Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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werkstätte, f.

werkstätte, f.,
die schon im mnd.-mndl. (werkstede) nachweisbare und auch im heutigen nd. verbreitete (s. die nachweise unter werkstatt) bezeichnung findet sich im hd. seit dem 15. jh. im anwendungsbereich unterscheidet sich werkstätte nur insofern von werkstatt, als bei ihm der plural geläufig ist, und zwar eine mehrzahlform der schwachen deklination (werkstätten), da stätte, die verallgemeinerte genitiv-dativ-form von statt (mhd. stat, stete), mit dem alten plural des i-stammes formgleich war (näheres s. unter statt und stätte). keine eindeutigen belege dafür sind allerdings die zunächst (im 16. jh.) allein bezeugten pluralformen des dativs, die auch zu werkstatt gehören können.
1)
'arbeitsstätte der handwerker, (fabrik-)arbeiter sowie der bildenden künstler' (wie werkstatt 1): officina werckstet (1440, md.) voc. bei Diefenbach gloss. 394ᵃ; sutrina, officina sutoris die werckstet Faber thes. (1587) 820ᵇ; literarische zeugnisse: 2 stüber den schreinern geben in der mahler zeughausz. item mein wirth hat mich geführt in der mahler werckstätt zu Antorff Dürer tageb. 53 L.; von weiden, alberen oder linden holtz wolgebrennte koln sind in allen werckstetten die gewöhnlichsten im brauch Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) 137ᵃ; die schlosser vnd schmied ... denen von rechts wegen finstere werckstatten gebuͤhrn Schweigger reyszbeschr. (1619) 51 (ebda 185: in den werckstaͤtten); heiser, städl, werksteten und mihlen (1665) österr. weistümer 5, 282; nunmehr aber hat es der patriarch also verordnet, dasz ... auch des mittwochens und freytages weder kram noch werckstaͤte offen stehen musz Olearius reisebeschr. (1696) 148; ja die meisten kraͤfte und wirkungen der natur sind in den werkstaͤtten der kuͤnstler und handwerker zuerst entdecket worden Schwabe belust. (1741) 1, 80; begleiten sie ihn ... in die werkstäte (!) des messerschmiedes Herder 17, 8 S.; sie (die ländersucht) hatte die aecker von pflügern, die werkstätten von künstlern entblöszt Schiller 8, 53 G.; mitten unter diesen vergnügungslokalen ... hatten verschiedene handwerksmeister ihre werkstätten aufgeschlagen Fontane ges. w. (1905) I 5, 280; mehr als aufs werk ... kommt es auf die menschen an, die zum schaffen in einer werkstätte zusammengebündelt werden Kluge Christoph Mahr (1934) 79. zuweilen ausdrücklich von fabrik unterschieden: werkstätten sind die betriebsstätten der handwerker und kleingewerbetreibenden; sie unterscheiden sich von der fabrik lediglich durch die art des betriebs, die grösze der anlage und die zahl der arbeiter. der begriff ist im weitesten sinne aufzufassen, es gehören dazu auch die geschäftsräume der barbiere und friseure sowie die badeanstalten. es ist nicht erforderlich, dasz sich die werkstätten in einem geschlossenen raume befinden Bitter hdwb. d. preusz. verw. (1906) 2, 793; doch werden die abteilungen eines groszbetriebes, ja die fabriken selbst nicht selten werkstätten genannt: Härtel (chef der flügel-fabrik Breitkopf u. Härtel) rannte durch alle werkstätten und komptoirbücher (12. 5. 1841) Laube an Pückler bei Pückler briefw. (1873) 6, 81; werkstätte, mechanische bei den eisengusswerken ..., wo die maschinentheile ... rein ... ausgearbeitet ... werden Scheuchenstuel berg- u. hüttenspr. 263; im grossbetrieb ist fast durchweg die massenfabrikation vorherrschend; das prinzip der arbeitsteilung führt dabei zur errichtung besonderer werkstätten für schmiede, schlosser, dreher, giesser etc.; ausserdem zu werkstätten für nach baugegenständen getrennte betriebe (z. b. arbeitsmaschinen, armaturen, brücken, dampfmaschinen ...) Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 917; in einem rüstungswerk ... gelang es, mehrere hallen und werkstätten durch schwere bomben in brand zu setzen okwber. v. 17. 10. 1940; (dann) gründete man eine eigene (möbel-)fabrik; für gewisse schwierigere arbeiten ... zog man die Wels'schen werkstätten nach wie vor heran: aber den hauptbedarf des möbelhauses Oppermann ... lieferten jetzt die eigenen werkstätten Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 19.
2)
