Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werkheiligkeit, f.

werkheiligkeit, f.,
wesen und gebaren des werkheiligen: denn ... gott dienet man mit der messe nicht, sondern lestert vnd schendet damit vnsern herrn Jhesum Christ ... auff das ... schrecklichst, als da durch der glaube vertilget vnd die werckheiligkeit an seine stet ist auffgericht Luther vorr. zum buch Daniel (7, 383 Bindseil); darumb lesst er alles faren, was nicht Christus ist, möncherey und werckheiligkeit (1537) ders. 45, 514 W. u. ö.;
vermein, durch diser werck anzal
selb verdienen ewigs nachtmal,
die angebotten gnad ausztreiben
und in ir werckheyligkeit bleyben
H. Sachs 6, 334 lit. ver.;
ach gott, hieraus wird wol erkent,
wie alle muͤnch sind sehr verblend
vnd was sie fuͤr ein teuͤffel reyt,
nemlich geitz vnd werckheiligkeit
Fischart v. s. Dominici artl. leben 170 Kurz (v. 1484);
und obgleich die eigene werkheiligkeit ... dawider murret und grunzet (dasz der verlorene sohn wieder aufgenommen werden soll) ... darnach fraget der vater nicht Jac. Böhme s. w. 4, 238 Schiebler; so noch im neueren dt.: mitten auf dem wege der werkheiligkeit liessen sie die menschen verschmachten Herder 31, 29 S.; meine phantasie that haussuchung und fand die jüngeren kinder mit einiger werkheiligkeit in einem neuen leben wandeln, indess die älteren mehr durch glauben als gute werke selig werden wollten Jean Paul w. 6, 125 Hempel; deren (der pharisäer) heuchlerische werkheiligkeit war einer gründlichen reform bedürftig D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 5, 354; wir sprachen auf jenem spatziergange ... auch viel von der 'werkheiligkeit' (7. 2. 1847) Bismarck br. a. s. braut (1900) 18; denn solche werkheiligkeit ist ein müszig ding J. T. Müller d. symbol. bücher der ev.-luth. kirche ⁵195; selbst die paulinische rechtfertigung durch den glauben, die aller werkheiligkeit und eignem verdienst des menschen entgegentritt, ändert hieran nichts Nic. Hartmann ethik (²1935) 77. vereinzelt pluralisch: der pfarrer tröstet ihn mit seinen werkheiligkeiten und seinem schutzpatron Gervinus dt. dichtg. (1853) 3, 82.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 372, Z. 53.

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Zitationshilfe
„werkheiligkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werkheiligkeit>.

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