman floril. polit. (1662) 1, 218; ja es waͤre dazumal wol endlich was aus mir geworden Chr. Reuter Schelmuffsky 10 ndr.; er (Rousseau) fängt, wie seine vorgänger, mit dem geschrei der natur an, aus dem die menschliche sprache werde Herder 5, 20 S.; aus den tagen wurden wochen und endlich monate Tieck schr. (1828) 4, 232; dasz ich dich habe ..., das ist mein glück. was daraus wird, das kümmert mich nicht Fontane ges. w. (1905) I 5, 149; so geschieht's, dasz in wenigen monaten aus dem gottseibeiuns Fouché der liebling aller geworden ist St. Zweig Fouché (1954) 94. diese anwendung konkurriert mit der prädikativen konstruktion (II), wie einige belege deutlich zeigen: auf die frage, was aus dem wetter werden möge, erwiederte [!] er in pythischem stile: 's kann gut werden, 's kann regnen auch H. v. Barth Kalkalpen (1874) 401. Adelung 5 (1786) 174 bemerkt darüber folgendes: 'es scheinet, dasz werden gemeiniglich alsdann mit zweyen nominativen verbunden wird, wenn es so viel bedeutet, als solche freywillige handlungen vornehmen, wodurch ein gesammter, dauerhafter zustand bewirket wird. ist keine mitwirkung vorhanden, oder ist der übergang nicht freywillig, so bekommt entweder das subject die präposition aus ... (z. b.: aus pflanzen werden bäume) oder ... das prädicat bekommt die präposition zu'. besonders häufig sind wendungen wie daraus (oder aus ihm) wird nichts (gutes): da wird nichts ausz Mathesius Sarepta (1571) XIᵃ;
fuͤrwar es wird nichts guts darausz,
wann also fortgeht diser strausz
Sprng Ilias (1610) 12ᵃ;
man kan manchen weder mit pfeiffen noch weinen gewinnen, pfeiffe oder weine, so wird doch nichts darausz Lehman floril. polit. (1662) 2, 788; aus dieser heirath wird — nichts Schiller 14, 139 G.;
gott segne deine studia,
aus dir wird nichts. halleluja!
altes studentenlied bei Lipperheide spruchwb. 834ᵇ;
es wird doch nichts aus ihm! A. v. Arnim s. w. 6 (1857) 3; dasz die gründer der stadt dieselbe eine gute halbe stunde von einem schiffbaren flusse angepflanzt, zum deutlichen zeichen, dasz nichts daraus werden solle G. Keller ges. w. (1889) 4, 7; zuweilen auch mit alles verbunden: ein student ist nichts, das ist wahr, aber es kann doch alles aus ihm werden Lenz ges. schr. (1828) 1, 57.
e)
vom eintreten bzw. zustandekommen eines vorgangs (α) oder zustands (β), sowie vom eintritt einer tages- oder jahreszeit (γ).
α)
strît uuirdet. ube ein man urî sî Notker 1, 596, 11 Piper;
den brief an der selben frist
hiezz mann dem volk lesen.
under dem volk wesen
ward ain mürmël grözz
d. grosze Alexander 1663 Guth;
da wirt ein lerman vnd ein stryt
H. R. Manuel weinsp. 2623 ndr.;
pflumpf! lagst du, und ward ein gezisch und gelächter über dir Schiller 2, 34 G.;
ward nun in dem haus ein gehn und kommen
auf und ab die stiegen
Göthe I 2, 99 W.;
und wie es stille gewesen war, dasz man die worte ... vernommen hatte, so wurde jetzt ein schrei, der durch die wolken des himmels drang Stifter s. w. 11 (1932) 171; über den geborstenen wolken ward jähester sieg der sonne (nach hagelwetter) qu. a. d. j. 1923; so auch in neuerer umgangssprache: kann woll hier wandel werden? Gerh. Hauptmann weber (1892) 32.
β)
fragetun ...
oba thiu selba blinti fon sunton sinen uuurti
Otfrid III 20, 4 Kelle;
kein einigkeit czwischen in werden mocht (1472) Arigo decamerone 111 lit. ver.; nach freud kan bald vnmuth werden Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) E 2ᵃ; dadurch wird eine unveränderliche ordnung des mit- und nebeneinander im sichtlichen ... raume Herder 22, 57 S.;
da ward wieder in mir ruh
Müllner dram. w. (1828) 1, 22;
wenn frieden würde, könne er (Tilly) sich dahin zurückziehen R. Huch d. grosze krieg (1920) 2, 248.
γ)
tho iz aband uuard Tatian 109, 2 Sievers;
dô ez tac wart
Hartmann v. Aue Iwein 6587 Benecke-Lachmann;
diescit es wirt tag Er. Alberus dict. (1540) d 4ᵃ;
als vil der blumen wolgestallt
herausser spriessen von der erden,
wann es geleich will sommer werden
Spreng Ilias (1610) 21ᵇ;
es wurde mitternacht; es kam
der neue gastfreund nicht
Pfeffel poet. vers. (1820) 3, 72;
der sturm ... muszte, da es abend geworden, verschoben werden Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 32. im älteren dt. zuweilen noch ohne das 'scheinsubjekt' es (s. Wilmanns dt. gramm. 3, 2 [1909] 467 u. vgl. den entsprechenden gebrauch von sein teil 10, 1, 259):
in sinem houe newirdet niemir nacht
pfaffe Konrad Rolandslied 9050 Wesle;
do nun morgen ward (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 7; darnach ward tag Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) e 2ᵇ; ob eyn langer winter werde Sebiz feldbau (1580) 9; daneben stehen einzelne fälle mit temporaler präposition, die zu II überleiten, falls man nicht überhaupt die ganze gruppe γ zu II rechnen will (s. auch Paul dt. gramm. 3, 44):
alss aber wardt umb miternacht,
handt Juden sich zuesamen gmacht
und machten baldt ein falschen rath
Endinger Judenspiel 21 ndr.;
aber über unser schwatzen ... ist es schon tief in die nacht geworden Tieck schr. (1828) 4, 162.
3)
formelhafter gebrauch.
a)
werden heiszen oder lassen:
man sol si loben deste baz.
der uns alle werden hiez, wie lützel der an ir vergaz!
Dietmar v. Eist in: minnes. frühl. 36, 28 Kraus;
das paradiz got werden hiez
aller erst von anegenge gar
Rudolf v. Ems weltchron. 266 Ehrismann;
... eh sein allmächtger ruf,
was nicht war, werden hiesz und alle welten schuf
Giseke poet. w. (1767) 4;
im neueren dt. wird die verbindung werden lassen üblich:
ja wuͤrmchen, der dich werden liesz, kann sicher auch noch mehr als diesz
R. Z. Becker mild. liederb. (1799) 27;
groszer Brama, herr der mächte!
...
oder bist auch du's, der affen
werden liesz und unseres gleichen?
Göthe I 3, 9 W.;
grosze historische erscheinungen ... tragen den charakter des momentes an sich, in dem sie entstanden: so sind sie, wie die thatkraft und der genius der vornehmsten begründer ... sie werden lieszen Ranke s. w. (1867) 9, 3;
und jeden einzigen tag, den gott werden läszt,
steht burg und hof und saal geschmückt wie zum fest
A. Miegel ges. ged. (1927) 15.
vereinzelt auch im sinne von 'zulassen, dasz sich etwas entwickelt': die sache werden zu lassen halt ich für gut, damit nur einige bewegung in die schicksale komme, dem ruf zu folgen aber kann ich nie rathen (2. 9. 1786) Göthe IV 8, 21 W.
b)
es werde (licht) u. ä. imperativische wendungen, die an die genesis anschlieszen: und gott sprach, es werde liecht, und es ward liecht (fiat lux. et facta est lux) 1. Mos. 1, 3 (Zainer 1475: es werde das liecht erste dt. bibel 3, 44 lit. ver., la.);
der mensch war nicht! du sprachst: er werde!
da wurden wir und wurden erde
Klopstock w. 7 (1804) 95 Göschen (dem dreyeinigen);
izt sah ich über den altar her
... Schlegeln ...
... kommen
und unerschöpflich, vertieft und ernsthaft
um sich erschaffen. werdet! da wurden ihm
lieder ...
ders., oden 1, 28 M.-P.;
und er sprach das wort: es werde!
da erklang ein schmerzlich ach!
als das all mit machtgebärde
in die wirklichkeiten brach
Göthe I 3, 75 W.
c)
die sache (etwas) wird 'macht sich, geht gut, gelingt, gedeiht' (vgl. I B 2 b und c): warlich die vertütschung der bybell würdt nit on grosse wunderbarliche würckung der genaden gottes sein vnd werden Hartmuth v. Cronberg schr. 65 ndr.; doch will ich es werden lassen, es hat sich alles so gut gemacht ... wo ich nun sitze, hier oder in Franckfurt, das ist eins, und Rom ist der einzige ort in der welt für den künstler, und ich bin doch einmal nichts anders. wäre nur die rückreise im winter oder gegen den winter nicht zu beschwerlich. doch es mag werden (8. 6. 1787) Göthe IV 8, 231 W.;
ist mir auch mein liebchen hold,
's war doch, als wenn's nicht werden sollt'
Körner w. 2, 134 H.;
es wird schon werden Fontane ges. w. (1905) I 5, 49; in landschaftlicher umgangssprache: i trau' mi schon; es wird all's werd'n Schönherr glaube u. heimat (1910) 28; 's wärd, itze wärd's! (z. b. der kuchen im backofen bäckt) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657; des ... wird schoⁿ werden (von pflanzen u. leblosen dingen) Fischer schwäb. 6, 692; s wird scho[n] wern es wird schon wieder gut werden Jakob Wien 218.
C.
wie zuteil werden (s. unter II A 3 a α), das im neueren dt. üblicher geworden ist; in verschiedener anwendung.
1)
jem. werden 'geschehen' (vgl. I A sowie die belege unter IV A 1 b), bes. im negativen sinne von 'widerfahren, zustoszen':
iz ni lesent scribara,
thaz jungera worolti sulih mord wurti
Otfrid I 20, 24 Erdmann;
so ne wirt ir leideˢ
Eilhart v. Oberg Tristrant. 40 Wagner;
bis mir der tod thut werden
volksl. 1, 259 Erlach;
wofür ihm eine citation in die kreishauptstadt geworden Gutzkow zauberer (1858) 1, 161;
was soll dem werden, der mit frecher hand
den purpur ...
um seine stirn zu ziehn sich unterwand?
Münchhausen balladen u. ritterliche lieder (1922) 96;
aber auch im sinne von 'beschieden, vergönnt sein':
thiu salida ist uns wortan, thaz wir nan eigun funtan
Otfrid II 7, 44 E.;
doch wart im selten kumbers buoz
Wolfram v. Eschenbach Parzival 12, 14 Lachmann;
dann im derzeit allein mit ir zuͦ reden nicht werden mocht Wickram w. 2, 200 Bolte; wenn seinem geist anjetzt ein blick über das aufstrebende Amerika würde: so würde er vielleicht mit eben dem selben blick gewahr, dasz auch in den armen seines alten Tithonus, Europa, eine neue Aurora schlummre Herder 16, 128 S.;
... dem mann musz hülfe werden
Schiller 14, 279 G.;
nachstehend hab ich dir einiges mittheilen wollen von dem, was mir angenehmes worden ist in meinem ... gartenaufenthalt (9. 6. 1827) Göthe IV 42, 214 W.; es ist mir noch nie geworden, freude an dem gewonnenen zu finden Gutzkow ges. w. (1872) 4, 9.
2)
jem. werden 'ihm gegeben sein, in seinen besitz übergehen, zufallen' (vgl. die entsprechenden konstruktionen mit sein teil 10, 1, 268f.): non erat illis filius ni ward in sun Tatian 2, 2 S.;
ez regent bêdenthalben mîn,
daz mir des alles niht enwirt ein tropfe
Walther v. d. Vogelweide 20, 36 Kraus;
groschen wurden ym vom monzmeister Marienburger tresslerb. (1399—1409) 205 Joachim; was dir nicht werden kan, da wend bey zeit dein hertz davon Lehman floril. polit. (1662) 1, 499; keinen bessern weihnachten bekomm ich nicht und kann mir nicht werden, als den du, mein lieber Knebel, mir gemacht hast (10. 12. 1783) herzog Karl August bei Knebel lit. nachl. 1, 138 Ense-Mundt; so wurde dem fürsten allein die beute der eroberung Eichhorn staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 78; unter ihren sinnen steht unzweifelhaft der des gesichtes obenan trotz des schwer begreiflichen volksnamens ('blindschleiche'), der dem tiere geworden ist Brehm tierl. 7, 108 P.-L. als gewählter ausdruck für 'bekommen' noch in neuerer dichtersprache lebendig:
er asz das fleisch der pflaume gern,
mir ward der stein, der kahle
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 72;
solch einer (ein seher) ward euch nicht und ich bin es nicht
St. George d. neue reich (1928) 9;
ward uns kein mund, der trauernd im gesang
die trümmer unsres hohen glücks vereine?
R. A. Schröder ged. (1935) 27;
doch auch dem nordfries. und einigen dt. mundarten nicht fremd: din rocht skëll dî wârde dein recht soll dir werden Jensen nordfries. 676; sien pe̜rd schall em wull weller warrn Mensing schlesw.-holst. 5, 532; wan-ᵉt dᵉ andᵉ rᵉn krᵉīget, dan mod-ᵉt mᵉī doh auk wǟrᵉn Bauer-Collitz Waldeck 111; iⁿ dir wurd naᶜʰ-n-emüol e drëck uf diᵉ nas dir wird's noch einmal schlimm ergehen Martin-Lienhart elsäss. 2, 847. im frühnhd. findet sich auch die wendung jem. in die hände werden 'jem. in die hände fallen':
der thyrann in wart in die hand
H. Sachs 1, 222 lit. ver.;
also ist yhnen der kirchenn gut gar in die hendt worden Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 177 ndr.; auff das jm die feindt noch nüchter vnd vnbereit zum künfftigen in die haͤnd wurden Xylander Polybius (1574) 165.
II.
mit einer angabe der vorgangsrichtung oder des entwicklungsziels verbunden. während die 'kopula' sein zur wesens- oder zustandsbestimmung dient und ein bestehen ausdrückt, bezeichnet werden ein entstehen, eine wesensveränderung, das hineingeraten in einen anderen (zu-)— stand oder eine neue lage (vgl. I B 2 b—e).
A.
in verbindung mit einem substantiv.
1)
mit einem prädikativum im nominativ.
a)
einer sachbezeichnung: legest tv îeht tarazv̂ s. doh ein uerbum. sô uuirdet iz proloquium (ein ausspruchsatz) Notker 1, 508, 5 Piper; bistu es der sun gotz: so sag daz dise stain werden brot (dic ut lapides isti panes fiant) erste dt. bibel 1, 14 lit. ver.;
der tag wird tunckle nacht
Rompler v. Löwenhalt erst. gebüsch (1647) 72;
so wurde dies gesetz segen Herder 5, 6 S.; denn oft wird ein freund, an den man schreibt, mehr der anlasz als der gegenstand des briefes Göthe I 46, 12 W.;
und alle meine sorgen wichen,
und all mein denken ward gedicht
Münchhausen balladen u. ritterliche lieder (1922) 174;
brache ward acker, öde ward dorf und wildnis stadt
A. Miegel herbstgesang (1933) 27.
soll das entwicklungsziel, die 'zielgrösze', als exemplarischer vertreter einer gattung gekennzeichnet werden, so findet sich das prädikativum mit ein verbunden:
... swer daz houbet sach, der wart ein stein
Marner 110 Strauch;
der wilde feind mus nur ein schaff,
sein vngestüm ein süszer schlaff
vnd sanfte ruhe werden
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 422;
ein pferd sey wie es will, ...
so wird es unter dir, held, ein Bucephalus
König ged. (1745) 35;
ich sah wohl, dasz dies ein bettchen für mich werden sollte Brentano ges. schr. (1852) 5, 172; das wird eine überraschung! Storm s. w. (1898) 1, 25; oft auch mit einem possessivum:
sît der schilt von êrste wart mîn dach,
hiut ist mîn hôhste ungemach
Wolfram v. Eschenbach Parzival 812, 17 Lachmann;
ach lasz, mein hort,
dein letztes wort
mein letztes wort auch werden
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 335;
beider liebe
ist eu'r eigenthum geworden
Müllner dram. w. (1828) 2, 70;
hingegen wird es mit der, die, das nur vereinzelt verbunden: wenn ihr freylich wie bisher zusammenhaltet, so musz es das seltsamste werk seyn, werden und bleiben, was die welt gesehen hat (6./7. 6. 1820) Göthe IV 33, 55 W.; sollen wir morgen das mährchen des hauses werden? ebda I 22, 196; behüte uns überhaupt nur der himmel ... dasz dieselbe liebe und begeisterung ... nicht die thorheit einer jüngeren zeit werde Tieck schr. (1828) 4, 13; der general Hegermann-Lindencrone besasz einen hübschen landsitz nahe der stadt, welcher der tummelplatz unserer knabenspiele ... wurde Moltke ges. schr. (1892) 1, 22. gelegentlich tritt auszer dem prädikativum noch eine dativische bezugsgrösze hinzu (vgl. die entsprechenden belege unter II A 3 a α):
is sundeon uuerdad imu sorga an mode ...
Heliand 3496 Sievers;
der liehte tac wart ir ein naht
Hartmann v. Aue Iwein 1326 Benecke-Lachmann;
und altar des lieblichsten danks
wird ihm des gefürchteten gipfels
schneebehangner scheitel
Göthe I 2, 63 W.
b)
einer personenbezeichnung: vnde des fater trût uuirdet mennischo unde irstirbet Notker 2, 90, 19 Piper;
vriunde wurde wir
Neidhart 46, 21 Wiessner;
ich siche wol das es dein wille ist, das ich Krist werde (che io divenga cristiano) Arigo decamerone 30 lit. ver.;
er kam von seines vaters thron,
ward einer armen jungfraw sohn
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 302;
na, was das übrige anbetrifft, — bin ich vater geworden, so kann ich am ende auch nichts dagegen einwenden, im laufe der zeiten groszvater zu werden W. Raabe s. w. II 5, 89 Klemm; der gemäszigte wird über nacht erzradikaler und ultraterrorist St. Zweig Fouché (1954) 22; meist einer berufs-, funktions-, rang- oder standesbezeichnung; den eintritt in einen rang, stand oder ein dienstverhältnis bezeichnend:
thaz er uuard ... kuning thero liuto
Otfrid I 3, 20 Kelle;
ich wurde ê münch ze Toberlû
Walther v. d. Vogelweide 76, 21 Kraus;
nachmals auch mir, dasz ich magister und doctor bin worden, geholfen (1537) Jac. Schenk bei Luther briefw. 8, 117 W.; auff das richteten die Roͤmer all jre macht an die Gallier, jr glück zuͦwagen, bischoff oder bader zuͦwerden (zu siegen oder zu unterliegen) Stumpf Schweizer chron. (1606) 161ᵇ; mittler, buͤrg fuͤr jemand werden entrar mediatore, mallevadore (cautione) per uno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1327ᵇ; die hoffnung ..., wieder minister zu werden Archenholtz England u. Italien (1785) 1, 1, 37; er war seconde-lieutenant geworden Steffens was ich erlebte (1840) 1, 203; es müsse sich doch auch erst zeigen, ob der Peter wirklich geistlicher werden wolle O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 238. so auch im nordfries. und in dt. mundarten: hî wârt prêrster Jensen nordfries. 676; hā es schetzᵉkēnich wōᵃrn Heinzerling-Reuter Siegerland 320; er ist amme (amtmann) worde Hunziker Aargau 293. hinzutretendes ein kennzeichnet die 'zielgrösze' als exemplarischen vertreter einer gattung:
wurd ich sus ein roubære
Rudolf v. Ems Barlaam 168 Köpke;
Noah aber fieng an und ward ein ackerman 1. Mos. 9, 20; wann er aber ein buͦb wirt, so schilt ich jn schöne weise klugreden (1548) 47ᵇ;
o mensch, beweyne deine sünd,
vm welcher willen gottes kind
ein mensche muste werden
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 302 (daneben: wirst mensch ebda 328; wär er nicht mensch worden ebda 330);
Bullus ist ein artzt geworden und versteht das handwerck nicht
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 129 Neukirch;
so hatte man die anwartschaft, ein landbote auf dem babinischen reichstage zu werden Joh. El. Schlegel w. (1761) 5, 427; so noch im neueren dt.; doch gemeinhin nur noch 'bei den bezeichnungen des geschlechts und des lebensalters, sowie bei den eigenschaftsbezeichnungen' (Behaghel dt. syntax 1 [1923] 88):
der bildner gleichenfalls
vergleicht sich eben
dem reiter, der den hals
darangegeben,
wie Hemelink auch gethan,
ein held geworden,
durch seine manneskraft
ritter vom orden
Göthe I 2, 157 W.;
er ist kein kind mehr ... er ist ein mann geworden Tügel Sankt Blehk (1934) 261; sie (anrede) wollen ein Rauch, sie wollen ein Hähnel werden! bilden sie sich nur das nicht ein! ... das, was man sich nicht einbilden sollte, war: ein groszer künstler zu werden, will heiszen, überhaupt ein künstler zu werden Gerh. Hauptmann prosa 3 (1956) 341 (daneben: meine absicht, künstler, und zwar bildhauer zu werden ebda 325, wo künstler einfach berufsangabe ist); sonst, insbesondere bei berufsbezeichnungen, nur noch vereinzelt: ich ... will ein jäger werden Göthe I 24, 4 W. (daneben: der ... förster geworden war ebda I 21, 35); mutter, ich möchte ein ritter werden H. Hesse fabulierbuch (1935) 73. auch die fügung mit der, die, das bleibt auf gelegentliche anwendungen beschränkt:
ich darf für dich der edlen kunst mich weihn;
denn du, geliebte, willst die muse werden
und stiller schutzgeist meiner dichtung sein
Novalis schr. 4, 51 Minor;
im Orient ... ward der wahrsager der tyrann und der gehülfe der herrscher Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 93; sie (prinzessin Orsini) ward die freundin der jungen königin, sie beherrschte den schwachen Philipp F. C. Schlosser in: d. 18. jahrhundert (⁵1879) 1, 40; hingegen ist die verbindung mit einem possessiv bestimmten prädikativum seit frühdt. zeit geläufig: et factus est dominus protector meus vnde uuard got mîn scherm Notker 2, 51, 12 Piper;
si ward mein herr und ich ir knecht,
nu ist mir sicher ungedrot
Oswald v. Wolkenstein 39, 4 Schatz;
wenn du die Ursel nimmst, wirst du mein tochter-mann
Chr. Reuter harlequins hochzeit-schmausz 60 ndr.;
Ewald ward im kurzem sein vertrautester gesellschafter Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 181; du wirst dann wirklich meine frau Storm s. w. (1898) 1, 6. als feste wendung findet sich herr (meister) werden:
ee ich die rechte kunst erfandt,
darinn ich yetz bin meister worden
Murner narrenbeschwör., in: dt. schr. 2, 111 Spanier;
ein herr über ihrer mutter ducaten zu werden Grimmelshausen 2, 340 Keller; wenn du meiner nicht herr wirst H. Hesse fabulierbuch (1935) 101.
