Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werkchen, n.

werkchen, n.,
opusculum (15. jh., obd. Diefenbach gloss. 398ᶜ).
1)
'das verkleinernde werkchen wird mehrentheils aus bescheidenheit oder aus verachtung für buch gebraucht, aber doch mit rücksicht auf die daran gewandte arbeit' (Heynatz synonym. wb. [1795] 1, 561ᵇ): wie ich denn auch versichert bin, dz keinem redlichen manne durch das gantze werckgen mit einem worte zu nahe getreten Joh. Riemer pol. maulaffe (1679) vorr. ):( 10ᵃ; wer ... auf dem titel siehet, dass dieses werckgen zum dritten mal auffgeleget worden sey Thomasius kl. dt. schr. 114 Opel; er (Opitz) sagt in der vorrede zu diesem werckgen gleich beym eingange Bodmer cr. schr. (1741) 2, 84; ich hatte es bemerkt, dasz einige gedanken meines werkchens ... in andre bücher übergegangen ... waren Herder 13, 3 S.; kaum hatte mein erstes der natur gewidmetes werkchen einiges ... aufsehen gemacht, als ... Göthe II 6, 165 W.; man wird uns nicht zumuthen, dasz wir anekdoten aus dem der prinzessin von Conti zugeschriebenen werkchen 'les amours du grand Alcandre' hier aufnehmen Ranke s. w. 9 (1876) 28 anm. 1; im fensterbrett lag ein werkchen, auf welches er (Goethe) stumm mit dem finger deutete ... eine untersuchung eines jungen gelehrten über die Sesenheimer erlebnisse P. Ernst erdachte gespräche (1943) 41. auch pluralisch: wie weit sich herr Klotz mit seinen bisherigen Horazischen werkchen um diese (odenillusion) verdient gemacht, beurtheile ein andrer Herder 3, 362 S.; man wird von selbst zu vermuthungen der art geführt bei einer sammlung von werkchen und bruchstücken, in die offenbar so viel fremdartiges eingeflossen ist, wie in die bukolische Fr. Schlegel s. w. (1846) 4, 51; was diese werkchen und briefe selbst anbetrifft, so mögen sie wohl interpolirt sein Ranke s. w. 39 (1874) 139 anm.; seine (M. Haupts) proömien zu den Berliner vorlesungsverzeichnissen ... ein paar kleine selbständige werkchen ... sind in drei bänden ... gesammelt Scherer kl. schr. (1893) 1, 124. werkchen findet sich nicht selten als variante oder gegensatzbezeichnung neben werk: wenn man nach der dicke eines buches von diesen werck urtheilen wolte, so wuͤrde dieses nicht merckwuͤrdig seyn, man wird aber gantz andre gedancken von diesen werckchen fassen, wenn man sich erinnert, dasz monsieur Goulon davon urheber sey H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 77; nur werkchen, nicht werke waren eigentlich Lessings sache J. J. Engel schr. 7 (1804) 14; Etta hatte von einem werke oder werkchen geschrieben, das du mir demnächst senden würdest. es soll mir hoch willkommen sein (september 1865) Ranke s. w. 53 (1890) 467; es wurde auch zeit, dasz er zur arbeit kam. die leute muszten endlich ein werk oder ein werkchen, zwischen zwei pappdeckel gebunden, von ihm selber und von ihm allein geschaffen, in die hände bekommen Kluge Kortüm (1938) 678. als ironische gelegenheitsanwendung begegnet: lies, bruder, ein werkchen von mir! (auf ein schriftstück bezogen) Chr. F. Weisze lustsp. (1783) 2, 343.
2)
zuweilen auch für künstlerische schöpfungen anderer art: sodann ist an dem Dresdner werkchen der hirsch sichtbar männlich Welcker denkm. (1849) 1, 320; ich hatte damals schon ein dunkles gefühl, dasz bei jener ablehnung (einer plastik, die der verfasser für die kaiserlichen sammlungen in Wien erwerben wollte) auch das unverblümte wirklichkeitsstreben des werkchens mitspiele J. Schlosser präludien (1927) 309.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 351, Z. 36.

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Zitationshilfe
„werkchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werkchen>.

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