Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wehrlich, adj.

wehrlich, adj.
ahd. adv. uuerelicho, emmiʒigo pertinax Graff 1, 928; mhd. werlîch mhd. wb. 3, 512ᵇ, Lexer 3, 781; mnd. warlik, werlik Schiller-Lübben 5, 605ᵃ, Lübben- Walther 556ᵇ. 575ᵇ. um zwei jahrh. älter als das vom gleichen verb. gebildete wehrhaft und im mhd. häufiger als dieses, wird wehrlich zu ende des 16. jahrh. von der jüngeren bildung zurückgedrängt. kriegsschriftsteller wie Fronsperger, Götz und Schertlin gebrauchen es noch, spät auch die Schweizer Stumpf, Thurneiszer, Tschudi und Xylander, zuletzt wohl Grimmelshausen. die ausgabe des volksbuchs von Wigoleis Straszburg 1519 setzt stoltz, wo die erste ausgabe Augsburg 1493 werlich von Wirnt her beibehalten hatte, s. Weidenmüller volksbuch v. Wigoleis (1910) 7. in den wörterbüchern fehlt wehrlich durchaus von Dasypod und Maaler bis auf Stosch und Adelung. Campe 5, 630ᵃ bringt es 1811 als 'altes aber brauchbares, z. th. auch bei den neueren übliches wort' und zielt damit auf die neubelebung von wehrlich durch Arndt und Jahn, denen die kreise der ersten burschenschaft gefolgt sind, die doch auch, sprachlich unsicher, gebrauchsweisen versuchten und bei späteren veranlaszten, die in alter zeit nie üblich gewesen waren, z. b.: dasz die festungen immer im gerüsteten und wehrlichen stande sind Arndt Preuszens rhein. mark (1815) 50; es ist ein ... gebäude im styl der renaissance mit hohen vergitterten fenstern, von ringmauern wehrlich umfangen Steub drei sommer in Tirol 1, 276. Heinsius 4 (1822) 1555ᵇ bezeichnet wehrlich wider als veraltet, während Kaltschmidt (1851) 1056ᵇ allein von Campe abhängt.
1)
die grundbedeutung, von der masse der belege geboten, entspricht genau der von wehrhaft.
a)
wehrlich als attribut vor stadt, schlosz, ihren synonymen und theilen bedeutet 'befestigt'. vom 13. bis 17. jahrh. ist diese verwendung im süden und westen die beliebteste:
wan Troye diu werlîche stat
ist worden alsô veste,
daʒ wir die vremde geste
dar inne fürhten cleine
Konrad v. Würzburg Troj. 17 832;
item aber bin ich gewesen zu Rodis, das ist ain hüpsche wörliche stat städtechron. 5, 105, 8 (Zink Augsburg 1450); entspr. 220, 16; nun ware Trinobantes gar nahe die werlichst statt derselben gegne Ringmann Cäsar (Straszburg 1508) G 3ᵃ; und gewann Antiochus vil weerlicher stett Zürcher bibel (1531) 1. Makk. 1 B; da hett künig Ludwig dem bapst die wörliche notfeste stadt Ravenam wider abtrungen Franck chron. Germ. (1538) 262ᵇ; manche feste wehrliche statt derhalben in die aschen gelegt Kirchhof discipl. mil. (1602) 1;
auf den karfreitag es geschach
dasz man Werthem ziehen sach
für Zeitlos, das werlich schlosze
Uhlands volksl. (1524) 1, 496 nr. 183;
da lies er auf den Nunperg gros
pauen das nothaft, werlich schlos
Sachs werke (1549) 22, 481 Götze; entspr. (1560) 20, 173;
du hǎst ainen gewissen sitze, das ist das grǒsz werlich schlos diner tugend und conscientz Niklas v. Wyle transl. 106, 38 Keller; es ist pillich, dasz wir unser eltern fleisz und fürsichtikeit betrachten, die do colonias also gesetzt habent ... als werlich veste schlosz, ze beschirmen die egg des römischen reichs städtechron. 3, 47, 4 (Meisterlin Nürnberg 1488); der het die schönste bruck. der das wörlichst schlosz, das möcht vornen usz nieman gewinnen, und dahinden usz mocht es niemand behalten Pauli schimpf und ernst 289 Österley; dem volgt apt Huldreich auf dem fuesz nach, gewan im ab in solcher eil das wherlich, vest schlosz seins namens Zimm. chron. 1, 79, 20; samt vil wehrlichen und vesten schlössern Stumpf Schwytzerchron. (1606) 5ᵇ; entspr. 413ᵃ; die Trag der flusz fleust gegen dem wehrlichen schlosz und vestung Ziget Thurneiszer von wassern (Straszburg 1612) 152;