2)
im genitiv.
a)
der übergang in ein besitz- oder zugehörigkeitsverhältnis wird bezeichnet (s. O. Behaghel dt. syntax 1 [1923] 578ff. und vgl. II B 1 a): daz sie (die Ägypter) schebedîg uuurden unde tôdes Notker 2, 319, 9 Piper; die werden ouch der aller hœhsten in dem himelrîche (gehören auch zu den allerhöchsten) Berthold v. Regensburg pred. 1, 328 Pf.-Str.; ob ein eigen des riches wirt also daz ez an daz riche erstirbet Schwabenspiegel 215 Lassberg; sollichs ermessen frumm erber leüt vnder den baͤttel oͤrden, das sie also das allmuͦsen essen vnd nichts lobwirdigs dar vmb thuͦnd ... vnd foͤrchten sünd do by, das sie so vnuerdient den leüten soͤllen iren bluͤtigen schweiss ab essen vnd do by des teüfels werden (dem teufel anheimfallen, verdammt sein) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 99 ndr.; desz radts vnd desz regiments werden, in radt kommen adire ad rempublicam Maaler teutsch spraach (1561) 489ᵇ; vereinzelt noch in neuerer literatursprache (s. auch die belege teil 11, 1, 1, 271): (Kunegunde:) ... denk, schwester! vor drei jahren hat unser vater eine von uns beiden dem pfalzgrafen zur ehe versprochen ... ich kann's nun nicht sein; ... auch du wirst des pfalzgrafen nicht; (Beatrix:) warum? wer wird denn meines vaters wort erfüllen? J. M. Babo Otto v. Wittelsbach 39 Reclam; Eduards werd' ich nie! Göthe I 20, 370 W.; ich möchte oft des teufels drüber werden (auszer mich geraten), dasz ich immer glauben musz, die kirchenmusik habe uns verlassen Brentano ges. schr. (1852) 5, 336; für das nordfries. bezeugt Jensen 677: dy wârst jë wil rîn dës döîwels du wirst ja wohl rein des teufels.
b)
der eintritt in einen anderen zustand wird ausgedrückt (s. Behaghel 1, 581 ff.): et cum factus fuisset annorum duodecim inti mit thiu her uuard giuuortan zuelif iaro Tatian 12, 2 Sievers;
des wart vil unmuotes der Kriemhilde lîp
Nibelungenlied 2024, 2 Zarncke (fassung C; bei B: des wart in unmuote);
er aber ward vnmuths vber der rede Mark. 10, 22; dargegen die boszhaftigen curtisanen vnd Romanisten ... iren stoltz vnd übermuͦt gegen mir, etwas nidergelassen, sich vast jngethon, vnnd kleines lauts worden U. v. Hutten opera 1, 448 B.; aber dieweil sie jrem begeren nach gnugsam gesehen, ... wolt sie nicht weitter für reysen, besonder ward fürhabens zu rück zu ziehen Amadis 70 Keller; mutare consilium anders rahts werden nomencl. lat. germ. (Hamb. 1634) 227; so wurden sie raths (beschlossen sie), ihn wieder abzunehmen Bode Tristram Schandi 3 (1776) 22. nhd. nur noch in wendungen wie anderen sinnes, anderer meinung werden; s. auch Jensen nordfries. 677 und Damköhler Nordharz 226.
3)
fügewörtlich angeschlossen (s. auch dt. gramm. 4 [1898] 979 ff.).
a)
durch in; so nur vereinzelt im älteren dt. (weitere nachweise dt. gramm. a. a. o. sowie PBB. 26, 552): et erunt prava in directa et aspera in vias planas inti uuerde abahu in rehtu inti unebanu in slehta uuega Tatian 13, 3 Sievers; insbesondere vom hineingeraten in einen anderen zustand:
in abulgi ouh sie wurtin, mit imo iz saman zurntin
Otfrid IV 19, 60 Erdmann;
des wart in unmuote
der lewe, wânde er wære tôt,
und was im nâch dem tôde nôt
Hartmann v. Aue Iwein 3950 Benecke-Lachmann;
oder eine andere lage, so in der frühnhd. wendung jem. in die hände werden (s. I C 2).
b)
durch zu (vgl. W. Wilmanns dt. gramm. 3, 2 [1909] 679).
α)
das prädikativum ist
αα)
eine sachbezeichnung: dic ut lapides isti panes fiant quid thaz these steina zi brote uuerden Tatian 15, 3 Sievers (ebenso Otfrid II 4, 40 E.);
von des steines kraft der fênîs
verbrinnet, daz er zaschen wirt
Wolfram v. Eschenbach Parzival 469, 9 Lachmann;
der tag, der da nimmer zu abende wirt altdt. pred. 1, 229, 11 Schönb.; waffen, welche ... zu staub und asche worden Lohenstein Arminius (1689) 1, b 1 a;
ach, wer heilet die schmerzen
desz, dem balsam zu gift ward?
Göthe I 2, 62 W.;
... die lorbeern werden ... zu palmen
Körner w. 1, 115 H.;
so auch im nordfries. und in dt. mundarten: dî mënske wârt wyder tâ stôf der mensch wird wieder zu staub Jensen nordfries. 677; s het griesknöpfleⁿ sölleⁿ gëᵇᵉn, jetz isᵗ alles ze bäpp worᵈeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 847. seit dem späten mhd. wird das prädikativum meist mit dem artikel verbunden:
das er ...
czuͦ ainem menschen worden sey
Sankt Afra 861 Wilhelm;
es brent zeitlich was zur nesseln werden wil schöne weise klugreden (1548) 36ᵇ; dieses lasz in einem tiegel auff einen kohlfeuer zu einer salben werden Martin Böhme rosz-artzney (1618) 118;
die erde sinkt, wird ihr (königin Luise v. Dänemark) zum leichten staube;
und, nun entschlummert sie
Klopstock oden 1, 100 M.-P.;
von natur besitzen wir keinen fehler, der nicht zur tugend, keine tugend, die nicht zum fehler werden könnte Göthe I 24, 193 W.; jetzt wurde er zwischen den ... weinbergsmauern zum hohlwege O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 607; durch die gährung wird der most zum wein Muspratt chemie 9 (⁴1921) 114; sie allein werden zum schicksal ihres volkes H. Hesse Zarathustras wiederkehr (1924) 41. als feste wendungen begegnen zu schanden werden, zu wasser w. und zu nichte w., die einen miszerfolg, fehlschlag oder unglücklichen ausgang einer entwicklung bezeichnen: an dih kedington sie, unde be diû neuuurden sie ze scandon Notker 2, 67, 7 Piper; es sol och nieman sinen win lesen, die wil der ban wart ... es were denn daz ainer in dem twing gesessen geseche, daz der win ze schanden und verloren wurde an sinen reben (1426) weistümer (1840) 6, 334; die mechtig stat Rom ... ist durch zwitracht zuͦ nichtz, vn̄ durch die Gotten vn̄ Hunen ellendlich zerrissen worden Gebweiler lob Marie (1523) 44ᵃ; das ist zu nicht worden Lehman floril. polit. (1662) 1, 130;
ward nicht aus zwiespalt blosz ...
euch zeit und volk und ruhm zu schanden?
Gottsched ged. (1751) 1, 8;
ich gieng in mich selbst, woher ... die besten anschlaͤge zu wasser wuͤrden (1763) Fr. Carl v. Moser schr., in: briefe, die neueste litt. betr. 18 (1764) 50; und auch dieser geringe erfolg wurde zunichte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 128. fernermit hinzutritt einer dativischen bezugsgrösze — zu teil werden (vgl. I C): das geweichte (sakrament) im ze teyle ward Arigo decamerone 27 lit. ver.; tausent ... den keyner ley dinst oder hilffe ze teyle worden, alle on vnterlasz sturben ebda 7; warumb ist er nit dester weyter vmbgeritten, das er den veinden nit zutail worden (in die hände gefallen) waͤre? (1509) Fortunatus 21 ndr.;
vnd wer obsigen thut mit heyl,
dem wuͤrdet Helena zu theil
Spreng Ilias (1610) 34ᵇ;
die würden, ehren und auszeichnungen, die uns da zu theil wurden (14. 4. 1816) Göthe IV 26, 339 W.;
sie turnen mit Astolf, und sonder weile
wird ihnen beiden gleicher fal zu theile
Gries Bojardo (1835) 1, 60;
und zu willen werden 'willfahren': wo ich sölichen erbern manne und schönen frawen möchte ze liebe und willen werden Arigo decamerone 17 lit. ver.; er huͦb auff (das glas) und tranck, vmb das er ir zuͦwillen wurd (1509) Fortunatus 109 ndr.;
du (Cupido) woͤllest mir zu willen werden
Spreng Ilias (1610) 18ᵃ;
einem jeden zu dienst und willen werden Güntzel t.-it. (1648) 866. auch sonst tritt auszer dem prädikativum oft noch eine dativische bezugsgrösze hinzu (vgl. die entsprechenden belege unter II A 1 a sowie unter sein teil 10, 1, 280f.): et erunt preda his qui seruiebant sibi endi si uuerdant zi scaahche dhem im aer dheonodon Isidor 11, 2 Hench;
des getrôster sih
unde gelobete daz einwîch.
daz wart ime sint ze leide
Lamprecht Alexander 4646 Kinzel;
dô neic si mir vil schône.
daz wart mir ze lône
Walther v. d. Vogelweide 74, 34 Kraus;
die kleynen fischlin, welche one das den grosen andern fischen zur speiss müssen werden Sebiz feldbau (1579) 466; dass er yederman zum gespoͤtt worden Stumpf Schweizer chron. (1606) 251ᵃ;
zur last
wird mir das dankgefühl für so viel güte werden
Müllner dram. w. (1828) 5, 26;
lasz nicht dem sturm zum raube
uns werden in der rettung sturmgetösen
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 24.
ββ)
eine personenbezeichnung:
tho er (Christus) ward zi manne   bi sie zi irsterbanne
Otfrid V 12, 27 Erdmann u. ö. (daneben: thaz wort theist man wortan et verbum caro factum est II 2, 31);
do das kind zu manne wardt,
das dett nach seines vaters artt
Heinrich v. Neustadt Apollonius v. Tyrland 230 Singer;
dieser tyrann zu künig wart
H. Sachs 1, 223 lit. ver.;
als die mit kummer vnd beschwerden
zu wittwen vnd zu waysen werden
Spreng Ilias (1610) 80ᵃ;
am schlusse dieser höchst wahrhaften geschichte, als sie selbst zu einem mährchen und alle darin verwickelten hohen und niederen standespersonen zu kindern geworden Brentano ges. schr. (1852) 5, 3; seit mhd. zeit meist mit dem artikel verbunden:
und wirt mir z'eime trûte daz minneclîche wîp,
ich wil durch dînen willen wâgen êre unde lîp
Nibelungenlied 332, 3 Bartsch-de Boor;
seit ich pin worden gar zu ainem kinde
Oswald v. Wolkenstein 95, 21 Schatz;
wer er ein Krist on czweiffel er zuͦ einem Juden würde Arigo decamerone 30 lit. ver.;
kein messer ist, das schaͤrpffer schirt,
dann wann ein knecht zum herren wirt
K. Scheit Grobianus 76 ndr.
(vgl.:
kein schermesser das herter schirt,
dann so ein bettler ein herr wirt
schöne weise klugreden [1548] 39ᵇ);
Amaryllis, sag' uns doch, wie viel jahre seind verflogen,
seit dein treuvergessner mann von dir in den krieg gezogen?
ei was wolt ihr also fragen, forschet nur, wie manches mal
ich hernach zur mutter worden, dies ist ihre rechte zahl
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 75;
zum narren werden diventare pazzo, impazzire Kramer t.-ital. 2 (1702) 1477ᵇ;
ich, die bin frei nach aller welt berichten,
nichts über mich erkennend, das mich zwinge,
ward hier im wunderbaren lauf der dinge
zur magd und schäme dessen mich mitnichten
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 36;
wenn darum Joseph Fouché in Lyon zum massenhenker wird St. Zweig Fouché (1954) 41.
γγ)
ein nomen actionis oder ein infinitiv. dieser gebrauch findet sich nur in einigen festen wendungen des älteren dt. zu wissen werden zur kenntnis kommen, bekannt werden:
... unkund harto ist iz iu,
iz uuirdit ethesuuanne   thoh iu zi uuizanne
Otfrid IV 11, 28 Kelle;
ecce nuntiatur aduenire subito deorum pronuba târ uuard zeuuizenne, daz tero goto hîreisara zûofûore Notker 1, 814, 9 Piper;
duo si dô wart ze wizzen,
daz si mahte sizzen,
dô frâcte si der vischære
(der fischer rettete sie vor dem ertrinken)
kaiserchron. 11908 Edw. Schröder;
wann nit ist so bedeckt das nit werd eroffnet: noch so verborgen das nit werd zewissen erste dt. bibel 1, 38 lit. ver.; do wart is dem andirn huffin zu wissen, do des bischoufes vitzthum ynne was (anf. 15. jh.) Joh. Rothe düring. chron. 554, 17 Liliencron; auch mnd.: do wart om to wetende dat Grifo to Wasconien were erslagen (14. jh.) Magdeburger schöppenchron. 22, 23 (= städtechron., bd. 7); in den tiden wart keiser Hinrike to weten dat ... ebda 42, 14. zu rate werden zu rate gehen, beratend zu einem entschlusz kommen (s. auch teil 8, 168 sowie mhd. wb. 2, 1, 567):
nû wurden si alsô drâte
under in ze râte
wiez verholen möhte sîn
Hartmann v. Aue Gregorius 683 Paul-Leitzmann;
Willehalm wart zu rate
mit den rittern die er da hate,
wie er den Sarrazinen
einen schaden mit den sinen
moͤhte getuͦn oder ein herzeleit
(mitte 13. jh.) Ulrich v. Türheim Rennewart 13711 Hübner;
ward man zu rat, dasz man es (das korn) solt von weil zu weil aufgeben und herhaim schicken (1466) städtechron. 5, 160, 1 (Augsburg); die von Schwitz ... wurdend einhellig ze rat von ir vordern marchen nit ze wychen (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 70; do werent si des in Elions hus zu rate worden, wie sie die armen lute ermurden wolten (um 1600) Endinger Judenspiel 94 ndr.; auch mnd.: he wart to rade dat he toch to Rome (14. jh.) Magdeburger schöppenchron. 55, 4 (= städtechron., bd. 7). zu rede werden zu reden beginnen, sich besprechen:
diu ...
künigîn von hôher art
ze rede mit dem künige wart
Konrad v. Würzburg Engelhard 664 H.;
sy wurden von vil sachen mit einander zuͦ rede volksb. v. Pontus u. Sidonia (1498) f 6ᵃ; vnnd seind also vnter ainander zuͦred worden Schaidenreiszer Odyssea (1537) 41ᵃ; ich weiss nicht wie wir des Nicodemi zuͦred wurden, wie der ein heimlicher junger gewest Joh. Nas eins vnd hundert 4 (1569) 253ᵇ; die zwen edlen jüngling ... vil und mancherley zuͦ red wurden Wickram w. 1, 24 Bolte; zu red werden, ungefehr zu red werden venir' in concio à parlare di qualche cosa; man wurde zu red, ob ... si venne à questione, se ... Kramer t.-ital. 2 (1702) 1327ᶜ; so noch im bair.: sán' davo ̃ z· réd wo'n Schmeller-Frommann bair. 2, 990; weitere literarische belege s. v. rede teil 8, 454.
c)
durch wie oder so, wobei eigentlich eine vergleichsgrösze ausgeschlossen wird: et factus est sudor eius sicut gutte sanguinis uuart tho sin sueiz samaso tropfo bluotes Tatian 182, 3 Sievers; nim hauswurtz ein handvoll, zerstosz sie mit frawenmilch vnd mit ein wenig rosenwasser, das es werde wie ein pflaster Gäbelkover artzneybuch (1595) 5ᵇ; ich wollte anders werden. o! ich wollte werden wie sie (die geliebte) Hölderlin s. w. 2, 67 Hell. mundartlich: a werd wie a kāse am gesichte. a wurde wie a blutt unterm gesichte Rother schl. sprichw. 165ᵃ.
B.
mit einem pronomen (1) oder einem pronominal eingeleiteten gliedsatz (2) verbunden.
1)
a)
mein werden u. dgl.; den übergang in ein besitz- oder zugehörigkeitsverhältnis bezeichnend (s. II A 2 a):
'wer ist iz', quad er, 'druhtin? theih mit giloubu werde sin!'
Otfrid III 20, 175 Erdmann;
'myn entsint sie nicht', sprach der ritter, 'sie sint uwer ...' 'myn enwerdent sie nymer', sprach er (der knappe) Lancelot 1, 146, 12 Kluge;
koͤnts ie nit seyn
esz wuͤrde mein?
Spee trutznachtigall (1649) 23;
Mariane ward wider meinen willen die ihre (anrede) Göthe I 23, 96 W.
b)
das (es) oder etwas (nichts) werden: denn du thust gott keynen dienst, das du freyest, on ehe bleybest, knecht, frey, dis odder das werdest (1523) Luther 12, 131 W.; wenn ihr krank seyd — nur die leiseste ahndung habt es zu werden, so laszt mich — ich will zu gelegnerer zeit zu euch reden Schiller 2, 14 G.; es ist eine ehre für Jena und Weimar, dasz andre universitäten uns plündern müssen, um etwas zu werden, uⁿᵈ dasz etwas gutes bei uns zu holen ist (4. 9. 1803) ders., br. 7, 68 Jonas;
ich hätt' es gern euch recht gemacht,
es wäre aber nichts geworden
Göthe I 3, 320 W.;
mädchen sind dumm und werden doch nie was Kahlenberg Eva Sehring (1901) 62. auch jem. oder einander etwas werden: wir wollen langsam anfangen, sagte Wieland, wir wollen uns zeit nehmen, einander etwas zu werden (24. 7. 1787) Schiller br. 1, 355 Jonas; da kann ich denn doch hoffen, den freunden noch etwas zu werden (18. 1. 1823) Göthe IV 36, 279 W. werden mit pronominalem prädikativum ist mundartlich weit verbreitet: ût niks word niks Doornkaat Koolman ostfries. 3, 570; mit dat pêrd kann ik nix weren nicht fertig werden; buten kannst du noch nix weren nicht arbeiten Böning Oldenburg 131; dadraus wird nischt das geschieht nicht Brendicke Berlin 192ᵇ; die köän bei mei nüscht mihr wern (hat ausgespielt) Lademann Teltow 279; aus den zweien wird noch 'was nämlich ein ehepaar Albrecht Leipzig 235; er ist's îm worden (d. i. herr) 'er hat ihn im streite überwältiget' Schöpf Tirol 813; bisᵗ eps worᵈdⁿ? hast du verloren? (beim kartenspiel) Martin-Lienhart elsäss. 2, 847; isch er's worte? ist er (zum landrat u. ä.) gewählt worden? Seiler Basel 311; er is̹ es wórde Hunziker Aargau 293.
c)
das (es) werden, was u. ä.: es ist jetzt einer zur stund oder ists gewest weylandt oder kan es werden zur hand, was ein ander ist Lehman floril. polit. 2 (1662) 523;
was deine mutter uns, das wirst du ihnen werden
König ged. (1745) 160;
meine absicht bey diesem werke ist, zu zeigen, wie Deutschland ... das worden ist, was es wirklich ist M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 3;
(Gothland:) wie gleichgültig eilt
dieser Arboga an das scheuszliche
geschäft des mords! er scheint mir das zu seyn,
was ich noch werden musz!
Grabbe s. w. 1, 269 Bl.;
du also wirst das werden, mein sohn, wozu ich dich bestimmt habe Immermann w. 1, 27 Hempel.
d)
werden mit relativem oder interrogativem was verbunden:
was hasset doch den edelmann der bürgersmann so viel?
er neidet das, was er nicht ist und gerne werden wil
Logau sinnged. 209 lit. ver.;
was soll dein sohn werden, sag mir einmahl? Lenz ges. schr. (1828) 1, 4;
was wir geworden sind, ist er (Max) gebohren
Schiller 12, 149 G.;
mein talent steigt und stirbt mit deiner liebe; was ich werde, werde ich durch dich und um deinetwillen (4. 5. 1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 54 Schücking; er aber (Hans Unwirrsch) wuszte nicht, wer sie waren, und was sie ihm werden sollten W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 248. als verbreitete redewendungen finden sich in landschaftlicher umgangssprache: wat schal dâr ût (dâr fan) worden? Doornkaat Koolman ostfries. 3, 570; wat ward darut waren? Dähnert plattdt. 538; wat ut'n minschen ni all warrn kann! Mensing schlesw.-holst. 5, 532; wat salliken wern (beruflich), vater? Lademann Teltow 279; was wird's? (halb fragend, halb drohend: wirst du das tun oder nicht?) Spiess Henneberg 281; wos sōl n daͦs wārn, wenns fertich īs? Rother schl. sprichw. 328.
