Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wermutsaft, m.

wermutsaft, m.,
der bittere saft der wermutpflanze, zu wermut 1; in rezept- und arzneibüchern, insbesondere des 16. jhs., häufig als arzneimittel genannt: den (hühnerdarm) sol man füllen mit wermut saft, vnd ... dem habich geben zu verslinden Mynsinger v. d. falken 52 lit. ver. (s. auch ebda 58: ist das vederspil lausig, so sol man nemen wermuͦtsaft oder wasser, darinn wermuͦt gesotten sey, vnd damit sol man in besprengen die vedern v̈ber gantzen leib an der sunnen); wer wermut safft trinckt ... der vertreibt yctericiam, dz ist die gelsucht Tollat v. Vachenberg margarita medicine (1516) 2ᵇ; vnd thuͦn dorzuͦ de succo absynthii, das ist wermuͦtsafft Gersdorff wundarzney (1517) 50ᵇ; vermisch wermutsafft mit eyerklar, schlags vber da der schmertz ist Wirsung artzneyb. (1588) 191; zum wermuth-oel nimmt man die zeitigen bluͤmlein und gipffel des wermuths 8 loth, frischen ausgepressten wermuth-safft 8 loth Hohberg georg. cur. aucta (1682) 1, 239; man nehme wermut-safft so viel, dass man ein tuch darinnen netzen kann (heilmittel gegen pferde-würmer) Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3305; die bitterkeit des wermutsaftes führt früh zu anwendungen im vergleich sowie bildlichen gebrauch, in denen wermutsaft oft zusammen mit galle genannt wird, mitunter in gegensatz gestellt zu honig oder sonst etwas süszem (vgl. wermut 3):
die bienen trugen dir nicht honig in den mund,
wie jenem zu Athen. man hat dich gleich mit gallen
und wermutsafft getraͤnckt, als du noch kaum zulallen
und kriechen hast gewusst
Rompler v. Löwenhalt erst. gebüsch. (1647) 92;
alle weltliche wollust einem verbitterten gewissen gegeben, ist gleichsam so viel, als ein hoͤnig-tropffen in ein fasz wermuth-safft Abraham a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 20;
hier ist das paradiesz erfüllt mit Sodoms-früchten
und Alicantes wein mit wermuth-safft vermischt
J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 821;
der neid pflegt oͤfters auch gelehrten aufzupassen,
der ihrer schriften most mit wermuthsaft verdirbt
Kottwitz moral. ged. (1736) 47;
eitle lust ist wermuth-safft;
du (Jesus) bist manna voller krafft
Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 618;
der andere hingegen, nicht zufrieden mit dem bloszen wermuthsafte (des lebens), mischt noch überdies von seiner eigenen galle hinzu Bremser medizin. paroemien (1806) 158.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 438, Z. 21.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wermutsaft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wermutsaft>.

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