Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werker, m., nomen agentis

werker, m., nomen agentis
zu werken (s. dort und vgl. wirker sowie ²werkler, werkner).
1)
opifex, operarius (Stoer dict. [1663] 602):
es sind mins hertzen hend und bein
zu sammen auch gelidet:
die hastu ein gesmydet
vest in der mynnen kerker.
nie wart so gut kein werker,
der mir zubrechen mocht die bant
(um 1340) minneburg 2554 Pyritz;
wann wirdig ist der wercker (1466, ab 1475: arbeyter) seins essens dignus enim est operarius cibo suo erste dt. bibel 1, 36 lit. ver.; hie schryend aber allweg die fulen werker (dann guͦter christlicher werken thuͦt nieman minder denn die, so allermeist nach werken schryend): soll man nit gsatz haben guͦtes ze thuͦn? (hier für die 'werkgerechten', vgl. wirker teil 14, 2, 573 [4]) Zwingli dt. schr. 1, 220 Sch.; es stuͦnden auch vier oder fünff knappen daran (im stollen), die hetten grosse arbeit, ehe sie das zeh metall mit schrotmeiszlen vnd haͤmmern gewinnē mochten ... do kompt es anderen werckern in die hend, nemlich die es scheiden vnd weschen Münster cosmogr. (1550) 532; nachdeme nun der raht nicht bewilligen wolte, wapneten sich allerhandt wercker, zogen fuͤr das muͤnster, entsetzten dinstag vor Valentine den raht und erwoͤhlten einen newen raht und ammeister ausz den handtwercken A. Goldmeier Straszburg. chron. (1636) 21; im 17. jh. wird werker — wie werken (s. dort) — unüblich. Kramer dict. (1678) 1230ᵃ verweist unter wercker auf arbeiter, und Stieler erklärt: werker, der und werkerinn, die operarius et operaria, laborans mas et fœmina, itidem in simplici exolevit, usitatissima vero sunt. feuerwerker ... handwerker ... kunstwerker ... rauchwerker ... scharwerker ... schmelzwerker ... tagwerker ... wunderwerker stammb. (1691) 2558. wiederaufgenommen dann in neuerer dichtung:
es sanken haupt und hand der müden werker;
der stoff ward ungefüge, spröd und kalt
St. George d. teppich d. lebens (1908) 24;
... zog ich einfach die groszen gelben fenstervorhänge hinter mir zusammen und machte werk (weihnachtskrippe) und werker unsichtbar Carossa eine kindheit (1922) 88; aber welch ein sünder ich war, ihr freunde, ein mörder, den menschen feind, der teufelsbuhlschaft ergeben, so habe ich dem ungeachtet mich immerfort emsig befleiszigt als ein werker Th. Mann Faustus (1948) 792; als abschätziger ausdruck bei C. Hauptmann: weil er auf einmal jetzt auch gefühlt hatte, dasz in den werken der vergangenheit sich klar menschen und werker unterscheiden: menschen, die die welt spiegeln, ihre eigene und die ewige zugleich, kristallklar in ihrem einen wesensblick, und werker, die im dienste der gesellschaftsmächte zusammenhäuften, redeten, kommentierten, alles zu wissen meinten, nicht schauten mit eigenen sinnen, nichts lebten aus blut und atem, als einen widerschein fremder welten, fremder gefühle und fremder entschlieszungen Einhart d. lächler (1907) 2, 42. — mundartlich ist werker kaum verbreitet (vgl. die nachweise bei Fischer schwäb. 6, 1, 707 f.); die nd.-md. formen sind formvarianten von wirker (s. teil 14, 2, 572).
2)
mit genitivischer bezugsgrösze oder possessivum: wann nit die hoͤrer der ee die sein gerecht bei got: wann die wercker der ee (factores legis) die werdent gerechthaftigt erste dt. bibel 2, 16 lit. ver.;
geht! werfft den schalck in einen kercker!
morgen der hencker wird sein wercker
H. Sachs 2, 18 lit. ver.
als bezeichnung gottes, des schöpfers:
die sule zu schatel marveil
waz an gezirde niht so rich.
kein aug gesach nie ir gelich.
got selber waz ir werker
(um 1340) minneburg 157 Pyritz;
vnd ich bewer gerecht meinen wercker (et operatorem meum probabo iustum) erste dt. bibel 7, 221 lit. ver.;
Jehovah, hoehr, der du mein werker,
was gegen dir man heimlich wuͤrkt
Q. Kuhlmann kühlpsalter (1684) 1, 144.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 363, Z. 58.

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Zitationshilfe
„werker“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werker>.

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