2)
in verbindung mit einem gliedsatz:
was wir geworden, wurden wir durch sie (anrede)!
Schiller 6, 3 G.;
auch durch sie ist er (Mozart) geworden, was er war O. Jahn Mozart (1856) 3, 161; andre machen ihn so, wenn er wird, was ihr von ihm meint E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 247;
schon ward ich was ich will
St. George stern d. bundes (²1914) 4.
C.
mit einem adjektivischen oder adverbialen beiwort.
1)
allgemein seit frühdt. zeit; im neueren dt. treten solche fügungen zunehmend an die stelle der alten inchoativa des typus nazzēn, irnazzēn / nasz werden (s. auch Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657 und über das inhaltliche verhältnis zwischen erröten / rot werden u. dgl. Sanders wb. d. dt. synonymen [1871] 728 f.).
a)
mit der grundform verbunden, die im älteren dt. meist, im nhd. stets unflektiert bleibt (s. W. Wilmanns dt. gramm. 3, 2 [1909] 738 u. O. Behaghel dt. syntax 1 [1923] 218ff.): salva ero thanne uuirdu ih heil Tatian 60, 4 Sievers;
ez wirt ein man der sinne hât
vil lîhte sælic unde wert
Reinmar in: minnes. frühl. 150, 10 Kraus;
wer vor xx. jaren nicht hübsch wirt
vnd vor xxx. jaren nit starck
vnd vor xl. jaren nit witzig,
vor fünfftzig jaren nit reich,
an dem ist alle hoffnung verloren
schöne weise klugreden (1548) 76ᵃ;
also sol auch kein mensch auff erdn
nur darumb euangelisch werdn
Ringwaldt laut. warh. (1588) 23;
du wirst nicht mächtig, wirst nicht reich,
jedoch den gröszten helden gleich
Göthe I 6, 50 W.;
der tag wird lieblich und die nacht wird helle
ebda I 1, 7;
es ward bald unmöglich, ein system mit gewalt aufrecht zu erhalten, welches selbst von denen, auf deren vortheil es berechnet war, untergraben ward F. C. Schlosser gesch. d. 18. jahrh. (1874) 1, 13;
und von dem blute des reitersiegs
ward rot der blaue flusz
Münchhausen balladen u. ritterliche lieder (1922) 8.
oft treten weitere bestimmungen hinzu (vgl. die entsprechenden konstruktionen bei sein teil 10, 1, 286f.); genitivische:
tho gab er imo antwurti, thoh wirdig er es ni wurti
Otfrid II 4, 91 Erdmann;
... dô sî ûf den anger quâmen,
dô wart der meie enphangen wol.
herze wurden vröuden vol,
die mägden wol gezâmen
Neidhart 31, 33 Wiessner;
trutz-nachtigal mans nennet,
ist wund von süssem pfeil:
die lieb esz lieblich brennet,
wird nie der wunden heil
Spee trutznachtigall 3 ndr.;
die einz'ge speise, deren man nicht satt
kann werden, ist der kusz
Grabbe s. w. 2, 34 Bl.;
akkusativische: vnd derselb Lucas do er ward lxxiiij iar alt do starb er erste dt. bibel 1, 190 lit. ver.; er war dreiszig jahre alt geworden Göthe I 46, 21 W.; herrn ..., dem ich ... viel schuldig geworden (6. 3. 1817) ebda IV 28, 2; präpositional angeschlossene substantive:
sô müezt ir zuo der vert
gâhens werden bereit
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 22236 Seemüller;
und da wir einmal von seiner babylonischen gefängnus frei sein worden durch gott (7. 1. 1537) kurfürst Johann Friedrich bei Luther briefw. 8, 6 W.; Schulz ist seit samstag hier, sehr alt geworden an seele und leib (26. 10. 1847) Herwegh br. (1896) 35; und infinitive:
zue endt desselben, alss die Juden
noch nit verreisst, sie rettig wurden,
arm Christen leuth heimblich zue tödten
Endinger Judenspiel 21 ndr.;
hie wollen wyr eyn weyle stillhallten, das nit werde das buch tzu grosz unnd ubirdrussig tzu leszen Luther 10, 1, 1, 278 W.;
doch, freund, ich werde müd mit narren umzugehn.
mein kurzes urtheil soll in diesem satz bestehn:
...
Pfeffel poet. vers. (1802) 1, 105;
die meisten gingen ihrer wege, einige konnten aber gar nicht fertig werden, mir gute nacht zu sagen Brentano ges. schr. (1852) 5, 173; vor kleinen wasserfällen, die ihnen (lachse) bei geschwächter kraft schwer zu überwinden werden Ritter erdk., 3. teil, 2. buch, bd. 2 (1833) 108; häufig auch eine dativische bezugsgrösze:
mit leru sie unsih thaktin, fon ungiloubu irwaktin,
thaz Kriste iz wurti suazi, in herzen unsen sazi!
Otfrid IV 5, 30 Erdmann;
nichten wurd (la. nicht enwurd) euch vnmuglich erste dt. bibel 1, 66 lit. ver.;
das trieb den durst fuͤrwar herfuͤr
vnd wurd jn sehr die leber duͤrr
Fischart w. 2, 30 Hauffen;
hülfreich werde dem volke! ...
Göthe I 2, 123 W.;
in dem gewühl, in dieser menge
wird mir die flur, wird mir die luft zu enge
ebda I 2, 32.
in vielen fällen wird eine gradbezeichnung sowie ein vergleichs- oder folgesatz steigernd hinzugefügt:
wart ie manne ein wîp sô liep als si mir ist
Reinmar in: minnes. frühl. 173, 27 Kraus;
Zirolane ward ... so wehmuͤthig: dasz sie eine gute weile nur mit thraͤnen antworten konte Lohenstein Arminius (1689) 2, 1114ᵃ;
er ist, o gott, mein trost auf erden,
lass ihn dafür so glücklich werden,
als dein geschöpf es werden kann
Pfeffel poet. vers. (1802) 1, 6;
da lernst nit aus und wurdst so alt
als wie der höchste baum im wald
Stieler ged. 1, 9 Reclam;
so arg wurde der unfriede, dass Ungarn allen ernstes bedacht war, die verbindung (mit Österreich) ganz aufzulösen Moltke ges. schr. (1892) 1, 112.
b)
mit einer vergleichsform (komparativ): also uuîz tûoh uuîzera uuirdit tanneizêr uuâre, unde uuarm uuazer uuarmera uuirdit, ioh chaltera uuirdit, tanne iz êr uuâre Notker 1, 393, 12 ff. Piper;
rûmet ûz die schämel und die stüele!
heiz die schragen
vürder tragen!
hiute sul wir tanzens werden müeder.
werfet ûf die stuben, so ist ez küele,
daz der wint
an diu kint
sanfte wæje durch diu übermüeder
Neidhart 40, 16 Wiessner;
dasz sie sollten durch mein gunst und forderung in ihrem irrtumb gestärkt und ärger werden (11. 6. 1537) Luther briefw. 8, 90 W.; damit ich, nach einem so lang unterbrochenen verhältnisse, ihnen (G. W. A. v. Pape) wieder näher werden möge (28. 3. 1797) Göthe IV 12, 81 W.; das verhältnisz der philosophie zur theologie ward freier W. G. Tennemann grundrisz d. gesch. d. philos. (⁴1825) 307; 'später wird's schöner', sagte der krebs, als er im kalten wasser aufs feuer gesetzt wurde Lüpkes seemannsspr. (1900) 127; das wird besser werden (17. 9. 1902) Rilke br. 1 (1950) 38. oft mit steigerndem zusatz: das ich yhe lenger yhe fester und stercker werde mit gotts gnaden ynn meiner lere (1527) Luther 23, 37 W.; die guldin zeit ... sey ... nicht mehr bey vns die wir immer aͤrger und boͤser werden, zu verhoffen K. Scheit Grobianus 4 ndr.; dahero sie noch schelliger worden Grimmelshausen 2, 331 Keller; sie (die welt) wuͤrde viel besser geworden seyn, woferne ... Kästner verm. schr. (1755) 1, 7; er wird mir immer lieber darum maler Müller w. (1811) 1, 55;
duft-nebel wirbelte von kühlen narden
mit denen die vereinten höherem raume
entgegenschwebend immer lichter warden —
bald eines mit dem reinen äther-flaume
St. George jahr d. seele (1929) 66;
und nachdrücklicher wiederholung des komparativs: da wurd' es mir immer wirbligter und schwirbligter im kopfe E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 97 Gr.; immer müder und müder wurde ihr Gutzkow zauberer (1858) 1, 73.
2)
besonders geläufige verbindungen, vornehmlich mit solchen beiwörtern, die lediglich prädikativ gebraucht werden oder sonst gemeinhin in anderer bedeutung auftreten.
a)
persönliche konstruktionen.
α)
ohne weitere bestimmungsergänzung.
αα)
aufmerksam, flüchtig, lebendig, nüchtern, trunken, voll, wach werden:
dich wecht der durst und anders nicht.
nur trinch hinwieder und wirt vol!
Peter Suchenwirt 121 Primisser;
(wenn gott sieht, dasz) es in zuͦ vil wil werden, so enzúhet er in daz bevinden und den trost und den starcken wine und machet sú, das sú also trurig werdent ... und also nuͤhtern alsô sú ie truncken wurdent Tauler pred. 54, 6 Vetter; wie ... Cayn seynen bruder Abel zutodschlug vnd fluͤchtig ward erste dt. bibel 3, 462 lit. ver.; lassen vns guͦten win trincken vnd voll werden Zwingli v. freiheit d. speisen 30 ndr.; damit warden sie landreumig und wichen usser land Zimmer. chron. ²1, 48 Barack; er stahl ... auf eine so grobe art, dass er ... flüchtig werden muszte Klinger w. 3 (1815) 85; wenn Raphael darüber aufmerksam wurde ebda 4 (1815) 11; der betrunkne ward nüchtern ebda 3, 79;
alle bäume, alle büsche
scheinen lebendig zu werden
Göthe I 2, 87 W.;
fromme schläfer, schwarze mönche,
werdet wach in eurer zelle
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 40.
voll(er) werden ist zuweilen mit einer bestimmungsergänzung verbunden:
alsbald ich aber ward voll wyn
H. R. Manuel weinsp. 3090 ndr.;
da auff antreiben der geistlichen alle tempel voller gold wurden Mathesius Sarepta (1571) 45ᵇ.
ββ)
gut werden in frühnhd. rechtssprache für 'bürgend, haftbar werden': do hette uwer gnade mir bevolhen, für solich gelt, mit namen zwölff gúlden, guͦt zuͦ werden (14. 3. 1468) bei Steinhausen privatbr. 1, 83; vor dissen briff und vorzcicht ist G. P. gut worden (1506) gerichtsbuch d. st. Cassel 292 Stölzel; noch für sie gut oder pürg werden wöllen ges. d. neuen ref. d. st. Nuremberg (1564) 29, 4; fuͤr einen, fuͤr allen schaden gut werden rispondere, far cautione, entrar mallevadore per uno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1328ᵃ.
β)
mit bestimmungsergänzungen verschiedener art.
αα)
einer sache ansichtig, bar, bewuszt, brüchig, eingedenk, fällig, gewahr, inne(n), los, mächtig, schlüssig, teil-haftig werden: uuola chad si. uuard ih tes tô geuuar Notker 1, 126, 22 Piper;
mirn kunde ez nieman gesagen:
nu bin ichs vil unsanfte worden inne
Reinmar in: minnes. frühl. 166, 33 Kraus;
dô si der helme wurden bar
und si des kunigs wurden gewar
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 835 Seemüller;
als aber er vil hergt in der haidenschaft, ward er in gar manigen stucken des heiligen gelaubens vellig Ulrich Füetrer bayer. chron. 158, 2 Spiller; das wir der zusage ... nicht bruchig wurden (6. 4. 1537) Luther briefw. 8, 65 W.; wann er sein ansichtig würt schöne weise klugreden (1548) 149ᵃ; das xx. capitel. was sie vor eine schoͤne koͤchin dingen, und wie sie mit gottes huͤlff jhrer wieder losz werden Grimmelshausen Simpl. 555 Kögel; Adam möchte sonst leicht deines kummers inne werden maler Müller w. (1811) 1, 62; die jungen cavaliere, einem müszigen und üppigen leben ergeben, würden dennoch ... befördert, ohne des dienstes mächtig geworden zu sein Ranke s. w. 31/32 (1877) 38;
doch in des lebens wildem strudel
ward ich des zieles mir bewuszt
Geibel ges. w. (1883) 1, 2;
endlich, wie aus träumen munter,
ward ich ihrer (der harfe) eingedenk,
und sie stieg zu mir herunter,
meiner jugend weihgeschenk
Rückert ges. poet. w. 7 (1882) 87;
um der kunst teilhaftig zu werden Weismantel A. Dürers brautfahrt (1956) 286. auch mundartlich: dâ is hochtîd ewest, un wî sind nits dervon gewâr ewôren Schambach Göttingen 295; er isᵗ 's inne wurᵈeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 848; mei ̃ mádl dèrfs net inne ̃ wern Schmeller-Frommann bair. 2, 990; los und gewahr werden finden sich noch im neueren dt. mit dem genitiv verbunden: um der wölfe ... los zu werden Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 333; aber des spargelkorbes ... gewahr werdend unterbrach er sich Fontane ges. w. (1905) I 5, 126; doch ist der akkusativ üblicher: er schleppte sich ... durch einen fuszweg hinauf, den er zwischen den gesträuchen gewahr ward Wieland Agathon (1766) 1, 3; er ... wird sie gewahr Lenz ges. schr. (1828) 1, 74; glücklich, wer den fehlschlusz von seinen wünschen auf seine kräfte bald gewahr wird! Göthe I 21, 127 W.; so angenehm auch der knabe war, so suchte ihn Wilhelm doch bald los zu werden ebda I 23, 8; um nun diese büchse der Pandora los zu werden Brentano ges. schr. (1852) 5, 403; da könnt ich den schwarzen teufel los werden O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 338. gewahr und inne(n) werden sind oft mit einem gliedsatz verbunden: sed experior re. quod tu dudum dixisti ih uuirdo aber nû geuuar des tû fore châde Notker 1, 304, 10 Piper; vnd do man innen ward, das er des willens was, ain weib zunemen, do was yederman fro (1509) Fortunatus 63 ndr.;
das Agamemnon recht erfahr
vnd bey ihm selber werd gewahr,
woher jhm diser vnfall kumb
Spreng Ilias (1610) 9ᵇ;
du würdest innen werden, du! wesz manns
jungblühende gemahlinn du geraubt!
Bürger s. w. 151ᵇ Bohtz.
schlüssig werden mit einem infinitiv: als ich schluͤszig ward, mich selbst einmal an eben dieselbe arbeit zu wagen Gottsched crit. dichtk. (1751) 5; allein er konte nicht schluͤszig werden, welche er darzu erwehlen wolte Götting. student auf d. alt. schlosse Plesse (1748) 1, 71; so ward er schluͤssig, sich zu ihnen nach dem Hellespont zu begeben Heilmann Thucydides (1760) 1167; ich ... ward dannenhero schlüssig, wieder nach Europa zu gehen Schnabel Felsenburg 60 Ullr.
ββ)
jemandem feind, freundlich, gleichgültig, gram, hold, untreu sowie anders gegen jemanden werden:
in wart nie man sô rehte unmære
der ir lop gerner hôrte und dem ie ir genâde lieber wære
Reinmar in: minnes. frühl. 163, 27 Kraus;
sî wurden ... ein ander gram
Neidhart 24, 3 Wiessner;
dir werden die junckfrawen holt,
ein jede dich gern haben wolt
K. Scheit Grobianus 147 ndr.;
wer sanft und freuͤndlich ist, dem wird man bald geneigt
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 29;
einem feind werden diventar nemico ad uno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1327ᵇ; (Leonore:) erklaͤre mir doch deutlich, ob Eraste mir untreu worden sey oder nicht? J. v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 50; ich verzweifelte bey mir selbst, ob er jemahls anders gegen mich werde maler Müller w. (1811) 1, 74;
du würdest sterben ... wenn ich nicht
dir freundlich würde
Tieck schr. (1828) 1, 94.
γγ)
mit jemandem (etwas) bekannt, einig (im ä. dt. auch inein, überein, eins), fertig werden:
ez wirt an iu geheizen mein,
daz ich mit iu hiut enein
wart mîner geheim und mîner sache
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 625 Seemüller u. ö.;
die rauber pald vernamen vnd sachen daz er ein kauffman was; auch villeicht meinten er grosses gelt pey im fürte, vnd mit einander eins wurden einer zeit wenn die käme sie in berauben wolten Arigo decamerone 59 lit. ver.; das gluͤck ... mit ihnen (anrede) bekannt zu werden Zimmermann einsamkeit (1784) 1, VI; dasz er um weihnachten vorigen jahres mit zwei manuscripten ... fertig geworden J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 147; wenn es (das pferd) euch gefällt, so werden wir vielleicht des handels einig Göthe I 8, 272 W.; wie es das ziel jedes wesens ist, eins mit dem schicksal zu werden H. Hesse Zarathustras wiederkehr (1924) 32. eins (oder inein, überein) werden ist dem älteren dt. auch ohne präpositionalen anschlusz einer partnerbezeichnung geläufig, im sinne von 'sich einigen (mit anderen oder sich selber), beschlieszen':
unz daz er aber einer vart
durch banekie in eine wart
Gottfried v. Straszburg Tristan 412 Ranke;
der stete bischof wart in ein
daz er den bischof Nonnum
vlizeclichen bat darum
väterbuch 29754 Reissenberger;
als sy etlich zeit herschten Bayren und Burgund, wurden die zwen fürsten mit ainmüetigem fürnemen über ain, das sy vliehen wolten Ulrich Füetrer bayer. chron. 62, 28 Spiller; sie wurden der sachen eins Eulenspiegel 21 ndr.; als ob man nit am tantz eins wuͤrde, wo sich buͦle vn̄ buͤbin bald hernach finden woͤllen Ambach von tantzen (1543) d 3ᵇ; wir wurden eins das werk zu unternehmen Göthe I 43, 184 W.
δδ)
aus jemandem (oder etwas) klug werden:
ich bin der erst' im narren-orden,
weil ich so klug aus büchern worden
Seb. Brant narrenschiff 4 Z.;
insbesondere verneint ich kann nicht klug daraus werden 'ich kann mich darein nicht finden, den zusammenhang nicht einsehen' (Adelung 5 [1786] 175): Gockel konnte aus dem gekritzel nicht klug werden Brentano ges. schr. (1852) 5, 69; ich werde aus dem burschen nicht klug Holtei erz. schr. (1861) 1, 58; Abel wurde nicht klug daraus M. Hausmann Abel mit der mundharmonika (1932) 121. für die Teltower volkssprache bezeugt Lademann 318: ik häbe dät nich kluek jewo(r)n.
b)
unpersönliche anwendungen.
α)
es wird dunkel (ernst, gut, heisz, kühl, laut, lebendig, leise, ruhig, spät, toll, unheimlich, wahr; anders, ärger, besser, heller, wärmer):
gib urlaub meinem herzen,
wann es wil werden spat
Oswald v. Wolkenstein 14, 50 Schatz;
da es schon fast gantz dunckel worden war Chr. Reuter Schelmuffsky 16 ndr.; es wird an dir wahr werden istuc vere in te accidit Steinbach (1734) 2, 1031;
wenn es unheimlich wird am platz
Göthe I 15, 1, 18 W.;
... denn von rosses hufen
wird's im vordern schloszhof laut
Müllner dram. w. (1828) 2, 19;
es ist worden kühl und spät,
nebel auf der wiese weidet,
durch die öden haine weht
heimweh; — alles flieht und scheidet
Lenau s. w. 38 Barthel;
es schien ernst zu werden Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 145; eines vormittags, wie er in seinem weingarten, der gut über mannshöhe an der strasze liegt, sich redlich abschwitzt, wird's unten lebendig Anzengruber ges. w. (1890) 3, 346. mit gradierendem so oder zu:
nu wachâ, kint, jâ wirt ez dir ze spæte
Wartburgkrieg 29, 10 Simrock;
zuletzt wards zu toll (30. 8. 1786) Göthe IV 8, 10 W.; es wurde zu heisz E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 16 Gr.; im kleinen häuschen ... ward es so laut, dasz es sich von weitem wie streit anhörte Bettine Günderode (1840) 1, 13; komparativisch: damit es nicht hernach ärger werde denn zuvor (1. 12. 1537) Luther briefw. 8, 152 W.;
der arme esel gar erlag
vnd sprach: es will nicht besser wern!
den winter thet wider begern
Waldis Esopus 2, 93 Kurz;
wenn es nur wermer wirt (10. 2. 1562) erzbischof Anton Brus v. Müglitz br. 25 Steinherz; gieb es ihm (dem vieh) zu lecken ... so wird es bald besser mit ihm werden viehbüchlein C 1ᵇ; es wurd immer heller (28. 10. 1779) Göthe IV 4, 99 W.
