Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

werre2, f. und m.

²werre, f. und m.,
gerstenkorn, geschwulst am augenlid. das wort ist mundartlich im westmd. und obd. gebiet verbreitet; aus altdt. zeit finden sich einige glossenbelege (s. u.). werre, wern ist zurückzuführen auf die idg. wurzel u̯er- 'erhöhte stelle', von der auch warze (s. teil 13, 2197) abgeleitet ist. mit n-suffix stehen neben ahd. uuerna schwed. (mundartl.) verna, dän. verne, engl. (mundartl.) warnel; ansonsten sind zu vergleichen: lat. verruca 'warze', ae. wearr 'schwiele, warze', fläm. warre 'schwiele, knorren', s. Walde-Pokorny vgl. wb. 1, 266 f.; Walde-Hofmann lat. etym. wb. 2, 762. über einen möglichen zusammenhang zwischen ¹werre und ²werre vgl. ordbok over det danske sprog 26, 1238f., wo fürs dän. als erste bedeutung 'beule, knoten unter der haut des viehs, wo die larve der ochsenbremse sitzt' und als zweite bedeutung 'die larve der ochsenbremse' selbst angegeben wird.die spätahd. und mhd. glossenbelege geben für werre, wern lediglich die bedeutung 'varix' ('krampfader') an: varix uuarza vel vuerna (Freising 10. jh.) ahd. gl. 2, 7, 35 St.-S.; varis uuern vel urslaht (Trier 11./12. jh.) a. a. o. 4, 210, 29; varix uuerna (München 1175) 4, 106, 19; emorrodia, tschech. bradavice warra (Prag 13. jh.) 4, 56, 39; varix werr (13./14. jh.) 3, 291, 58 St.-S. erst seit Frisius findet sich die heutige bedeutung: aegilops, fistula oculorum fliessende loͤchle in den augwincklen, werner genannt dict. (1556) 47ᵃ; crithe ein klein wertzle oder bühele wie ein gerstenkoͤrnle so da wachszt zwüschend den vnderen augbrawen, ein waͤren a. a. o. 346ᵃ; weren, werner im aug œgilops, argema Dentzler clavis germ.-lat. (1697) 349; der werner eine augengeschwulst; ebenso die werre ... im schwäbischen, s. Campe wb. 5 (1811) 687. von Adelung nicht gebucht undebenso wie gewerre — auch literarisch nicht bezeugt (vgl. teil 4, 1, 3, 5677); doch findet sich zuweilen das deminutivum werlin, werlein: in dem euszern randt des auglids erhebt sich underweilen ein scharpff schmertzhafftig geschwerlin, das nennet man das werlin im aug Ryff gr. chirurgei (1559) letzter teil 65ᵃ; sowie die form wernichel: (mittel gegen augenentzündung) halt einen koch-loͤffel von fernen zum feuer, so wird ein schmaltz heraus gisten, solch fett nimm mit einem federlein von dem loͤffel und bestreiche den wernichel darmit Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 221ᵃ; s. ferner Schmeller-Frommann bayer. 2, 1002 und Schatz Tirol 701.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 442, Z. 64.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wern>.

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