dô sach er ligen eine stat
vor dem gebirge bî dem mer,
diu dûhte in wol bereit ze wer
mit werlîchen türnen vil
Rudolf von Ems Gerhard 1275;
man seit, daʒ burge und fürsten deheinen fride suln han, den man an in gebrechen müge. daʒ ist durch die werlichen veste, die burge an in hânt Schwabenspiegel c. 216 Gengler ² 180; derselb Dachsner yetz newlich dem von Kunring ain werliche kirchen Kamerstorf mit namen angewunnen monum. Habsb. 1, 3, 368 Chmel (östr. 1480); for disem schlosz herumb sol man ... kein ... hausz lassen auff pauen, noch gräben oder ander wörlich ding darumb füren Dürer etl. unterricht zur bef. der stett (1527) D 1ᵃ; sie haben auch kein sunderliche stett, schlösser und andere weerliche flecken gehabt Münster cosmogr. (1550) 304; ain alt burgstal, Lusburg genannt, welches vor zeiten on allen zweifel ain fest, werlich guot hus gewesen Zimm. chron. 1, 20, 21; ein kurtzer bericht der währlichen gebäu, an befestungen, der gemäur Fronsperger kriegsb. 2 (1573) 22ᵃ; entspr. 1, T 6ᵃ; 22ᵃ.
b)
von personen gebraucht bedeutet wehrlich 'bewaffnet'. dieser gebrauch ist gleich alt mit dem vorigen, aber minder entwickelt.
α)
vom einzelnen kämpfer wird es zumeist wider attributiv gebraucht, Baiern steht hier voran:
der tac het ende und kom diu naht.
ze bêder sît was grôʒiu maht,
manec werlîch ritter guot
Parzival 376, 3;
der selbe werlîche knabe
het in einer wilden habe
zem fôreht gankert ûf dem mer
736, 25;
auʒ des probst haus von Garcz ainen werleichen diener. auʒ des probst haus von Aw zwen werleich diener städtechron. 15, 394, 21 (Mühldorf um 1400); des wurden die von Ulm gewar und schickten 80 guet werlich gesellen mit langen spieszen gen Albegg ze fuesz 5, 17, 7 (Zink Augsburg 1466); dem pfleger zu Deckendorf ist geschrieben in seinem amt 100 wehrlicher mann bair. landtagshandl. (1471) 10, 16; ain antzal gueter redlicher und werlicher knecht jn jrem sold und costung ze halden briefe und actenst. zur gesch. Maximilians (1518) 247 Chmel;
das sahe ein hauptman on gefehrlich.
er sprach zu seinen knechten wehrlich:
das spiel, wir sehen von den hunden
thut uns ermanen und erkunden,
wenn wir an unser feinde ziehen
Waldis Esop 2, 63, 12 Kurz;
vizthume, pfleger und richter ... sandten den bericht der musterungen ein. daraus ward der anschlag entworfen, wieviel der wehrlichen mannen, schützen ... die orte, städte, ritter und klöster der gerichte ins feld bringen sollten Zschokke ausgew. schriften 32, 172. selten stellt sich von hier aus subst. gebrauch ein: wir Lasslaw etc. bekennen als unser anwelt in Österreich unserm getrewen Jörgen Weihenperger mit hundert und drein werlichen zu rossen ... in unsern sold aufgenommen habent fontes rer. austr. (1454) 2 ii 11, häufiger in alter dichtung das adv., das dann 'auf widerstand eingerichtet' bedeutet:
do quamen in den stunden
zvelf schechere gerant,
die wolden daʒ guͦt mit gewalt
nemen werliche
graf Rudolf 28, 7 Grimm;
ich rât iu an den triuwen,   welt ir iuch bewarn,
sô sult ir zuo den Hiunen   vil werlîchen varn
Nib. 1411, 4;
die ûf dem stade wâren,   die alten zuo den jungen,
die enwesten wie gebâren,   wan daʒ si werlîche dar sprungen
Kudrun 856, 4.