β)
jemandem wird (es) angst (bange, gut, heisz, hell, kalt, leicht, schlecht, schwül, warm, weh, wohl; besser, freier, schlimmer, wohler):
wîlent kalt und wîlent heiz
wart ir von süezer minne gir
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 8863 Keller;
o wie wol vnd wee würt manchem in der ee schöne weise klugreden (1548) 62ᵇ;
ach wer es mir so gut doch worden,
dasz ich vor deinem letsten end
dir hett gebotten meine haͤnd
Spreng Ilias (1610) 353ᵃ;
mir wird's so schwül, mir wird's so bang
Göthe I 16, 151 W.;
himmel ach! so ruft man aus,
wenn's uns schlecht geworden
ebda I 2, 158;
dem vater ward unter der weile angst, das mädchen müszte ungetauft verscheiden br. Grimm märchen (1843) 1, 163;
wenn ich, mein lieber! nahe dir,
wallt rasch mein blut, das träg' sonst schleicht,
und sprichst du lieder, wird es mir
wie einer gemse luftig leicht
Just. Kerner ausgew. poet. w. 2 (1879) 16;
wenn ich mit dir getändelt, ward mir's helle
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 116.
mit komparativ:
... thanne uuirdit imo baz
Otfrid III 23, 45 Kelle;
nim frischen geiszkaͤsz, bind jhn mit einem tuch auff das haupt, so wuͤrdt dir basz Gäbelkover artzneybuch (1596) 1, 3; nun ward mir immer wohler und kecker ums herz maler Müller w. (1811) 1, 126; ... da ging ich zu Wieland und ward mir wieder freyer Göthe (22. 6. 1776) IV 3, 77 W.;
setzt euch nieder. — wird euch besser?
Müllner dram. w. (1828) 1, 51;
mir wird schlimmer
ebda 2, 78;
iᶜʰ bin krank worᵈeⁿ; jetz wurd's mⁱr oᶜʰ nimmᵉʳ besser! (ausruf des erstaunens und schreckens bei einer unerwarteten unangenehmen nachricht) Martin-Lienhart elsäss. 2, 847. oft tritt zu mute verdeutlichend zum prädikativum:
ganzer fröiden wart mir nie sô wol ze muote
Walther v. d. Vogelweide 109, 1 Kraus;
fröhlich ward's dem jungen hirten nun zu muthe maler Müller w. (1811) 1, 171; als ich nun ... dem ... mädchen ... meine hand bot, ward mir so weinerlich zu muthe Thümmel reise (1791) 10, 397; dem herzog wards wunderlich dabey zu muthe (23. 8. 1786) Göthe IV 8, 7 W.; immer besser ... wurde mir zu mute E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 17 Gr.; auch nordfries.: mî wyrd hîn' tâ moîd's mir wurde schlecht zumute Jensen 677.
γ)
jemandem wird etwas bekannt (klar, kund, lang, leicht, offenbar, sauer, schwer, zu viel, vonnöten): so chunt uuard în mîn resurrectio urstendida Notker 2, 8, 25 Piper;
ist zwîvel herzen nâchgebûr,
daz muoz der sêle werden sûr
Wolfram v. Eschenbach Parzival 1, 2 Lachmann;
wie wol nun der glückselig zuachten, dem nye von nöten ward, einen freünd diszer gestalt zu probieren U. v. Hutten opera 1, 447 B.;
die sach (das schreiben des buchs) ist grosz vnd wirt mir sauer
K. Scheit Grobianus 101 ndr.;
dieses gedicht ist bisz dahin allzu wenigen personen bekannt worden Bodmer abh. v. d. wunderbaren (1740) 3; so bald er ihn (seinen schmerz) in worte bringen kann, wird das drückende weh seines herzens ihm leichter Herder 15, 210 S.; dies war mir ... zu viel geworden E. M. Arndt ausgew. w. (1892) 1, 63; soviel wurde mir klar Holtei erz. schr. (1861) 1, 6; dann würde mir die verstellung nicht mehr schwer werden Pückler briefw. (1873) 1, 436. häufig in verbindungen wie die zeit wird (die jahre werden) ihm lang oder kurz:
ein rehtiu liebe mich betwanc
daz ich ir gap daz herze mîn:
des werdent mir diu jâr sô lanc,
sol ich von der gescheiden sîn
Dietmar v. Eist in: minnes. frühl. 34, 25 Kraus;
aber die zeit wird mir zu kurz (3. 1. 1538) Georg Karg bei Luther briefw. 8, 183 W.;
machten jn allenthalben bang,
das jn beid zeit vnd weil wardt lang
Waldis Esopus 4, 57 Kurz;
die zeit wird ihm lang Lessing 1, 336 L.-M.; damit mir die weile in dem schönen garten nicht zu lang wurde Göthe I 22, 298 W.;
wo bleibt er nur? mir werden zeit und weile lang
R. E. Prutz d. polit. wochenstube (1845) 127;
sowie in der wendung es sich sauer werden lassen: es würt keim nicht, es muͦsz jms sawr lassen werden schöne weise klugreden (1548) 29ᵇ; er läszt es sich sauer werden gibt sich viele beschwerliche mühe Adelung 5 (1786) 175;
vor dem weiler
an der kirchhofmauer
läszt der seiler
sich es werden sauer
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 166.
3)
besondere fügungen.
a)
aus, für, hin, ohne, über, wi(e)der, zu werden (vgl. die entsprechenden verbindungen mit sein teil 10, 1, 295 ff.):
do diu fluͦt fure wart (vorbeigegangen war, sich verlaufen hatte)
unde diu arche stuͦnt in monte Ararat
Wiener genesis 1427 Dollmayr;
ouwî sî sint des vil vrô
daz sî der lantwer alsô
über werden müezen
(dasz sie der landesverteidigung überhoben werden sollen)
Hartmann v. Aue Iwein 2169 Benecke-Lachmann;
do diu vremede hine wart (als die unvertrautheit dahin, d. h. verschwunden war),
do was ir heinliche (ihre vertraulichkeit)
rilich unde riche
Gottfried v. Straszburg Tristan 12376 Ranke;
iedoch hât man leut funden, den ir gesicht über zehen jâr wider wart (zurückgegeben) Konrad v. Megenberg buch d. natur 10, 18 Pfeiffer; darmitt (mit seiner lebensführung) er grosz guͦt on ward vnnd seine freünd wol kunden mercken, das er mer on ward, dann sein nutzung ertragen mocht (1509) Fortunatus 4 ndr.; also worden Israel die stedte wider, die die Philister jnen genomen hatten 1. Sam. 7, 14;
wanns mit uns hie wird aus,
so hilf uns frölich sterben
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 344 ;
viel geld ohn- ò an-werden venir' a perdere molti danari Kramer t.-ital. 2 (1702) 1328ᵇ; das Fräle begriff nicht, wie ihr das kleid zu geworden sei O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 296; hin musz er (der rabe) werden, und hin wird er (sagt der jäger) A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 353 (s. auch ebda 17). neuere umgangssprache kennt noch über werden im sinne von 'zuviel, zuwider werden': solange es ihm nicht über wurde, sich unnützlich ... zu wissen H. Kutzleb Grimmenstein (1939) 26; wieder werden 'gesunden, genesen': er mag sterben oder wieder (gesund) werden Grimmelshausen Simpl. 2 (1713) 258;
's geht d'arbet nit, und schaug, sie sagn:
i tuar aa nimmer wern
Stieler ged. 1, 58 Reclam;
landschaftlich weit verbreitet: hei kann wedder warden Mi Mecklenburg 105; er wird wieder; der werd ni(ch) wieder Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657; s īs asū wiedr geworrn (ohne arzt) Rother schl. sprichw. 116ᵃ; s. auch Dähnert plattdt. 538; Bauer-Collitz Waldeck 111; Spiess Henneberg 281; Fischer schwäb. 6, 692; Schmeller-Frommann bair. 2, 989 und Blumer Nordwestböhmen 93; Schöpf Tirol 812 bucht: une we͡arn (mit accus.) eines dinges loswerden, es an den mann bringenmhd. âne wërden).
b)
in verbindung mit so (α), wie (β) oder einem durch als oder wie eingeleiteten gliedsatz (γ).
α)
wie die lere ist, also werden dein haͤrtzigung vnd sitten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 29 ndr.; darumb kans nicht lenger mit mir also werden schausp. d. engl. comöd. 284 Creizenach; und doch lehrt die ... notenbeilage ii, dasz er (der schlusz der arie 28 im 'Figaro') erst nach verschiedenen versuchen so geworden ist O. Jahn Mozart (1856) 3, 449.
β)
die jhr offt dencket, wie doch wol
disz oder jenes werden sol
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 321;
so lange er aber Fichten selbst, wie er ist und wird, nicht begriffe, würde der beste dilettant zwar einiges in seiner philosophie vollkommen fassen, in andres sich aber gar nicht finden können Fr. Schlegel in: Athenäum (1798) 2, 32; wie soll es nur werden? H. Seidel vorstadtgesch. (1880) 81; meist tritt eine bezugsgrösze hinzu, im dativ: ich weisz fast selbst nicht wie mir wird (1696) Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe 117 ndr.;
wie aber wird mir umb das hertz?
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 59 Neukirch;
wie wird euch, theure lady! ihr verblaszt
Schiller 12, 491 G.;
weiszt du, wie mirs wird? — dreherig Bettine Günderode (1840) 1, 16; oder in präpositionaler fügung:
wie wils auf erden
doch endlich mit mir werden?
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 368;
wie wird's nun werden mit den worten allen,
in welchen ich so liebevoll mein streben
um deine gunst dir an den tag gegeben,
wenn diese blosz an deinem ohr verhallen?
Göthe I 2, 15 W.;
wie's nachher mit der zeche werden solle, war mir noch nicht recht einleuchtend Gaudy s. w. (1844) 2, 51; hernachen hat er auch noch gesagt, wies mit der leich soll werden (1854) O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 163.
γ)
ich halte das mitleid nicht länger aus, mir wird, wie der grosze dichter in der poesie sagt:
liebes kind! was soll mir das?
wein' nicht so, du wirst ganz nasz
Brentano ges. schr. (1852) 5, 128;
man orgelt schon, mir wird dabei,
als säsz' ich in der sakristei
Mörike ges. schr. (1905) 1, 163.
c)
der typus zwanzig oder zwanzig jahre werden erklärt sich wohl aus ersparung eines beiworts, zwanzig jahre (alt) werden:
geh in dich, nimm dein ende wahr!
wirst nicht noch einmal hundert jahr'
Mörike w. 1, 147 Maync;
Anna, die wert nu fumszehn in mai Lademann Teltow 279, vgl. drei jahre sein teil 10, 1, 333.
III.
in verbindung mit verbalen infinitformen.
A.
mit der ablaufform (participium praesentis), zunächst das hineingeraten in einen zustand oder vorgang, das zustandekommen einer handlung bezeichnend (s. auch die belege bei Behaghel dt. syntax 2, 383): at stupebant omnes turbae enti uuntrentiu uurtun elliu dhiu fole Monsee fragm. 5, 17 Hench; et eris tacens inti nu uuirdist thû (Zacharias) suigenti Tatian 2, 9 Sievers;
ioh sehenti auur uurti, ther blint uuas fon giburti
Otfrid III 20, 122 Kelle;
ih chom in disa uuerlt ... daz die die nu nieht nigisehent gisehente uuerden Notker 3, 312, 23 Piper. mhd. häufig belegt, in verschiedener anwendung (s. J. Winkler die periphr. verbindung der verba sîn und werden mit dem participium praesentis im mhd. des 12. und 13. jhs. [diss. Heidelberg 1913] 70 ff. sowie A. W. Aron die 'progressiven' formen im mhd. u. frühnhd. [1914] 13 ff. und 71 ff.); inchoativ:
die haltzen werdent gênde,
die tôten erstênde,
die tov̂pen gehôrent,
di armen werdent gelêret,
di blinden gesêhende,
di menige ist worden dêhente
frau Ava 1, 337 Piper;
daz was vil sciere getan,
gesehende wart der selbe man
ebda 2, 1003;
wie wol ich wiste al dise vart,
sit ich in merkende wart
Gottfried v. Straszburg Tristan 10128 Ranke;
man wirt uns schiere komend an
von den burgæren
mit übelichen mæren
ebda 8702;
zuweilen mehr die dauer und intensität als den beginn eines vorgangs ausdrückend:
diu maget diu wart sich wider den man
so rehte lieplich machende,
smierende unde lachende,
kallende unde kosende,
smeichende unde losende
Gottfried v. Straszburg Tristan 19240 Ranke;
doch wirt uns manicvaltic nôt
dâ vor niun jâr geschehende
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 24240 Keller;
und oft dem einfachen verb gleichkommend, aus reimgründen bevorzugt; schon J. Grimm stellte fest, 'nahe in form und bedeutung an die vorhergehende (konstruktion mit sein) reicht die umschreibung durch werden und das part. präs. es kann damit das entspringen, das ebeneintreten der handlung bezeichnet sein, artet aber gewöhnlich in den bloszen verbalbegriff aus' (dt. gramm. 4 [1898] 7):
diu huote vuoret unde birt,
da man si vuorende wirt,
niwan den hagen unde den dorn
Gottfried v. Straszburg Tristan 17860 Ranke;
sust muoz di leien riwen,
daz Constantinus niht spart
die milde, daz er gebend wart
den phaffen, des si niht bestuont
Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 488 Seemüller.
die verbindung eines partizips mit einer präsensform von werden bezieht sich in vielen fällen deutlich auf die zukunft und dient dazu, das künftige eintreten eines vorgangs oder zustands auszudrücken:
sol si nemen Etzel   gelebt si an die stunt,
si getuot uns noch   vil leide, swie siz getraget an.
jâ wirt ir dienende   vil manic wætlîcher man
Nibelungenlied 1210, 4 Bartsch-de Boor;
Rual der höfsche guote,
der gedahte in sinem muote:
...
er (der könig) wirt mich gerne sehende
und wirde ich ime verjehende
umb sinen neven, der hie stat
Gottfried v. Straszburg Tristan 3987 f. Ranke,
waz er scheltworte lîdet ... unde noch lîdende wirt dt. mystiker 1, 318, 39 Pfeiffer; vnd daz er bi demselben aid, so er schwerent ... wird, niemer fluhtsam noch abdrùnig werden ... sol qu. a. d. j. 1396 bei H. Schmid St. Galler urk.-sprache i. d. 2. h. d. 14. jhs. (1953) 156. im 14./15. jh. wird die fügung mit der ablaufform (part. präs.) allmählich durch die verbindung mit der grundform (infin.) verdrängt (s. u.B und M. Kleiner z. entwicklung d. futur-umschreibung werden mit dem inf. [university of California 1925] 87): wen ich kussen werde (1343) Matthias v. Beheims evangelienb., Mark. 14, 44 (neben: wen ich kussinde werde ebda, Matth. 26, 48) u. ö.; do wurt er weinende und zene klapperen Tauler pred. 403, 6 Vetter; wenn man das treybt ob dem prunnen, so gat das wasser übersich auf und wirt über fliessen. das ist der goͤtlich prunn der parmhertzikayt, der wirt über fliessend meister Ingold d. goldene spiel 84, 7 E. Schröder; do aber die mus merket, daz sie sterben wurde von dem frosch, ward sie schryend und klagen (clamabat) Steinhöwel Aesop 74, 11 Ö.;
die plag wurt vber narren gan
sie werdent wiszheyt sehen an
vnd den lon, der drumb ist bereit
vnd werend wurt jn ewikeyt
S. Brant narrenschiff 22, 29ff. Z.;
spätere belege sind selten: so ein rosz auff allen vieren hinckend wird. wenn ein rosz auff allen vieren hinckend wuͤrde so nimm ... Walther pferde- u. viehzucht (1658) 78; lauffend, gehend etc. werden scattare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1328ᵃ;
die blindheit unsres auges ist sehend worden
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 32;
als ich aber geendet, wurde der schullehrer ganz lachend und rief: da fehlts bedeutend, lieber herr Steub wanderungen (1862) 17. auch im modernen dt. findet sich werden gelegentlich noch mit einem part. präs., doch in der regel nur, wenn dies schon weitgehend den charakter eines adjektivs angenommen hat: dasz die einzelnen sagenkreise sinnbildlich sprechend (ausdrucksvoll) werden P. Böckmann formgesch. d. dt. dichtg. 1 (1949) 101. über den mundartlichen gebrauch vgl. Wunderlich-Reis d. dt. satzbau 1 (1924) 256 anm. sowie Fischer schwäb. 6, 693 und Schmeller-Frommann bair. 2, 990, der die verbindung von werden mit dem part. präs. (z. b. hupfend werden) als 'sehr volksüblich' bezeichnet.
B.
mit der grundform (infinitiv).
1)
inchoativ wie A (s. dort), das hineingeraten in einen zustand oder vorgang, das zustandekommen einer handlung bezeichnend. der gebrauch der infinitivform wurde durch das vorbild der infinitivfügung mit wollen nahegelegt, das auch dazu diente, den beginn einer handlung auszudrücken (s. teil 14, 2, 1356 f.; weiteres über das vordringen des infinitivs unter 2).
a)
die präsensform des hilfsverbs werden findet sich allerdings nur vereinzelt in dieser anwendung, da sie im nhd. vornehmlich zur umschreibung des futurs dient (s. u. 2):
hört! wenn Mesias kummen wirt
...
der löw beim kalb wirt wonen wern (!),
die kw sich weidnen by dem bern
H. Sachs 1, 169 lit. ver. (s. auch den beleg bei O. Behaghel dt. syntax 2 [1924] 261 anm.);
im schlesw.-holst. ist sie noch lebendig: de wind ward susen fängt an zu sausen Mensing 5, 533.
b)
häufiger erscheint die präteritalform von werden mit dem infinitiv (weitere belege bei Behaghel dt. syntax 2 [1924] 365 f.); früh im (ost-)md.:
er wart mit vlîze vrâgen sie,
daz sie im rechte seiten, wie
ez in dem lande wære gestalt
(ende 13. jh.) livländ. reimchron. 319 Meyer;
'... beide lîb unde leben
must du genzlich ûf geben
binnen diesen drîzic tagen.'
den bischof wart sîn angest jagen
(ende 13. jh.) Marienlegenden 8, 66 Pfeiffer;
waz sol ich iu mêre sagen?
der künec wart sie vaste klagen
(ostfränk. um 1300) die heidin (IV. red.) 1658 Henschel-Pretzel;
daz selbe daz in ê dar truoc
daz wart in tragend (rheinfränk. hs., 2. h. d. 14. jhs.: dragen) aber sît
Konrad v. Würzburg schwanritter 1289 E. Schröder;
nu lagk mit om yn seyner jogunt eynes reichen burgers sson von Prage gnant Pauel mit om zu schule und worden sich etzwas zweien (entzweien, streiten) (anf. 15. jh.) Joh. Rothe dür. chron. 603, 7 Liliencron (ähnlich 649, 25); und obd.:
das merer tail ward jechen:
'dy tauf müs an un̈s geschehen,
das uns darinn niem schaden kan! ...'
(bair.-österr., wohl 13. jh.) Havich d. Kellner sankt Stephans leben 979 McClean u. ö.;
sie was an dem lîbe als milch und bluot getân:
dô wart Wolfdietrîch so tiuvellîchen stân
(alem., ende 13. jhs.) Wolfdietrich D 6, 100, 4 in: dt. heldenbuch 4, 85 Amelung-Jänicke;
den, die sich gesundert
heten von den getriwen —
die ez hernâch wart geriwen,
daz si sô verre volgen wolden
dem schutzenmeister Perhtolden
(anf. 14. jh.) Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 98237 Seemüller;
do drot ich dem hunt
das er ze der selben stunt
stille suchen wart
ich spürt er sucht die rechten vart
(alem., 2. hälfte d. 14. jhs.) d. jagd d. minne in: liedersaal 2, 294 Laszberg;
si wurden seuften und klagen
mit geslossen mündlin vein
(anf. 15. jh.) Oswald v. Wolkenstein ged. 7, 32 Schatz u. ö.
im 15. und 16. jh. noch weit verbreitet (s. auch die belege bei Fischer schwäb. 6, 693 u. Schmeller-Frommann bair. 2, 990): auf stunde ein heftiger ... wint, ... von dem daz mere sich pläen und wachsen warde Arigo decamerone 75 lit. ver. u. ö.; Moses aber wart zittern (1522) apost. 7, 32 u. 16, 29;
nach dem erwarmet sein geblüt
und wurd gar reichlichen auszfliessen
H. Sachs 7, 395 lit. ver.;
und derselben seiner ersten tochter ain jung edel gesell ir lieb und huld tragen warde, sein gemüth gantz zuͦ ir kehren ward Lindener rastbüchlein 163 lit. ver. u. ö.; alsbald solchs könig Karle erfuor, wardt es ine nit wenig beschweren Zimmer. chron. ²1, 40 Barack u. ö.; von desz wegen der Apiarius, wiewol er seer erzürnt war, ward lachen und vertruͦgen sich zeletst guͤtigklich Wickram w. 3, 16 Bolte u. ö.; auch im nd. (s. Schiller-Lübben 5, 674 f.): do wart he lude ropen (1514) städtechron. 16, 398 (Braunschweig); do worden se dencken, dat he neyne orfeyde gedan hadde ebda 372. hier in einigen mundarten bewahrt (s. auch O. Weise unsere maa. [1910] 223; Wunderlich-Reis satzbau 1 [1924] 253), ansonsten unüblich geworden: un dormit ward hei in de kamer gahn, leggt sick dal, un snart slöppt hei los Fritz Reuter w. 3, 291 S.; he worr wenen er brach in tränen aus Mensing schlesw.-holst. 5, 533.
c)
zuweilen auch im perfekt: (der fiscal hat die citation) einen notari geben zuverlesen oͤffentlich, ist der notarius darob weinen worden (1527) Luther 23, 465 W.; schau nur, wie fremd und vornehm er aussehen worden ist Storm s. w. (1898) 1, 27.
