Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werkführer, m.

-führer, m.,
der einer werkstatt oder arbeitsstelle vorstehende, die arbeiten in vertretung und im auftrag eines unternehmers leitende; 'frz. piqueur, contre-maître, chefouvrier, engl. master-worker, fore-man' (Mothes baulex. [1882] 4, 475), seit anfang des 19. jhs. sehr verbreitet (vgl. auch nordfries. wêrkförer Jensen 692): ein schreiben des einstweiligen werkführers seiner mutter forderte Alberten dringend auf, unverzüglich nach hause zu kommen Schreyvogel ges. schr. (1829) 1, 255; dort (in einer lederei) zeichnete er sich durch seine kenntnisse aus, er ward endlich werkführer, und der herr des gewerbes vertraute ihm mehrere geschäfte an und übertrug ihm die ausführung mancher versuche zu neuen bereitungen (zw. 1847 u. 1852) Stifter s. w. 5, 1 (1908) 105; er kaufte vom werkführer (der schneiderwerkstatt) ... sämmtliche abgänge feiner tuche und sommerzeugstoffe Holtei erz. schr. (1861) 19, 111; sie liesz fleiszig und ordentlich darin (im steinbruch) arbeiten unter der leitung eines guten fremden werkführers und gründete zum ersten mal die unternehmung, statt auf den scheinverkehr, auf wirkliche produktion G. Keller ges. w. (1889) 4, 162; (herzog) Bernhard war beschäftigt, den südlichen teil des schlosses wohnlich und schön einrichten zu lassen. er wies die werkführer an Laube ges. schr. (1875) 15, 470; die trauernde witwe (des tischlermeisters) wollte den Lucian zum werkführer erheben, allein dieser zog es vor, auf eigene faust ein tischlergeschäft zu eröffnen Rosegger schr. (1895) II 15, 343; insbesondere dann für den betriebs- oder abteilungsleiter einer fabrik (vgl. werkleiter und werkmeister): der werkführer einer fabrik wird meist reicher gelohnt als berühmte denker und dichter für ihr literarisches schaffen W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 233; zuerst wandten die einzelnen korporationen sich an ihre werkführer und schickten diese mit ihrer forderung an den fabrikherrn (1864) brief Hamburger arbeiter, bei Lassalle ausgew. red. 2, 310; da verkaufte er haus und hof und richtete die fabrik ein und machte Rittern zum werkführer K. Fischer denkw. u. erinn. e. arbeiters ²97 Göhre; der ankläger ... war ein kleiner, gedrückter mann, ein werkführer vielleicht aus einer der rüstungsfabriken E. Wiechert missa sine nomine (1950) 317; vereinzelt auf die leiter wissenschaftlicher gemeinschaftsarbeit übertragen: vor allen dingen würden wir ... unsre gemeinschaftlichen arbeiten fortsetzen; handlanger finden sich hier schon, aber keine baumeister und werkführer ... für gewisse fabrikmäszige, mechanische arbeiten gebrauchten wir die handlanger (1864) K. Müllenhoff an W. Scherer, in: briefw. 98 Leitzmann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 365, Z. 52.

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Zitationshilfe
„werkführer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werkf%C3%BChrer>.

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