Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werklos, adj.

werklos, adj.
1)
keine guten werke (zur erlangung ewiger seligkeit) vollbringend (vgl. ¹werklehre und ¹werkler); so in den auseinandersetzungen zwischen katholiken (werklern) und protestanten (werklosen), welche die guten werke nicht als weg zur seligkeit, sondern lediglich als auswirkung des glaubens anerkennen und werkgerechtigkeit, -heiligkeit (s. dort) ablehnen: szo wenig alsz die natur auszer dem glawben mag mussig und wercklosz seyn, so viel weniger mag der glaube auch mussig sein (1521) Luther 8, 371 W. (s. auch ebda 45, 688f.); got ist der streittet, dero sundenn erwurget, wir stehenn stiel, und schweigen stiel, und seind in vergebung der sunden gar werckloesz Carlstadt v. d. emphahern, zeichen u. zusag d. hl. sacraments (1521) d 1ᵇ; der nit wercklos, sonder werckreich ist ... allein desz glaubens ... mangelt er (d. gleisner) Seb. Franck chron. d. Turckey (1530) M 1ᵃ; so koͤmpt bischoff Bernhart und verkeret jnn seiner confession unsere lere, als lereten wir, der glaub moͤchte gar keine werck bei sich leiden, als ob wir einen ommechtigen, wercklosen, todten glauben predigten Urbanus Regius widderlegung d. münster. bekentnus (1535) O 2ᵇ; also haben wercklose leute nicht den lebendigen, selig machenden, sieghafftigen glauben J. Gigas post. (1595) 3, 108ᵃ; es gilt also durchaus kein unbezeugter, that- und werkloser glaube, sondern des glaubens dasein wird nach dem segen, den er den brüdern in heiliger liebe wirkte, ermeszen W. Löhe evangelienpost. (1848) 2, 177ᵇ.
2)
ohne werk.
a)
im sinne von 'untätig, unwillig oder unfähig zu arbeiten' (s. Lexer 3, 773 und vgl. wirklos teil 14, 2, 587): die stat ... in der er claine, mutterlose, vnerzogne kund, ain alten, wercklosen vater, hab vnd gut hat muessen verlassen (um 1510) Hanns Metzger v. Mengen in: urk. z. gesch. Maximilians I. 491 lit. ver.;
hat dich gemacht inn alle weg
hinlessig, wercklosz, faul und treg
H. Sachs 5, 13 lit. ver.;
dann der man wirdt so unlustig und maszleidig, dasz er gleich wercklos wirdt, kompt gar von seiner arbeit, gewerb und handthierung C. Huberinus spiegel d. hauszucht (1553) 217; wann wir voll weins seynd, so werden wir wercklosz, verdrossen und gehen umb, wie der schatten an der wandt Albertinus de conviviis (1604) 58ᵇ; wie schaͤndlich ohne gruͤnenden zweigen weiset das wercklose und muͤsziggaͤngige leben Treuer Dädalus (1675) 1, 165; s. auch Schmeller-Fr. bayer. 2, 986 und Fischer schwäb. 6, 1, 710.
b)
besondere anwendungen: hie sol der mensche úber formet werden ... so muͦssen alle die formen von not dannan ...: das kennen, das wissen, das wellen, die wurklicheit ... us disem mag man sprechen das man werde kennelos und minnelos und werklos und geistlos Tauler pred. 257, 36 Vetter (vgl.werkelos 126, 19); ach gott du ewige ruhe vnd vnwandelbare krafft, du werckloses gut Val. Weigel soli deo gloria (1618) 56; die affect oder wercklose barmhertzigkeit (ist) wann man ... gvtes thut ... ohne affect der erbarmung Dannhawer catech. (1657) 2, 167; um mit den werck-losen (unbeschäftigten) sinnen eine andre gattung narren zu beleuchten Lindenborn Diogenes (1742) 1, 292;
werklose hummeln
hört die bien' im vorbeifliehn
J. H. Voss s. ged. (1802) 3, 67;
die willig entjochten rinder rasten
wie die werklosen (ruhenden) herden der weide
M. Greif ges. w. (1895) 1, 52;
das werklose schaffen (von bildern in der vorstellung) schüttelte ihn Kluge Kortüm (1938) 210. substantiviert: ich gehe, wie kunstfreudige werklose mit lied und melodie bettelnd an den straszen vorbei, mit meinen arbeiten von redaktion zu redaktion (1. 4. 1933) H. Lersch br. 220 Jenssen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 382, Z. 7.

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Zitationshilfe
„werklos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werklos>.

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