β)
noch von der ganzen einzelpersönlichkeit ist attributives wehrlich gebraucht:
wîp sint et immer wîp:
werlîches mannes lîp
hânt si schier betwungen
Parzival 450, 6.
statt des mannes wird dann, eigentlich genauer, seine körperlichkeit 'bewehrt' genannt:
er was doch ie sô werlîch,
der werden wer alsô gelîch,
daʒ niht twingen solt ein wîp
sînen werlîchen lîp
532, 30,
und, noch genauer, seine hand:
der (Schiltung) hât von sîme wîbe
hie von mîn eines lîbe
sehs tûsent rîter wol bekant:
die tragent werlîche hant
48, 24.
dieser gebrauch ist, ausgedehnter als der entsprechende von wehrhaft I B 2, vom anfang des 13. bis zum ende des 16. jahrh. formelhaft:
(der ritter musz) daʒ swert in werlicher hant
zühtic sin unde bescheiden
Meiszner minnesinger 3, 107ᵇ v. d. Hagen;
doch mit werlicher hant
lagen sie tzu velde
herzog Ernst 3992 v. d. Hagen und Büsching;
er wolt das schone hausz han
und Galaciten das landt:
das hett sein werliche hant
mit kampfe erlichen erstritten
Heinrich v. Neustadt Apollonius 5612 Singer;
jedoch widersprich ich nit desz,
das bei mir gewesen Titides
mit seinem haupt, weerlichen handt
Wickram werke 8, 171 Bolte;
nit so gar lang darnach, warff er under sich mit wörlicher sighaffter hand Leodienses Franck chron. (1531) 215ᵇ; wo im Galmy nit mit seiner wörlichen hand zuͦ hilff kummen wär 1, 29; doch war die macht der unglaubigen ... so grosz, dasz jhnen die Behem in die länge nicht widerstandt gethun mochten, sondern sie zohen abe mit wehrlicher hand buch der liebe (1587) 270ᵈ. kurz vor dem aussterben der formel eine seltene ausbiegung: dieweil ich mein landt von niemand anderm denn von gott und wehrlicher faust besitze Amadis 1, 314 Keller.
γ)
gruppen von kämpfern heiszen früh schon wehrlich:
dâ wont ein werlîchiu schar
Parzival 469, 1;
dô drungen ûʒ Troiære her
der juncherren zwêne dar
und fuorten vil werlîche schar
der si mit manheit striten vor
Konrad v. Würzburg Troj. 43 162;
wann daʒ volck was gar ein werlich streitper volck Hartlieb histori von dem groszen Alexander (1473) 70ᵃ; nu wirt in alten croniken und geschichten vil funden, das die englischen ein vast streitbar und werlich volk sein Wilwolt v. Schaumburg 123; entspr. 132; ich hett kein wehrlich volckh in meinem hausz Götz v. Berlichingen (1557) 70 Dieffenbacher. auch dieser gebrauch ist im 19. jahrh. neubelebt worden: entzückt rühmte das turnlied:
als der turnermeister der alte Jahn
für des volks urheilige rechte
vortrat zu der freiheit rennlaufbahn,
da folgt' ihm ein wehrlich geschlechte
Treitschke d. gesch. 2 ² 386.
2)
der bedeutungsübergang vom grund auf die folge, der wehrhaft ergreift, verschiebt auch wehrlich seit dem 13. jahrh. in zwei abgeleitete bedeutungen, beidemal von der anwendung auf die person des einzelnen kämpfers ausgehend.
a)
wer bewaffnet ist, wird damit äuszerlich fähig und bereit zum widerstand.
α)
in der anwendung auf den einzelnen kämpfer ist die bedeutung 'wehrfähig' im 13. jahrh. schon in attributivem, prädicativem und adverbialem gebrauch ausgebildet:
mein bruder ist ein werlicher man,
er wils nicht ungerochen lan
Uhlands volksl. 1, 433 nr. 167; entspr. 435;
darnach begertens, das man die statmauer niderwurf: notvest frisch stark werlich leut dörften kainer mauer nit Aventin bair. chron. 1, 825, 14 Lexer; ist dapey mein rhat das e. f. aus jren eerlichen weerlichen burgern ein fendlin zwey oder drey gemustert und geordnet uff jren befelch jnn der stat jeder zeit zu warten befolhen Schertlin v. Burtenbach 144; entspr. 145. seit den freiheitskriegen aufgefrischt: sie sind gefallen, wie wenn ein wehrlicher mann von knaben erschlagen wird Arndt schriften an s. l. Deutschen 1, 276; ein so unterjochtes (unter das joch geschicktes) ... heer war um ansehn und bürgerrecht gebracht ... und nur ehrliche und wehrliche männer dienten in der landwehr Jahn merke 220;
mich dünkt, von dem wehrlichen paar
vernahm ich dunkle sage,
kannt' ich auch Wolfe
und Wölfing nicht
Rich. Wagner 6, 14 (Walküre 1).