2)
futurisch, das künftige eintreten eines vorgangs oder zustands ausdrückend. die futurumschreibung mit werden und infinitiv ersetzt im spätmittelalterlichen dt. allmählich die entsprechende fügung mit dem part. präs. (s. auch unter A). gemeinhin wird angenommen, dasz 'lautliche entwicklung' (O. Behaghel dt. syntax 2 [1924] 262) und 'analogie nach dem gebrauch bei den übrigen hilfsverben' (H. Naumann k. hist. syntax [1915] 117) von der form des partizips zur infinitivform geführt haben. 'unter dem einfluss der synonymen verba trat an die stelle des partizipiums der infinitiv. dann aber wurde die verbreitung der infinitivkonstruktion ... kräftig unterstützt durch den lautlichen verfall der partizipialendung, durch den eine vermischung von partizipium und infinitiv herbeigeführt wurde' (W. Wilmanns dt. gramm. 3, 1 [1906] 177). allerdings vermochte die gründliche untersuchung der alem. überlieferung von M. Kleiner die lautliche erklärung nicht zu stützen: 'ein abfall der partizipialendung -de ist im alemannischen des 13. jh. nicht festzustellen' (zur entwicklung der futur-umschreibung werden mit dem infinitiv [California 1925] 91, ähnlich 57). 'dagegen ist die vermischung der form des part. präs. mit der form des flektierten inf. ganz augenfällig; sie macht sich vorzüglich in dem eindringen der endung -ende in den dat. inf. bemerkbar. da der dat. inf. gelegentlich auch ohne flektion gebraucht wurde, so mag die infinitivform nach werden dadurch entstanden sein, dasz analog auch beim part. präs. die endung -de weggelassen wurde' (ebda 91, ähnlich 58). gegenüber dieser herrschenden ansicht erklärte H. Paul, allerdings ohne dies näher auszuführen: 'das erste auftreten und die verbreitung nötigt dazu, einen selbständigen ursprung der inf.-konstruktion ohne einflusz des part. anzunehmen' (dt. gramm. 4 [1920] 127). eine stütze für diese ansicht bietet neuerdings L. Saltveit durch den hinweis auf eine parallelentwicklung in norw. maa.: 'die norw. sprache hat in gewissen mundarten aus einer ursprünglich modal-futurischen konstruktion verđa ˃ verta + inf. ein futurum herausgebildet. die sprache besitzt auch, ebenfalls mundartlich, eine funktionell entsprechende konstruktion mit dem part. präs., die sich wegen der lautlichen verhältnisse von der ersteren scharf unterscheiden läszt. dieser sachverhalt, der wahrscheinlich auf sprachverhältnissen in älterer zeit fuszt, unterstützt die annahme, dasz ebenfalls das deutsche fut. nicht nur auf die konstruktion werden + part. präs., sondern auch auf eine ursprünglich davon völlig unabhängige konstruktion werden + inf. zurückgeht ... die inf.-konstruktion kann in derselben weise wie der inf. nach den bewegungsverben entstanden sein' (bemerkungen zum dt. futurum in: zfda. 87 [1957] 228). dieser letztgenannten erklärung scheint zu widersprechen, dasz der infinitiv etwa gleichzeitig auch in die fügung von sein und part. präs. eindringt (s. teil 10, 1, 324 f. sowie Behaghel a. a. o. 2, 262):
der herre ...
der uns werden soll gesant
er ist uns breiden alle lant
die erlösung 1254 B. (hs. N, 1465 im Neckartal geschrieben);
wer vil ist leszen der würdt geleert Keisersberg pred. (1508) 77ᵇ. jedoch trat dort wohl die entwicklung ein, 'indem das verbum durch ellipse von partizipien wie gegangen, gevarn selbst zu einem bewegungsverbum wurde ... dementsprechend verband es sich dann wie andere bewegungsverba ... mit dem infinitiv' (Wilmanns a. a. o. 3, 1, 176 f.). aber unerklärt ist bislang die entsprechende entwicklung von bleiben und part. präs.inf., s. Behaghel a. a. o. 2, 366 u. 383 f.); auch sie wäre in eine umfassende untersuchung einzubeziehen. formvermischung zwischen partizip und infinitiv (s. auch die belege unter III A und vgl. die miszverständliche konstruktion des im as. verbreiteten typus wirđit thiu tid cuman Hel. 4280 S., eig. 'wird eine gekommene sein'), dazu die analogie, bes. nach den inf.-verbindungen von bewegungsverben (z. b. gehen) und modalverben (sollen, wollen) waren bei diesen sich auch gegenseitig beeinflussenden vorgängen sicher im spiel, vielleicht auch das vorbild miszverständlicher passivkonstruktionen (z. b. er wird vergessen), doch wird es schwer sein, ursachen und sekundäre einflüsse klar zu unterscheiden.
a)
präsensformen von werden in verbindung
α)
mit einem einfachen infinitiv; früh im alem. nachweisbar, wenn sich auch gegen die vielzitierten Notker- belege allerhand bedenken vorbringen lassen (s. M. Kleiner z. entwicklung der futur-umschreibung werden mit dem infinitiv [1925] 26 anm.):
... gebærden ...
die ich an iu hân gesehen.
ich wæne ir werdent mir es jehen,
swaz ir anders gelernet hânt
(um 1220) Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 3144 E. Sommer u. ö.;
das wirt an dir rechen
ein lewe und dich zer brechen
(mitte 13. jh.) Rudolf v. Ems weltchron. 35047 Ehrismann;
die stimme die wirt sprechen:
'got wil sich hiute rechen.
stet uf ir toten, get fur got!'
(2. hälfte d. 13. jhs.) vom jüngsten tage 37 in: kl. mhd. erz., fabeln u. lehrgedichte 3, 1 Rosenhagen (ähnl. v. 499);
fröwe dich, daz wîp unde man
dîne gnâd werdent rüeffen an
(um 1300) Walther v. Rheinau Marienleben 48, 59 Keller u. ö.;
der wirt als ein pantier sinen suͤssen smak wite zerspreiten Seuse dt. schr. 452, 19 Bihlmeyer; 'im 15. jh. nimmt der gebrauch von werden mit inf. schnell zu. die eigentliche verdrängung von werden mit part. präs. durch diese umschreibung fällt ungefähr in den zeitraum von 1375—1450. sie ist langsamer im Elsasz als im östlichen Alemannien. der vorgang ist mithin ein vordringen von osten nach westen' (M. Kleiner a. a. o. 92). auch im md. und bair. finden sich frühe belege (über einen umstrittenen rheinfränk. beleg des 9./10. jhs. vgl. Kleiner a. a. o. 25 f. und Saltveit in: zfda. 87 [1957] 222): quoniam quis in nubibus equabitur domino: similis erit domino in filiis dei? wand wer wirt in den luften gelichen dem herren, wer wirt gelich wesen dem herren in den chinderen gotes? (12. jh.) bair. interlinearversion des 88. psalms, in: zfda. 20 (1876) 146;
sô mîn schilt und mîn sper
wirt suochen daz velt,
ich geswache etlîch gezelt
(bair., anf. 13. jh.) Heinrich v. d. Türlin diu crône 18323 Scholl;
dû maht dem man zuo kumen, der dich twingt
und nâch sînen siten bringt,
sô wirt dir übele ergên,
dir wirt der slege michels mê,
denne der pfenninge
(thür., 13. jh.) Sibot frauenzucht 117 in: gesamtabenteuer 1, 44 v. d. Hagen;
cognoscam wierd ich erchennen (bair. um 1300) Olmützer pericopen 1. Kor. 13, 12 in: zfdph. 12 (1881) 20; ridebitis ir werdit lachin Matthias v. Beheims evangelienb., Luk. 6, 21 Bechstein u. ö.;
her jünglink, euch möcht friesen,
ir habt verschroten zwir,
wert ir das dritt verliesen,
das habt ir neur von ir
Oswald v. Wolkenstein ged. 112, 67 Schatz u. ö.;
mndl. und mnd. belege aus dem 14. und 15. jh. sind jedoch selten (s. H. Kurrelmeyer the historical development of the forms of the future tense in middle high German [diss. Baltimore 1904] 26 ff.):
wert he denne dwelen vp der straten
unde moet den rechten wech vor laten
de moet dicke sunder lof
wedder soken sines heren hof
(mnd., 14. jh.) meister Stephan schachbuch 5050 gelehrte estnische gesellsch.;
de werke goddes, de oldinghes god ghedân heft bî den Joden unde hûten dôn wirt bî ju (1431) nd. erz. a. d. 15. jh. in: Germ. 9 (1864) 271; noch in der münsterischen grammatik von ca. 1480 wird die verbindung von werden und infinitiv als hd. bezeichnet: legam ick wil edder ick schal lesen, edder alse de averlender (!) seggen: ik werde lesen (bei Wilmanns a. a. o. 3, 1, 178). die frühnhd. grammatiken buchen seit Albertus (1573), Ölinger (1573) und Clajus (1578) werden als hilfsverb der futurumschreibung, bis zu Gottsched oft unterschiedslos neben wollen, vereinzelt auch neben sollen (s. die übersicht bei M. H. Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2 [1914] 330 f.). das stimmt zu dem befund Brodführers: 'für die vierte bibel (in Augsburg 1475 bei Zainer gedruckt) darf die umschreibung des futurums als das regelmäszige hingestellt werden; das gewöhnliche hilfsverbum ist werden, bisweilen wird wellen, selten súllen gebraucht' untersuchungen zur vorluther. bibelübersetzung (1922) 111 f. die futurumschreibung mit werden erscheint im nhd. vornehmlich in nachdrücklichen ankündigungen künftiger zustände, vorgänge oder handlungen, deren eintritt oder vollzug der sprecher mit sicherheit erwartet (vgl. Gottscheds unterscheidung: 1. die ungewisz zukünftige zeit ich will schreiben; 2. die gewisz zukünftige zeit ich werde schreiben dt. sprachkunst [1762] 294): umb ursach, darvon ich euch hernach sagen wird (um 1480) Ulrich Füetrer bayer. chron. 106, 6 Spiller; Christus ist jtzund schwach, aber er wird noch stark werden; ihr werdets sehen, er wird noch etwas ausrichten Joh. Aurifaber bei Luther tischr. 6, 219 W.;
geht! heist mir sein weib herausz gehn!
(der erst knecht spricht:)
sie ist gleich in der küchen stehn
und richtet zu auffs aller-best.
mein herr wirdt haben heint vil gest
H. Sachs 6, 144 lit. ver.;
es fällt mir jetzt aber ein, vnter dessen ich mich vollend anziehen werde, so hole die zeitung oder avisen, Stephan, dass wir sehen, was guts newes drinnen stehet Martin colloques francais et allemand (1628) 25;
dich und was die musen schrieben
werd' ich, weil ich lebe, lieben
Stieler geharnschte Venus 67 ndr.;
er wird mirs noch einsweils dancken egli mene ringratierà, renderà gratie un giorno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1297ᶜ; (Ferdinand:) 'laszt uns eilen, pferde zuzureiten, wir werden sie bald brauchen!' rief er mir entgegen. er werde mich noch heute wiedersehn, sagte er ... (Alba:) er wird dich wiedersehn Göthe I 8, 258 W.; es wird eine lange, weite wanderung werden, lieber leser Gutzkow ritter (1850) 1, 1; unmittelbar auf den vorliegenden band wird die herausgabe von bd 33 ... erfolgen, dann werden sich anschlieszen ... Drescher im vorw. zu Luther 10, 2 (1907) V W.; 'du wirst ein kind haben, Jürgen', sagte sie E. Wiechert Doskocil (1932) 151 (ebda 78 mit ersparung des infinitivs: wann wird der herr weiter?); nun werde ich die stäbchen legen H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 180. so auch mundartlich gebraucht, soweit nicht andere umschreibungenim nd. besonders sollen — oder das futurische präsens üblich sind (s. Behaghel dt. syntax 2, 263): öckh wâa schlaͦpe Fischer samländ. 216 (s. auch ebda 131); wir werden das kind schon schaukeln (nur mut) Rother schl. sprichw. 241; haed-ōmd' waʳd-s rēnə' (heute abend wird's regnen) Polenz altenburgische sprachlandsch. 99 (dem altenburgischen ist darüber hinaus eine umschreibung des futurs mit laʳnds 'lernen' geläufig); ich werde morgen na' Dommsch 'ich reise morgen nach Dommitzsch' (mit ersparung des infinitivs gehen, fahren) Bruns volksw. ²74; dat wiᵉrd sech dā fennᵉ das wird sich dann finden Heinzerling-Reuter Siegerland 320;
wann de könner zänncher maachen
lönners dau-en hihre pein:
onner sorjen, onner laachen
wöhrs dau ömmer omm se sein
Ph. Laven ged. i. Trierer ma. (1858) 128;
iΧ wä bindn (werde binden) Schübel d. ostfränk.-bamberg. ma. v. Stadtsteinach 334; dǣər wært là̄fm̥ der wird laufen (ironisch), d. h. der (genannte) wird sich hüten, das ihm zugemu tete zu tun Gebhardt Nürnberg 300; ich werre ˢchun kumme Follmann Lothringen 538; ši wɛ̄rdə grat xonn sie werden (wohl) gleich kommen (mutmaszend, ansonsten ist das präsens üblich) Hotzenköcherle Mutten 446; i wart machen Zingerle Lusern 17, Bacher 224; bir ven sehn (wir werden sehen) Kövi Zipser ma. als besonderheit erscheint der gebrauch der umschreibung in lebhafter erzählung vergangener begebenheiten, die vom erzähler noch z. t. als zukünftig angesehen und angekündigt werden (s. auch Behaghel dt. syntax 2, 265 f.): gestern ging ich spazieren; da werde ich den N. treffen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657; nu wird er wollen zärtlich werden jetzt wollte er zärtlich werden Lasch berlinisch 307. wie sehr diese futurumschreibung mit der vorstellung sicherer erwartung verbunden ist, wird besonders beim imperativischen gebrauch deutlich: des wert ir mir eüer trewe geben Arigo decamerone 230 lit. ver.; du wirst mich nicht hungers sterben lassen, mein vater! (1768) Gerstenberg Ugolino 248 H.;
du wirst den apfel schieszen von dem kopf
des knaben — ich begehrs und wills
Schiller 14, 357 G.;
leb wohl! an deinen schwur ich mahne kaum,
du wirst verschwiegen sein zu eignem heil
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 110;
se werden ergebenst entschuldigen, mein herr (= entschuldigen sie bitte!) Gerh. Hauptmann weber (1892) 49; der auch für einige mundarten bezeugt ist: du wirscht (plattdt. warscht) zu hause bleiben! Frischbier pr. 2, 464; wärschte (gleich)! = wirst du (sofort) hören, gehen! usw. wärschte nich! = wirst du das nicht tun! (mit auslassung des infinitivs) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657; dāt wiᵉrschdᵉ schēᵃchᵉs blīwᵉ lōsᵉ das wirst du schön bleiben lassen! Heinzerling-Reuter Siegerland 320; des wiršd abər nē̜əməd sagə! Staedele Stahringen 43; sowie bei drohenden wendungen der umgangssprache wie ich werde dir gleich helfen oder dir werde ich helfen; dem werde ich's zeigen (s. auch Frischbier pr. 2, 464), wobei oft der infinitiv erspart wird: ja, ich werde dir — ich will den hundsföttischen malitiösen brief den augenblick — (zerreiszt ihn) Lenz ges. schr. (1828) 1, 67; dir wird maⁿ! (hiebe geben o. ä.) Fischer schwäb. 6, 692; doch auch bei der anwendung nach einem konditionalen vordersatz; die erfüllung der vorgenannten bedingung läsztdiese gewiszheit drückt die umschreibung mit werden ausdas vom sprecher erwartete und für den genannten fall angekündigte sicher eintreten: würt dir das (das gesprächbüchlein 'Vadiscus') gefallen, so würstu auch on zweyfel meiner meinung, das ich mich vom hoff gethan, nit entgegen sein U. v. Hutten opera 1, 323 B.;
nun hört und schweygt! so werd irs sehen
H. Sachs 2, 4 lit. ver.;
wenn die vhren allzugleich eins schlagen werden, so wird fried vnd einigkeit zwischen allen landen vnd leuten seyn Lehman floril. polit. (1662) 1, 186;
und schiesz' ich morgen nimmer,
weil krank ich oder todt,
so wird ein andrer schieszen,
dem's waidmannsheil sich bot
Lenau s. w. 195 Barthel;
lernet, dasz schicksal nicht von götzen kommt, so werdet ihr auch endlich lernen, dasz es keine götzen und götter gibt! H. Hesse Zarathustras wiederkehr (1924) 14; ja so oft eintreten, wie die bedingung, die nicht immer in einem konditionalsatz ausgesprochen sein musz, dazu gegeben ist; die umschreibung mit werden bezieht sich dann nicht auf einen künftigen einzelfall, sondern allgemein auf etwas, das sich jederzeit ereignen kann und unter bestimmten bedingungen stets zu erwarten ist (s. auch Behaghel a. a. o. 2, 263 f.): wan sô ein mensche etwenne sîne sünde bedenket und ernstlîche merket, sô wirt er weinen meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 361 Pfeiffer; ein jeder der mich vergicht vor den menschen, den würd ouch ich verjehen vor minem vatter der in den himlen ist, welicher aber minen [!] leugnen würt vor den menschen, desz wird ouch ich leugnen Zwingli v. freiheit d. speisen 21 ndr.; der wird dieselbe (seele) nicht schmuͤcken vnd zieren, der sein leib nicht in ehren haͤlt, darin die seel wohnet Lehman floril. polit. (1662) 1, 278; ein leidendes thier so wohl, als der held Philoktet, wenn es der schmerz anfällt, wird wimmern! wird ächzen! Herder 5, 5 S.;
wen du nicht verlässest, genius,
wird dem regengewölk,
wird dem schlossensturm
entgegen singen
Göthe I 2, 67 W.;
hierzu stellt sich auch der umgangssprachlich häufige und schon von Adelung 5 (1786) 177 festgestellte typus wer wird denn gleich weinen (wenn ...). oft findet sich die umschreibung auch beim ausdruck von befürchtungen, hoffnungen und mutmaszenden überlegungen, die sich auf künftiges richten, wobei der sicherheitsgrad der aussage vielfach durch einen entsprechenden 'vorspann' eingeschränkt ist: seht, werden si (die gerechten) sprechen, dirre man enwolde niht haben got zuͦ helfe (13./1. h. 14. jh.) altdt. pred. 1, 7, 24 Schönbach;
ich fürcht, si werd mich laichen,
wie vil ich auff si pau
Oswald v. Wolkenstein 91, 15 Schatz;
mein ich wol jr werdind sagen das die spysz noturfftiger syg dann das gaͤlt Zwingli v. freiheit d. speisen 11 ndr.;
ich hoff, du wersts nicht schlagen ab
H. Sachs 2, 24 lit. ver.,
zu einer zeit ..., da der geschmack seine höchste feinheit — wo nicht erreicht hat, doch höchstwahrscheinlich bald erreichen wird ... Gerstenberg schlesw. lit. br. 14 lit.-denkm.; und da unterhalte ich mich dictando in der gegenwart, hoffend es werde künftig in die ferne wirken (28. 6. 1818) Göthe IV 29, 220 W.; 'hafer wird es geben', dachte er E. Wiechert Doskocil (1932) 57; oder durch die form der direkten oder indirekten frage: hoch dienstlich ist es zuwissen, ob eyn früh oder spat jar kommen werde Sebiz feldbau (1580) 10;
... was werd ich machen dan?
Spee trutznachtigall (1649) 14;
teufel! sie wird doch nicht — ich eile nach — ich musz für ihr leben bürgen (mit unterdrückung des infinitivs) Schiller 3, 441 G.; wird es nicht ein nagel an dem sarge des schöppen werden? Klinger w. 3 (1815) 76; ob ein mensch zugegen sein werde, auf den jene in unbestimmten ausdrücken angedeutete bezeichnung passe? ob ein solcher mensch ... ihnen am weihkessel sich zeigen werde? ... diese und ähnliche fragen beschäftigten die schwache ... frau Holtei erz. schr. 4 (1861) 153; werde ich im dunklen tappen ...? Nic. Hartmann ethik (²1935) 9. im berlin. findet sich: na sie wern doch nich (das thun)? (antwort auf eine drohung) Brendicke Berlin 192ᵇ.
