Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werktag, m.

werktag, m.,
seit dem späten mhd. bezeugte und der nhd. schriftsprache geläufig gewordene bezeichnung des all- und wochentags. frühe formvarianten wie werketag, werkentag, werttag (s. Lexer 3, 774) konnten sich nicht durchsetzen; nur die im md. des 14. jhs. wie im mndl. (neben wercdach) und mnd. aufgekommene und noch immer verbreitete form werkeltag vermochte sich einigermaszen daneben zu behaupten (genaueres s. dort), wenngleich seit Adelung werktag als 'besser' gilt. für die modernen dt. mundarten ist werktag im thür. und westmd. sowie obd. bezeugt, wobei freilich weithin das k geschwächt und dem t des zweiten kompositionsgliedes assimiliert worden ist (vgl. formen wie wèrdiγ Hertel thür. 257; wiɛ̀rtɛg Gangler luxemb. 482; wā̜rdōk, wā̜rdə [unbetont] Hofmann niederhess. 262; wǽrdṑx Heilig ostfränk. § 155, 2; wē͏̹̆rᵈⁱg Fischer schwäb. 6, 1, 714 neben einzelformen wie weᵃrkᵉ dāch Heinzerling-Reuter Siegerl. 320 und wärchtig Seiler Basel 310). zur verbreitung und synonymik s. auch Kretschmer wortgeogr. (1918) 581 ff.in den übrigen germanischen sprachen entsprechen ndl. werkdag (mndl. wercdach) und engl. workday (me. werkday, wohl im me. neugebildet und nicht aus ae. weorcdæg entstanden); dän. hverdag und schwed. vardag hingegen sind 'eine kreuzung aus zwei ausdrücken: 1. an. hverr dagr „jeder tag, der nicht feiertag ist“ ... 2. an. verkdagr ..., wo das k schon im an. verstummen konnte' Falk-Torp 1, 438. — 'arbeitstag' im gegensatz zu sonn- und feiertagen; dies profestus (Dasypodius dt.-lat. [1536] 454): uf den nehsten werktag nach sant Johans tag zuo sungihten (1349) österr. weistümer 5, 385; an virtagen oder an werchtagen (14. jh.) bihtebuoch 27 Oberlin; sie haben auch an den werchtagen nicht mesz, dann allain an den veiertagen (anf. 15. jh.) Schiltberger reiseb. 48 lit. ver.; es soll auch hinanfürter kein knecht oder hausknapp on eehaft ursachen an einem werktag seinem meyster ab der arbeit zum wein oder sonst myessig geen (1533) ordn. d. lohns d. leinenweberknechte, bei Schmoller Straszburger tucherzunft (1879) 153; der siebende tag wird ein heiliger tag genennet und für andern wercktagen geehret Dannhawer catech. (1657) 1, 110; es ist ein übles zeichen, wenn ihr an werktagen feiert Göthe I 8, 210 W.; die anderen leute haben sonn- und werktage, sie arbeiten sechs tage und beten am siebten Büchner nachgel. schr. (1850) 74; (die kündigung) hat spätestens am dritten werktage des vierteljahres zu erfolgen bürgerl. gesetzb. § 565, 1; (Marianne) war in schwarzer seide, auch heute am werktag; es ging etwas wie sonntag von ihr aus (1910) C. Viebig die vor d. toren (1949) 170; nach wenigen minuten gewann die heimlich aufgehäufte müdigkeit eines langen werktags ihre macht über mich H. Carossa dr. Buerger (1930) 34. bei zeitangaben findet sich nicht selten ein adverbieller genitiv oder akkusativ (s. auch wb. d. luxemb. ma. 485 sowie Schmitz Eifel 233): die ... verhieszen im darvon ze lon 90 fl. und darzu alle werktag (zu) geben zu eszen und zu trinken (um 1450) Burkard Zink in: städtechron. 5, 318 (Augsburg); an panfeirabenden, sontagen und panfeirtagen soll das wasser allein in den wisen gebraucht und werchtags in die acker gekehrt werden (16. jh.) österr. weistümer 4, 30; ich höre alle sonn- und feyertäge meine messe, und wenn es seyn kann, die werktäge auch (13. 6. 1781) Mozart br. 2, 87 Schiedermair; ihrem gottesdienst müssen sie jeden werk- und feiertag mit brünstigem eifer obliegen Schiller 3, 544 G.; der sohn endigte sein treiben damit, dass er eine begüterte rüstige bauerntochter heiratete, in ihr haus zog und alle sechs werktage hindurch ihre aecker und ihr vieh bestellte G. Keller ges. w. (1889) 1, 17; dieser (bauer) Harms, der werktags zuerst nach wenig aussah in seinem geflickten arbeitskittel A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 317. metaphorisch sowie im vergleich: der Christen feyertag ist gottes wercktag Petri d. Teutschen weiszh. (1605) B 1ᵃ; aber sie (die andacht) ist nur der sonntag des lebens, es folgen die werktage Hegel w. (1832) 16, 490; hier sehen wir ihn (Jean Paul) gleichsam in den werktagen des lebens, dort feiert er in sabbathstille den ruhetag Gervinus dt. dichtg. (1853) 5, 224; in einer langen reihe von stauden des niedrigen weiszblühenden phloxes stand ab und zu eine flammende gladiole wie ein fest zwischen werktagen H. Carossa tag d. arztes (1955) 67.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 409, Z. 63.

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Zitationshilfe
„werktag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werktag>.

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