Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werdung, f., nomen actionis

werdung, f., nomen actionis
zu werden.
1)
zufrühst in zusammenbildungen prädikativer wendungen (s. auch Diefenbach gloss. s. v. incarnatio): incarnatio mensch werdung Melber voc. predicant. (Straszburg 1482) N 2; dann die sternen seind dem empfangenen behilfflich zuͦ seiner volkomnen werdung Pegius geburtsstundenbuch (1570) Ff 3ᵃ; die froschwerdung der lycischen bauern Wieland s. w. 13 (1855) 228; funfzig gulden hatt' er dem Quintus schon zur Quintus-werdung geliehen Jean Paul w. 3, 88 Hempel; es ist die universalmission des protestantismus, die fleischwerdung des logos zur totalität zu erheben F. J. Schmidt niedergang d. protestantismus (1904) 14; auch die verneinungsbildung entwerdung findet sich vereinzelt: wie im Krakauer altare wird nicht durch verkürzung, die der maler anwendet, sondern durch verkleinerung, die dem bildner gelegen ist, die steigerung aus der erdenzone zur himmlischen, die 'entwerdung' durchgeführt W. Pinder d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 326; weitere belege bei Sanders wb. d. dt. spr. 2, 2 (1865) 1568ᶜ; s. auch dessen ergänzungswb. d. dt. spr. (1885) 630ᵃ.
2)
im nhd. auch absolut gebraucht, doch tritt werdung nur gelegentlich an die stelle des substantivischen infinitivs; das werden (s. unter werden IV B 1) bleibt die üblichere vorgangsbezeichnung: mein beschreibung hie ist, dasz ich die werdung der kranckheit hie will absoluieren, auff das jhr moͤgendt verstehen, wie die kranckheit geboren werden Paracelsus opera (1616) 1, 583; gebenedeiet sei ihre wachs- und werdung, von minuten zu minuten! K. R. v. Greifenberg zwölf andächtige betrachtungen (1678) 279 (ebda noch mehrere komposita: werdungsmöglichkeit 215; -pfand 323; -saft 461); grübelt ein kind in der empfängnis über seine werdung? hats auch als greis je den ersten augenblick seines werdens klar und deutlich in seine elemente auflösen können? Herder 7, 268 S.; ich glaube, ich hätte seine (des schnees) werdung beobachten können Rebmann br. üb. Jena (1793) 8; wer nicht ... das denken über die werdung der natur und ihrer reiche von sich wegschiebt, der kann Darwins gedanken nur grosz finden Vischer altes u. neues (1881) 3, 203;
sie knieen umgeschaffen und entsündigt.
um ihre werdung saust das flügelwehn
des wandlers des beseelers der sie mündigt
in seine tiefre glorie einzugehn
Fr. Gundolf blätter f. d. kunst (1910) 99.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 274, Z. 58.

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Zitationshilfe
„werdung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werdung>.

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