β)
mit einem infinitiv des perfekts (das sog. futurum exactum); hier tritt werden vor allem an die stelle von sollen (ich sol sim schiere hân benomen Hartmann Iwein 4650 B.-L.), soweit überhaupt ein futurisches hilfsverb gebraucht und nicht die einfache perfektkonstruktion gewählt wird (das habt ihr bald erledigt, so schon mhd.: daz hât man schiere gesehn Hartmann Iwein 4988 B.-L.): vnd so du sin (des fisches) mul wirdst vff thon han, wirdst ein stater (einen pfennig) finden Zwingli v. freiheit d. speisen 28 ndr.; ob dann gleich der prophet verfuͤrt wuͤrde ..., so werd ich der herr selbs disen propheten verfuͤrt haben Dietenberger Ezechiel 14 (Mainz 1534) 375ᵇ; wann ich sie dann dergestalt genug gejagt und geplagt haben werde, so wil ich sie erst ... an eine säule binden Grimmelshausen Simpl. 218 Scholte; wenn ich es werde gethan haben when I shall have done it Ludwig dt.-engl. (1716) 2454; und am ende werden wir sterben oder uns ergeben. du wirst deinen edeln mann mit mir in ein schicksal geweint haben (1773) Göthe I 8, 108 W.;
... vergebens werdet ihr
für euren feldherrn euch geopfert haben
Schiller 12, 302 G.;
ich werd' dir'n gleich wieder angenäht haben Anzengruber ges. w. (³1897) 3, 141; so noch gelegentlich in moderner hochsprache: morgen um diese zeit werden sie alle in Berlin eingetroffen sein; vereinzelt auch mundartlich: öckh wâa jewoǎrde sönn ich werde geworden sein Fischer samländ. 131; wenn er wird gegessen haben; wer sich mit ihm wird einlassen; ich bin neugierig, wie's ihm wird gehen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 656; hái ̃t üwə ·s gàue (jahr) weə'n mə ·s scho üwəstàndn ho(b)m Schiepek satzbau d. Egerländer ma. 151; īΧ wä gəbundn hōum Schübel d. ostfränk.-bambergische ma. v. Stadtsteinach 336; eds werə mər s bald ibərštandə ha Staedele Stahringen 43; ben i bərt žain gəštoarbm wenn ich gestorben sein werde; ben ar bərt hubm gəriəfm wenn er gerufen haben wird Tschinkel Gottschee 304. das futurum II wird schon von einigen älteren grammatikern gebucht (s. auch die nachweise bei Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2 [1914] 331 f.): Germani quoque habent tertium futurum, quod meritò perfectum futurum vocamus: vt in his exemplis ich würd geschrieben haben, wann er wider kompt, vmb die zeit würdt er kommen sein (1573) Ölinger dt. gramm. 98 ndr.; so ich werde geliebet haben; so du wirst geliebet haben (1578) Clajus grammatica 83 ndr.; Adelung umst. lehrgebäude d. dt. sprache 2 (1782) 385 f. erklärt: 'statt des futur II gebraucht man oft das perfekt: wenn mein gebein längst verweset ist (verweset sein wird), dann werden die welten alle vergehen; aber es besteht ein unterschied: morgen hat er es überstanden prädicieret den satz mit gewiszheit, morgen wird er es überstanden haben mit mehr ungewiszheit'.
b)
präteritale konjunktivformen von werden mit einer verbalen grundform, die zukunft von einem standpunkt der vergangenheit aus bezeichnend:
und swer ir îlen het gesehen,
der müeste des fürwâr jehen,
daz nie von kuniges kinde
wart gesehen alsô swinde
über velt gegangen,
dâ si wurd enphangen
von Arrogûn diu kunigin
(wo die königin von A. sie empfangen würde)
(anf. 14. jh.) Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 4712 Seemüller;
weil sie (die römischen buben) wol gewust, das mit dem Turcken vnd Frantzosen dis iar so stehen wurde (1537?) Luther briefw. 8, 38 W.; ob wol den heiden zugesagt, das sie in mitler weil auch zur kirchen gottes komen, vn̄ des segēs des gebenedeiten samens Abrahe geniessen wurden, so ware doch solche predig noch nicht bey den heiden offenbaret Gretter ep. Pauli a. d. Römer (1566) 897; ferrer verhiesz er jnen, dasz sie im paradeysz ... wuͤrden ... zarte speisen essen vnd koͤstliche wein trincken Albertinus der kriegszleut weckuhr (1601) 1, 67ᵇ; ich schliche mit, ... nur zu hören, wie doch der juncker seinen ersten aufzug ins schlosz bemänteln würde Grimmelshausen 2, 337 Keller; und bald konnt' ich glauben, dasz ich mit zeit und weile mich vollkommen wieder erholen und von meinem ganzen schuldenlast entledigen wuͤrde Bräker s. schr. (1789) 1, 225;
hier einsam abgeschieden
erharrten sie (unschuld u. friede) die zeit,
bis drauszen sich befrieden
würde der erde streit
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 131;
ich unterschätzte gewaltig die höhe, welche ich bis dahin noch zu bewältigen haben würde H. v. Barth Kalkalpen (1874) 63; Blandine glaubte, dasz in ihrem leben sich nicht viel ändern würde. sie würde die ziege melken, sich die suppe kochen und handeln gehen ... sie hatte nie mangel gelitten, würde ihn auch ferner nicht leiden E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 175; Jürgen wuszte, dasz die sonne kommen würde E. Wiechert Doskocil (1932) 27; am abend des 4. dezember tanzten bei windstille weisze flocken um die zelte ... würde Georg in tückischen schneewehen steckenbleiben? Sven Hedin d. seidenstrasze (⁴1938) 45. doch finden sich gelegentlich auch präsensformen von werden: nachdem ... der einfuhrzoll ... herabgesetzt worden, machte man sich die gröszte hoffnung, dasz die ungarische weinhandlung nach Ruszland sehr blühend werden werde Nicolai reise d. Deutschl. (1783) 6, 374; sie wuszte, er werde doch nicht wiederkommen Heyse novellensch. 17, 256; weitere belege bei Behaghel dt. syntax 3 (1928) 687 u. Matthias sprachleben (1921) 399.
3)
potential. 'auf dem ... motiv der unsicherheit des urteils beruht der gebrauch des futurischen indikativs, wo von etwas gegenwärtigem oder vergangenem die rede ist; z. b. das wird so sein, das wird so gewesen sein. ... die wahl des futurums beruht auf der erwartung des sprechenden, dasz sich seine aussage als richtig erweisen werde' (K. Brugmann verschiedenheiten der satzgestaltung nach maszgabe der seelischen grundfunktionen in den idg. sprachen = berichte üb. d. verhandlungen d. sächs. gesellsch. d. wiss. zu Leipzig, phil.-hist. kl. 70, 6 [1918] 74 f.).
a)
werden in verbindung mit einem einfachen infinitiv; durchweg mit der grundform eines imperfektiven verbs: (Jonas:) ... ey, es ist Spalatinus, der wirdt freilich auch etwas davon wissen ... habt jr nitt ein newe tragedien gesehen? (Agricola:) frage Spalatinum, der wirdts wol wissen Vogelgesang-Cochläus Joh. Huss 5 ndr.;
wilstu fremde fehler zählen, heb an deinen an zu zählen;
ist mir recht, dir wird die weile zu den fremden fehlern fehlen
Logau sinnged. 249 lit. ver.;
den winter wird man loben müssen,
alsdann erqvickt ein glühnder wein
poesie d. Nieders. (1721) 5, 89 Weichmann;
hier, dacht' ich, wird die tugend wohnen
Kretschmann s. w. (1784) 1, 67;
wo wird der jetzt einsam sitzen maler Müller w. (1811) 1, 61; sie werden sich verwundern, dasz die verlaszne stelle eigentlich keine stelle ist und kaum glauben, wie die guten menschen in diesem departement sich beholfen haben und behelfen (dez. 1809) Göthe IV 30, 129 W.; besonders häufig mit sein verbunden:
es wird warlich mein bruder sein
H. Sachs 1, 59 lit. ver.;
sind frauen dan, wie jr sagt, zart,
warum beisst jr sie dan so hart,
vnd sind euer waidwerk allain?
aber dis würd die vrsach sein:
diweil jr wüszt, das euer spis
sie meh dan ain bauren vertris
Fischart w. 1, 89 Hauffen;
ja, ja, das wird es seyn!
Pfeffel poet. vers. (1802) 1, 24;
ahd. belege werden selten sein J. Grimm in: zfda. 7 (1849) 451; die Sannel ... ist rotbäckig wie ein honigapfel und wird auch nicht bitterer sein O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 312. mundartlich weit verbreitet: dät wert woll so sinn Lademann Teltow 279; des wird wohl so seiⁿ! Fischer schwäb. 6, 693; wæər štɛ́itèn dÒrtn̥? wer steht denn dort? des wærtər Māiər sà̜i̜ es ist wohl Meyer Gebhardt Nürnberg 300; da wern se schonn recht hab'n Gerh. Hauptmann ausgew. dramen 2 (1956) 87; dass wirt ər færtik hæ das wird er (wohl) fertig haben Brun Obersaxen 171; i würə müəssə ga kšOwə ich werde (nachsehen) gehen müssen Henzen Freiburg 203.
b)
mit einem infinitiv des perfekts verbunden: es ist blut, die könige haben sich mit dem schwert verderbet, vnd einer wird den andern geschlagen haben 2. kön. 3, 23; ... unser getane bewilligung, die auch nunmehr unsers erachtens wirklich vollstrackt sein wirdet (16. 8. 1537) kurf. Joh. Friedrich bei Luther briefw. 8, 111 W.; dann er ine wüert gekant haben d. reisen d. Samuel Kiechel 201 lit. ver.; sie werden ihn in Leipzig oft genug müssen gesehen haben, den bösen buben Lenz ges. schr. (1828) 1, 70; wirst dich g'wundert und g'fragt hab'n Anzengruber ges. w. 3 (³1897) 342; 's wird wohl gut gewesen sein Rosegger waldbauernbub 2 (1933) 108; so im neueren dt. noch durchaus geläufig (s. auch Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657 und E. Abegg ma. v. Urseren § 86): er wird seinen bruder besucht haben, wird verreist gewesen sein.
4)
konditional; als ersatzfügung für die präteritale möglichkeitsform in hypothetischen sätzen gebraucht (z. b. würde helfen statt: hälfe, würde geholfen haben statt: hätte geholfen).
a)
mit einem einfachen infinitiv (vgl. den entsprechenden gebrauch von wollen teil 14, 2, 1342 ff.).
α)
im übergeordneten satz: si hi tacuerint, lapides clamabant ob dise swigen, die steine worden schrîen (1343) Matthias v. Beheims evangelienb., Luk. 19, 40 Bechstein;
soͤltent ir mich loͤsen
so wuͤrdent mich die boͤsen
schaͤtzen nach irs hertzen gir
(hs., 1433 in Konstanz geschr.) klage an eine harte frau, in: liedersaal 1, 15 Laszberg;
und wär ich ietz eur leis- er hort
es würd euch morgen greuen
(1. hälfte d. 15. jhs.) Oswald v. Wolkenstein 20, 40 Schatz;
seit dem 16. jh. oft bezeugt: wen aber die ubirkeyten drauff decht, wie man das junge volck ehlich zusammen brecht, wurde einem yglichen die hoffnung ehlichs stands fast wol helffen tragen und weeren der anfechtungen (1520) Luther 6, 467 W.;
wenn mein weyb noch bey leben wer,
sie wurd die ding noch klerer sagen
H. Sachs 2, 11 lit. ver.;
solstu gottes hertze sehen,
wie sich da der kummer häuft,
wie es dürstet, jächt und brent
nach dem, der sich abgewändt
von ihm und auch von den seinen,
würdest du vor liebe weinen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 299;
hätte sie gedanken wie ich denke,
hätte sie gefühl wie ich empfinde,
würde sie den morgen nicht erwarten
würde schon in dieser stunde kommen
Göthe I 2, 99 W.;
auf welche weise aber, mein freund, würdest du deine ansicht über dergleichen gegenstände mittheilen, im fall du einmal deinen widerwillen künftig etwas mehr bezwingen solltest Tieck schr. (1828) 4, 10;
aber du wenns d' was wissetst
han i denkt, vön dem alln,
na wurn dir die zaunschlupferln
bald nimmer gfalln
Stieler ged. 4, 50 Reclam.
auch in hypothetischen aussagen, deren zugrundeliegende bedingung nicht in einem konditionalsatz ausdrücklich genannt ist: denn ihr Jüden würdet ja nimmermehr einen gehenkten ... heiden nach seinem tod für einen herrn anbeten (11. 6. 1537) Luther briefw. 8, 90 W.;
wir wolten nun hin auf den plan,
an markt, da moͤcht vns basz gelingen,
diweil die weiber vnsrer dingen
von jrem gschwez nicht würden achten
Fischart w. 1, 39 Hauffen;
der ehestand ist nicht genug artzeney fuͤr hurerey vnd vnzucht, sonst wuͤrde es nicht so viel ehebruch geben Lehman floril. polit. (1662) 1, 432; ich würde rathen, ihren (anrede) plan aufzuschieben Göthe I 23, 20 W.; diese conceptionen in einem singbaren gedichte auszusprechen würde ich mit dem donner auf Sinai, mit dem 'du sollst!' beginnen (14. 11. 1816) ebda IV 27, 234;
dank würde meine frau
für die kollegenschaft mir schwerlich wissen
Gaudy s. w. (1844) 2, 15.
in landschaftlicher umgangssprache ist vielfach statt würde das hilfsverb täte üblich geworden (s. Behaghel dt. syntax 2, 244): i dē̜d dər s sagə, we̜n i s wīszt Staedele syntax d. ma. v. Stahringen (diss. Freiberg i. Br. 1927) 45.
β)
im untergeordneten satz; einigermaszen geläufig nur im spätmhd. und frühnhd. (s. Behaghel a. a. o. 2, 245):
ob ir nû kæmet ûf ein hûs
und ouch immer wurdet phlegen,
sô müest ir iuch bewegen
unser aller, die hie sîn
(anf. 14. jh.) Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 57 003 Seemüller;
auff das wer das wurd lesen wurd nutz do von haben (1466) erste dt. bibel 1, 118 lit. ver.; wo sie aber des sich halsstarriglich wegern würde, alsdann soll man ihr sagen, dasz sie ihr lebenlang keinen andern ehlichen mann haben kann noch soll (31. 10. 1537) Luther briefw. 8, 135 W. (u. ö., sogar im irrealen vergleichssatz: als würde ich euch ... nimmermehr sehen ebda 51); hierauss koͤnnen auss den yetzigen anderthalb hundert secten bald noch so vil werden, wo man nit der lugen mit gewalt würd wehren Joh. Nas eins vnd hundert 1 (1567) 3ᵃ; wuͤrd er jhn vmb ein pferd zur tagreisz ansprechen, er wuͤrde es jhm abschlagen Lehman floril. polit. (1662) 1, 50;
ich glaube sicherlich, du bleibest auch dahinden,
wenn sich kein laster mehr wurd' an den menschen finden
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 41;
doch finden sich auch im neueren dt. einzelne belege (s. auch Andresen sprachgebrauch u. sprachrichtigkeit [1923] 112 f. und Matthias sprachleben u. sprachschäden [1921] 395 ff.): wenn ... nicht meine mutter ... sehnlich auf mich harren würde (22. 9. 1850) G. Keller leben, br. u. tageb. 2, 129 Erm.
b)
mit einem infinitiv des perfekts (vgl. die entsprechende anwendung von wollen teil 14, 2, 1344): wer das euangelion da gewest, so wer es nicht muͤglich, das es so lang uff eym klumpen solt gehangen sein, der tewffell wuͤrs nicht gelyden haben (1523) Luther 12, 467 W.; aber wann jr von stuck zu stuck gesehen hetten das schoͤn gepraͤm, ... so wuͤrden jhr gefragt haben ob koͤnig Ortwin vnd Ottnitt ... inn aller jre herrlichkeit herrlicher gewesen seien vnd wirden gewisz es verglichen haben dem ... horn der geysz Amalthee Fischart Garg. 175 ndr.; wann lachen nicht ein wohlstand were, wuͤrde die natur den menschen nicht damit begabet haben Lehman floril. polit. (1662) 1, 307; was wuͤrde er gethan haben, wann etc. che cosa havrebbe egli fatto se etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1327ᵃ; haͤtten unsere feinde vor 13 oder 1400 jahren gelebet und etwas zu sagen gehabt: so waͤre kein einziges concilium gehalten worden und die ketzer wuͤrden freye haͤnde gehabt haben, den weinberg der christlichen kirche nach belieben zu verwuͤsten Liscow satyr. u. ernsth. schr. (1739) 484; auf ew. wohlgeb. werthes schreiben vom 19. februar würde früher geantwortet haben, wenn sich nicht bey unserm theater veränderungen ereignet hätten (8. 3. 1817) Göthe IV 28, 2 W.; unter anderen verhältnissen würde er sich dagegen zur wehre gesetzt haben Holtei erz. schr. 5 (1861) 37.
C.
mit der vollendungsform (part. prät.).
1)
eines objektbezogenen (transitiven) verbs; die umschreibung des (vorgangs-)passivs. diese ausdrucksform ermöglicht die darstellung eines ablaufenden geschehens vom betroffenen objekt (patiens) aus; dabei bezeichnet das verbaladjektiv (part. prät.) den von der tätigkeit geschaffenen zustand des patiens, werden das hineingeraten des veränderten objekts in diesen zustand. die vorgangsrichtung (genus verbi) kommt im partizip zum ausdruck, tempus und modus im hilfsverb. die verbindung erscheint zunächstim got. ausschlieszlich, im frühen ahd. vornehmlichfuturisch (wairþiþ þus usguldan γενήσεταί σοι ἀνταπόδομα Luk. 14, 12; arslagan uuirdit Christ [occidetur] Isidor 27, 13) und präterital (du stauai gatauhans warþ ὅτι κατεκρίθη Matth. 27, 3; uuardh ... chinemnit [nominabatur] Isidor 31, 4), erst im verlauf der ahd. zeit auch zunehmend präsentisch (daz hûs. tes rehto unde redelîcho geflegen uuirdet domus ea, que̜ ratione regitur Notker 1, 614, 12 P.); weiteres über den ausbau des tempussystems und die opposition zum zustandspassiv (typus: ist / war gebunden) s. u., ferner bei H. Brinkmann sprachwandel und sprachbewegung in ahd. zeit (1931) 10 ff., W. Schröder in: PBB. 77 (1955) 1 ff. und 79 (1957) 1 ff. sowie H. Rupp ebda 78 (1956) 265 ff. verwiesen sei schlieszlich auf L. Mittners interessante hypothese, dasz die umschreibung mit werden zunächst eine ausdrucksform der germanischen sakralsprache war, zur bezeichnung oder prophezeiung einer schicksalhaften wende diente und von da in die dichtung gedrungen, verchristlicht und grammatikalisiert worden ist: Wurd (1955) 110 ff., insbes. 133.
a)
indikativisch.
α)
mit präsentischem wert; zufrühest in allgemeinen oder hypothetischen aussagen, wobei auch noch die beziehung auf einen erst zukünftigen eintritt oder vollzug der handlung gegeben ist (s. P. Kaufmann über genera verbi im ahd. [diss. Leipzig 1912] insbes. 60 u. 69 sowie O. Behaghel dt. syntax 2, 201): que̜ scilicet LXX ebdomade̜ si a tempore Danielis numerentur chiuuisso nu ibu dhea sibunzo uuehhono fona Daniheles zide uuerdhant chizelido Isidor 26, 10 Hench; filii huius saeculi nubent et traduntur ad nuptias thiu kind therro uuerolti gihiuuent inti uuerdent furselit zi brûtlouftin Tatian 127, 3 Sievers;
wirdit thaz ouh ana wan ofto in sambazdag gidan
Otfrid III 16, 37 Erdmann;
als früheste belege für die bezeichnung bestimmter, gegenwärtig vollzogener handlungen sind wohltrotz Kaufmann a. a. o. 58 u. 63 — anzusehen: dimittuntur tibi peccata forlazseno dhir uuerdant dhino suntea Monsee fragm. 1, 15 Hench (im Tatian ist hier das zustandspassiv, die umschreibung mit sein, gewählt, d. h. der blick nicht auf den sich vollziehenden vorgang, sondern den gegebenen neuen zustand des patiens gerichtet: sint thir furlazano sunta 54, 6 Sievers); unde huic sapientia haec et virtutes tales, que per manus eius efficiuntur uuanan ist thesemo thisiu spahida inti solihiu megin, thiu thuruh sino henti uuerdent gifremit? Tatian 78, 2 Sievers; doch erst seit Notker etwa 'ist wirdit c. part. das gewöhnliche mittel der präsensumschreibung' (Fr. Cuny d. temporale wert der passiven umschreibungen i. ahd. [diss. Bonn 1905] 9), wenn auch bei ihm der typus ist gebunden nicht selten noch präsentischen wert hat (s. Twaddell werden and wesen with the passive in Notker, in: the Germanic Review 5 [1930] 291 f.) und die fügung mit werden bis ins hd. auch noch das futur bezeichnen kann (s. u.δ sowie Rupp in: PBB. 78 [1956] 282 f.): domus ea que̜ ratione regitur ... daz hûs. tes rehto unde redelîcho geflegen uuirdet Notker 1, 614, 12 Piper; animal namque diuiditur in he̜c. in uolatile. et gressibile. et aquatile animal uuirdet keskidôt in uligendez. gâendez. suummendez ebda 1, 490, 7; opponitur autem unumquodque istorum tirro îogelîh uuirdet ingagen stellet ebda 1, 469, 1 (weitere belege bei Cuny a. a. o. 9 ff.);
swâ der hôhe nider gât
und ouch der nider an hôhen rât
gezucket wirt, dâ ist der hof verirret
Walther v. d. Vogelweide 83, 16 Kraus;
vnd in der figur eins adlers: wirt hie aus gesprochen daz sacrament goͤtlicher wirdikeit (1466) erste dt. bibel 1, 6 lit. ver.;
wan ein buch erbliket wird, welches schoͤn und nett gebunden,
so gedenkt man alsobald: hier wird etwas rars gefunden
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 27;
so wird ein jüngling ... zur ehre erwählt, vom Fo besessen zu werden A. v. Haller Usong (1771) 6; von Hamburg aus werde ich noch immer mit den schönsten versprechungen gefüttert (18. 1. 1834) Hebbel br. 1, 26 Werner; in sprachlandschaften, die ans romanische grenzen, findet sich im präsens noch sein statt werden; so 'ist im schweizerischen schriftdeutsch ungemein häufig zu finden, dasz sein statt werden gebraucht wird bei aufforderungen wie die schulbehörden sind eingeladen anstatt werden eingeladen' Blümner z. schweizer. schriftdeutsch (1892) 39; auch 'setzt sich in der zeitungssprache Elsasz-Lothringens die umschreibung mit sein (z. b. ich bin gebeten) durch' D. Magenau unters. z. form d. dt. schriftspr. i. Elsasz-Lothringen (maschinenschriftl. diss. Tübingen 1957) 304; und im cimbr. wird 'das passiv ... wie im ital. mit sain, auch wohl mit kemen und bolaiben gebildet: ich bin (kime, bolaibe) gaslat ich werde geschlagen' Schmeller-Bergmann 59; s. auch Tschinkel Gottschee 304. vereinzelt wird auch kommen oder gehen als hilfsverb des passivs gebraucht; s. Christa Trier 216 sowie Hotzenköcherle Mutten 446 und Schmeller-Bergmann cimbr. 59.
β)
auf vergangene vorgänge bezogen.
