Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gewerkelt, participiales adjectiv.

gewerkelt, participiales adjectiv.
1)
in den bedeutungszusammenhang mit wergeln (s. d.) weist ein neuerer schwäbischer beleg: ist das obst gebrochen und hat es die nöthige lager- und hochreife erlangt, so wird es in den steinernen mahltrog oder, wie man zu lande sagt, 'werkeltrog' geschüttet ... das 'gewerkelte' obst, der 'trosz', wird nun aus dem mahltrog mittels 'gölten' geschöpft und in die presse (kelter) gebracht. (mosterei in Schwaben) gartenlaube 1867 s. 668ᵃ; vgl. auch: wergelholz bei Schmidt schwäb. wb. 518. die form des gutturals bietet bei einem worte, das aus der mundartlichen sphäre in die schriftsprache umgesetzt wird, keine groszen schwierigkeiten. immerhin müssen auch die anhaltspunkte beachtet werden, auf die sich die erklärung des particips aus werk, werkeln stützen kann.
2)
nicht ganz sicher ist auch die bedeutungsrichtung des folg. ält. beispiels: was ... unser zimmermann ... gen Vilshofen bringen soll(en), zum ersten von Neuburg die grosse gewerkelte büchsen, die meister Ehrhard von Salzburg gemacht hat ... zu jeder büchsen 60 stein, die dann gerecht darein seien. item pulfers eine nothdurft zu inn laden. bayr. landtagshandl. (kriegsrüstung von 1468) 7, 234 Krenner. es handelt sich hier um eine steinschleuder, die bereits als feuerwaffe bedient wird. gewerkelt könnte auf ausrüstung und gebrauchsfertigkeit deuten (montiert); dies fände schon darin seine erklärung, dasz zimmerleute, werkleute zunächst mit der maschine zu thun hatten. vgl.: buchsen und das gewerf ... und unser meister, die domit werchtent. Basler chron. 4, 193, s. gewerklich und gewerkt.
3)
in diese bedeutungsrichtung würde sich auch die folgende übertragene verwendung gut einfügen: als Neptun in unsere nähe gekommen war, hielt er uns vor angst schweisztriefend eine ihm eingewerkelte rede. Maximilian I. von Mexico. aus meinem leben 5, 209, ebenso 119.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5653, Z. 12.

werkel, n.

werkel, n.,
vereinzelt bezeugtes deminutivum von werk (vgl. werkchen und werkelchen): werckel opusculum, voc. inc. teut. (Speyer, um 1485) nn 7ᵇ; so wird doch dem geneigten, gemuͤths-veraͤnderung liebendem leser solche durch und durch selbst inventirte schreib-art und vorstellung hoffentlich nicht unbehaͤglich und unerbaulich vorkommen, noch dahero das werckel selbst ... vor ein fabuloses und selbst ausgesonnenes figmentum und nichtsnutzendes gedichtel halten Jesuiter rahtsstube (1684) ):( 2ᵇ; so ein werkel (uhrwerk) nutzt sich halt auch ab, wie wir menschenkinder Holtei erz. schr. (1861) 17, 29. im österreichischen hat werkl die bedeutung 'leierkasten, (spött.) maschine, betrieb' (Jakob Wien 218): sie singen, als wenn's auf einem werkel abgerichtet wären Meisl theatr. quodlibet (1820) 4, 71; ein werkel, wie man die drehorgel in Ungarn nennt Blüthgen zigeunerweisen, in: zs. f. dt. spr. 9, 168; so schon von Loritza id. Viennense (1847) 142 und Castelli ma. in Österr. (1847) 265 gebucht; s. auch Kretschmer wortgeogr. 325 und vgl. werkelmann (2).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 353, Z. 19.

werkel, m.

werkel, m.
1)
'taglöhner bei bauern', s. Fischer schwäb. 6, 2, 3405.
2)
kurzform von werkelmann (2), s. Kretschmer wortgeogr. 325.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 353, Z. 39.

werkeln, vb.

werkeln, vb.,
zu werken wie makeln, mäkeln zu maken (s. teil 6, 1489), wohl an das früher bezeugte werkeltag (s. dort) angelehnt.
1)
'arbeiten, sich betätigen' (s. Fischer schwäb. 6, 1, 709 und Jacob Wien 218): ein schlechter, der jhm selbst arbeitet vnnd werckelt, vbertrifft den hoffertigen, dem brod mangelt Lehman floril. polit. (1662) 3, 85; besser muͤszig gegangen als uͤbel gewerkelt Körte sprichw. (1837) 41; sich rühren, schaffen und werkeln früh und spät, dann kommt man vorwärts J. Grosse ausgew. w. (o. j.) 3, 207; dasz ich ... den tätigsten raum meines daseins im hauptberuf als volksschullehrer ausgefüllt habe, nicht blosz als stundengeber und werkelnder amtsinhaber, sondern ... getragen von der bedeutsamkeit einer tätigkeit, die darauf aus ist, das volk in seiner ... bildsamsten schicht, der jugend, so zu formen, dasz ihr dann die lebensbehauptung und -erfüllung leichter gelingt H. Stehr stundenglas (1936) 101; ohne die leute, die jahraus, jahrein rackerten und werkelten ... jemals zu fragen O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 177 u. ö. wie schon einige vorangegangene belege erkennen lassen, findet sich werkeln nicht selten in ausdrücklichem gegensatz zu werken oder auch wirken, arbeiten gebraucht (vgl. werkelei); besonders in verbindung mit adverbialen bestimmungen, z. b. weiter-werkeln: man werkelt weiter, begrenzt durch einen viel zu engen etat. aber werden wir damit der veränderten rolle gerecht, die das krankenhaus in unserem dasein spielt? Berliner zeitungen a. d. j. 1958. vom tönen eines leierkastens (österr. werkl, s. u. werkel, n.): wenn unten im hofe ein leierkasten melancholisch werkelte R. Schaukal Mimi Lynx (1904) 37.
2)
mit präpositionaler bestimmungsergänzung: alsdann werkelt der mann mit seines gleichen wie der töpfer mit dem thon Klinger neues theater (1790) 1, 115; während ein zweiter den alten voranführte wie ein zaumrosz, werkelte ('drehte', s. Jakob a. a. o.) ein dritter auf dem rücken des bettelmannes alle weisen, die im (leier-) kasten staken Rosegger schr. (1895) I 9, 198; ihr werkelt auf eurem balladenwerke B. v. Münchhausen standarte (1916) 193; nun arbeitet, werkelt und formt er daran W. v. Scholz erz. (1924) 258; Kortüm hängte den rasierspiegel an den fenstergriff und werkelte mit seife und stahlklinge in aller behaglichkeit Kluge Kortüm (1938) 381; während alles, was sich rühren konnte, auf den äckern und feldern werkelte O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 343.
3)
substantiviert: als ich endlich nach den geistigen sah, nach denen, deren arbeit allein mit sinn begabt das werkeln der manchen, da waren sie ... gebannt und totgeschwiegen Burte Wiltfeber (1912) 334; er ging in die werkstatt hinaus und fing an, die stiefel vom Neuchl in Terzling zu besohlen ... mitten im heftigsten werkeln kam die Hauniglin ... zur tür herein O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 25.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 354, Z. 55.

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Zitationshilfe
„werkeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werkeln>.

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