der prädicative gebrauch, im sinn von 'befestigt' unbelegt, setzt überhaupt erst hier ein:
des siges des versach er sich
und was ouch gnuoc werlich:
des was er innerlîchen vrô
gute frau zs. f. d. alt. 2 v. 1088;
ob sich diu (minne) eines iungen underwindet,
der danke ir meisterschefte,
ob man in stæt gên schande werlich findet
Hadamar v. Laber jagd str. 251;
want alliʒ, daʒ werlîch was,
daʒ machten sî mit tôde blas
Nikolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinl. 22 844;
si (unsere pfaffen) sint ouch niht werleich, wan sie beschirment iriu schæfel niht Konrad v. Megenberg buch der natur 197, 13; sie tetten, was sie wolten und waren fraisam und werlich städtechron. 5, 230, 12 (Zink Augsburg 1468); die Schwaben, schreibt Julius, seien offt von rossen gesprungen, und als zuͦ fuͦsz stercker und werlicher, inn die ordennung gestanden Franck chron. Germ. (1538) 7ᵃ; entspr. weltbuch (1542) Cᵃ; inn kriegs ubungen seindt ettlich mannlich und wehrlich Xylander Polybius (1574) 200. wider knüpft die neubelebung hier an:
durch deine (der Deutschen) zwietracht ward er stark,
durch deine schande ehrlich,
durch deiner arme heldenmark
machst du den schwachen wehrlich
Arndt an die Teutschen (1812) Herrigs archiv 52, 270;
'er sucht seinen guten namen wieder zu bekommen' — nennt man das mühen von anrüchigen ... wenn sie beim volk wieder als ehrlich und wehrlich gelten wollen Jahn merke 242;
wehrlich und stark war Wolfe;
der feinde wuchsen ihm viel
Rich. Wagner 6, 13 (Walküre 1).
der adverbiale gebrauch ist hier am besten entwickelt:
daʒ enwelle got von himele,   sprach dô Hagene,
daʒ sich dir ergæben   zwêne degene
die noch sô werlîche   gewâfent gein dir stênt
Nib. 2275, 3;
dô lieʒen mich die knappen stân,
sî giengen von uns stân hin für:
vil werlîchen vor der tür
sî mit kreften huoten
der werden hôchgemuoten
Rudolf von Ems Gerhard 1960;
doch hieltens werlîch in dem strît
Lohengrin 5064 Rückert;
si warn uʒgangen mit raut der burger und warn wol gewappent und stalten sich gar werlich, darumb getorst si niemant angriffen städtechron. 4, 30, 25 (Augsburg 1406); als aber Schilhans des gewar ward, dasz sich die feind so ordenlich und so werlich stelten gegen im und seinen gesellen 5, 277, 22 (Zink Augsburg 1468); wie er doch die copien (das ist der spiesz, den sie füren) gegen einen man am aller bequemlichsten und wehrlichsten brauchen müszte Kirchhof wendunmuth 1, 117 Österley.
β)
auch in der anwendung auf thiere kann wehrlich 'wehrfähig' attributiv, prädicativ und adverbial stehen:
ein werlich hunt
des gelf kan wilt erkriegen
Heinrich v. Meiszen sprüche nr. 368, 3 Ettmüller;
daʒ tier (tragelaphus) ist starch und werleich gegen allem daʒ im wider ist Konrad v. Megenberg buch d. natur 160, 15; der meerstör ... gegen dem kopff zuͦ fürder werlichen geschüpet ist Heyden Plinius (1565) 341.
γ)
von zuständen, handlungen und fähigkeiten ist 'geeignet, fähig zur vertheidigung' die gangbare bedeutung des attributiven adjectivs:
mir benam deiswâr nie mêre
ein man alsô sêre
mîne werlîche maht
Hartm. v. Aue Iwein 7445;
bî mîner werlîchen zît
ich was ein rîter als ir sît
Parzival 458, 5;
volc mit werlîchen sitn
676, 12;
si füeren mit vil starkem her
und mit werlîcher wer
Enikel weltchron. 16 656 Strauch;
eʒ wær ein vehten angehaben
daʒ ich doch pflæge werlicher tat
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Östreich 5339;
ez sol auch nieman vor dehainem zapphen weder swert noch spitzige messer noch aller werlichen wer kaine nemen Nürnberger polizeiordn. 39 Baader. von sachen bleibt die bedeutung 'zur wehr geeignet' attributiv selten:
si (die königin) suochte helfe unt friundes rât.
an ir was werlîchiu wât,
ein hemde wîʒ sîdîn:
waʒ möhte kampflîcher sîn,
dan gein dem man sus komende ein wîp?
