Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werklein, n.

werklein, n.,
opusculum (Frisius dict. [1556] 284).
1)
deminutivum zu ¹werk I: und ist das nút ein klegelich ding das ein geistlich mensche also mit allem sime flisse unde minne mit emzeklicher uͤbunge ist nacht und tag gekert uf sin werklin, uf sine roͤke, das er echt gespinne, oder was werkes das ist Johannes Tauler pred. 360, 12 Vetter; vmb daz min vnderteniger wille zuͦ üwern fürstlichen gnaden dester ee mich in lust fuͦrte zuͦ volbringung disz mines fürgenommen wercklis, das klain ist Niclas v. Wyle translationen 79 lit. ver.; iam audis, qui sint, qui de Christo praedicant ut nos et tamen interim erwelen ein wercklein gegen got ... per opera debeamus salvari (1524) Luther 15, 687 W. (vgl. 10, 1, 2, 436 und 30, 3, 314).
2)
deminutivum zu ¹werk II.
a)
wie werkchen 1: ihr schreibschuͤlers, wellent also dysz mein klein wercklein ym besten an nemen Hans Fabritius büchl. gleichstimmender wörter aber ungleich verstandes (1532) 39 John Meier; dieweil ich mich aber wol darneben zu ersehen gehabt, solchs mein angeregtes wercklein werde nit weniger wie ander vnd viel kuͤnstlichere buͤcher vnd schrifften auch seine tadler ... finden Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) a 3ᵃ; es ist auch solches mein geringschaͤtziges werklein der gelehrten welt nicht unangenehm gewesen Zesen verm. helikon (1656) 1, 2; so haben auch einige liebhaber dieses werckleins, wiewohl unbekannter weise durch den verleger briefe an mich befördert Schmidt rockenphilos. 3 (1707) A 2ᵇ (daneben: gegenwaͤrtiges werckgen ebda 1, (a) 4ᵇ); wenn du (Zelter) das werklein in ruhiger zeit wieder liesest, so nimm es nur symbolisch (14. 10. 1816) Göthe IV 27, 199 W. (neben: werkchen II 6, 165); daneben legte ich hand an das kleinste werklein, das aber das wichtigste weltbuch und für uns von groszer bedeutung werden könnte (1851) Stifter briefw. 2 (1918) 59; das um 1250 entstandene werklein erlebt im 13. jahrhundert noch verschiedene bearbeitungen Fr. Ranke in: annalen der dt. lit. (1952) 189. oft im plural: der studente kam darzu und fragte, wie ihm die wercklein (traktate) gefielen (1673) Chr. Weise erznarren 111 ndr.; die ersten streifereyen dahin wagte er (Klotz) in ein paar werklein, die, höchst arm an gedanken und sachen, mit deutschen worten, aber wahrlich nicht deutsch geschrieben waren Lessing 10, 432 L.-M.; ich mache ihre (jesuitischer schriftsteller) werklein hier selbst bekannt Nicolai reise d. Deutschl. (1783) 8, XIX; Fixlein schrieb kleine werklein von 1⁄12 alphabet, die er im manuskript ... in die literarische stufensammlung seines bücherbrettes mit einstellte Jean Paul w. 3, 73 Hempel; mein erstes beim erwachen aus stärkender ruhe ist gewesen, dem spender der gestrigen nachtmusik eines meiner gedruckten werklein zu senden Holtei erz. schr. (1861) 38, 57.
b)
für schöpfungen anderer art: vnerforschliche automata, selbsbewegliche vnnd gleichsam lebhafte wercklin vnd instrumentlin ersinnen Fischart w. 3, 92 Hauffen;
allein dasz du beim werklein meiner hand
vor kennern meinen namen nanntest,
das war's, was ich nicht nöthig fand!
König ged. (1789) 1;
Romulus und Numa, wenn sie eine räuberhorde zum regelmäszigen staat bildeten, thaten viel; aber was ist ihr werklein neben dem russischen kolosz, umringt von ungleich polizirtern staaten? Zschokke s. ausgew. schr. 16 (1825) 17;
ihr, die ihr klebt an eurem werkgerüste,
um holz und stein nach eurem mass zu hauen,
damit nur jeder lass' ein werklein schauen,
sich jeder nur als kleiner schöpfer brüste!
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 8;
denn von den scholaren (kunstschülern), wie sie im durchschnitte sind, war nichts zu lernen, und sobald die jungen leute durch den verkauf eines werkleins sich als angehende meister betrachten lernten, wurden sie in der mitteilung ihrer kunstgeheimnisse zugeknöpft und einsilbig G. Keller ges. w. (1889) 2, 138; man sieht das getane ding an, dreht es missmutig hin und her und will seinen wert als stoff und als verbrauchte zeit wohl bezahlen — dass aber der handwerker ... selber in diesem werk oder werklein steckt ... mag man nicht hören Kluge Christoph Mahr (1934) 146. pluralisch: also gefallen wir unns selbs wol, in unsern wergklin, ob wir sie gleich verstolen und heimlich haben J. Menius auslegung ... uber die spruch Salomo (1526) 33ᵇ; denn Michelangelo hatte mit einem sehr bezeichnenden toskanischen schulausdruck gesagt, die 'schöne zeichnung' (bel disegno) dieser werklein (der medaillen von Cellini) sei derart, dasz sie, im groszen ausgeführt, die welt in erstaunen setzen müszte J. Schlosser präludien (1927) 352. bildung mit verbindung beider deminutivsuffixe: uͤber dessen obgedachtes werkleinchen damals noch kein verleger sich erbarmt hatte J. G. Müller d. herren von Waldheim (1787) 4, 51.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 377, Z. 19.

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Zitationshilfe
„werklein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werklein>.

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