Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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werre1, f.

¹werre, f.,
maulwurfsgrille, gryllotalpa vulgaris. das wort ist lexikalisch seit dem 15. jh. (vocab. incipiens teutonicum ante latinum L 5ᵇ und obd. gloss. d. 15. jhs. [bei Mone anzeiger 6, 435 ]) bezeugt. auszerdt. verwandte lassen sich nicht nachweisen; der anklang an poln. świerszcz, russ. сверчок und osorb. šwjerč 'grille' beruht auf unabhängiger lautnachahmung, vgl. auchschwirren, idg. suer- 'surren'. hierzu ist im dt. auch schwer als name für die maulwurfsgrille bezeugt, s. Schmeller-Fr. bayer. 2, 646 und zs. f. dt. altert. 9, 389, worin Weigand aus einer lateinisch abgefaszten und deutsch glossierten Frankfurter hs. d. 12. jhs. suirro für die maulwurfsgrille anführt.mundartlich ist die form ohne anlaut-s über das md. und obd. gebiet verbreitet, weithin mit diphthong (vgl. etwa weᵃrr Heinzerling-Reuter Siegerland 320) oder mit dem stammvokal a (z. b. wa̜rre Schatz Tirol 689), vereinzelt auch in der deminutivform (werl Frischbier pr. 2, 318 s. v. schrotwurm, Blumer Nordwestböhmen 93 s. v. werre; werrle Müller-Fraureuth obersächs. 2, 659; Bruns volksw. d. prov. Sachsen [²1916] 74). daneben findet sich im ostdeutschen twerre, twäre (Frischbier s. o., Hoffmann v. Fallersleben schl. wb. 28), im obd. gwerre, querrn, kwerrn (Unger-Khull steir. 315). für das nd. grenzgebiet ist verə (neben je̜rštvo̜rm) lediglich in der Neumark bezeugt: Teuchert neumärk. wortsch. 249. — ebenso wie für die synonymen bezeichnungen der gryllotalpa vulgaris erdgrille (teil 3, 770), -krebs (3, 773), -wolf (3, 783), maulwurfsgrille (6, 1813), moldwolf (6, 2477), reit- (8, 791), reut- (8, 850), rietwurm (8, 955) finden sich für werre nur vereinzelte literarische belege (s. auch unter warre [teil 13, 2110], geschwer [teil 4, 1, 2, 3993] und gewerre [teil 4, 1, 3, 5677]): sein hertz weisz nicht dann gschwetz wie ein wherre Joh. Heroldt von der zung (1544) 14ᵇ; werren. dieses ungeziefer ist ... ein schaͤdliches und den gaͤrten feindseliges thier ... greifft die gewaͤchse unter der erden an, und frisst sie ab Hohberg georg. cur. aucta (1682) 1, 477; '... vom sessel fallen will ich, wenn da keine werre steckt! grabe! grabe! lasz sie nicht auskommen!' Carossa kindheit (1944) 58. — in Oberdeutschland hat werre vereinzelt auch die bedeutung 'engerling', besonders 'larve der rinderfliege', 'larve des maikäfers': Schöpf Tirol 801; Meisinger Rappenau 229; Stalder schweiz. id. 2, 435; Fischer schwäb. 6, 1, 719 (vgl. auch werr-für schweiz. id. 1, 948).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 442, Z. 20.

werre2, f. und m.

