Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werkmann, werksmann, m.

werk(s)mann, m.,
wie ae. weorcman und wohl auch an. verkmađr als entsprechung von lat. operarius aufgekommen (s. Betz dt.-lat. [1949] 111); seit mhd. zeit von handwerksmann und (hand-)werker, dann auch von arbeitsmann und vor allem von arbeiter zurückgedrängt (s. auch unter werkelmann). schon bei Frisius dict. (1556) 918ᵇ wird nach werkmann auch arbeiter und tagloͤner als glossierung von operarius genannt, und Adelung erklärt: 'der werkmann, plur. die -männer, oder werkleute ein arbeitsmann, arbeiter; ein im hochdeutschen veraltetes wort' wb. 5 (1786) 184. auch in den modernen mundarten ist werkmann nur noch wenig verbreitet (s. Schumann Lübeck 69; Tonnar-Evers Eupen 225 und schweiz. id. 4, 286). — wohl von jeher wenig gebräuchlich war der plural, für den sich nur wenige belege finden, da seit Notker auch werkleute (s. dort) zur verfügung steht: tero uuerhmanno sito Notker 1, 110 Piper;
die wercman
Heinrich v. Veldeke Servatius 5386 Frings-Schieb;
gûte wercman
(1301) d. kreuzfahrt d. landgrafen Ludwigs d. fr. v. Thüringen 3827 Naumann;
werkmanne vnde vrowen (11. 1. 1442) Lübeck. urk.-b. 8, 73; zween werkmann (1742) österr. weistümer 5, 341; handarbeiter oder werkmänner Hampel Hephata (18 6) 93; die werkmänner Stifter s. w. (1932) 11, 112.
1)
operarius (s. u.), opifex (12. jh., ahd. gloss. 3, 139, 46 St.-S. und 3, 412, 15):
uelut operarium malum
se indicet et indignum
samaso uuerahman
hubilan sih suannet
... unuuirdigan
(anf. 9. jh.) kl. ahd. sprachdenkm. 215, 25 Steinmeyer (Ben.-regel);
der drâhsel (drechsler) samftor uuirchet, danne ander dehêin uuerchman Williram hohes lied 92, 3 Seemüller; und ist er (der verwundete) ain werchman, swaz er an werchen versoumet hat mit sin selbes lib, dez sol er (der täter) im auch ab tuͦn (um 1300) stadtb. v. Augsburg 116, 37 Meyer; wann ein ieglicher arbeiter oder werkman ist wirdig sines lones (mitte d. 15. jhs.) Stretlinger chron. 47 Baechtold (ähnlich schon 1343 in: Matthias v. Beheims evangelienb., Luk. 10, 7 B.: wan der wercman [operarius] ist wirdec sînes lônis; vgl. auch Brun v. Schonebeck hohes lied 12515 Fischer);
gesprech, wer der künstlichst werckman sey
... bey mir ich selbert schetz,
der feinst werckman sey ein steinmetz
(1541) H. Sachs 7, 471, 1 und 472, 12 lit. ver.;
man arbeitet mit lust, der werckmann klagt allein, dasz ihm noch gar zu kurtz der tag im sommer sey Treuer Dädalus (1675) 1, 111; in der schmiede hat aus ihnen (den kohlen) der werkmann eben ein glühendes stück eisen herausgenommen Welcker denkm. (1849) 3, 524; so kommt es ..., dasz die lebensanschauung der blos geistig arbeitenden stets sehr ... tiefsinnig ist, aber gesünder, ... lebenslustiger ist die des bauers und werkmannes Rosegger schr. (1895) II 6, 150 (ders., d. försterbuben [1907] 187: werksmann);
kaufmann, werkmann, student, soldat,
bettler in fetzen, hure im staat
...
werkmann bebt vor des winters noth:
fänd' ich, ach fänd' ich mein täglich brod!
hungernd wartet die kinderschaar,
's ist ein böses, ein böses jahr
Henckell Berliner abendbild, in: mod. dichtercharaktere (1885) 279 Arent-C.-H.;
vereinzelt im sinne von 'helfer, diener, handlanger':
aber wer daz spricht gelich,
wan ain hochvart wirt derhaben
...
der ist dez tiuͤfelz werckman.
er ist got ze knecht ummær
Heinrich der Teichner 497, 84 Niewöhner;
er (Joseph II.) diente dem staat als taglöhner, als unablässiger werkmann Herder 17, 61 S.;
der mann der wissenschaft ist nur ein werkmann,
bei einem baue, dessen riesenplan
er weder kennt, noch auch nur ahnen kann
Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 10, 151.
2)
im älteren dt. oft gleichbedeutend mit (werk- oder bau-)meister und künstler; artifex (13. jh., ahd. gl. 3, 383, 27 St.-S.), architectus (15. jh. Diefenbach gloss. 46ᵃ):
daz wercmannes wisheit
nach rehter spacheite
nie steine baz geleite
Gottfried v. Straszburg 10974 Ranke (vgl. 6628);
meister Joest zu eynem parlerer und wergman uffzunemen und im jars 10 fl. zu geben bürgermeisterbuch v. 1463 bei K. Bücher d. berufe d. st. Frankfurt a. M. i. mta. (1904) 92ᵇ; einen werckman, genant maister Hans (1467) städtechron. 5, 314 anm. 5 (Augsburg); der (meister Hanns Beulenmüller) ward zu derselben zeit für ganz verrüempt und für ain künstlichen werkman geachtet (um 1570) Zimmer. chron. ²3, 102 Barack; ein trefflicher kuͤnstler vnd werckman Mathesius Sarepta (1571) 9ᵃ; s. auch Fischer schwäb. 6, 1, 711. ähnlich noch bei Herder: für lehrlinge ist sein lehrbuch eine zu dunkle und in den schönheiten zu verschlossene encyklopädie der malerei; desto angenehmer aber einem leser, der eben so sehr werkmann (fachmann, sachverständiger) seyn will, als er leichte und galante betrachtungen anhören ... kann 1, 219 S.
3)
bildner, schöpfer; fabricator (Frisius dict. [1556] 284ᵃ); eng an 2 anschlieszend, meist mit bezug auf gott:
der uil here werchman dar nach einen leim nam:
also der tuͦt der oͮz wahse machet ein bilde guͦt,
also proͮchet er den leim
(11. jh.) genesis 5 Diemer;
wo hat ie werkman (D: werckmaister) gewurket so behendes vnd reiches werkstuck, einen so werkberlichen kleinen klosz als eines menschen haubet? (1400) Joh. v. Saaz ackermann 31 Hübner; als der best werkman aller ding usz dem erden klosz Adam mit syner aigen hand geformet hat (1473) Steinhöwel de claris mul. 22 Dr.; werckman oder schopffer oder macher opifex, conditor, factor voc. theut. (Nürnberg 1482) nn 8ᵇ; ich euch fuͤrhalt den Vulcanum; der dann ist der fabricator vnd werckmann aller dingen Paracelsus opera (1616) 2, 79ᵃ; Archeus primus naturae dispensator, indeque res producit omnes in proxima sua genera der Archeus ist der anbeginner zicht vnd schafft alsz der werckmann ausz dieser natur alles Ruland lex. alchem. (1612) 55; noch Herder vergleicht gott mit einem werkmann: sechs ... tage ... dasz gott wie ein werkmann arbeitet 6, 277 S.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 383, Z. 23.

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Zitationshilfe
„werksmann“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werksmann>.

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