werkstätte eines forschers, gelehrten, komponisten, schriftstellers; wie werkstatt 2, wenngleich nicht so üblich wie dieses: so gehn auch gute koͤpfe in die werkstaͤtte der meister unter den schriftstellern, ... die gedanken, ... den gebrauch der sprache sich abzumerken briefe, d. neueste litt. betr. (1759) 13, 101 Nicolai; ich konnte so recht in die werkstätte des naturphilosophen und naturforschers hineinsehen (28. 6. 1798) Göthe IV 13, 197 W.; in der einfachen wohnung, deren geräth mehr an das gewerbe eines schlichten winzers als an die werkstätte eines gelehrten und magiers erinnerte Gaudy s. w. (1844) 14, 53; es ist immer von interesse, dem meister in die werkstätte zu sehen O. Jahn Mozart (1856) 3, 126; hilfsmittel, um die akademischen hörer in die philologische werkstätte selbst einzuführen Scherer kl. schr. (1893) 1, 559; heute, nachdem ein groszer theil des nachlasses ... uns einen tiefen einblick in die werkstätte des meisters gestattet, müssen wir ... frühere urtheile berichtigen jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 8, 2; wird es den leser langweilen, wenn ich ihn ... in einer werkstätte wissenschaftlicher arbeit herumführe Boltzmann popul. schr. (1905) 404.
3)
wie werkstatt (s. dort unter 3 a und b) auf alle möglichen stätten schöpferischen wirkens übertragen: sie (die unzüchtigen weiber) haben ... die heilige stadt zu werckstaͤtten jhrer zucht gemacht Ambach vom zusauffen (1544) B 4ᵃ;
wilst du die gnaden-sonn, den herren Jesum sehn,
so lass das zölner-haus, die werckstätt trüber sünden!
Gryphius lyr. ged. 90 Palm;
daher diese werckstaͤdte (die milz) im leibe hoͤchst noͤtig H. C. Abelius leib-medicus (1720) 282; besonders häufig seit dem 18. jh., in den verschiedensten anwendungen: da die werkstäte der natur so grosz ist, ... so kann sie nicht anders, als die entgegengesetzten enden zusammenknüpfen Herder 22, 127 u. ö.; die pfeile liegen auf der werkstätte des schicksales, die menschen, die dich umgeben, bringen sie zur gluth Klinger s. phil. romane (o. o. u. j.) 8, 149; im kopfe, in der werkstätte des verstandes Heinse s. w. 3, 157 Schüddek.; wo ... das licht der erkenntnisz in die werkstätte des blindwirkenden willens eindringt Schopenhauer s. w. 1, 213 Gr.; aber vielleicht ist der leib die verschlossne werkstätte, in der der geist zur höchsten stufe der bildung gelangt Bettine Brentanos frühlingskr. (1844) 281; je mehr er (der historiker) sich der werkstätte der geschichte zu nahen sucht, um so nebelhafter ... werden die gestalten Jhering geist d. röm. rechts (1852) 1, 37; dasz des menschen natur und wandel die eigenste werkstätte seiner geschichte ist Gervinus gesch. d. 19. jhs. (1855) 1, 3; es zeigt sich ..., dass unsere universitäten ... die werkstätten sind für alle zweige des ... forschens Döllinger vortr. (1888) 2, 41; ein märchen ..., das unter metallen und geheimnisvollen gluten in den tiefsten und heiligsten werkstätten der erde und zugleich in denen der menschlichen seele spielte Th. Mann ges. w. 1 (1955) 744; sie sah ihr kloster nicht für eine zuflucht, sondern für eine werkstätte einer groszen geheiligten tätigkeit an Binding Angelucia (1937) 25. selbst im hinblick auf tiere und pflanzen gebraucht man werkstätte: yedoch woͤllen wir auch weiter von den werckstaͤtten der purpure (schnecken) sagen Eppendorff Plinius (1543) 126; diese kleine klappen (der biene), die nach art der fischschuppen uͤbereinander liegen, sind die eigentlichen werkstaͤtten, worin das bienenwachs, und zwar in sehr zarten blaͤttchens, verfertiget wird Overbeck gloss. melitt. (1765) 90; zwei wege stehen dem forscher offen, auf denen er ... eindringen kann in die verhüllte werkstätte des pflanzenlebens Stöckhardt chem. feldpred. (1851) 1, 17.
4)
vereinzelt im sinne von 'werkbank' (vgl. werkstatt 4): die 'werkstätte' ist ... eine ... bank, auf welcher der arbeiter rittlings vor der kluppe ... sitzt Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 615.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 400, Z. 1.

werkstätter, m.

werkstätter, m.,
'die kupferschmide in den städten, zum unterschied der hammerschmide, so auf den kupferhämmern arbeiten' Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 638.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 402, Z. 18.

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„werkstätter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werkst%C3%A4tter>.

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