²werre, f. und m.,
gerstenkorn, geschwulst am augenlid. das wort ist mundartlich im westmd. und obd. gebiet verbreitet; aus altdt. zeit finden sich einige glossenbelege (s. u.). werre, wern ist zurückzuführen auf die idg. wurzel u̯er- 'erhöhte stelle', von der auch warze (s. teil 13, 2197) abgeleitet ist. mit n-suffix stehen neben ahd. uuerna schwed. (mundartl.) verna, dän. verne, engl. (mundartl.) warnel; ansonsten sind zu vergleichen: lat. verruca 'warze', ae. wearr 'schwiele, warze', fläm. warre 'schwiele, knorren', s. Walde-Pokorny vgl. wb. 1, 266 f.; Walde-Hofmann lat. etym. wb. 2, 762. über einen möglichen zusammenhang zwischen ¹werre und ²werre vgl. ordbok over det danske sprog 26, 1238f., wo fürs dän. als erste bedeutung 'beule, knoten unter der haut des viehs, wo die larve der ochsenbremse sitzt' und als zweite bedeutung 'die larve der ochsenbremse' selbst angegeben wird.die spätahd. und mhd. glossenbelege geben für werre, wern lediglich die bedeutung 'varix' ('krampfader') an: varix uuarza vel vuerna (Freising 10. jh.) ahd. gl. 2, 7, 35 St.-S.; varis uuern vel urslaht (Trier 11./12. jh.) a. a. o. 4, 210, 29; varix uuerna (München 1175) 4, 106, 19; emorrodia, tschech. bradavice warra (Prag 13. jh.) 4, 56, 39; varix werr (13./14. jh.) 3, 291, 58 St.-S. erst seit Frisius findet sich die heutige bedeutung: aegilops, fistula oculorum fliessende loͤchle in den augwincklen, werner genannt dict. (1556) 47ᵃ; crithe ein klein wertzle oder bühele wie ein gerstenkoͤrnle so da wachszt zwüschend den vnderen augbrawen, ein waͤren a. a. o. 346ᵃ; weren, werner im aug œgilops, argema Dentzler clavis germ.-lat. (1697) 349; der werner eine augengeschwulst; ebenso die werre ... im schwäbischen, s. Campe wb. 5 (1811) 687. von Adelung nicht gebucht undebenso wie gewerre — auch literarisch nicht bezeugt (vgl. teil 4, 1, 3, 5677); doch findet sich zuweilen das deminutivum werlin, werlein: in dem euszern randt des auglids erhebt sich underweilen ein scharpff schmertzhafftig geschwerlin, das nennet man das werlin im aug Ryff gr. chirurgei (1559) letzter teil 65ᵃ; sowie die form wernichel: (mittel gegen augenentzündung) halt einen koch-loͤffel von fernen zum feuer, so wird ein schmaltz heraus gisten, solch fett nimm mit einem federlein von dem loͤffel und bestreiche den wernichel darmit Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 221ᵃ; s. ferner Schmeller-Frommann bayer. 2, 1002 und Schatz Tirol 701.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 442, Z. 64.

werre3, f., (vereinzelt m.)

³werre, f. (vereinzelt m.),
'krieg, streit, unruhe, verwirrung', s. unter wirre teil 14, 2, 610; zu den dort genannten belegen vgl. noch: daz wir allen den werren der zuschen vns vnde vnsern luten was zu Oppenheim, an vnsern herren den romeschen kunig Rudolven sazten (1282) altdt. orig. urk. 1, 454 Wilhelm; wirt abir eyn werre undir yn ... (um 1320) sächs. bergr. i. mta. 29 Ermisch; da yn Achab, der künig, sahe sprach er zuͦ jm, bist du der, der ein solchen werren anricht in Israel S. Franck chron. (1531) 50ᵃ; meist pluralisch: ist aber daz wir ... wider vnsers herren herzogen Lvdwiges willen iht tvͦn ... da mit er werren an der bvrch gewinnen moͤht, ... so haben wir im die bvrch ze Murá ze rechten eigen frilich vnd ledechlich gegeben (1272) altdt. orig. urk. 1, 197 Wilhelm; zu kriegen vnd zu werren lassen sie es nach in (1400) Joh. v. Saaz ackermann a. Böhmen 42 Hübner; er macht vil werren und aufruer under den fürsten Füetrer bayer. chron. 76 Spiller; werren vnd schlachten haben (um 1500) urk. z. gesch. Maximilians 442 lit. ver.;
er macht uns gar vil wirrn   nd werrn
H. Sachs 21, 10 lit. ver.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 443, Z. 35.

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„werre“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werre>, abgerufen am 29.11.2020.

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