werfung f., nomen actioni
Fundstelle: Lfg. 2 (1958), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 311, Z. 1
zu werfen, im neueren dt. gegenüber dem substantivierten infinitiv (s.werfen D 2) und wurf (s. d.) zurückgetreten:
wenne uns di predigere gruzen
und gotes genade uns so suzen,
daz wir rechte al unsin sin
und unse gerunge werfen an in.
von desir werfunge sagete sit
uns ein schone wort koning David
Brun v. Schonebeck hohes lied 9315 Fischer;
werffung iactamen inde iactus iactatus idem, voc. inc. teut. (Speyer 1485) nn 8ᵃ; werfung, die, et der wurf jactus, conjectio, missus, injectus Stieler stammb. (1691) 2549; die glatten ... bisem-kugeln werden nur in [!] kessel hin und her geschoben und nicht in die hoͤhe geworffen, der knausten-zucker bedarff die staͤrckste werffung Marperger kaufmannsmagaz. (1708) 316; werfung (seewurf, lat. jactus, mit und ohne marinus; franz. jet; engl. jettison; italien. getto). diese besteht darin, dasz ein schiffer, der sich in seenoth befindet, zur erhaltung seines schiffes und der übrigen ladung einen theil der geladenen güter über bord wirft Krünitz encycl. 238 (1856) 423; meist mit genitivischer bestimmung: von der werffung der wellen des meres Terenz deutsch (1499) XXIᵇ glosse; so man aber wissen will das wesen des gebornen leben vnnd sein anschickung nach ausztheilung der gemercke deren planeten, muͦsz man am aller ersten wissen vnnd besehen die werffungen dern strommen der planeten M. Pegius geburtsstundenbuch (1570) Hh 2ᵃ (ebda Hh 1ᵃ: so schauw, woͤlcher ausz den planeten seine strommen werffe auff jne); da jhm die schergen unnd das gemein volck grosse schmach mit werffung kats unnd steinen bewiesen N. Falckner frantzös. chron. (1572) 2, 23; sol er (der schiffer) ... warnehmen, damit das schiff ... also mit wahren oder ballast versehen seyn moͤge, das es weder seiner rankigkeit halben periclitire, noch der uberladung wegen, der guͤter werffung von noͤhten werde (1614) seerecht der Hansa, art. 3, 2 bei Pardessus coll. de lois marit. 2, 533; wie er dan uͤber seine halbe cartaunen kugeln von achtzig pfund eisen heraus geschossen, auch mit werffung der graneten weinig gefeyret Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 108; sie moͤchte auch gerne gruͤndlich vernehmen, wohin die werffung der kuͤsse eigentlich zielte Lohenstein Arminius 2 (1690) 190; bey werffung der spiesse wissen sie viel artige posituren zu machen Mandelslo morgenl. reisebeschr. 123 Olearius; dasz die in das dunstwoͤlkchen einfallenden sonnenstralen sich brechen ... und bey allen koͤrpern, welche unter denselben befindlich sind, eine andere werfung des schattens ... verursachen muͤssen Schwabe belust. (1741) 5, 474; im norden wurde mit werfung des stocks ... einem der landbesitz feierlich interdiciert rechtsalterth. ⁴ 1, 188; oder auch präpositionaler ergänzung: lapidatio steinigung, mit steinen werffung Calepinus undec. ling. (1598) 793ᵇ; allein das blat wendete sich alsbald; in dem ... er auch selbst sich kaum durch von sich werffung allerhand kostbarer beuten ... rettete Lohenstein Arminius (1689) 1, 948; man wird auch über seine (des Aristoteles) rapsodistische manier und über die seltsame durcheinanderwerfung der allgemeinen und der allerpartikularsten regeln der logischen, prosodischen, rhetorischen und poetischen sätze etc. lachen müssen (5. 5. 1797) Schiller br. 5, 188 Jonas; der herr hatte ... klagen wollen 'wegen werfung eines hunds an den kopf' Vischer auch einer (1879) 2, 29; wir haben euch weder um Ekkehards erziehung noch um werfung eines gastgeschenks zum fenster hinaus ersucht, sprach die herzogin bitter Scheffel ges. w. (1907) 2, 92.
Zitationshilfe
„werfung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werfung>, abgerufen am 10.12.2019.

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