αα)
präterital; so schon im got. (s. o.) und ahd. geläufig, wenngleich die verbindung noch häufig einem perfekt oder plusquamperfekt entspricht (s. die belege bei Fr. Cuny der temporale wert der passiven umschreibungen im ahd. [diss. Bonn 1905] 12 ff.) — zeitwerte, deren besonderheit im germ. zunächst nicht sprachlich gefaszt war (s. auch Rupp in: PBB. 78, 279). im gleichen masze wie dieursprünglich präsentische bzw. präteritalepassivumschreibung mit sein (ist / war gebunden) als umschreibung des perfekts und plusquamperfekts üblich wurde, erlangte der typus ward gebunden rein präteritalen wert, d. h. die opposition zustandspassiv (ist/war gebunden) — vorgangspassiv (wird/ward gebunden) wird allmählich zu einem deutlichen gegensatz von zeitstufen: nam auses quidam ... a Moyse Iesus cognominabatur huuanda bidhiu uuardh chiuuisso auses ... fona Moysise in binamin Iesus chinemnit Isidor 31, 4 Hench; puer ... confortabatur spiritu ther kneht ... uuard gistrengisot geiste Tatian 4, 19 Sievers;
so ward er hiar (thes was not!) fon thesemo firdamnot
Otfrid II 5, 24 Erdmann;
bei Notker findet sich die fügung mit ward zwar schon relativ häufig, auch als wiedergabe präteritaler passivformen des lateinischen, doch entspricht das verhältnis von ward / ist und war gebunden noch nicht ganz der nhd. regelung; die passivverbindung mit ward erscheint noch häufig für ein lat. perfekt, die mit ist nicht selten für ein lat. präsens (s. Twaddell werden and wesen with the passive in Notker, in: the Germanic Review 5 [1930] 291 f.): quasi lugens et contristatus. sic humiliabar also uuuôfenter unde leîdeger so genideret uuard ih Notker 2, 119, 21 Piper; tota die uerba mea execrabantur allen dag uuurden geleîdezet mîniu uuort ebda 2, 212, 25. 'aber auch nachdem die anwendung von ist, was + part. praet. als formen der relativen zeitstufe fest geregelt worden, bewahrt das allgemeine praeteritum die fähigkeit, auch die relativität innerhalb der vergangenheit auszudrücken, ohne dass es darum ein perfekt oder plusquamperfekt wäre. ... im mhd. ist dies eine sehr gewöhnliche erscheinung' (Öberg üb. d. hochdt. passivumschreibung mit sein und werden [diss. Lund 1907] 65 f.):
dô der vride wart getân
(als der waffenstillstand geschlossen war),
daz volc huop sich von strîte sân
Wolfram v. Eschenbach Parzival 413, 21 Lachmann;
doch entspricht der sprachgebrauch zunehmend der heutigen anwendung:
si wurden wol enpfangen   von vriunden ûf den wegen.
dâ ze Pazzouwe   man konde ir niht gelegen.
si muosen über'z wazzer,   dâ si funden velt.
dâ wurden ûf gespannen   beide hütten und gezelt
Nibelungenlied 1629 Bartsch-de Boor;
ere unde amtes beide
were er (St. Thomas) gerne vri gewesen,
idoch so wart er uzgelesen
von deme volke in der zit
und zu dem amte gewit
passional 54, 38 Köpke;
die bruͤnne der tieffen wurden verstopffet sampt den fenstern des himels, vnd dem regen vom himel ward gewehret 1. Mos. 8, 2;
weiland ward geschätzt der glaube nach vergosznem blute;
nunmehr wird geschätzt der glaube nach besesznem gute
Logau sinnged. 10 lit. ver.;
mein führer zupfte an der binde knoten.
ward der gelöst und frei des blutes lauf,
gewisz, nichts gutes ward mir dann geboten!
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 100;
das hübsche mädchen ward aufgefordert zu singen, wehrte sich heftig und muszte am ende doch H. Hesse Gertrud (1910) 7.
ββ)
in der perfektkonstruktion. die im ahd. aufkommende perfektumschreibung mit sein (ist gebunden) wird seit mhd. zeit durch worden verdeutlicht (ist gebunden worden). die syntaktische herleitung hat Behaghel dt. syntax 2, 202 treffend dargelegt: 'wie überhaupt sich neben das prät. die perfektumschreibung stellte, neben er was ein ist gewesen, neben er wart groz ein er ist groz worden, so stellte sich neben wart geboren ein ist geboren worden'. damit fand werden auch im perfekt wieder eingang in die passivkonstruktion; begonnen hat diese entwicklung offenbar bei verben, deren partizip adjektivischen charakter angenommen hatte:
der bin ich worden undertân,
als daz schif dem stiurman
Dietmar v. Eist in: minnesangs frühl. 38, 34 Kraus;
oder oft in verbindung mit syntaktisch gleichgeordneten adjektiven erschien:
diu hût was im überal
erswarzet gar und worden sal (dunkel)
Rudolf v. Ems Barlaam 163 Pfeiffer;
auf die gleiche weise kam es ja etwa gleichzeitig zu der seltener gebrauchten konstruktion mit gewesen, die zeitweilige dauer eines passivischen zustands ausdrückt (s. auch Öberg a. a. o. 98 ff.):
in senender nôt bin ich begraben
gewesen lange stunde
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 16948 f. Keller;
seit dem 13. jh. mehren sich die belege (s. auch die nachweise bei Öberg a. a. o. 81 ff. sowie Brodführer unters. z. vorluth. bibelübers. [1922] 1):
wan ir von ungemüete sît
enpferwet worden sêre
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 7917 Keller;
mit rimen schon zwigenge sint disiu lieder worden
gemezzen rechter lenge
Albrecht v. Scharfenberg jüngerer Titurel 499 A Wolf (in einem nachträglichen einschub);
hinach volget wie das concilium gelait ist worden gen Costenz (1. hälfte 15. jh.) Ulrich v. Richental chron. d. Constanzer concils 13 lit. ver.; (die liebe zu der verbotenen frucht) ist von den nachkomenen bisz auff uns, von tag zu tag groͤblich gebessert worden K. Scheit Grobianus 6 ndr.; (er ist) von dem sigristen mit abgoͤttischem weihwasser besprenget worden Dannhawer catech. (1657) 1, 118; es ist darin ... gar manches zerstört worden Göthe II 6, 6 W.; die merkwürdige Napoleon-scene, wodurch Fontainebleau neuerdings ... historisch geweiht worden ist Laube ges. schr. 4 (1876) 47. im nhd. ist der typus die ausstellung ist eröffnet worden (vorgangsbezeichnung) merklich unterschieden von der konstruktion ohne werden, die sich bei perfektiven verben nicht selten findet (s. Behaghel a. a. o. 2, 208 f. sowie Öberg a. a. o. 90 ff.): die ausstellung ist eröffnet (zustandsangabe); imperfektive verben hingegen können in der passivischen perfektkonstruktion worden kaum entbehren; man vgl.: sie sind gebeten / beobachtet / bewundert / gehaszt (worden). andererseits ist im älteren nhd. vielfach das hilfsverb sein erspart, doch nur im abhängigen satz (vgl. die entsprechende erscheinung unter γγ): aus disen baiden dise nachvolgende capitl, so vil es die freiherrn von Zimbern belangen thut, gezogen worden Zimmer. chron. ²1, 86 Barack; also hat man bis anhero in der meinung gelebet, das die deutsche sprache ... in reichs abschieden am besten in acht genommen worden Gueintz rechtschr. (1666) 4;
woselbst das ritter-band vom elephanten-orden
vielmehr, als du von ihm, durch dich gezieret worden
König ged. (1745) 4;
..., wovon glücklicherweise zu verschiedenen zeiten nachbildungen besorgt worden (13. 3. 1822) Göthe IV 35, 287 W. u. ö.; ich habe die katze an das nest der Gallina geführt; ich bin schuld, dasz sie gefressen worden Brentano ges. schr. (1852) 5, 100.
γγ)
beim plusquamperfekt. auch hier erscheint worden seit mhd. zeit (zur entwicklung vgl. ββ):
daz Gahmuret geprîset vil
was worden dâ ze Zazamanc
Wolfram v. Eschenbach Parzival 58, 1 Lachmann;
sus was der himelische ruom
in allen gotes orden
an im ervüllet worden
Rudolf v. Ems Barlaam 397 Pfeiffer;
die zuuor von anderen musicweisern vnderricht waren worden Fischart Garg. 272 ndr.; für solche zufälligen fremden gäste bedurfte es einer anderen (theater-)kost als für die früheren bescheidenen hausfreunde, die noch mit dem edlen wein der classischen zeit getränkt worden waren P. Heyse jugenderinn. u. bekenntn. (1900) 369. wie beim perfekt (s. unter ββ) ist zuweilen das hilfsverb sein erspart, doch nur im abhängigen satz, wo der doppelte w-anlaut der aufeinanderfolgenden hilfsverben gern vermieden wird: er aber in der weil da sie geschlagen worden, ist sicher mit den bürgen wider gehn Syracus kommen Xylander Polybius (1574) 6; sintemal ihm sein weib im haupt verruckt worden und dannenher ins toll-hausz gesperret war Francisci trauersaal (1669) 2, 290; wenn sie die engen gaͤszchen der stadt fleissig mit wein besprengen wuͤrden. als nun dieses oͤfters gethan worden (denn die Athenienser waren keine leute, die auf so etwas nicht geachtet haͤtten) hoͤrte die pest bey ihnen auf Wieland Lucian 4 (1789) 306; es blieb deshalb, nachdem der eindringling hinausgeschickt worden, noch ein gutes weilchen still G. Keller ges. w. (1889) 2, 99; auf die schweren weine, die mir zu anfang der tafel servirt worden, hatte ich bereits eine flasche Veuve Cliquot gesetzt M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 288; während man hinter den tischen sasz, auch des tanzes eine weile satt, dem vordem gefröhnt worden, ... E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 278.
γ)
futurisch.
αα)
wie unter α angedeutet, kann die einfache passivumschreibung mit der 1. stammform von werden weiterhin futurisch gebraucht werden, wie ja auch sonst die präsensformen (und bes. perfektiver verben) auf zukünftige vorgänge bezogen werden können: mouebuntur omnia fundamenta terrae dannan uuerdent iruueget alliû phundement dero erdo Notker 2, 341, 17 Piper;
... daz wirdet nimmer getân
Nibelungenlied 1559, 4 Bartsch-de Boor;
das wird auf der nächsten sitzung besprochen; doch erscheinen seit dem frühen nhd. fügungen wie (es) wird gefunden werden als deutlichere ausdrucksformen des futurischen passivs (über ansätze zu entsprechenden konstruktionen mit sollen in frühdt. zeit s. Behaghel dt. syntax 2, 201 sowie Schröder in: PBB. 77 [1955] 38, einen vereinzelten mndl. beleg des 14. jhs. bei Verwijs-Verdam 9, 2, 2182 s. v. werden [10]): derhalben zu verhoffen ist, ... was er (der Grobianus) verbeut von guͦten sitten, ... werde also wider angezuͤndt werden (1551) K. Scheit Grobianus 6 ndr.;
si uͦnt gantz yr geschlecht duͦrch-aus
von dir ab diser ærden
wærn ausgereuttet wærden
(1572) Schede psalmen 75 ndr.;
gott wird werden angeschaut
dann von mir in diesem leibe
Luise Henriette v. Brandenburg bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 5, 577;
welches denn alles ... umständlicher wird ausgeführt werden können (9. 3. 1817) Göthe IV 28, 8 W.;
könnt' ich der zukunft ihren schleier lüpfen,
zu sehn dahinter einen, der geboren
einst werden wird
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 4;
der verwundete ... weisz nicht, ob er je transportiert werden wird qu. a. d. j. 1952; wird er noch einmal getroffen werden? ebda. schon von grammatikern des 16. jhs. verzeichnet: ich wille vel werde geschlagen werden (1573) Ölinger dt. gramm. 91 ndr.; ich wird oder will gehabt werden (1573) Albertus dt. gramm. 116 ndr.; amabor ich will / werde geliebet werden (1578) Clajus dt. gramm. 85 ndr.
ββ)
das futurum II (futurum exactum) ist nur vereinzelt belegt; wie beim perfekt erscheint dabei worden: hoffentlich wird demnach in betracht des wintzers seiner pflicht und des weinberg-baues beobachtung und rechte nichts vergessen worden seyn, was diesfalls zu diesem öconomischen wercke gehoͤret allg. haushaltungslex. (1749) 3, 746; ich werde gelobet worden seyn Adelung dt. sprachlehre (1781) 281.
b)
konjunktivisch.
α)
der konjunktiv präs. der passivumschreibung (s. Behaghel a. a. o. 2, 203 f.): nisi ex duobus nascatur nibu fona zuuem chiboran uuerdhe Isidor 3, 15 Hench; respice ... an hinc quoque idem firmius approbetur, quod ... nv̌ chius tir, ube ouh fone disên rationibus keuuâret uuerde, daz ... Notker 1, 187, 25 Piper; daneben ist auch einem erbern rat angezaigt, das die roren oder rynnen an dem schonen prunnen ... bey weilen mit waschen geunsewbert werde (1485) Nürnb. polizeiordnungen 281 lit. ver.; es kan mich niemant auff nemen ader vorstehn, es wert ym dan geben vom vatter Luther 2, 112 W.; herrn staatsrath Schulz sage, dasz sein aufsatz ... abgedruckt werde (21. 5. 1816) Göthe IV 27, 16 W.; ... der nicht geduldet hat, dasz die leiche von seinem bette genommen werde Holtei erz. schr. 14 (1862) 183; einen bund ..., worin sie sich verpflichteten, ... falls einer von ihnen angegriffen werde, sich gemeinschaftlich zur wehre zu setzen Ranke s. w. 4 (1868) 49; besonders im wunsch- und zwecksatz, also auf handlungen bezogen, deren verwirklichung noch aussteht: ut consumetur praeuaricatio et ... deleatur iniquitas dhazs chiendot uuerdhe dhiu aboha ubarhlaupnissi endi ... unrehd uuerdhe ardilet Isidor 26, 3 ff. Hench;
irfirrit uuerde balo sin, thu, druhtin, rihti uuort min!
Otfrid I 2, 32 Kelle;
sanctificetur nomen tuum dîn namo uuerde geheîligot Notker 2, 633, 6 Piper;
alsus werde iu benomen
al iuwer swære
Hartmann v. Aue Iwein 5920 Benecke-Lachmann;
durch got yr mich des nit verzeicht,
helfft, das ich zu priester werd gweicht
pfarrer vom Kalenberg 204 ndr.;
... ich will im mit der hand
schreyben gar ein kleglichen brieff,
anzeygen mein lieb hoch und tieff,
dardurch er werd zu lieb geneygt,
darinnen im auch werd anzeygt
der heymlich eingang in mein kemnat
H. Sachs 2, 27 lit. ver.;
ach wacht und bätet, bätet, wacht,
damit jhr von des feindes macht
nicht werdet hintergangen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 303;
dasz sie von dir öfters gelesen werde, wünsche und hoff ich (7. 11. 1816) Göthe IV 27, 223 W.;
pressest du aus der gesamten unzähligen summe nur einen
neuen gedanken heraus, werde die summe verziehn
Platen s. w. 4, 164 Koch.
β)
der konjunktiv prät., meist in bedingungs- und absichtssätzen, also auf zukünftiges bezogen (s. Behaghel dt. syntax 2, 204): ut impleretur dhazs arfullit uurdi Isidor 28, 5 Hench; souueder sie châdîn de ce̜lo an ex hominibus sô uuurtîn sie geuangen Notker 1, 85, 30 Piper;
die scham wir alle müesen klagn,
wurd er in iwerem hûs erslagn
Wolfram v. Eschenbach Parzival 425, 28 Lachmann;
der meszner wolt dem vnlust wern
vnd wolt die linsz vom altar kern,
das do geschmecht nit wuͦrd die pfar
pfarrer vom Kalenberg 417 ndr.;
du muͤstest dennoch gleuben, das sie dich zum heiligen und merterer machten und gewis sein, das du ynn einem rechten stand und gehorsam erfunden wuͤrdest Luther 30, 2, 175 W.;
wenn er (Jupiter) allzeit würd' erhitzet,
wenn man ihn schilt ohne scheu,
so würd' er in kurzen weilen
werden arm an blitz und keilen
P. Fleming dt. ged. 1, 83 lit. ver.;
ich würde gelobet Adelung dt. sprachlehre (1781) 281; daher zuweilen auch in der verbindung mit werden (vgl.C 1 a γ): die sonst villeicht gebessert weren wurden (8. od. 9. 2. 1537?) Luther briefw. 8, 37 W.; ihre absicht würde sehr miszverstanden werden, wenn man glaubte ... Eschenburg entwurf (1783) vorr. 3ᵃ.
γ)
der konjunktiv des perfekts und plusquamperfekts:
ê icht geschaffen wære worden
daz anegenge in: ged. d. 12. u. 13. jhs. 6ᵃ Hahn;
... ez wære in worden nie
noch gegeben
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 48631 Keller;
und wiewohl vielleicht von ihnen ... dasselbe also stillschweigende bishero geduldet wäre worden (1537) Brück (?) bei Luther briefw. 8, 83 W.; ... ob die gleich von den päpstischen bischofen geweihet worden sein ebda 82; dasz bey diesem brande das vermaledeyte trompeterstückchen gerettet worden sey (3. 5. 1816) Göthe IV 27, 7 W.; die Moslemen sagen, er (Esra) sei in seinen überwältigenden schmerzen und weinen über das gefallene Jerusalem von Jehovah getroffen worden Ritter erdk., teil 11 (1844) 946. Adelung setzt an: perf. ich sey gelobet worden; plusq. ich wäre gelobet worden dt. sprachlehre (1781) 281.
c)
imperativisch, so jedoch nicht gegenüber dem typus sei(d) gegrüszt durchdringend (s. Wunderlich-Reis d. dt. satzbau 1 [³1924] 204): in his ergo venite et curamini, et non in die sabbati in then cumet ir inti uuerdet giheilit, nalles in sambuztag Tatian 103, 3 Sievers;
du solt der meide wol geborn
sichern und mîn dienest sagen:
oder wirt alhie erslagen
Wolfram v. Eschenbach Parzival 267, 20 Lachmann;
vnd Iosue sprach zuͦ dem volck. werdet geheilgt (sanctificamini) erste dt. bibel 4, 258 lit. ver.; gehet hin, meine kinder, und werdet zum himmelreich gelehrt, geschickter als euer vater, glückseeliger als eure landsleute, weiser als die alte, gemachte menschenfischer Ph. D. Burk evangelienpostille (1774) 3, 10; so auch von einigen grammatikern gebucht: sey oder werde du gehabt! (1573) Albertus dt. gramm. 117 ndr.; werde du gelobet! werdet ihr gelobet! Gottsched dt. sprachkunst (1762) 319; doch von Aichinger und Adelung dann als undeutsch bezeichnet (s. Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2 [1914] 308).
d)
infinitivisch.
α)
der einfache infinitiv des passivs findet sich oft nach dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen (über den typus wird gefunden werden und wird gefunden worden sein s.C 1 a γ): ego a te debeo baptizari ih scal fon thir gitoufit uuerdan Tatian 14, 2 Sievers; dez solte si gewert werden und der anderen zwirent alse vile (13. jh.) d. heil. regel f. ein vollk. leben 33, 16 Priebsch; das wir allenthalben hündbegreber mussen geschmeht werden (26. 7. 1537) Luther briefw. 8, 102 W.; Griechen land hat ... gehabt die sinnreichsten ... maͤnner so in aller welt haben muͤgen erfunden werden Seb. Münster cosmogr. (1550) vorr. 1; wir wollen ... von aller blintheit des herzens erloͤset werden Joh. Arndt nachfolgung Christi (1631) 2; die nit allezeit auff das geweyhte begraben werden können Grimmelshausen Simpl. 325 Scholte; diese dinge dürfen nicht historisch, sondern lyrisch verknüpft werden (14. 11. 1816) Göthe IV 27, 236 W.; denn es mochte den leuten etwas noch so unglaubliches vorgeschwätzt werden Immermann w. 1, 8 Hempel; auf den hügeln um die mühlen sollen weinberge angelegt werden Holtei erz. schr. 25 (1862) 165. gelegentlich auchals präpositionaler infinitivnach anderen verben: ... ungeacht dasz ich ... von beruhrtem klostergut mein lebenlang versorget und erhalten zu werden belehnet und eingenommen bin (28. 6. 1537) Severin Schultze bei Luther briefw. 8, 92 W.;
weil jede tugend ...
durch einen eignen thron verdient belohnt zu werden
König ged. (1745) 11;
jedes wünscht in diesem wettstreite lieber überwunden zu werden, als zu überwinden Göthe I 21, 94 W.; sowie substantiven: sie hielten auch ihr gewehr immer fix und dreheten die augen aus furcht, überfallen zu werden, immer von einer seite zur andern Kramer leben d. seehelden (1681) 553; sie konnte der wonne nicht widerstehen, zu reizen und gereizt zu werden Göthe I 23, 57 W.; ferner vereinzelt statt der grundform des aktivs (s. auch Behaghel dt. syntax 2, 205): ih sah tero lantliuto gûot ferôset uuerden Notker 1, 26, 24 Piper;
auf dasz dich einst
... mein auge nicht
geschlagen werden sehe ...
Bürger s. w. 149ᵃ Bohtz.
β)
der infinitiv des perfekts ist weniger üblich:
du insoldes nie sin worden
under fursten kint gezalt
(anf. 14. jh.) leben d. heil. Elisabeth 1196 Rieger;
ihr fürchtet, betrogen worden zu sein Sütterlin d. dt. spr. d. gegenwart (⁴1918) 274.
2)
eines (intransitiven) vorgangs- oder zustandsverbs. auch hier besteht seit frühdt. zeit die möglichkeit der passivbildung, die allerdings klar unterschieden ist von dem im älteren dt. auch vertretenen und im ndl. fortlebenden aktivischen typus uuardh quhoman Isidor 33, 1 H. (s. Behaghel dt. syntax 2, 410; Rupp in: PBB. 78, 273 sowie Kern de met het participium praet. omschreven werkwoordsvormen in: 't Nederlands verhandel. der koninkl. ak. van wetensch. te Amsterdam, afdeel. letterk. n. r. 12 [1912] 18f. u. 295).
a)
die sogen. unpersönliche (subjektlose) passivkonstruktion, deren sich der sprecher bedient, wenn er vom träger des vorgangs absehen und nur den vollzug des geschehens bezeichnen will.