Parzival 192, 14;
nuͦn ich muͦsz dich fragen ob du auch wissest was eyn guͦt werlich schieszloch sei Solms auszug und überschlag einen bau anzustellen (Köln 1556) b 3ᵇ; das halt ich für weerlich besatzung, das mir mein leut verwart stehn, und sich sicher weeren künden c 2ᵇ; mit solchen hohen wehrlichen rundeln unnd pasteyen Kirchhof discipl. mil. (1602) 12. um so besser entfaltet sich der prädicative gebrauch in der prosa des 15. und 16. jahrh.: der vurgenant bischuf ... hatte auch zu Bun ein grosse schif lassen machen ... ind dat schif wart werlich gemacht. dat schif wart genant der oivelgotz städtechron. 13, 104, 24 (Köln z. j. 1416); wolde me dat slot wynnen, so moste me dat wynnen myt storme, unde wente dat ghans warlik was, so wolde numment dar gherne an Detmar Lübecker chron. 2, 115 Grautoff; disz landt ist von natur seiner gelegenheyt fast wörlich und trutzig Franck weltbuch (1542) 72ᵃ; von jrem (Sidons) alten gebäw ist ein anders kleins stätlin gebawen, gar wöhrlich 165ᵃ; man kann ein baw gemachen der vor schieszen wol verwarth is, und doch nit weerlich Solms auszug c 2ᵃ; in glicher gstalt gieng es ouch zu Schwitz, da zerstört Wernherr von Stouffach, und die pundtz-lüt die burg Lowers im Lower-see gelegen, si was nit weerlich und ouch nit besetzt, dann si was abgende Tschudi chron. Helv. 1, 240ᵇ. — selten und seltsam bleibt hier das adverb:
nu habt ouch eigen riuwe
nâch den die iwer rîche
werten werlîche
Willehalm 180, 22.
b)
die übertragung auf die innere bereitschaft zum widerstand und damit die bedeutung 'tapfer, muthbeseelt, kampflustig' stellt sich, wie bei wehrhaft, zuerst wider bei Wolfram ein:
sît er (Gawan) sich weren solde,
dô gebârter werlîche
Parzival 538, 15.
sie bleibt selten beim adverb:
mîn vrowe kan hüeten ir êren sô wol,
daʒ si in ir huote sô werlîchen stât
Ulrich v. Lichtenstein 408, 21 Lachmann;
der teuffel meinet es mit ernst und trit werlich auff die beine Luther (1527) 23, 544, 20 Weim. ebenso im attributiven gebrauch: do erhuͦb sich soliche grosse klag von aller menigklich, do sy iren vechter, ein solichen hübschen werlichen helden so elendigklich verlieren solten Tristrant (1484) 17, 26 Pfaff; Hanibalem und Hamilcarem die wörlichen kriegskündigen hölden Franck weltbuch (1542) 5ᵃ. am besten entfaltet sich die bedeutung 'kampflustig' im prädicativen gebrauch:
anderhalp lieʒen sich spehen
werlich in dem strîte hie
der juncherren ouch zwêne
troj. kr. forts. 43 203;
nû ist der kristen übermuot
worden alsô starc daʒ er uns schaden tuot,
wan man sie nie sô werlich hiut hât gefunden
Lohengrin 4786 Rückert;
ir hauptman was der Strobel, ain endlich man und was werlich städtechron. 5, 277, 13 (Zink Augsburg 1468); du magst jn wol fürhalten, was die not bringt: si suͦcht nahe, unnd versünd die uneynigen, sie macht die verzagten keck und weerlich Carbach Livius (1530) 38ᵇ;
ich zorn bin dapffer und ehrlich,
inn aller not starck, kün und wehrlich
Sachs werke (1542) 3, 143, 31 Keller.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1912), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 275, Z. 76.

werlich, adj.

werlich, adj.,
wehrhaft, s. teil 14, 1, 1, 275 ff. s. v. wehrlich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 427, Z. 35.

werlich, adv.

werlich, adv.,
sicherlich (s. unter wahrlich teil 13, 931): do mit sich sien sterben ... also lange verzüg pisz in werleich (forse) got erhöret Arigo decamerone 76 lit. ver.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 427, Z. 37.

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