α)
bei verben ohne objektsbestimmung: nu uuirt aber uuîselicho gesungen Notker 2, 179, 22 Piper;
... dâ wart vil grimme gestriten
Nibelungenlied 1608, 4 Bartsch-de Boor;
wiewol von Deütschen, insonderhait dem adl, gar ernstlich ward gestritten, ... waren inen doch die Türken ... überlegen Zimmer. chron. ²1, 91 Barack; jetzt ... soll gleich, sobald unsere rathsitzung geschlossen ist, in die kirche gezogen werden, um den segen des himmels zu erflehen Brentano ges. schr. (1852) 5, 175; noch besitzen wir das ... nicht ohne ironie gezeichnete bild, wie ..., als es gegen Ariovist gehen sollte, geflucht und geweint und an testamenten ... gearbeitet ward Mommsen röm. gesch. 3 (⁴1866) 482; in der hauptstadt ward auf Lepidus rechnung in den weinhäusern gezecht ebda 23; imperativisch: jetzt wird geschlafen! hier wird nicht gebrüllt! Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657. oft findet sich eine unpersönliche konstruktion mit es: es ward ... von der weinausfuhre gesprochen (28. 9. 1797) Göthe I 34, 1, 384 W.;
wie oft trat nicht die herrschaft schon herein!
es ward gepocht, die symphonie fiel ein
ebda I 16, 135;
es wird gebadet und getruncken (9. 8. 1816) ebda IV 27, 140; wie schon einige vorgenannte belege erkennen lassen, werden auch transitive verben zuweilen unpersönlich gebraucht:
dâ wart von tûsent helden   vil kunstlîch geriten
Nibelungenlied 1891, 3 Bartsch-de Boor;
die ... zwischenzeit ward benutzt, um wurfgeschütze und rüstungen herzustellen; tag und nacht ward ... an maschinen und waffen gezimmert und gehämmert Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 27.
β)
bei verben mit genitivischer oder dativischer bestimmungsergänzung: pulsanti aperietur clophontemo uuirdit gioffanot Tatian 40, 5 Sievers;
des wirt noch gelachet
Walther v. d. Vogelweide 40, 4 Kraus;
und swig ich nu die lenge zwar,
so wurd mein schier vergessen gar
Oswald v. Wolkenstein 122, 2 Schatz;
eischt vnd euch wirt gegeben, suͦcht vnd ir vindet, klopfet vnd euch wirt aufgetan erste dt. bibel 1, 26 lit. ver.; dem raͤgen vom himel ward geweert Zürcher bibel (1531) 4ᵃ (1. Mos. 8); damit meines stammens vnd namens bey euch in allen groben stuͤcken gedacht werde K. Scheit Grobianus 10 ndr.; dem mann kann geholfen werden Schiller 2, 204 G.; hierauf wurde durch weihgeschenke und opfer den göttern für den errungenen sieg gedankt F. Ch. Schlosser weltgesch. (1844) 1, 375.
b)
zuweilen wird auch von solchen verben ein persönliches passiv gebildet, im älteren dt. vor allem von verben mit dativischer ergänzung (weitere fälle, auch scherzhafte bildungen des typus er wird gegangen, verzeichnet Behaghel dt. syntax 2, 212): ... dasz gedachter magister unser und unsers ... lieben bruders kurfurstentumb ... ewiglichen auch vorboten wurd (16. 8. 1537) kurfürst Johann Friedrich bei Luther briefw. 8, 110 W.; sie werden auf den zahn gefühlt werden Immermann bei Behaghel 2, 212. davon zu scheiden sind allerdings fälle, die zunächst oder landschaftlich den akkusativ regieren, also ein reguläres passiv bilden:
wird ich der beider hie gewert
Wolfram v. Eschenbach Parzival 87, 4 Lachmann;
den narren spiegel ich disz nenn
in dem ein yeder narr sich kenn
wer yeder sy wurt er bericht
Seb. Brant narrenschiff 2 Z.;
die Weiland-angehörigen, besonders die einwohner der landschaft March, wurden von derselben Schwyzerlandsgemeinde durch eilboten angefragt: ob sie bei der allgemeinen drohenden gefahr sich an die Waldstätte anschliessen wollen oder nicht? Zschokke ausgew. schr. 6 (1825) 162; im bair. findet sich auch verunglücken passivisch konstruiert:
a martertaferl ...
wie s' san so an die straszen vorn,
wo oaner is verunglückt worn
Stieler ged. 1, 57 Reclam.
3)
vereinzelt auch eines rückbezüglichen verbs (reflexivums), zur bildung eines unpersönlichen passivs:
swâ mite heinlich suln sîn
zwô frowen an tugenden vollekomen,
des wart sich von in an genomen
Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 5396 Hahn;
sehen sie, lieben freunde, nun wird sich wo anders geärgert O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 418; weitere belege bei Behaghel dt. syntax 2, 214 f. diese konstruktion findet sich auch in landschaftlicher umgangssprache: dō̜o wūᵉr sech gᵉwēᵃrt da wehrte man sich Heinzerling-Reuter Siegerland 320; in der stube wird sich unterhalten man unterhält sich Müller-Fraureuth obersächs. 2, 657; haynt wært si pat heute wird sich gebadet Gebhardt Nürnberg 300.
IV.
adjektivischer und substantivischer gebrauch der nominalformen.
A.
die beiwörtlich gebrauchten partizipialformen werdend und geworden.
1)
attributiv.
a)
das part. präs.
α)
als beiwort im sinne von 'entstehend; im entstehen, in der entwicklung begriffen' (zu I B); in mannigfacher anwendung: ein werdender edelmann (1573) Ölinger dt. gramm. 101 ndr.; welche kette er (der schützenkönig) bis künfftig jahr die ehre hatt zu behalten, sodan dieselbe aber dem derozeit werdenden könige überliefern musz (1714) Berliner geschrieb. zeit. 18 Friedländer;
wer das vertraun vergiftet, o der mordet
das werdende geschlecht im leib der mutter!
Schiller 12, 309 G.;
wie der werdende schmetterling sich in den cocon spinnt Gutzkow ritter (1850) 1, 10; guter rath für werdende schriftsteller ders., ges. w. (1872) 11, 31; es war nicht eigentlich ein erwachsenes mädchen, sondern ein ding, das noch zwischen kind und werdender jungfrau stand Stifter s. w. 4, 1 (1911) 84; die verantwortung für dieses werdende wesen Polenz Grabenh. (1898) 2, 148; dem werdenden künstler St. Zweig welt v. gestern (1947) 36; die werdenden mütter A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 199. auch sonst neben substantiven der verschiedensten art, beliebt in der neueren dichtersprache (s. auch Adelung 5 [1786] 179):
ein werdender duft (nebel)
Klopstock Messias (1780) 337;
... des winters werdender tag
ders., oden 1, 173 M.-P.;
Homer mahlet nehmlich das schild nicht als ein fertiges vollendetes, sondern als ein werdendes schild Lessing 9, 111 L.-M.; die geschichte unsrer werdenden liebe (25. 8. 1789) Schiller br. 2, 315 Jonas; der aufwand ... von gewordenen und werdenden welten Göthe I 46, 22 W.; die werdende philosophie Fr. Schlegel jugendschr. 1, 244 M.; in der werdenden (eintretenden) stille Handel-Mazzetti Jesse u. Maria (1911) 70; über dem werdenden feld E. Wiechert Doskocil (1932) 61; das geheimnis eines werdenden lebens ders., missa sine nomine (1950) 260; und der sprache der wissenschaft: für den werdenden staat Ranke s. w. 31/32 (1877) 11; eine werdende theologie ebda 1 (1867) 289; das werdende grosse ostreich Treitschke hist. aufs. (1886) 2, 27; die idee des werdenden stückes G. Freytag ges. w. 14 (1887) 12; mit der werdenden gotik haben sie innerlich nichts zu tun Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 123; in einem werdenden deutsch W. Pinder d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 60. als besonders auffällige anwendungen finden sich:
da wir, wenn er kaum reift, schon den gedanken sehn
und die werdende that, eh sie hinübertrit
vor das auge des schauers
und nun andre geberden hat!
Klopstock oden 1, 92 M.-P.;
ihr singet ... dem künftig werdenden genusse entgegen maler Müller w. (1811) 1, 53; spazirgang ... die Dessauer strasze zu ende in's freie, wo bauten und erd- und wasserarbeiten betrieben werden; ein werdender marktplatz (30. 10. 1848) Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 5, 254; die damalige republik war nichts als revolution, ... ihre gesetze, wie in werdenden zeiten immer, starben schnell ab Gutzkow ges. w. (1872) 9, 113; Lucullus hatte ... seine werdende flotte in den kyprischen ... häfen verstärkt Mommsen röm. gesch. 3 (⁴1865) 301; als sähen sie dem werdenden geschehen mit denselben empfindungen entgegen, mit denen sie etwa die eröffnung eines neuen theaters erwartet hätten E. Mühsam namen u. menschen (1949) 223; von der silbernen sichel des werdenden mondes A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 138; im werdenden frühling ebda 172.
β)
selbst mit einem prädikativum verbunden (vgl. II) findet sich werdend oft beiwörtlich gebraucht:
ein ihm gefällig werdend lied
Denis lieder Sineds (1772) 96;
dessen zu grosz werdender reichtum (31. 8. 1809) J. Grimm an Savigny 76 Schoof; in einer beynahe unverständlich werdenden sprache (10. 6. 1822) Göthe IV 36, 60 W.; meine mündig werdende phantasie Tieck schr. (1828) 4, 27;
auf einmal schwebt vor meinem blick
das hier einheimisch werdende glück!
Baumeister zimmermannsspr. (1837) 6;
eine ... den ansprüchen der philosophischen forschung gerecht werdende gesamtdarstellung der wichtigen epoche (1924) W. Moog vorw. z. 12. aufl. v. Ueberweg s grundrisz d. gesch. d. philos. 3 (1957) VII; die flügge werdenden mädchen qu. a. d. j. 1926. auch in verbindung mit einem komparativ: die in Deutschland immer allgemeiner werdende bildung Göthe I 46, 9 W.; in den goldener werdenden strahlen der sich senkenden sonne Gutzkow ritter (1850) 1, 51; unter immer munterer werdendem schellengeläut Fontane ges. w. (1905) I 1, 5; eine pause trat ein, die dann und wann von Tonys allmählich seltener werdendem schluchzen unterbrochen ward Th. Mann ges. w. (1955) 1, 383. ganz vereinzelt steht ein konditionaler gebrauch: meine gegenwärtigen verhältnisse ... erlauben mir nicht, in eine verbindung einzugehen, die bey ihrer bedeutung und der nöthig seyn würdenden aufmerksamkeit auf alles, was in Deutschland geschieht, einen sehr groszen theil meiner zeit und meiner interessen in anspruch nehmen möchte Eckermann sein leben f. Goethe 1, 341 Houben.
b)
das part. prät.
α)
als beiwort sowohl im sinne von 'entstanden, gewachsen' (vgl. I B): mehr eine geschaffene als eine gewordene stadt Mommsen röm. gesch. 1 (⁴1856) 48; als auch gelegentlich von 'zuteil geworden' (vgl. I C): voller unmuth über die ihr gewordene kündigung hatte sie eine wohnung gesucht Gutzkow zauberer (1858) 1, 319; die umsicht, mit welcher sie (anrede) sich des ihnen gewordenen auftrages entledigen (19. 8. 1837) Krauseneck bei Moltke ges. schr. (1892) 1, 140.
β)
in verbindung mit einem prädikativum (vgl. II): dasz ein durch Christum gerecht wordener mensch durch die wercke der liebe noch mehr gerecht werden kan J. Scheffler ecclesiologia (1735) 2, 439ᵇ; einen ganz frisch fertig gewordenen hanswurst Göthe I 21, 18 W.; die römisch gewordenen völker Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 16; Gackeleia ... lief ihrer flüchtig gewordenen schönen kunstfigur nach Brentano ges. schr. (1852) 5, 156; auswahl der sprüchwörtlich gewordenen characteristiken Justi Winckelmann (1866) 1, 217; ruhig gewordener gesichtszüge Paul Ernst zehn gesch. 13 Potthoff. auch mit einem komparativ verbunden: eine spätere, durch schwere erfahrungen und kämpfe aller art ernster gewordene generation O. Jahn Mozart (1856) 4, 207; sowie vereinzelt mit einem prädikativum, das präpositional angeschlossen ist: es war ... ein bleibender und zur verfassung gewordener zustand Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 82.
2)
als prädikatives beiwort nur vereinzelt gebraucht: man kann nämlich die durch die objective prismatische wirkung entstandenen bilder als immer werdende und bewegliche ansehen Göthe II 2, 81 W.
B.
substantivischer gebrauch
1)
des infinitivs
a)
(das) werden:
sol mich nu hie ermorden,
von des libe ich bin geborn,
so wær min werden baz verborn
Ulrich v. Türheim Rennewart 20936 Hübner;
daz würken und daz werden ist ein meister Eckhart dt. w. 1, 114 Qu.;
wil der fried' im werden sterben
Joh. Rist d. friedewünschende Teutschland (1648) 30.
seit dem 18. jh. auszerordentlich häufig, in der sprache der wissenschaft und dichtung geradezu ein modewort: nachgehends wird beschrieben, wie Adam sich uͤber sein eigenes werden bestuͤrtzet Bodmer abh. v. d. wunderbaren (1740) 369; sie (die natur) verschwor sich wider mich schon in der stunde meines werdens Schiller 2, 216 G.; nun rede ich hier von dem seyn des lebens, d. i. eines absoluten werdens Fichte s. w. (1845) 2, 681; es kam vielmehr darauf an, die momente des historischen werdens ... zu vergegenwärtigen Ranke s. w. 25 (1874) XI;
da ging ein werden durch weite welt
Münchhausen balladen u. ritterliche lieder (1908) 106;
der mensch, als wäre er soeben aus der dunkelheit des werdens gestiegen, der erste von seiner art H. Hesse Zarathustras wiederkehr (1924) 8. oft mit einer genitivischen bezeichnung des vorgangträgers: ob aber Homer dies werden des schildes ergriffen, um gleichsam mit dem consekutiven ein coexsistirendes zu liefern? Herder 3, 147 S.;
von dem allerersten werden
der unendlichen natur
alles göttliche auf erden
ist ein lichtgedanke nur
Schiller 11, 360 G.;
man musz nämlich prismen von wenigen graden ... anwenden, wobei man das werden des bildes deutlich beobachten kann Göthe II 2, 59 W.; das werden gewisser grammatischer formen (6. 11. 1821) W. v. Humboldt br. a. Welcker 52 Haym; dies werden der deutschen philologie (4. 4. 1875) Müllenhoff a. W. Scherer in: briefw. 562 Leitzmann; das werden einer that G. Freytag ges. w. 14 (1887) 18; das dramatische im werden Wagner's Nietzsche w. I 1 (⁴1895) 502; das werden des gotischen stils Dehio kunstgesch. aufs. (1914) 25; auf diese versuche (bilder und gefühle in musik wiederzugeben) folgt nun aber nicht ein langsames werden der Bachschen tonsprache. urplötzlich steht sie fertig und ausgebildet da Schweitzer Bach (1948) 448; vom werden lyrischer gedichte erzählen E. Mühsam namen u. menschen (1949) 233. als feste wendung erscheint im werden sein: 1725, wo Herrnhut völlig im werden war Jung-Stilling s. schr. 3 (1835) 251; unsere literatur hatte, gott sei dank, noch kein goldenes zeitalter, und wie das übrige so ist unser theater noch erst im werden Göthe I 40, 81 W.; alles war noch im werden, noch ziemlich formlos: an eine befestigte kirchenverfassung war noch nicht zu denken Ranke s. w. 3 (1868) 339; im 14. jahrhundert war sie (die eigentlich städtische kultur) erst im werden Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 6; ein neuer tag war im werden H. Carossa d. tag d. arztes (1955) 196; auch im werden begriffen sein: 'statt' zwar den nahmen einer präposition ... verdienet, 'anstatt' aber noch erst im werden begriffen ist Adelung lehrgeb. (1782) 2, 118; sie (die stadt) war zu meines groszvaters zeit noch ganz in ihrem werden begriffen J. Kerner bilderbuch (1849) 31; denn in unaufhörlichem werden sind sie begriffen Ranke s. w. 38 (1874) 239. darüber hinaus findet sich werden in einer reihe zweigliedriger fügungen, verbunden mit einem sinnverwandten wort: es ist wunderbar wie alte verfassungen, die blosz auf seyn und erhalten gegründet sind, sich in zeiten ausnehmen, wo alles zum werden und verändern strebt (25. 10. 1797) Göthe IV 12, 347 W.; das waren die schönen zeiten jenes geists der consociationen, durch welchen Europa sich emporhob und alles im werden und blühen begriffen war K. L. v. Haller staatswissensch. (1816) 2, 120; ... dass sie im werden und entstehen belauscht werden müssen Gervinus dt. dichtg. (1853) 5, 432; und zweck der biographie ist stets: ein individuum in seinem eigenartigen werden und vollbringen zu zeigen Scherer kl. schr. (1893) 1, 77; besonders gleichen anlauts: denn wie sollte man an einem solchen werden und wirken nicht einen redlichen theil nehmen (11. 3. 1827) Göthe IV 42, 81 W.; die sprache in ihrem wachsen und werden belauschen Schmeller maa. Bayerns (1821) 22; das zeichen ..., dasz etwas im werke und werden war Gutzkow ritter (1850) 1, 103; werden und wachsen des deutschen rechtes Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 313; oder mit einem gegensätzlichen gefügepartner, das wesen (oder sein) und werden: dann würde das weltall ... den gipfel des eigenen werdens und wesens bewundern Göthe I 46, 22 W.; die mannichfaltigkeit des seins und werdens ebda II 6, 5; plötzlich kaufte ich einige bücher schreibpapier und begann, um mir mein werden und wesen einmal recht anschaulich zu machen, eine darstellung meines bisherigen lebens und erfahrens G. Keller ges. w. (1889) 3, 59; das ist für eine betrachtung von wesen und werden deutscher formen nicht so entscheidend W. Pinder d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 271; das werden und vergehen: der inhalt des dramas ist ein werden oder ein vergehn Novalis schr. 3, 9 Minor; alle diese welten sind dem werden und vergehen unterworfen Lange materialismus (1866) 48.
b)
der typus (das) schwarz werden: alsô uuideruuartîg uuehsal ist uuîz uuerden demo suarz uuerden Notker 1, 494, 6 f. P.; ehelich werden ist eine aerznei fur hurerei (1531) Veit Dietrich bei Luther tischr. 1, 6 W.;
fromm werden bringet glück
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 344;
die wissenschaft vom wirklich werden alles dessen, was praktisch nothwendig ist A. W. Schlegel vorlesungen üb. schöne litt. u. kunst 1, 14 dt. lit.-denkm.; sein allmähliges grausam werden (7. 6. 1882) C. F. Meyer an J. Rodenberg in: br. 109 Langm.; das immer-leerer-werden der bänke vor mir Klemperer l. t. i. (1949) 17.
2)
das part. präs.
a)
der werdende:
wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen;
ein werdender wird immer dankbar sein
Göthe I 14, 14 W.
aus seinen zügen leuchtete der glanz einer unverwelklichen jugend. die jugend des mit bewusztsein werdenden M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 21; dasz irgendwo um schöne werdende eine heimat steht ... (18. 10. 1900) Rilke br. 1899 —1902 (1931) 53; war es denn (bei dem Erlanger selbstbildnis Dürers) nicht gar so, dasz der werdende zuerst noch nicht an zeichnen dachte, als er vor dem spiegel träumte, mit den heiszen fragen der jugend W. Pinder d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 14; in dichterischer steigerung:
und du bist der, in dem ich nicht geirrt,
den ich betrat wie ein bewohntes haus.
jetzt geht dein wachsen über mich hinaus:
du bist der werdendste, der wird
(4. 10. 1900) Rilke br. 1899—1902 (1931) 368.
b)
das werdende:
das werdende, das ewig wirkt und lebt,
umfass' euch mit der liebe holden schranken
Göthe I 14, 23 W.;
welche wissenschaft ... könnte wol ein solcher zug sein für die seele von dem werdenden zu dem seienden? Schleiermacher Platon 3, 1 (1828) 372; ein ... talent, eben so fähig, das bestehende zu erschüttern, zu zerstören, wie das werdende zusammenzuhalten Ranke s. w. 16 (1870) 178; man musz froh sein, wenn die zeit erweist, dasz man wenigstens in den hauptsachen auf der rechten seite gestanden und zuweilen das werdende richtig gedeutet hat (11. 2. 1886) G. Freytag br. a. s. gattin (1912) 40; das werdende wirkt stets anders als das gewordene Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 5. mit hinzutritt einer umstandsbestimmung: weil hier ... ein immer werdendes sich zeigt ... Ritter erdk., teil 1 (1822) 9; Platon würdigte ihren (der zeit) gegenstand herab, als das immerdar werdende, aber nie seiende Schopenhauer s. w. 1, 38 Gr.; sie (die zoologie) gleicht darin der psychologie, die auch eine art von mumienschändung ist, indem sie aus dem gewordenen auf das immerdar werdende zu schlieszen ... sucht qu. a. d. j. 1929.
c)
vereinzelt fälle des passivischen typus die mitgeteilt werdenden verzeichnet Behaghel dt. syntax 2, 205; s. auch unter 3 c.
3)
das part. prät.
a)
das gewordene: mannigfaltig, wechselvoll, wie alles gewordene H. v. Barth Kalkalpen (1874) 636.
b)
das (ein) geworden sein; nur vereinzelt bezeugt: sobald ... irgend ein werden oder gewordenseyn oder werdenwerden sich vorfindet Schopenhauer s. w. 1, 358 Gr.; der sinn für geschichte ... will nicht mehr sterile epigonale einsicht in ein gewordensein ... er hält sich an die person qu. a. d. j. 1933.
c)
das part. prät. der passivumschreibung wird kaum substantiviert gebraucht: es giebt solche menschen, in der reihe der geboren wordenen und werdenden (10. 1. 1812) Rahel bei Varnhagen v. Ense Rahel (1834) 2, 6.
Zitationshilfe
„werden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werden>, abgerufen am 19.11.2019.

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